„Fast die Hälfte der Eltern heute schlägt noch ihre Kinder.“

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Von Prügelstrafen über Summerhill, antiautoritäre Erziehung zur heutigen Erziehungspraxis

Das ist das erschreckende Fazit einer Studie, die letztes Jahr von der Zeitschrift ELTERN gemacht wurde.

Zufällig las ich die letzten Tage das Buch „Die geprügelte Nation – Kochlöffel, Rohrstock und die Folgen“. Schon das Inhaltsverzeichnis schickte mich auf eine innere Zeitreise (ich bin Jahrgang 1948):

  • Schundhefte und Teppichfransen
  • Russische Eier und Toast Hawai
  • Persianer, Nierentisch und Caterina Valente
  • Kochlöffel, Rohrstock und Tatzen

Später Geborene können mit diesen Begriffen wohl wenig anfangen. Aber für „Nachkriegskinder“ (was für ein Wort) symbolisieren sie trefflich jene Zeit vor fünfzig, sechzig Jahren, zu der man sich zum Fernsehen noch beim Nachbarn traf, weil der einen hatte. Eine Zeit, in der Ordnung, Fleiß und keine Widerworte die Grundwerte der Erziehung waren.

Und in der Prügel zuhause und in der Schule normal waren.

Ich erinnere mich, dass im Klassenzimmer meiner Volksschule rechts in der Ecke immer ein langer Stock stand, von dem der Klassenlehrer bei größeren „Vergehen“ öfters gebraucht machte.

Für kleinere Fehler (Heft vergessen, Schwätzen, Zu-Spät-Kommen etc.) gab es Tatzen. Mit einem Bambusstock, der etwa einen halben Meter lang war, schlug der Lehrer auf die ausgestreckten Finger. Zuckte man aus Angst zurück, gab es die doppelte Anzahl.

Beim Lesen des Buches fiel mir auf, dass ich das zuhause nie erzählt hatte. Natürlich wurde dies auch auf keinem Elternabend thematisiert. Einfach, weil es völlig normal war. Und weil viele Eltern dieselbe „Erziehungspraxis“ ausübten.

In meinen Persönlichkeitsseminaren und in Therapiesitzungen taucht das Thema öfters auf. Auf diesem Blog steht der entsprechende Artikel „Welche Folgen hat es, als Kind geschlagen worden zu sein“ unter den meistgelesenen an zweiter Stelle. Bei den Kommentaren an erster Stelle.

Warum schlugen damals Eltern ihre Kinder?

Im Buch zitiert die Autorin die amerikanische Psychologin und Bindungsforscherin Patricia Crittenden. Sie hat über viele Jahre über Gewalt in Familien geforscht und vertritt die These: Sie taten es aus Liebe – und Angst.

„Sie hatten die Vorstellung, dass, wenn ihr Kind etwas falsch macht, es sich verletzen könnte dies schlimme Konsequenzen nach sich zieht. Deshalb strafen Eltern ihr Kind, damit es lernt, sich richtig und damit sicherer zu  verhalten. Je gefährlicher die Situation ist, in der sich die Kinder aus Sicht der Eltern befinden, desto härter und häufiger fallen die körperlichen Züchtigungen aus.“ (S. 133)

Das klingt für die Generation meiner Eltern (Jahrgang 1920) plausibel. Im 2. Weltkrieg und im „Dritten Reich“ durfte man keinen Fehler begehen.  Aufzufallen, zu widersprechen oder sich nicht benehmen zu können konnte verheerende Folgen haben.

Eine weitere Erklärung ist die Traumatisierung dieser Eltern durch die Kriegszeit. Heute werden Soldaten aus Afghanistan schnell abgezogen und bekommen psychologische Betreuung, wenn der Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung besteht.

Zur Zeit des Ersten Weltkriegs sprach man von „bomb-shell disease“; in Deutschland wurden PTBS-Patienten damals als „Kriegszitterer“ bezeichnet. Denn „Flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl“ – so wollte Adolf Hitler in seiner Rede vom 14. September 1935 vor 50.000 Jungen die Hitler-Jugend haben.

Dass aufgeweckte Kinder einen zur Weißglut treiben können, weiß jeder ehrliche Elternteil. Um dann die eigene Wut innerlich regulieren zu können, braucht es Reife und ein seelisches Gleichgewicht, bei dem man sich durch das aufmüpfige Kind nicht gleich hilflos oder überwältigt fühlt.

Diese seelische Ausgeglichenheit hatten wohl viele Eltern, die mit Heimatverlust, Existenzangst und Aufbauen eines neuen Lebens voll ausgelastet waren, oft nicht.

Kindern wird das bravsein eingeprügelt.

Und das wurde ihnen mit Drohungen und Strafen eingebleut. Die Liste ist lang: Ohrfeigen, Backpfeifen, Kopfnüsse, Ohren lang ziehen, Karzer, Tatzen, Rohrstock, Teppichklopfer, Gürtel, Ruten usw. waren die Hilfsmittel.

Doch prügelnde Lehrer gibt es auf der ganzen Welt. Noch heute sind in 88 Ländern dieser Welt (es gibt ca. 200) Schläge an Schulen ausdrücklich erlaubt. Laut Unicef haben nur 102 Staaten körperliche Disziplinierungsmaßnahmen ausdrücklich verboten.

In fast der Hälfte der US-Staaten dürfen Lehrer ihre Kinder schlagen. Einer neuen Studien zufolge in etwa 200.000 Fällen jährlich, meist in den Südstaaten, und dort vor allem schwarze Kinder.

In der ehemaligen SBZ war es anders. Dort versuchte man sozialistische Erziehungsstandards zu setzen, die auf Gewalt gegenüber Kinder verzichten und statt dessen auf die Kraft von Autorität und Zuneigung beruhen. Schon 1949, also lange vor der BRD, wurden in der späteren DDR Prügel an Schulen offiziell verboten.

Genauso schlimm ist es, wenn ein Kind mitbekommt, dass ein Geschwister Prügel bezieht oder ein Vater die Mutter misshandelt (der umgekehrte Fall ist seltener). Neben der Angst, dass es das gleiche Schicksal erfahren könnte fühlt sich das Kind in der Folgezeit oft schuldig, weil es verschont wurde oder weil es der Mutter nicht beistehen konnte.

Bei den meisten Kindern hört das Geschlagenwerden auf, wenn sie in die Pubertät kommen. Dann fühlen sie sich auf einmal kräftig genug – und sind es meist auch – um dem schlagenden Elternteil Einhalt zu gebieten. Das ist schon mal gut aber die Störung in der Beziehung bleibt natürlich. Es ist ein Waffenstillstand, kein Friede.

Die 68er-Bewegung veränderte derlei Erziehungspraktiken auf breiter Front. Man wollte weg von der bürgerlichen Kleinfamilie, in Wohngemeinschaften wurden neue Lebensformen ausprobiert und überlieferte Erziehungsmodelle in Frage gestellt.

Die Schule Summerhill diente vielen als Blaupause für eine bessere Kindheit. In Alice Miller fanden viele eine streitbare Stimme, die ihr bis dato stumm ertragenes Leid in Worte fasste und nachempfand. In neu gegründeten „Kinderläden“ wurden Verbote über Bord geworfen, Eltern erlaubten ihren Kindern fast alles – bis an die Grenze der eigenen Geduld. Kochlöffel dienten wieder ihrer eigentlichen Bestimmung.

Aus heutiger Sicht erscheint manches überzogen, doch war diese Gegenbewegung ins andere Extrem sicher nötig. Am wichtigsten war vielleicht, dass man sich überhaupt Gedanken machte, wie eine kindgerechte Erziehung aussehen könnte und sich mit anderen austauschte.

Und welche Erziehungsregeln gelten heute?

Fast als Reaktion auf das „Laizzer-Faire“ der 68er-Generation fand im Jahr 2006 das Buch von Bernhard Bueb „Lob der Disziplin“ eine breite Resonanz. Gegen die puddingweiche Pädagogik setzt er auf die „vorbehaltlose Anerkennung von Autorität und Disziplin“.

Anfang 2011 sorgte das Buch der amerikanischen Jura-Professorin Amy Chua für hohe Wellen der Aufmerksamkeit – auch auf diesem Blog. Ihre Tochter  Sophia konnte das Alphabet mit 18 Monaten, als sie drei Jahre war, las sie Sartre. Das schafft man natürlich nur mit Erziehungsregeln wie „Sei streng mit Deinen Kindern, verlange alles, bestrafe sie und lasse keinen Schlendrian zu.“

Wenn das nichts hilft, wurden von der „Tigermutter“ schon mal die Stofftiere verbrannt oder die Kinder als „wertloser Müll“ beschimpft. Das kommt meinen Lesern, die in den 50er und 60er Jahren aufgewachsen sind, vermutlich ziemlich bekannt vor.

Eine andere Sicht von Erziehung finden Sie in diesen Interviews mit Jesper Juul und Jan-Uwe-Rogge.

Die Zeitschrift ELTERN wollte es genau wissen und ließ 1000 Eltern im vergangenen Jahr befragen, wie sie es mit der Erziehung halten. Die Ergebnisse sind – je nach Erwartung – erschreckend und ermutigend:

  • 40 Prozent der Mütter und Väter strafen ihre Kinder mit einem Klaps auf den Po;
  • 10 Prozent geben Ohrfeigen;
  • 4 Prozent der Mütter und Väter greifen auch zu harten Körperstrafen wie den Hintern versohlen;
  • Jungen werden häufiger geschlagen als Mädchen.

Damit liegt Deutschland in Westeuropa im Mittelfeld: Hierzulande wird weniger geschlagen als in Frankreich, aber deutlich mehr als in Schweden, das bereits 1979 das Recht auf gewaltfreie Erziehung festschrieb.

