„Meine Metapher lautet: Das Leben ist eine Schule“, sagte der Klient im Online-Coaching.

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Moses und die zehn Gebote fürs Leben

Keiner weiß, was das Leben eigentlich ist. 

Aber jeder hat so seine Metapher dafür, worum es im Leben geht. Dass das ganze Leben eine Schule sei, kann einem oft weiterhelfen. Aber es kann einen auch in eine Sackgasse führen, wie meinen Klienten im 3-h-Coaching. Es fand wegen der Corona-Krise online statt.


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„Es ist mir sehr schwergefallen, Sie um Hilfe zu bitten. Denn Zeit meines Lebens habe ich meine Probleme allein gelöst. Die Insolvenz meiner Firma. Die Trennung von meiner ersten Frau. All das konnte ich gut alleine schaffen.“

Vor mir saß Gordon B., 54 Jahre alt, selbständig, verheiratet, keine Kinder.

„Wie haben Sie das gemacht, alles allein zu schaffen?“, wollte ich wissen.
„Indem ich jede Situation als eine Lektion gesehen haben, in der mich das Leben etwas lehren will.“
„Das Leben will Sie immer etwas lehren?“
„Aber ja. Ich bin Bewusstseinscoach und meine Metapher lautet: Das Leben ist eine große Schule. Und das Leben liefert uns laufend Situationen, in der wir etwas erkennen können und etwas lernen müssen.“

Coach ist ja kein geschützter Begriff, was bedeutet, dass jeder sich Coach nennen kann. Das macht die Coachingszene ja auch so unübersichtlich. Aber prinzipiell bin ich erst mal neugierig. Deshalb fragte ich:

„Wie wird man Bewusstsein-Coach und was macht man da?“
„Ich habe eine entsprechende Ausbildung gemacht, um mein Bewusstsein zu schulen. Da ging es um g
eistige Gesetze und Prinzipien und ihre Wirkweise auf unser Leben.  Ich lernte alles über Energiefelder,  Spiegel- und Schattenarbeit, über den Weg zum eigenen Herzen und wie man Dinge manifestiert. Ich arbeite auch mit Klienten wie Sie, wir sind also praktisch Kollegen. Allerdings verlange ich kein Honorar sondern arbeite nur auf Spendenbasis.“

Ich überlegte, ob das eine versteckte Kritik an meiner Honorargestaltung sein sollte, wollte das aber jetzt nicht vertiefen.

„Also Sie sind Bewusstseins-Coach, betrachten das Leben als eine große Schule – und jetzt sind Sie am Ende mit Ihrem Latein, deswegen kommen Sie zu mir?“
„Ja, ich muss lernen, meine Frau loszulassen – und kann es aber nicht.“
„Mhm“,
sagte ich. „Vielleicht geht es mehr darum, Ihre hohen Ansprüche loszulassen“, äußerte ich eine erste Vermutung.


 

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Durch welche Brille betrachten Sie die Welt?  Photo credit: Malingering on VisualHunt / CC BY-NC-ND

Nach welcher Metapher leben Sie?

Der Linguist George Lakoff und der Philosoph Mark Johnson stellen in ihrem Buch Leben in Metaphern: Konstruktion und Gebrauch von Sprachbildern“ dar, wie mächtig Sprachbilder unser Leben durchdringen. Sie bestimmen unsere Wahrnehmung, unser Denken und Handeln. 

Bereits frühkindliche Erfahrungen werden dadurch geprägt, wie die Autoren es anhand  der Metapher GUT IST OBEN darlegen. Alltägliche Redewendungen wie die von der Oberklasse oder Mittelschicht oder der Vernunft, die die ‚Oberhand‘ gewinnt, basieren darauf. Oder Beschreibungen wie „Sie ist in Höchstform“ und „Mit ihm geht es bergab.“ 

Beim Diskutieren werden oft kriegerische Metaphern verwendet:

  • Er verteidigte seine Position. 
  • „Schießen  Sie los!“
  • Seine Kritik traf ins Schwarze.
  • Er griff ihre Schwachpunkte an.

Welche Lebensmetapher wir wählen, sagt viel über unsere Ziele im Leben, über unsere Ängste und worum es unserer Meinung nach eigentlich geht im Leben.

Angenommen, nach einer Flugreise stehen Sie am Gepäckband und Ihr Koffer taucht nicht auf.
Was denken Sie dann?

