Tabuthema „Depression“: Wirkung der Psychoanalyse im Gehirn nachgewiesen.

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Gesundheit / Neurobiologie / Psychologie

Alles, was im Deutschen mit der Vorsilbe „Psych…“ anfängt, ist vielen Menschen immer noch höchst suspekt.
Nur so ist zu erklären, dass die Witwe von Robert Enke auf der Pressekonferenz des Vereins zum Selbstmord ihre Mannes sagte: „Er hat seine Krankheit geheim halten wollen, um sein Privatleben zu schützen und seine Karriere als Fußball-Profi nicht zu gefährden.“

Dieser Satz ist verständlich und gleichzeitig erschreckend. Offenbart er doch wie die Depression – immerhin die häufigste seelische Erkrankung – trotz viel

Aufklärung und einer langsam wachsenden Akzeptanz in der deutschen Bevölkerung noch weitgehend tabuisiert ist.

Noch stärker wirkt vermutlich nur die ebenfalls tabuisierte Vermutung, dass es auch im beliebtesten deutschen Sport rein statistisch homosexuelle Fußballer geben muss.  Ich habe aber noch nie von einem gehört. Man kann zwar mittlerweile hierzulande als schwuler Mann Bürgermeister der Hauptstadt oder Außenminister werden – aber im Fußball darf man weder homosexuell noch depressiv sein.

Das hat wohl auch damit zu tun, dass die nicht-medikamentöse Behandlung von seelischen Störungen, die Psychotherapie, noch mit vielen Vorurteilen und falschen Einstellungen zu kämpfen hat.

Zwar darf man beispielsweise als US-Präsident wie damals Ronald Reagan sich von einer Astrologin beraten lassen. Aber ein Politiker, der zugäbe, öfters einen Psychotherapeuten aufzusuchen, könnte gleich sein Rücktrittsgesuch bzw. den Rentenantrag stellen.

Hier fing es an. Die Couch von Sigmund Freud.

Hier fing es an. Die Couch von Sigmund Freud.

In meiner Praxis höre ich von Klienten manchmal diesbezügliche Ängste:

  • „Bin ich jetzt verrückt, wenn ich zu Ihnen komme?“
  • „Mein Mann/meine Frau weiß nicht, dass ich hier bin.“
  • „Mein Arbeitgeber darf nie erfahren, dass ich hier mit Ihnen rede.“

Die gleichen Menschen hätten keine Probleme zu sagen, dass sie beim Internisten, Angiologen oder Orthopäden waren. Dass sie beim Proktologen waren, würden sie vermutlich in gleicher Weise verschweigen. Aber durch den entsprechenden Buch-Bestseller werden langsam auch diese „Feuchtgebiete“ gesellschaftsfähiger.

Nur mit der Psychotherapie, der Psychoanalyse, der Psychiatrie, dem Psychologen – eben all diese Sachen mit „Psych“ davor, wird es wohl noch länger dauern. Da hilft nur permanente Aufklärung und konsequente Medienarbeit.

Sarah Kuttner hat das ja dankenswerter Weise mit ihrem Buch „Mängelexemplar“ gemacht. In Interviews hat sie aber abgestritten, dass das Buch eigene Erfahrungen schildere. Das belegt einerseits vielleicht ihre enorme Einfühlsamkeit in einen depressiven Menschen oder andererseits den erfahrenen Rat ihres Lektors – wer weiß?

Jede noch so kleine Entdeckung in der Krebsforschung, die eine wirksame Behandlung  möglich scheinen lässt, wird in fast allen Medien sofort verbreitet. Mit den psychotherapeutischen Methoden ist das anders. Deshalb will ich diesen Blog nutzen, um eine wichtige berufsspezifische Meldung zu verbreiten, die helfen kann, auch bislang skeptische Menschen von der Wirksamkeit psychotherapeutischer Arbeit zu überzeugen:

Die Wirkung von Psychoanalyse wurde im Gehirn nachgewiesen.

Und zwar nicht bei Mäusen, sondern bei Menschen. Genau gesagt, bei Menschen mit einer Depression.

