Okt 26 2008
Sind Sie ältester Bruder, Einzelkind oder Nesthäkchen? Wie Ihre Geschwisterposition Ihre Karriere und Ihre Beziehung beeinflusst.

Frauen mit einem älteren Bruder, sind im Job oft im Vorteil.
Wie erfolgreich sind Sie in Ihrem Beruf? Hören Sie manchmal, Sie seien fachlich top aber nicht durchsetzungsstark? Haben sie öfters Rivalitätskonflikte mit Chefs oder Kollegen?
Dafür kann neben den Eigentümlichkeiten Ihres Unternehmens und den Persönlichkeitseigenschaften der anderen auch etwas beitragen, was Ihnen vielleicht bisher völlig unbewusst war: die Position in Ihrer Herkunftsfamilie.
Denn als Kind absolviert man schon früh ein intensives Rollentraining in sozialen Beziehungen. Und zwar täglich, in vielen Situationen. Was Sie im Kinderzimmer lernten – oder nicht lernten –prägt Sie für den Rest Ihres Lebens.
Herbert A. kommt zu einem Coaching zu mir, weil er immer wieder Auseinandersetzungen mit Chefs hat. Schon zwei Unternehmen hat er deswegen in den letzten fünf Jahren verlassen (müssen). In der neuen Firma, in der er gerade vier Monate ist, zeichnet sich wieder eine ähnliche Entwicklung ab. Seine – wie er findet – sachliche Kritik trifft bei seinem Vorgesetzten auf wenig Verständnis. Das wiederum kann mein Klient nicht akzeptieren. Wenn der Chef wenigstens sich mit ihm über die kritischen Punkte auseinandersetzen würde, anstatt ihn einfach zu ignorieren.
Auf meine Frage, ob Herr A. diese Gefühle des Übergangenwerdens aus seiner Biographie kennt, werden wir schnell fündig. „Mit meinem Bruder, der fünf Jahre älter ist, war es genauso. Er hat mich einfach nicht ernstgenommen. Ich wollte seine Anerkennung aber oft hat er mich einfach stehen lassen.
Wie wir mit anderen Menschen umgehen können, wie man sich in Konflikten am besten verhält, wie man mit Leistung und Anerkennung umgeht, all das lernt man nicht als Erwachsener auf einem Seminar, sondern als Kind in der eigenen Familie.
Zum Beispiel, zu welcher Konfliktstrategie jemand neigt:
Streiten zum Beispiel die Eltern nie, unterbinden auch Streitigkeiten bei den Kindern und versuchen immer, Harmonie herzustellen, lernt man vermutlich früh, sich zurückzunehmen, sich in andere einzufühlen, die eigenen Bedürfnisse und Gefühle zu verdrängen. Sich durchzusetzen lernt man jedoch mangels guter Rollenmodelle kaum. Das mag einem später für bestimmte Auseinandersetzungen fehlen.

Herrscht aber in der Familie das Modell vor, einer schreit und dominiert, der andere ist still und passt sich an, lernt man früh, dass Konflikte mit den Themen Macht und Ohnmacht zu tun haben. Was nicht stimmen muss, denn Konflikte haben vor allem mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Interessen zu tun.
Doch als Kind versteht man nicht, dass nur die Eltern dieses Konfliktmuster haben. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass man eine der beiden Rollen übernimmt oder gegen den Dominierenden lauthals aufbegehrt.
Die in den ersten zehn bis zwölf Lebensjahren gemachten emotionalen Erfahrungen und die dabei entwickelten Strategien prägen unser Verhalten bis ins Erwachsenenleben. Weil die damals erworbenen Strategien funktionieren – und unser Verhalten basiert immer auf Strategien, die sich bewährt haben und unbewusst verinnerlicht wurden. Auch wenn wir dafür ein gewissen Preis zahlen, der mitunter sehr hoch sein kann, halten wir an den Strategien – oft gegen die eigene Vernunft – fest. Einfach, weil wir unter Stress, zum Beispiel in einem heftigen Konflikt mit dem Partner, unbewusst zu der funktionierenden Strategie „greifen“.
Welche Geschwisterposition legt nun welche Verhaltensmuster nahe?
Der Psychologe Walter Toman und der amerikanische Familienforscher Kevin Leman untersuchten Tausende von Familien über Jahrzehnte. Sie fanden heraus, dass sich Menschen, je nach ihrem Platz in der Familie, unterschiedlich – aber statistisch vorhersagbar – entwickeln. Das ist umso erstaunlicher, da Geschwister ja einen Großteil ihrer genetischen Anlagen, der Erziehung und der sozialen Herkunft teilen. Doch die Eltern und die, soweit vorhandenen, Geschwister sind unsere ersten Interaktionspartner. Mit ihnen probieren wir aus, was geht – „in der Welt“ – und was nicht mit Menschen klappt. Dabei gibt es folgende statistisch erwiesenen Besonderheiten:
- Erstgeborene sind meist erfolgreicher als jüngere Geschwister.
Sie verdienen mehr und finden leichter Vollzeitjobs. Sie wählen öfter anspruchsvolle technische, juristische oder medizinische Berufe – und dort Führungspostionen. - Die meisten erfolgreichen Manager in Großunternehmen sind ältere Brüder von Brüdern.
Vermutlich, weil sie früh lernten, wie man mit Jungen umgeht. Auch älteste Schwestern von Brüdern (wie Angela Merkel), finden als kleines Mädchen schnell raus, wie Jungs ticken – und wie man sie behandeln muss.