Zu den Gründen schrieb schon das Bundesjustizministerium im Jahr 2005:

„Zum Teil kann man dieses Phänomen auf eigene Gewalterfahrungen in der Kindheit, auf Stress und Überforderung im Alltag zurückführen, aber auch darauf, dass gerade leichte Gewaltformen nicht als Gewalt angesehen werden.“

Ist das wirklich so schwer zu definieren? In dem Buch von Ingrid Müller-Münch werden neben körperlicher Gewalt auch „subtilere“ Formen gewaltsamer Erziehung beschrieben: Ignorieren, lächerlich machen, verspotten, beschämen etc. Hier ein aktuelles Beispiel unter Erwachsenen:

Mein Fazit:

Gewaltfreie Erziehung ist nach Angaben des Deutschen Kinderschutzbundes für 90 Prozent der Eltern ein Ideal. Allerdings würden lediglich ein Drittel der Eltern wirklich ohne jegliche Gewalt erziehen. Dazu zwei Anmerkungen.

1. Wem es als Vater oder Mutter schwer fällt, leichte Gewaltformen wie Klapse oder Ohrfeigen als Gewalt zu definieren, der stelle sich einfach Folgendes vor:

  • Als Radfahrer benutzen Sie, weil Sie es eilig haben, den Bürgersteig. Ein älterer Herr stellt sich Ihnen in den Weg. Als Sie absteigen, gibt er Ihnen mit den Worten „Das ist verboten!“eine Ohrfeige.
  • Im Meeting haben Sie eine wichtige Unterlage vergessen. Am Ende der Besprechung beim Hinausgehen spricht Ihr Vorgesetzter die Sache noch mal an – und gibt Ihnen einen kräftigen Klaps auf den Po.
  • Beim Abendessen stoßen Sie aus Versehen ein Glas um. „Pass doch besser auf!“ ruft Ihr Partner und schlägt Ihnen ins Gesicht.
  • Eine Politesse beobachtet, wie Sie im Halteverbot parken. Sie kommt auf Sie zu und mit den Worten „Können Sie nicht lesen?“ zieht sie Sie am Ohr zu dem Verkehrsschild.

Wie würden Sie auf diese „leichteren Gewaltformen“ reagieren? Würden Sie sagen, dass Sie es ja auch verdient hätten? Natürlich nicht. Mit Kindern erlaubt man sich derlei Sanktionen aus einem einzigen Grund: weil das Kind schwächer ist und man diese Macht ausnützt.

2. Ich glaube auch, dass heutzutage viele körperliche Strafen aus Hilflosigkeit und Überforderung entstehen. Was die Super-Nanny in ihren Einsätzen ja immer richtig machte, war, dass sie erstens Regeln für alle einführte und zweitens den Eltern klar machte, dass sie bestimmen dürfen. Sie also aus der Hilflosigkeit in die verantwortungsvolle Position schob.

Ein Großteil der Überforderung entsteht aber auch, weil die Eltern sich mit Ansprüchen überfordern. Konkret hilfreich finde ich dazu die Einstellung

„Die Beziehung zum Kind ist das Wichtigste –
alles andere zweitrangig.“

Das heißt, wenn ein Elternteil spürt, dass er an eine Grenze kommt, weil alles gerade zu viel ist: Langsam machen, durchatmen, die Beziehung zum Kind beachten – und alles andere als weniger wichtiger erachten.

Konkret kann das aussehen: Die Beziehung zu Ihrem Kind ist wichtiger …

  • wenn morgens beim Anziehen Ihr Kind „herumtrödelt“,
  • wenn Ihr Kind Sie immer wieder beim Arbeiten am PC „stört“,
  • wenn Ihr Kind beim Essen wieder länger braucht als andere,
  • wenn Ihr Kind ein Verbot missachtet.

Nicht ausrasten, nicht zuschlagen. Langsam machen, durchatmen – und die Beziehung zum Kind beachten.

Wie Sie dann konkret handeln können, fällt Ihnen bestimmt in einer ruhigen Viertelstunde ein. Erforderlich ist zuerst Ihre Entscheidung, dass Sie Ihr Kind nicht mehr schlagen wollen.

Denn Schlagen und Geschlagenwerden belastet oder zerstört die Beziehung und das Vertrauen. Oft für den Rest des Lebens.

kommentarWie denken Sie über Klaps, Ohrfeigen und andere Strafen? Wie schaffen Sie es, nicht zu schlagen?

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Fotos: © istock.com

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

38 Kommentare

  1. Tanja sagt

    Ich,w.37,musste beim Lesen von diesem Artikel weinen, selber ist es mir nämlich auch so gegangen als Kind. Ich erhielt Schläge beim Lernen mit meinem Vater wenn ich etwas nicht gut konnte, nicht verstand, etc.Er hatte keine Geduld. Dies hat mich tief beschämt und ich fühlte mich wertlos und dumm. Bis heute spüre ich dieses furchtbare Gefühl und das nach 2 abgeschlossenen Studiengänge und einem guten Beruf, das ja eigentlich einen gewissen Stolz mit sich bringen sollte. Dies ist aber nur zum Teil der Fall, zu tief sitzt dieses Gefühl von Erniedrigung. Ich arbeite zurzeit mit Hilfe einer Psychologin an der Vergangenheit um damit abzuschliessen. Vor allem das negative Verhaltens- und Denkmuster“ich MUSS was leisten , gut sein, etc“ möchte ich endlich ablegen können.

  2. OhneReinredendeVerwandte sagt

    Zum Thema Erziehung heutzutage: Kinder nicht groß’ziehen‘ sonder groß’lieben‘. Das ist die Quintessenz aus vielen verschiedenen Erziehungsratgebern, Blogs und eigenen Erfahrungen, nachdem ich selber als Erstlingsmutter total überfordert war und gar nicht wußte, wie das denn funktionieren soll mit der Er’ziehung‘. Meine Erfahrung – je mehr Zeit ich mit meinem Kind verbringe – auf es eingehe, mit ihm Rede und Kompromisse finde – ja – und bewußt die alten Erziehungsglaubensregeln aus meinem Geist verbanne, sobald sie auftauchen – desto besser kooperiert mein Kind. Sie hat inzwischen eine feine Antenne für Situationen, in denen ich ihr nicht entgegenkommen kann und hilft mir dann, indem sie mitmacht. An anderen Stellen, bin ich diejenige, die nachgibt.
    Ich finde es immer noch schlimm, wenn andere Eltern sagen: „Da hat sie sich ja schön durchgesetzt gegen dich.“ Oder sie würde mir auf der Nase rumtanzen, mich manipulieren und so weiter.“ Das sind genau die alten Glaubenssätze über das ‚böse‘ Kind, das zu einem guten Menschen erzogen werden muss, die auch Schläge rechtfertigen. Immer noch schwarze Pädagogik, egal wo man hinschaut…

  3. Evita sagt

    Hallo!

    Ich erinnere mich daran, dass besonders meine Mutter mir auf den Po gehauen hat, wenn ich wirklich schlimmes getan hatte. An meine Taten kann ich mich allerdings nicht mehr erinnern, ich weiß nur noch, dass ich danach stundenlang in meinem Zimmer war und laut geweint habe. Meine Absicht war, dass es meiner Mutter leid tat und am Ende habe ich mich aber dafür selber geschämt, so in Selbstmitleid versunken gewesen zu sein. Mein Alter betrug damals maximal 7 – 8 Jahre, als es aufhörte.

    Ich weiß auch warum.

    Denn eines Tages lüfteten wir wie jeden Tag das Haus und ich wollte die Badezimmertür normal schließen, doch wegen dem Wind knallte sie laut zu. Als meine Mutter dann mit den Schritten die Treppe hoch kam, die normalerweise Geschimpfe ankündigten, heulte ich laut auf, ließ mich leicht zusammen gekrümmt auf den Boden sinken und sagte ihr so gut es eben heulend ging, dass es mir leid tue.
    Meine Mutter war total perplex und fragte erschrocken, was los sei und ich antwortete erleichtert, dass ich gedacht hatte, dass ich Ärger (einen Schlag auf den Hintern meinte ich damit) wegen der zugeknallten Tür bekommen würde.

    Nach diesem Vorfall bekam ich nie wieder Schläge auf den Hintern. Allerdings muss ich auch sagen, dass sie im ersten Moment weh taten und halt leicht brannten, es aber keinesfalls mit den leider allzu häufigen Fällen von Gewalt gegenüber Kindern zu vergleichen ist. Und heute (15 Jahre) habe ich ein super Verhältnis zu meiner Mutter.

    Mein kleinerer Bruder wurde übrigens nie mit einem Schlag auf den Hintern bestraft.

  4. Jule van der Bug sagt

    Ich habe mit großem Interesse Ihren Artikel gelesen,bin froh darüber,daß dieses Thema zur Sprache kommt und hoffe,daß unsere Kinder ihre Kinder Gewaltfrei erziehen werden können.
    Meine Tochter wurde noch nicht in Ihrem Leben geschlagen,auch keine Ohrfeige und kein am Ohr ziehen.