„Auch wenn wir erst am Anfang stehen, zeigen die ersten Befunde, dass der Erfolg der Therapie beim Patienten messbar ist“, erklärte Prof. Anna Buchheim, Psychologin an der Universität Innsbruck. Psychoanalyse behandelt seelische Leiden nicht mit Medikamenten, sondern versucht, die Ursachen der Krankheit im Unterbewussten der Patienten aufzudecken und zu behandeln. Die Wirksamkeit dieser Therapieform ist zwar längst bewiesen und Millionen von Patienten könnten das wohl auch bezeugen. Aber wir sind eben wissenschaftsgläubig und erst wenn man etwas schwarz auf weiß sieht, sind wir geneigter, unsere Vorurteile vielleicht zu überdenken.

gehirn ct magnetresonanz, computertomographie, foto: privatIn diesem Fall aber nicht „schwarz auf weiß“ sondern mehr „grau auf weiß“. Denn für die Studie wurden 20 chronisch Depressive aus Bremen zum Anfang ihrer Therapie in einen Kernspintomographen gelegt, der die Aktivität ihrer Gehirne sichtbar macht. „Wir zeigten ihnen individuell auf ihr Krankheitsbild zugeschnittene Reize“, erläuterte Buchheim. Das seien zum Beispiel Bilder oder Schlüsselsätze gewesen, die die Patienten mit ihren unbewussten Konflikten konfrontierten. Nach sieben und nach 15 Monaten wurde die Kernspinuntersuchung wiederholt.

Das Ergebnis ist deutlich: Zu Anfang der Behandlung war die Aktivität in Regionen des Gehirns, die für Ängste und Furcht zuständig sind, viel höher als bei den späteren Messungen. „Schon nach sieben Monaten war eine deutliche Minderung dieser Hyperaktivität zu beobachten“, berichtete Buchheim. Zwar seien Depressionen viel zu komplex, als dass ihre Erklärung auf die Aktivität von Gehirnregionen beschränkt werden könne. Dass die Therapie aber tatsächlich biologische Prozesse im Gehirn konkret beeinflusst, sei bisher ohne Beweis gewesen. Frau Buchheim schließt mit der Vision: „Aber vielleicht ist es eines Tages möglich, dass Analytiker ihre Therapien mit Hilfe der Hirnforschung optimieren.“

Das wäre natürlich revolutionär. Statt sich zur Behandlung auf die Couch zu legen würden die Patienten in die Röhre des CT geschoben. Und der Psychoanalytiker könnte die Wirkung seiner Interventionen gleich auf dem Gehirnbild des Patienten nachprüfen. (Kleiner Scherz!

Das Ganze ist eine Folge der Neuroplastizität unseres Gehirns.

Kurz gesagt:  Unser Gehirn ist nicht festgelegt , sondern ändert sich ständig je nach Gebrauch des Benutzers. Bei häufigem Nichtgebrauch größerer Bereiche passiert dasselbe wie bei unseren Muskeln: If you don’t use it, you loose it. Oder positiver ausgedrückt: das, womit wir uns täglich viel beschäftigen, hinterlässt deutliche Spuren in unseren Gehirnen. Es wird gebahnt und wir verhalten uns tendenziell immer wieder so, weil diese Bahnen wie eine breite sechsspurige  Autobahn in unserem Gehirn wirken.

Das hat zur zur Folge, dass wir bestimmte Fähigkeiten trainieren können:

  • Wer sich lange Zeit mit Wein beschäftigt, erwirbt die Fähigkeit, schon am Geschmack die Herkunft und vielleicht sogar die Rebsorte zu erkennen.
  • Wer jahrelang nachmittags bestimmte Fernsehprogramme verfolgt, wird ein Spezialist für Gerichtsshows oder den Diskussionsstil von arbeitslosen Unterschichtsangehörigen.
  • Wer mal ins Fernsehen zu „Wetten dass“ will, braucht dafür in seinem Gehirn auch eine Spezialbegabung, die er sich antrainieren kann. Da lernt man dann, eine Kuh am Schmatzen zu erkennen, Frauen den BH mit Essstäbchen zu öffnen oder Zungenbrecher rasend schnell und fehlerlos aufzusagen:
    [youtube width=“325″ height=“244″]

Bei denjenigen, die sich nun längere Zeit im Rahmen einer Psychotherapie mit ihren Ängsten auseinandersetzen, die ja meist mit unbewältigten Konflikten aus der Herkunftsfamilie und Biografie zusammenhängen, hinterlässt diese Tätigkeit  eben auch Spuren im Gehirn.

