„Er war der beste Sex meines Lebens!“

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Partnerschaft

Warum verliebe ich mich immer wieder in den Falschen? Teil 2

Da war er endlich. Der Silberstreifen am Horizont. Die Liebe ihres Lebens. Diesmal gab es kein Vertun – das Schicksal meinte es am Ende doch gut mit ihr. Nach all den verzweifelten Versuchen den Richtigen zu finden und doch immer wieder in die falsche Kiste gegriffen zu haben, war er die Erlösung.

Wie es anfangen kann

Man kannte sich aus Kindertagen im Ausland, verlor sich 30 Jahre aus den Augen und begegnete sich unerwartet im Netz der unbegrenzten Möglichkeiten wieder. Was für ein Zufall, denn er steckte seit längerem in der Ehekrise und sie war gerade taufrisch aus dem Tal einer heftigen Depression aufgestiegen.

Eine alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, erfolgreich im Beruf, eine hilfreiche Therapie hinter sich, um die alten Wunden zu heilen. Sie fühlte sich reif und frei für ein neues Leben (eigentlich ohne Mann). Schließlich kannte sie jetzt ihre Verhaltensmuster, die sie über die Jahre hinweg immer wieder aufs Neue in den Beziehungsruin gestürzt hatten.

So nahmen die Dinge ihren Lauf. Man traf sich, erlebte unbeschwerte Stunden und Tage, verstand sich beinahe wortlos, verschickte ellenlange Mails und hatte den besten Sex seines Lebens.

Für sie war klar, dass dieser Weg zum Ziel führte. Zumindest in ihrer Fantasie. Wenn sie (angeblich) alles verkörperte was die Ehefrau nicht bereit war zu geben, dann waren die beiden doch das perfekte Paar. Selbst die Rahmenbedingungen sind erfolgversprechend. Auf was also noch länger warten – es ist Zeit, die Scheidung einzureichen und den Schritt ins gemeinsame, neu gefundene Glück zu wagen…

Das lange Warten beginnt

Die erwähnten sechs Monate, die eigentlich laut Julia Kathan und Roland Kopp-Wichmann zu einer Entscheidungsfindung reichen sollten, verlängern sich um ein weiteres, langes, halbes Jahr der quälenden Ungewissheit wie es zwischen Barbie und Ken weiter geht.

 

Sie ist sich sicher, er braucht nur noch ein Quäntchen mehr Zeit, bis er seine erfolglose Paartherapie und seine Einsichten aus den Einzelcoachings in die Tat umsetzt und sich trennt. Bis er wirklich all seine Unsicherheiten fein säuberlich in seiner Excel-Liste abgearbeitet und einen Haken daran gemacht hat. Schließlich steht viel auf dem Spiel. Doch dann, ja dann ist er endlich frei für sie. Seine ideale Partnerin.

Irgendwann merkt Barbie bei all dem Verständnis, dass sie langsam aber sicher wütend wird. Wie lange soll sie denn noch dastehen wie bestellt und nicht abgeholt? Wann kommt denn der entschiedene Prinz auf dem verdammten Gaul endlich daher geritten, und reicht ihr die rote Baccara Rose?

Barbie geht immer noch regelmäßig zu Ihrem Therapeuten, der sich das Drama geduldig anschaut. Zwar stellt er jede Menge Fragen, die sie sehr sehr nachdenklich stimmen, doch schließlich will sie sich und dem Rest der Welt (vor allem ihrer Mutter) beweisen, dass sie sich definitiv nicht geirrt hat.

Nicht diesmal.

Denn diesmal hat der Typ weder einen von der Mutter verachteten Seemannsgang. Noch hat er den falschen Beruf, der der Tochter nicht würdig ist und ein Stockfisch, der seine auflockernden Smalltalk-Fähigkeiten am Haken gelassen ist er ebenfalls nicht. Er ist charmant, weitgereist, läuft gerade sowie aufrecht. Seitens der Mutter gibt es diesmal nichts auszusetzen – also ein absoluter Hauptgewinn.

Und wie es oft endet.

