Machen Sie als Coach manchmal auch diesen Fehler?

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Coaching

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Neulich kam ein Klient mit diesem Anliegen zu mir, als Coach: „Ich habe kürzlich einen Workshop geleitet. Das Konzept hatte ich von meinem Chef, der  verhindert war, übernommen. Der Geschäftsführer der Firma, für die ich den Workshop leitete, war mit meiner Moderation nicht zufrieden.

Er bemängelte, dass ich einen gewissen Aspekt im Thema überhaupt nicht bedacht hatte. Ich war dadurch völlig verunsichert und konnte gar nicht gelassen kontern. Ich fühlte mich so stark angegriffen, dass ich den Workshop nicht mit einem guten Gefühl beenden konnte. Die Kritik landete auch bei meinem Chef. Im Ergebnis hat mein Chef mir den Kunden weggenommen.“

„Was möchten Sie in diesem Zusammenhang erreichen?“, fragte ich meinen Klienten.  „Ich möchte lernen mit kritischen Fragen in Workshops gelassener umzugehen.“, antwortete er.

 

Was machen die meisten Coaches jetzt?

Was ein Coach in diesem Fall gewöhnlich macht: Lösungskompetenzen durch Fragetechnik aktivieren.

In der Regel klopft ein Coach dann das Ziel in folgender oder ähnlicher Weise ab und verhilft ihm mit geschickten Fragen zu mehr Gelassenheitskompetenz. Es könnten dann Fragen wie diese hier sein:

  • „Angenommen Sie wären jetzt wieder in diesem Workshop und nähmen jetzt eine „Gelassenheitspille“.
    Diese Pille beginnt dann augenblicklich zu wirken. Woran erkennen Sie als erstes, dass die Wirkung eingetreten ist?“  – Diese Frage zielt darauf, dass der Klient eine möglichst genaue Vorstellung von seinem Zielbild bekommt.
  • Gab es schon einmal Situationen, in denen es Ihnen mehr gelungen ist, Gelassenheit zu bewahren, wenn Sie kritisiert wurden?“ – „Was war dort anders?“

Damit fragt man nach Unterschieden und zielt auf die unbewusste Lösungskompetenz des Klienten. Wenn es ihm schon einmal in einer anderen, ähnlichen Situation gelungen ist, die Ruhe zu bewahren, kann er es in anderen Situationen auch lernen. Als Coach muss ich ihm dann nur helfen, diese Kraftquelle (Ressource) auch in anderen Situationen zur Verfügung zu haben.

  • „Angenommen Sie sehen sich jetzt von außen, woran können Sie als erstes erkennen, dass Sie ganz gelassen sind?“
    Die Frage schärft das Selbstbeobachtungsvermögen.
  • „Wenn Sie sich jetzt vorstellen, Sie sind ganz gelassen. Wo im Körper nehmen Sie die Gelassenheit am deutlichsten wahr?“
    Mit dieser Frage kann man den Zustand „Gelassenheit“ lokalisieren.Ist die Antwort etwa „Mein Atem ist ruhiger und mein Bauch fühlt sich warm und entspannt an“,  kann man nachhaken und den Zustand verstärken: „Tun Sie bitte mal so, als könnten Sie das stärker machen. Und wenn Sie merken, dass es stärker geworden ist, geben Sie mir bitte ein Zeichen mit ihrer Hand oder sagen sie kurz „Ja.“Wenn der Klient das positive Zeichen gibt, kann man ihn fragen:
    „ Wie ist es Ihnen gelungen, den Zustand zu verstärken?“
    „Wie haben Sie das gemacht?“

Falls er darauf eine Antwort hat, kann er diesen Zustand immer wieder selbst hervorrufen.

All diese Fragen oder ressourcenorientierten Methoden hätten dem Klienten sicher geholfen, bei kritischen Fragen gelassener zu bleiben.

 

Aber ich dachte plötzlich an was anderes.

Mein Gedanke, dass der Klient eigentlich etwas anderes erreichen wollte UND brauchte!

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Birgit Permantier, Trainerin u. Business-Coach

„Das ist ein gutes Ziel“, antwortete ich. „Mir scheint allerdings, dass in diesem Thema noch etwas anderes steckt. Darf ich dazu noch ein paar Fragen stellen?“ „Na, klar!“, kam von ihm zurück.

„Dieser Aspekt, den der Geschäftsführer bemängelte. War das ein berechtigter Kritikpunkt?“ „Ja, schon! Ich konnte ihn gut nachvollziehen.“, kam seine Replik.