Die zitierte Untersuchung ist ein Meilenstein auf dem Weg zur Anerkennung von Psychotherapie und zu einem hoffentlich entspannteren Verhältnis bezüglich seelischer Problemen und deren Behandlung.

Wenn Sie sich über Psychoanalyse informieren wollen, hier eine gute Website oder hier…

Was die Gesellschaftsfähigkeit von Psychotherapie angeht, sind uns die Amerikaner etwas voraus. Oder könnten Sie sich vorstellen, dass Minister Seehofer mit seiner Frau so etwas verraten würden …

kommentar Welche Einstellung haben Sie zu Psychotherapie?
Wie würden Ihr Partner, Freunde, Kollegen, Chef reagieren, wenn Sie eine Psychotherapie machten?

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Fotos: © privat,  NL shop, fotofrank – fotolia.com

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

13 Kommentare

  1. Robert sagt

    Hallo,

    Kompliment zu deinem Blog, ich habe auch einen Blog zum Thema Depressionen gegründet und würde mich freuen, wenn auch andere meinen Blog lesen und kommentieren würden.

    Ich denke es ist eine Hilfe für alle sich auszutauschen, zu diskuttieren und sich tipps zu geben .

    http://neuesleben2010.wordpress.com

  2. Hallo Doris,
    gut, wenn Sie so so unvoreingenommen an das Thema „Depression“ herangehen. Natürlich sind die Ängste und Vorurteile gegenüber dieser Krankheit und ihrer Behandlungsformen noch immer sehr groß. Auf dem Land vielleicht noch größer als in Städten.
    Aber eine Depression sollte immer behandelt werden. Leidre sind gute Therapeuten rar oder haben lange Wartezeiten. Auch eine Folge der Zulassungsbeschränkungen und Honorarstrukturen in unserem Gesundheitswesen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und Kraft mit Ihrem Sohn.

    Danke für Ihren Kommentar.

  3. Doris sagt

    Mein Sohn beginnt nun nach 4 Jahren Depression eine Therapie. Natürlich hoffe ich sehr, das es ihm helfen wird. Selbst würde ich mich auch in Pychotherapeutische Behandlung begeben und bin sicher, mein Partner hätte kein Problem damit, ebensowenig der Rest der Familie.
    Meine Kollegen hätten wohl eher wenig Verständnis, zudem 2 von ihnen Antidepressiva nehmen OHNE in therapeutischer Behandlung zu sein. Das ich auf deren Meinung dann nicht unbedingt Wert lege, muss ich nicht weiter erklären.
    Leider scheint mir, das nördlich von Hamburg die Suche nach guten Therapeuten recht schwer ist, zumal man oft Monate auf einen ersten Termin warten muss, sofern nicht akute Selbstmordgefahr vorliegt.
    In den ländlichen Gebieten ist von einer Akzeptanz der Krankheit Depression und deren Behandlung, meines Erachtens, kaum zu sprechen. Da sind die Vorurteile noch erheblich.
    Was mich momentan sehr traurig macht, da gerade diese Woche ein 25 jähriger Mann, ein Schulfreund meiner ältesten Tochter aus Dithmarschen, beerdigt wurde. Er hatte sich nach Jahren der Depression, einigen abgebrochenen Therapien am Valentinstag das Leben genommen.

