Warum Misserfolge eine Chance zum Erfolg sind.

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Als mich der Artdirector in sein Büro rief, ahnte ich nichts Böses. Ich war Werbetexter in einer großen Frankfurter Agentur. Mit dem Team verstand ich mit gut. Von meiner letzten Kampagne war der Kunde begeistert gewesen. Und dann sagte er: „Du wirst uns zum nächsten Ersten verlassen. Mein Schwiegersohn bekommt Deinen Texterjob.  Take it easy!“ 

Die Worte drangen wie aus einem Nebel an mein Ohr. Mir wurde schwindlig. Ich war 23 Jahre alt und gerade eben gekündigt worden.

Zwei Wochen später war ich immer noch stinkwütend. Und ich beschloss, dass mir so was nie wieder passieren würde. Ich machte mich selbständig – und bin es bis heute geblieben. Danach erlebte ich natürlich noch jede Menge Misserfolge, Reinfälle und Enttäuschungen. Aber sie trafen mich nicht mehr so hart, weil ich darauf vorbereitet war. Und eine andere Einstellung dazu hatte.


Misserfolge sind eine Begleiterscheinung des Lebens.

Tiere irren sich (siehe oben). Menschen machen Fehler. Auch die Natur experimentiert ständig und nicht alles glückt. Besser also, wenn Sie auf Misserfolge und Rückschläge vorbereitet sind.

Der beste Weg, um Misserfolge zu bewältigen, ist, sie zu akzeptieren. Schnell.

Das ist leichter gesagt als getan. Denn Misserfolge schmerzen. Sie können kränken. Ob wir eine Schlappe annehmen oder vielleicht sogar daran wachsen können, hat mit unserer Einstellung  zu tun. Also, wie wir zum Thema „Rückschläge“ stehen. So merkwürdig es auch erscheinen mag, wenn man Rückschläge akzeptiert, kann man sie künftig eher verhindern. Indem man lernt, sie zu vermeiden.

So ging es mir jedes Mal, wenn ich eine neue Fähigkeit lernen wollte. Zum Beispiel beim ersten Radfahren, Skifahren oder Gitarrespielen. Die ersten Male, als ich eine dieser Tätigkeiten versuchte, war ich ziemlich schlecht darin. Und das für eine ganze Weile.

  • Beim Radfahren wackelte ich bedrohlich und musste von meinem Vater aufgefangen werden.
  • Beim Skifahren holte ich mir jede Menge blauer Flecken.
  • Beim Gitarrespielen taten mir tagelang die Finger weh und ich vergaß immer wo jetzt das F war.
  • Beim Einarbeiten in die Geheimnisse von WordPress für diesen Blog wollte ich öfters schon aufgeben.

Nach den ersten Fehlern wurde ich zunehmend ängstlich, nicht nur vor und während meiner ersten Versuche, sondern danach für längere Zeit. Ich hatte Angst, mir wehzutun, was zwar nicht passierte, aber die Angst blieb.

Wenn ich heute darüber nachdenke, war das Erlernen einiger oder aller dieser neuen Fertigkeiten anfangs vor allem eine Reihe von Rückschlägen. Vermutlich kennen Sie das aus eigener Erfahrungen.

Doch wenn man dann trotzdem weitermacht, ganz plötzlich, geschieht etwas Unerwartetes.

Sie haben angefangen, diese Fähigkeit zu erlernen. Und mit einem Moment verwandelt sich Ihre Unbeholfenheit in ein spielerisches Tun. Und ein Lächeln oder Lachen erscheint auf Ihrem Gesicht. Plötzlich fühlen Sie sich leicht und beschwingt. Sie spüren, dass Sie den Bogen raushaben. „Ach, so geht das!“ Und Sie wissen,  dass Sie es von jetzt an immer besser beherrschen werden.

Dieser Prozess, der von einer Reihe von Rückschlägen zu einem Moment des Könnens führt, ist ein gutes Beispiel dafür, wie jeder Rückschlag tatsächlich eine Chance zum Erfolg ist.

Wenn Sie sich von Ihrer Angst, Unbeholfenheit oder einer Verletzung hätten zurückhalten lassen, als Sie Fahrradfahren lernten, hätten Sie zu früh aufgegeben und es nie gelernt.