    Ich wurde viel geschlagen, aus meiner heutigen Sicht als „Spannungsabbau“ meiner Erziehungsberechtigten Personen.
    Schlagen,bis zum treten ,immer drauf,auch wenn ich schon am Boden lag,heute ist das nicht war ,das habe ich mir nur eingebildet ,oder es war ja nur einmal….
    Ich habe mich als Kind sehr sehr einsam gefühlt,habe viel geweint und wußte nicht,wohin ich mich wenden kann.
    Es war eine sehr schlimme Not,die ich bis heute nicht in Worte fassen kann.
    Dort,wo ein Kind sich sicher und geboren fühlen sollte,hat das Kind panische Angst ,schon beim Schlüssel herumdrehen beim Tü röffnen ,dieses Luftanhalten und zu „fühlen“ was ist für eine Stimmung und dann doch wieder aus dem NICHTS,das Kind hat wieder etwas falsch gemacht….Löchblatt war mit Tinte verschmiert !?! Ich war mal wieder blau an den Oberschenkeln und Gesäß.Meine Mutter schrieb mir eine Sportbefreiung,damit es niemand sieht!
    ……..
    Als meine Tochter geboren wurde,kamen die ganzen unverarbeiteten Gefühle,Erlebnisse hoch,bruchteile von Bildern des Erlebten,z.B. habe ich es nicht ertragen,,daß meine Tochter in einem Gitterbettchen kam,ich bekam panische Angst.Sie schlief immer nur bei uns im Bett.EIn Laufgitter kannte sie auch nicht.
    Ich habe mir nach 2 Jahren dann einen Therapeuten gesucht,der mir sehr half.Nun bin ich noch 2 Sitzungen fertig mit der Therapie und habe viel gelernt und doch habe ich immer noch viele schwerwiegende Probleme.
    So wie Angst vor Ablehnung,Beziehungsprobleme, kein Vertrauen,kann nie so richtig loslassen,bin immer auf der Flucht und muß jeden Tag üben üben üben,all das was ein Kind lernt,wenn es die Eltern hat,die das Kind wollen! lieben!
    Was ich sehr schade finde und mir heute noch sehr weh tut …keine Therapie der Welt hilft die Traurigkeit über die verlorene oder nicht gelebte Kindheit nie von der Mama in den Arm genommen zu sein,nie mit dem Papa herzlich gelacht…..

  5. Das ist aber der beste Ort, darüber zu reden. Und nur dadurch können Sie diese schlimmen Erlebnisse verarbeiten und sie dann mit der Zeit loslassen.
    Therapeuten/innen in Ihrer Nähe finden Sie hier: http://www.psychotherapiesuche.de. Die Kosten übernimmt vollständig Ihre Krankenkasse. Sie brauchen auch nicht vorher zu einem Arzt und brauchen keine Überweisung. Einfach direkt bei einem psychologischen Psychotherapeuten anrufen oder eine Mail schreiben.
    Viel Erfolg!

  6. Maikero@aol.com sagt

    Ich wurde als Kind auch geschlagen. Die Folge, ganz unbewusst bei jeder Kritik oder Angst, halte ich unbewusst meine Hände schützend vor den Po.
    Eigentlich denke ich, dass ich eine Therapie machen müsste traue mich aber nicht darüber zu reden

  7. Wir er“zieh“en hier immer noch nach Papiervorschrift – solange uns nicht Emotionen aus dem wirklichen Leben übermannen/frauen.
    Auf Papier ist aber alles noch MIT DRUCK geschrieben und eben geDRUCKt.
    Wir kennen es gar nicht anders. In der Schule – und in der Folge auch zu Hause und unterwegs – haben wir ja ALLES NUR MIT DRUCK kennengelernt.
    Angefangen von der Ermahnung bis zu der körperlichen Züchtigung: ALLES sind DRUCK-Mittel.

    In der neuen Ich-kann-Schule ist SOG das Grundprinzip.
    Da ist es erst ErZIEHung, wenn man sich etwas ein- oder auffallen lässt, WAS ZIEHT, und damit sensibel umgeht.

    Wir alle könnten beobachten, dass nicht nur der Körper sondern auch GEIST & SEELE HUNGER haben. Wir lassen letztere aber ganz selbstverständlich – ein Indianer kennt keinen Schmerz, belügen wir uns – verhungern.
    Als Ich-kann-Schule-Lehrer sehe ich aber, wie die KRÄFTE & TALENTE sich erholen, wie sie sich aufrichten, wachsen, erstarken, entwickeln u.v.m., wenn ich ihnen das gebe, was sie dafür brauchen.
    Bedingungslos.
    Aber gezielt.

    Wenn ich also meinen „Zappelpeter“ als GENTLEMAN erleben will, dann „füttere“ ich ganz gezielt seine Gentleman-Talente mit Achtung, Interesse, Bestätigung, Bestärkung u.m.dgl. – und sie wachsen. Ich habe es ganz konkret erlebt und den Erfolg u.a. in der Ich-kann-Schule berichtet.

    In den Jahren vorher, so sagte man mir, hatte man „alles versucht“, aber es hatte „nichts was geholfen“.

    Die konkrete Untersuchung zeigte,
    a) dass man keineswegs ALLES versucht hatte sondern nur ein und dasselbe immer wieder und
    b) das dies ALLES DRUCKmittel waren.
    Druck erzeugt Gegendruck: ectio = reactio.
    Peter war -laut Aktenlage – in der 1.Klasse einmal pro Tag auf den Stuhl gesprungen, um dort seinen „Indianertanz“ aufzuführen.
    Als er zu mir in die 4.Klasse kam, machte er das bereits
    c)einmal pro Stunde.
    Und da wagt man zu behaupten, es habe „NICHTS WAS GEHOLFEN“?
    Wie kann man 500 Prozent ERFOLG so einfach übersehen ???

    Offensichtlich sind wir infolge pädagogischer DRESSUR für ALLES NICHT VORGESCHRIEBENE blind.

    Das wirklich EXISTENTIELLE PROBLEM, das wir noch gar nicht erkannt zu haben scheinen, ist also gar NICHT DAS SCHLAGEN sondern DIE PÄDAGOGISCHE BLINDHEIT und die Blindheit dafür.

    Und das ist auch unbequem, wenn man darauf aufmerksam gemacht wird – auch wenn es behutsam geschieht.

    Wir sind eher darauf dressiert, bei Schwierigkeiten unsere Fleißaufgaben in der Kinderförderung zu intensivieren – und auch das ist eine Variante von SCHLAGEN.

    Es gibr viel ZU LERNEN. Guten Erfolg!

    Franz Josef Neffe

  8. Gesine sagt

    Mir gefällt der Vergleich mit den Sanktionen Erwachsener. Schlagen, Anschreien und Streiten mit dem Kind führt zu keinem Ergebnis und zu keiner Verhaltensänderung. Es führt nur dazu, dass das Kind das Vertrauen zu den Eltern verliert…. und dieses Vertrauen lässt sich leider auch im Erwachsenenalter nicht herstellen. Aggression im Kindesalter erleben, das traumatisiert und belastet ein Lebenlang.

  9. Davina sagt

    Ich bin 37 Jahre und habe 3 Kinder,ich schlage sie nicht,weil ich sie liebe und weil ich niemals möchte,dass sie so leiden müssen,wie es mir in meiner Kindheit ergangen ist!Ich habe noch 2 Geschwister und wir sind „alle“ von meiner Mutter verprügelt worden,dies fast tgl.immer in der Zeit,wo mein Vater auf der Arbeit war…,wir waren dann schutzlos ausgeliefert,niemand half uns…,wir wurden mit Kleiderbügeln,Gürtelschnallen,Hundepeitschen,
    Pferdegerten ausgepeitscht,mein kleiner Bruder hat niii geschrien…,es war schrecklich für mich,ihm nicht helfen zu können…Jahre später ging mein Bruder dann auf meine Mutter los und wenn mei Vater nicht dazwischen gegangen wäre,hätte er meine Mutter bestimmt umgebracht!Meine Mutter hat sich vor ca.10 Jahren,mal bei mir entschuldigt,für das ,was sie mir alles angetan hat,,,denke kann ihr aber erst vergeben,wenn sie tod ist.In meiner Ehe wurde ich dann einmal von meinem Mann geschlagen,habe mich sofort scheiden lassen,das war zwar nicht einfach für mich,aber ich wollte mich nie wieder so schutzlos ausgeliefert fühlen.Kann schlecht Vertrauen zu Menschen aufbauen und fühle mich nie wirklich geliebt,trotzdem verletze ich meine Kinder nicht,warum auch?Sie sind ein „Teil“ von mir und ich beschütze sie,weil sie Wertvoll sind und ich sie sooooooo sehr liebe:-)

  10. Nadine Nicole Klemens sagt

    Ich bin auch eine geschlagenen, meines Vaters und meiner Mutter.
    Mein Vater ist zudem Polizist was die Sache noch erschwert. Ich befinde mich in Therapeutischer Behandlung und hab mich mit vielem Identifizieren können was sie auf diesen Seiten geschrieben haben.
    Das Verhältnis zwischen meinen Eltern und mir ist zutiefst gestört, da sie noch immer nicht sehen was sie Falsch machten und noch heute machen.

    Es fing an als ich zehn Jahre alt war und mit siebzehn bin ich ausgezogen da ich angst hatte, das er mich beim nächsten mal tod schlagen würde. Meine Mutter gab ihm immer recht.

  11. Franz Josef Neffe sagt

    Lucie Gordons Geschichte von ANTONIA ist eine LINEAR gesehene und erzählte – und wohl auch so lINEAR erlebte – Geschichte.
    GESCHEHEN ist sie aber mindestens DREI- BIS VIERDIMENSIONAL.
    RACHE ist nur ein KAMPF, allenfalls mit SIEG, auf der LINIE, allenfalls „auf dem Feld“ (das wäre ZWEIDIMENSIONAL).
    Das ist zu wenig und kann nicht beFRIEDigen.

    In RKWs Artikel werden Möglichkeiten höherer Dimensionen aufgezeigt, mit denen man als Betroffener viel mehr Macht und Einfluss gewinnen kann als nur mit Rache.

