Ein Experiment aus der Reihe "Achtsam leben"
Es
ist erstaunlich, wie oft wir daran glauben, dass wir über etwas die Kontrolle haben und wir sie in Wahrheit nicht haben.
Vielleicht können Sie die Temperatur in Ihrer Wohnung kontrollieren. Jedenfalls solange das Thermostat funktioniert und der Strom nicht ausfällt.
Kontrolle ist eine Illusion.
Wir machen dauernd Pläne, die nie so ausgehen, wie wir uns das vorgestellt haben. Egal ob Sie einen Wochenendausflug planen, eine größere Reise buchen oder ein Haus bauen. „Wenn Du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl ihm von Deinen Plänen,“ lautet ein bekannter Spruch.
Wir sind dazu erzogen worden, uns Ziele zu setzen, Pläne zu machen, wie wir diese Ziele erreichen … und wie oft verfehlen wir unsere Ziele. Oder wir erreichen sie aber sie geben uns nicht mehr das, was wir uns von ihnen erhofften? Wie oft versuchen wir, etwas in der Zukunft zu kontrollieren und können dennoch nicht voraussagen, wie es kommt?
Hätten Sie vor zwei Jahren auch nur annähernd etwas voraussagen können, was mittlerweile eingetreten ist? Der Sturz von Diktatoren im Nahen Osten, die europäische Schuldenkrise, Fukushima.
Natürlich nicht. Niemand konnte das. Wir wissen nicht, was in der Zukunft geschieht und können es folglich auch nicht kontrollieren. Das gilt auch für unser eigenes Leben. Beruflich wie privat.
Denken Sie einen Moment nach, was in den letzten Jahren sich in Ihrem Leben alles ereignet hat.
Positive Überraschungen wie auch unangenehme Ereignisse. Wir mögen den Gedanken, dass wir etwas kontrollieren können, aber es klappt nicht.
Aber wir glauben trotzdem weiter an die Illusion von Kontrolle. In einer chaotischen und komplexen Welt scheint uns dieser Glaube Sicherheit zu vermitteln. So wie die fünf Wirtschaftsweisen zweimal im Jahr ihre Konjunkturprognose abgeben – und jedes Mal falsch liegen.
Konkret sehen diese Kontrollversuche so aus:
- Wir versuchen zu beeinflussen, was aus unseren Kindern wird als könnten wir sie wie Tonfiguren formen, als wären menschliche Wesen nicht unendlich komplex und nicht vorhersehbar, was aus ihnen wird. Nehmen Sie Ihr eigenes Leben als anschauliches Beispiel.
- Wir beobachten jede kleine Sache. Wie schnell wir joggen, was wir essen, wie viele Besucher auf unserer Website landen, wie viel wir wiegen, wo es die neuesten Sparangebote gibt. Als ob diese zahlreichen Kontrollversuche uns helfen würden, gesünder oder länger zu leben, besser mit unserem Geld auszukommen.
- Wir versuchen, unsere Kunden, Kollegen oder Mitarbeiter zu kontrollieren. Komplexe menschliche Wesen mit unterschiedlichsten Wünschen, Motiven und Gewohnheiten, die wir nicht durchschauen.
- Fast zwanghaft planen wir Projekte, Unternehmungen, Tage, Feste als ob wir den Ausgang dieser Aktivitäten kontrollieren könnten.
Angenommen, wir würden diese Illusion loslassen, was bliebe uns dann? Wie könnten wir mit diesem Chaos leben?
Nehmen wir uns ein Beispiel an einem Fisch. Ein Fisch schwimmt im chaotischen Meer, das er nicht kontrollieren kann – so wie es uns auch geht. Im Unterschied zu uns hat der Fisch nicht die Illusion, dass er das Meer kontrollieren könne – und auch nicht die anderen Fische.
Er versucht es noch nicht einmal. Was zur Folge hat, dass er einfach schwimmt, entweder mit der Welle oder er lässt sich einfach von der Strömung tragen. Er sucht sich seine Nahrung, meidet Gefahren und pflanzt sich fort. Aber er versucht nicht, etwas zu kontrollieren.
Wir sind auch nicht besser als der Fisch, nur unser Denken schafft die Notwendigkeit, dass wir etwas kontrollieren müssten.
Befreien Sie sich immer wieder von dieser Illusion. Probieren Sie aus, wie ein Fisch zu sein. Wenn Sie mal wieder mitten im Chaos sind, lassen Sie Ihren Wunsch nach Kontrolle los – und schwimmen Sie mit der „Strömung“. Fließen Sie mit dem, was sich ergibt.
