Mein zweites Leben begann als ich meine Verletzlichkeit zähneknirschend akzeptieren musste.

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Um das zu begreifen musste ich ziemlich alt werden.

Den ersten Hinweis, dass ich auch mal älter werden könnte, verdanke ich meinem Augenarzt.

So um die vierzig herum suchte ich ihn auf, weil etwas mit meinem Sehen nicht stimmte. Ich wusste nicht genau, was es war und hoffte auf ein paar Augentropfen von ihm, die mein ursprüngliches Sehen wiederherstellen würden. Stattdessen sagte er: „Ihr Sehproblem ist ganz einfach. Sie brauchen eine Lesebrille!“

Einigermaßen verwirrt (ICH? EINE LESEBRILLE?) fragte ich: „Warum brauche ich jetzt schon eine Lesebrille?“ Und er sagte den verhängnisvollen Satz, der mich seitdem durch mein Leben begleitet: „Das ist eine Alterserscheinung, also völlig normal.“

Dieser Satz verfolgt mich seitdem. Denn natürlich blieb es nicht die einzige Alterserscheinung. So um die sechzig verabschiedete sich mein Geruchssinn, was mir lange Zeit nicht auffiel. Das ist auf öffentlichen Toiletten ganz praktisch aber beim Kochen und Essen weniger. Auch mein Hörvermögen ließ nach, vor allem in der Weise, dass es mich anstrengt, auf Parties einem Gespräch zu folgen. Etliche Zähne verabschiedeten sich. Das war alles nicht angenehm, warf mich aber nicht um.

Doch als ich im Sommer 2016 mich einer großen Operation unterziehen musste, wurde es ernst.

Ich hatte Glück gehabt, weil ich alle notwendigen Vorsorgeuntersuchungen machen lasse. In den Monaten danach kämpfte ich sehr damit, was ich nicht länger verdrängen konnte: Dass auch mein Leben endlich war und ich irgendwann in den „nächsten“ Jahren – vielleicht aber auch schon morgen – sterben würde.

Dadurch, dass mich diese Erkenntnis so umhaute, merkte ich erst, dass ich offensichtlich zuvor vom Gegenteil ausgegangen war. Und alles in mir rebellierte:

Das kann nicht sein!
Ich will mindestens hundert Jahre alt werden. Mindestens! So wie Johannes Heesters, der noch mit über hundert Jahren eine schöne Stimme hatte und auftrat.
Und warum soll ich nicht hundert werden?
Ich lebe doch so, wie alle Gesundheitsempfehlungen für ein langes Leben vorschreiben: Ernähre mich sehr bewusst. Habe nie geraucht. Treibe regelmäßig aber nicht übertrieben Sport. Bin glücklich verheiratet, habe zwei tolle Kinder. Arbeite trotz Überschreiten der Pensionsgrenze noch voll in meinem Lieblingsberuf.
Mit anderen Worten: Ich habe doch alles richtig gemacht!

Nur – die Krankheit kümmerte sich einen Dreck um meine angesammelten Karmapunkte und machte mir deutlich: Auch Du wirst älter und bist sterblich. Punkt.

Daran hatte ich lange zu kauen und tue es immer noch. Mit wurde klar, dass aus narzisstischer Selbstüberschätzung ich zwar rational wusste, dass wir alle sterblich sind – gleichwohl aber dachte: Aber ich doch nicht! Jedenfalls jetzt noch nicht.

Die schmerzliche und anstrengende Auseinandersetzung mit meiner jahrzehntelangen Verdrängungsleistung brachte mich zu wichtigen Fragen:

  • Warum wollen viele Menschen immer noch perfekter werden?
  • Warum wirkt es cool, unverwundbar zu erscheinen?
  • Wie viel Kontrolle haben wir wirklich über uns selbst und unser Leben?
  • Warum haben wir Angst zu zeigen, dass wir ganz normal sind?
  • Warum muss so vieles im Leben außergewöhnlich sein?

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Der Schlüssel ist die eigene Verletzlichkeit.

Bei der Suche nach Antworten auf diese Fragen stieß ich auf die Arbeiten von Brené Brown. In ihren Studien über Scham und Verletzlichkeit befragte sie Hunderte Menschen zu ihren Gefühlen. Sie wollte herausfinden, was jene, die durchweg glücklicher und zufrieden mit ihrem Leben waren, anders machten als jene, die immer wieder mit ihrem Leben haderten.

