Wie Sie mit der 80/20-Regel das neue Jahr erfolgreich gestalten.

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Glück / Methoden

Und warum Sie alle bis jetzt gefassten Vorsätze streichen sollten.

80-20

Mit Rauchen aufhören. Mehr Fitness. Mehr Zeit mit der Familie. Sich weniger stressen … Haben Sie auch schon gut klingende Vorsätze gefasst? Sind es zufällig die vom letzten Jahr? Oder gar vom Jahr davor?

Dass solche blanken Vorsätze es meist nicht bis in den Februar schaffen, ist bekannt, weil sie einfach zu ungenau gefasst sind. Wie man sich richtig Ziele setzt, lesen Sie zum Beispiel in der Karrierebibel.

Aber ich habe einen besseren Vorschlag.

Streichen Sie alle bisherigen Vorsätze und gehen Sie die Sache dieses Jahr ganz anders an.

Nutzen Sie die 80/20-Regel – aber richtig.

 

Was ist die 80/20-Regel?

Dem Mathematiker, Vilfredo Pareto, fiel 1906 auf, dass in seinem Heimatland Italien 20 Prozent der Familien achtzig Prozent des Volksvermögens besaßen.  Und dieses Zahlenverhältnis gilt auch heute noch für viele Lebensbereiche.  So lebt zum Beispiel die Weltbevölkerung nicht gleichmäßig verteilt über die Erde. Sondern 80 Prozent der sieben Milliarden Menschen leben in etwa – sie ahnen es – in etwa 20 Prozent der Städte weltweit.

Später wandte Joseph M. Juran diese 80/20-Relation auf Bereiche des Managements an und prägte den Begriff „Pareto-Prinzip“. In diesem Zusammenhang bedeutet sie übersetzt:

Der größte Anteil eines Resultats (80%) kommt nicht von der meisten zeitlichen oder kräftemäßigen Anstrengung, sondern von ganz bestimmten Aktivitäten (20%). Diese gilt es herauszufinden.

20_80Das Zahlenverhältnis kann variieren. Manchmal ist es vielleicht 70 zu 30 oder aber 90 zu 10. Und man kann es in fast allen geschäftlichen oder beruflichen Bereichen beobachten:

  • Mit 20 % seiner Produkte macht ein Unternehmen  80 % seines Umsatzes.
  • 80 % eines Projektes kann man mit 20 % Aufwand erreichen. Für die restlichen 20 % braucht man dann aber 80 % Zeit und Aufwand.
  • Im Qualitätsmanagement verursachen 20 % der Fehler 80 % der Probleme.
  • 20 % der Angestellten in einer Firma sorgen für 80 % des Erfolgs.
  • 80 % des Gewinns eines Unternehmens wird mit 20 % der Produkte erwirtschaftet.
  • 20 % der Kunden machen 80 % vom Ärger. Es sind immer dieselben, die sich beschweren.
  • Für den Vertrieb gilt, dass 20 % der besten Verkäufer 80 % der Neukunden gewinnen während 80 % der übrigen Ausreden erfinden, warum es kaum Neukunden gibt.
  • Für meinen Blog gilt: die „Heavy user“ sorgen für 80 %  der Kommentare, der Empfehlungen, der Käufe der email-Kurse.

Wenn Sie Ihr Leben einfacher, produktiver und erfolgreicher gestalten wollen, ist es hilfreich, jene 20 Prozent-Aktivitäten, die zu 80 Prozent Ergebnissen führen, herauszufinden.

 

Meine Erfahrungen mit der 80/20-Regel.

Schon früh stieß ich auf die Bücher von Tim Ferriss und Richard Koch, die das Pareto-Prinzip zur Grundlage Ihrer Produktivitäts-Tipps machten. Und habe seitdem konsequent mein Leben in großen Teilen danach ausgerichtet.

Meine Haupteinnahmequelle sind meine Persönlichkeitsseminare. Pro Monat leite ich zwei davon. In diesen 5 Tagen verdiene ich etwa 70 Prozent meines Monatseinkommens.

