Bei der Wahl des neuen Wirtschaftsministers Karl-Theodor zu Guttenberg konnte man mal wieder staunen. Wie schaffen es Menschen, sich selbstbewusst eine Aufgabe zuzutrauen, für die sie bisher kaum Erfahrung nachweisen können? Und wo die Auswahlkriterien des Vorgesetzten vor allem darin bestanden, dass man keinen anderen hatte, man jung genug war und des innerparteilichen Proporzes wegen aus Franken stammen musste.
So ein Selbstbewusstsein müsste man haben, denken sich viele.
Wie schafft man das? Wieso kann ich das nicht? Was machen so Menschen anders?
Bücher darüber, wie man Selbstbewusstsein stärken, trainieren, freilegen etc. können soll, gibt es zuhauf … Wer zu faul zum Lesen ist, kann sich auch eine DVD antun, wie zum Beispiel hier, wo Ihnen mit verschwörerischer Stimme suggeriert wird, wie einzigartig Sie doch in Wirklichkeit sind und dass Sie sich nur akzeptieren müssen …
Menschen, die in mein Seminar “Selbstbewusster im Job” kommen, kennen meist solche Tipps, haben sie auch zuweilen ausprobiert – und sind damit meist gescheitert. Oft fühlen sie sich danach noch schlechter, weil sie glauben, die Tipps aus den Büchern nicht richtig verstanden oder umgesetzt zu haben. Und der innere Kritiker sie dann zusätzlich niedermacht: “Nicht einmal die simplen Tipps aus dem Buch kannst du anwenden. Typisch!”
In meinem Seminar hoffen sie dann, Tipps und Methoden zu erfahren, die wirklich helfen, schließlich bin ich Diplompsychologe und kein Mentaltrainer, Persönlichkeitscoach und was man sich heute alles nennen kann.
In der ersten Seminarstunde muss ich die Teilnehmer immer enttäuschen. Ich weiß auch keine anderen Rezepte oder tollen Tipps, wie man sein Selbstbewusstsein stärken kann. Natürlich hilft es, sich in schwierigen Situationen gerade hinzustellen, mit fester Stimme zu sprechen, seinem Gegenüber in die Augen zu schauen und zu sagen, was man sagen will. Das wirkt selbstbewusst.
Das Problem ist nur: zu Hause vor dem Spiegel klappt das noch ganz gut, im Rollenspiel in einem entsprechendem Seminar vielleicht auch – aber in der Praxis, wenn dann Ihr Chef, ein unzufriedener Kunde oder eine redselige Kollegin vor Ihnen steht, ist meist alles weg und es fällt Ihnen schwer:
- … deutlich nein zu sagen oder sich abzugrenzen
- … die eigene Leistung gut zu verkaufen
- … klare Anweisungen zu geben
- … sich von dominant auftretenden Menschen nicht einschüchtern zu lassen
- … Kritik nicht allzu persönlich zu nehmen
- … andere in ihrem Redefluss zu unterbrechen
- … sich für Ihre Wünsche und Ziele nicht dauernd zu rechtfertigen
Wie kommt das? Was passiert da in Ihnen?
Viele Anleitungen zur Stärkung des Selbstbewusstseins greifen meiner Ansicht nach zu kurz. Sie müssen Ihr Selbstbewusstsein nicht stärken, aufbauen oder trainieren. Das geht auch gar nicht.
Hilfreicher ist es, zu untersuchen, wie Sie Ihr Selbstbewusstsein schwächen.
Sie haben richtig gelesen. Wer sich nicht selbstbewusst fühlt oder verhält, hat kein geringes Selbstbewusstsein, sondern er schwächt es regelmäßig. Und zwar durch permanente Selbstsuggestion. Da sind Sie Ihr eigener Mentaltrainer – nur eben in die andere Richtung.
Sie könnten locker auch eine DVD produzieren, wie man sich erfolgreich und nachhaltig klein macht. Nämlich mit Gedanken wie:
- “Du kannst es eben nicht!”
- Du wirst jämmerlich versagen!”
- “Die anderen werden dich gnadenlos auslachen!”
- “Wer bist du schon, dass du glaubst, du könntest das?”
- “Niemand wird dich mögen, wenn du das tust.”
Solchen Gedanken, da sie aus einem selbst kommen, ist schwer zu begegnen und diese können einen nachhaltig entmutigen und niedermachen. Das Gemeine ist: Sie machen sich nicht diese negativen Gedanken, sondern die kommen unwillkürlich und automatisch. Sie wollen das nicht, aber es passiert.
Deswegen helfen Ihnen viele Selbsthilfebücher und Trainings nicht, die Ihnen vorschlagen, einfach das Gegenteil zu denken. Die Idee klingt vernünftig, funktioniert aber in der Praxis selten.
Warum?
1. Weil persönliche Veränderung nicht über den Verstand läuft.
Sondern immer Ihre Gefühle mit einschließen muss. Und vor diesen – oft schmerzlichen – Gefühlen haben die meisten Menschen Angst.
2. Weil sich nicht selbstbewusst verhalten zu Ihrer besten Strategie geworden ist.
Richtig gelesen: Wenn Sie immer nett sind, nie nein sagen, es anderen immer recht machen wollen, keinen Konflikt wagen usw., dann kann man das auch als Ihre beste Strategie verstehen, mit schwierigen Situationen umzugehen. Nicht die beste, die man sich vorstellen kann. Aber eben Ihre beste – im Rahmen ihrer bisherigen Möglichkeiten.