    Ich hab schon öfters von der 7jährigen Sabrina berichtet. Die hatte „erst“ ein Jahr lang gelitten, aber immerhin so, dass sie geäußert hatte, nicht mehr leben zu wollen. Sie war das ganze erste Schuljahr täglich von ihrer Lehrerin vor der Klasse blamiert worden. Und das geschah sicher nicht erstmals im Leben der 56jährigen Kollegin und offensichtlich hatten alle Kollegen über die Jahrzehnte nur „zugesehen“ und weder den betroffenen Kindern noch der Kollegin aus der Problematik heraus geholfen.
    Ich hatte dafür ein 2 1/2stündiges Gespräch mit dem Kind in der Familie.
    Sabrina verstand sofort, dass ihre Lehrerin die Quälereien nicht bewusst ausheckte sondern von Kräften getrieben wurde, die sie nicht beherrschte noch verstand.
    Um das Kind misshandeln zu können, musste die Frau zuerst ihre eigenen guten Kräfte zu dieser Misshandlung zwingen. Sie behandelte ihre guten Kräfte schlecht – mussten wir ihr diesen Fehler nachmachen?
    Aus dem Erlebnis mit Sabrina ergab sich der Ich-kann-Schule-Satz 2008: „Wenn ich mit deinen Kräften BESSER umgehe als du, mögen sie mich und folgen mir lieber als dir.“
    Sabrina RÄCHTE sich auch.
    Allerdings in einer Weise, die geradezu bombastisch wirkt: Sie dachte bei ihrer RACHE nicht an die Lehrerin sondern AN SICH. IHRE EIGENE Stärke und Macht, IHREN EIGENEN EINFLUSS, IHRE EIGENE WICHTIGKEIT entwickelte und stärkte sie dadurch enorm.
    Sie lernte, SICH DER KRAFT DES GEISTES ZU BEDIENEN.
    Sie DACHTE ihrer LEHRERIN einfach alles zu, was ihr zum GUTsein fehlte.
    Dadurch wurden die GUTEN Kräfte in der Frau STARK und setzten sich durch.
    Die Frau änderte sich binnen kurzem um 180 Grad.
    Und Sabrina erlebte sich als MÄCHTIGER ALS DIE LEHRERIN.
    Das baute ich mit ihr noch aus. Man kann ja ggf. die ganze Ich-kann-Geschichte nachlesen.
    Natürlich hätte Sabrina mit ihrer GEISTESKRAFT der Lehrerin auch etwas Böses an-tun können. Damit hätte sie dieser aber das Böse zum Wieder-zurück-tun zur Verfügung gestellt.
    Die RACHE Sabrinas funktionierte nach folgendem Ich-kann-Schule-Satz: „Schicke der betroffenen Person nicht nur ein bisschen was GUTES im Geiste sondern hundertmal mehr als bei ihr Platz hat! Dann muss sie es gleich wieder mit vollen Händen austeilen – selbst wenn sie nicht wollte.“ Kann es eine schönere Rache geben?
    Dieses IKS-Experiment hat übrigens nicht nur bei Sabrina geklappt sondern auch mit allen anderen Kindern.
    Und wenn man im eigenen Herzen noch nichts anderes hat als all die Verletzungen, Demütigungen, Unterdrückungen und sonstigen Ungerechtigkeiten, dann sollte man noch egoistischer handeln als Sabrina und zuerst einmal sich selbst das Negative auflösen – dafür gibt es wirksame praktische Hilfen im Bereích Autosuggestion – und dazu seine eigene GÜTE achten, anerkennen, bestätigen, bestärken,…….
    Es gibt also zwei Arten von Rache:
    die eine, wo es einem wichtig ist, dass es dem anderen schlecht geht, und die Qualitäts-Rache dafür, dass es einem selber so richtig voll gut geht.
    Die 7jährige Sabrina war intelligent genug, die QUALITÄTS-RACHE zu wählen.
    Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

  12. Antonia wurde schon als Dreijährige vom Vater geschüttelt, dass sie anschließend von der Mutter zum Arzt gebracht werden musste, um ihren „Schiefhals“ chiropraktisch „in Ordnung zu bringen“. Natürlich hatte die Mutter vor dem Arzt eine andere Erklärung für den Zustand ihrer Tochter. Damit hörte es nicht auf. Antonia bezog Prügel für Kleinigkeiten, Gewalt war an der Tagesordnung, und „Mama“ schaute zu und beschwichtigte: „Das ist die Strafe für deinen Ungehorsam. Du warst ein so böses Kind!“ Die kleine Antonia schämte sich dafür. Es hätte ihr zu dieser Zeit sowieso niemals jemand geholfen. Der Vater durfte zur Dressur selbstverständlich prügeln, die Mutter strafte subtiler; Antonia bekam kein Abendessen, man redete nicht mehr mit ihr. Schaute sie nicht mehr an, oder sie wurde im dunklen Keller eingesperrt, wo sie vor Angst fast verging. Antonia fühlte sich von der Welt verlassen, sie empfand sich als ungewollt, überflüssig, ungeliebt. Als sie in die Schule kam erwartete man von ihr Superleistungen und half mit Prügel und Strafen nach, wenn mal nicht, die 1 oder eine schäbige 2 auf dem Zeugnis stand. Für eine 3 wurde Antonia beschämt, und etwas anderes brachte Antonia niemals nach Hause, ihr Vater hätte sie totgeschlagen. Dann kam Antonia in die Pubertät und die Hölle brach für sie los. Ihr Erzeuger schlug sie mit Kleiderbügeln, Verlängerungskabeln. „Mutter“ kaufte leggings um die Schwielen zu verstecken. Trotzdem war Antonia fast die Klassenbeste. Hier bekam sie Anerkennung. Dann war sie am Anfang der 11.Klasse und fast 18 Jahre. Zu Hause kam es zum Eklat wegen eines Jungen, mit dem ihr Vater sie sah und der ihm nicht passte, weil er lange Haare hatte und Jeans trug. Doch es geschah etwas, worauf Antonias Vater nicht gefasst war. Antonia warnt den Peiniger, dass sie ihn bei der Polizei anzeigt, wenn er sie noch einmal schlägt. Er bekommt fast einen Infarkt und wirft sie aus dem Haus. Das ist der ultimativste Einschnitt in ihrem Leben. Sie steht auf der Straße. Ihre Weichen sind gestellt, wie sie es niemals wollte. Was jetzt passiert beeinflusste ihr gesamtes weiteres Leben; macht Pläne zunichte. Doch Antonia ist hart geworden. Sie schafft es sich über Wasser zu halten; bettelarm. Sie jobt, sie versucht weit weg von ihrem „Vaterhaus“ in der Großstadt Fuß zu fassen; und sie schafft es, ohne jegliche Hilfe. Doch das fordert einen sehr hohen Preis. Zukunftsträume zerplatzen wie Seifenblasen. Doch Antonia hat ihre von Gewalt geprägte Kindheit überlebt und sie überlebt den Menschen, den sie tief in ihrem Inneren niemals „Vater“ nennt. Doch ihr Kindheitstrauma begleitet sie ihr Leben lang. Und sie ist sich dessen bewusst. Die guten Ratgeber, die da behaupten, zu verzeihen, um endlich „frei“ zu sein, nutzen ihr nichts. Sie kann ihre Marter und Pein niemals verzeihen. Daher rächt sie sich. Und erst das bringt ihr die „Befreiung“ von den Altlasten. Lucie Gordon: Meine wahre Geschichte: Warte Papachen! Auf Amazon als Ebook erhältlich.

  13. Michael sagt

    Der Artikel ist sehr gut. Besonders der Hinweis auf die Verdrängung des Problems und deren Folgen. Als Kind (in den 80ern/90ern) wurden meine Geschwister und ich auch geschlagen. Meine Eltern erklärten ab und zu, wie gut wir es hätten, weil es ja bei uns kaum weh täte und nur wenige Schläge und keine Gegenstände (Stock/Gürtel) verwendet würden, wie bei ihnen…
    Meine Eltern gehören zu den 68ern. Oft haben sie sich mit Freunden stolz darüber unterhalten, dass sie der schwarzen Pädagogok/Nazi-Pädagogik/autoritäre Erziehung usw. ein Ende gesetzt hätten.
    Da auch meine Freunde nie über Prügel redeten, ging ich als Kind davon aus, dass eine gewaltfreie Erziehung der Normalfall sei und meine Eltern die einzigen sind, die schlagen. Sie taten dies auch nur zu Hause und wenn kein Besuch da war.
    Ich wollte meine Eltern nicht blamieren, deshalb habe ich bis vor drei Jahren nie jemandem was erzählt.
    Und irgendwie habe ich immer das Gefühl, dass immer so getan wird -auch heute noch- als würde Gewalt in der Erziehung der Vergangenheit angehören. In Wirklichkeit ändern sich die Erziehungsmethoden aber nur sehr sehr langsam. Weil Kinder eben nicht darüber reden können.
    Als Jugendwart in unserer Freiwilligen Feuerwehr mache ich mir oft Sorgen um unsere Jugendlichen, weil ich davon ausgehe, dass einige von ihnen auch geschlagen werden, sich aber nicht trauen, jemanden um Hilfe zu bitten.

    Und nun noch Etwas: Ich bin kein Psyschologe, sondern Maschinenbauingenieur. Ich habe mich im Studium intensiv mit Ergonomie, Arbeitsumgebungen, Mensch-Maschine-Schnittstellen usw. beschäftigt. Menschen, die als Kinder Gewalt erlebt haben, bedienen Geräte anders. Ihr Verhalten unterliegt auch im Umgang mit Computern und Maschinen Zwängen, die durch Gewalterfahrungen hervorgerufen werden (kann man beispielsweise beim Autofahren erkennen).
    Ich wollte in meiner Abschlussarbeit eine Einschätzung vornehmen, die den wirtschaftlichen Schaden, der durch diese Zwänge, sowohl durch aufwändigere Gestaltung der Bedienelemente, als auch durch Bedienfehler, entsteht.
    Leider wollte kein Professor diese Arbeit betreuen. Die drei, die ich gefragt habe, erklärten mir sogar, dass sie Körperliche Strafen bei Kindern für sinnvoll halten. Ein Armutszeugnis für die interlektuelle Elite!