Also fasst sich Barbie ein Herz und stellt ihrem Herzbuben auf Anraten ihres Therapeuten ein Ultimatum. „Auf einer Skala von 0-10 – wie weit bist Du denn mit Deiner Entscheidung?“ (0 = keinen Plan wie ich mich entscheiden soll 10 = 100% klar was ich will & „Für den Fall, dass Du bei 5 bist, was braucht es denn, damit Du Dich bis zum Jahreswechsel auf der Skala bei 7 oder 8 befindest?“).

Es dauert keine zwei Tage (nach zwei schlaflosen Nächten und mit der besten Freundin im Kreis drehen) bis die lang ersehnte E-Mail ins Postfach geflattert kommt. Die Überschrift lautet: „Die Antwort ist 10“.

Das Herzklopfen will gar kein Ende nehmen als sie dann nur einen Klick entfernt den 5-seitigen Abschiedsbrief liest.

Welche Frau kennt das noch?

Die Frauen, die das in ähnlicher Form schon einmal durchgemacht haben, wissen, wie schwer der Brocken an gefühlter Ablehnung zu verdauen ist und wie verdammt weh es tut. Denn hier beginnt das Drama schon wieder von vorne – nur mit einem anderen Mann in der Rolle des Hauptdarstellers.

Nagende Selbstzweifel, was man alles falsch gemacht hat, das Selbstwertgefühl bei gefühlten -20° Celsius und der tiefe Fall in die Endlosspirale, mal wieder nicht genügt zu haben.

Liegt der Schlüssel der Erkenntnis wirklich in der Kindheit und Jugend? Es ist in der Tat das bekannte Drama des inneren Kindes. Eine Reinszenierung altbekannter Auftritte aus der Kindheit. Ist dieser Mann wirklich der Hauptdarsteller in diesem Film?

Nein, ist er nicht. Der eigentliche Akteur ist schon über 20 Jahre tot. In diesem Fall war es der Vater, der lange krank war, und alle in der Familie mussten Rücksicht auf ihn nehmen, damit er sich nicht aufregt. Denn das hätte im schlimmsten Fall einen erneuten Herzinfarkt bedeuten können und das Risiko erhöht, dass er deswegen stirbt.

Klein Barbie wäre eventuell (mit) schuld daran gewesen.

  • Also verhält sie sich unauffällig.
  • Lehnt sich nicht gegen Entscheidungen der Eltern auf.
  • Ist immer das liebe, brave Mädchen, das keinen Ärger verursacht.
  • Ist pflegeleicht und vermeidet jeglichen Streit.
  • Will nicht am Tod eines geliebten Menschen schuld sein.

Genauso wenig traut sie sich als Erwachsene, ihrem Geliebten ihre Enttäuschung oder ihren Ärger über so manche Unachtsamkeit mitzuteilen. Er könnte sie ja verlassen.

Hinzu kommt, dass Barbies Vater emotional unerreichbar ist. Genauso wie die Mutter. Denn die beiden sind tagtäglich gedanklich und emotional mit den Sorgen des Überlebens beschäftigt. Die Eltern sich zwar faktisch fürsorglich und da für das Mädchen, doch emotional spielt sich ein ganz anderer Film ab.

Das Kind von damals fühlt sich wenig in seinen Bedürfnissen verstanden, des Öfteren auch nicht ernst genommen und auf gewisse Weise abgelehnt, weil es nie an erster Stelle steht. Stehen darf. Es läuft einfach nebenher.

Genauso wie das Kind von damals, läuft die erwachsene Frau bei dem noch gebundenen Mann auch nebenher. Sie spielt nicht die erste Geige in diesem Konzert, sondern ist immer nur an besonderen Stellen des Stücks herauszuhören. Sie bleibt angepasst und versucht es ihm auf allen Ebenen recht zu machen.

Wir reinszenieren Konflikte von früher

Julia Kathan spricht in ihrem Buch davon, dass man als Frau endlich versucht, als Erwachsene in dem Trauerspiel „die Oberhand zu gewinnen“ und das unerwünschte Gefühl von damals hinter sich zu lassen. Aber genau das ist zum Scheitern verurteilt.