Rational betrachtet wissen Sie, dass nichts Schlimmes passiert, wenn Sie die Bitte Ihres Freundes, Ihnen am Wochenende bei seinem Umzug zu helfen, abschlagen. Doch emotional kommen Sie in Bedrängnis. Und denken so etwas wie:
- er wird mich ablehnen und mich das in Zukunft spüren lassen
- er wäre enttäuscht oder verärgert und ich bin schuld
- er fände mich egoistisch und das wäre ich dann ja auch
- er würde mich beschimpfen und ich könnte mich nicht wehren
- er würde es rumerzählen und andere würden mich auch ablehnen
Diese Gedanken bei sich zu beobachten, ist enorm wichtig.
Denn sie führen Sie zu der Quelle Ihres “geringen” Selbstbewusstseins. Wenn Sie mit etwas Achtsamkeit untersuchen, woher Sie solche und ähnliche Sätze kennen, werden Sie wahrscheinlich fündig. Es sind Sätze und Beziehungserfahrungen, die Sie als Kind oder Jugendlicher öfters gehört oder erlebt haben.
Doch das alleinige Wissen, dass Ihr Bruder oder Ihre Schwester oder ein Elternteil manchmal so zu Ihnen gesprochen hat, hilft noch nicht bei der Veränderung. Sie müssen es meiner Erfahrung nach ein Stück emotional nacherleben.
Davor scheuen sich die meisten Menschen, die etwas an Ihrem Selbstbewusstsein verändern wollen. Denn die damit verbundenen Gefühle können unangenehm und schmerzlich sein. Gefühle wie Scham, Wertlosigkeit, Angst vor Neid, Ungeliebtsein, Ablehnung aber auch Ohnmacht und Wut.
Doch eine tiefe Veränderung an alten Denk- und Verhaltensmustern muss unter die Haut gehen. Mit simplen Psychotricks nach dem Motto “Denken Sie doch einfach …” geht es nicht.
Denn wenn Sie sich nicht selbstbewusst fühlen, machen Sie unbewusst etwas, was Sie verändern können: Sie übernehmen die elterlichen Botschaften aus der Vergangenheit anstatt sich heute in der Gegenwart davon abzugrenzen.
Ein Beispiel:
Einer Teilnehmerin aus dem letzten Seminar, die das verstehen und ändern wollte, empfahl ich, abends nach dem Seminar in der Heidelberger Fußgängerzone zweihundert Meter rückwärts zu laufen.
Natürlich sagte sie sofort, das könne sie nicht und das werde sie niemals tun. Ich verriet ihr auch, was dabei passieren würde, denn ich habe das Experiment selbst öfters gemacht:
80 Prozent der Passanten kriegen es gar nicht mit, dass da jemand rückwärts läuft. Zehn Prozent grinsen oder gucken verwundert. Die restlichen zehn Prozent reagieren mit einem Spruch wie “Darf ich mitlaufen?” oder “Ist das ne Werbung?” oder “Die spinnt wohl!”
Was passiert gerade bei Ihnen, wenn ich Ihnen vorschlage, das Sie heute oder morgen das mal in Ihrer Hauptstraße ausprobieren?
Sie sind vermutlich auch nicht begeistert und finden alle möglichen Gründe, warum Sie das nicht machen können, werden, brauchen. Doch wenn Sie etwas Grundlegendes in Ihrer Persönlichkeit ändern wollen, müssen Sie Ihre innere Komfortzone verlassen und etwas wagen.
Sie müssen es wagen, Ihren Gefühlen aus der Vergangenheit zu begegnen und Sie werden dabei herausfinden, dass Sie es sind, der sein Erleben kontrolliert. Nicht die Vergangenheit, nicht Ihre Stärken und Schwächen, nicht die anderen Leute. Sie sind es – mit Ihrer Bewusstheit.
Der Seminarteilnehmerin für Ihr Rückwärts-Experiment sagte ich nämlich noch Folgendes:
“Du und ich wissen, dass im Außen nichts Schlimmes passieren wird. (Igorieren, Grinsen, Sprüche). Das Schlimme passiert in Dir innen. Du denkst, die anderen finden Dich doof, lehnen dich ab. Aber Du kennst niemanden in dieser Stadt. Sie können Dir egal sein.
Deine Angst entsteht in dem Moment, wo Du auf Ihre Meinung Wert legst. Wo Du Dich innerlich mit Ihnen verbindest und Dich mit ihren Augen siehst. Wo du Dich innerlich nicht abgrenzt. Bleib die zweihundert Meter ganz bei Dir.”
Am anderen Morgen berichtete die Teilnehmerin ganz stolz von ihren Erfahrungen. Sie hatte es ausprobiert. Anfangs schaute sie nur auf den Boden, um bei sich zu bleiben, nach fünfzig Metern wagte sie hochzuschauen. (Die meisten Passanten bemerkten sie gar nicht, einige grinsten, einige machten einen Spruch.) Die letzten hundert Meter probierte sie aus, etwas Ungewöhnliches für sich zu tun und sich innerlich von der Meinung anderer unabhängig zu machen.