Ihr erstaunlichstes Ergebnis war:

Jene Menschen, die ein besonders erfülltes Leben führten, versuchten vor allem, nicht immer perfekt sein zu müssen, um geliebt zu werden. Sie hatten sich mit der Zeit damit angefreundet, dass sie verletzlich, weil nicht perfekt, waren. Und vor allem, sie konnten das zeigen.
Dabei ist Verletzlichkeit für diese Menschen wohl genauso unangenehm wie für andere. Aber sie wird eben nicht als etwas absolut Unerträgliches erlebt, das man auf alle Fälle vermeiden müsste.
Stattdessen sehen diese Menschen Verletzlichkeit einfach als einen  normalen und notwendigen Bestandteil des Lebens an. Und sind aber auch davon überzeugt, dass das, weshalb sie sich verletzlich fühlen, letztendlich auch das ist, was sie als Mensch schön und wertvoll macht.

Hmm, von dieser weisen Einsicht bin ich noch ein ziemliches Stück entfernt.

Die meisten Menschen – Männer insbesonders – werden ja auch dazu erzogen und angehalten, ihre Verletzlichkeit zu leugnen oder zu verbergen, weil es eine der größten männlichen Ängste ist, schwach zu wirken. Doch vielen Frauen geht es mittlerweile ähnlich, weil das moderne Frauenbild verlangt, dass man unabhängig, eigenständig und tough wirken muss. Sich verletzlich zu zeigen, passt hier genauso wenig zum angestrebten Selbstbild.

Für unsere Verletzlichkeit schämen wir uns oft.

Dr. Brown erforschte als Professorin an der University of Houston zuerst die Scham als eines unserer grundlegenden Gefühle. Sie wollte wissen, wie Menschen Scham erleben und damit umgehen. Meistens reden wir ja nicht über dieses peinliche Gefühl und versuchen, die Scham vor anderen und oft auch vor uns selbst zu verstecken. Denn mit dem Schämen verbinden wir, dass wir klein, fehlerhaft und niemals gut genug sind.

Über Dinge, die wir peinlich finden, redet man ja nicht gerne. Aber das hält die Scham lebendig. Deshalb ist es hilfreich, über schambesetzte Dinge mit geeigneten Menschen zu sprechen. Denn Empathie reduziert Scham. Wenn Sie jemanden anrufen und ihm mitteilen, dass Sie vor dem Vortrag, den Sie morgen halten sollen, die Hosen voll haben, machen Sie sich verletzlich. Denn Sie wissen nicht sicher, wie der Andere reagiert. Erleben Sie eine verständnisvolle Reaktion, wird sich Ihre Scham jedoch in Luft auflösen. Über peinliche Gefühle zu sprechen ist also das beste Mittel, um das Monster der Scham zu zähmen. Aber wie gesagt: es kommt sehr darauf an, mit wem man darüber spricht.

Wenn wir unsere Scham zeigen, machen wir uns verletzlich.  Diese Verletzlichkeit zu akzeptieren ist das Gegengift zu Scham. Brené Brown schreibt:

„Scham ist im Wesentlichen die Angst, mit all unseren Schwächen und Fehlern nicht liebenswert zu sein – sie ist das absolute Gegenteil davon, unsere Geschichte anzuerkennen und uns als wertvoll zu empfinden.“

Beschämung kann man also als Angst vor Abgetrenntheit, vor Beziehungsverlust verstehen. Wir befürchten, dass es irgendwas an uns geben könnte, das, wenn es andere Leute mitkriegen, die Beziehung trüben oder beenden könnte, weil sich herausstellt, dass wir der Beziehung nicht mehr würdig sind.


Wie wir vieles im Leben verpassen.

Wenn wir mit uns selbst nicht zufrieden sind, glauben wir, dass wir immer wieder etwas Besonderes sein oder tun müssen.

Wir sind auf der Jagd nach dem Außergewöhnlichen. Und schämen uns schnell, wenn wir nach unserer Meinung nur Mittelmaß oder normal sind. Doch genau dieses Streben nach dem Außergewöhnlichen ist der Versuch, unverwundbar zu werden.

Brené Brown beschreibt in ihren Büchern, dass Verletzlichkeit der Schlüssel zu allem ist, von dem wir mehr wollen: Freude, Intimität, Liebe, das Gefühl von Zugehörigkeit, Vertrauen. Gleichzeitig sind wir aber oft nicht bereit, die Rüstung abzulegen und zu zeigen, wer wir wirklich sind, unsere Ängste und Träume, weil wir fürchten, man könne all das als Munition gegen uns verwenden.