Die Seminarplätze füllen sich allein aufgrund meiner Präsenz im Internet, vor allem durch diesen Blog. Stabile oder steigende Besucherzahlen für einen Blog erreicht man nur durch inhaltsreiche und nützliche Artikel, die sich gut lesen lassen. Für einen Beitrag wie diesen brauche ich mit Recherche, Bildersuche usw. cirka 6 Stunden. Das mag manchem lang vorkommen, ist aber aufgrund der Wichtigkeit für die Belegung der Seminarplätze gut investierte Zeit.

Weniger als 20 Prozent meiner Wochenarbeitszeit bringen so maximalen Ertrag.

Eine weitere Einnahmequelle sind meine eMail-Kurse und eBooks. Das Schreiben fing mit zwei Büchern im HERDER-Verlag an. Doch bei acht Prozent Autorenhonorar muss man schon Bestseller verkaufen, um nicht nur einmal im Jahr (!) ein Taschengeld vom Verlag überwiesen zu bekommen.

Bei den eMail-Kursen fließen 100 Prozent des Verkaufspreises an mich. Bei den eBooks von Amazon sind es (wenn der Verkaufspreis innerhalb bestimmter Grenzen liegt) immerhin 70 Prozent!

Auch hier wende ich natürlich die 80/20-Regel an. Der Schreibaufwand  für ein Verlagsbuch von 120 – 150 Seiten ist in etwa derselbe wie für einen eMail-Kurs oder ein eBook. Aber das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist aufgrund der Margen (100, 70 s. 8 %) natürlich viel ertragreicher.

Die dritte Einnahmequelle ist meine therapeutische Praxis. Hier gebe ich etwa 20 bis 25 Sitzungen pro Woche, was etwa drei Arbeitstagen entspricht. Verglichen mit drei Tagen Seminararbeit verdiene ich durch die therapeutische Arbeit deutlich weniger. Trotzdem mache ich das weiterhin, weil mir die wöchentliche Arbeit mit Klienten ganz andere Einblicke in Prozesse ermöglicht als die Arbeit in einem Persönlichkeitsseminar.

 

Wie können Sie das Pareto-Prinzip für ein erfolgreiches Neues Jahr nutzen?

2014Dazu müssen Sie natürlich erst einmal definieren, was „Erfolg“ in den verschiedenen Bereichen des Lebens für Sie bedeutet. Oder anders ausgedrückt: Wo Ihre Prioritäten liegen. Denn das Pareto-Prinzip hat viel mit einem klugen Zeitmanagement zu tun.

Wenn Sie wirklich wissen wollen, wo derzeit Ihre Prioritäten liegen, gibt es eine Hammer-Übung: Schreiben Sie drei Tage lang jede Viertelstunde auf, womit Sie gerade beschäftigt sind.

Vermutlich werden Sie staunen, dass Sie viel Zeit mit Dingen verbringen, die Sie auf Befragen nicht als Top-Priorität genannt hätten!

Aber wir nehmen mal an, dass Sie das ändern wollen. Hier eine Anleitung:

1. Schreiben Sie drei Top-Prioritäten für 2014 auf einen Zettel.
Nur drei. Beschränken Sie sich und schauen Sie, wie Sie damit zurecht kommen. Wenn es gut klappt, können Sie ja noch ein oder zwei Prioritäten dazu nehmen.

2. Finden Sie heraus, welches eine 20%-Verhalten Sie Ihrer Top-Priorität in 2014 näher bringt.
Auch hier liegt das Geheimnis wieder in der Beschränkung, damit Sie bei der Umsetzung nicht scheitern.

3. Legen Sie Zeiten fest, in denen Sie dieses 20%-Verhalten anwenden.
Das ist entscheidend. Sie brauchen neue Routinen, in denen Sie dieses wichtige Verhalten auch anwenden.

Hier einige Anregungen, wie Sie das Pareto-Prinzip in Ihrem Leben erfolgreich umsetzen können.