In meinen Seminaren arbeite ich normalerweise nicht mit solchen Übungen. Es geht darin viel mehr um die innere Auseinandersetzung mit den vergifteten und destruktiven Botschaften, die man als Kind gehört hat und so verinnerlicht hat, dass man mittlerweile als Erwachsener selbst überzeugt ist, dass sie stimmen.
Wenn Sie mit Ihrem Selbstbewusstsein auch nicht zufrieden sind und daran etwas ändern wollen, kann dieses Seminar Sie wirkungsvoll unterstützen: Lesen Sie hier mehr …
Oder lesen Sie, wie Teilnehmer dieses Seminar erlebt und bewertet haben.
PS: Übrigens, am 27. September sind Bundestagswahlen. Danach werden etliche Ministerposten wieder neu besetzt. Vielleicht hätten Sie ja auch Chancen.
Diesen Beitrag können Sie sich hier auch anhören:
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
Woraus beziehen Sie Ihr Selbstbewusstsein?
Oder verraten Sie Ihre bewährten Tipps für ein geringes Selbstbewusstsein.
Schreiben Sie hier Ihre Meinung dazu.
PS: Wenn Ihnen dieser Beitrag gefiel …… dann empfehlen Sie ihn doch weiter. Einfach hier unten auf “Weitersagen” klicken.
… oder schreiben Sie einen Kommentar.
… oder abonnieren Sie neue Beiträge per Email. Einfach links Adresse bei
eintragen.
Fotos: © Gernot Krautberger u. Kirsty Pargeter – Fotolia.com

Lese ich später!


(1079 Kommentare) wrote:
Hallo,
ich denke, mein Artikel gilt in begrenztem Maß auch für Jugendliche. Kein Baby kommt mit einem schwachen Selbstwertgefühl auf die Welt. Es sind die Beziehungserfahrungen der ersten zehn Jahre, die hier entscheiden. Dennoch lässt sich auch später etwas daran ändern.
An Kursen für Ihre Zielgruppe von Jugendlichen kenne ich nur dieses hier …
Viel Erfolg und danke für Ihren Kommentar.
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0
(1 Kommentar) wrote:
Ich habe mit Interesse Ihren Bericht gelesen. Ich bin daran mich mit dem Thema: Vorbereitung auf die Berufswelt für Jugendliche, vorzubereiten. Das Paket: schulische Lücken schliessen, Hilfe bei der Lehrstellensuche und Stärkung der Persönlichkeit, möchten wir gerne als Kurs anbieten. Gelten ihre Ausführungen auch für Jugendliche oder nur für Erwachsene? Wie stärkt man das Selbstwertgefühl von Teenagern, die in die Berufswelt einsteigen und plötzlich stark sein sollen? Ihr Bericht hat mir gezeigt, dass es eben nicht so einfach ist. Was würden Sie mir empfehlen? Gibt es dafür Kurs-Beispiele?
Vielen Dank für Ihre Antwort.
Freundliche Grüsse
Karin Viscardi
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0
(1079 Kommentare) wrote:
Ja, das kann eine gute Methode sein, sich abzugrenzen. Aber nicht jedes Feedback ist nur eine Aussage über den Feedbackgeber. Frei nach dem Motto: “Wenn du denkst, du bist ein Löwe und alle Leute geben dir nur Erdnüsse – sollte dich das nachdenklich machen.”
Danke für Ihren Beitrag.
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
1
(1 Kommentar) wrote:
Mich abwertende Handlungsweisen (z.B. Kommentare) anderer Menschen nehme ich als das, was sie in der – meiner – Realität sind: Aussagen über sie selbst. Frei nach dem Motto “selber doof”. Das hat schon auf dem Schulpausenhof gut funktioniert.
Das gilt umgekehrt auch für positive Kommentare, die ich dann als Einladung zum Kennenlernen dieser Person begreife.
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
1
0
(2 Kommentare) wrote:
vielen dank für ihre anrwort. aber sie denkt zum beispiel dass wenn ihr freund eine andere sieht dass sie dann nicht mehr gut genug ist obwohl sie schon längere zeit zusammen sind. verstehen sie was ich sagen möchte. kann mann da gar nichts tun? freundliche grüsse seraina
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0
(1079 Kommentare) wrote:
Hallo Seraina,
in so einer Sache können Sie jemand Anderem nur schwer helfen. Die Person muss selbst herausfinden, wie sie das macht, dass sie sich verunsichert. Die meisten Menschen machen dies durch den Vergleich mit anderen, bei dem sie dann schlecht abschneiden. Selbst wenn man das objektiv ganz anders sieht, ist derjenige aber überzeugt, dass er schlechter abschneidet. Deshalb kann man das jemandem nicht ausreden.
Das Beste, was Sie tun können, ist, denjenigen zu mögen und zu akzeptieren, wie er ist.
Danke für Ihre Frage.