„Wird schon noch kommen.“
„Das kann mal wieder nur mir passieren.“
„Arbeiten hier nur Idioten?“
„Was soll ich aus dieser Situation lernen?“

Kennzeichnend für das Leben ist ja, dass dauernd was passiert. Das merkt man schon daran, dass die Morgenzeitung immer voll mit Meldungen ist. An keinem Tag unseres Lebens ist sie mal nur zwei Seiten dick mit der redaktionellen Notiz: „Sorry, aber gestern passierte fast nichts auf der Welt, deshalb heute nur eine ganz dünne Ausgabe.“

Nein, dauernd geschieht etwas, dauernd entstehen also Situationen.

Jetzt kommt das Entscheidende: Was passiert, bedeutet erst mal nichts.
Es ist weder gut noch schlecht, sondern neutral. Es passiert halt.
Wir wissen nicht, ob und was es bedeutet.

Doch so können wir nicht leben. Deshalb interpretieren wir sofort jede Situation. Und wie Sie die Situation interpretieren, wird stark von Ihrer Lebensmetapher beeinflusst.

 


Die eigenen Lebensmetaphern sind einem meist unbewusst.

Sie werden geprägt durch das, was wir im Leben am schwierigsten erlebt haben und verarbeiten mussten. Wir können uns kaum vorstellen, dass unsere Lebensmetapher willkürlich und subjektiv ist – und nur für uns stimmt.

Mit welcher Metapher ich das Leben beschreibe, bestimmt wesentlich meine Wahrnehmung und meine Interpretation, was ich erlebe:

  • Betrachte ich das Leben als Weg, dann kann ich vorankommen, mich verlaufen oder endlich am Ziel ankommen. Auf jeden Fall bin ich immer unterwegs.
  • Ist das Leben für mich ein Kampf, bin ich oft auf der Hut vor Gefahren, versuche ich, meine Kräfte und „Waffen“ zu verstärken und muss andere oder die Umstände besiegen – oder mich ergeben.
  • In der Metapher des Lebens als Fluss ist klar, dass ich mit dem großen Strom mitschwimmen muss und wenig Einflussmöglichkeiten darauf habe. Der Fluss zieht dahin und löst sich irgendwann im Meer auf.
  • Ist das Leben für mich ein Spiel, dann kann ich gewinnen oder verlieren. Ich muss die Regeln kennen oder rausfinden und beachten – aber ich kann auch immer wieder von Neuem beginnen.
  • Betrachte ich das Leben linear, hat es einen Anfang und ein Ende und was mir passiert, ist Frucht meiner Bemühungen oder Schicksal. Sehe ich mein Leben als Karma, also in einem Kreislauf aus Leben und Tod, ernte ich heute das, was ich früher getan oder unterlassen habe.

 

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Das Leben als Schule?      Photo credit: Perspektivet Museum on Visual Hunt / CC BY-NC-ND

Bei der Metapher des Lebens als Schule hat man nie ausgelernt. Es gibt immer meist eine richtige Lösung und dementsprechend viele Fehler. Und es gibt Noten und Zensuren. Beim Bestehen der Aufgaben wird man in die höhere Klasse versetzt oder muss sie nochmal wiederholen.

Doch wie kam mein Klient auf diese Metapher?

„Sie sagten, dass Sie jede Situation als eine Lektion sehen, in der Sie das Leben etwas lehren will. Wann haben Sie damit angefangen, das Leben so zu betrachten? Und warum?“, fragte ich Gordon B.
„Meine Mutter war alleinerziehend, meinen Vater kenne ich nicht.  Ich bin der Älteste und habe zwei jüngere Geschwister, um die ich mich oft kümmerte. Meine Mutter ging bei drei Leuten putzen, weil sie sonst nichts gelernt hatte. Als ich etwa neun war,  fing sie an zu trinken, weil sie mit der Situation oft überfordert war.“
„Aber Sie waren als kleiner Junge damals doch überfordert, oder?“
fragte ich den Klienten.

„Ja schon, aber ich fand damals Halt in der Kirche und beim Pfarrer unser Gemeinde. Er war wie ein Vater für mich, denn er beantwortete alle meine Fragen. Einmal wollte ich wissen, warum es meiner Mutter so schlecht geht und warum Gott das zulässt. Er sagte darauf sinngemäß, dass Gott manchmal schwierige Situationen in unserem Leben zulässt, weil er weiß, dass so das Beste in uns zum Vorschein kommen kann. Auch für mich wäre die Situation eine Prüfung, an der ich wachsen könne, indem ich meiner Mutter helfe.“


 

Das Drama des begabten Kindes.

Kinder wollen fast immer kooperieren. Sind schon früh empathisch und wollen die, die sie lieben, unterstützen. Damit hat mein Klient früh begonnen, weil die elterliche Fürsorge so wacklig war. Doch durch die gutgemeinte Interpretation des Pfarrers wurde die Hilfsbereitschaft des Kindes überstrapaziert.

