Ihr Leben wird von allein schlechter. Da hilft nur Aufräumen.

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Und was das mit Entropie und dem 2. Satz der Thermodynamik zu tun hat.

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Albert Camus schlug vor, sich Sisyphus als glücklichen Menschen vorzustellen.

Immer wenn ich in meinem Garten mit dem Schlauch die Rosen und Büsche sprengen will, kommt mir Murphys Gesetz in den Sinn. Es lautet: „Was schiefgehen kann, geht schief.“ In meinem Fall verheddert sich der blöde Gartenschlauch, wenn ich ihn wieder aufrollen will, mindestens dreimal an allen möglichen Kanten, Stuhlbeinen usw.

Murphys Gesetz führt uns immer wieder vor Augen, dass fast alles im Leben dazu tendiert, Probleme zu machen. Sie scheinen aus dem Nichts zu kommen, während Lösungen unsere Aufmerksamkeit, Energie und Anstrengung fordern. Selten klappt das Leben von allein, ordnet sich von selbst. Immer müssen wir uns darum kümmern, dass es wieder glatt läuft.

Warum, verdammt nochmal, ist das so?

Dahinter steckt eine der stärksten Kräfte des Universums. Sie beeinflusst fast alle unsere Handlungen und unser tägliches Leben: die Entropie.

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Der Tee wärmt Ihre Hände – und wird dabei kälter.

Was ist Entropie und was macht sie genau?

Zur Veranschaulichung ein Beispiel:
Stellen Sie sich eine Schachtel mit einem Puzzle vor, die Sie auf dem Tisch ausleeren. Theoretisch wäre es möglich, dass einfach alle Puzzleteile an ihren richtigen Platz fallen und Sie das gewünschte Puzzlebild vor sich liegen haben. Aber in Wirklichkeit passiert das seltsamerweise nie.

Warum nicht?

Ganz einfach, die Umstände sprechen dagegen. Es gibt nur eine einzige Anordnung, in die die Puzzleteile für ein fertiges Bild fallen könnten – aber es gibt unzählig andere Möglichkeiten der Unordnung. Es ist also extrem unwahrscheinlich, dass beim Auskippen der Puzzle-Schachtel die Teile genau in der richtigen Ordnung zueinander fallen.

Ähnlich im Herbst, wenn Sie vor der Garage die gefallenen Blätter fein säuberlich in einer Ecke zusammengekehrt haben. Wenn Sie sie nicht gleich in die Tonne entsorgen – ein paar Stunden später ist Ihr schöner Laubhaufen nicht mehr da. Theoretisch könnte der Wind ihn zwar wieder zusammentragen – aber praktisch wird das nicht geschehen.

Auch die Sandburg, die Sie mit Ihren Kindern am Strand stundenlang gebaut haben, wird am nächsten Tag nicht mehr in der Form da sein, wie Sie sie verlassen haben. Der Wind, Möwen, Spaziergänger haben bewirkt, dass Ihre tolle Sandburg nur noch eine Ruine ist.

Die Kraft, die hinter all diesen alltäglichen Phänomenen steckt, heißt: Entropie.

Sie sorgt unerbittlich dafür, dass es immer wieder mehr Unordnung gibt, weniger Struktur.

Dahinter steckt das 2. Gesetz der Thermodynamik. Da ist ein wichtiges Konzept in der Chemie und ein fundamentales Gesetz im Universum. Es wurde von dem deutschen Physiker Robert Clausius (1822-1888) entdeckt. Den Folgen dieses Gesetzes entkommt niemand und nichts.