  4. Mr Mindcontrol sagt

    @Roland Kopp-Wichmann:

    Auch die in dem zitierten Artikel vermutete “Suche nach dem Schuldigen” ist ein Steinzeit-Vorurteil gegen viele tiefenpsychologische Verfahren. Es geht nicht um Sündenböcke, wobei ja gerade der depressive Patient sich oft als der Schuldige. Sondern es geht um Einflüsse, Prägungen und Beziehungserfahrungen, die jemand unbewusst in sich trägt und in der Gegenwart sehr oft wieder “konstruiert”. Weil er eben glaubt, dass “seine Landkarte die Landschaft” darstellt.Aber ich fürchte, Sie werden mit meinen Ausführungen nicht viel anfangen können. Entscheidend ist immer die Praxis und die persönliche Erfahrung. Schauen Sie sich einmal in Ihrem Kollegenkreis um, ob die meisten mit einer richtigen Depression damit zu einem NLP-Master gehen und ob es ihnen hilft.Danke für Ihren Kommentar.

    Was mich wundert ist, dass Sie als Hypnotherapeut und NLP-Master die Widersprüche zu rein aufdeckenden Verfahren nicht sehen. Pschoanalyse wurde aus der Hypnose-Therapie entwickelt und nicht umgekehrt. Somit fing das nicht mit Freuds Couch sondern eher mit Breuers Couch an. Ich habe auch etwas gegen den Begriff “ Tiefenpsychologie “ für ein aufdeckende Erfahrungen. Wenn man wie gesagt Breuer als Anfang sieht, dann ist klar woher der Begriff Tiefenpsychologie kommt. Hypnose ähnliche Trance oder Meditationen gegen tatsächlich in die Tiefe. Durch derartig veränderte Bewusstseinszustände ist es m.E. tatsächlich möglich an die entsprechenenden Schaltstellen im Unterbewusstsein zu kommen und was ganz wichtig ist : Durch die Tiefenentspannung werden genau jene mentalen Ressourcen mobilisiert die eine Konfrontration mit den ursächlichen Traumen überhaupt erst erträglich machen. Eine Konfrontation durch Sabotage von Abwehrmechanismen ( Widerstandsanalyse ) wie die PA das tut versucht eben NICHT die mentalen Ressourcen davor zu mobilisieren sondern Retraumatisiert. Die Folge ist, dass man dann als Gegenreaktion eben wirklich sehr harte Verdrängungsarbeit leisten muss mit vielen Entbehrungungen. Bei mir war dann tatsächlich klasische Psychiatrie angesagt mit Neuroleptika ( die ja tatsächlich gerade Depressionen verstärken sollen ). Da Sie NLP machen müsste ihnen ihr NLP-Lehrer erklärt haben, dass das bewusst machen von unbewussten Ursachen ohne Stimulation der für dessen Verabeitung nötigen Ressourcen nur sinnlose Quälerei ist ( so habe ich das in einer NLP-Broschüre gelsesen ). Genau mit solchen Argumenten habe ich meine Analytiker konfrontiert, motiviert von panischer Angst unheilbar Krank zu sein ( wenn man diese Angst hat dann ist man motiviert sehr kritisch nachzugucken ob das angebotene Verfahren Sinn macht, in meinen Augen hat es dieses nicht gemacht, siehe meinen 1 Artikel.
    Zur therapeutischen Beziehung: Auch hier habe mich diese Leute m.E. nicht verstanden, ist es doch die Wahrnehmungsstörung der Depression die eine normale Beziehung stört. Es sind gerade Symptome der Depression die unmöglich machen dass einem Sachen die einem sonst gegen schlechte Stimmung helfen auch da helfen. Ein Symptom von Depression ist so etwas wie wie der Gegenpol zur rosaroten Brille. Sowas MUSS in der Therapie berücksichtigt werden. Viele Deutungen hatten aber einen Inhalt als hätten meine „Therapeuten“ genau das nicht verstanden.
    Gut, ein allzu forsches lösungsorientiertes verhaltenstherapeutisches Vorgehen dürfte viele Leute in Depressionen tatsächlich überfordern. Deshalb ist es sehr wichtig erst verstanden zu werden. Aber genau dieses Verstehen wird durch einseitiges Analytisches Denken vieler PAler m.E. unmöchlich gemacht. Verstehen und verstehen sind hier auch zweierlei. Ich rede über einen Schverhalt und versuche mich über dessen Inhlat zu unterhalten, der Analytiker geht aber auf den Inhalt gar nicht ein, sondern deutet die vermeintlich unbewusste Ursache warum ich dies oder jenes gesagt habe. In NLP-Sprache kommt damit kein Rapport zustande. All solche Verhaltensweisen von Therapeuten können einen wahnsinnig machen.
    Da Sie auch Hypnotherrapie gelernt habe müssten Sie die Wirkung von Suggestionen kennen, ich mache Sie hiermit aufmerksam, dass Deutungen oder „Spiegelungen“ suggestiv wirken können. Wenn ein Therapeut ungünsiges Verhalten aufdeckt so kann das m.E. eine verstärkende Wirkung auf das Problemverhalten haben. Da Nichtdirektive Therapeuten jegliche offene Beratung verweigern versteht das Unterbewusstsein möglicherweise gerade eine Anweisung genau dies zu tun. Ich hoffe Sie beherzigen meine Ausführungen wenn Sie merken dass bei ihrer Therapie was schief läuft.
    Jetzt haben wir erst mal Weihnachten.