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0
(2 Kommentare) wrote:
guten tag, ich hätte da mal eine frage. und zwar wollt ich mal wissen wie ich einer person helfen kann sich selbst sicherer zu fühlen? es ist nicht so dass sie schüchern ist, aber ich denke sie hat so ein gefühl das es frauen gibt die besser sind als sie selbst. gerne würd ich ihr helfen sich selbst sicherer zu fühlen nur weiss ich nicht genau wie… können sie mir helfen? ich freue mich über ihre antwort…:-)
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0
(1 Kommentar) wrote:
Einerseits interessant, aber ich finde es ist der falsche Ansatz Leuten zu sagen sie sollen sich nicht drum kümmern was andere denken, denn genau das stammt ja von einem geringen Selbstwertgefühl/Selbstbewusstsein, wenn man sich selbst mag, kümmert man sich automatisch nicht unnötig um sowas, also lieber direkt da ansetzen, meine Meinung
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0
(2 Kommentare) wrote:
Habe gerade beim Googlen diesen Blog entdeckt – klingt sehr spannend!
Ich habe mich auch schon viel mit dem Thema Selbstbewusstsein und Selbstwert auseinandergesetzt und Bücher gelesen, deren Tipps ich dann doch wieder nicht umsetzen konnte – ich werde mal versuchen ein bisschen näher zu beschreiben worum es mir geht, vielleicht hat ja jemand ein paar interessante Anregungen für mich…
Ich würde mich selbst als sehr offenen und kommunikativen Menschen bezeichnen und vielleicht liegt gerade da das Problem?! Ich kann mich sehr schlecht von anderen abgrenzen und reagiere auf Kritik (zumindest ich fasse es als Kritik auf) sehr persönlich – egal ob diese aus meinem privaten Umfeld kommt oder von Personen, die ich kaum kenne und auf deren Meinung ich keinen Wert legen “sollte”.
In der Familie und im Freundeskreis stehe ich in Diskussionen zwar stets zu dem was ich sage, doch wenn jemand auf meiner Meinung “herumhackt”, fühle ich mich im Anschluss schlecht und verletzt. Gegenüber “Autoritätspersonen” traue ich mich hingegen oft nicht einmal meine Meinung zu vertreten, weil diese ja falsch sein könnte….
Besonders sensibel reagiere ich auf die Frage was ich studiere bzw. arbeite, weil ich Angst davor habe, dass es mein Gegenüber 1. nicht wirklich interessiert und dass es 2. den Wert dessen nicht realisiert, anerkennt und schätzt. Zudem habe ich oft das Gefühl, dass das was ich sage nicht richtig verstanden wird…
Wenn ich mit dem Ablauf eines Gesprächs unzufrieden bin, drehen sich meine Gedanken oft noch stundenlang um ein und denselben Dialog – auch wenn ich das selbst oft als lächerlich empfinde. Interessant ist auch, dass mir von meinem Umfeld schon ein paar mal gesagt wurde, dass ich bei bestimmten Gespräch von Beginn an in eine Defensivposition verfalle und mich zu verteidigen versuche…das geht dann schon bei der Frage “Was studierst du?” los…
Desöfteren frage ich mich, ob mein “Ringen um Anerkennung” (als solches sehe ich es?!) vielleicht auch mit meiner familiären Postition als Nachzüglerin zusammenhängt?! Für meine fast zehn Jahre älteren Geschwister war ich jahrelang nur “die Kleine”, die dies und das noch nicht kann…auch wenn sich die Situation in der Zwischenzeit völlig verändert hat
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0
(1079 Kommentare) wrote:
Hallo Tom,
ich denke, Ihre Symptome haben etwas mit der Angst vor Konflikten und vor Ablehnung zu tun. Meist kommen solche Ängste asu Beziehungserfahrungen, die weit zurückliegen und deshalb einem meist nicht direkt erinnerlich sind.
Sie können trotzdem aber mal nachspüren, was Ihnen zu diesem Thema einfällt. Also, welche Erfahrungen Sie in Ihrer Herkunftsfamilie zu diesen Themen gemacht haben. Wenn AT nicht hilft, ist es vielleicht sinnvoll, sich professionelle Unterstüztung in Form einer Therapie oder eines entsprechenden Seminars zu holen.
Danke für Ihren Kommentar.
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0
(2 Kommentare) wrote:
Bevor ich mich meinem Problem widme, erst einmal vielen Dank fuer diesen spannenden Blog.
Ich halte mich persönlich fuer einen selbstbewussten Menschen, ansonsten wäreich zu den Sachen, die ich in den letzen Jahren gemacht habe, gar nicht fähig gewesen. Dieses Selbstbewustsein ist allerdings schlagartig weg, wenn ich beispielsweise Menschen in meinem Umfeld meine Meinung sagen oder Vorwürfe machen muss. Mein Gegenueber merkt sofort (egal ob am Telefon oder im direkten Gespräch), dass ich mich nicht wohl fühle, da man es sofort an meiner Stimme und einer Art zittern erkennt.
Mittlerweile nervt mich das ganz schön, vor allem wenn es mit dem Job zu tun hat. Ich dachte immer, wenn ich mich mehr und mehr in solche Situationen bringe, dann werd ich mich schon dran gewöhnen, aber irgendwie klappt das nicht so ganz. Im Augenblick beschäftige ich mich viel mit Autogenem Training. Kennt hier irgend jemand diese Symptome und weiss, was dagegen zu tun ist bzw. wie Ihr damit umgeht?
vg
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0
(1 Kommentar) wrote:
In der Schule waren oft die Schueler im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, die schlechter waren, die Probleme hatten, die kaempfen mussten. Es ist in der Tat so, dass den Leuten mit weniger Selbstbewusstsein mehr Aufmerksamkeit gegeben wurde und die mit gutem Selbstbewusstsein (‘Ich schaffe das natuerlich, warum denn nicht’) als Streber abgetan wurden.
