„Warum verliebe ich mich immer in den Falschen?“

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Partnerschaft

An diesen 10 Merkmalen erkennen Sie eine Liebessucht.

Diesen Stoßseufzer höre ich immer wieder in meiner Praxis. Meist von Frauen obwohl es auch liebessüchtige Männer gibt.

Das Drehbuch ist immer gleich. Sie lernt einen interessanten Mann kennen. Nach den ersten Treffen oder einer leidenschaftlichen Nacht meldet er sich nicht mehr.

Auf die Frage „Warum ruft er mich nicht an?“ findet die Frau dann einfallsreiche Erklärungen wie Telefonnummer verloren, Arbeitsüberlastung, familiäre Verpflichtungen. Doch sind diese fast immer falsch. Meist ist es der Beginn eines  unbewussten Beziehungskarussells zwischen zwei Menschen mit Beziehungsdefiziten. Julia Kathan beschreibt das sehr treffend in ihrem Buch „Alles für ein bißchen Liebe?“, dem ich hier weitgehend folge.

Der „falsche“ Partner ist dann mal der verheiratete Familienvater mit zwei Kindern, der sich nicht entscheiden kann. Oder der beziehungsunfähige Marketingchef, der zwar nichts gegen eine heiße Affäre hat, sich nach vielen Enttäuschungen aber derzeit nicht wieder binden möchte.

Wie das Drama beginnt.

Vielleicht ist es auch der arbeitslose Alkoholiker, der gerade seinen Entzug abgebrochen hat oder der coole Künstler, der dringend finanzielle Unterstützung für seine erste Ausstellung braucht. Mit ihrem instinktiven Radar ortet die liebessüchtige Frau genau jene Männer mit chronischer Verantwortungs-Allergie, die eine intensive Beziehung scheuen.

All diesen Männern ist gemeinsam, dass nach anfänglich starkem Interesse an Geist und Körper der Frau nach kurzer Zeit der Kontakt einseitig wird. ER ruft nicht oder ziemlich verzögert zurück. Findet alle möglichen Gründe, warum ein Treffen derzeit – leider, leider – nicht geht.

Die Frau wird jetzt aber nicht misstrauisch und denkt sich „Er steht einfach nicht auf mich“ und zieht sich zurück, um abzuwarten. Statt dessen füllt sie die Funkstille mit stundenlangen Grübeleien, was wohl mit ihm los ist,  warum er sich nicht meldet, was sie falsch gemacht hat, wie sie es richtig anstellen könnte … und fängt an, den beziehungsscheuen Mann zu erobern. Den Rückzug des Mannes kompensiert sie mit zahllosen Telefonaten oder SMS, die ihm zeigen sollen, wie wichtig ER in ihrem Leben geworden ist.

Leider führt das nicht zum gewünschten Ergebnis. Im Gegenteil: der Mann fühlt sich belagert, meldet sich noch sporadischer mit diversen Ausflüchten und zieht sich noch mehr in seine Burg zurück. Was zu verstärkter Belagerungsaktivität der liebessüchtigen Frau führt. Ein klassischer Teufelskreis.

Das Besondere an derlei Konstellationen ist: es sind keine Mauerblümchen, die Angst haben, sonst keinen abzukriegen. In der Regel sind es starke, attraktive Frauen, die beruflich fest im Leben stehen, vielleicht schon Kinder erziehen – und die aber jede Menge Minderwertigkeitskomplexe haben.

Deswegen verhallen auch wohlgemeinte Fragen von Freundinnen „Hast Du das denn nötig, so einem hinterher zu laufen?“ ungehört. Die Antwort ist „Offensichtlich hat die Frau es nötig.“ Aber warum?