Sich verletzlich zu zeigen, heißt auch, sich mit der eigenen Abhängigkeit zu befreunden.

Doch Abhängigkeit hat in unserer Gesellschaft keinen guten Ruf. Nicht umsonst gibt es den Begriff der Abhängigkeitserkrankungen. Unabhängigkeit , also das Streben nach Autonomie, Selbständigkeit und Selbstbestimmung gelten oft als viel positiver. Bis hin zu den Anhängern des Minimalismus, die sich rühmen, fast nichts mehr zu brauchen – bis auf den Drang, sich von möglichst vielem loszusagen.


Wie kann man seine Verletzlichkeit zeigen?

In den 10 Kapiteln ihres Buches „Die Gaben der Unvollkommenheit“ beschreibt die Autorin den Weg, Verletzlichkeit mehr ins eigene Leben zu integrieren:

  • Es beginnt damit, sich schrittweise von dem zu befreien, was andere über Sie denken.
  • Dann geht es darum, dem Perfektionismus zu entkommen.
  • Sich von dem starken Bedürfnis nach Sicherheit freizumachen, gehört dazu.
  • Die Gewohnheit aufzugeben, alles und jedes zu vergleichen, ist ein wichtiger Schritt.
  • Drohende Erschöpfung und Burnout sollten keine Statussymbole sein, sondern Alarmzeichen.
  • Wer seinen Selbstwert über Leistung erreichen will, will sich vor Liebesverlust schützen.
  • Für viele Menschen sind Angst und Sorge eine Lebenshaltung, mit der sie sich vor Unsicherheit schützen wollen.
  • Der Wunsch nach Cool-Sein und Kontrollsucht sind Mittel, sich unverwundbar machen zu wollen.
  • Ziel ist es, den Mut zu entwickeln, frei zu sagen was einem am Herzen liegt, also: aus vollem Herzen zu leben.

Brené Brown ermutigt in erfrischender und liebevoller Art, sich mit seinen Unzulänglichkeiten auszusöhnen und dann voll auf das Leben einzulassen. Ein Leben aus vollem Herzen bedeutet für die Wissenschaftlerin ein Leben voller Freude, Verbundenheit und Sinn. Wir sollten nicht danach streben, perfekt zu sein und es allen recht zu machen. Wir sollten den nötigen Mut zeigen, Schwäche zuzugeben und dabei authentisch zu bleiben.

Wie fühlt man sich geliebt und zugehörig?

In ihrer Forschungsarbeit fand Brené Brown heraus, was der wesentliche Unterschied ist zu Menschen, die sich ungeliebt und nicht mit anderen Menschen verbunden fühlen:

Leute, die ein starkes Gefühl der Liebe und Zugehörigkeit haben,
glauben, dass sie der Liebe und Zugehörigkeit würdig sind.

Wie erreicht man das?
Sicher nicht, indem man sich anstrengt, Übermenschliches zu leisten oder es allen recht zu machen. Stattdessen hatten diese Menschen den Mut, unvollkommen zu sein. Sie waren vor allem erst mal liebenswürdig zu sich selbst – und erst dann zu anderen. Denn Mitgefühl mit anderen Menschen können wir erst entwickeln, wenn wir auch uns selbst liebevoll behandeln.

Und vor allem riskierten sie, das loszulassen, wer sie dachten sein zu müssen um zu sein, wer sie sind. 

Sie riskierten bewusst, verletzlich zu sein. Sie glaubten, dass das, was sie verwundbar machte, sie menschlich und anziehend machte. Sie waren bereit, etwas zu tun, bei dem es keine Garantien gibt, dass es gut ausgeht. Sie waren bereit, in eine Beziehung zu investieren, die vielleicht glückt – oder aber auch nicht.

Das kann heißen:

  • Jemandem zu erzählen, dass er einem sehr am Herzen liegt.
  • In einer Beziehung zuerst zu sagen: „Ich liebe dich“.
  • Nach einigen Jahren Partnerschaft einen Heiratsantrag zu machen.
  • Zu zeigen, dass man Sex mit dem Partner möchte.
  • Zu zeigen, dass man heute keine Lust auf Sex hat.
  • Der Verkäuferin zu sagen, dass man ihren Ton unfreundlich findet.
  • Einen Kollegen zu bitten, einen Kaffee mitzubringen.
  • Einer Freundin eine Bitte abzuschlagen, obwohl man Zeit hätte.
  • Ehrlich zu kommunizieren, wie es einem geht.
  • Zu sagen, was einen stört.
  • Zu seinen Ängsten und Unsicherheiten zu stehen.
  • Seine tiefsten Bedürfnisse und Wünsche zu kommunizieren.