  5. Mr Mindcontrol sagt

    @ Roland Kopp Wichmann. Ich habe doch schon gesagt, dass ich persönliche Erfahrung habe, nicht mit klassiche PA sondern mit analytischer Therapie. Insgesamt etwas 4 Jahre. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal dass dass PA oder analytische Therapie ma che, ich dachte das wäre Gesprächstehrapie. Diese Leute haben mir auch keine Diagnose gegeben.
    Von einen Psychiater hatte ich allerdings die Diagnose Borderline-Syndrom.
    PA darf einen Patienten konkret gar nicht helfen, das sagt die “ Abstinenz-Regel “ aus :

    http://sgipt.org/th_schul/pa/glossar/abstin.htm

    Immer wenn ich gefordert habe dass konkret mir geholfen werden soll bzw. irgendwelche Übungen gefordert habe wurde mir klipp und klar gesagt “ dass müsse ich schon selber wissen was ich dagegen tun kann “ ( ein absoluter Widerspruch in Sich , ich habe mich Therapeuten anvertraut weil ich eben nicht selber wusste wie ich da raus komme ). Als mir dann nach wochenlangen Grübeleien tatsächlich Ideen kamen was ich dagegen tun könnte wurden diese mit Wuschdeutungen blockiert. Botschaft : „Der Patient muss selber wissen wie er raus kommt aber egal was er macht oder versucht ist falsch. Da wird ein Patient gezielt in die Enge getrieben. Erich Fromm gab direkt in einen Buch zu, dass der Analytiker den Patienten in eine Ecke treibt wo er ohne Hilfe des Therapeuten nicht mehr heraus kommt. Sorry, da steht es unverblümt schwarz auf weiss drin. Bei mir kann sich kein Analytiker mehr damit heraus reden, dass die Wut die aus diesem unfären Vorgehen resultiert lediglich eine Projektion von meinem Vater ( oder sonst wem ) ist. Überhaupt : Die Übertragungsdeutung ist ein ultimatives Machtinstrument von PAlern. Sie müssen sich für keine Kunstfehler verantworten und gegen den schwarzen Peter geschickt an den “ Klienten “ zurück. Also: Da ist man verzweifelt in einen Gefängnis der Depression, muss sich extrem zusammenreissen zum Therapeuten zu gehen was aus Schamgefühlen sehr schwer fällt und ( Sorry für die den harten Ausdruck ) den A. von „Therapeuten“-Schw… fällt nichts besseres ein als den Leidensdruck dadurch zu erhöhen in dem Sie die Gefängniswände in der Depression noch weiter einengen. Das trotz ( in meinem Falle ) sehr erster Erwägungen und sogar Pläne Selbstmord zu machen. Solche Selbstmordgedanken werden aber dann nicht erst genommen sondern knallhart als Erpressung oder als Wunsch sich an seinen Angehörigen damit zu rächen gedeutet.
    Ich behaupte NICHT Alle Ursachen von Depressionen zu kennen, derartige größenwahnsinne Allwissenheitsansprüche überlasse ich mal lieber den PAlern. Aber dass die kognitive Therapie bei Depressionen sehr erfolgreich ist zeigt, das eine direkte Hauptursache das negative Denken ist.
    Sie hatten NLP genannt : Das war zumindest früher eine Haupttfeind-Therapie der Analytiker. Ich dachte damals Hypnose könnte mir helfen : Die psychoanalystische Standardantwort von 3 !?! Therapeuten und Psychologen war : Du möchtest nen Wunderheiler haben.“ Auf NLP ( was damals sehr neu war ) angesprochen wusste der Analytiker nichts davon. Auf meine Aufklärung was die Abkürzung bedeutet antwortete mein Analytiker sinngemäß “ Das geht doch gar nicht, ein Mensch sei kein Computer den könne man doch nicht programmieren .
    Des Weiteren wurde mir nicht nur von Therapeuten, sondern auch von Klinik-Personal dringend davon abgeraten eine symtomreduzierende Kurzeittherapie wie Hypnose-Therapie ( ich wusste damals nicht dass es Verhaltenstherapie gab ). Sowas würde vielleicht kurzfristig helfen, danach würde aber ein Symtomverschiebung eintreten.
    Dann, Ich hatte als Jugendlicher eine schlimme Vorgeschichte die mir bewusst war, ich habe mir kein bisschen gewundert über die Depression. Mir wurde ebenfalls vom Klinikpersonal gesagt, dass ich ja gesund wäre, würde ich die Ursache kennen, womit wir bei einen weiteren Schwachsinn psychoanalytischer Denkweise wären: Die Möglichkeit, dass jemand krank sein könnte obwohl er die (Haupt)Ursache kennt scheint in derem Weltbild gar nicht vorgekommen zu sein (zumindest damals).
    Klar, fragen PAler nicht mehr direkt warum, das wäre auch zu offensichtlich, die Patienten würden abblocken. Das wird hinten rum durch Provokationen erledigt.
    Dass sich die „moderne“ PA so groß geändert hat, kann ich nach diesem Artikel hier kaum glauben :