Es sind meist drei Gründe:

1. Starkes Selbstwertproblem
Liebessüchtige sind überkritisch mit sich selbst, werten sich in vielem ab und lieben sich selbst wenig. Deshalb suchen sie die ganze Bestätigung und Anerkennung bei anderen. In diesem Fall bei dem Mann. Doch da uns andere durch ihr Verhalten oft das widerspiegeln, was in uns schlummert, verstärkt der  zögerliche Mann durch sein Verhalten noch das Gefühl der Wertlosigkeit.

Ursache für ein zu geringes Selbstwertgefühl ist oft mangelnde Geborgenheit in Kindheit und Jugend. Frühe negative und leidvolle Beziehungserfahrungen des Kindes durch mangelnde Liebe und Zurückweisung, Misshandlung, Schläge oder emotionale Vernachlässigung prägen entscheidend die Beziehungslandkarte des liebessüchtigen Menschen.

Da Kinder schlecht abstrahieren können, beziehen sie solche Erfahrungen immer auf sich, suchen die Schuld unbewusst bei sich und entwickeln die Überzeugung, dass sie es sind, die nichts taugen, überflüssig oder eine Last sind.

Schon als Kinder lernen solche Menschen dann früh, Verantwortung zu tragen, sich um andere zu kümmern und sich durch enorme Leistungen wenigstens etwas Aufmerksamkeit zu verdienen. Eigene Wünsche müssen dabei verleugnet oder unterdrückt werden. In der liebessüchtigen Beziehung werden dann diese alten Beziehungsmuster reaktiviert.

2. Angst, verlassen zu werden
Liebessüchtige Frauen empfinden, wenn sie allein mit sich sind, oft eine innere Leere. Der Partner soll diese Leere füllen, tut es auch ein Stück, aber sein Rückzug konfrontiert die Frau schnell mit der drohenden Leere.

Verlustängste haben ihre Wurzeln meist in der Kindheit. Trennung der Eltern, ein langer Aufenthalt in einem Krankenhaus oder Kinderheim, Tod eines Elternteils sind alte Wunden, die mitunter kaum vernarbt sind. Befürchtet die erwachsene Frau, verlassen zu werden, können die alten existenziellen Ängste des Kindes aufbrechen.

Anstatt auf das Zurückweichen des Mannes mit Skepsis und Abwarten zu reagieren, bekommt die liebessüchtige Frau Angst, dass ER sie verlassen könnte und startet das volle Kontrollprogramm, wie Julia Kathan in ihrem empfehlenswerten Buch gut beschreibt:

  • „Wo warst du solange?“
  • „Wieso hast du mich nicht angerufen?“
  • „Liebst du mich noch?“
  • „Wann trennst du dich endlich von ihr?“
  • „Wann sehen wir uns endlich?“
  • „Warum sagst du mir nicht, dass du mich vermisst?“

Zudem sind Liebessüchtige besonders loyal und bewerten Treue sehr hoch. Eine notwendige Trennung fällt ihnen auch deswegen schwer,  weil sie den Schmerz und die Verzweiflung des Anderen im voraus nachempfinden und zu vermeiden suchen.

3. Bindungswunsch und Näheangst.
Das klingt erst einmal widersinnig, denn die liebessüchtige Frau tut ja viel, um immer wieder Bindung zu suchen und herzustellen. Doch sucht sie sich dafür ausgerechnet einen Mann, bei dem sie unbewusst sicher sein kann, dass er rechtzeitig auf der Beziehungsbremse steht. Die dahinter liegende Logik: Starke Sehnsucht ist leichter zu ertragen solange nicht die Erfüllung droht.

Anders ausgedrückt: der Liebessüchtige kann gefahrlos Nähe und Bindung suchen, wenn er damit rechnen kann, dass der Andere durch seinen Rückzug wieder für die notwendige Distanz sorgt.

Liebessüchtige Menschen halten auch eine Beziehung für das kostbarste Gut der Welt und sind bereit, alles zu tun, um die einmal begonnene Verbindung aufrechtzuerhalten. Doch löst diese Beziehung äußerst ambivalente Gefühle aus.