 

Verletzlichkeit hat zwei Gesichter.

Sie ist einerseits der Kern von Beschämung und Angst und unserem Kampf, etwas wert zu sein. Aber sie ist auch die Quelle von Freude, von Kreativität, von Zugehörigkeit, von Liebe.

Das allerwichtigste in diesem Prozess ist: daran zu glauben, dass wir genug sind. Denn wenn wir von einem Punkt ausgehen, der sagt: „Ich bin gut genug“, dann hören wir auf zu schreien und beginnen zuzuhören, sind liebevoller und freundlicher zu den Menschen um uns herum, und sind liebevoller und freundlicher zu uns selbst.

Das ist nicht einfach, denn heute herrscht fast überall das Dogma des Mangels. Obwohl wir in den westlichen Ländern im Überfluss leben, sind wir überzeugt: Es ist nie genug:

  • Wir sind nicht gut genug.
  • Wir sind nicht sicher genug.
  • Wir sind nicht perfekt genug.
  • Wir sind nicht außergewöhnlich genug.

Kurz gesagt: Wir dürfen nicht einfach normal sein. Denn mittlerweile gilt ein normales Leben oft als langweilig. Und vor lauter Jagen nach dem neuesten Hit, dem coolsten Gadget, dem angesagtesten Produkt verpassen wir vielleicht, was wirklich wichtig ist. Weil wir auf der Jagd nach dem Außergewöhnlichen sind.

Aber das Außergewöhnliche wird auch schnell gewöhnlich.

Das neueste iPhone, dessen Auspacken wie eine Entjungferung zelebriert, gefilmt und dann noch hochgeladen wird, ist spätestens nach drei Wochen auch nur noch ein Handy wie hundert andere auch. Nicht umsonst antworten Prominenten manchmal, wenn Sie gefragt werden, was ihnen durch das Berühmtsein verloren ging, sowas wie: „Dass ich samstags nicht mehr mit meiner Freundin einen Einkaufsbummel machen und hinterher ungestört was essen gehen kann.“

Im Außergewöhnlichen liegt der Kick. In den gewöhnlichen Momenten liegt die Freude.

Hier ein beeindruckendes Video mit Brené Brown.
Wenn sie unten rechts im Video auf das Symbol mit den drei Punkten klicken, können Sie die deutschen Untertitel einblenden.

 

Wie befreundet man sich mit der eigenen Verletzlichkeit?

Dazu fand Brené Brown durch ihre Studien das heraus, was Buddhisten schon lange wissen und propagieren:
Der Schlüssel ist Dankbarkeit.

Und das probiere ich jetzt auch verstärkt wieder. Im Getriebe des Alltags halte ich an und bin dankbar für das, was ich alles habe. Vor allem für die gewöhnlichen Dinge des Lebens:

  • Dass aus der Leitung immer Wasser kommt, das man bedenkenlos trinken kann.
  • Dass ich ohne Atemmaske oder Gewehr auf die Strasse gehen kann.
  • Dass ich ein Dach über dem Kopf habe und die nächste Mahlzeit schon im Kühlschrank steht.
  • Dass ich zwar ein paar gesundheitliche Einschränkungen habe aber immer noch laufen, sprechen, sehen und hören kann.
  • Dass ich in meinem Beruf etlichen Menschen geholfen habe.
  • Dass ich geliebt werde und selbst lieben kann.
  • Dass ich diesen Beitrag schreiben kann und ihn etliche Leute lesen werden.
  • Dass ich selbst mit 68 Jahren noch etwas Entscheidendes über mich lernen konnte.

Mit dem Schreiben dieses Artikels mache ich mich auch verletzlich.

Denn ich übe, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass ich älter werde. Dass mich dabei einige unschöne Begleiterscheinungen plagen. Und dass ich sterben werde. Kurz gesagt, dass das Leben bei mir keine Ausnahme machen wird.

Das finde ich zwar zwischendrin immer noch eine Frechheit – aber ich lerne, damit zu leben.
Zähneknirschend.

 

kommentar Wie gehen Sie mit Ihrer Verletzlichkeit um?