Vielleicht keine Erklaerung, aber symptomatisch. Jedenfalls vielen Dank fuer den Artikel, deckt sich ein wenig mit eigenen Beobachtungen. Mangelndes Selbstbewusstsein kommt (auch) aus der Angst vor zurueckweisung und kann wohl ‘Strategie’ sein.
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0
(1079 Kommentare) wrote:
Hallo Samuel,
Sie merken es daran, dass es Ihnen nach einer Weile, wenn Sie mit so einem Freund zusammen sind, schlechter geht. Dass Sie sich kleiner fühlen, minderwertiger. Das kann ganz offen passieren oder sehr subtil. Aber mit Sicherheit machen Ihre Freunde etwas. Abfällige Bemerkungen, zynische oder ironische Kommentare.
Aber Sie machen auch etwas. Sie wehren sich nicht oder nicht deutlich genug. Damit einen jemand klein machen kann, gehören zwei dazu. Dabei hilft einem der eigene Ärger, den man spürt. Den darf man sich aber nicht ausreden (Der meint es doch nicht so… ist doch mein Freund). Wehren heißt, dass Sie eine Grenze ziehen, zu dem, was Ihnen nicht passt.
Solche Grenzen sollten Sie so früh wie nötig ziehen. Dann können Sie es in der Wortwahl und im Ton noch einigermaßen ruhig vorbringen. Eine gute Formulierung ist zum Beispiel: “Es fängt an, mich zu stören, wenn du x machst. Ich mag das nicht.”
Freut mich, dass Ihnen mein Blog gefällt. Danke für Ihren Beitrag.
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0
(1 Kommentar) wrote:
Also ich finde diesen Blog super.
Ich bin ein Mensch, der ziemlich wenig selbstbewusstsein hat, obwohl ich nicht dumm bin. Mein Problem ist, dass ich ziemlich offen bin und mein gegenüber ziemlich schnell rausfinden, kann wie er mich klein kriegt. Da es mir ständig passiert, sogar von guten Freunden ( ich denke, die sind oft neidisch, wenn ich mal viel selbsbewusst werde), habe ich im leben ziemlich wenig selbstbewusstsein gehabt.
Wenn ich mal das hatte, war das meinen Freunden immer nicht rech,t und die haben mich ziemlich schnell wieder runter gekriegt. Da habe ich eine Frage an alle: wie behält man sein Selbstbewusstsein, wenn der beste Freund versucht, einen klein zu machen, und wie merke ich, ob er es gut meint oder ob der neidisch auf meine gestärkte Persönlichkeit ist??????????
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0
(1079 Kommentare) wrote:
Hallo Jörg,
über die Einflüsse, die zu einem geringen Selbstwertgefühl führen können, bin ich mit Ihnen einig. Wichtig ist auch das regelmäßige positive Bestärken. Ob dies allein mit Techniken wie Reframing etc. klappt oder ob es nicht letztlich “korrigierende Erfahrungen” sein müssen, die man in einer längeren Beziehung macht (ob privat oder professionell) wage ich zu bezweifeln.
Danke für Ihren Kommentar.
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0
(1 Kommentar) wrote:
Meiner Erfahrung nach gibt es 3 Hauptursachen für mangelndes Selbstbewußtsein.
1. Man bringt es schon in dieses Leben mit. Das habe ich an Kindern beobachtet, die nicht vorbelastet waren.
2. Erlebte Traumata. Z.B. heftige Reaktionen der Eltern, Lehrer oder Mitschüler. Das können auslachen, anschreien, schlagen, ignorieren oder Liebesentzug sein. Daraus werden dann oft Einstellungen abgeleitet. Z.B.: “Ich bin nicht liebenswert”, “Ich bin dumm”, “Ich kann die Erwartungen nicht erfüllen”, “Ich bin anders” usw.
3. Sich mit anderen vergleichen. Dabei spielt es keine Rolle in welche Richtung man vorgeht. “Die andere Person kann das besser als ich” oder “Ich kann das besser als jemand anderes” ist beides nicht hilfreich.
zu 1. Hier braucht man Geduld. Durch regelmäßiges positives Bestärken und Talentförderung kann man gute Erfolge erzielen.
zu 2. Hier kann man z.B. durch Reframing (NLP) oder Vergebung das traumatische Erlebnis auflösen.
zu 3. Die Einstellung aus der Transaktionsanalyse “Ich bin o.k. – Du bist o.k.” hilft, sich dieses Muster abzugewöhnen. Auch hier ist ständiges Erinnern und Anwenden nötig.
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0
(1079 Kommentare) wrote:
Hallo Oliver,
Psychotherapie ist der Oberbegriff für viele Verfahren. Verhaltenstherapie ist eine Methode. Psychoanalyse oder tiefenpsychologisch fundierte Therapie sind zwei andere – von den Krankenkassen anerkannte Verfahren. Aber es gibt viele andere (systemische Therapie, Familientherapie, Hypnosetherapie u.a.)