  • Bessere Partnerschaft
    Männer, die viel arbeiten, rechtfertigen das oft damit, dass Sie das alles nur für die Familie täten. Und sind gekränkt, dass die Familie das nicht so recht zu würdigen weiß.
    Aber fünfzehn Minuten Präsenz und Zuhören für Ihren Partner, wie sein/ihr Tag war oder Ihrem Kind etwas beim Zu-Bett-Gehen vorlesen, ist vermutlich eine „Investition“, die für die Qualität Ihrer Partnerschaft oder die Beziehung zu Ihrem Kidn mehr bringt als ein ganzer Tag im Büro.
  • Weniger Stress
    Mehrmals am Tag die Ein-Minuten-Achtsamkeit aus meinem eMail-Kurs „Achtsamkeit im Alltag“ oder bewusstes Ausatmen in stressigen Situationen bringt in der Regel mehr als die eine Stunde Joggen am Abend oder das Yoga-Wochenende.
  • Mehr Ordnung
    Wenn Sie sich angewöhnen, den Gegenständen (Schlüssel, Telefon, Fernbedienung, Küchengeräten, Büchern etc.) in Ihrer Wohnung einen festen Platz zu geben und sie nach Gebrauch genau dahin zu legen, kostet das jedes Mal nur ganz wenig Zeit (2%) erspart Ihnen aber häufiges langes Suchen (98%).
    Das gilt insbesondere für Ihren Schreibtisch und Ihren PC.
  • Bessere Fitness
    Suchen Sie sich ein oder zwei sportliche Tätigkeiten, mit denen Sie Ihre Ausdauer und Ihre Kraft trainieren können. Wichtig: schaffen Sie dazu einen Rahmen, in denen Ihnen das möglichst etwas Spaß macht.
    Das kann eine Laufgruppe sein oder ein Freund, der mit Ihnen ins Fitnessstudio geht.
    Ich zum Beispiel mache jeden Morgen 10 Minuten Trampolin und habe mir zu Weihnachten eine Xbox 360 mit einem Fitnessprogramm geschenkt.
  • Weniger Ballast
    Wenn Sie in regelmäßigen Abständen sich von Dingen trennen, die Sie nicht nutzen, gewinnen Sie Raum und Klarheit in Ihrem Zuhause und Ihrem Leben.
    Das gilt für Kleider-, Küchen und Büroschränke, für Keller, Garagen und Dachböden. Für Freundeslisten auf Facebook und für reale Beziehungen, die Ihnen mehr Zeit rauben als Freude bringen.
  • Mehr Zeit für Wesentliches
    Durchforsten Sie die Aufgaben mit denen Sie täglich oder wöchentlich zu tun haben. Prüfen Sie, ob es notwendig ist, dass Sie diese Dinge tun. Oder ob es nicht sinnvoller ist, diese Aufgaben zu delegieren. Vor allem jene Dinge, die Sie nicht gerne tun und die wenig mit Ihren Prioritäten zu tun haben.

 

Ein häufiger Denkfehler bei der 80/20-Regel.

80/20-Regel – alles easy oder was? Das Leben als 4-Stunden-Woche à la Tim Ferriss?

Es geht beim Pareto-Prinzip nicht darum, sich all der Dinge zu entledigen, die nur wenig Ertrag bringen aber viel Zeit kosten. Sondern darum jene wesentlichen Verhaltensweisen herauszufinden, die entscheidend  zum Resultat beitragen – und dafür auch Zeit zu finden.

Die Geschichte vom Holzfäller, der wie wild mit einer stumpfen Säge einen Baum bearbeitet, weil er zum Schärfen der Säge keine Zeit hat, ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie die Unkenntnis der 80/20-Regel trotz enormen Einsatzes wenig bringt.

Die 80/20-Regel geht nicht nur um Produktivität, sondern lässt sich auf fast jeden Lebensbereich anwenden. Sie ist wie eine Lupe, mit der Sie Ihr Leben betrachten – und entsprechend neu ausrichten können. Sie steht für die Frage: „Bringt mich das, was ich gerade tue, meinem Ziel näher?“

Wie gesagt, es geht nicht nur um Produktivität. Sie können sich auch fragen:

Was verschafft mir die meiste Zufriedenheit? Das tiefste Gefühl von Sinnhaftigkeit? Den meisten Spaß?

Und welche Tätigkeit kenne ich, um diese Gefühle zu erleben?