Hier Konsequenzen der Entropie, die Sie täglich erleben können:

  • Ausgleichs- und Mischungsvorgänge sind irreversibel.
    Die Milch, die sich im Kaffee verteilt hat, kriegen Sie nicht mehr zurück.
    Die Wärme, die durch ein gekipptes Fenster entweicht, ist für immer fort.
    Das Loch in Ihrer Jeans können Sie stopfen aber die ursprüngliche Stoffstruktur ist dahin.
  • Wärme kann nicht von selbst von einem Körper niedriger Temperatur auf einen Körper höherer Temperatur übergehen.
    Heißer Kaffee gibt solange Wärme an die Umgebung ab, bis seine Temperatur gleich der Umgebungstemperatur ist. Große Wasserflächen erwärmen sich langsam bei Sonneneinstrahlung. Dabei geht Wärme von der wärmeren Luft auf das kältere Wasser über, nie aber vom kälteren Wasser auf die wärmere Luft.
    Öffnen Sie das Fenster eines geheizten Zimmers, so erfolgt allmählich eine Abkühlung. Wärme geht vom Zimmer an die kühlere Umgebung über, nie in der umgekehrten Richtung.
  • Wollen Sie die Richtung von selbst ablaufenden Vorgängen umkehren,
    brauchen Sie zusätzliche Energie. Das kalte Zimmer müssen Sie heizen, das zu warme Zimmer im Sommer mit einer Klimaanlage kühlen.
  • In geschlossenen Systemen nimmt die Unordnung immer zu.
    Da müssen Sie nur hin und wieder ins Kinderzimmer schauen.
    Oder auf Ihren Schreibtisch.
    Oder in Ihren Keller.

Kurz gefasst: Die Unordnung wird immer größer, wenn man keine Energie aufwendet, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Oder wissenschaftlicher ausgedrückt: Die Natur strebt aus einem unwahrscheinlicheren Zustand der Ordnung immer dem wahrscheinlicheren Zustand zu. Und der wahrscheinlichste Zustand ist immer der der größtmöglichen Unordnung.

Wie Sie im Kampf gegen die Entropie am besten Ihr Zuhause und Ihren Arbeitsplatz aufräumen, habe ich in diesem Artikel über Marie Kondo und ihre Methode des „Magic Cleaning“ beschrieben.

Außerdem ist die Natur faul und spart Energie, wo sie nur kann. Deshalb entsteht die Unordnung vor allem auf der Straße oder zu Hause auf Ihrem Fußboden. Wenn Sie das Papiertaschentuch fallen lassen, flattert es gemeinerweise nicht in den Papierkorb, der zehn Meter entfernt ist. Und wenn Sie Ihr getragenes T-Shirt fallen lassen, wird es nicht von allein in den Kleiderschrank fliegen.

Das Entropie-Gesetz trifft natürlich auch auf das Universum zu, was bedeutet, dass es uns alle, die Erde, das ganze Sonnensystem nicht auf ewirg gibt. Das All dehnt sich nämlich immer schneller aus – ein irreversibler Prozess – und eines fernen Tages wird es ganz zerfallen. Es sei denn, es taucht noch jemand auf, der für Ordnung sorgt.


Was hat das jetzt mit Ihrem Leben zu tun?

Nun, das Fiese an der Entropie ist: mit der Zeit wird sie immer größer.

Es ist die natürliche Tendenz von Dingen, die Ordnung zu verlieren. Auf sich selbst gestellt, wird sich eine Struktur immer weiter auflösen. Das ist zuweilen sehr erwünscht:

  • Wenn ich Milch in meinen Kaffee gieße, warte ich darauf, dass der Milchstrahl sich auflöst.
  • Die Teeblätter in der Kanne sollen auch etwas ihre Struktur lockern, damit sie ihre Inhaltsstoffe an das Wasser abgeben.
  • Wenn ich nach dem Kochen das Fenster öffne, will ich dass die Luftmoleküle den Essengeruch hinaustragen.
  • Die kahle Bergflanke eines aufgegebenen Steinbruchs ist in einigen Jahren wieder begrünt und zugewachsen.

Aber oft ist die Entropie auch total lästig und unerwünscht.

  • Unkraut macht sich in meinem Rasen breit.
  • Das frischgewaschene Auto sieht nur einen halben Tag so aus.
  • Menschen werden älter, krank und sterben.
  • Selbst Berge, genügend Zeit gegeben, erodieren.