Welches Verfahren am besten kann man nicht sagen, es ist wie in vielen Bereichen mehr eine Glaubens- und Erfahrenssache. Viele Methoden helfen aber nicht bei jedem. Untersuchungen zeigen, dass vor allem die Beziehung zwischen Therapeut/in und Klient/in der entscheidende Wirkfaktor ist – jenseits der Methode. In der Verhaltenstherapie wird neues Verhalten mehr eingeübt, für die Ursachen interessiert man sich weniger. Das ist bei Ängsten zum Beispiel oft erfolgreich.
Kinder bringen schon ab der Geburt viel Eigenes mit. Sie sind keine “tabula rasa”, die nur von den Eltern beeinflusst werden. Deshalb entwickeln sich Geschwister oft unterscheidlich, obwohl sie die gleichen Eltern haben. Das hat einerseits mit der Geschwisterposition zu tun und vor allem da mit, weil Eltern ihre Kinder nie gleich behandeln. Ein Mädchen wird anders gesehen und erzogen als ein Junge. Der älteste Bruder wird anders erzogen als der jüngste.
Veränderung muss immer die Gefühle miteinbeziehen, das wird in vielen Veränderungsansätzen nicht genügend berücksichtigt. Das kann auch über Bilder und Vorstellungen geschehen, weil das Gehirn mehr in Bildern “denkt” als in abstrakten Begriffen. Mit “Selbstbewusstsein” kann das Gehirn nichts anfangen. Sich bildlich vorzustellen, dass man sich gerade hinstellt und mit fester Stimme spricht schon mehr.
Danke für Ihren Kommentar und Ihre Anerkennung meiner Blog-Aktivitäten.
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0
(1 Kommentar) wrote:
Danke für diesen sehr spannenden Blog!
Ich finde das sehr überzeugend, was Sie da sagen, dass man sein Selbstbewusstsein nicht einfach über den Verstand verändern kann, denn Gefühle entspringen ja dem Unterbewusstsein – und was ist Selbstbewusstsein anderes als ein Gefühl?
Ich denke, dass selbstbewusste Menschen sich nicht bewusst eingeredet haben, “ich bin wertvoll”, sondern dass das im Grunde ein eher “vages” aber starkes Gefühl ist. Und genauso wie ein Bild mehr sagt als 1000 Worte, so ist auch ein Gefühl mehr als 1000 Worte. Aber genau dieses Gefühl können Selbsthilfebücher ja gar nicht vermitteln, denn sie appellieren ja nur an den Verstand.
Ich habe schon viele Selbsthilfebücher durchgelesen, einige mit mehr esoterischem Charakter haben mich genervt, andere aber auch völlig überzeugt – aber wohl eben nur auf Verstandesebene, sonst hätte ich wohl nicht das Gefühl, dass mein eher geringes Selbstbewusstsein über die Jahre sich kaum gebessert hat. Irgendwie hab ich keine Lust mehr, weitere Selbsthilfebücher zu lesen, da ja prinzipiell überall ähnliches drinsteht. Ich möchte endlich TATSÄCHLICH etwas ändern.
Nun hab ich gelesen, dass es einen Unterschied gibt zwischen Psychotherapie und Verhaltenstherapie. Während man bei der Psychotherapie in der Vergangenheit “herumgräbt”, ist die Verhaltenstherapie gegenwartsorientiert. Ist Verhaltenstherapie nicht wirkungsvoller? Ich meine, wenn mir jetzt ein Psychologe sagt, meine Eltern und Schulkameraden hätten mich des öfteren getriezt oder ausgelacht, dann ist das ja gut zu wissen, aber soll ich deswegen jetzt meinen Eltern Vorwürfe dafür machen, zB dass mich meine Mutter “zu sehr verhätschelt” hat? Das wäre doch nur eine Ausrede und ich würde weiter eine “Opferrolle” spielen, so als wäre ich nicht selbst für mich verantwortlich.
Außerdem wundert es mich dann, dass sich meine Schwester zu einem wesentlich kontaktfreudigeren und selbstbewussteren Menschen entwickelt hat, wo sie doch von den gleichen Eltern aufgezogen wurde und ich das Gefühl habe, dass meine Eltern uns gleich gut behandelt haben. Wenn wir beide die gleichen Situationen unterschiedlich bewertet haben – ich sie also negativer für mich bewertet habe, woran liegt das dann? Ist meine Schwester von “Natur” aus optimistischer? Oder war es reine Glückssache, dass sie bestimmte Situationen postitiver beurteilt hat?
Dann ist es doch besser “auf die harte Tour”, also durch Verhaltentherapie zu neuem Verhalten gezwungen sein, oder? Ich würde gern mal bei einem Theaterstück mitmachen, das wäre aber auch etwas, wovor ich ziemlich viel Angst habe! Aber vielleicht liegt ja auch dort, wo die größte Angst ist, auch der größte Gewinn im Leben. Heißt Wachstum nicht eigentlich, eine “Angsthürde” nach der anderen zu überwinden?
P.S. Sich einzureden, “ich bin selbstbewusst” bringt wohl nicht viel, wie ist es aber, sich bestimmte Szenarien vorzustellen, wo man sich dann so verhält, wie man das schon immer wollte? Haben solche “Bilder” bzw. “Filme” nicht eine größere Wirkung auf das Unterbewusstsein als bloße, abstrakte Worte?