Beim weiteren Nachhaken stellte sich heraus, dass mein Klient zwar den Workshop von seinem Chef übernommen, aber sein Konzept nicht weiter hinterfragt hatte. Er hatte auch vorher keine zusätzliche Abstimmung mit dem Kunden über die Themen gemacht. Stattdessen ging er mit einer Haltung an den Workshop, die man am besten mit den Worten „Wird schon irgendwie gehen“ beschreiben kann.

Ich fragte: „Wenn Sie heute mit etwas Abstand auf ihre Vorbereitung schauen, was hätten Sie denn anders gemacht?“

Er antwortete: „Ich hätte sicher auf eine bessere Übergabe bestanden, den Kunden vorher kontaktiert und ich hätte auch andere Schwerpunkte gelegt“

Der eigentliche Kern des Problems war: eine Handlungslähmung im Vorfeld.

„Gab es denn an irgendeinem Punkt der Vorbereitung die Gelegenheit es so zu machen, wie sie es jetzt sehen?“ „Ja, die gab es durchaus!“

„Wenn Sie da jetzt noch einmal hineingehen: Was in Ihnen hat es verhindert, dass sie nicht auf eine gute Übergabe und andere Schwerpunkte bestanden haben?“

Er schloss die Augen und ging in den Erinnerungszustand:
„Ich war da irgendwie vernebelt, nicht ganz klar, habe die Konsequenzen nicht überblickt und gedacht „das wird schon irgendwie werden.“

 

Die eigentliche Coachingintervention

„Wenn ich das richtig sehe, haben Sie sich in diesem Moment der „Vernebelung“ nicht dafür engagiert,  die Bedingungen für einen guten Workshop selbst zu bestimmen. Sie sind stattdessen innerlich abgetaucht und aus der Verantwortung gegangen,“ sagte ich.

Ich fragte: „Was wird passieren, wenn Sie heute zwar lernen gelassener zu sein bei Kritik, aber in der nächsten Vorbereitungssituation wieder in diesen Nebel geraten und es einfach irgendwie laufen lassen?“
Er: „Ich verstehe, worauf Sie hinaus wollen,“ lächelte mein Klient.

„Eine gute Coachingstunde hat mehrere Effekte,“ fuhr ich fort. „Sie werden klarer, freier und haben nachher auch mehr Handlungskompetenzen. In ihrem Fall könnten Sie wirklich nach der Sitzung gelassener mit Kritik umgehen, wenn wir daran explizit arbeiten. Ein weiterer Effekt einer solchen Sitzung aber ist, dass sie sich ja auch bewusst oder unbewusst beweisen wollen, dass die Sie nun wirklich gelassener mit Kritik umgehen können.

Sie müssten sich dazu allerdings eine Situation erschaffen, in der Sie genauso heftig kritisiert werden wie beim letzten Mal. Damit die Kritik auch wirklich heftig ausfällt, müssten Sie sich auch genauso schludrig vorbereiten.“

„Oh, stimmt. So habe ich es noch gar nicht gesehen,“ erwiderte er nachdenklich.

„Wäre es nicht viel attraktiver für Sie, schon im Vorfeld aus diesem Nebel auszutreten und sich stattdessen besser vorzubereiten?“

„Das wäre wirklich besser! Da haben Sie recht.“, kam seine Antwort.

 

Das Ziel zu Ende denken.

Der Coach muss dem Klienten helfen, das Ziel zu Ende zu denken!

Mein Klient wollte gelassener auf Kritik reagieren. Wenn ich mit ihm das Ziel nicht hinterfragt hätte, hätte er zwar gelernt, gelassen auf Kritik zu reagieren, aber kompetenter und sicherer wäre er damit nicht geworden, weil wir sein Problem nicht bei der Wurzel gepackt hätten.

Deshalb muss das eigentliche Ziel immer hinterfragt werden. Ist es wirklich das, was der Klient möchte oder will er etwas ganz anderes. Fragen, die auf die richtige Spur bringen können, sind etwa:

  • „Wer werden Sie sein, wenn er Sie ihr Ziel erreicht haben?“
  • „Welche negativen Auswirkungen könnte die Zielerreichung für Sie haben?“
  •  „Ist ihr Problem auch wirklich gelöst, wenn Sie ihr Ziel erreicht haben?“

 

Wie löst man Nebel auf?