  14. Carsten Ziegert sagt

    Ich schlage mein Kind nicht weil ich weiß
    Wie demütigend das ist . Ich wurde Anfang der Siebziger noch mit Kochlöffel und Teppichklopfer bestraft.Durch reflektion der Ereignisse kam ich zu der Erkenntnis das diese nur durch Angst ,Panik,und Überforderung der Eltern geschehen konnte . Also versuche ich keine Angst oder Panik entstehen zu lassen und setze meine Ziele in der Erziehung so das Sie uns alle nicht überfordern . Ein Anderer Aspekt ist die Traumatisierung der Eltern als Kriegs bzw. Nachkriegskinder mit furchtbarsten
    Erlebnissen die dazu führen können das Sie nicht Herr Ihrer Sinne Waren das ist durchaus keine Entschuldigung doch hilft es Einem zu verstehen wie so etwas wie Gewalt gegen Kinder überhaupt entstehen kann. Meiner Meinung nach gibt es keinen Grund Kinder zu schlagen. Erziehung ist Arbeit bei der man sein handeln immer wieder hinterfragen muss so das sich keine negativen Traditionen bilden können mein Kind hatt ein Recht darauf.

  15. Frau Lichwinen sagt

    Der Körper eines Kindes gehört ihm allein.
    Kein Mensch hat das Recht ein Kind zu demütigen! Ein Kind hat das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung! Eltern die „ihre“ Kinder schlagen sind schwach und egoistisch!
    Man vergißt nie die zahlreichen Demütigungen und Schläge! Jeder Schlag ist ein Schlag zu viel. Ein Kinderherz weiß nicht wie es mit der Verletzung umgehen soll! Man ist noch so klein und hilflos, man kann nicht weg!

    Ich wurde ca. ab dem 3. Lebensjahr bis zum 13. Lebensjahr geschlagen und gedemütigt! Meine Mutter ist willkürlich und impulsiv! Heute bin ich 33 Jahre und habe selber 2 Kinder! Und ich nehme mir regelmäßig vor nicht so zu sein, und bis jetzt gelingt mir das sehr gut! Verzeihen kann man das nämlich seinen Eltern nie, höchstens verdrängen. Ich habe heute noch oft das Gefühl von damals: Bloß nicht auffallen und froh sein wenn alles gut ist! Früher dachte ich dass es an mir liegt aber ich weiß es ist Ihre Schuld.

    Meine Mutter habe ich auf das Thema vor einigen Jahren angesprochen: …ja ja ich weiß schon, kann es auch nicht mehr ändern! Waren ihre Worte! Stimmt, ändern konnte sie es nicht aber eine Entschuldigung hätte mir schon ein wenig was gebracht! Ich bin Gott sei Dank STARK geworden! Aber STARK wäre ich ohne Schläge sicher schneller geworden! Das Fazit ist nach so langer Zeit: Ich empfinde meiner Mutter gegenüber die meiste Zeit nichts…sie ist mir gleichgültig geworden. Vielleicht ändert sich das irgendwann und irgendwie…wer weiß! Zumindest habe ich mir vorgenommen, meine Mutter im Altenheim nicht zu schlagen, wenn sie sich einen Pulli aus dem Schrank zieht und die anderen dann durcheinander liegen.

  16. Heidi sagt

    Ich habe drei Kinder, bin über 50 und habe mit 24 Jahren schon von ganz alleine gewusst, daß Kinder nicht zu schlagen sind. Nach allem was ich hier gelesen habe kann ich sagen: Die eigene persönliche Stärke zeigt den Kindern die Kraft die man selbst hat. Und Eltern die ihre Kinder schlagen, sind sehr sehr schwach.

    Authentisch sein für sich selbst und die Kinder – nichts vor machen. Doch die Menschen die hier schreiben und wirklich betroffen sind, müssen sich die Stärke hart erarbeiten. Aber verzeihen? Müssen sie den Eltern die sie geschlagen haben wirklich verzeihen? Oder muss man sich um die jetzt alten und kranken Eltern kümmern? Ist es nicht besser seinen eigenen Weg zu gehen?

  17. Liebe Ulrike,
    meine Hochachtung für Ihren schweren Weg, den Sie tapfer und erfolgreich gegangen sind. Es gehört, wie Sie ja plastisch beschreiben, sehr viel Selbstdisziplin und eine klare Entscheidung dazu, in bestimmten Stress-Situationen nicht zu schlagen. Viele Erwachsene, die als Kind geschlagen wurden, schaffen das nicht, weil sich die traumatisierenden Bilder von damals mit der Situation heute vermischen. Das soll keine Entschuldigung sein, sondern eine Erklärung.

    Sie haben es anders machen können und sind sogar in der Lage, Ihre Eltern zu pflegen. Das zeigt, dass Sie die schlimme Vergangenheit mit ihnen akzeptiert und innerlich überwunden haben. Wunderbar – und ein tolles Beispiel, wie es auch gehen kann.

  18. Es mag sein, dass Menschen, die als Kinder geschlagen wurden, eine geringere Hemmschwelle haben, dasselbe zu tun. Das lässt sich nicht nur im Verhältnis zwischen Kindern und Erwachsenen beobachten, sondern auch unter Kindern. Manches Kind erhält seine ersten Schläge von anderen Kindern. In der Familie habe ich auch einen Fall beobachtet, in dem ein Kind niemals geschlagen wurde, aber jedes Mal nach den Eltern schlug, wenn seine Wünsche nicht erfüllt wurden, und das schon im Kleinkindalter, also vor den ersten Erfahrungen mit anderen Kindern im Kindergarten oder in der Schule.

    Auch die Natur liefert zahlreiche Beispiele, z. B. die Löwenmutter, die durchaus mit der Tatze nach ihren Jungen schlägt, wenn sie sich respektlos verhalten oder die Hundemama, die den Überschnauzbiss anwendet. Damit verursachen die Tiere ihren Jungen keine Schmerzen, aber sie setzen Grenzen. Natürlich sind sie nicht in der Lage, die jeweilige Situation auszudiskutieren, wie wir Menschen. Aber der Einsatz geringfügiger körperlicher Gewalt ist auch der Natur nicht fremd. Vermutlich orientierten sich Menschen ursprünglich an diesen Erziehungsformen, leider aber ließen sie sie ungehemmt ausufern, denn kaum ein Säugetier würde seinen Kindern bewusst Schmerzen zufügen. Einige wenige Tierarten, die ihre eigenen Jungen verspeisen, seien da einmal ausgenommen.

    Der Mensch hat die Grenzsetzung ausgefeilt, wie so vieles und neigt damit gleich wieder zur Übertreibung. Er setzt selbst in der Kindererziehung Werkzeuge ein. Ich selbst wurde als Kind mit den verschiedensten Gegenständen immer wieder so lange verprügelt, bis meine Eltern sich dabei in irgendeiner Form ausgepowert hatten. Entweder verließ sie die Kraft oder die Wut ließ nach, keine Ahnung. Jedenfalls haben sie aufgehört, bevor sie mich totschlagen konnten. Auch lautes Weinen meinerseits und Fluchtversuche unter die Betten oder sonstwohin hinderten sie nicht daran, wahllos drauflos zu schlagen. Der erste Kochlöffel ging schon im Alter von drei Jahren auf mir zu Bruch, weil meine Mutter wohl vermutlich daneben geschlagen hat. Bis heute weiß ich, dass ich auch für den zerbrochenen Kochlöffel verantwortlich gemacht wurde. Nachdem der Kochlöffel nicht mehr zu gebrauchen war, durfte ich die Elastizität des Teppichklopfers bereits in jungem Alter erleben.

    Wurde ich nicht geschlagen, dann gab es Bloßstellungen oder man blamierte mich in anderer Weise in der Öffentlichkeit. Auch miteinander gingen meine Eltern nicht zimperlich um. Regelmäßig gab es lautstarke und manchmal auch handgreifliche Auseinandersetzungen. Das Gebrüll meines Vaters war auch in der Nachbarstraße noch zu hören. Danach folgten für mich endlose Wochen, in denen entweder nicht miteinander gesprochen wurde oder jedes Gespräch in weiterem Geschrei mündete. Meine Bitten, sich doch endlich wieder zu vertragen, wurde überhört oder gar so ausgelegt, also würde ich nur im Interesse des jeweils anderen Partners darum bitten. Mein Vater ging dann so weit, mir vorzuwerfen, dass ich nur Schuld an den Streitigkeiten sei.

    Lange Zeit habe ich die Schuld für meine Prügel und die Streitigkeiten meiner Eltern bei mir gesucht. Als ich erwachsen wurde, ging ich dazu über, die Schläge zu bagatellisieren, denn ich hatte irgendwie meinen Weg gemacht. Aus heutiger Sicht hätte dieser Weg wesentlich glatter verlaufen können, wenn meine Kindheit eine andere gewesen wäre.

    Inzwischen bin ich 54 Jahre alt und fühle mich meinen inzwischen sehr alten und pflegebedürftigen Eltern gegenüber verpflichtet, weil sie außer mir niemanden haben, der sie pflegen könnte. Aber wenn ich in mich kehre, dann denke ich, es geschieht nicht aus Liebe, sondern aus Pflichtbewusstsein. Ich fühle mich ihnen verpflichtet, weil sie nunmal meine Eltern sind.

    Da ich trotz starkem Kinderwunsch keine Kinder bekommen kann, haben mein Mann und ich ein Pflegekind aufgenommen. Dieses Kind, das mit vier Jahren in unsere Familie kam und keinen schönen Start ins Leben hatte, hat uns mit all seinen Verhaltensauffälligkeiten teilweise zum Wahnsinn getrieben. Aber selbst in den verzweifeltsten Situationen blickte ich in dieses kleine Kindergesicht und auf diesen zierlichen Körper und hätte ihm niemals körperliche Gewalt antun können. Ich konnte mir nicht vorstellen, mit meiner großen Hand in dieses kleine Gesicht zu schlagen oder gar mit einem Gegenstand auf diesen zerbrechlichen Körper.

    Dennoch gingen mir manchmal die Nerven durch, wenn trotz immer wiederholter Bitten gewisse Verhaltensweisen nicht erfolgten oder nicht aufgegeben wurden, so dass ich sie schließlich beschimpfte und bis heute tut es mir leid, dass ich mich überhaupt zu diesen Schimpftiraden hinreißen ließ. Meine Tochter weiß das, weil ich im Anschluss an diese Situationen immer erklärt habe, dass es mir leid tat. Dennoch haben meine eigenen Erfahrungen in meiner Kindheit nicht dazu geführt, dass ich sie hätte schlagen können.