Die Wonnen des Zusammenseins werden überlagert von der Verlassenheitsangst und führen dann oft zum typisch anklammernden Verhalten. Denn die häufig ausbleibenden Reaktionen von IHM  triggern die erlebten Trennungen  und die damit verbundenen Todesängste.

Doch wie unterscheidet man nun eine starke Liebe von Liebessucht?

Ich spreche hier vor allem von liebessüchtigen Frauen. Das Problem haben  auch Männer, aber seltener.

Hier die 10 Merkmale von Liebessucht.

  1. ER scheint Ihnen sehr viel mehr zu bedeuten als Sie ihm. ER meldet sich unregelmäßiger bei Ihnen als Sie sich bei IHM.
  2. Sie müssen viele Zugeständnisse machen, um mit IHM zusammen zu kommen.
  3. SEINE Probleme stehen im Vordergrund – und Ihre eigenen Themen vergißt er – und Sie auch.
  4. Sie beachten Männer, die sich für Sie interessieren, kaum. Männer, die stark an Ihnen interessiert sind oder an Ihnen klammern, verachten Sie.
  5. Sie können sich nicht vorstellen, ohne IHN zu leben. Allein der Gedanken an einen Verlust stürzt Sie in Verzweiflung.
  6. Wenn sie nicht mit IHM zusammen sind, fühlen sie sich leer, unattraktiv, wertlos und unvollständig. Nur in SEINER Nähe fühlen sie sich geborgen.
  7. Bei wiederholten Vertröstungen werden Sie nicht misstrauisch und ziehen sich zurück, sondern finden kreative Erklärungen und Entschuldigungen für sein Verhalten.
  8. Sie verwechseln quälendes Warten, dramatische Streits, sklavische Abhängigkeit mit Liebe.
  9. Sie vernachlässigen Ihre bisherigen Freundinnen, Aktivitäten und Hobbys. Ihre Aufmerksamkeit kreist nur noch um IHN.
  10. Sie verachten sich manchmal selbst, was Sie alles mit sich machen lassen, können aber nicht damit aufhören.

Was tun?

Meiner Erfahrung nach ist liebessüchtiges Verhalten – wie jedes Suchtverhalten –  nicht leicht zu verändern. Denn allzu schmerzhafte Gefühle von damals und heute sind damit verknüpft. Aber es ist möglich. Mitunter schafft man es auch nicht allein. Dann ist eine professionelle Unterstützung in Form einer Psychotherapie vielleicht hilfreich.

Hier einige erste Schritte:

Stärken Sie Ihren Selbstwert.
Kern der Liebessucht ist das geringe Selbstwertgefühl. Deswegen fällt es Ihnen so schwer, sich rechtzeitig zurückzuziehen oder die Beziehung in angemessener Zeit zu beenden.

Überlegen Sie, wo Sie anderweitig Anerkennung und Wertschätzung erhalten können. Bei der Arbeit, bei Freundinnen – und vor allem durch sich selbst. Das Buch von Julia Kathan gibt hier wertvolle Anregungen

Setzen Sie IHM eine enge Frist zur Entscheidung.
Der Hauptfehler des Liebessüchtigen ist, dass er aus Angst vor dem möglichen Ende notwendige Konsequenzen hinauszögert oder ganz unterlässt. Dies ist jedoch die indirekte Aufforderung oder Ermutigung für den anderen, dass er genauso weiter machen kann.

In „Alles für ein bißchen Liebe“ schreibt die Autorin zu Recht:

Ein verheirateter Mann, der sich nicht nach sechs Monaten zwischen dir und seiner Frau entscheidet,weiß nicht, was er will.
Oder besser: Er weiß sehr genau, was er will. Es soll einfach alles so weitergehen.

Lassen Sie abklären, ob eine Depression bei Ihnen vorliegt.
Denn viele der oben beschriebenen Einstellungen und Verhaltensweisen sind Kennzeichen einer depressiven Störung: Schwierigkeit, wütend zu werden,    überstarke Liebesbedürftigkeit, große Bereitschaft, zu helfen und sich aufzuopfern und ein geringes Selbstwertgefühl.