Warum? Weil es bedeutet, dass man eben nicht das unschuldige Opfer eines beziehungs- oder entscheidungsunfähigen Mannes geworden ist, sondern dass man mit allen Mitteln der Kunst den Mann manipuliert hat. Natürlich geschieht diese Manipulation nicht bewusst.

Sie ist überzeugt, dass sie ihn liebt und glaubt ehrlich daran, dass diese Beziehung eine „everlasting lovestory“ wird. Dass die beiden wahrlich für einander bestimmt sind. Um dem wiederum Rechnung zu tragen kommt Manipulation ins Spiel.

Wie manipuliert?

Indem sie sich so in Szene setzt, dass sie die Defizite der konkurrierenden Ehefrau bewusst noch mehr ausgleicht.

  • Möglicherweise passen die beiden tatsächlich auch im Alltag viel besser zu einander als Superman zu seiner Frau.
  • In echter Vorfreude, Zeit mit ihrem Geliebten zu verbringen und um ihren Selbstwert zu steigern, ist es deshalb auch nie ein Problem, wann immer Ken sich meldet, dass Barbie garantiert Zeit für ihn hat.
  • Wenn er sich spontan donnerstags abends von zuhause loseisen kann, rennt Barbie so gut sie in ihren 10 cm-High-Heels kann, mit wehenden Fahnen und verführerischen Dessous zu ihrem Helden.
  • Der Sex ist leidenschaftlich, wild und ungestüm. So spielt frau garantiert nicht die zweite Geige sondern beschafft sich mit einem Solo-Gastspiel der erotischen Art einen Applaus mit Zugabe.

Allerdings sollte bei ihr spätestens dann eine Fehlermeldung eingehen, wenn Superman sich noch in Ihrem Beisein eifrig mit Gallseife an die Beseitigung eventueller Beweislast auf dem Hemdskragen zu schaffen macht.

Oder er alle Türen seines Familienvans weit öffnet, damit der verführerische Duft der Femme fatale sich schnellstmöglich verzieht.

Die Ent – Täuschung naht.

Glaubt mir, das deutet garantiert nicht auf glückliche Zweisamkeit in naher Zukunft hin. Schließlich steht der Vertuschungsakt mächtig im Vordergrund. Da soll alles noch schön geheim bleiben.

Und nein, es ist auch nicht der beste Sex, den sie je hatte.

Denn in der Retrospektive bei Tageslicht betrachtet war sie nämlich keinen Meter bei sich, sondern damit beschäftigt, ihre Standing Ovation damit zu verdienen, indem sie alles tat, was ihm gefällt. Was ihn anmacht. Was er weder als Hauptspeise noch als Dessert zuhause bekommt. Sie hat es freiwillig und gerne getan.

Sie verwechselt das nur dummerweise mit gutem, erfüllendem Sex.

Es ist nicht so, dass sie nicht auf ihre Kosten kommt- der Herr ist durchaus ein einfühlsamer Liebhaber. Aber wirklich erfüllender Sex hat etwas mit Liebe, tiefen Gefühlen und Geborgenheit zu tun. Nicht mit Manipulation und sich auf die Schulter klopfen, weil man sich offensichtlich als phänomenale Liebhaberin erwiesen hat.

Mit einem seltsamen Gefühl der Zufriedenheit und gleichzeitig unerträglicher Leere kehrt sie im Morgengrauen in ihre Wohnung zurück. Ist sie doch nur die Frau für gewisse Stunden? Ein Objekt der Begierde?

Sie sollte sich ihm doch näher fühlen und nicht innerlich panisch werden und darüber nachdenken, ob das möglicherweise ihr letztes Treffen gewesen sein könnte. Vor allem nachdem er ihr wieder versichert hat, wie wunderbar sie zusammen passen.

Mit Sicherheit ist sie für ihn etwas Besonderes, aber will sie das auf diese Weise sein? In der Hoffnung, dass er sich für sie entscheidet?

Solange er nicht ganz bei ihr ist, ist er noch ganz bei seiner Ehefrau. Sie weiß das, will es aber nicht wahrhaben. Also zieht sie unbewusst weiter an ihm und verliert ihn am Ende.