    http://www.jungewelt.de/2009/10-30/055.php

    Ich hoffe ich habe detailiert deutlich gemacht warum ich hier negatives über die PA geschrieben.

  6. Hallo Mr. Mindcontrol, (Nomen est omen?)
    Ich weiß nicht, woher Ihre Kenntnisse der PA stammen und die Sicherheit, mit der Sie glauben, die „wahren“ Ursachen von Depressionen zu kennen, finde ich ziemlich gewagt.

    Moderne Psychoanalyse ist mehr als simple Warum-Fragen, schon Freud arbeitete mit Deutungen, die auf unbewusste Konflikte zielen sollen. Der Klient wird in der PA auch nicht „allein gelassen“ oder „auf sich selbst verwiesen“. Gerade die PA mit ihrem Setting von drei bis vier Sitzungen die Woche ist ein starkes Beziehungsangebot. Stärker als in allen anderen Therapiemethoden.

    Natürlich ist PA nicht für jeden Menschen geeignet und wirkt auch nicht bei jedem, aber das gilt für jede Methode. Ich selbst habe nach mehreren Ausbildungen (Transaktionanalyse, 5 Jahre Hypnotherapie nach Erickson nebst NLP, 3 Jahre HAKOMI) nach einer Methode gesucht, die das Beziehungsgeschehen stärker in den Fokus der Therapie einbezieht und habe in diesem Sinn von der Psychoanalyse beruflich und persönlich sehr viel profitiert.

    Auch die Mär von der Erstverschlimmerung kann ich so nicht bestätigen. Viele Depressive fühlen sich durch das explizit nicht lösungsorientierte Vorgehen der PA enorm entlastet und verstanden. Und der Zeitpunkt für eine stützende oder aufdeckende Deutung muss natürlich sorgfältig gewählt werden.