Eine Depression muss behandelt werden. Sie verschwindet selten von allein. Wenn doch, kann sie Sie bei der nächsten Krise wieder einholen.

Hören Sie auf, ihn verändern zu wollen.
Man kann andere Menschen nicht verändern. Sie können nur sich selbst verändern. Zum Beispiel, indem Sie nicht weiter wie ein Planet um ihn als Zentrum kreisen, sondern sich selbst in den Mittelpunkt Ihres Lebens stellen.

Schreiben Sie in einem klaren Moment eine Checkliste, woran Sie einen beziehungsscheuen Mann erkennen und auf welche Art Mann Sie fliegen. Wenn Sie dann in Realität wieder auf einen solchen treffen, lesen Sie Ihre Checkliste – und gehen Sie auf Abstand, vor allem, wenn Sie von ihm schlecht behandelt werden.

Fazit:

Was einem unbewusst ist, kann man nicht erkennen. Viele betroffene Frauen glauben, dass sie nur unglücklich verliebt sind – und sie irgendwann doch noch mit dem geliebten Partner zusammen kommen werden.

Wachen Sie auf!
Denn Sie verwechseln ewiges Warten und das leidvolle Hin und Her mit leidenschaftlicher Liebe.

Doch dieser Irrglaube ist Teil des Problems. Vielen Frauen ist nicht bewusst, dass sie eigentlich an Liebessucht leiden und wie aussichtslos diese Beziehung ist. Und wie sehr mangelnde Selbstliebe und Wertschätzung für die eigene Person das Problem aufrechterhalten.

Noch ein Wort an die Männer. Liebessüchtige Frauen geraten oft an einen „Muttersohn“. Also an einen Mann, der es als Junge nicht geschafft hat, von der weiblichen Sphäre in die Welt der Männer zu gelangen. Und fortan als braver Junge, Casanova, Held oder Mafiaboss durchs Leben geht.

Auch der Muttersohn weiß nicht um seine Problematik und lässt sich deshalb oft mit einer liebessüchtigen Vatertochter ein, die ihm anfangs sehr attraktiv vorkommt, sich jedoch mit der Zeit für ihn als kontrollierende, klammernde Mutterfigur entpuppt.

Beide Partner müssen aus meiner Sicht an der inneren Ablösung von ihren verinnerlichten Eltern arbeiten. Darüber habe ich ein ganzes Buch geschrieben, das im August als Taschenbuch neu aufgelegt wird. Es heißt: „Frauen wollen erwachsene Männer.“

Und dem wird wohl jede liebessüchtige Frau zustimmen.

Was kann Ihnen helfen?

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Fotos: © Peter Atkins – Fotolia.com, Silvie Bechle, .marqs – photocase.com

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

22 Kommentare

  1. Das Buch der Autorin gibt ja eine gute Analyse. Aber in der Regel muss man solche Themen längerfristig in einer guten tiefenpsychologischen oder psychoanalytischen Therapie bearbeiten und lösen. Gerade in der längeren therapeutischen Beziehung tauchen diese Muster auch wieder auf und können dann aber dort gut besprochen werden. Adressen von Therapeuten in Ihrer Nähe finden Sie hier: http://www.psychotherapiesuche.de