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0
(4 Kommentare) wrote:
Danke für die Fragestellung!
Nein, diese Menschen in meinem privaten und beruflichen Umfeld warten ja alle auf den Moment, wo ich endlich mal zeige, was ich kann, weil sie unerschütterlich von meinen Qualitäten überzeugt sind.
Es ist meine (erst im Erwachsenenalter aufgekommene Angst), dabei ertappt zu werden, etwas schlechter zu können, als ich versprochen habe – also sozusagen als “Blender” ertappt zu werden – die mich regelmäßig nach den ersten paar Schritten aufgeben lässt.
Und dass der Ex-Partner aus den 90er Jahren, der mir genau diesen Blödsinn eingeredet hat (dass ich meine Erfolge gar nicht verdient hätte und eigentlich total unfähig auf meinem Gebiet sei) sich IMMER noch auf mein Selbstbewusstsein auswirkt, daran will ich gar nicht denken…
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0
(1079 Kommentare) wrote:
Hallo Anja,
in meinen Persönlichkeitsseminaren betrachten wir derlei “Symptome” wie “chronisch unter ihrem Potenzial leben” als Lösungsversuch für einen inneren, unbewussten Konflikt. Das heißt, Sie können untersuchen, welche Ängste Sie damit verbinden, wenn Sie Ihr Potenzial voll ausschöpfen würden.
Stellen Sie sich einfach vor, in einem halben Jahr würde Ihr Partner, Ihre Eltern, Ihre Freunden und Bekannten, Ihr Chef, Ihre Kollegen etc. mitkriegen, dass Sie die besten Ideen in Ihrer Firma haben, den meisten Umsatz generieren etc. Eben, all das, was passieren könnte, wenn Sie Ihr volles Potenzial leben würden. Und beobachten Sie Ihre Gedanken und Gefühle dazu.
Meine Erfahrung zu dem Thema ist, dass Menschen, die Angst haben, ihr Potenzial voll auszuschöpfen und das dann auch sichtbar werden würde, den Neid anderer Menschen befürchten.
Danke für Ihren Kommentar.
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0
(4 Kommentare) wrote:
Haben Sie auch Tipps für Menschen wie mich, die nicht die geringsten Hemmungen hätten, rückwärts durch die Fußgängerzone oder die Straße wo sie wohnen zu laufen, aber im beruflichen Bereich selbstbewusstseinsbedingt chronisch unter ihrem Potenzial leben? Rückwärts durch die Firma eines wichtigen Kunden laufen und dabei ganz präsent mit den eigenen Unsicherheiten sein?
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0
(1 Kommentar) wrote:
Sie haben einfach eine tollen Blog!!!
Man kann gar nicht mehr aufhören darin zu stöbern.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag !
MfG,
Stephanie Merle
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0
(2 Kommentare) wrote:
@Christian, ich denke auch, dass man an sich arbeiten muss, um sein Selbstbewusstsein zu stärken, und sicher geben einige Menschen auf und gehen einen leichteren Weg. Aber es ist auch nicht immer einfach, ein “gesundes” Selbstbewusstsein zu entwickeln! Wie viele Menschen gibt es, die ein wenig über das Ziel hinaus schießen und nicht selten aus eben dem fehlen des “echten” Selbstbewusstseins einen einsameren Weg des Egoismus beschreiten.
Ich denke, dass Selbstbewusstsein auch durch positive Motivation von Freunden und Familie erwachsen und gefördert werden kann. Jeder der sich Mühe gibt an sich selbst arbeiten zu wollen, verdient respekt, wenn er den nun auch noch zusätzlich bekommt, wird ihm automatisch auf seinem Weg geholfen.
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0
(4 Kommentare) wrote:
Ich sehe das ähnlich wie Yvonne, nur ich sitze hier mit innerer Größe und geh bestimmt nicht in den Sandkasten
Selbstbewusstsein kann man nicht trainieren, aber sich entwickeln lassen. Dazu sollte man erstmal ausser acht lassen, was andere Menschen von einem denken. Das ist wie bei dem Schulkind, dem der Lehrer über die Schulter schaut, plötzlich sind alle Gedanken weg, und es denkt nur noch an den Lehrer im Nacken.
Ich denke das jeder Mensch als sehr selbstbewusst zur Welt kommt, aber er hatte irgendwann ein Erlebnis, das sein Selbstbewusstsein gedrückt hat. Aber man kann es wieder an’s Licht holen.
LG Andrea
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0
(1079 Kommentare) wrote:
Hallo Christian,
haben Sie ein paar Tipps, wie Sie sich Selbstbewusstsein antrainiert haben?
Die Leser dieses Blogs sind bestimmt neugierig und dankbar.
Danke für ihren Kommentar.
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0
(9 Kommentare) wrote:
Selbstbewusstsein kommt meiner Meinung nach nicht von alleine. Man muss sich das hart erarbeiten, aber wenn man an sich selbst glaubt und einfach ein paar ganz klare Regeln befolgt, dann ist das gar nicht mehr so schwierig wie viele meinen. Ich glaube nämlich, dass jeder sich etwas mehr Selbstbewusstsein antrainieren kann wenn er das möchte. Die Leute wollen aber das oft nicht, weil es eben mit etwas Aufwand und Arbeit zu tun hat. Und dann geben sie lieber auf. Und das finde ich wirklich sehr schade.