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Ohne unsere Anstrengung tendiert das Leben immer zur Unordnung. Überall.

Für die universelle Bedeutung dieser Aussage müssen Sie nur ab und an Nachrichten lesen. Es ist fast zum Verzweifeln.

Aber es gibt eine gute Nachricht.

Sie sind zwar der Entropie in allen Lebensbereichen ausgeliefert – aber Sie sind nicht hilflos. Sie können der Entropie mutig entgegentreten. Allerdings brauchen Sie dafür Energie und Zeit:

  • Dann räumen Sie mit Ihrem Siebenjährigen sein Zimmer auf.
  • Rutschen kniend im Garten herum, um das Unkraut auszureißen.
  • Räumen Ihren Schreibtisch auf oder machen die Ablage.
  • Entrümpeln Ihren Kleiderschrank oder die Garage und trennen sich von Überflüssigem.
  • Sie rufen Ihre Mitarbeiter zu einem Teammeeting zusammen.

Zum Glück haben wir Menschen das in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten auch getan:

  • Die Menschen leben länger und gesünder, nicht nur in der entwickelten Welt, sondern auf dem ganzen Globus. Ansteckende und parasitäre Krankheiten sind dutzendweise besiegt oder im Verschwinden begriffen.
  • Sehr viel mehr Kinder gehen zur Schule und lernen schreiben.
  • Extreme Armut ist weltweit von 85 auf zehn Prozent gesunken.
  • Und trotz örtlicher Rückschläge ist die Welt demokratischer denn je.
  • Frauen sind besser ausgebildet, heiraten später, verdienen mehr und haben mehr Positionen, die mit Macht und Einfluss verbunden sind.
  • Rassistische Vorurteile und aus Hass begangene Verbrechen sind zurückgegangen, seitdem es darüber Aufzeichnungen gibt.
  • Die Welt wird sogar klüger: In jedem Land ist der IQ um drei Punkte pro Jahrzehnt gewachsen.
  •  Selbst die Statistik der Nuklearwaffen zeigt: Keine solche Waffe wurde seit Nagasaki eingesetzt, Nukleartests gibt es nur noch sehr selten. Was die Verbreitung der Waffen angeht, so hat sich der Atom-Klub zwar auf neun Länder erweitert – in den Sechzigerjahren hatte man allerdings noch dreißig oder mehr vorhergesagt. Sechzehn Länder haben ihre Atomprogramme aufgegeben (Iran dürfte bald das siebzehnte sein). Und die Anzahl der Waffen wurde um fünf Sechstel vermindert – damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass solche Waffen in falsche Hände geraten, oder dass es zu Unfällen kommt.

Quelle: Steven Pinker in SZ


Das Leben hinterlässt also dauernd Spuren. Und wir müssen aufräumen.

Nach der Broken-Windows-Theorie fördert ein zerbrochene Windschutzscheibe in einem abgestellten Auto in einem Stadtteil, wenn es nicht bald repariert wird, weitere Zeichen der Verwahrlosung in dieser Gegend. Das ist Entropie in Reinform.

Das bedeutet, dass in fast allen Bereichen des Lebens wir aufräumen müssen, um immer wieder eine sinnvolle Ordnung herzustellen. Dass wir die Gefahr der Entropie unterschätzen und geordnete Nischen unterschätzen, kann zu schlimmen Ergebnissen führen.

Wie dieser Filmtrailer zeigt:

Die Versäumnis, sein Leben in Ordnung zu halten, hat auch mit dem Wunsch zu tun, zu viel in das eigene Leben zu stopfen.