  2. Olga sagt

    Der Artikel trifft mit Abstand am meisten auf mein Problem zu. Ich bin 28, lebte in verschiedenen Städten und Ländern. Ich hatte noch nie eine „normale“ Beziehung. Männer sind oft an mir interessiert doch sobald ich beginne mich für einen zu interessieren vschwindet sein Interesse. Es eine Regel ohne Ausnahme. Es ist traurig denn ich kann mich eben nicht zwingen sich in einen der jenigen zu verlieben die ich eben nicht anziehend finde. Ich habe es schon oft versucht. Ich weiß nicht wie ich aus dem Teufelskreis rauskomme soll. Alle sprechen von Selbstwertsteigerung aber keiner kann einem sagen wie man diese tiefen Gefühle aus der Kindheit verändern kann. Ich habe schon versucht meinem Vater zu verzeihen und ihn selbst als Opfer gesehen aber hilft alles nichts. Ich stehe immer wieder Bindugen die diesem Schema die in den 10 Merkmalen beschrieben wurden. Ich bitte um Hilfe und hoffe das ein Psychotherapeut diesem Thema gewachsen ist. Liebste Grüße

  3. Alexandra Soo sagt

    Durch diesen Artikel weiß ich jetzt das ich Liebessüchtig bin , und das ich deshalb immer an die falschen gerate.
    Ich werde mir jetzt Hilfe zukommen lassen durch einen Therapeuten.
    Danke für diesen Artikel.

  4. Elliot's JD is gone sagt

    zu dem Kommentar zu #Ich:
    ich finde, du beschreibst aber die aufopfernde Liebe.. und genau DAS ist ja das Problem. Wenn man sich selber genug liebt, erträgt man eben NICHT alles. Erdulded man NICHT alles !

  5. Elliot's JD is gone sagt

    Ich schäme mich so. Warum bin ich diesem Typen jahrelang hinterhergerannt. Ich hoffe so sehr, dass ich mein Beziehungsverhalten ENDLICH FÜR IMMER verändern kann und nicht mehr zurückfalle. Das ist irgendwie peinlich, irgendwie ist es aber auch gemein, dass manche wegen Defiziten in der Kindheit dann später ‚echte‘ Beziehungen verpassen. Annerkennung. Liebe. Alles das muss man in sich selber finden. Aber was bleibt dann noch… hört dann diese ständige Suche auf? Ist es das, nach dem man sucht? Innere Liebe?

  6. Bucht sagt

    Auch ich bin wieder an einem falschen Mann geraten. Es ist zur Zeit in seiner Heimat und hat sich seit zwei wochen nicht bei mir gemeldet, obwohl er oft aktiv in den sozialen Netzwerken ist. Ich bin so unendlich traurig, warum ich wieder so respektlos von einem Mann behandelt wurde. Auf seinen Kontaktentzug habe ich auch mit Kontaktentzug reagiert. Warum soll ich so einen Mann hinterrennen? Ich dachte mit der Zeit ich wäre ein bißchen selbstbewusster geworden, aber anscheind spiegelt mir dieser Mann genau, dass mein Selbstbewusstsein nicht so groß sein kann. Auch ich bin eine Frau, die immer Ablehnung von ihrem Vater erfahren hat. Während der gesamten Kindheit hat er mich abgestoßen.

  7. Guter Beitrag, ich habe gerade eben in meinem Blog auch etwas darüber geschrieben.

  8. Danke für den Hinweis auf den Test!

    War aber ein „Sei stark“ mit einigem Abstand gefolgt von einem „Sei perfekt“

    Sehr interessant.

  9. Guten Morgen Herr Kopp-Wichmann,

    Wie nennt man solche Verhaltensweisen eigentlich im rein beruflichen Bereich?

    Ich habe zu meinem Entsetzen festgestellt, dass ich in einigen Bereichen genauso mit meinem Geschäftspartner umgehe, mit dem mich privat nichts verbindet, bei dem ich aber häufig genau so reagiere, wenn er sich geschäftlich nicht so einbringt, wie ich es erwarte.

    Das bremst unsere eigentlich Arbeit natürlich häufig aus.