Mein Rat an liebessüchtige Frauen

  1. Wenn wir Frauen echte Liebe (er)leben wollen, dann müssen wir auch echt sein.
    Das bedeutet in der Konsequenz im Hier und Jetzt genau hinzuschauen, was wir da eigentlich machen. Unsere unbewussten Konflikte zu kennen. Raus aus der Opferrolle und vor allem Finger weg von der subtilen Manipulation.
  2. Warum verliebt man sich immer wieder in den Falschen?
    Solange unsere unbewussten Konflikte nicht vollständig an die Oberfläche befördert worden sind, so lange werden wir gezielte Schachzüge ausprobieren, um am Ende als Gewinnerin da zu stehen. Und doch fühlen wir uns am Ende dem Spiel nicht wirklich gewachsen.
    Und in diesem Spiel gibt es immer zwei Verlierer. Denn er wird niemals zum Erlöser und eine gesunde, erwachsene Beziehung auf Augenhöhe ist mit ziemlicher Sicherheit ausgeschlossen.
  3. Warum hat es so geendet?
    Er hat sich nicht notwendigerweise wegen seiner Familie gegen uns entschieden, sondern weil er sich unterschwellig manipuliert gefühlt hat und keine Lust auf Schachmatt hatte.
  4. Werdet wachsam, wenn Ihr die Merkmale der Liebessucht in einer Beziehung bemerkt
    – und zieht Konsequenzen. Denn auch für Barbie ist dann sicher ein Happy End in Sicht. Und der beste Sex liegt noch vor ihr.

Es gibt noch einen Blogbeitrag zum Thema „Liebessucht“ hier …

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Ein Gastbeitrag von
Susanne Asser, Trainerin und Coach,
mit einer klassischen Geschichte
aus ihrem Freundeskreis

© Fotos: Peter Atkins,  Inger Anne Hulbaekdal, Marin Conic, Fotolia.com, istock.com

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

20 Kommentare

  1. Na ja, vorgeschoben …
    Bei einer Trennung plötzlich als Alleinerziehende mit kleinen Kindern dazustehen, möglicherweise nach einem Rosenkrieg mit ungewissem Ausgang, was den Unterhalt angeht.
    Da braucht man schon viel Wut im Bauch und keine allzu große Verlassensangst, um nicht das „kleinere“ Übel des Betrogenwerdens in Kauf zu nehmen.

  2. Petrina sagt

    Mmmh, mal anders herum gesehen, sind Ehefrauen, die sich u.a. mehrmals von einem Mann betrügen und belügen lassen und dann auf seine Beteuerungen immer wieder hereinfallen, nicht auch „liebessüchtig“? Sie leben ja auch nicht in einer e klusiven Beziehung und geben ihre eingeben Ideale (wie Treue etc.) ja auch auf, um ihn nicht zu verlieren. Sie könnten sich ja auch trennen und sich ein selbstbestimmtes Leben mit Option auf eine echte Partnerschaft aufbauen. Die Kinder sind m.E. nur ein vorgeschobener Grund.

  3. Hallo,
    Ich bin selber als Paartherapeutin und Coach tätig. Solche Situationen erlebe ich oft, und schlage meinen Klienten dann vor Ihrem potenziellen Partner über die Situation zu sprechen und die eigenen Wünsche und Vorstellungen zu kommunzieren. Ganz oft wird das dann mit einem Ultimatum oder “ ich lege ihm oder ihr ja dann das Messer auf die Brust und setze Ihn unter Druck“ gleichgesetzt. Ich denke aber einen Wunsch äussern und klar kommunizieren, dass man sich eine Beziehung wünscht, ist kein Ultimatum. Es ist nur fair zu erfahren was der andere darüber denkt. Wenn beide Ihre Ansichten, Vorstellungen und Wünsche auf den Tisch gelegt haben,erst dann können auch beide sich für oder gegen die Beziehung entscheiden.

  4. Lara sagt

    Liebessucht und romantische Bedürfigkeit machen unglücklich und abhängig. Liebe macht glücklich und frei.