  19. ophelia sagt

    Irgendjemand sagte mir mal „Wenn Du mit Gewalt aufgewachsen bist, dann wirst Du genau das weitergeben“. Ich bin so unendlich froh, dass dieser Spruch nicht stimmt. Ich habe meinen Sohn noch nie geschlagen, auch nicht verbal. Und ich würde es mir nie verzeihen, sollte es je dazu kommen. Ich bin sicher keine Übermutter und auch ich könnte manchmal mit dem Kopf gegen die Wand rennen, aber das Kind kann nichts für mangelnde Geduld oder Verständnis. Wenn was ist reden wir so lange bis alles wieder gut ist. Auch lasse ich nicht zu, dass mein Sohn mit Tränen schlafen geht, alles kann man klären und man soll sein Kind niemals unterschätzen!
    Ich beobachte leider auch oft, dass Kinder von ihren Eltern geschlagen werden, bin auch schon eingeschritten. Schön wäre so eine Art „Elternführerschein“, denn ich bin der Meinung dass nicht jeder Kinder in die Welt setzen sollte. Sorry für die harte Wortwahl…

  20. Karl sagt

    Hallo und guten Tag, so kurz vor Feierabend, die Post ist noch wegzubringen, nachfolgend eine Textpassage aus einem Ebook, das mir ein Freund aus Linz schickte:

    LIEBER GOTT, das tut man nicht!

    Wenn ein Stapel Bauklötzen umfallen,
    Chemie-Baukästen explodieren
    und wenn Kinder fallen
    oder sich irgendwo verheddern,
    hilft man ihnen auf,
    befreit sie,
    versorgt ihre Verletzungen,
    lindert ihre Schmerzen,
    redet ihnen gut zu,
    umarmt sie,
    tröstet,
    ermuntert,
    hilft ein wenig mit,
    neu zu beginnen,
    und zeigt,
    wie es bsser geht.

    Das ist, was gute Eltern
    tun!

    Nur so gewinnt und erhält man das Vertrauen von Kindern,
    nur dann werden sie eine gewisse erwünschte Selbständigkeit
    und Eigenverantwortung erlangen
    und immer wieder gerne zu den Eltern kommen.
    Wenn das Vertrauen fehlt,
    die elterlichen Türen, Herzen und Ohren verschlossen sind,
    wenn apokalyptische Drohungen und Angst regieren,
    führt die Kinder nichts mehr nach Hause.

    schönen sonnigen Feierabend allen hier,
    nicht nur von mir,
    auch von dem, der das kürzlich schrieb.
    Karl

  21. Elke sagt

    Als ehemaliges geschlagenes und gedemütigtes Kind, fällt es mir schwer den Klapps auf den Hintern als Ausrutscher zu sehen.
    Obwohl ich auch zugeben muss, das verbale Demütigungen eine noch viel größere zerstörerische Kraft haben. „Du bist niemand, du bist ein Nichts, was du willst zählt nicht, so eine wie dich wollten wir nicht, wegen dir bin ich so dick, wegen dir …..“

    Mein ganzes Selbstbewusstsein war ruiniert. So wie Frau Eikenberg schon schrieb, da war nur Angst, Verstecken und Gedanken an Flucht. Jede noch so banale Situation war für mich eine riesige Hürde.
    Alles was ich heute bin, musste ich mir hart erkämpfen.
    Ich hatte Glück, dass an vielen Kreuzungen meines Weges irgendjemand stand, der mir den Weg zeigte und an dem ich mich orientieren konnte, jemand der an mich glaubte und mir sagte, Du bist gut, warum machst Du nicht dieses oder jenes, Du kannst das.
    Trotzdem habe ich es erst mit 36 Jahren geschafft eine Berufsausbildung zu machen und obwohl ich die mit 1 bestanden habe, hat es mir nicht geholfen wirklich an mich zu glauben.
    Da waren immer diese Schuldgefühle, da war immer diese Angst. Selbst wenn ich nur einen kleinen Fehler machte zog es mir förmlich den Boden unter den Füßen weg. Da war nichts als Angst, Angst zu versagen, Angst mich zu blamieren, Angst vor allem und vor nichts.
    Also habe ich mich noch mehr angestrengt, noch mehr und besser gearbeitet und noch mehr gemacht, nur damit ich dieses schreckliche Gefühl nicht mehr haben musste. Ich habe versucht voraus zu ahnen, was mein Chef als nächstes von mir erwarten könnte.

    Ich wusste auch, dass das im Grunde eine Illusion ist, doch traute ich mich auch nicht zu einem Therapeuten zu gehen, denn da war die Scham zu groß.
    Ich habe gut funktioniert, habe versucht meine Angst nicht zu zeigen. Für meine Eltern habe ich alles getan, weil ich der irrsinnigen Annahme war, dass ich meinen Eltern viel Schande angetan habe, denn sonst wäre das ja nicht passiert. Ich glaubte falsch zu sein, nicht liebenswürdig und und und…. Der Gedanke, dass ich erst 3, 4, 6 Jahre usw war und diese Verantwortung damals gar nicht tragen konnte ist mir nie gekommen.

    Erst als dann der große Zusammenbruch kam und ich mitten in einer schweren Depression steckte, blieb nur noch der Weg zur Therapie.

    Jetzt bin ich 54 und bin endlich soweit, dass ich den Zusammenhang verstehe. Die Therapie war harte emotionale Arbeit, aber ich bin zuversichtlich. Vor mir tun sich keine Abgründe mehr auf. Ich bin jetzt diejenige in unserem Büro, die sich an schwierige Kundengespräche wagt.
    Ich bin auch stolz auf meine drei Jungs, die ich trotz allem mit der Hilfe meines Mannes zu selbstbewussten Männern erzogen habe.
    Ich war vielleicht nicht immer die couragierte Mutter, ich habe mir nicht getraut meine Kinder in einem Verein anzu melden und ähnlich Dinge. Das haben sie allein gemacht oder mit Hilfe ihres Vaters.
    Und dennoch – ich wiederhole mich – bin ich all den Menschen dankbar, die mir begegneten und die an mich geglaubt haben. Ohne diesen Menschen müsste ich heute vielleicht auf eine trostlose Vergangenheit zurückschauen, denn irgendwann kann man nicht mehr viel nachholen. Dieses Schicksal blieb mir zum Glück erspart.
    Ich hege keinen Groll, denn damit tue ich mir nichts gutes. Ich kenne jetzt meine „Schwachstellen“, kann damit umgehen und meine Ängste überwinden.

    Vieles ist für mich noch Neuland. Ich bin für mich verantwortlich, ich entscheide darüber, was ich sagen will und was nicht, ich entscheide worüber ich mich ärgern will und wie lange ich mich ärgern will.
    Manchmal fange ich sogar an mich zu wundern, warum manche meiner Kollegen gestresst und übel gelaunt sind. Es ist ein völlig anderes Lebensgefühl. Nachvollziehen kann das vermutlich nur, wer das selbst erlebt hat.

    Gestern habe ich mir einige Videos von Herrn Kopp-Wichmann auf YouTube angesehen. Da habe ich mir gesagt: „Ja, dass passt genau auf mich!“

  22. Meines Erachtens ist es ausgesprochen verANTWORTlich, wenn einem die Hand ausrutscht: Wir müssen endlich lernen, hinzuschauen und ANTWORT zu geben, wenn wir etwas getan haben: den Kräften, denen wir es getan haben aber auch unseren eigenen.

    Das IM GRIFF HABEN ist eine Floskel, die in der Praxis kein Problem löst. Was Du im Griff hast, das hat dich im Griff. IN DEN GRIFF BEKOMMEN wollen wir immer alles mit unseren beschränkten, bewussten Kräften; SCHEITERN müssen wir a) weil unsere bewussten Kräfte begrenzt sind und b) weil wir mit den tatsächlich zuständigen UNBEWUSSTEN Kräften immer noch nicht umgehen gelernt haben. Immer noch gehen wir in die Falle der gesteigerten Anstrengung und Mühe und schieben, wenn wir bei Mehranstrengung gescheitert sind, die Schuld immer anderen oder anderen Umständen zu.

    IN DEN GRIFF BEKOMMEN ist doch schon als BILD als das Gegenteil von LÖSUNG zu erkennen. Wenn wir diese Probleme real lösen wollen, müssen wir den Kopf endlich aus dem päd. Sand ziehen und mit dem UNBEWUSSTEN und seinen Kräften umgehen lernen. In der Ich-kann-Schule ist das Unbewusste der wichtigste Kommunikationspartner.

    Auch bei den alleinerziehenden Müttern entscheidet nicht die körperliche Anwesenheit sondern ihre GEISTIGE WIRKUNG: das was sie denken + fühlen + ausstrahlen. Durch diese STRAHLEN kommunizieren sie ständig mit ihrem Kind und das Kind mit ihnen. Was aber wird da im Gros der Fälle anderes gedacht, gefühlt + einander zugestrahlt als: Nöte, Sorgen, Ängste, Verzweiflung, Wut, Ohnmachtsgefühle u.dgl.m.?

    Wenn endlich verstanden würde, was das für eine mächtige WIRKUNG hat, könnte man sehr einfach und mit bester Wirkung das SENDEPROGRAMM ändern und damit den entscheidenden Kräften im UNBEWUSSTEN die Entwicklung ihres Genies eröffnen.
    Guten Erfolg!
    Franz Josef Neffe

  23. Jörgen sagt

    Ich weiß nicht wie sie die ganze Sache sehen, aber meines Erachtens ist es unverantwortlich, dass die Hand ausrutscht. Als Elternteil sollte man sich schon so weit im Griff haben, dass man niemals die Hand gegen sein eigen Fleisch und Blut erhebt.