PS: In diesem Sinn wünsche ich Ihnen ein zufriedenes, erfolgreiches Neues Jahr.

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kommentar Wo könnten Sie die 80/20-Regel anwenden?

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Zeichnungen: © RKW

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

13 Kommentare

  1. Hallo Herr Kopp- Wichmann,

    ein frohes neues Jahr auch von mir.

    Ich kann ein Lied von guten Vorsätzen und dem damit verbundenen Stress singen. 2006 Jahren standen in meinem Notizbuch 17 gute Vorsätze mit einem Kommentar von mir „ich schaffe das“……ich hab „groß“ gedacht….das habe ich so unreflektiert aus einem der vielen Erfolgs- und Motivationsbücher übernommen.

    Na ja, viele von den guten Vorsätzen waren für die Tonne…ich hab nicht unterschieden zwischen Ziel, Gewohnheit und Gefühlszustand.

    Heute bin ich schlauer und setze mir nur Ziele, die ich auch aus eigener Kraft erreichen kann. Und da achte ich bewusst auf das Pareto- Prinzip….und es funktioniert 🙂

    Ich wünsch allen viel Erfolg beim Erreichen ihrer guten Vorsätze.

    LG
    Christoph Teege

  2. Kommt darauf an, wie ehrlich man zu sich selbst. Aber wie Sie schreiben, wenn schon die angedrohte Kontrolle eine Veränderung bewirkt, umso besser.

  3. Hallo Herr Kopp-Wichmann und ein schönes Neues Jahr. Sie schreiben in dem Artikel von der „Hammer-Übung“, alle 15 Minuten aufzuschreiben, was man gemacht macht.
    Eine tolle Idee, die ich gerne einmal ausprobieren möchte … aber verzerrt sie nicht das Ergebnis? Führt nicht das Bewusstsein, schon in 15 Minuten wieder „Rechenschaft“ ablegen zu müssen, möglicherweise zu einer starken Abweichung vom typischen Tagesablauf? Dann hätte man zwar etwas verändert, aber wenig verstanden. Oder gleicht sich dieser Effekt über drei Tage aus?

  4. Nein, das stimmt eben gerade nicht.
    Der Empfänger Ihrer Leistung (Präsentation, Produkt, Dienstleistung etc.) weiß oft nicht, dass das eine 80%ige Lösung ist. Das weiß nur der Perfektionist, aber der „Normalverbraucher“ sieht einfach das gute Ergebnis und weiß in der Regel nicht, was man vermissen könnte.

  5. das problem bei der 80/20 regel ist, dass man die 20% (die weniger bis nichts bringen) trotzdem machen muss. ansonsten werden aus den 80% 100% und der output (z.B. Umsatz/ Ergebnisse etc.) sinkt.

  6. Janine de Penguern sagt

    Hallo Roland, hallo alle anderen,

    Nachdem ich schon häufig von diesem Prinzip gehört hatte, habe ich jetzt endlich angefangen es einzusetzen.
    Ich stimme den anderen zu, die Möglichkeiten und Bereiche sind wirklich weit gefächert. Und was, so schön daran ist, als alter Perfektionist werde ich endlich zufriedener. Und da durch dieses Prinzip auch noch richtig Zeit frei wird, komme ich zu Sachen, die lange liegengeblieben sind: Privat, beruflich, gesundheitlich und Interessen. Ich bleibe am Ball !
    LG, Janine

  7. Sven-William Bormann sagt

    Ziele sind besser als Vorsätze!

  8. David Goebel sagt

    Das Paretoprinzip enttarnt erbarmungslos Zeit und Energiefresser. Und ist eine Geheimwaffe gegen Perfektionismus.

  9. Helmut Mogg sagt

    Verblüffend, wo sich die 80/20 Regel überall anwenden lässt. Werde den Punkt „weniger Ballast“ mal angehen…“

  10. Bernd sagt

    Im Sinne von 80/20 ist der Artikel vollständig 😉

    •Bessere Partnerschaft
    ….Aber fünfzehn Minuten Präsenz und Zuhören für Ihren Partner, wie sein/ihr Tag war oder ein (?)

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