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Ist das Glas halb voll oder halb leer? Ein Interview über alltägliche Probleme unserer Wahrnehmung.

Mal eine einfache Frage: “Ist dieses Glas halb voll oder halb leer?” Die ganz Schlauen wissen natürlich sofort: “Sowohl als auch.” Und der Diplomingenieur weiß: “Das Glas ist um die Hälfte größer als es sein müsste”. Aber es geht hier nicht um Theorien, sondern um Ihre Wahrnehmung. Was sehen Sie? Oder: Wie sehen Sie das

Die Bilder in Ihrem Gehirn entscheiden, was für ein Leben Sie führen.

In diesem Blog geht es immer wieder darum, dass wir die Welt nicht direkt erkennen können. Statt dessen machen wir uns Bilder von dem, was wir in der Welt wahrnehmen. Anders ausgedrückt: Sie nehmen die Welt nicht passiv wahr wie eine Photokamera, die das abbildet, was vor der Linse ist. Sondern wir nehmen aktiv wahr.

Warum wir Wichtiges oft übersehen.

Immer wieder passiert es mir, dass ein Klient, der wöchentlich zu mir kommt, mich fragt: “Das Bild da an der Wand, das ist neu. Stimmt’s?”
Darauf sage ich: “Nein, das hängt da seit sieben Jahren.” (Das Bild ist etwa zwei auf eineinhalb Meter großl;.)
Der US-Professor Daniel Simmons hat dieses Phänomen der “Inattententional Blindness”, also Blindheit durch Unaufmerksamkeit” genauer untersucht.

Die Aufgabe ist nicht leicht aber lösbar. Auf einem 24 Sekunden langen Video passen sich drei weißl; gekleidete Basketballer einen Ball zu, dribbeln ihn dazwischen immer wieder auf den Boden. Aufgabe ist es, zu zählen, wie oft der Ball gepasst beziehungsweise geprellt ist. Dazu ist äußl;erste Konzentration ist nötig.

Die meisten Menschen lösen die Aufgabe ganz ordentlich – übersehen dabei etwas ganz Wesentliches auf dem Video.
Wollen Sie’s mal probieren?

Dann schauen Sie sich dieses Video an.

Gesprächsführung – Oder: Es kommt oft darauf an, wie man etwas sagt.

Ein Sultan hatte geträumt, er verliere alle Zähne. Gleich nach dem Erwachen fragte er einen Traumdeuter nach dem Sinn des Traumes. “Ach, welch ein Unglück, Herr!” rief dieser aus. “Jeder verlorene Zahn bedeutet den Verlust eines deiner Angehörigen!” – “Was, du frecher Kerl”, schrie der Sultan, “was wagst du mir zu sagen? Fort mit dir!”

Tut mir leid: Ihre Wahrnehmung ist nie objektiv, sondern rein subjektiv.

Als Menschen können wir nie die Wirklichkeit an sich wahrnehmen. Sondern nur unsere subjektive Wahrnehmung der Wirklichkeit. Genau genommen: Jeder Mensch konstruiert seine eigene Wirklichkeit. Im Alltag erleben wir das natürlich anders. (“Das ist doch ein Auto!”) Das ist praktisch, da diese Prozesse unbewusst ablaufen und wir uns so eine stabile Welt phantasieren.

Dass jede Wahrnehmung rein subjektiv ist, gilt als eine der zentralen Thesen des Konstruktivismus. Diese Sichtweise wird auch durch Erkenntnisse der modernen Neurobiologie gestützt.

Beispiel: Zwei Menschen sehen den gleichen Hund – doch reagieren ganz unterschiedlich auf ihn. Die eine Person ist Hundeliebhaberin, während der andere Mensch Angst bekommt, weil er schon einmal von einem Hund gebissen wurde. Hier kann man nicht sagen, der Hund macht der einen Person Angst. Der Hund ist nicht die Ursache der Angst, sondern die Weise, wie der Hund wahrgenommen bzw. interpretiert wird, ist die Ursache für die Angst.

In vielen Führungsseminaren lernen Sie Werkzeuge. Doch für die Praxis reicht das selten.

Es gibt im Grunde nur zwei Arten, Menschen zu führen:

1. Durch Anordnen, Kontrollieren und das Androhen von Konsequenzen (autoritäres Modell)
“Entweder Du führst oder Du folgst oder Du gehst aus dem Weg.” Lee Iacocca

2. Durch flexible Kommunikation Mitarbeiter zur Selbstführung einladen (kooperatives Modell)
”Wer Menschen führen will, mußl; hinter ihnen gehen.” Laotse

Beide Ansätze sind wirksam und haben ihre überzeugten Verfechter. Viele Führungskräfte bewegen sich zwischen diesen beiden Polen. Denn es geht darum, mit Menschen je nach Situation und Mitarbeiter angemessen zu handeln.

Doch viele Führungskräfte sind zu wenig beziehungsorientiert. Denn wie wir andere Menschen sehen und wie wir mit ihnen umgehen, hängt immer auch von unseren eigenen – oft unbewussten – Erfahrungen und Vorbildern ab. Letztlich wird unsere Art, wie wir andere führen, davon bestimmt, wie wir uns selbst führen. Gehen wir beispielsweise gewaltsam mit uns selbst um (Bedürfnisse ignorieren, Grenzen missachten, sich zusammenreissen etc.) scheint uns dies oft der einzige Weg, auch mit anderen Ergebnisse zu erzielen. Doch dass wir keinen anderen Weg kennen, heißl;t nicht, dass es nicht andere Wege gibt.

”Was macht man mit einem Mitarbeiter, der unmotiviert ist?” lautet eine häufige Frage in meinen Seminaren.

Die Landkarte ist nicht die Landschaft. Gott sei Dank.

Dieser Grundsatz des Konstruktivismus beschreibt ein Dilemma des Lebens. Dass wir uns nämlich nicht direkt auf die Realität beziehen können, sondern uns immer innere Bilder (Landkarten) von der Realität machen.

Landkarten sind das Modell der Welt, das wir in unserem Gehirn zusammenfügen und recht bald für die wirkliche Welt halten. Die Landkarte ist unsere Interpretation der Realität, dessen, was wir sehen, hören, fühlen, riechen und schmecken. Damit erschaffen wir unsere Möglichkeiten und im gleichen Maßl;e auch unsere Grenzen. Das heisst, während wir die Welt wahrnehmen, erschaffen wir eine Landkarte der Welt in unserem Kopf. Was wir für unsere individuelle Psyche halten, ist im wesentlichen die Landkarte der Beziehungserfahrungen unseres Lebens.

Die meiste Zeit über ist das ein sehr nützlicher Prozess. Wir erhalten mit dieser Landkarte eine vereinfachte Abbildung der Welt. Und wenn wir Glück haben, dann sind die wesentlichen Faktoren abgebildet und die anderen weggelassen, sodass wir es leichter haben, uns in dieser Umwelt zu orientieren und zu organisieren (wie zum Beispiel bei einem Stadtplan).

Probleme treten meist dann auf, wenn