„Nach der Schule machte ich ein einfaches Mittagessen, kaufte manchmal ein, räumte in der Wohnung auf, bevor ich vor dem Schlafengehen noch meine Hausaufgaben machte. Es war total anstrengend, aber es verlieh mir auch ungeahnte Kräfte. Ich spürte, ohne mich würde das alles zusammenkrachen. Und meine größte Angst war, dass ich dann meiner Mutter weggenommen werden würde und das Jugendamt käme.“

In Ihrem Buch „Das Drama des begabten Kindes“ zeigt Alice Miller, wie das sensible, wache Kind schon früh die Bedürfnisse seiner Eltern spürt und sich ihnen anpaßt. Dazu muss es aber lernen, seine eigenen, aber unerwünschten Gefühle nicht zu fühlen.

Diese Gefühle werden folglich abgespalten und können nicht in die Persönlichkeit integriert werden. Dieser Verlust des Selbst führt zu emotionaler Verunsicherung und Verarmung, die in eine Depression münden kann oder aber in der Grandiosität abgewehrt werden muss.

Letzteres vermutete ich bei Gordon B.


 

„Die Situation ist mein Coach!“

Dass man aus einer Situation etwas lernen kann, ist ja oft eine nützliche Einstellung.

Angenommen, Sie parken Ihr Auto im Halteverbot, weil sie nur mal ganz schnell eine Zeitung im Kiosk gegenüber kaufen wollen. Als Sie nach fünf Minuten zurückkommen, entdecken Sie einen Strafzettel unter dem Wischerblatt.

Und jetzt haben Sie die Wahl. Anstatt sich aufzuregen, gegen den Reifen zu treten oder Rache zu schwören, können Sie schauen:

  • Wie habe ich durch mein Tun oder Nicht-Tun zu der Situation beigetragen?
    (Indem ich meinen Wagen ins Halteverbot stellte und dachte, es wird schon keiner kommen.)
  • Was kann ich daraus über mich und das Leben lernen?
    („Dass es nicht immer so ausgeht, wie ich mir das wünsche und dass sogar ich mich an die Verkehrsregeln halten muss.)
  • Wie könnte ich es das nächste Mal besser machen?
    (Ich suche einen Parkplatz, kaufe meine Zeitung woanders oder stelle nüchtern fest: „Wette verloren!“)

Diesen Ansatz, dass man aus Situationen etwas lernen kann, vertritt auch der Coach Jens Corssen mit seinem Konzept des „Selbstentwicklers“. Danach gibt es keine Probleme, sondern höchstens Situationen, die ungünstig für die eigene Erwartungshaltung sind. Deshalb betrachtet jemand, der nach dieser Devise lebt, sogenannte Probleme als willkommene Trainingseinheiten für seinen Selbstentwicklungsprozess.

Hier ein Video mit Jens Corssen.


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„Das Leben ist ein Kampf“, ist eine häufige Metapher von Menschen. Dann muss man sich gut schützen, um nicht verwundet zu werden.

Aus allem etwas lernen wollen, kann auch eine Vermeidungsstrategie sein.

„Und wieso müssen Sie jetzt Ihre Frau loslassen?“, nahm ich wieder den Faden auf.

„Wir sind vierzehn Jahre verheiratet und meine Frau will jetzt eine offene Beziehung.“
„Was meint sie damit?“, fragte ich, um mich zu vergewissern, dass wir über dieselbe Sache sprachen.
„Sie will weiter mit mit mir verheiratet sein aber auch andere sexuelle Beziehungen haben.“
„Und was wollen Sie?“
„Das weiß ich nicht genau.

Die Antwort von Gordon B. überraschte mich.

„Wie? Sie wissen nicht, was Sie in dieser Situation wollen?“, gab ich verwundert zurück.
„Sind Sie mit der offenen Ehe einverstanden? Oder wollen Sie auch sexuelle Nebenbeziehungen haben?“
„Nein!! Aber ich kann Ihr den Wunsch doch nicht abschlagen. Wir führen schon immer eine Beziehung auf Augenhöhe. Da steht es mir doch nicht zu, ihr etwas zu verbieten, was sie will.“

„Was glauben Sie denn, was Ihre Frau will?“, fragte ich.
„Na, mehr Abwechslung, das sagt sie doch.“
„Wer weiß, vielleicht will sie ja mehr Abwechslung mit Ihnen“, gab ich zu bedenken.