  5. Es ist wichtig, das man sich nie selbst verliert. Dazu gehört auch die Selbstachtung und Selbstliebe. Nur wenn das „ICH und die Seele“ Prio 1 haben, wird man sich bewusst in welchem Dilemma man hängt und man möchte ausbrechen – meist schafft man es auch. Das hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern gesundem Selbstschutz.

  6. Hallo Herr Kopp-Wichmann,
    danke für Ihr Feeback. Die Trennung erfolgte nicht vor 17 Jahre, erst vor knapp zwei Jahren. Trotzdem ist es, wie Sie schreiben. Lediglich das mit dem „Reingefallen“ habe ich nicht. Es ist eher das Gefühl, nicht gereicht zu haben, verbunden mit der Trauer/dem Neid, dass jemand anders gereicht hat. Vermutlich fällt auch das in die Kategorie Selbstwert. Das mit dem Vater erwähnte ich dazu, weil so ein Muster meist einen Bezug zu der eigenen Kindheit hat.

    Und es ist tatsächlich, wie in dem Artikel zu „liebessüchtig“ (ich persönlich würde mich so nicht bezeichnen) beschrieben ist – im Job und auch sonst stehe ich fest auf dem Boden. Deshalb verstehen viele Menschen nicht, warum ich in dieser Partnerschaft/zu diesem Mann so *verfangen* war/bin. Das war von Anfang an so.

    PS: (und da steht ja immer das Wichtigste drin): Ihr Newsletter ist ausgezeichnet.

  7. Hallo,
    wenn Sie nach 17 Jahren noch an einem Mann emotional festhängen, der Sie verlassen hat, steckt da was Wichtiges dahinter. Ihr Nicht-Loslassen erfüllt eine Funktion, hat einen starken emotionalen Nutzen für Sie.
    Da es Sie ja anscheinend hindert, sich neu zu binden, vermute ich starke Schuldgefühle und einen unbewussten Impuls der Selbstbestrafung. Vielleicht ist es auch ein Problem des Selbstwerts, dass Sie sich nicht verzeihen können, dass Sie auf ihn „reingefallen“ sind. Der Nebensatz „vielleicht wie bei meinem Vater“ ist auch eine wichtige Spur. Auf jeden Fall sollten Sie nicht resignieren, sondern diesen emotionalen Knoten lösen.

    Danke für Ihren Kommentar und Ihre Offenheit.

  8. ps: Aber eines kann ich gewiss sagen – wenn ich einen Menschen kennenlerne und von ihm kommt nicht das gleiche Interesse (zeigt sich in vielen kleinen Signalen) – lasse ich, wenn evtl. auch mit Bedauern, in aller Gelassenheit los …

  9. Vor 17 Jahren lernte ich meinen Partner auf die in Ihrem Beitrag beschrieben Art kennen. Er entschied sich für mich. Und hatte nie Zeit. Alles stand an erster Stelle, seine Firma (!), seine Exfrau (bis heute befreundet). Und irgend wann ‚wir‘. Nach 15 Jahren zerbrach unsere Partnerschaft. Indem mein PARTNER ging. Ich hatte bis zum letzten Tag gewartet, gehofft, gewasweißicht, dass es sich ändert. Wäre er nicht gegangen, ich wäre geblieben.

    Mit ganz ehrlichem Blick nach innen kann ich sagen, dass die Beziehung von Anfang an keine Chance hatte. Weil es ein Ungleichgewicht gab. Ich hatte manipuliert. Genau das gemacht, was oben beschrieben wurde. Damals war mir das in der Form nicht bewußt. Heute wird mir schlecht, wenn ich daran denken. In der Zeit meiner Trennung sagte mir eine Frau, „Wie man einen Mann bekommt, so verliert man ihn“. Das fand ich ganz schlimm. Und es stimmt.

    Mein Partner lernte auch innerhalb UNSERER Beziehung eine andere Frau kennen. Genau wie damals in seiner alten Partnerschaft. Und trennte sich, nachdem dort alles soweit klar war. Das gleiche Muster, wie er es damals bei uns gemacht hatte. Natürlich war unsere Beziehung als auch seine damalige Beziehung bereits am Ende. Sonst wäre er verm. nicht offen für solche Entwicklungen gewesen.

