Selbstbewusstsein kann man nicht trainieren. Aber was dann?

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B ei den Auftritten von Donald Trump kann man sich entweder entrüstet abwenden oder auch mit großen Augen staunen. Wie schaffen es die Dobrindts dieser Welt, sich selbstbewusst eine Aufgabe zuzutrauen, für die sie bisher kaum Erfahrung nachweisen können? Und dann die Chuzpe zu haben, auch Misserfolge so zu verkaufen, dass man nicht weiß, ob Bewundern oder Fremdschämen die angemessenere Reaktion ist.

So ein Selbstbewusstsein müsste man haben, denken sich viele.

Wie schafft man das? Wieso kann ich das nicht? Was machen solche Menschen anders?

Bücher darüber, wie man Selbstbewusstsein stärken, trainieren, freilegen etc. können soll, gibt es zuhauf … Die Tipps sind meistens gut gemeint: Du musst dich auf deine Stärken konzentrieren … akzeptier dich, wie du bist … hör auf, dich runterzumachen … grenz dich ab, die anderen können dir egal sein … sag zu deinen negativen Gedanken einfach „Stop!“

Menschen, die in mein Seminar „Selbstbewusst im Job“ kommen, kennen solche Tipps, haben sie auch zuweilen ausprobiert – und sind damit meist gescheitert. Oft fühlen sie sich danach noch schlechter, weil sie glauben, die Tipps aus den Büchern nicht richtig verstanden oder umgesetzt zu haben. Und der innere Kritiker sie dann zusätzlich niedermacht: „Nicht einmal die simplen Tipps aus dem Buch kannst du anwenden. Typisch!“

In meinem Seminar hoffen sie dann, Tipps und Methoden zu erfahren, die wirklich helfen, schließlich bin ich Diplompsychologe und kein Mentaltrainer, Persönlichkeitscoach und was man sich heute alles nennen kann.

In der ersten Seminarstunde muss ich die Teilnehmer dann immer enttäuschen.

Ich weiß auch keine anderen Rezepte oder tollen Tipps, wie man sein Selbstbewusstsein stärken kann. Natürlich hilft es, sich in schwierigen Situationen gerade hinzustellen, mit fester Stimme zu sprechen, seinem Gegenüber in die Augen zu schauen und zu sagen, was man sagen will. Das wirkt selbstbewusst.

Das Problem ist nur: zu Hause vor dem Spiegel klappt das noch ganz gut, im Rollenspiel in einem entsprechendem Seminar vielleicht auch – aber in der Praxis, wenn dann Ihr Chef, ein unzufriedener Kunde oder eine redselige Kollegin vor Ihnen steht, ist meist alles weg und es fällt Ihnen schwer:

  • … deutlich nein zu sagen oder sich abzugrenzen
  • … die eigene Leistung gut zu verkaufen
  • … klare Anweisungen zu geben
  • … sich von dominant auftretenden Menschen nicht einschüchtern zu lassen
  • … Kritik nicht allzu persönlich zu nehmen
  • … andere in ihrem Redefluss zu unterbrechen
  • … sich für Ihre Wünsche und Ziele nicht dauernd zu rechtfertigen.

Wie kommt das? Was passiert da in Ihnen?

selbstbewusstsein training seminar -xs-a-ljupco-smokovski-fotoliaViele Anleitungen zur Stärkung des Selbstbewusstseins greifen meiner Ansicht nach zu kurz. Sie müssen Ihr Selbstbewusstsein nicht stärken, aufbauen oder trainieren. Das geht auch gar nicht.

Hilfreicher ist es, zu untersuchen, wie Sie Ihr Selbstbewusstsein schwächen.

Sie haben richtig gelesen. Wer sich nicht selbstbewusst fühlt oder verhält, hat kein geringes Selbstbewusstsein, sondern er schwächt es regelmäßig. Und zwar durch permanente Selbstsuggestion. Da sind Sie Ihr eigener Mentaltrainer – nur eben in die andere Richtung.