Wie kann man so ein Leben führen. Es ist vermutlich eine ganz andere Lebensweise, wenn Sie die Illusion des Kontrollierens aufgeben.
Probieren Sie es aus für einen Tag.
- Setzen Sie sich keine Ziele, sondern gehen Sie dem nach, was sie anzieht.
- Planen Sie nichts, tun Sie es einfach.
- Denken Sie nicht an die Zukunft und leben Sie von Moment zu Moment.
- Hören Sie auf, andere zu kontrollieren und seien Sie einfach freundlich und liebevoll zu ihnen.
- Vertrauen Sie Ihren Werten anstatt bestimmte Ergebnisse erzielen zu wollen.
- Machen Sie bewusst jeden Schritt, von Moment zu Moment anstatt 1000 Schritte im voraus zu planen, um irgendwo anzukommen.
- Lernen Sie, die Welt zu akzeptieren wie sie ist, anstatt sie zu verurteilen, verärgert, gestresst oder frustriert davon zu sein – oder sie verändern zu wollen, wie Sie glauben, dass sie sein sollte.
- Erwarten Sie nichts und Sie nicht enttäuscht. Akzeptieren Sie einfach, was geschieht.
All das mag Ihnen wie eine faule, passive Lebensweise vorkommen.
Und ja, es ist der vollkommene Gegensatz zu unserer aggressiven, produktiven, zielorientierten Lebensweise, die unsere Kultur prägt.
Es geht mir nicht um die Verbesserung der Welt. Wichtiger ist mir zu zeigen, woher eine Menge Unzufriedenheit und Frustration in Ihrem Leben kommt. Und wie Sie sich davon befreien können.
Mein Fazit:
Natürlich gibt es Dinge, bei denen es sinnvoll ist, sie zu kontrollieren. Ihren Blutdruck. Ihren Kontostand. Die Hausaufgaben Ihres Kindes. Darüber müssen wir nicht diskutieren.
Es geht um Dinge, die Sie nicht kontrollieren können. Ihren Partner. Ihre Gesundheit. Ihren Weg ins Büro. Ihren beruflichen Erfolg. Die Vorlieben Ihrer Kunden. Und viele anderen kleinen und größeren Dinge.
Also, warum lassen Sie es nicht sein? Und tun einfach das, was Sie tun möchten – ohne auf das Ergebnis zu schielen.
Wollen Sie es mal ausprobieren?
Nur für einen Tag?
PS: Wenn Ihnen dieser Beitrag gefiel, dann sagen Sie es doch bitte weiter: auf Facebook, Twitter oder per Email.
… oder schreiben Sie einen Kommentar.
… oder abonnieren Sie neue Beiträge per Email oder RSS.
Dieser Beitrag basiert auf einem Kapitel
aus diesem Buch von Leo Babauta,
das ich ergänzt habe.
Foto:Source: pinterest.com via Plaidpoppy on Pinterest
Lese ich später!







Hallo Isa,
deswegen sagen ja auch manche Meister, dass es leichter sei, auf einem einsamen Berg zu meditieren als auf dem Marktplatz.
Ehrlich gesagt finde ich es sehr einfach “zu sein”. Sehr viel schwieriger ist es für mich, das tägliche Hamsterrad (den ständigen Blick auf die Uhr und die Kontrolle) zu ertragen und vor allem dabei glücklich zu sein.
Viel Erfolg!
Nicht kontrollieren sondern achtsam sein … hört sich gut an … ich nehme mir das für die nächste Zeit bewusst vor, danke für die Intuition.
Ja, ich kenne keine Menschen, die nicht die Kontrolle ausleben. Ja ist sehr schade, dass wir nicht wie die kleinen Kinder natürlich und spontan (er)leben können. Doch wie die Achtsamkeit in unser Leben bringen, die Entschleunigung…..Das scheint Arbeit mit Kontrolle. Oder wie sonst soll es passieren, dass man keine Planung macht.
Das Meer ist kein Chaos, daher können die Fische einfach dem Lauf folgen, Aufmerksamkeit, damit man nicht gefressen wird.
Kontrolle ist Illusion, keine Frage. Und der einzige Ausweg ist zweifellos die Achtsamkeit. Mich hat die Achtsamkeit sehr verändert – auch wenn es einiges an Disziplin braucht um Achtsamkeit zu erlernen und zu trainieren, an DER Stelle tut etwas Kontrolle gut!