  • Stattdessen blieben Sie dran, weil Sie es lernen wollten. Sie zeigten Ausdauer.
  • Sie lernten aus den Fehlern.
  • Und Sie wurden geschickter darin, dieselben Fehler zu vermeiden.
  • Sie gewöhnten sich an, Rückschläge als Schritte zum Erfolg zu betrachten.

Wenn Sie die gleiche Denkweise auf die Hindernisse anwenden, mit der Sie derzeit konfrontiert sind, werden Sie Ihre Erfolgsbilanz fortsetzen. Jede Erfahrung, ob neu oder vertraut, birgt das Potential für Fehler. Wenn Sie sehen, dass die Fehler, die Sie machen, tatsächlich Wegweiser auf dem Weg zum Erfolg sind, können Sie sie begrüßen – anstatt sich darüber aufzuregen.

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Bleiben Sie bei Misserfolgen positiv.

Ein wichtiger Aspekt beim Erlernen des Umgangs mit Rückschlägen ist der positive Umgang damit. Das mag für Sie auf den ersten Blick nicht eingängig erscheinen. Dennoch ist eine positive Einstellung der erste Schritt, die Tatsache, dass Rückschläge normal sind, erfolgreich zu bewältigen.

Eine positive Einstellung kann man lernen.

Genauso wie Sie wahrscheinlich Ihre negative Einstellung gelernt haben. Von Ihren Eltern, von Freunden, aus den Medien.  Es geht dabei nicht darum, angesichts der Widrigkeiten zu lächeln, Ihren Ärger zu verleugnen und krampfhaft fröhlich zu tun.

Stattdessen geht es darum, sich selbst beizubringen, auf negative Ereignisse so zu reagieren, dass Sie sie in den richtigen Kontext stellen. Es ist das Reflektieren und Verändern Ihrer Gedankenreaktionen auf Fehlschläge und Misserfolge. Indem Sie aufhören, mit negativen Gedanken die gegenwärtigen negativen Zustände zu übertreiben, auf Kosten der zukünftigen positiven Zustände.

Es geht darum, nicht im Moment steckenzubleiben, Rückschläge zu akzeptieren und dieses Wissen zu nutzen, um voranzukommen.

Vor drei Jahren versuchte ich, parallel zu diesem Blog eine Mitgliederseite zu machen. „Der Life-Coaching-Club“ nannte ich sie. Ich steckte ein Jahr Vorbereitung und etliches Geld in die Sache. Es lief gut an, aber dann stagnierte alles, weil ich einen dicken konzeptionellen Fehler in der Vorbereitung gemacht hatte.
Ich stoppte das Projekt, trauerte über die getane Arbeit – und wendete mich neuen Ideen zu.

Eine positive Einstellung ist in hohem Maße eine Wachstumshaltung. Das Konzept der Positivität basiert auf der Idee, dass im Leben der Wandel die einzige Realität ist. Wir alle entwickeln uns ständig weiter und nichts bleibt gleich.

Dieses Konzept mag Sie vielleicht verunsichern, weil Sie mal gelernt haben, dass nur Stabilität Sicherheit ist. Doch in Wirklichkeit gibt es keine Stabilität. Ob es uns gefällt oder nicht, wir bewegen uns immer von einem Zustand in den nächsten.

Eine negative Einstellung ist einfach der Widerstand gegen Veränderungen oder die Angst vor dem, was Veränderungen mit sich bringen.

Diese Angst zuzulassen bedeutet, dass Sie das größere Bild sehen. Das größere Bild von dem, wer Sie wirklich sind, wo Sie wirklich hingehen und wozu Sie wirklich fähig sind. Eine positive Einstellung ist einfach das Erlernen einer realistischen Lebensauffassung und das Reagieren auf die Wechselfälle des Lebens.

Anders gesagt: wenn das Leben eine Autobahn ist, dann konzentrieren Sie mit einer positiven Einstellung auf die Straße und nicht auf die Schlaglöcher.

Wenn Sie mehr auf die Schlaglöcher achten, werden Sie Ihre Reise aus Angst vor dem nächsten verlangsamen und es dauert immer länger, bis Sie Ihr Ziel erreichen. Rückschläge, genau wie Schlaglöcher, passieren. Das Akzeptieren dieser Tatsache führt dazu, dass Sie beim nächsten Mal einfach drumherum fahren..