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach.
Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse.
Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

44 Kommentare

  1. Hi,

    danke für diesen Artikel.

    Ja. Dieses anerzogene Wegdrücken der eigenen Verletzlichkeit ist echt stark.

    „Ein Indianer kennt keinen Schmerz.“
    „Männer weinen nicht.“

    Auch hier spielen diese Sätze wieder ihre verhängnisvolle Rolle aus.

    Grüße

  2. Lieber Herr Kopp-Wichmann,
    heute ist es wieder einmal Zeit, Ihnen DANKE zu sagen.
    Danke für diese wahren Schätze (der Name „Sonntagsperlen“) passt so gut!), die Sie mit uns teilen. Ich habe schon so viele wertvolle Denkanstöße daraus mitgenommen!

    Ihr sehr persönlicher Blogeintrag über eine geänderte Einstellung zu Krankheit – der hat auch bei mir einen „Hebel umgelegt“. Und mich dann zum Thema unserer Verletzlichkeit geführt; die Buchbestellung von Brené Brown liegt schon im Maileingang meiner örtlichen Buchhändlerin :-).
    Und nachdem bekanntlich all das Gute, das wir aussenden, auch wieder zu uns zurückkommt, wünsche ich Ihnen ALLES GUTE!
    Noch viele gesunde (!) Jahre mit Ihren Lieben, mit schönen Begegnungen und weiterhin so gutem Wirken!
    Herzlichst Ihre
    Luise M. Sommer

  3. Johanna Huda sagt

    Hundert Prozent! Ich kann dem Artikel nichts hinzufügen, doch …: dass es manchmal schwer ist, die Freunde loszulassen, bei denen ich meine Verletzlich NICHT zeigen kann.
    Sehr gelungen, anregend und zum wiederholten Lesen geeignet.
    Danke, lieber Roland!

  4. Anca sagt

    Vielen Dank fuer diesen wunderbaren Artikel und die Offenheit mit der Sie dieses Thema ansprechen. Obwohl ich ein paar Jaehrchen juenger bin, plagen mich auch schon die Gedanken des Aelterwerdens und frage mich trotzdem ob Verletzlichkeit zeigen das einzige Mittel ist um das einfacher zu akzeptieren. Ich habe viele Jahre in Afrika und in anderen armen Laendern gelebt und habe erstaunlicherweise herausgefunden, dass Humor und sogar ueber sich selbst lachen zu koennen extrem wichtig ist. In der westlichen Welt koennen wir das leider nicht oder sehr selten. Ich persoenlich, denke wir nehmen uns meistens zu ernst und das Leben beweist uns genau das Gegenteil.

  5. Ja, ich kenne die Arbeit von Lencioni. Die fünf Dysfunktionen, die oft dazu führen, dass Teams scheitern, sind.
    – Fehlendes Vertrauen,
    – Scheu vor Konflikten,
    – Fehlendes Engagement,
    – Scheu vor Verantwortung,
    – Fehlende Ergebnis-Orientierung.

    Ein guter Gedanke von Ihnen, dass dahinter oft die Angst vor Verletztlichkeit steckt.
    Danke!

  6. Oliver Beyer sagt

    Ein wunderbar nachdenklich machender und gleichsam inspirierender Artikel. Vielen Dank dafür. Das Thema der Verletzlichkeit macht auch Patrick Lencioni in seinem Modell der 5 Dysfunctions of a Team zur Grundlage funktionierender Zusammenarbeit.

  7. Martin Grewenig sagt

    Sehr geehrter Herr Wichmann,

    ein schöner und erkenntnisreicher Beitrag !!!

    Danke

  8. Ingo Petersen sagt

    Herzlichen Dank für diesen offenen Arikel !

  9. M. S. sagt

    Lieber Roland,
    mit dem Thema Verletzlichkeit und dem Einbringen Deiner eigenen Erfahrungen ist Dir ein besonders guter Beitrag gelungen.

  10. Brigitte sagt

    Wie immer habe ich auch diese Ausführungen gerne und mit Nach-Denklichkeit gelesen. Danke!
    Das Bewußtsein der Vergänglichkeit begleitet mich schon länger. Und damit auch der Gedanke, daß Vieles, was ich gerne getan habe, nicht mehr möglich sind.
    Wenn dann anhaltende Schmerzen im eigenen und im Bekannten- und Freundeskreis dazu kommen, wird langsam auch der Gedanke häufiger, daß Tod nicht nur ein bedrohlicher Gedanke sein kann sondern auch ein gut denkbarer, weil erlösender.