Wie gesagt, aus schwierigen Situationen etwas lernen zu wollen, kann ein  fruchtbarer Ansatz sein. Vor allem holt es einen aus der Ohnmacht und dem Opfermodus heraus. Durch die an sich selbst gestellte Frage „Was kann oder soll ich daraus lernen?“ ergreifen wir wieder die Initiative.

Doch wenn diese Strategie überhand nimmt und zum Reflex auf viele unangenehme Situationen wird, kann leicht ein Vermeidungsmechanismus entstehen.

  • Statt sich über die lauwarme Suppe im Restaurant zu beschweren, „lernt“ man, sich von seinen festen Erwartungen zu lösen.
  • Vergisst der Partner den Hochzeitstag, „lernt“ man, dass starre Rituale doch total überschätzt werden.
  • Statt sich über den Drängler auf der Autobahn zu ärgern, „lernt“ man, dass man selbst ja auch oft ungeduldig reagiert.
  • Statt über den unerwarteten Tod eines nahen Freundes zu trauern, meditiert man über Vergänglichkeit und „lernt“, dass man das eigene Sterben gerne mal verdrängt.

Aus der Aufzählung ist erkennbar, worum es Menschen, die das Leben als fortwährende Schule betrachten und aus jeder unangenehmen oder schmerzlichen Situation eine Lernerfahrung machen, vor allem geht:

Sie wollen damit ihre Gefühle kontrollieren und sich unverletzbar machen.

Und als ich mir die Kindheit des Klienten noch einmal in Erinnerung rief, war dies eine naheliegende Strategie, um von seiner alkoholkranken Mutter nicht immer wieder enttäuscht zu werden.

Doch meine gedanklichen Hypothesen würden Gregor B. nichts nützen, wenn ich sie mit ihm teilte. Es braucht die Übersetzung in eine starke emotionale Erfahrung, damit der innere Konflikt spürbar wird.

Ich bat den Klienten, es sich bequem zu machen und die Augen zu schließen. Dann sagte ich zu ihm:

„Ich bitte Sie, mal den Satz zu sagen: »Ich brauche dich«“

Die Reaktion von Gordon B. war für mich nicht überraschend. „Das geht nicht“, sagte er tonlos.
„Was meinen Sie damit, dass das nicht geht?“
„Ich kann diesen Satz nicht sagen. Damit würde ich alles aufgeben. Ich habe nie jemanden gebraucht, weil nie jemand für mich da war. Alles, was ich erreicht habe, habe ich aus eigener Kraft geschafft. Ich habe noch nie jemand gebraucht.“ 

Der Klient saß zusammengesunken in seinem Sessel und starrte vor sich hin.

„Ja, das stimmt“, sagte ich. „Sie wollten nie jemanden brauchen. Deshalb war es auch so wichtig für Sie, das Leben als eine fortwährende Schule zu betrachten. Weil Ihnen das geholfen hat, ihre eigenen Schlüsse aus jeder Situation zu ziehen und niemanden um Rat oder Unterstützung bitten zu müssen.“

Das Aufdecken eines inneren unbewussten Konflikts ist immer ein bewegender Moment. Der Klient erkennt plötzlich, wie viele Fäden in seinem Leben zusammenkommen und seine Handlungen und Überzeugungen einen Sinn ergeben.

„Aber jetzt hat sich etwas geändert. Ihre Frau will eine offene Ehe und Sie wollen das nicht. In der Lektion der Lebensschule lesen Sie jetzt, dass Sie Ihre Frau loslassen müssen. Aber das fällt Ihnen sehr schwer. Weil Sie sie brauchen.“

Gordon B. widersprach sofort: „Ich brauche sie nicht!“
„Ach, dann können Sie ja loslassen. Sie bleibt ja weiterhin mit Ihnen verheiratet und hat eben nur hin und wieder Spaß mit anderen Männern.“

Ich konnte sehen, wie sehr innerlich der Klient innerlich mit sich kämpfte, nicht abhängig sein zu wollen und gleichzeitig zu spüren, dass der Preis dafür in dieser Situation für ihn zu hoch war.

„Was glauben Sie denn, wie Ihre Frau reagieren würde, wenn Sie ihr den Satz von vorhin sagen: »Ich brauch dich nicht!«“, wollte ich wissen.
„Ich denke, Sie wäre enttäuscht, vielleicht auch verletzt. Sie hat mir das in einem Streit auch mal vorgeworfen, dass ich sie gar nicht brauche, weil ich alles mit mir allein abmachen würde.“

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Die Metapher von Yin und Yang.