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Ein Baum, der sich biegt, bricht nicht.

Wenn es darum geht, mit Rückschlägen umzugehen, ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass kein einziger Ansatz ein Allheilmittel ist. Jede Situation ist anders und jede Person, die sich einer Situation gegenübersieht, ist anders. Ein einheitlicher Ansatz funktioniert nicht für alle individuellen Umstände, die auf dem Weg zum Erfolg auftreten.

Da wir alle Individuen sind, ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass jedes Problem eine besondere Haltung erfordern kann, und dass es immer nützlich ist, die verschiedenen Techniken zu überprüfen, die Ihnen zur Verfügung stehen.

Hierzu einige Tipps:

  • Behalten Sie eine positive Einstellung.
    Denn das ist eine der besten Möglichkeiten ist, einen Rückschlag zu überwinden und doch noch Erfolg zu erzielen. Diese Einstellung hat nichts mit einer rosaroten Brille zu tun. Vielmehr kommt es auf eine realistische Einschätzung der Situation und der notwendigen Schritte zur Behebung des Problems an. Die positive Einstellung ergibt sich aus dem inneren Vertrauen, dass die meisten Problem erfolgreich gelöst werden können.
  • Denken Sie daran, dass Rückschläge passieren werden.
    Um vorbereitet zu sein, brauchen Sie für Rückschläge einen Plan B – oder C oder D. Wenn Sie sich auf mögliche Misserfolge vorbereiten, werden Sie erkennen, dass das, was einmal ein Hindernis war, tatsächlich eine Chance ist. Ihre Planung für den Fall des ersten Scheiterns ist Ihre Rückversicherung, dass Sie auch unvorhergesehene Fehlschläge überleben – und weitermachen werden.
  • Machen Sie sich bewusst,  dass Sie nicht allein auf dem Weg zum Erfolg sind.
    Viele erfolgreiche Menschen sind den gleichen Weg gegangen, den Sie gerade gehen. Andere Menschen können Sie auch über die Rückschläge informieren, die Sie noch nicht erlebt haben. Diese Älteren sind eine unschätzbare Ressource wenn Sie mehr Erfahrung sammeln wollen. Nutzen Sie sie, wenn sich die Gelegenheit ergibt.
  • Kümmern Sie sich darum, körperlich und geistig möglichst gesund zu bleiben.
    Ein vernünftiger Lebensstil mit Bewegung und richtiger Ernährung kann manchmal den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg auf dem Lebensweg ausmachen. Achten Sie darauf, dass Sie sich gut um sich selbst kümmern.
    Und zur gleichen Zeit: Passen Sie auf Ihr Ego auf. Es gibt einen schmalen Grat zwischen Selbstversorgung und Narzissmus. Viele Menschen missverstehen ihren Drang nach sofortiger Befriedigung für die eigentliche Motivation.
  • Beurteilen Sie realistisch, was Sie gut können.
    Und trennen Sie diese Fähigkeiten klar von denen, die Sie nicht so gut beherrschen. Diese sollten Sie delegieren. Bleiben Sie ehrlich mit sich und überschätzen Sie sich nicht.
  • Erlauben Sie sich den Raum, Fehler zu machen.
    Machen Sie sich und anderen keine Vorwürfe, wenn Fehler auftreten. Schuld ist oft ein Zufall, Ihre Unkenntnis oder Unaufmerksamkeit, Ihre Bequemlichkeit oder die eines anderen … Shit happens.

Wenn Sie flexibel genug sind, um sich zu verändern, aber intelligent genug, um zu wissen, wann Sie den Kurs halten müssen, werden Sie mit jedem Misserfolg fertig und erreichen früher oder später Ihre Ziele.

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Mein bester Tipp für schlechte Tage.

Wir alle haben diese Tage, an denen nichts hilft, an denen Müdigkeit oder Schmerzen oder Sorgen uns niederdrücken und es so scheint, als gäbe es nichts, was wir tun könnten.

Gerade in solchen Zeiten ist es wichtig, flexibel zu sein.

