Die häufigsten Beziehungsfehler — Oder auch: Sieben Tipps für eine gute Beziehung.

155 Die häufigsten Beziehungsfehler   Oder auch: Sieben Tipps für eine gute Beziehung. Zum Bewegen eines Kraftfahrzeugs braucht man ein mehrwöchiges Training mit Abschlussprüfung. Wer Fische angeln will, muss einen Vorbereitungslehrgang von mindestens dreißig Stunden Dauer sowie eine Anglerprüfung absolvieren. Nur zum Führen einer Beziehung braucht es außer einer zeitweise hormonell bedingten Verwirrung keine Bedingungen. Das halte ich für einen groben Fehler und erklärt, warum Menschen zwar lebenslang ein Auto fahren oder eben angeln, wohingegen die Dauer von Beziehungen immer mehr abnimmt. Aus meiner Sicht sollte man schon in der Schule die wirklich wichtigen Kenntnisse des Lebens erwerben (und das sind für die meisten eben nicht die vier östlichen Nebenflüsse des Amazonas).

Diese verfehlte Lehrplanpolitik garantiert Tausenden von Paartherapeuten ihr Auskommen und Millionen von Paaren viel Leid. Deshalb möchte ich aus meiner langjährigen Arbeit mit vielen Paaren folgende Tipps geben:

1. Formulieren Sie Kritik als Wunsch.
Ein harscher Gesprächsbeginn lässt meist den weiteren Verlauf eskalieren. Beschwerden oder Ärgernisse rechtzeitig und angemessen zu äußern, ist wichtig. Doch bringen Sie derlei Themen am besten möglichst sanft ohne Schuldzuweisungen vor.

2. Akzeptieren Sie den Einfluss Ihrer Partnerin.
Dieser Tipp geht an die Männer. Je mehr ein Mann den Einfluss seiner Partnerin akzeptieren kann, umso besser geht es der Beziehung. Doch viele Männer projizieren das Bild der eigenen Mutter auf die Partnerin, einer Mutter, die sich vielleicht in alles einmischte und alles bestimmen wollte. Eine unbewusste Rebellion des “Mannes” ist oft die Folge.
Beispiel: Angenommen die Frau sagt: “Kannst du mir bitte beim Richten des Abendbrots helfen?” und der Mann reagiert mit _“Ich schau jetzt fern, lass mich in Ruhe.” _
Umgekehrt sind Frauen meist gut darin, den Einfluss ihres Partners ernstzunehmen und zu akzeptieren.

3. Sorgen Sie für einen respektvollen Umgang.
Glückliche Paare achten – auch nach vielen Jahren noch – darauf – achtsam und respektvoll miteinander umzugehen. Weigern Sie sich, verletzendes Verhalten des anderen durchgehen zu lassen oder ganz zu tolerieren (“Er/sie ist eben so. Er/sie meint es im Grunde nicht so.”) Je früher in der Beziehung Sie auf eine niedrige Toleranzschwelle gegenüber Kränkungen und Verletzungen achten, umso besser für die Beziehung. Wenn sich respektloses Verhalten erst einmal eingenistet hat, ist dem viel schwerer zu begegnen.

156 Die häufigsten Beziehungsfehler   Oder auch: Sieben Tipps für eine gute Beziehung. 4. Lernen Sie, Rettungsversuche zu machen.
Erfolgreiche Paare wissen, wie man einen Streit nicht so weit eskalieren lässt, dass er außer Kontrolle gerät. Einer der beiden Partner startet einen “Rettungsversuch”:

  • Das kann eine humorvolle Bemerkung sein (am besten über sich selbst).
  • Oder eine verständnisvolle Geste (“Ich verstehe, dass dich das geärgert hat.”)
  • Schaffen Sie im Streit eine gemeinsame Basis.* _(“Das ist wirklich unser Problem.”) anstatt Schuldzuweisungen (“Das ist ganz allein dein Problem!”)
  • Geben Sie Raum.*
    Gehen Sie innerlich – aber zuweilen auch räumlich – einen Schritt zurück, um mehr Luft zwischen Ihnen zu schaffen.
  • Zeigen Sie Verständnis für die Gefühle des anderen.
    (“Ich schätze sehr, dass du … und ich danke dir dafür …”)

5. Vertagen Sie Streits nach 22.00 Uhr auf einen anderen Zeitpunkt.
Ebenso können Sie untertags, wenn die Diskussion zu hitzig wird, eine Pause von etwa 15 Minuten vereinbaren, Dann haben sich beide wieder beruhigt haben und sie können wieder besser sprechen und zuhören.