    Ihnen alles Gute!

  11. Sehr geehrter Herr Kopp-Wichmann!
    ich hatte Ihnen schon einmal geschrieben, weil ich ein riesiger Fan Ihres Blogs bin. Auch das letzte Thema, über welches Sie in den Sonntagsperlen geschrieben haben, hat mich sehr angesprochen.

    Natürlich wissen wir alle, dass wir irgendwann sterben müssen, aber doch ist es einem oft so als würde es vielleicht doch nur die anderen betreffen und niemals einen selber. Sich mit dem Sterben intensiv auseinanderzusetzen, ist glaube ich je älter man wird umso schwerer, weil man natürlich statistisch gesehen immer näher an diesen Punkt heranrückt.

    Es hat mich sehr bewegt wie persönlich Sie darüber geschrieben haben.

  12. Gabi sagt

    „Bluff und Show“? – statt zu zeigen, wie es in mir aussieht?
    Ich glaube, das beeinhaltet Spannungsbögen zwischen Überlebensstrategien und Sackgasse.
    Sich der eigenen Endlichkeit bewusst zu werden, erschüttert tief und zeigt eine andere Dimension auf.
    Diese Erscütterung erlebe ich zwar oft in meiner beruflicher Begegnung mit Menschen.
    Mich mit meiner eigenen Verletzlichkeit und Endlichkeit auseinanderzusetzen ist wesentlich schwerer.

    Danke für Ihre Inspirationen und Anregungen!

  13. Liebe Frau Hermanns,
    herzlichen Dank für Ihren klugen Kommentar. Ich ahne, durch was Sie durchgegangen sein müssen, um zu diesen Einstellungen zu kommen.
    Ihr Satz „Der neue Weg liegt im Dunkeln, er zeigt sich, in dem ich ihn gehe.“ gefällt mir besonders gut.
    Und „der Tod als Freund“ ist mir vor dreißig Jahren schon in den Büchern von Carlos Castaneda begegnet. Doch das Loslassen der Wünsche fällt mir nicht leicht.

  14. Karina Hermanns sagt

    Hallo Herr Kopp-Wichmann.
    Ich finde es wohltuend, dass ein Mann mit diesem Thema so umgeht und sich selbst ein Stück weit öffentlich macht. In der heutigen Zeit brauchen wir Menschen, die damit anfangen, dann gehen auch andere mit.
    Verletztlichkeit ist eine unbedingte Voraussetzung zum Menschsein und wir sind ja Menschen, ob wir wollen oder nicht. Da hat der eigene Wille sein Recht verloren und das ist gut so.
    Ohne Verletzlichkeit sind wir Soldaten, die auf Befehl zur nächsten Front laufen. Davon gibt es ohnehin viel zu viele. Ich kann das so schreiben, da ich bis vor 3 Jahren auch ein Soldat war. Durch schwere Erkrankung wurde es mir bewusst und ich durfte halt machen. Der neue Weg liegt im Dunkeln, er zeigt sich, in dem ich ihn gehe. Für dies alles incl. Schmerzen, OP`s etc. bin ich dermaßen dankbar, dass ich dies um nichts in der Welt gegen mein altes Leben wieder eintauschen würde. Dann sterbe ich lieber.
    Zum Thema sterben erlaube ich mir noch einen Gedanken. Seit einiger Zeit denke ich nicht mehr daran, was ich in der Zukunft machen soll/will. Das Leben entscheidet, was es sein soll. Es zeigt sich, wenn es soweit ist und ich nehme es an. Ich bleibe so gut es geht im hier und jetzt. Das heißt nicht, dass ich keine Wünsche und Träume mehr habe. Ich halte diese nur nicht mehr fest, wenn es nicht geht. Der Tod ist mir in dieser Zeit ein guter Freund geworden, der neben mir geht und mich beschützt, solange es sein soll. Wenn der Moment kommt, wird er mich an die Hand nehmen und mich mitnehmen. Wenn ich diesen Moment so betrachte, macht er mir keine Angst mehr und ich kann alle Anspannung weichen lassen.
    Vielleicht ist das auch für Sie ein interessanter Gedanke.
    Mit respektvollen Grüßen
    Karina Hermanns