So wie es die Darstellerin in dem Film sehr schön ausdrückt: „Man hat einfach zu wenige Leben. Man müsste für alles ein Extra-Leben haben. Mit diesen vielen Interessen reicht es am Ende einfach nicht aus. Für’s Lesen ein Leben, für’s Musikhören ein Leben, für’s Musikmachen eins, für’s Reisen – für so viel.“

Wenn wir etwas vorhaben oder erreichen wollen, brauchen wir eine dafür geeignete Struktur, also zum Beispiel einen Plan. Und dann die Energie und Ausdauer, die einzelnen Schritte unseres Plans umzusetzen. Das ist gar nicht so leicht. Der natürliche Lauf des Lebens steht dem eigentlich entgegen. In Form von anderen Prioritäten, Störungen und unseren eigenen Befindlichkeiten, die oft lieber einem angenehmen Zeitvertreib den Vorzug geben.

Und dann kommt noch der 2. Satz der Thermodynamik dazwischen:

  • Die Zeit, die wir in eine falsche Idee investiert haben, ist vorbei.
  • Das Geld, das wir für das falsche Programm, den ungeeigneten Mitarbeiter ausgegeben haben, ist fort.
  • Die Möglichkeiten, dass etwas schief geht, sind viel zahlreicher als die Wege, die zum gewünschten Ergebnis führen. Das weiß jeder Lottospieler.

Was beweist: Dem Universum, der Welt sind unsere Wünsche egal.
Es schenkt uns erst einmal nichts. Wenn wir etwas wollen, müssen wir uns selbst darum bemühen. Das war übrigens von Anbeginn der Menschheit so. Früchte und Beeren flogen nicht wie im Schlaraffenland in den Mund, man musste sie suchen und sammeln. Tiere, die man erlegen wollte, hatten was dagegen, liefen weg und mussten trickreich gejagt werden. Äste, Blätter und Steine formten sich nicht von selbst zu Behausungen. Auch das Feuerholz fiel nicht vom Himmel.

Wohlstand, egal auf welchem Niveau, war schon immer das Ergebnis von Anstrengung.
Entweder der eigenen oder im Erbfall von der Generation davor. Viele Diskussionen um das Thema Armut gehen darum, ob und wer daran Schuld hat. Der Einzelne, die Gesellschaft, die Rahmenbedingungen. Doch dass das Leben stellt uns dauernd vor Probleme, das liegt einfach in der Natur des Universums. Und wir können nur noch wählen, uns ihnen zu ergeben oder sie anzupacken.

Wir müssen also aufräumen. Platz schaffen für das, was wir erschaffen wollen. Doch dabei gilt: Einmal aufräumen reicht nicht. Die gewünschte Ordnung muss ständig erhalten, verteidigt und immer wieder neu errungen werden. Wie Sisyphus oben in der Grafik.


 

Wo sich die Entropie in Ihrem Leben zeigt.

In Ihrer Einzigartigkeit.

Die Atome und Moleküle, die jetzt Ihren Körper und Ihren Geist formen, könnten auch in einer unendlichen Anzahl von anderen Möglichkeiten arrangiert sein – und dann gäbe es Sie nicht. Aber die Umstände arbeiten dauernd gegen Sie. Durch Verschleiß, Alter, Abnutzung, Krankheiten usw.

Diesen Prozeß können Sie nicht aufhalten. Höchstens verlangsamen.

In Ihrer Partnerschaft.

Es gibt viele Möglichkeiten, warum eine Beziehung zerbricht: Stress wegen zu wenig oder zu viel Geld, zu wenig oder zu viel Arbeit, Kinder oder keine Kinder, einmischende Eltern und Schwiegereltern, Untreue … Um eine Partnerschaft lebendig zu halten braucht es Maßnahmen gegen den fortschreitende Entropie einer Beziehung. Das sind nach meiner Erfahrung vor allem:

  • Regelmäßige Zeiten als Paar, wo man schöne Momente schafft.
  • Rituale wie beispielsweise gemeinsame Mahlzeiten oder Unternehmungen.
  • Auftretende Konflikte früh ansprechen und möglichst klären oder lösen.
  • Unvermeidliche Kränkungen nicht heimzahlen, sondern verarbeiten.