    Da fühl ich mich jetzt aber echt ertappt. 🙂

    Liebe Grüße aus Wilhelmshaven

    Angelika Ritter

  10. Meines Erachtens wird dieses Verhalten oder diese Fehlentwicklung in der eigenen psychischen Struktur durch gesellschaftliche Umstände verstärkt.
    Das „Klammern“ der Frauen hat – neben den hier genannten Gründen – ihren Grund auch in der gesellschaftlich noch immer stark geförderten Unabhängigkeit. Freiheit ist für Männer ein Wert an sich, man muß ihnen am Beispiel dieses Wortes nicht erklären, was ein „Wert an sich“ ist.
    Daß Wahrheit ebenso ein Wert an sich ist (Die Wahrheit wird euch frei machen, steht schon in der Bibel), verstehen Männer nicht, das ist seltsam. Es ist sehr schwer, als alleinstehende Frau die Prioritäten aufrechtzuerhalten, auszuwählen und diejenigen, die sich nicht wertschätzend verhalten, zurückzuweisen, solange es in so vielen Bereichen unserer Gesellschaft nichtwertschätzendes Verhalten gegenüber Frauen gibt.

    Es ist ja auch nicht so, daß Frauen nur einen abzuweisen hätten … es sind ja sehr viele Männer so, wie Sie es beschreiben. Denn es ist gesellschaftlich (unter Männern) durchaus akzeptiert (auch noch bei uns), dass ZU selbstbewusste Frauen und Frauen mit einem starken Selbstwertgefühl „einen Denkzettel verpaßt“ bekommen oder ihnen auf andere Art verständlich gemacht wird, wer die Macht hat und wer nicht . … leider ja.
    Da findet ein Defizit in der Kindheit schnell seine aktuelle Entsprechung in gegenwärtigen Mißverhältnissen in der Gesellschaft allgemein.

  11. Jacq sagt

    Ich schäme mich für mein verhalten….
    ich bin mit einem mann zusammen der so wunderbar ist und ich verhalte mich so schrecklich…. ich will ihn nicht verlieren weil ich ihn wirklich liebe aber ich weiß jetzt das ich mich ändern muss !!!

  12. Ich sagt

    Ach ja. Dieses Gefühl ist mir natürlich auch all zu bekannt.
    Ich glaube es gibt kaum eine Frau, die es geschafft hat, diese Erfahrung zu umgehen.
    Und wenn…dann finde ich das glaub ich fast etwas schade. Denn meiner Meinung nach, ist das eine sehr wichtige Erfahrung.

    Ich habe mich durch schmerzliche immer wiederkehrende Erfahrungen quälen müssen, die den oben beschriebenen sehr sehr ähnlich waren.
    Und ich habe mich ständig gefragt, warum nur?

    Und…das mag jetzt vielleicht etwas aus den Wolken gegriffen kommen.
    Aber ich habe eine Antwort auf diese Frage bekommen. Und diese war schlichtweg…“Gott“.
    Ich habe durch diese Erfahrungen erfahren dürfen, was „nicht-Glauben“ bedeutet.
    Man muss dazu sagen, eigentlich war ich nie ein gläubiger Mensch.

    Aber seitdem ich angefangen habe mich mit diesem „warum“ auseinanderzusetzen, bin ich immer mehr zu meinem ganz persönlichen Glauben an Gott, und vorallem an die alles erhaltende und bewahrende Kraft der Liebe, gekommen.

    Und die Gefühle, und die Empfindungen, wie sie oben in dem Blog beschrieben werden, treten dann in unser Leben, wenn wir über dieses Wahre Dasein vergessen, wenn wir uns in unserer Eigenliebe unserer Sucht nach Aufmerksamkeit verlieren. Und der Schmerz soll uns wachrüteln, damit wir uns wieder erinnern, was die wahre Liebe ist, die…langmütig und freundlich ist, nicht eifert, nicht Mutwillen treibt, sich nicht aufbläht, sich nicht ungehörig verhält, sich nicht erbittern lässt, nicht das Ihre sucht, das Böse nicht zurechnet, sich nicht an anderer Menschen Sünden erfreut, immer Willens zu ertragen ist, zu vertrauen, zu hoffen und zu erdulden, gleich was kommen mag.(1.Korinther, 13)