6. Vergewissern Sie sich Ihrer Gemeinsamkeiten.
Glückliche Paare vergessen auch in einem Streit nicht, dass die Gemeinsamkeiten das Trennende überwiegt. Und Sie zeigen es auch durch positive Kommentare – auch während eines Streits. Beziehungen gedeihen am besten in einem positiven, wertschätzenden Klima. Anerkennende Äußerungen sind wie Einzahlungen auf das gemeinsame ‘Beziehungskonto’. Wenn dieses gut gefüllt ist, bringt auch ein Streit das Konto nicht gleich ins Minus.

7. Suchen Sie sich Unterstützung so früh wie nötig.
Nicht so ‘früh wie möglich’, sondern so früh wie möglich. Nämlich dann, wenn Sie merken, dass bestimmte destruktive Muster immer wieder zwischen Ihnen ablaufen – und Sie sie aus eigener Kraft nicht verändern können.

Im Durchschnitt wartet ein paar über fünf Jahre, bis es sich Hilfe holt. (Aber über die Hälfte der Paare trennen sich bereits nach sieben Jahren.)Mehr Tipps finden Sie hier

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8 Kommentare

  • Susanne
    (14 Kommentare)
    wrote:

    Sehr geehrter Herr Kopp-Wichmann,
    der Aspekt der Mutter-Sohn Beziehung hat mich beim Lesen Ihres Blogs nachdenklich gemacht und erklärt in einigen Dingen wohl auch die sich negativ entwickelnde Beziehungsdynamik zwischen meinem Mann und mir. Aufgewachsen mit einer sehr dominanten Mutter, hatte er auch in mir immer eine starke und unabhängige Frau. Die Gewichte haben sich scheinbar verschoben mit der Geburt unserer Kinder, obwohl ich weiterhin berufstätig war und bin, fand ich mich auf einmal in der Hausfrau und Mutterrolle wieder, während mein Mann der erfolgreiche Geschäftsmann ist.
    Seit der Geburt unseres zweiten Kindes hat mein Mann nun seit 1,5 Jahren eine Geliebte und kommt nicht von ihr los. Ich bin nach Bekanntwerden in ein tiefes Loch gestürzt, war so schwach wie nie zuvor in meinem Leben. Angst, Panik, Wut, es begann ein Kreislauf aus Annäherung, Ablehnung und Resignation. Immer wenn ich keine Nähe zulassen konnte und unsere Beziehung in Frage stellte, ist er wieder zu ihr gegangen und hat sich über seine böse Ehefrau ausgeheult. Er weiß nicht, was er für mich überhaupt noch empfindet, kann mit meinen Tränen nicht umgehen und die neue Frau ist natürlich verlockender als eine Aufarbeitung mit mir. Zudem ist die Dame nun auch noch schwanger.
    Seit einer Woche leben wir auf Distanz, mein Mann ist zu einem Freund gezogen. Ich bin ziemlich am Ende, weil ich ihm immer wieder vertraut und doch wieder enttäuscht wurde, jetzt mit einer unser zukünftiges Leben in jedem Fall beeinflussenden Tatsache.
    Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Mir ist klar, daß Anschuldigungen und Vorwürfe, wie bereits geschehen, nichts bringen. Ich versuche, mich auf meine Kinder zu konzentrieren, was mir schwerfällt. Er braucht sicher Zeit, um eine Entscheidung zu treffen. Was raten Sie? Funkstille oder Dialog, Distanz oder Nähe? Sollte man einen zeitlichen Rahmen setzen. Leider fühlt sich mein Mann entscheidungsunfähig, weicht Fragen aus und lebt die ganze Zeit inkonsequent mit beiden Frauen ( was wir beide nicht wußten), kann keiner Frau weh tun.
    Vielen Dank für Ihren Rat.
    MfG Susanne

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  • Anna
    (5 Kommentare)
    wrote:

    Danke für die schnelle Antwort! An eine Putzfrau habe ich auch schon gedacht, das findet er auch eine gute Idee. Ich bin auch schon mal auf Distanz gegangen — das hat auch gut funktioniert. Das man einfach nicht immer abrufbar ist und er sich auch mal nach mir umguckt hat uns beiden was gebracht. Aber ich glaube, ich muss jetzt wirklich bewusst werden, warum ich mir unbewusst so einen Mann ausgesucht habe. Vielen Dank!