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0
(1079 Kommentare) wrote:
Hallo Yvonne,
danke für Ihren schönen, lesenswerten Kommentar, in dem Sie einige wertvolle Anmerkungen machen. Man sieht, “Selbstbewusstsein” ist einmal nicht so leicht zu definieren und daher auch nicht einfach zu trainieren.
Meist klagen ja Menschen über ihr geringes Selbstbewusstsein, dass Sie sich geegen andere nicht so durchsetzen können. Doch wie Sie schön schreiben, steckt manchmal auch Angst dahinter. Bei Hunden nenn man das “Angstbeißer”.
Sich seiner bewusst zu werden, kann man tatsächlich öfters üben und das halte ich auch für wichtig. Vor allem dann, wenn man ganz in einer Rolle aufgeht, was ja manchmal notwendig ist. Aber allzuleicht vergißt man dann, wer man “eigentlich” ist.
In Ihrem letzten Absatz finde ich, dass Sie die Leser dieses Blogs idealisieren, also auf ein zu hohes Podest stellen. Und Sie sich dadurch unnötig abwerten.
Wie gesagt, ich fand Ihren Kommentar sehr gut und bereichernd.
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0
(11 Kommentare) wrote:
Mir fiel beim Lesen spontan ein: SelbstBEWUSSTSEIN MUSS man sogar trainieren bzw. üben. Und dabei kann man dann vielleicht, wenn man möchte, herausfinden, welchen SelbstWERT man sich beimisst. (Wobei sich mir die Frage stellt: Wer misst da wem, welchen Wert bei?) Was ich sagen möchte: 1. Sich selbst bewusst werden. 2. Sich dann vielleicht darüber erschrecken, was man für eine Meinung von sich hat bzw. wie man in manchen Situationen mit sich selber spricht. 3. Hadern, warum ich mir denn überhaupt meiner bewußt werden musste. Weil, jetzt müssen 4. Änderungen erfolgen. 5. Und daraus ergibt sich vielleicht eine ganz andere Art des Selbstbewußtseins, als man sie sich vorgestellt hat…
Ich glaube übrigens, dass manche Menschen, die nach aussen so selbstbewusst scheinen, eher unbewusst sind und geblendet von ihrem (übersteigerten?) Selbstwertgefühl.
Angst sieht übrigens auch manchmal wie Selbstbewusstsein aus. Bzw. kontraphobisches Verhalten. Angst setzt so viel Energie frei, dass Angstbekämpfung, also Zähne zeigen, Verteidigung auch wie Selbstbewußtsein/-wertgefühl wirken.
Meine Erfahrung zum Selbstbewusstsein: Je doller man sich für etwas Geleistetes, für eine Bewunderung, für “Mann hab ich mich da toll gefühlt” auf die Schulter klopft, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass man sich an einer Illusion festgehalten hat und ganz bald desillusioniert wird.
Für mich ist Selbstbewusstsein eher etwas Leises. Das hat mehr mit wahrnehmen, sich spüren, in Verbindung mit sich sein, “erkennen” was gerade ist etc. zu tun. Das muss nach außen gar nicht so deutlich sichtbar sein. Das ist eher wichtig für mich. Mir bewusst zu sein, wo ich gerade bin, was gerade läuft – spüren – Impulse kriegen – reagieren. Sich darauf verlassen können und verlassen.
Dieses nach außen gerichtete Selbstbewußtsein nehme ich an mir oft war, wenn ich alles Störende ausschalte und/oder niedertrampele. Doppelter Espresso am Morgen, Dusche, chick anziehen und dem Tag die Stirn bieten, Projekte durchboxen. Das sieht zwar nach außen extrem taff aus, aber nach solch einem Tag, frage ich mich, wo ICH eigentlich die ganze Zeit war. ICH war nämlich gar nicht bewußt, sondern bin wie ein Duracel-Hase durch den busy Day gehoppelt. Und das fühlt sich ganz schön leer an.
Selbstbewusstsein heißt also auch FÜLLE. Aus der Fülle in sich leben. Diese spüren und nach außen zeigen. Alle Anteile sind in Kontakt und treffen gemeinsame Entscheidungen. Und das ist es, glaube ich, was andere auch im Außen sehen. Da ist jemand EINS mit sich. Und daraus resultiert Selbstwertgefühl. Kein Anteil mehr, der abgespalten ist und keinesfalls gesehen werden darf, keine dunkeln Ecken und Geheimwinkel, sondern überall ist Licht, jeder wurde gesehen, gehört und integriert. Das kann man auch nicht spielen oder “vorgeben”, das leuchtet von ganz allein aus dem Inneren.
Wie fühlt sich eigentlich mein Selbstwert an, jetzt nachdem ich diesen Kommentar geschrieben habe???? — …ganz schön unsicher, ob die ganzen gelehrten, schlauen Menschen hier in dem Forum nicht über meine Gedanken lachen … (Selbstwert an Yvonne: “ALLE anderen sind nämlich viel gebildeter, schlauer und eloquenter als Du! Und DIE dürfen hier schreiben. Geh Du mal und spiel im Sandkasten!”) Danke für das Real-Time-Experiment.
Wie gefällt Ihnen der Kommentar?
0
0