    Und glaubt mir, wenn man dieses Gefühl erst zu fassen bekommen hat, dann verschwindet der Drang zu kontrollieren, dann wird alles plötzlich einfach und man kann sich Menschen nähern, ohne Erwartungen an sie zu knüpfen und sich damit schon selber einen Strick um den Hals zu legen…

    Ich habe dieses Gefühl schon oft erleben dürfen, und ich wette jeder von euch auch.
    Es verschwindet nur so gerne wieder, wenn man sich mal wieder verliert…Aber, man muss sich nur wieder erinnern…

    Liebe Grüße
    Ich

  13. Hallo Nancy,
    ich denke auch, dass es eine gute Idee und ein guter Zeitpunkt ist, sich professionelle Hilfe zu holen. Vor allem auch wegen dem selbstschädigenden Verhalten, was ja vermutlich bedeutet, dass Sie eine große Wut in sich haben, die Sie aber „lieber“ gegen sich selbst richten.

    Alles Gute für Sie!

  14. Nancy sagt

    Hallo,
    was für ein treffender Artikel.
    Mein Partner hat sich vor kurzem nach 10 Jahren und einer gemeinsamen Tochter (und fast einem zweiten Kind) von mir getrennt und ich könnte wahnsinnig werden bei dem Gedanken, dass er am Mittwoch auszieht und vielleicht schon in Kürze eine andere hat.

    Dass mit meinem Beziehungsverhalten was nicht stimmt, ist mir schon vor Jahren aufgefallen. Ich kompensiere damit wohl vor allem Mobbing im Jugendalter. Aber wenn ich hinter dieses irrationale Verhalten schaue, merke ich, dass da auch noch wahre Liebe ist für ihn. Vielleicht nicht mehr so groß, aber sie ist da, und das macht es wohl am schlimmsten.

    Da ich zu Depressionen neige, habe ich einen Termin bei einer Verhaltenstherapeutin. Und das wird auch dringend Zeit, denn heute Nacht stand ich in der Küche und wollte mir mit einem Messer die Haut aufkratzen, obwohl ich furchtbare Angst vor Schmerzen habe. Ich schäme mich so, dass ich diesen Mann nicht halten konnte und ich verhalte mich momentan völlig irrational. Dadurch komme ich mir vor wie ein Psycho.

    Ob es aufwärts gehen wird? Im Moment sehe ich es noch nicht so.

  15. Hallo Romy,
    Sie brauchen sich nicht zu schämen. Das verändert nichts. Dass Sie sich zu einer Psychoanalyse entschlossen, ist sicher ein guter Weg.

    Solche unbewussten Muster erkennt und löst man nicht alleine.

    An den Leserzahlen und den Kommentaren sehen Sie auch, dass Sie nicht die Einzige sind, die so etwas erlebt.

    Danke für Ihren Kommentar und alles Gute für Sie.

  16. Romy sagt

    Es stimmt alles so.. und es beschämt mich zutiefst. Ich bin auch eine Vatertochter und durchlaufe im Moment eine Psychoanalyse, um die bestehenden Verhaltensmuster von Grund auf zu ändern. Ich merke, dass ich mich selbst aufgrund meines VaterTochter-Syndroms nicht mag. Ich wäre so gerne normal. Im Moment habe ich keine Beziehung. Mein Ziel ist es, unabhängig zu werden und mit mir erstmal allein glücklich zu sein. Das gelingt nur zum Teil, da ich mich schon nach Nähe sehne. Die würde ich aber gern erst einmal bei mir finden. Ohne meine Therapeutin wäre mir mein Verhaltensmuster nicht aufgefallen. Ich bin sehr dankbar, dass es Menschen wie sie und Sie gibt. Herzliche Grüße.

  17. Doreen Hanschk sagt

    uff….erschlagend treffend!

