Und sie dreht sich doch!

–Harald Juhnke (Der falsche Kalender)

Welcher Satz hat Ihr Leben stark beeinflusst?

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Denken Sie mal kurz nach - und schreiben Sie ihn mir.

zeichen gott Welcher Satz hat Ihr Leben stark beeinflusst?

Manchmal beim Stöbern in der Buchhandlung oder bei Amazon kommt mir ein Buch unter, wo ich denke: "Verdammt, das hätte ich auch gerne geschrieben!"

Und da ich immer auf der Suche bin nach originellen Themen für diesen Blog, geht es mir auch manchmal bei Artikeln in Zeitschriften so. Jüngst passierte mir das, als ich die neue Ausgabe der BRIGITTE las mit dem Dossier "Der Satz Ihres Lebens".

Beim Lesen dachte ich darüber nach, welche Sätze mein Leben bisher geprägt haben. Als erstes fiel mir ein Satz meines Vaters ein. Er hatte nach dem Krieg Automechaniker gelernt und hatte sich vom Reparaturannehmer zum Autoverkäufer hochgearbeitet.

Ich war sieben als er mir seinen prägenden Satz sagte:

"Soviel gedacht" (dabei deutete er auf seinen Daumen)
"ist soviel geschafft!" (dabei deutete er auf seinen ganzen Arm).

Auf sehr einprägsame Weise wollte er mir damit den Wert geistiger Arbeit im Gegensatz zu körperlicher Arbeit vermitteln. Der Satz hat mich immer wieder mal geleitet, denn nachdem ich frühzeitig vom Gymnasium abging, überlegte ich, eine Schreinerlehre zu machen. Es kam dann aber doch alles ganz anders.

Einen anderen wichtigen Satz hörte ich während des Studiums von meinem Statistikprofessor Heinrich Wottawa. Er sprach sehr anschaulich über den 2. Satz der Thermodynamik, nach dem Wärme nicht von selbst von einem Körper niedriger Temperatur auf einen Körper höherer Temperatur übergehen kann. Konkret: Wasser kühlt von alleine ab, wenn man nicht dauernd Wärme wieder zuführt.

Der Professor übertrug jedoch diese physikalische Gesetzmäßigkeit auf andere Lebensbereiche und fasste sie genial kurz zusammen:

"Meine Damen und Herren, alles wird von alleine schlechter - wenn man nichts dagegen tut."

Der Satz traf mich wie ein Blitz.

Ich begriff plötzlich ganz vieles. Warum es wichtig ist, ständig zu lernen, weil unser Gelerntes veraltet. Warum es nützlich ist, den Rasen zu mähen oder die Wohnung zu putzen. Warum auch Produkte einen Lebenszyklus haben und Relaunches brauchen. Warum Ehen von ganz allein schlechter werden. Und welchen Sinn körperliche Bewegung hat.

 

Welche Sätze beeinflussen uns?

Sätze, die uns durchs Leben begleiten, dienen uns oft als Richtschnur für bestimmte Situationen. Sie geben Struktur oder veranschaulichen bestimmte Werte. Die bekannteste Form sind Sprichworte:

  • Abwarten und Tee trinken.
  • Man muss das Eisen schmieden solange es heiß ist.
  • Viele Köche verderben den Brei.

Solche Sätze hört man zuerst in der Kindheit von Eltern oder Lehrern. Es sind keine Wahrheiten, sondern Handlungsempfehlungen oder Sichtweisen, die eine Orientierung geben. Deswegen werden sie ja oft zitiert.

Im Lebensdrehbuch jedes Menschen gibt es aber auch andere Sätze, die meist noch mehr Einfluss haben als Sprichworte. Hierzu gehören die bekannten fünf Antreiber:

  • Sei perfekt! Sei stark! Streng dich an! Mach schnell! Mach's allen recht!

Diese inneren Antreiber sind dem Betreffenden meist noch recht geläufig, wenn er auch oft nicht mehr weiß, für wen oder warum man sich so verhalten sollte. Man hat sie verinnerlicht, findet sie zuweilen unsinnig und kann sich dennoch ihrem kontrollierendem Einfluss schwer entziehen.