    Die Frage nach der richtigen Erziehung ist schon ziemlich schwer, besonders für alleinerziehende Mütter. Diese versuchen wirklich alles, dass es ihren Kindern gut geht, doch können sie nicht bis 16 oder 18 Uhr täglich in der Arbeit sein und sich zusätzlich um den Haushalt und die Kinder ausreichend kümmern.

  24. Als Ich-kann-Schule-Lehrer kenne ich für ErZIEHung einfache Regeln.
    Tue dem Kind nur, was Du auch dem Chef tun würdest!
    ErZIEHung mit DRUCK ist ErDRÜCKung.
    ErZIEHung ist es, wenn du dir was ein- oder auffallen lässt, was ZIEHT.
    LEHREN heißt ein mitreißendes Vorbild im LERNEN sein.
    Was du beherrschen willst, musst du bedienen lernen.
    Wenn du willst, dass man dir folgt, vergiss nicht, vorauszugehen!
    Gib jedem an seinem Tiefpunkt ein Zeichen deiner Hochachtung!
    Kinder werden auffällig, damit uns endlich was auffällt.
    Wer sich Mühe gibt, kriegt sie.
    und dergleichen mehr
    Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

  25. Hallo,

    Ihre Beiträge sind immer wieder sehr interessant, so auch dieser hier.

    Einen Einwand allerdings habe ich:
    Zitat „Wem es als Vater oder Mutter schwer fällt, leichte Gewaltformen wie Klapse oder Ohrfeigen als Gewalt zu definieren, der stelle sich einfach Folgendes vor:“

    Die dann folgenden Beispiele sind meines Erachtens nicht vergleichbar mit den Situationen, in denen Eltern heute noch ihre Kinder schlagen, wenn sie es denn tun.
    Dies geschieht keineswegs mehr mit dieser Überzeugung, etwas Richtiges zu tun, wie das in vergangenen Jahrzehten der Fall gewesen sein mag, sondern in Situation (so empfundener) Not und Verzweiflung, wenn also ein Kind dauerhaft trotzt, die elterliche Geduld ausreizt oder auszureizen scheint, wenn also schon eine Weile die Emotionen hochgekocht sind.
    Man kann sich auf den Standpunkt stellen, dass das nichts entschuldigt, trotzdem wären dann andere Beispiele hier angebrachter, nämlich Situationen langen erbitterten Streits, wo ein Part den anderen provoziert, oder beide einander und die Situation dann eben eskaliert.

  26. Ich freue mich sehr über die rege Diskussion hier auf meinen Artikel.

    @Clarissa,
    natürlich ist es gut, wenn „einem die Hand ausrutscht“ sofort danach mit dem Kind zureden und sich auch zu entschuldigen. Aber Ihre Entschuldigung in der Bäckerei zeigt ja, dass Sie selbst mit der Ohrfeige nicht einverstanden waren.
    Aber die meisten Eltern belassen es eben bei der Strafe und reden nicht darüber. Schon gar nicht sprechen Sie über ihre Überforderung und dass das der Grund für den Klaps ist. Bleibt jedoch das klärende Gespräch aus, belastet das meiner Meinung nach die Beziehung, weil das Kind nach Gründen für die Strafe sucht. Das Kind denkt aber nicht: „Mama war im Stress, das hat nichts mit mir zu tun“ sondern sucht die Schuld bei sich. Ich war böse – versteht aber meist nicht, was daran böse war. Deshalb ist das Gespräch hinterher so wichtig.

    Fragt sich, was die Alternative zu Ohrfeigen und Klapsen ist. Nach meiner Erfahrung ist ein ärgerliches Gesicht und eine laute Stimme für Kleinkinder eindrücklich genug. Beim Bügeleisen ist die Situation anders. Es zu berühren ist keine Strafe, sondern eine Konsequenz. Das miteinander in einer kontrollierten Situation auszuprobieren, ist sinnvoll. Ich hatte mal einen Klienten, dem hat die Mutter die volle Hand aufs Bügeleisen gedrückt, damit er es ein für allemal lernt. Das sehe ich jedoch nicht als Überforderung, sondern als Sadismus.

    Danke für Ihren Kommentar.

  27. Also ich habe trotz meines eher noch jungen Alters gelernt, dass Kinder, die in der Schule, im Heim oder auch Zuhause Opfer von Schlägen wurden, später einmal auch schneller die Fäuste ballen.

    Auch wenn ich schon der Meinung bin, dass die Erziehung heute in vielen Fällen zu wenig streng ist, sehe in in häuslicher Gewalt keine Lösung. Miteinander reden, Kompromisse finden etc. sind auf jeden Fall produktiver und machen die Kinder auch später zu gewaltfreien Menschen.

  28. Gabriele Eikenberg sagt

    Bin eines dieser Nachkriegskinder, 1953 geboren und geschlagen worden. Für mich hatte es Folgen: Schmerz, fehlendes Selbstvertrauen, Angst, Verstecken, Fliehen

    Viele Jahre Therapie und liebevolles Hinwenden zu mir selbst waren und sind nötig, um mein eigenes Sein zu finden und nun auch mutig zu leben.

    Den Kontakt zur Herkunftsfamilie halten, ohne das harte und aggressieve Verhalten zu akzeptieren, war ein langer Weg.

    Ich danke Sabine Bode für ihre Bücher und den Familienaufstellern, die endlich mit dazu beitragen, Bewegung zu bringen in die erstarrten traumatisierten Gefühle vieler vom Krieg belasteter Familien.

    Und wie wäre es denn, mal wieder die Grundlagen der humanistischen Psychologie zu lesen!
    Abraham Maslow“ Psychologie des Seins“ Der Weg zu einer Psychologie seelischer Gesundheit

    Maslow( 1908-1970)beschrieb und erforschte die Voraussetzungen zur Erlangung eines reifen Menschseins.
    Voller Hoffnung grüßt Gabriele E.

  29. Dolfi sagt

    Ich selbst gehöre zwar zur „geschlagenen Generation“, bin aber selbst wenig betroffen, da ich von meinen Eltern nicht geschlagen wurde und lediglich in der Schule ein paarmal etwas abbekam, was aber damals einfach dazu gehörte und nicht weiter als tragisch empfunden wurde.
    Die Art der Erziehung ist vor allem eine Frage des Menschenbildes. Man müsste einmal das Thema innerhalb der Religionen diskutieren. Da liegt bestimmt vieles im Argen. Viele religiöse Menschen berufen sich heute noch auf die Bibel, wenn sie ihre Kinder mit Schlägen erziehen.
    Ein Weiteres ist das soziale Umfeld: Wer die Nachkriegszeit nicht erlebt hat, kann sich darüber aus heutiger Sicht davon kaum Vorstellungen machen. Die Menschen hatten selbst vielfach Gewalt erfahren und waren zum Teil traumatisiert. Der Kampf ums Überleben hat sie geprägt. Viel Gedanken über Erziehung hat man sich in dieser Lage nicht gemacht. Auch das 3. Reich, das harte Erziehung propagierte, wirkte nach. Man sollte mit dem Urteil über diese Zeit auch im Punkt Erziehung vorsichtig sein.
    In unserer Gegenwart wird immer wieder der Vorwurf laut, unsere Jugend könne sich nicht richtig benehmen, es fehlten Disziplin und Ordnung, unsere Jugend verwahrlose. Man schreibt das einer zu laschen Erziehung zu.
    Die meisten Erzieher haben Erziehung nie gelernt, sie fühlen sich rasch überfordert und übernehmen dann eben Methoden früherer Generationen. Manche Eltern, die gewaltfrei erziehen wollten, sind dabei auch an Grenzen gestoßen und haben dann resigniert…

  30. Das Lesen der Studie schockierte mich weniger, als ich es annahm. Wie oft ist auch heute noch die Meinung verbreitet, das höre ich sehr oft, dass ein Klaps oder mal den Hintern versohlen einem Kind nicht schade, sondern es gut sei, denn das Leben ist ja hart. Oder ähnlich krude Begründungen.

    Es ist ein Irrtum – gewalthafte Erziehung schadet gewaltig. Dem Kind und womöglich später dessen Kindern. Es stört die Beziehung, es stört Vertrauen des Kindes in sich selbst und in die Eltern. Es ist schlicht und ergreifend falsch. An Gewalt Kindern gegenüber ist nichts richtig, sei es nun körperliche, emotionale oder verbale Gewalt.

    Gewaltfreie Erziehung hat imho auch nichts mit mangelndem Grenzen setzen zu tun. Keine Grenzen zu setzen kann auch sehr gewalthaft sein.

  31. Karl Hinkel sagt

    sein Kind muss man vor allem in den Arm nehmen:
    „Du bist sicher hier, ganz sicher, ganz gleich was geschieht, was geschehen ist, was wird.“
    „Komm zu mir, ich habe dich gerne, wir spielen, die Akten können warten, ich bleib bei dir.“
    „Ja, ich lese dir gerne vor, ich bleibe auch, bis du eingeschlafen bist. Ich habe die Geschichte mit der guten Fee.“
    „Es tut mir auch leid, wenn ich mal keine Zeit habe oder ungeduldig bin. Doch ich habe dich immer lieb. Du kannst ganz beruhigt sein.“
    „Nein, ich würde dich nicht schlagen, nicht verletzten, – du mich ja auch nicht – , also hab keine Angst.“
    „Und wenn mal was ist, komm bitte zu mir, ich möchte doch dein Freund sein.“
    „Wir passen auf uns auf.“
    „Und jetzt schreibe ich genau das alles auf und wir hängen es über dein Bett.“
    „Ja, und über meines, du hast Recht.“

  32. Michael Grützner sagt

    Für mich ist nicht die Frage, ob es schlimmer ist sein Kind zu schlagen oder es mit Missachtung und/oder ignorieren o.ä. zu strafen. Für mich sind all diese Maßnahmen nicht gerechtfertigt. Es mag sein, dass Kinder auch dadurch lernen, dass sie bestraft werden. Aber dann ist das was sie gelernt haben negativ belegt. Sie werden solange ein ungutes Gefühl haben mit dem Gelernten, bis sie das Gelernte mit positiven Assoziationen belegt haben. Und das kann mitunter sehr lange dauern oder nie geschehen.