  18. Britta Dettmer-Wolters sagt

    Ein ganz, ganz toller Artikel, der den Nagel wirklich auf dem Kopf trifft.

  19. Hallo Jörne,
    ich kenne zu wenig Beispiele von homosexuellen Beziehungen, deswegen kann ich nichts darüber sagen, ob es bei diesen Paarungen zum selben Phänomen kommt. Aber für plausibel halte ich es schon. Ein Ausgrenzen war jedoch nicht von mir beabsichtigt.

    Danke für den Hinweis.

  20. jörne sagt

    Der bericht ist grundsätzlich sehr gut, was mich wirklich langsam stört (was aber generell so ist und komplett noch nicht eingeplant wird) ist
    das es mittlerweile fast genauso viele homobeziehungen gibt wie hetero und das sich kaum ein schriftsteller vielleicht mit psychologischen backround die mühe macht das mit einzubeziehen.
    das, was sie über die liebessucht schreiben bezieht sich nicht ausschließlich auf man/frau beziehungen sonder überhaupt auf beziehungen und was hindert eine/n schriftsteller/in daran das so in einer Lektüre aufzunehmen, ist das so schlimm endlich mal alle zu integrieren ???? in so „kleinigkeiten“ könnte mann/frau viel dazu beitragen das homobeziehungen genauso normal sind wie heteroverbindungen.
    Lg jörne

  21. S. W. sagt

    Wie immer treffen Sie den Nagel auf den Kopf! Ich habe ja auch so eine „Affäre“ mit einem Mann, den ich selbst als beziehungsunfähig einstufe. Und deswegen lasse ich ihn einfach an der „langen Leine“ laufen.

    Ich brauche ihn nicht, nicht für eine Partnerschaft. Fürs sexuelle ein überaus interessantes „Objekt“ meiner Begierde, aber für den tagtäglichen Umgang nicht zu gebrauchen.

    Ich telefoniere ihm nicht hinterher und ich kontrolliere auch nicht. Das ist für ihn wiederum ungewöhnlich und deswegen kommt er wieder. Wenn er sich anmeldet, freue ich mich. Wenn er hier ist, bin ich verrückt nach ihm. Wenn er jedoch geht, ist es auch gut.

    Ich bin in einem Alter, wo ich mich nicht mehr irgendwelchen Konventionen oder Moralaposteln unterwerfe. Sie haben recht, dass das etwas mit SELBSTBEWUSSTEIN und SELBSTWERTGEFÜHL zu tun.

    Kinder, die seelisch verwahrlost sind, haben alle einen Hang, im Erwachsenenalter ihre Defizite und Sehnsüchte, die sie als Kind hatten, auf einen potenziellen Partner zu projizieren. Siehe auch Bradshaw mit seiner Arbeit am inneren Kind.

    Für den Mann, der Bindungsangst hat, äußerst schwierig. Wenn beide ihre Defizite auf den anderen projizieren, was passiert dann? Emotionale Abhängigkeit, meiner Meinung nach. Die These, dass speziell Frauen unbewusst Nähe und Bindung bei Männern suchen, die beziehungsunfähig sind, passt schon.

    Denn Näheangst ist verbreiteter, als den meisten lieb ist. Nur – welche Frau gibt das schon zu, dass sie Angst vor Nähe hat, aber der Wunsch nach Nähe immens ist? Das Gefühl hierzu ist völlig ambivalent und bringt einen entsetzlich durcheinander, wenn man es nicht erkennt und kanalisieren kann.

    Das klingt paradox und für die meisten Menschen kaum zu glaube. Zumal die meisten von uns doch gar nicht hinter die eigenen Kulissen blicken wollen. Aber ein sehr gute Artikel, den ich meiner Freundin mal gerne zum Lesen gegeben habe. Ob es die Frucht vom Baum der Erkenntnis ist, kann ich nicht sagen. Vielleicht reicht es zumindest zum Nachdenken über sich selbst …“

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