  15. Martina Stauch sagt

    Wie immer sind deine Sonntagsperlen, wertvoll , alle Menschen, die diese lesen können nur davon profitieren
    Ich bin Dir sehr dankbar dafür, das wollte ich mal gerne unterstreichen. Eine Lesebrille brauch ich auch und die damit verbundene Lebenskrise. Aber darüber kann ich mittlerweile lachen, besondere gesundheitliche Einschränkungen hab ich nicht, ich muss nur genau an dem arbeiten wovon dein heutiges Thema besteht. Ich wünsche Dir und all den vielen Menschen die deine Sonntagsperlen oder sonst mit dir zu tum haben dass du noch mindestens 100 glückliche Jahre wirst 🙂

  16. Ja, der Selbstwert ist sicher damit verbunden. Wobei zu klären wäre, wie man den Selbstwert stärken kann. Mein Ansatz dazu ist, dass es schon reicht, wenn man den Selbstwert durch negative Gedanken und Überzeugungen nicht schwächt.

  17. Ich denke was unzertrennlich mit dem Thema verbunden ist und mir hier einfällt:
    „Leute die mit sich selbst unzufrieden sind…..“ und hier
    „Leute, die ein starkes Gefühl der Liebe und Zugehörigkeit haben,
    glauben, dass sie der Liebe und Zugehörigkeit würdig sind.“

    ist der Selbstwert. Was ich parallel zur Übung der Dankbarkeit sehe ist die Stärkung des Selbstwertes.

    Ich danke für die Impulse.

  18. Ja, dass Perfektionismus, Kontrollsucht und der Drang, es allen Recht zu machen, Strategien sind, sich zu immunisieren, also unverwundbar zu werden, hatte ich bisher auch so nicht verstanden. Aber es macht viel Sinn.

  19. Lieber Herr Kopp-Wichmann,
    ein berührender Beitrag mit großer Tiefe. Danke! Ich habe schon viel über meinen Perfektionismus, meinem Hang zur Kontrolle, meinen Ehrgeiz, meine Bereitschaft, es allen Recht machen zu wollen etc. nachgedacht und „arbeite“ seit längerem daran. Sie haben mir mit dem Thema „Verletzlichkeit“ einen neuen Gesichtspunkt gezeigt, der eine Tiefenbohrung fördert… Ich werde diesen Gedanken nachgehen und sie vertiefen, denn fürs Älterwerden spätestens taugen die obigen Strategien nicht mehr viel

  20. Ralf Murmann sagt

    …Viele schöne und kluge Überlegungen und Einsichten.. Danke dafür !

    Und den Artikel werde ich mir zum „immer mal wieder lesen“ speichern.

    Aber was mir ein Lächeln ins Gesicht zauberte, war der letzte Satz: „Das finde ich zwar zwischendrin immer noch eine Frechheit – aber ich lerne, damit zu leben. Zähneknirschend.“

  21. Mein Verständnis bis jetzt ist: Beim Verletztsein akzeptiert man, dass man verletzt wurde und das manchmal im Leben unvermeidlich ist. Und nach einer Weile ist das dann auch überwunden.
    Beim Gekränktsein ist man empört, dass einem so etwas passiert und ist entweder beleidigt oder verfolgt den anderen oder die Welt mit Rachegefühlen.

  22. S. Doo sagt

    Guten Tag,
    berührender Artikel und hat mich nachdenklich gemacht. Dabei habe ich mir die Frage gestellt, wie sich Verletzlichkeit und Kränkung voneinander unterscheiden oder bedingen. Ein Beispiel anhand folgender Aussagen: „Ich fühl mich verletzt“ oder „Ich fühl mich gekränkt“.

    Vereinfacht wirkt es auf mich als sei „verletzt sein“ etwas temporäres, „gekränkt sein“ etwas dauerhaftes.

    Wie ist Ihre Meinung dazu Herr Kopp-Wichmann?

  23. Liebe Frau Uhlmann,
    Mentale Arbeit kann sehr hilfreich bei der Gesundung sein aber sie ist kein Zaubermittel.
    Ich hoffe, dass Sie einen guten Weg für diese neue „Herausforderung“ finden.

  24. Regine Uhlmann sagt

    Lieber Roland Kopp-Wichmann,
    Sie haben mal wieder ins Schwarze getroffen:-) Danke!