Sie könnten locker auch eine DVD produzieren, wie man sich erfolgreich und nachhaltig klein macht. Nämlich mit Gedanken wie:

  • „Du kannst es eben nicht!“
  • Du wirst jämmerlich versagen!“
  • „Die anderen werden dich gnadenlos auslachen!“
  • „Wer bist du schon, dass du glaubst, du könntest das?“
  • „Niemand wird dich mögen, wenn du das tust.“

Solchen Gedanken, da sie ja aus einem selbst kommen, ist schwer zu begegnen und sie können einen nachhaltig entmutigen und niedermachen. Das Gemeine ist:  Sie machen sich nicht diese negativen Gedanken, sondern die kommen unwillkürlich und automatisch. Sie wollen das nicht, aber es passiert.

Deswegen helfen Ihnen viele Selbsthilfebücher und Trainings nicht, die Ihnen vorschlagen, einfach das Gegenteil zu denken. Die Idee klingt vernünftig, funktioniert aber in der Praxis selten.

Warum?

1. Weil persönliche Veränderung nicht über den Verstand läuft.
Sondern immer Ihre Gefühle mit einschließen muss. Und vor diesen – oft schmerzlichen – Gefühlen haben die meisten Menschen Angst.

2. Weil sich nicht selbstbewusst verhalten zu Ihrer besten Strategie geworden ist.
Richtig gelesen: Wenn Sie immer nett sind, nie nein sagen, es anderen immer recht machen wollen, keinen Konflikt wagen usw., dann kann man das auch als Ihre beste Strategie verstehen, mit schwierigen Situationen umzugehen. Nicht die beste, die man sich vorstellen kann. Aber eben Ihre beste – im Rahmen ihrer bisherigen Möglichkeiten.

Rational betrachtet wissen Sie, dass nichts Schlimmes passiert, wenn Sie die Bitte Ihres Freundes, Ihnen am Wochenende bei seinem Umzug zu helfen, abschlagen. Doch emotional kommen Sie in Bedrängnis. Und denken so etwas wie:

  • er wird mich ablehnen und mich das in Zukunft spüren lassen
  • er wäre enttäuscht oder verärgert und ich bin schuld
  • er fände mich egoistisch und das wäre ich dann ja auch
  • er würde mich beschimpfen und ich könnte mich nicht wehren
  • er würde es rumerzählen und andere würden mich auch ablehnen

Diese Gedanken bei sich zu beobachten, ist enorm wichtig.

Denn sie führen Sie zu der Quelle Ihres „geringen“ Selbstbewusstseins. Wenn  Sie mit etwas Achtsamkeit untersuchen, woher Sie solche und ähnliche Sätze kennen, werden Sie wahrscheinlich fündig. Es sind Sätze und Beziehungserfahrungen, die Sie als Kind oder Jugendlicher öfters gehört oder erlebt haben.

Doch das alleinige Wissen, dass Ihr Bruder oder Ihre Schwester oder ein Elternteil manchmal so zu Ihnen gesprochen hat, hilft noch nicht bei der Veränderung. Sie müssen es meiner Erfahrung nach ein Stück emotional nacherleben.

selbstbewusstsein staerken training, schwarzes-schaf-xs-a-kirsty-pargeter-fotoliaDavor scheuen sich die meisten Menschen, die etwas an Ihrem Selbstbewusstsein verändern wollen. Denn die damit verbundenen Gefühle können unangenehm und schmerzlich sein. Gefühle wie Scham, Wertlosigkeit, Angst vor Neid, Ungeliebtsein, Ablehnung aber auch Ohnmacht und Wut.

Doch eine tiefe Veränderung an alten Denk- und Verhaltensmustern muss unter die Haut gehen. Mit simplen Psychotricks nach dem Motto „Denken Sie doch einfach …“ geht es nicht.

Denn wenn Sie sich nicht selbstbewusst fühlen, machen Sie unbewusst etwas, was Sie verändern können: Sie übernehmen die elterlichen Botschaften aus der Vergangenheit anstatt sich heute in der Gegenwart davon abzugrenzen.