Wie Unkraut im Garten die Rosen überwuchern kann, wenn man nichts dagegen tut, können auch das Unkraut und der Stress des Alltags die Rosen einer einstmals glücklichen Partnerschaft in Mitleidenschaft ziehen.

In Ihrem Job.

Sie haben verschiedene Talente, Stärken, Fähigkeiten und Neigungen, die für Sie charakteristisch sind. Aber Sie leben in einer Gesellschaft, die nicht unbedingt dafür gemacht ist, Ihre speziellen Eigenschaften zu unterstützen. Wenn Sie darüber nachdenken, was Sie jetzt über Entropie nachdenken, verstehen Sie, dass die Umstände, unter denen Sie aufgewachsen sind und unter denen Sie heute noch leben, nicht unbedingt positiv für Ihre spezifischen Eigenschaften sind.

  • Als meine Eltern mich mit 16 Jahren zur Berufsberatung schickten, weil ich keine Lust mehr hatte auf Gymnasium, machte ich dort einige Tests. Als beste Eignung kam heraus: Elektroinstallateur!
  • Die meisten Eltern wollen für Ihr Kind das Abitur. Doch viele Schüler stürzt das nach der Reifeprüfung in eine Sinnkrise. Und dringend gesucht werden heute Handwerker und Fachkräfte, nicht noch mehr Akademiker.

Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass das Leben Ihnen eine Situation beschert, die perfekt Ihre Stärken braucht. Das Gegenteil ist viel wahrscheinlicher. Dass Sie in einem Studium, einem Beruf, einer Laufbahn oder einem Unternehmen geraten, das nur unzureichend Ihre speziellen Fähigkeiten berücksichtigt.

Evolutionsbiologen sprechen von einer „Mismatch“-Situation“, wenn ein Organismus nicht gut ausgestattet ist für die Umgebung, in der er lebt. Angebot und Nachfrage stimmen also nicht überein. Das gibt es auf dem Arbeitsmarkt sehr häufig.

Genau wie ich, werden Sie auch immer wieder auf Mismatch-Situationen in Ihrem Leben stoßen. Dafür spricht schon das Entropie-Gesetz, denken Sie an die ausgekippte Puzzleschachtel. Daraus erwächst eine große Chance und Verantwortung.


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Geheimnis gelüftet: Warum das Huhn weiß, wann es schlüpfen muss.

Seien Sie kein geschlossenes System.

Wenn Sie das Gefühl haben, im falschen Beruf, in der falschen Ehe, im falschen Land, im falschen Leben zu stecken – grämen Sie sich nicht länger.

Nach dem Entropie-Gesetz und Mr. Murphys Erkenntnis gibt es viel mehr Möglichkeiten, dass etwas schief ging und geht – anstatt dass es zum Erfolg führt. Das hat nichts mit den Sternen zu tun, dem Schicksal oder dass Gott Sie vergessen hat: Es ist einfach Entropie am Werk. Dass es im Leben dauernd Probleme gibt, ist auch niemandes Schuld. Es ist einfach nur nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung das häufigste Ergebnis.

Wenn Sie also in einer Mismatch-Situation feststecken und nicht selbst raus kommen, brauchen Sie vielleicht Energiezufuhr von außen, damit nicht noch mehr  Chaos und Unordnung entstehen.

Sie erinnern sich: Ein geschlossenes System ist eines, das keine Energie von außen aufnehmen kann oder will. Bei Menschen nennt man das „beratungsresistent„. Bevor jemand nicht Energie von außen aufnimmt, um die Dinge in Ordnung zu bringen, ist der natürliche Trend jedes geschlossenen Systems, immer unordentlicher zu werden.