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  • Roland Kopp-Wichmann
    (1073 Kommentare)
    wrote:

    Hallo Anna,

    Sie schreiben: “Ich führe diese Unterhaltung nun seit 7 Jahren fast jede Woche.” Mit anderen Worten, Ihr Partner will nichts ändern. Anstatt jetzt weitere sieben Jahre dieses Muster zwischen ihnen aufrechtzuerhalten, könnten Sie etwas anderes tun.
    – Also beispielsweise, eine Putzfrau vom gemeinsamen Geld engagieren.
    – Sich sichtbar nach einer eigenen Wohnung umsehen.
    – Gehen Sie auf Distanz. Verbringen Sie Abende außerhalb mit Freundinnen. Führen Sie ihr eigenes Leben und beobachten Sie, ob das Ihrem Freund etwas ausmacht. Wenn nein, sieht es düster aus mit Ihrer Beziehung. Wenn ja, haben Sie vielleicht einen Ansatz, mit ihm über Ihre Beziehung zu sprechen.

    Es hilft nichts, Ihrem Freund beizustehen. Es ist eher an der Zeit, warum Sie sich so einen Partner ausgesucht haben. Unbewusst, klar. Aber es hat auch etwas mit Ihnen zu tun. In meinem Buch finden Sie dazu ein extra Kapitel.

    Dagegen, dass Ihre Freund seine Muttergefühle auf Sie überträgt, können Sie wenig machen, eben außer ihn extra dazu einzuladen. Aber bei Muttersöhnen passiert das automatisch. Jeder Hinweis oder Feedback wird als Kritik empfunden und schon sind Sie in der “Mutterfalle”.

    Danke für Ihren Kommentar.

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  • Anna
    (5 Kommentare)
    wrote:

    Ich habe hier viel gelesen, was ich auch in meiner Beziehung wieder finde. Ich bin sehr selbstreflektierend und möchte positiv auf meinen Partner zugehen und ihn und seine Reaktionen verstehen. Dazu gehören jedoch zwei. Er beschäftigt sich mit solchen Dingen leider gar nicht, lehnt sie oft ab und so bin immer ich diejenige, die liest, berät, überlegt und an der Beziehung arbeiten will, auf ihn zukommt. Manchmal ist das nur noch anstrengend und macht mich auch traurig immer »die Böse« zu sein, die mal wieder irgendwas von ihm will.

    Ich glaube, dass er, wie sie im Punkt 2. geschrieben haben, die Rolle seiner Mutter auf mich überträgt. Sie war Hausfrau, er Einzelkind, ihm wurde alles hinterher geschleppt und sie hatte, dadurch dass sie immer da war überall ihre Finger im Spiel. Es war ja immer »richtig« und »gut fürs Kind«. Er hatte damals schon rebelliert aber er tut sich heute mit wichtigen Entscheidungen sehr schwer, lässt sich gerne gehen, lässt das Leben dahin plätschern, flüchtet …

    Ich sehe das und möchte ihn motivieren, ihm helfen/beistehen, aber er lässt es oft nicht zu. Lehnt alles als »Einmischung« ab. Ich soll mich um meinen Kram kümmern, ihn in Ruhe lassen. Ich verstehe, wenn er sich in seiner Privatsphäre verletzt und bevormundet fühlt. Aber es verletzt mich auch oft sehr barsch abgelehnt zu werden.

    Wie soll ich damit umgehen? Gibt es eine Möglichkeit, dass er nicht mehr seine Mutter auf mich überträgt und meinen Einfluss zulässt? Soll ich ihn »einfach machen lassen«?