Ein Beispiel:
Einer Teilnehmerin aus dem letzten Seminar, die das verstehen und ändern wollte, empfahl ich, abends nach dem Seminar in der Heidelberger Fußgängerzone zweihundert Meter rückwärts zu laufen.
Natürlich sagte sie sofort, das könne sie nicht und das werde sie niemals tun. Ich verriet ihr auch, was dabei passieren würde, denn ich habe das Experiment selbst öfters gemacht:
80 Prozent der Passanten kriegen es gar nicht mit, dass da jemand rückwärts läuft. Zehn Prozent grinsen oder gucken verwundert. Die restlichen zehn Prozent reagieren mit einem Spruch wie „Darf ich mitlaufen?“ oder „Ist das ein Werbegag?“ oder „Die spinnt wohl!“

Wo wir gerade dabei sind: Was können Sie gerade achtsam wahrnehmen, wenn ich Ihnen vorschlage, das Sie heute oder morgen das mal in Ihrer Fußgängerzone ausprobieren?

Sie sind vermutlich auch nicht begeistert und finden alle möglichen Gründe, warum Sie das nicht machen können, werden, brauchen. Doch wenn Sie etwas Grundlegendes in Ihrer Persönlichkeit ändern wollen, müssen Sie meistens Ihre  innere Komfortzone verlassen und etwas wagen.

Sie müssen es wagen, Ihren Gefühlen aus der Vergangenheit zu begegnen und Sie werden dabei herausfinden, dass Sie es sind, der sein Erleben kontrolliert. Nicht die Vergangenheit, nicht Ihre Stärken und Schwächen, nicht die anderen Leute. Sie sind es – mit Ihrer Bewusstheit.

Der Seminarteilnehmerin für Ihr Rückwärts-Experiment sagte ich nämlich noch Folgendes:
„Du und ich wissen, dass im Außen nichts  Schlimmes passieren wird. (Ignorieren, Grinsen, Sprüche). Das Schlimme passiert in Dir innen. Du denkst, die anderen finden Dich doof, lehnen dich ab. Aber Du kennst niemanden in dieser Stadt. Sie können Dir egal sein.
Deine Angst entsteht in dem Moment, wo Du auf Ihre Meinung Wert legst. Wo Du Dich innerlich mit Ihnen verbindest und Dich mit ihren Augen siehst. Wo du Dich innerlich nicht abgrenzt. Bleib die zweihundert Meter ganz bei Dir.“

selbstbewusstsein

Am anderen Morgen berichtete die Teilnehmerin ganz stolz von ihren Erfahrungen. Sie hatte es ausprobiert. Anfangs schaute sie nur auf den Boden, um bei sich zu bleiben, nach fünfzig Metern wagte sie es hoch zu schauen. (Die meisten Passanten bemerkten sie gar nicht, einige grinsten, einige machten einen Spruch.) Die letzten hundert Meter probierte sie aus, etwas Ungewöhnliches für sich zu tun und sich innerlich von der Meinung anderer unabhängig zu machen.

In meinen Seminaren arbeite ich normalerweise nicht mit solchen Übungen. Es geht darin viel mehr um die innere Auseinandersetzung mit den vergifteten und destruktiven Botschaften, die man als Kind gehört hat und so verinnerlicht hat, dass man mittlerweile als Erwachsener selbst überzeugt ist, dass sie stimmen.

Wenn Sie mit Ihrem Selbstbewusstsein auch nicht zufrieden sind und daran etwas ändern wollen, kann mein Persönlichkeits-Seminar „Selbstbewusst im Job“ Sie unterstützen, die größten Stolpersteine dabei aus dem Weg zu räumen.

Lesen Sie hier mehr …

 

Hören Sie dazu den Podcast.

kommentar Wie stärken Sie Ihr Selbstbewusstsein?

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Bilder: © www.cartoon4you.de
Gernot Krautberger u. Kirsty Pargeter – Fotolia.com


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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

56 Kommentare

  1. Ja, die Gedanken kommen von allein. Das ist eine Eigenschaft des Geistes, weswegen ihn die Buddhisten „Affengeist“ nennen.
    Es ist schon mal ein erster Schritt, sich von seinen Gedanken zu distanzieren. Also klar zu kriegen, dass man Gedanken hat, die von allein kommen, man selbst aber nicht die Gedanken ist. Man selbst ist der Beobachter der Gedanken.
    Diese Trennung kriegt man nur mit Achtsamkeit oder Meditation hin. Hinsetzen, Augen schließen, den Atem beobachten – und dann beobachten, dass Gedanken kommen, mit denen man irgendwann davon triftet. Das ist normal. Wenn man jetzt wieder zum Atem zurück kehrt, hat man was gelenrt: Ich habe Gedanken, ich bin nicht meine Gedanken.
    Den Schritt kennen die wenigsten, sie denken: „Ich denke, also bin ich!“ wie weiland Descartes schon irrte.