    Die Frage ist für mich vielmehr, ob ich mich durch die Aktion des Kindes angegriffen fühle. Gilt die Aktion des Kindes wirklich mir? Oder ist das nur meine Bewertung der Situation? Ich als Erwachsener kann mich entscheiden, wie ich die Situation bewerte. Klar ist, ich muss zur entstandenen Situation Stellung beziehen. Mich positionieren. Dem Kind klar machen, dass ich nicht damit einverstanden bin, wenn es Gewalt ausübt. Und klare Grenzen setzen, vorher vereinbarte Sanktionen folgen lassen. Dem Kind die Verantwortung für sein Handeln spiegeln und die Konsequenzen tragen lassen. Und vor allem milde umgehen mit dem Kind und mir selbst.

  33. Clarissa sagt

    Ich glaube, dass nicht der eine oder andere Schlag wesentlich ist für das Kind, sondern der Kontext, die Grundsituation innerhalb der Familie. Ist diese grundsätzlich offen und wohlwollend, sind einzelne „Ausrutscher“ (nur davon rede ich!) nicht wirklich wesentlich, sondern z.T. sogar situationserhellend für das Kind.
    Ich habe meinen Sohn, geb. Anfang der 80er, fast, aber nicht zu 100 %, gewaltfrei erzogen. Ich bin nicht stolz darauf, aber ich kann beim besten Willen nicht sehen, dass da heute irgendetwas zwischen uns steht oder mein Sohn dadurch traumatisiert sei. Wir haben eine offene, wunderbare Erwachsenenbeziehung und reden auch über solche Dinge.
    Immer, wenn es denn mal passierte, nach einem Klaps oder auch einer leichten Ohrfeige, haben wir geredet, die Situation angeguckt und überlegt, wie alles denn hätte anders laufen können.Das habe ich auch schon mit dem 2-Jährigen gemacht. Mit 2 1/2 bekam er einmal nicht wie gewohnt einen Keks beim Bäcker, bei dem ich Teilchen gekauft hatte. Aus Wut griff er voll in die Sahneteilchen und schleuderte sie auf den Boden. Quasi zeitgleich landete die Ohrfeige. Er schaute mich nur an und sagte etwas schluchzend, aber deutlich: „O.K.“ Wir haben dann geredet und uns beide entschuldigt. Verzeihung, dass ich das in dem Zusammenhang so schreibe: Das war im Ganzen eine vollkommen stimmige Situation.

    Ich weiß nicht, ob so etwas auch unter „Gewalt“ fällt: Wenn ich dem Kleinkind auf alle möglichen Weisen erklärt habe, dass das Bügeleisen heiß ist und unten nicht angefasst werden darf, und das Kind es trotzdem immer wieder versucht, dann halte ich es für völlig legitim, in einer kontrollierten Situation (!) zuzulassen, dass sich das Kind ein wenig (!) die Finger verbrennt. Das Bügeleisen nur zu nutzen, wenn das Kind nicht in der Nähe ist, würde bedeuten, das Kind von der Wirklichkeit auszuschließen und ihm die Erfahrung des alltäglichen Lebens mnit seinen Bedingungen und auch Gefahren zu rauben. Wohin diese Überfürsorglichkeit führen kann, sehen wir heute, wo Eltern ihre „Kinder“ selbst noch zu Bewerbungsgesprächen begleiten, damit ihnen nichts Böses geschieht.

    Nicht der eine oder andere Klaps traumatisiert das Kind, sondern eine Umgebung, die nicht grundsätzlich annehmend ist. Außerdem halte ich Strafen wie Demütigungen und über Tage nicht mit dem Kind zu reden für viel gefährlicher als ein Klaps innerhalb der kritischen Situation, die dem Kind ja in dem Moment auch gegenwärtig ist, da nach wenigen Minuten der Zusammenhang mit der Situation für das Kind gar nicht mehr nachvollziehbar ist und nur noch die Ablehnung in Erleben und Erinnerung lebendig bleibt. Das ist zerstörerisch.

  34. Karl Hinkel sagt

    Generationen wurde durch Erziehung erdrückt.
    Immer wenn ich Eltern mit Kind erleben durfte, die eine echte, offne, ehrliche und somit zwangsläufig gewaltfreie Beziehung lebten, habe ich sie beneidet. Wenn ich mein Kind liebe, kann ich doch unmöglich zuschlagen.
    Mitte der 1970er gewann ich einen Plakatwettbewerb für einen Kinderschutverein: „Mach mir nicht das Leben schwer, gib mir Liebe statt Bonbons!“, illustriert durch Kind mit Lolly.
    Derzeit beschäftigten wir uns in der Schule tatsächlich damit, dass an den Kassen der Supermärkte Süßigkeiten in Augenhöhe der Kinder positioniert wurden.
    – Es sind nicht die Bonbons. Vielleicht wird es besser, wenn wir alle total kapieren, dass die Welt nicht aus Automarken, iPhones und Flachbildschirmen sowie Habenwollen und -müssen besteht. Mir ist von vielen bekannt, dass die geschlagenen Kinder später sehr viel schwerer ihr Leben auf die Reihe bekommen, dass ihre Lebensqualität sehr lange beeinträchtigt ist, dass sie wieder schlagen und dass sie vor allem ein dumpfes Gefühl ständig mit sich schleppen, welches kaum beschreibbar ist, aber alles überschattet. In dem Schlagen steckt ja viel mehr, als nur die physische Handlung. Es ist die Ablehnung, die so spürbar zum Ausdruck kommt: „wir woll´n dich hier eingentlich nicht, du störst“, „du bist weniger wichtig als die unbezahlte Rechnung auf dem Küchentisch“, „du bist doch eigentlich Schuld, dass unsere Beziehung nicht klappt“, „…und überhaupt, dass Papi nur säuft, woran liegst?“ und „wenn du nicht wärest, gäbe es nicht dieses ständige Problem mit Kohle, mit zu wenig Kohle, mit… dann, ja dann wären wir fein raus, dann hätten wir gar keine Probleme…“ und „dann, dann könnten wir mal in Urlaub und und, und mehr wollten wir ja eigentlich auch nicht im Urlaub – und dann kamst du, du, immer nur du!“ Katsch!

  35. Stefan sagt

    Hallo,
    ich finde das einfach eine Schande, wie manchmal die Kinder erzogen werden. Einerseits ist es in der heutigen Zeit sehr schwierig, da man nicht die benötigte Zeit aufbringen kann oder will. Die Eltern müssen auf die Arbeit sonst reicht das Geld nicht. Die Kinder werden somit von anderen erzogen. Wir denken aber immer, die Kinder gehören uns. Wir haben ihnen das Leben geschenkt, das bedeutet aber nicht das sie uns gehören und wir sie behandeln dürfen wie wir wollen. Man sollte sich aber auch bewusst sein, dass ein Klatsch auf den Po nichts schlimmes ist und dies auch manchmal sein muss. Aber dabei sollte es bleiben. Mit Gewalt kann man Kinder nicht erziehen, sondern man gibt ihnen einfach nur ein schlechtes Beispiel.

  36. Zitat: Mit Kindern erlaubt man sich derlei Sanktionen aus einem einzigen Grund: weil das Kind schwächer ist und man diese Macht ausnützt.

    Das halte ich zu 90% für Unsinn. Die Erwachsenenfehler und deren Bestrafung in den dargestellten Beispielen mit den Klapsen bei den Kindern ins gleiche Verhältnis zu setzen ist völlig daneben. Wenn Erwachsene diese Beispielfehler machen, wurden sie schon nicht richtig erzogen. Kinder müssen aber, um diese Fehler später nicht zu machen, erzogen werden. Ein Klaps hat da noch keinem Kind geschadet. Prügel verurteile ich.

    Auch ich habe in der Schule noch mit dem Rohrstock eines auf die Finger bekommen, bzw. uns wurden die Ohren umgedreht. Lassen wir das mal beiseite. Woraus meinst Du, resultiert die heutige Schludrigkeit, Frechheit gegenüber Erwachsenen, Ausbildern und Erziehern ? Woraus resultiert die Nichtbeachtung von Ordnungen der Gesellschaft allgemein gesehen und die Aggressivität und Kriminalität bei Kindern und Jugendlichen ? Doch wohl daraus, dass sie nicht, oder falsch im Sinne des gesellschaftlichen und persönlichen Zusammenlebens erzogen wurden.

    Das Wort ERZIEHUNG wird ja heute schon angezweifelt. Die sehr mangelhaften Leistungen der Jugendlichen in Schule und Ausbildung belegen ein Fehlverhalten der Eltern und Erzieher bei der Erziehung der Kinder und Jugendlichen. Stellt sich nun die Frage, wer hat Macht über wen?

    Hinzu kam in den ersten Jahren nach der Wende noch ein West-Ost-Gefälle. Im Osten wurde noch erzogen, es galten anerkannte Regeln, Autoritäten wurden auch akzeptiert und Ordnung war Grundlage. Im Westen hingegen wurde schon damals nach den Kriterien gelebt, die heute alle erfasst haben – leider. Resultat war z.B. , dass die im Osten ausgebildeten Jugendlichen wesentlich lieber von den Firmen im Westen eingestellt wurden, als die aus dem Westen. Man holte sich regelrecht die Ostler herüber. Warum wohl?

    Also, zu viel “ Mehr Persönlichkeit “ zu Lasten einer ordentlichen Erziehung, geht im Moment nach hinten los. Wie so oft im Leben sollte ein goldenes Mittelmaß gefunden werden und nicht von einem Extrem in ein anderes verfallen werden.

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