    Andererseits haben wir auch oft das »Beim-Essen-Kochen– und Im-Haushalt-Mitanpacken-Problem«. Auch wenn ich mit ihm rede, dass wenn wir zusammen putzen es nur eine halbe Sunde in der Woche dauert, danach könnte jeder seinen Interessen nachgehen, lehnt es das ab und stellt mich als Frau mit Putzfimmel dar. Er »hat einfach keine Lust«, und »es ist doch gar nicht dreckig«, »wir haben doch schon letzte Woche geputzt«?! Ich versuche ihm zu erklären, dass es notwendig ist und dass ein Kompromiss zw. 0 und 10 nicht 0 sein kann. Ich führe diese Unterhaltung nun seit 7 Jahren fast jede Woche. Es wird mir zu anstrengend, es gibt so viele andere Dinge zu besprechen. Vielleicht haben sie einen Tip?

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  • Roland Kopp-Wichmann
    (1073 Kommentare)
    wrote:

    Hallo Susi,
    das heißt mal exemplarisch:
    “Es fängt an, mich zu stören, wenn Du …“
    “Es ärgert mich, wenn Du x machst. Hör bitte auf damit.“
    “Wenn Du mit x nicht aufhörst, mache ich y.”

    Beim Handeln kommt es darauf an, was Sie bisher machen. Gut ist es dann, etwas Anderes zu tun.
    Also, wenn Sie versuchen, ihn zu verstehen — hören Sie auf damit und kümmern Sie sich um Ihre Gefühle.
    Wenn Sie immer wieder nutzlose Gespräche anfangen, gehen Sie beim nächsten Mal einfach wortlos aus dem Zimmer/aus der Wohnung.

    In einer Fernbeziehung ist das u.U. schwieriger. Dann können Sie Entsprechendes nur über das Telefon oder am Wochenende durchziehen.

    Ich hoffe, das hilft Ihnen erst mal weiter.

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  • susi
    (7 Kommentare)
    wrote:

    was heißt sich mit klaren worten und steigender dringlichkeit wehren? wie macht man das? und wie könnte später das handeln aussehen? vor allem wie kann man das in einer fernbeziehung gestalten wenn man sich grad nicht sehen kann?

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  • Roland Kopp-Wichmann
    (1073 Kommentare)
    wrote:

    Hallo Susi,
    Männer brauchen klare Ansagen. Also nicht warten und hoffen, dass der Andere das doch wissen müsse oder ahnen könnte, dass einem dies und das nicht gefällt. Sondern sich deutlich wehren mit klaren Worten und mit steigender Dringlichkeit.

    Wenn Worte und Gespräche nicht helfen: handeln. Und zwar so, dass es den Anderen möglichst betroffen macht. Hilft das auch nichts und der Verletztende ist nicht bereit, zurückzustecken, ist das auch ein klares Signal über die Beziehung.

    Danke für Ihren Kommentar.

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  • susi
    (7 Kommentare)
    wrote:

    wenn man sich über kleinigkeiten gestritten hat die nix mit echten beziehungproblemen zu tun haben verfällt man ja trotzdem oft in so ein gegenseitiges anschweigen. ich sag dann meinem schatz immer “ich will eigentlich gar nicht mit dir streiten. ich hab dich lieb. mich hat das und das nur eben geärgert.” das hilft. er sagt dann auch immer dass er ja nich streiten will. beim letzten mal kam dann raus dass er angespannt war wegen der arbeit und wie ihm das zu schaffen macht sah ich dann an seinen tränen. es hilft erstmal wieder die basis, also die liebe zueinander, klar zu machen. dadurch kommt man erstmal aus den schuldzuweisungen raus und kann dann mit den ich– botschaften ansetzen.
    manchmal trennen wir uns dann eben auch räumlich. wenn der andere wieder kommt is der ärger verflogen und entweder redet man dann oder es war eh nur kleinkram.
    mir hat auch geholfen mir klar zu machen dass man sich dinge eben nur wünschen kann. wenn mich etwas verletzt hat kann ich das sagen und mir ne entschuldigung wünschen das heißt aber nicht dass ich sie einfordern kann.
    nur leider hab probleme damit mich gegen verletztendes verhalten zu wehren. haben sie da vorschläge was man sagen kann um seine grenzen hier abzustecken?

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