Yin und Yang  sind zwei Begriffe der chinesischen Philosophie, insbesondere des Daoismus. Sie stehen für polar einander entgegengesetzte und dennoch aufeinander bezogene duale Kräfte oder Prinzipien, die sich nicht bekämpfen, sondern ergänzen.

Anders ausgedrückt: Je mehr Sie sich in dem Raum zwischen den Polen bewegen können, umso leichter wird Ihr Leben.

  • Also wenn Sie etwas schnell machen können, wenn die Zeit drängt. Und wenn Sie langsam machen können, wenn genug Zeit da ist.
  • Wenn Sie die Präsentation für den Vorstand perfekt und fehlerlos hinkriegen. Und wenn Sie einen Text, der sowieso gleich in die Ablage wandert, schnell abhaken können.
  • Wenn Sie sich auf andere einstellen und emphatisch sein können. Und wenn Sie, wenn’s darauf ankommt, vor allem Ihre Interessen durchsetzen können – ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen.

Nun ist es so, dass die meisten Menschen oft an einem Pol festhängen und so in ihren Verhaltensmöglichkeiten stark eingeschränkt sind. Diesen Engpass versuchen wir, im 3-h-Coaching aufzuspüren – und etwas zu erweitern.

Diese Engpässe, also die Bevorzugung eines bestimmten Verhaltens und einer eingeschränkten Denkweise entwickeln sich immer als Reaktionen auf belastende Situationen. Werden diese Verhaltensweisen beibehalten, können daraus Lebensthemen entstehen.


 

„Nie wieder abhängig sein“ als Lebensthema.

Gordon B. musste durch die schwierige Situation mit seiner alkoholkranken Mutter und den beiden jüngeren Geschwistern früh lernen, andere nicht zu brauchen. Bestimmt gab es öfter in ihm den Impuls, wo er sich gern an seine Mutter gewandt hätte. Weil er sich allein fühlte, weil er Trost, Hilfe oder einen Rat brauchte. Und merkte wohl jedes  Mal, dass das nicht ging, weil sie zu betrunken war oder keine Kraft für andere hatte.

So machte er aus seiner Not eine Tugend.

Wenn schon niemand für mich da ist, kann ich wenigstens für andere da sein. Und schöpfte daraus Kontakt, Anerkennung und Stärke. Aber das ging nur, wenn er seine Abhängigkeitswünsche ganz abspaltete.

„Und was sage ich jetzt meiner Frau, wenn ich wieder nach Hause fahre?“, wollte der Klient wissen.
„Was würden Sie ihr denn gern sagen?“, fragte ich.
„Dass ich nicht mit der offenen Ehe einverstanden bin?“
„Sie wollen ihr das verbieten? Wird vielleicht nicht klappen.“
„Was soll ich ihr denn sonst sagen?“

„Wie wäre es mit »Bitte, bleib bei mir.“
„Ich soll sie anbetteln? Das mach ich nicht! Ausgeschlossen!“
„Nicht anbetteln, sondern ihr sagen, dass Sie sie brauchen.“
„Aber ich brauche Sie doch …“
„Doch Sie brauchen sie. Sie haben nur Angst, ihr das zu sagen, weil sie dann Ihre Abhängigkeit spüren. Aber wir sind alle abhängig von anderen. Niemand ist eine Insel. Und vielleicht steckt hinter dem Wunsch Ihrer Frau nach einer offenen Beziehung auch die Frage, wie wichtig sie Ihnen ist.“

Aus den gewohnten Mustern auszusteigen ist meistens schwer. Die berühmte Komfortzone, die wir verlassen müssen. Bei Gordon B. war die Komfortzone, immer stark zu sein und sich nie wieder abhängig zu fühlen. Diese Lebensentscheidung hatte aber der zehnjährige Gordon mit seinem begrenzten Denken getroffen. Der 54jährige Gordon hatte vielleicht andere Optionen.


Nach einer Woche bekam ich eine Mail. Er habe ein paar Tage mit sich gerungen, ob er diesen Schritt wagen sollte. Es wäre ihm sehr schwer gefallen, weil er sich so klein und unterwürfig gefühlt habe. Aber dann habe ihm der Gedanke geholfen, dass er ja seine Frau wirklich nicht verlieren wolle.
Seine Frau sei zu Tränen gerührt gewesen. Und sie hätten sehr lange miteinander geredet, was seit Jahren nicht vorgekommen sei. Er würde jetzt ausprobieren, auch engen Freunden mal zu sagen, dass er sie brauche.


 


 

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PS: Alle Fallgeschichten sind real, aber so verfremdet, dass ein Rückschluss auf meine Klienten nicht möglich ist und die Vertraulichkeit gewahrt bleibt.


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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

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