  2. Nein, die Schuldfrage bringt einen nicht weiter. Natürlich gibt es äußere Einflüsse, die massiv sein können, denen man sich nicht immer ganz entziehen kann.
    Entscheidend ist die Leitfrage aus dem Konstruktivismus: Wir leben auf derselben Erde , aber jeder erschafft sich seine eigene Welt.“
    Das aufzuschlüsseln, wie man sich seine eigene Welt, egal ob jetzt Paradies oder Hölle erschafft, und zwar jeden Tag ist die spannende Auseinandersetzung mit sich selbst. Das kann man meist nicht allein schaffen, weil man an sich zu nahe dran ist. Eine gute tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie oder ein Persönlichkeitsseminar können da aber sehr gut weiterhelfen.

  3. PeterUnlustig sagt

    Die Frage die ich mir auch oft stelle ist: was ist mit dem was von außen kommt?
    Der gesellschaftliche Druck, die Medien, die Ideale, die oft exorbitanten Ansprüche (an sich selbst aber auch von anderen)?
    Und bei diesem „Spiel“ spielen ja alle mit.

    Möchte nicht Schuld verteilen oder verlagern aber wird einem nicht auch extrem viel von außen eingeredet?
    Nur die Schuld bei sich suchen kann ja auch nicht funktionieren, vor allem wenn man eh schon genug Schuldgefühle wegen allem Möglichen hat, oder? Das erdrückt einen doch erst Recht.

    Aber es heißt ja immer wie ein Mantra „Nur du bist schuld!“, „Es liegt nur an dir“…
    Wie ist das vereinbar?

    Schade dass solche Themen nie ehrlich und detalliert aufgeschlüsselt werden. Frei, direkt, ohne Scheu vor Gedankengängen und ohne political correctness und Ähnlichem. Manche Dinge werden irgendwie garnicht diskutiert.

  4. PeterUnlustig sagt

    Wie der Kommentar von Steve:

    „Was mir nun nach ihrem Blog und unzaehligen Buechern immer noch nicht klar ist: Wo muss ich ansetzen? Was muss ich tun um den negativen, unbewussten Gedankenstrom zu stoppen?“

    frage ich mich genau das Gleiche.

    Auch ich setze mich Dingen aus und es ändert sich nichts.
    Habe festgestellt dass man mit einer ganz bestimmten Einstellung in Konflikte und diverse Situationen gehen muss um eine (zumindest temporäre) positive Änderung zu bekommen. Nur diese Einstellung kann man nicht per Knopf einfach anknippsen.

    Ich weiß auch überhaupt nicht was ich wirklich konkret tun kann. Manchmal glaube ich ich habe nen Hirnschaden weil einfach nichts läuft und die Kontrolle garnicht funktioniert…

    Die Gedanken kommen wie sie wollen, oft glaube ich das zuerst ein negatives Gefühl kommt was den Weg frei für entsprechende Gedanken macht (angeblich soll es ja andersrum sein). Es ist ein ewiger Teufelskreis.

  5. PeterUnlustig sagt

    „Die anderen bemerkten es garnicht“

    Das ist definitiv falsch wie nur irgendwas falsch sein kann.
    Die meisten schauen einfach weg weil sie „damit“ nichts zu tun haben wollen aber von nicht bemerken kann bei soetwas nicht die Rede sein.

  6. Hallo Tina,
    wahrscheinlich ein akuter Fall von Hochstaplersyndrom.
    Ist sehr verbreitet aber heilbar. Hat viel mit den verinnerlichten Botschaften aus dem Elternhaus zu tun, die man emotional – nicht rational – bearbeiten muss. Hier mache ich das zum Beispiel.

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