    Auch die in dem zitierten Artikel vermutete „Suche nach dem Schuldigen“ ist ein Steinzeit-Vorurteil gegen viele tiefenpsychologische Verfahren. Es geht nicht um Sündenböcke, wobei ja gerade der depressive Patient sich oft als der Schuldige. Sondern es geht um Einflüsse, Prägungen und Beziehungserfahrungen, die jemand unbewusst in sich trägt und in der Gegenwart sehr oft wieder „konstruiert“. Weil er eben glaubt, dass „seine Landkarte die Landschaft“ darstellt.

    Aber ich fürchte, Sie werden mit meinen Ausführungen nicht viel anfangen können. Entscheidend ist immer die Praxis und die persönliche Erfahrung. Schauen Sie sich einmal in Ihrem Kollegenkreis um, ob die meisten mit einer richtigen Depression damit zu einem NLP-Master gehen und ob es ihnen hilft.

    Danke für Ihren Kommentar.

  7. Mr Mindcontrol sagt

    Psychoanalyse ist sehr fragwürdig, besonders gerade bei Depression gefährlich. Klar bewirkt die PA was im Gehirn, nur bewirkt Sie das Richtige ? Warum-Fragen füht m.E. zu nichts, siehe hier :

    http://www.nlp-trainings-tille.de/nlp/blog/warum-fragen-fuehren-zur-begruendungssemantik-397.html

    Desweiteren ist Depression die Folge von negativen Denken/Kongintionen. Da die in der PA vermeintlich aufgedeckten Ursachen/Traumen ebenfalls negativ sind wird damit die kognitive Urasche( die ja aus Sicht der PA-Therapeuten ein Symtom ist ) noch mehr verstärkt. Da werden dann noch mehr negative Gedanken hineingekippt. Auch die Grübelleien die ein riesen Problem sind werden noch kräftig durch PA angeheizt. Im Übrigen ist Depression ein ein Nicht-Funktioniern der Stress-Selbst-Regulation. Ein PA-Therapeut aber fordet von dem Patienten, dass er sich ganz ohne Seine Hilfe selber gesund macht. Er deckt nur auf und mit den geweckten “ Geistern “ muss der Patient ganz allein klar kommen. Der Therapeut verlangt also von dem Patienten auf sich mit dem Wissen über die Ursachen aus der Depression am eigenen Schopfe aus der Depression ziehen soll wie Münchausen auf dem Sumpf. Sowas ist physikalisch aber gar nicht möglich und die entsprechende Überforderung ist ÖL ins Feuer des Stress-Teufels-Kreises.
    PA-Therapeuten geben ja selber zu, dass die „Symtome“ erst mal oder gar mittelfristig noch schlimmer werden, was natürlich bei Depressiven die ohne diese Verschlimmerung oft überlegen wie Sie durch Selbstmord ihr Leiden loswerden können hoch gefährlich ist und der Entscheidung sich das Leben zu nehmen den Rest geben können. Das Selbe gilt für kränkende Deutungen für die gerade Depressive besonders empfindlich sind.

  8. Jürgen Porbeck sagt

    Okay,

    der Fall Robert Enke ist tragisch. Aber was wurde daraus? Mir macht die Prominenten-Psychochse Angst. Nur weil er in der Öffentlichkeit stand, hat er soviel Aufmerksamkeit erhalten, und viele waren wegen ihm traurig.

    Okay, jeder Mensch muss sich abgrenzen von dem Leid und Elend in der Welt, aber die Gleichgültigkeit, die viele an den Tag legen ist widerlich. Und dann passiert einem Prominenten etwas schreckliches und die dumpfe Masse bricht in Tränen und Traurigkeit aus … während irgendwo auf der Welt xy-viele Menschen an Hunger leiden, miese Arbeitsbedingungen den Menschen in den Burn-out treiben oder gemobbt werden.

    Wir haben alle unsere Widersprüche, aber mal darüber nachzudenken, ist vielleicht hilfreich …

    Schöne Grüße
    J. Porbeck

  9. Hallo Frau Feickert,
    Sie haben Recht. Depressionen können ziemlich gefährlich werden. Bekannte Beispiele sind Marilyn Monroe, Ernest Hemingway oder Romy Schneider, die erwiesenermaßen jahrelang mit Depressionen kämpften.