Noch gravierender sind Sätze, die uns unbewusst leiten und meist schicksalhaft in unser Leben wirken. Bert Hellinger hat mit seiner Arbeit des Familienstellens eindrucksvoll gezeigt, wie schwere Krankheiten  durch Verstrickungen und Schicksalsbindungen mit beeinflusst und aufrechterhalten werden können.

Solche Dynamiken, die in Aufstellungen identifiziert werden können, sind verinnerlichte "Sätze" wie beispielsweise die

  • Identifizierung mit einem toten Familienmitglied ("Ich folge Dir nach"),
  • die Übernahme von Schuld, Leid und Verstrickung eines anderen Familienmitgliedes ("Lieber ich als Du...")
  • oder die Loyalität im Leid ("Mir darf es nicht besser gehen als Dir").

In meinen Persönlichkeitsseminaren und Coachings arbeite ich oft mit solchen Sätzen, die innere Konflikte repräsentieren. Das sind innere Verbote, die sich meist in der Kindheit und Jugend als "logische" Reaktion auf schwierige Situationen entwickelt haben und die damals beste Lösung für die Situation war.

Heute sind solche inneren Verbote natürlich selten noch sinnvoll und schränken unseren Verhaltensspielraum enorm ein. Doch wir können diese Verbote trotzdem nicht einfach außer Kraft setzen. Der innere Konflikt hält uns fest im Griff.

Mit entsprechenden Sätzen, die meist eine Erlaubnis darstellen, können solche unbewussten Konflikte spürbar gemacht haben. Dazu muss der Betreffende jedoch achtsam sein. Also am besten die Augen schließen, die Aufmerksamkeit nach innen richten und auf die ersten spontanen Reaktionen achten.

Sätze, mit denen ich oft arbeite, weil sie häufige menschliche Konflikte betreffen, sind beispielsweise:

  • "Du musst nichts mehr beweisen."
  • "Dein Leben gehört dir."
  • "Du musst nicht immer stark sein."

Es ist sehr bewegend und klärend, wenn jemand diese Sätze in Achtsamkeit hört und selbst in Ich-Form sagt. Meist werden lange zurückgehaltene Gefühle frei und man begreift unmittelbar, warum und wie das angesprochene innere Thema sich durch das Leben zieht. In meinem Buch "Ich kann auch anders" finden Sie viele solcher Lösungssätze.

 

Welcher Satz hat Ihr Leben beeinflusst?

Meist sind es Sätze, die uns in einer Notlage begegnet sind und etwas in uns zum Schwingen brachten. Wir haben plötzlich etwas besser verstanden oder wussten was zu tun ist.

Positive lebensbeeinflussende Sätze stehen oft im Widerspruch zu dem, was wir bis dahin geglaubt haben oder was uns bis dato wahr erschien. Auf einem Seminar vor vielen Jahren hörte ich auf die Frage aus dem Publikum "Und was ist mit Gott?" die Antwort des Trainers: "Gott ist eine türkische Putzfrau und es geht ihr gut."

Solche Sätze verstören uns im ersten Moment, enthalten aber in ihrer Kürze eine Weisheit, die uns anspricht oder zeigen einen Weg aus einem Entscheidungskonflikt. So ist der bekannte Satz "Love it, change it or leave it" für mich immer mal wieder eine Aufforderung, mich für eine dieser drei Möglichkeiten zu entscheiden - anstatt auf eine vierte zu warten.

Und jetzt interessiert mich:

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article 32 Welcher Satz hat Ihr Leben stark beeinflusst? Wie lautet Ihr Satz des Lebens?

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 Welcher Satz hat Ihr Leben stark beeinflusst?
 Welcher Satz hat Ihr Leben stark beeinflusst?

Hier schreibt: Roland Kopp-Wichmann

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.



111 Kommentare

  • Jeannine schrieb:

    “Ändere, was Du ändern kannst…zu allem anderen ändere Deine Einstellung.”