    2015 hatte ich die Diagnose Krebs. Katastrophe – riefen die anderen. Ich blieb cool, das krieg ich hin. OP und mentale Arbeit – und das war’s dann auch schon. Perfekt! Alle staunten: wie du das machst! Alle Achtung!
    Aber jetzt 2017: Metastasen an der Leber! Von wegen „erledigt“!!! Jetzt werde ich mit Chemo und erheblichen Nebenwirkungen konfrontiert und bin tageweise schachmatt. Auf der Suche nach dem geistig-seelischen Hintergrund taucht das Thema Scham auf. Wie passend.
    Scham – Perfektion – Vergänglichkeit ist ein wirklich interessantes Trio!!
    Herzliche Grüße und alles Gute für Sie!

  25. Sich zu verschliessen ist vor allem in der Kindheit oft der einzige Rettungsweg. Es braucht Jahre, bis man erkennt, was der Preis dafür ist. Und der Schlüssel, um sich wieder zu öffnen, ist meist genauso schmerzhaft wie das, warum man sich verschlossen hat.
    Danke für Ihren Kommentar.

  26. Sabine LOIK sagt

    Danke für diese Sonntagsperle !
    Da ich in meiner Kindheit und frühen Erwachsenenzeit oft seelisch und körperlich verletzt wurde , musste ich mich mit diesem Thema früher oder später auseinandersetzen.
    Irgendwann zeigte ich gar nichts mehr von mir, damit, so wie ich meinte , mir keiner mehr weh tun kann.
    Doch durch ein beinahes burnout voriges Jahr musste ich meine Arbeit aufgeben, und bin nun endlich wieder in der Lage mich selbst wahrzunehmen.
    Das war ein Prozess, der mich nächtelang wach hielt.
    Mit meinem Fehlern aber auch mit meinen Stärken gut leben können.
    Auch Dank vieler Artikel und Sonntagsperlen.
    Vielen Dank dafür und liebe Grüße
    Sabine

  27. So unangenehm es ist: wir wachsen wenig in guten Zeiten, sondern nur am Widerstand, also in Krisen. Natürlich sucht man die sich nicht aus, sie holen einen ein. Etwas daraus zu lernen, was immer es ist, ist aber besser als im Leid und Jammern zu verharren. Leicht gesagt!

  28. Danke für den wunderbaren Artikel.

    Eine schwere Gesundheitskrise 2012 hat mir das sehr verdeutlicht. War keine schöne Zeit, aber eine sehr wertvolle, in der ich ganz Wesentliches gelernt habe. Dafür bin ich dankbar und lebe seither viel intensiver, dankbarer, glücklicher.

  29. Danke für diesen berührenden Artikel.
    Stimmt, die Verletzlichkeit ist das Tor zur Zärtlichkeit des Lebens in jedem Augenblick.
    Die Nähe des Todes macht das Herz weit…….

  30. Stephan Thaler sagt

    Hallo Herr Kopp-Wichmann,
    großes Kompliment für diesen Artikel. Ich bin vor einiger Zeit auch schon auf Brené Brown gestoßen und war fasziniert. Ich bin überzeugt davon, dass sie mit dem Thema Scham und Verletzlichkeit eines der momentan größten Tabus anspricht, vor der sich unsere Gesellschaft drückt hinzuschauen. Es ist unglaublich heilsam, seine Verletzlichkeit zu zeigen und mit jemandem teilen zu können. Je öfter das gelingt, umso weniger kann einem das Getue um Perfektion und Noch-besser-werden-Müssen anhaben.

  31. Ein schöner Gedanke, liebe Frau Brown, dass man mit mit dem Älterwerden mit den Ahnen verbunden ist. Gefällt mir sehr.

  32. D. Brown sagt

    Lieber Herr Kopp-Wichmann,

    ein toller Artikel über das Mensch sein an sich und ihr eigenes Empfinden hinsichtlich Ihrer Endlichkeit, die wir alle, die noch nicht erleuchtet sind, eher als Unverschämtheit des Lebens an unsere Adresse empfinden.
    Betty Davies, eine amerikanische Schauspielerin, hat zum Thema Altern gesagt: „Old age is no place for sissies.“ (Alt sein ist nichts für Feiglinge.) Und sie hat recht.
    Mein Trost ist, wenn ich äußere Anzeichen des wirklichen Alterns an mir entdecke, dass es meinen Ahnen auch so ergangen ist und ich mir überlege wem ich gerade wohl ähnlich bin. Das versöhnt mich, denn ich bin dann verbunden mit den Menschen vor mir, auch wenn es manchmal nicht erfreulich ist. Und ich kann nicht mal sagen, dass sie es überlebt hätten 😉 So be it. Enjoy as long as you can – every day.
    Herzliche Grüsse
    D. Brown

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