    Am besten ist es, Depressionen früh zu behandeln, denn sie haben eine Tendenz, chronisch zu werden. Das bedeutet, dass beim nächsten depressiven Schub, der vielleicht erst Jahre später kommt, das Tal tiefer ist als beim vorigen Mal.

    Medikamente in Form von Antidepressiva sind bei schwereren Fällen ratsam. Die beste Mischung ist ein Medikament plus Psychotherapie.

    Ich glaube auch, dass manches Coaching „therapeutische“ Wirkung hat, ohne dass der Betreffende vielleicht erkennen oder zugeben würde.

    Danke für Ihren Kommentar.

  10. Hallo Herr Kopp-Wichmann,

    die Studie der Uni ist ein schöner Beweis dafür, dass Körper, Geist und Seele eins sind und nicht getrennt betrachtet werden können. Vielleicht hört damit dann irgendwann mal die Haltung ‚ist ja NUR psychisch‘ auf und Krankheit kann als solche anerkannt werden, ganz egal in welchen Symptomen sie sich äußert.

    Gerade Depressionen sind ja eine lebensgefährliche Erkrankung und haben doch noch immer den Ruf, sie würden nur ‚Schwächlinge‘ treffen. Die auslösenden Faktoren und die vielfältigen Wechselwirkungen werden gern außer acht gelassen, die Dimension dieser Krankheit wird häufig verharmlost. Vielfach ist es wohl auch schwer vorstellbar – auch für Mediziner – dass ein ‚bisschen Gerede‘ wirksamer sein soll, als ein Medikamentencocktail.

    Aber es bewegt sich wohl ganz langsam etwas – sehr erfreulich. Denn auch wenn ‚Psych…‘ noch immer hoch suspekt ist, werden Berater und Coaches anscheinend doch allmählich akzeptierter – wer dahin geht, hat ja auch keine ‚Macke‘ sondern nur ein Problem ;-).

    Viele Grüße,
    Sabine Feickert

  11. Hallo Itsme,
    es freut mich, dass Sie als Betroffene so positive Erfahrungen mit Psychotherapie gemacht haben.
    Dass Sie es in Ihrem beruflichen Bereich, in dem es um psychologische Hilfe geht, nicht gut offenlegen können, ist ja einerseits ein Witz – und andererseits traurige Realität. Krank sind eben die anderen, man selbst ist gesund, unendlich belastbar.

    Nicht umsonst ist die Rate von Alkoholikern und Suizidgefährdeten unter Ärzten mit am höchsten. Siehe diesen Artikel…

    Danke für Ihren Kommentar.

  12. Itsme sagt

    Zunächst einmal danke für Ihren Artikel – ich würde mir sehr wünschen, dass Depressionen wirklich einmal als „normale“ Erkrankung gesellschaftlich akzeptiert wird.
    Ich selber leide schon seit langem unter Depressionen, die nach Jahren immer wieder zurückkehren. Daher habe ich schon mehrfach Hilfe in Form von Psychotherapie gesucht und auch immer gute Erfahrungen damit gemacht.
    In Bezug auf meinen Freundeskreis und meine Partnerin sehe ich keine Probleme – dort kann ich sehr gut verständlich machen, was Depressionen sind und wie ich damit umgehe.
    Schwierig ist es eher im Arbeitsleben. Obwohl ich in einem Bereich arbeite, in dem psychologische Hilfe und Unterstützung ein wichtiges Element ist, sehe ich dort nicht den sicheren Boden, um meine eigene Krankheitsgeschichte zu offenbaren. Ich habe nicht das Gefühl, dass eine immer wieder ausbrechende Depression als Krankheit gesehen wird, sondern immer noch als persönliche Schwäche, als individuelles Problem und Mangel wahrgenommen wird.
    So kommt es, dass ich nur mit sehr wenigen Kolleginnen und Kollegen über meine Depression sprechen kann und dieses Thema gerade bei Vorgesetzten tunlichst vermeiden.

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