  • Sabine Grolimund schrieb:

    Aushalten. Durchhalten. Maulhalten.

  • Hermann Gahm schrieb:

    Mein Religionslehrer sagte immer: “Habe vertrauen zu Gott, aber schließe Dein Auto ab!”.

    Mein Großvater sagte mal: “Schlittenfahren, Heiraten und Sterben sollte schnell gehen, sonst ist es nicht schön”.

  • Insgesamt haben mich sehr viele Sätze im Leben geprägt. Da ich mit richtigem Name Schmied heiße, lebe ich seit Verlassen der Schule vor allem nach dem Satz: “Jeder ist seines Glückes Schmied.”

    Warum? Einen weiteren schönen Satz dazu hatte einst Martin Luther King gesagt: “Kein Problem wird gelöst, wenn wir träge darauf warten, dass Gott sich darum kümmert“ Und um noch ein i-Tüpfelchen draufzusetzen: “Keine Wirkung, ohne Ursache.” Diese Worte stammen wiederum von Da Vinci.

    In der Hinsicht bin ich also sehr rational und hinterfrage mich so gut es geht jeden Tag, um mich weiterzuentwickeln und um bestimmte Ziele zu erreichen. Leider gibt es so viele schöne Sätze, bei denen man am liebsten schreien möchte: “Ja, genau so ist es!” Aber Sie haben nur nach einem Satz gefragt. Ihrer Bitte wollte ich damit gerecht werden :-)

    Beste Grüße

    Chris K. Modorok von http://www.faszination-fortschritt.com

  • Karin Mager schrieb:

    Hallo Sylvia,
    zu deinem Kommentar von heute fällt mir der Satz ein, den ich irgendwo gehört habe und den ich auch sehr ermutigend finde: “Gott braucht deine Arme!”

    Lieben Gruß, Karin

  • Ja, der Satz ermächtigt. Erinnert an die Selbstverantwortung und kann dann Kraft schenken.
    Manche verzweifeln ja unter einem schweren Schicksalsschlag und fragen: “Wie konnte Gott das zu lassen?”

  • Sylvia schrieb:

    Meine Mutter hatte Multiple Sklerose und sass ab etwa Ende 20 bis zu ihren frühen Tod im Rollstuhl. Einmal sagte sie ziemlich frustriert zu mir, sie würde nicht an Gott glauben und untermauerte das zynisch mit dem Satz:
    “Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott.”
    Ich war damals vielleicht 12 oder 13 Jahre alt und zunächst irritiert. Heute bin ihr sehr dankbar für diesen Satz. Ich empfinde ihn wie eine Art Erlaubnis dafür, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen und mich glücklich zu sein.

  • Ein schöner Satz!
    Und immer wieder erstaunlich, wie stark und lange solche Botschaften aus der Kindheit – die negativen wie die positiven – wirken.

  • Lieber Roland,
    gerade lese ich diesen Blog und er machte mich neugierig, welcher Satz in mir wohl hochkommt, wenn ich mir einen Moment Zeit nehme, nachzuspüren.
    Und schon stand mir der Moment wieder lebhaft vor Augen: Ich bekomme als 12jährige in der Volksschule (es war in den 60ern) die Ergebnisse eines Rechentests zurück – das erste Mal mit einer Eins. Der Lehrer sagte dazu: “Ich wusste immer, dass du das kannst.” – Dieser Lehrer hat mir auch durch viele Sonderaufgaben vermittelt, dass er großes Vertrauen in meine Fähigkeiten hat. Und das stand so total im Gegensatz zu den ständig abwertenden Botschaften meiner Eltern, die wahrscheinlich als Kinder auch nicht freundlich behandelt worden sind.

    Immer wenn ich Selbstzweifel habe, erinnere ich mich an diesen Satz meines Lehrers, der die negativen Botschaften aus meinem Elternhaus übertönt.

  • renate pleninger schrieb:

    “Es kann nicht anders sein, als es gewesen ist”

  • Robert schrieb:

    Wen du erkennen willst, lerne zu handeln.

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