    Nun könnte man sagen, warum leide ich selbst heute noch, 2 Jahre später und wie ich vermute, mein ganzes Leben lang, unter dieser Trennung? Warum setzt es mir so sehr zu? Weil ich ihn meinte. Und mir so gewünscht hatte, dass er mich meint. Ein Muster? Vielleicht wie bei meinem Vater? Mag sein, dass es ein Muster ist.

    Irgendwann im Laufe der Jahre der Partnerschaft wurde ich krank und begann, mich mit der Sprache der Seele, Bewußtsein und Unterbewußtsein zu befassen, machte viele Ausbildungen dazu und 2 Kurzzeittherapien. All das war der Versuch, mich und die Dinge hinzubekommen. Wie man sieht, hat es für die Partnerschaft nichts genutzt. Mein heutiges Bewußtsein ist jedoch zu dem vor Jahren um Meilen anders. Wenn heute eine Manipulation im Anflug ist, egal von welcher Seite, erkenne ich sie sofort, egal wie leise sie ist. Ich spüre sie auf 10 Meter.

    Ich merke nach wie vor, wie ich auf einen bestimmten Typ Mann reagiere (Typ Expartner). An dem Punkt bin ich also keinen Schritt weiter. Der einzige Unterschied besteht darin, dass ich das inzwischen bewußt erlebe. „Ahhh“ könnte man sagen „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.“ Abwarten. Was ich jedoch sehe, ist, dass mein damaliger Partner sein Leben in voller Freude mit dem Neuen füllt. Und ich merke, dass ich das nicht kann. Das Ungleichgewicht, vermutlich würde ein Fachmann sagen, die „emot. Abhängigkeit“ habe ich also bis heute nicht aufgelöst.

  10. susanne asser sagt

    @ Maria – danke für deine Ausführung!

    Aus eigener Erfahrung vermute ich, dass wenn sich die Frau die Frage stellt:

    „Bin ich das Beste, das ihm widerfahren kann?“

    es gut möglich ist, dass sie in ihrer Kindheit und Jugend oft das Gefühl hatte nichts wirklich richtig zu machen. Nicht zu genügen.

    Dann wird mit aller Energie versucht diesen Mangel auszugleichen. Die Anstrengung ist ermüdend und wenn dann nicht der gebührende „Lohn“ dafür vom Mann kommt, ist man wütend.
    Diese Wut traut man sich wiederum nicht zu zeigen, denn man wäre ja vielleicht auch so „zickig“ und „ungenießbar“ wie die Ehefrau, wenn es Stress zuhause gibt.

    Man tut bewusst Alles für ihn, um es angenehm für ihn zu gestalten. Dabei hat man aber irgendwann aufgehört sein eigenes Leben zu leben (und wird auch dadurch immer uninteressanter für den Mann).

    Wenn ich mir im Umkehrschluss vorstelle, dass der Mann das so tun würde, also wenn er sich verbiegen würde, um es mir Recht zu machen, dann würde ich auf 10 m Abstand gehen. Das würde mich garantiert abschrecken, denn dieses Kartenhaus ist dazu verdammt einzustürzen.
    Eine solche Liaison findet wahrlich niemals auf Augenhöhe statt.

    Danke für den Tipp bei Youtube 🙂

  11. susanne asser sagt

    @Karin & Bettina danke für eure Offenheit!

    Hier sind ein paar Fragen für die Freundinnen, wenn ihr mal wieder mit ihnen im Gespräch seid und sie sich quälen. Wenn die Warterei zu lange dauert…

    – Was fasziniert dich an ihm?
    – Was glaubst du, dass gerade er dir
    „geben“ kann, das dir jetzt „fehlt“?
    – Was sind deine Erwartungen an ihn?
    – Was sind seine Vorzüge?
    – Was sind seine Nachteile?
    – Was bewunderst du an ihm?
    – Was verurteilst du an ihm?