  • Sie versuchen vergeblich seit einiger Zeit, das Chaos in Ihrer Wohnung zu beseitigen und schaffen es nicht.
    Eine gute Putzfrau erledigt in ein paar Stunden mehr als Sie in den letzten Wochen geschafft haben.
  • Die Steuererklärung als Selbständiger kostet Sie Tage, Stress und Nerven – und immer noch wissen Sie nicht, wie das mit der Abgrenzung der Einnahmen am Jahresende funktioniert.
    Zwei Stunden beim Steuerberater und Sie sehen klar.
  • Sie haben einen unerklärlichen Druckschmerz im Unterbauch, der Ihnen Sorgen macht. Freunde und Bekannte, die Sie fragen, haben unterschiedliche Erklärungen. Nach 4 Stunden Internetrecherche machen Sie Ihr Testament, weil Sie überzeugt sind, dass es ein unheilbarer Krebs ist.
    Ein Besuch beim Facharzt und Sie gehen mit dem Ärztemuster eines Abführmittels glücklich nach Hause.

Also, öffnen Sie Ihr geschlossenes System. Sprechen Sie mit Ihrem Chef, Ihrem Partner, mit Freunden, hören Sie zu und nehmen Sie daraus das, das für Sie Sinn macht. Das heißt auch:

Bleiben Sie nicht zu lange in schwierigen Situationen stecken. Sondern verlassen oder beenden Sie sie.

Natürlich gibt es immer das Risiko, dass Sie zu früh aufgeben. Manchmal ist Ausdauer wichtig. Aber von der Entropie her gesehen ist es unwahrscheinlich, dass wenn Sie sehr unzufrieden sind, Sie sich in der für Sie bestmöglichen Situation befinden. Wenn Ihre Anstrengungen nicht relativ schnell Früchte tragen, gehen Sie voran.
(Ein Blick auf verschiedene Situationen in Ihrem Leben wird Ihnen das vermutlich bestätigen.)

Also, wenn Sie feststecken, verändern Sie Ihre Mismatch-Situation in eine, die besser zu Ihren Wünschen und Bedürfnissen passt. Ein gutes Leben passiert Ihnen nicht. Sie müssen es selbst in die Hand nehmen.

Wenn Sie dabei Energie von außen brauchen, klicken Sie hier …

 

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Bild: © symensphotographie via Visual Hunt,

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

14 Kommentare

  1. Ein großartiger Artikel, Roland, den ich sehr gern auf meine Persönlichkeitsseite bei Facebook teile. Vielen Dank dafür. Ich hatte vorher noch nie von Entropie gehört. Mr. Murphys Gesetz kenne ich dagegen sehr gut aus eigenem Erleben.
    Viele Grüße aus Berlin
    Roswitha

  2. B.Ansen sagt

    Super Artikel…..Sie sprechen mir aus der Seele, denn ich bezeichne mich gerne als kleinen Chaoten. Ich suchte immer nach Erklärungen…..jetzt habe ich eine die für mich logisch klingt…..und wenn ich für etwas eine logische Erklärung habe kann ich viel besser was dagegen tun….vielen Dank dafür.

  3. Als Maschinenbauer habe ich sogar Prüfung in Thermodynamik abgelegt und sogar bestanden *g. Das mit dem Leben konnte mir damals mein Professor auch nicht erklären. ^^ wir widersprechen uns ja gar nicht, denn wenn wir diese unrealistischen Erwartungen ablegen, sind wir umso überraschter und auch dankbar, wenn doch alles in Ordnung kommt.

    Nehmen wir doch mal die „Gerechtigkeit“. Das Universum kennt keine Gerechtigkeit. Dennoch haben wir ein offensichtlich angeborenes empfinden, sowie andere Wirbeltiere auch, für Gerechtigkeit. Es gibt viele Punkte, die wir als ungerecht empfinden, zum Beispiel, wieso kann diese Frau ein Kind bekommen und ich nicht. Ich habe es viel mehr verdienst, das ist so ungerecht. Diese Frage an das Universum gibt es gar nicht. Oder auch die „wieso gerade ich“-Frage.