Solche nebeligen Situationen  wie sie mein Klient im Vorfeld erlebte,  kennen viele Menschen. Dieser gefühlte „Nebel“ ist häufig eine alte Handlungs-  oder Fühlweise, die meist in Kindheit gelernt wurde.
Wenn Kinder eine Situation nicht ändern können, ausgeliefert sind oder zu wenig Macht haben, gehen Sie häufig in einen Zustand der inneren Lähmung, um die Situation besser aushalten zu können.

Leider behalten sie diese Strategie dann oft unbewusst, weil sie damals ganz gut geholfen hat. Wenn Sie dann älter sind, werden diese Strategien zum Problem.
„Gelähmt“ im Job – das kann nicht gut sein!

mann_nebel_xs_photobank.kiev.uaIch fragte meinen Klienten, ob es Situationen in seinem Leben gegeben hatte, aus denen er diesen gefühlten Nebel kannte.

Er erinnerte sich an eine Situation aus seiner Kindheit.
Mein Klient hatte häufig Situationen mit seinem sehr dominanten Vater erlebt, in denen seine Meinung nicht gefragt war. So konnte es etwa passieren, dass er mit seinem Vater in der Werkstatt etwas reparierte und sein Vater ihm seine eigenen Ideen madig machte durch Sätze wie: „Davon verstehst du doch nichts“.

Im weiteren Verlauf unseres Gespräches stellte sich heraus, dass mein Klient es aufgegeben hatte, seinem Vater Paroli zu bieten. Stattdessen verharrte er in diesem Nebel mit dem unguten Gefühl, einfach nicht gut genug zu sein.

In einer „Trance“ (einer geführten Entspannungsreise) führte ich meinen Klienten noch einmal in diese Situation mit dem Vater hinein und ließ ihn andere Lösungen finden, als im Nebel zu verharren. Er durchlebte die Situation mit seinem Vater neu und agierte nun mutiger und beharrte mehr auf seine Meinung.

Im geschützten Rahmen dieser Sitzung konnte mein Klient erleben wie er mutig für das einstand, was er für richtig hielt und brauchte. Diese schwierige Situation in seiner Kindheit konnte er dadurch „verändern“.

Wir wiederholten dieses neue, mutige und verantwortungsbewusste Verhalten, indem wir durch einige andere „vernebelte“ Situationen in seiner Vergangenheit gingen, veränderten und festigten dadurch sein neues Gefühl von Klarheit und Selbstverantwortung.

Zum Abschluss ließ ich ihn durch eine ähnliche Situation wie die Workshop-Übernahme gehen und er konnte auch hier mit mehr Klarheit sehen, was er brauchte, um einen guten Job zu machen.

Er war nun fähig im Vorfeld eines Workshops dafür zu sorgen, aus dem Nebel in die Verantwortung zu gehen und sich die Informationen zu holen, die er brauchte.

Birgit Permantier ist Diplom-Psychologin, arbeitet seit 1995 als selbständige Trainerin und als Businesscoach. Sie hat 18 Jahre Erfahrungen als Gruppenleiterin mit über 4000 Seminarteilnehmer aus allen Arbeitsgebieten und Branchen. Hier Ihre Website: www.birgit.permantier.de

 Kommentar von RKW:

„Schnellere Pferde“, hätten die Menschen geantwortet, wenn ich sie gefragt hätte, was Sie wollen“, sagte mal der Autobauer Henry Ford. Und auch Steve Jobs war überzeugt: „„Meistens wissen die Leute nicht, was sie wollen, bis man es ihnen zeigt.“

Diese Erfahrung mache ich auch in meinen Coachings. Der Klient glaubt, er habe ein Problem mit seiner Zeitorganisation, seinem Selbstwertgefühl, seiner Ausstrahlung. Aber das ist immer nur die Spitze des Eisbergs.

Das eigentliche Problem, oder anders ausgedrückt, der innere Konflikt, der zu dem Problem führt, ist dem Betreffenden immer unbewusst. Sonst könnte er ihn ja lösen.

Den Klienten dorthin zu führen, ist die hohe Kunst eines Coaches. Das unterscheidet die Coaches mit wenig Erfahrung und vielen Tools von den Coaches mit viel Erfahrung und wenig Tools. Deswegen verspreche ich auch für meine Persönlichkeitsseminare: „Wir finden die Lösung dort, wo Sie noch nie gesucht haben.“

kommentar Welche Erfahrung haben Sie als Coach oder mit einem Coach?

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Foto: © photobank.kiev.ua – Fotolia.com

Der Autor

Bloggt hier regelmäßig seit Juli 2005. Führt intensive 3-h-Online-Coachings durch.. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.