    Insbesondere die zweite Frage kann enorm hilfreich sein, seine gefühlten Defizite genauer unter die Lupe zu nehmen und daraus Konsequenzen zu ziehen nicht alles an dem Mann auszurichten.

    Liebe Grüße
    Susanne

  12. susanne asser sagt

    Dankeschön an alle Kommentatoren/-innen!

    @Jonas: was genau meinst Du damit? Bzw. was hat das für eine Konsequenz?

    @Jules: erstmal danke Dir 🙂

    Ich stimme Dir voll und ganz zu.
    Wenn an irgendeiner Stelle schon im Vorfeld der Wunsch besteht den anderen ändern zu wollen, dann sind wir ohnehin auf dem Holzweg. Das funktioniert nie, denn dann sind wir wieder in einer Straße namens „Dead end“ angelangt.

    Hinzu kommt, je älter wir werden, desto weniger will einer an sich herumgebastelt haben. Schließlich haben wir uns unsere Verhaltensmuster mühevoll erarbeitet…(und für uns ergeben diese Muster immer einen Sinn)

    Es kostet Kraft und Überwindung sich einzugestehen, dass man in Wahrheit kein Opfer ist. Dass man an der „Misere“ seine Anteile hat. Sei es, dass man sich nicht abgrenzt oder klar äußert, was man will und was nicht.

    Jammern was der andere alles falsch macht ist einfacher und man findet vor allem überall schnell Verbündete, die in die Arie mit einstimmen.
    Zunächst fühlt man sich dadurch gestärkt und im Recht, aber in Wirklichkeit hat man dadurch nichts gewonnen. Gar nichts. Denn an der Situation ändert es nichts im Geringsten.

    Also Mut an erste Stelle und im stillen Kämmerlein mal ganz ganz ehrlich zu sich sein und die Beziehung – egal in welchem Stadium – von einer anderen Warte betrachten.
    Ein guter Weg kann sein, dass man sich hinsetzt und überlegt was ein Fremder, der die Situation betrachtet, wohl so alles zu sehen bekäme, wenn er Mäuschen spielen dürfte.

    * Wie würde er die Gedanken und das
    Handeln erleben?
    * Was würde er darüber denken?
    * Wo würde er bestimmte Dinge wieder
    erkennen, wenn er eine Blaupause aus
    einer früheren Zeit auf die aktuelle
    Situation legen wurde?

    Da kommen sicher jede Menge Impulse, die helfen, vieles besser einzuordnen!

  13. Bettina sagt

    Wie wahr! Auch ich befand mich in einer solchen Situation und erinnere mich nur zu gut an das Ultimatum. Er hat sich zum Glück gegen mich entschieden und ich konnte die Scheuklappen ablegen, um festzustellen, dass es Männer gibt, bei denen ich ganz und gar ICH sein kann und darf. Nun steckt eine Freundin in genau dieser Situation und sie wartet geduldig bis er sich entscheiden wird. Auch nur der kleinste Kommentar, ob er denn wirklich der richtige für sie ist, wird mit Ausreden und Schönreden abgetan. Sie will es nicht hören. Somit heisst es abwarten und darauf hoffen, dass auch sie bald die Scheuklappen ablegt.

  14. Ein super Kommentar! Kann ich nur bestätigen. So auf den Punkt gebracht, habe ich das Problem selten beschrieben gelesen!

  15. Jau, allet bestens bekannt – aus eigener früherer leidvoller Erfahrung (inkl. ein paar Jahre Therapie, bis ich die Illusion des rettenden Helden hinter mir lassen konnte) und jetzt aus der Arbeit mit CoachingkundINNEN.
    Die kommen – erst mal – mit völlig anderen Problem: Jobwechsel, Abnehmen!, Burnoutgefühlen… um dann irgendwann, wenn ‚es‘ nicht weitergeht im Coaching, von ihrer Affaire zu berichten.

    DAS ist dann das eigentliche Problemfeld, das es zu beackern gilt. Denn: frau will den Job nicht wechseln, da Liebster sonst zu weit weg wäre… frau will abnehmen, um für Mann sexy zu sein und ihn so zu halten… Der Burnout, stellt sich ‚plötzlich‘ raus, ist weniger auf die berufliche Herausforderung zurückzuführen, als darauf, dass fast ALLE Denkenergie in diese ‚Liebe‘ gesteckt wird.