    Andererseits gibt es dennoch eine gewisse Gerechtigkeit des Universums zum Beispiel Menschen gegenüber, die sich böswillig zu einem verhalten haben. Denn diese verhalten sich immer böswillig. Und so ein Verhalten bekommt irgendwann halt auch die Konsequenzen zu spüren.

    Meine persönliche Erfahrung ist, das Leben anzunehmen wie es ist, und für alles, was sich richtig anfühlt, dankbar zu sein. Und der arme Mann, der sich ärgert, und sich dadurch dieses wunderschöne Leben vermisst, nur weil der Gartenschlauch an eine Ecke hängen geblieben ist.

  4. … starke logische Kette zum Thema Ordnung und Zerfall, sehr geschätzter Kollege.
    LG
    BG

  5. Elfriede Meißl sagt

    Den Bericht muß ich mir abspeichern und öfter lesen. Die Tendenz zur immer wieder passierenden Auflösung mühsam geschaffener Ordnung gibt wenigstens eine Erklärung für das, was man/ich täglich erlebt/erlebe ;-).

  6. Lieber Roland,

    schönen Dank für den langen und sehr interessanten Riemen.

    Mir geht es wohl wie der Darstellerin im Film: „Man hat einfach zu wenige Leben.“
    Es gibt zu viele Dinge, die ich noch tun möchte, Bücher, die ich noch lesen will oder Filme, die ich noch nicht gesehen habe. Von beruflichen Projekten mal noch gar nicht gesprochen. Zum Glück haben Selbständige ja kein vorgegebenes Rentenalter.
    Dir viel Erfolg beim Kampf mit der „Unrodnung“ in Haus und Garten.

    Beste Grüße
    Winfried

  7. Martina Stauch sagt

    Hallo Roland,
    danke für die schöne Sonntagsperle über Entropie, davon höre ich das erste mal. Klingt einleuchtend und beruhigend, da sieht man dass es kein Wunder ist wenn man sich selbst oft als Sisifuss sieht. ich musste auch oft lachen beim lesen, vor allem bei der Erkenntnis dass man in einer mißlichen Lage eh nix falsch machen kann weil durch das chaos Gesetz das Nichtstun alles noch schlimmer macht. A

    Aber die Ordnung im Weltall ist erst durch das Chaos entstanden, Wer hat denn da aufgeräumt? Ich will nicht zum Messie werden, um festzustellen ob dann ein Urknall in meinem Leben entsteht. Ich finde trotz allem dass es einige Menschen gibt denen alles viel leichter fällt als anderen.
    Ich wünsche dir noch einen schönen Sonntag und nicht zu viel Unkraut in deinem Garten. : )

  8. Der 2. Satz der Thermodynamik ist ja nur ein Naturgesetz. Aber dass Wärme entweicht oder das All sich ausdehnt, ist ja keine Frage der Wahrnehmung.
    Ich bin auch nicht gegen das Universum, das würde ja nicht viel bringen. Der Artikel empfiehlt ja eher, von den eigenen unrealistischen Erwartungen, dass alles irgendwann mal in Ordnung kommen müsse, abzulassen.

  9. Ist das nicht nur eine Frage der Wahrnehmung?
    Trotz aller Entropie hat das Universum Leben hervorgebracht. Das dürfte es ja dann eigentlich gar nicht geben. Ist der Trick dann nicht der, mit dem Universum zu sein statt gegen es?

  10. Ja, ich finde auch, dass das Wissen einen entlasten kann. Nicht „Ich bin unordentlich“, sondern „Das Leben sorgt dauernd für Unordnung.“

  11. Auch wenn sich rein durch das Lesen des Artikels noch gar nichts verändert – „irgendwie“ gut zu wissen.

  12. Wer bei mir mitliest, weiß, dass das Thema „Aufräumen“ schon seit längerer Zeit einen besonderen Stellenwert in meinem Leben hat. Dieser kluge Artikel greift das Thema auf und beleuchtet es unter verschiedenen Gesichtspunkten.

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