Starre, alte Bäume können sich nicht gut mit dem Wind wiegen. Ihre Äste brechen ab und gefährden die Gesundheit des Baumes als Ganzes. Aber junge Zweige sind weich und biegsam. Sie bewegen sie sich mit den Stürmen, die gegen sie ankämpfen. Wenn der Sturm vorbei ist, springen sie einfach zurück. Sie sind widerstandsfähig und besser in der Lage, Stürmen zu trotzen.

Niemand kann schlechte Tage oder schlechte Dinge verhindern, aber wir können versuchen, sie zu akzeptieren und uns anzupassen. Das geht mir in den letzten Jahren immer wieder mit diversen Altersbeschwerden und Krankheiten.

Anstatt Energie zu vergeuden, die jeder Kraft widerstehen will, die gegen mich bläst, probiere ich in letzter Zeit aus , mich stattdessen mit ihr zu bewegen, sie anzunehmen und mich an ihren Druck oder ihren Schmerz anzupassen. Ich stelle mir diese Beschwerden als einen Wind vor, der um mich herum weht – und nicht durch mich hindurch. Da ich das Gefühl habe, dass eine mächtige Kraft auf mich zukommt, erkenne ich sie an und respektiere sie.

Es hilft mir dann, mir diese schwierigen Dinge als bloße Winde vorzustellen, die durch mein Leben wehen, und mich selbst als einen geschmeidigen Baum zu betrachten, der sich den Stürmen beugt.

Ich sage mir dann nicht, dass ich nachgeben soll. Wie im Aikido nutze ich jedoch die Kraft des Gegners zu meinem Vorteil. Ich stelle mir vor, als würde ich den Schwung dessen, was das Leben auf mich wirft, aufnehmen und in etwas umwandeln kann, das mir auf meiner Lebensreise hilft.

Also, wenn das nächste Mal ein starker Wind Sie fast umwerfen will, machen Sie Folgendes: Anstatt ihn zu bekämpfen, lehnen Sie sich in ihn hinein. So kann der Wind nicht gewinnen. Sie lassen ihn einfach an sich vorbeiziehen, damit Sie hernach Ihre Reise fortsetzen können.

Hören Sie dazu den Podcast.

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

4 Kommentare

  1. Rijks sagt

    Super zusammengefasst, Anleitugen die funktionieren.Danke dafür, daß sie uns dieses Wissen zur Verfügung stellen.Werde sie weiter empfehlen.

  2. Elfriede Meißl sagt

    Ich habe mich auf die Suche nach Mißerfolgen gemacht und tatsächlich keine gefunden. Aber auch die gegenteilige Suche nach Erfolgen war nicht erfolgreich. Vielleicht stört mich die Bezeichnung Mißerfolg. Oder ich sehe etwas, was andere als Mißerfolg bezeichnen würden, eben nicht so.

    Vielleicht habe ich mir aber nie Ziele gesetzt, deren Nichterreichen man als Mißerfolg bezeichnen könnte. Und wenn etwas gelungen ist, habe ich es mir nicht auf die Fahnen geheftet, sondern als glückliche Fügung gesehen.

    Auf jeden Fall hat mich der Artikel nachdenklich gemacht.

  3. Regine Göttert sagt

    Hallo Herr Kopp-Wichmann,

    sehr schöner Artikel. Vielen Dank! Das Bild mit dem Baum, der sich einfach schieflegen kann, wenn der Wind so heftig bläst, gefällt mir sehr gut.
    Wer glücklich sein will, muss lernen, mit den aktuellen Energien oder dem Flow zu gehen.
    Mich hat es auch „erwischt“. Ich bin selbständig und konnte aus persönlichen Gründen längere Zeit nicht arbeiten. Das war Gift fürs Geschäft: meine Praxis. Und jetzt – im Nachhinein – kann ich sehen, welches Wachstum dieses Scheitern (vordergründig betrachtet) mir gebracht hat. Heute bin ich dankbar für die Erfahrung, so verloren zu haben 🙂
    Darf ich auf meinen Glücks-Blog auf http://www.regine-goettert.de hinweisen?
    Alles, alles Gute für Sie, Gesundheit und Leichtigkeit, herzliche Grüße, Regine

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