    Mittlerweile geb ich den Frauen als Denkimpuls mit: Frag dich nicht andauernd: Bin ICH das Beste, was ihm widerfahren kann? sondern: Ist ER das Beste, was MIR widerfahren kann? Ab da ist es dann zuweilen immer noch ein langer Prozess, bis das Muster ‚Liebe(n) gleich Leid(en)‘ durch ein zielflührenderes ersetzt werden kann. Hört sich langwierig an? Sorry, aber meiner Erfahrung nach, dauert es, bis frau (oder Mann) diese tiefen ‚Such’Muster verändert hat.

    Alle Erfahrung zeigt aber auch: ES LOHNT DIE MÜHE! Echte Partnerschaft wartet.

    Wunderschönes Bilderbuch zum Thema:
    Missing Piece trifft Big O, Silverstein.
    Auf Englisch auch unter Youtube http://www.youtube.com/watch?v=bZEkLrqo58I.

    Wie gesagt, dauert manchmal, bis zwei auf Augenhöhe durchs Leben rollen.
    Herzlichen Dank für diesen Artikel.
    Maria Ast

  16. Karin sagt

    Oh ja! Dieses Bemühen, es dem andern rechtmachen zu wollen und der Glaube, wenn ich mich total auf die Wünsche des Mannes einstelle wird er mich lieben, erinnert mich an eigene Selbst-Täuschungen in der Vergangenheit. Gottseidank lange her. Doch aktuell passt es exakt zu einer Geschichte, die mir gerade eine Frau erzählt hat. Sie ist überzeugt, dass der Mann – in ein paar Jahren(!), jetzt habe er gute Gründe, warum es nicht geht – sich von seiner Frau trennen und dann ganz mit ihr zusammen sein wird.

  17. Liebe Susanne,
    toller Artikel! Da werden sich (leider) viele wiederfinden.

    Was ich noch hinzugfgen möchte: Angenommen „Barbie“ kriegt ihren Ken doch… WAS PASSIERT DANN? Wenn die Projektionen und Idealisierungen, die Sehnsucht, das Warten und die anfängliche Leidenschaft nachlassen…. WAS DANN?

    Da viele Frauen die unbewusste Angst vor Nähe haben, (was ihnen aber keineswegs bewusst ist) werden sie im Zusammenleben mit ihrem Liebsten feststellen, dass sie sich gar nicht so sehr auf ihn einlassen wollen, wie es ihnen anfangs erschien. Der Reiz „ihn endlich für sich zu bekommen“ wird verfliegen und die „dunklen Seiten“ unserer Persönlichkeit werden (wie in jeder Beziehung) ans Tageslicht kommen. Denn sie sind ein Teil von UNS. Ein Teil, der sich meist erst in Beziehung zeigt und den wir nicht sehen wollen, weil unser Ego dies nicht zuläßt.

    Also suchen wir weiterhin die Lösung für ein harmonisches MIteinander beim ANDEREN! Was natürlich niemals funktioniert. Wir haben alle Macht UNS zu verändern, aber keine Macht den anderen zu verändern. Mein Überzeugung ist: ohne die LIEBE in uns selbst gefunden zu haben, die Liebe und Freude zum Leben, die Kraft der bedingungslosen Liebe – wird jeder Versuch DURCH DEN ANDEREN „endlich anzukommen“ scheitern.

    Jede/r von uns IST Liebe. Wir haben jedoch die Illusionen von der Liebe zum Goldenen Kalb gemacht und lassen uns von unserem Ego beraten, statt der Kraft der LIEBE. Wer bereit ist, sich SELBST statt den Partner zu betrachten und sich auf den Weg zur allumfassenden LIEBE zu machen, kann gar nicht ent-täuscht werden! Sicher kein „einfacher“ aber ein wundervoller Weg.
    Alles LIEBE!
    Julia Kathan

  18. Pi sagt

    Wird das der Einleitungstext für „Männer wollen erwachsene Frauen“? 🙂

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