Erstgeborene setzen sich auch mehr mit Autorität und den Eltern auseinander. Sie identifizieren sich leichter mit deren Werten, verhalten sich konformistischer und konventioneller im Beruf. Es fällt ihnen schwerer, ganz gegen den Strom zu schwimmen oder etwas völlig Verrücktes anzufangen, weil Sie meist früh hörten: „Nun sei doch vernünftig, du bist schließlich der Älteste“und ähnliche Botschaften, die mehr auf Verantwortung zielen denn auf das Erlauben eigener Impulse. - Mittlere Geschwister lernen früh, flexibel zu sein.
Kinder in der “Sandwich-Position” haben einerseits meist weniger Privilegien oder bekommen weniger Aufmerksamkeit als Erstgeborene. Andererseits haben sie aber auch weniger Freiheiten, als sie zum Beispiel den jüngsten Geschwistern zugestanden werden. Sie laufen so mit und gelten mitunter als „pflegeleicht“. Das erreichen sie dadurch, dass sie meist geschickt vermitteln und ohne allzu große elterliche Kontrolle ihre eigenen Wege gehen können.Sie sind flexibler, auch widersprüchlicher und rebellischer als die Ältesten und orientieren sich früh außerhalb der Familie. Wohl auch, weil man ihnen in der Familie kein so großes Augenmerk schenkt wie dem ältesten oder jüngsten Geschwister. - Nesthäkchen bekommen meist von Geburt an besonders viel Aufmerksamkeit.
Teils geniessen sie „Welpenschutz“ von den älteren Geschwistern. Oft auch von den Eltern, weil es das letzte Kind ist und mit ihm die Elternphase zu Ende geht.
Jüngste Geschwister sind oft lauter, auffälliger und stehen gern im Mittelpunkt. Als Erwachsene sind sie oft begnadete Selbstdarsteller, die früh gelernt haben, dass es im Leben nicht auf die geleistete Arbeit ankommt, sondern wie man sich „verkauft“. Mit Charme, Humor und einen gewinnenden Wesen schaffen sie es, aufzufallen und sich die gewünschte Aufmerksamkeit zu sichern.
Natürlich sind die hier aufgeführten Zusammenhänge vor allem statistische Zusammenhänge, die für den Einzelfall nichts aussagen müssen. Und die Geschwisterposition ist nur eine von mehreren Umweltbedingungen, die uns früh prägen. Jeder Platz zwischen Brüdern und Schwestern hat also seine Vor- und Nachteile, hält Chancen und Risiken für die Karriere bereit.
Walter Toman unterschied in seinem Werk folgende Geschwisterpositionen und fand folgende Persönlichkeitsmerkmale dabei überzufällig vorherrschend:
Älteste Schwestern
Sie übernehmen gern die Bemutterungs-, Aufpaß- und Beschützerinnenrolle. Sie können gut Trost spenden, sind hilfsbereit und haben früh gelernt, eigene Interessen zugunsten der jüngeren (oft männlichen) Geschwister zurückzustellen. Sie sind meist nicht die grossen Rebellinnen, sondern weil sie sich mit den Eltern und deren Werten identifizieren, auch eher folgsam. Sie behalten gern den Überblick und die Kontrolle. Sie können sich gut zusammenreissen, was bis zur Überlastung und einem Burnout gehen kann. Meist sind sie sehr tüchtig, aber auch streng und korrekt.
Jüngste Schwestern
Sie haben die Tendenz, sich führen und verwöhnen zu lassen. Schliesslich haben sie früh gelernt, dass sie von schweren oder unangenehmen Aufgaben auf wundersame Weise verschont wurden. Dabei sind sie ehrgeizig und können ausdauernd konkurrieren . Meist sind sie impulsiv, lebenslustig, manchmal auch wankelmütig und etwas unzuverlässig, denn sie lieben Abwechslung und Aufregung.
Älteste Brüder
Sie werden früh in eine Führungs- und Verantwortungsrolle gedrängt. Werte wie Sorge für andere, Leistung und harte Arbeit, andere beschützen und verteidigen werden ihnen abverlangt. Deshalb entwickeln sie klare Vorstellungen, was richtig und falsch ist und sind bei der Durchsetzung dieser Urteile mitunter streng oder tyrannisch. Durch die Verantwortungsrolle machen sie sich mehr Sorgen als andere Geschwister, dafür erwarten sie von ihren jüngeren Geschwister grosse Treue und Loyalität.
Durch ihr grosses Sicherheitsbewusstsein sind sie an Geld und Besitz stark interessiert, machen daher auch ungern Schulden und lieben ihre geordneten Verhältnisse. Spontaneität wil bei ihnen wohl überlegt sein. Im Finden ihrer Lebenziele sind nicht besonders originell oder einfallsreich, im Verfolgen dieser Ziele jedoch sehr zielstrebig und ausdauernd.
Jüngste Brüder
Sie kennen von klein auf das Gute aus unterschiedlichen Rollen. Sie können also einerseits sich gut führen lassen, gehen aber gern auch in Opposition oder lieben das wetteifernde Gerangel. Da man von ihnen keine grosse Verantwortung verlangte, können sie als Erwachsene oft unbekümmert ihren eigenen Wünschen und Interessen nachgehen. Dabei lassen sie sich gern (z. B. von ältesten Schwestern) verwöhnen und bemuttern.
Sie sind kontaktfreudig, aber auch zuweilen mutig oder frech. Ein langfristiger Erwerb von Besitz und Eigentum lockt sie nicht. Vielmehr sind sie am Geniessen des Augenblicks und den Freuden des Lebens interessiert. Wenn das mit finanziellen Schulden einhergeht, sehen sie das locker. Ständig neue Ideen, aber oft wenig Ausdauer, diese auch erfolgreich durchzuführen, kennzeichnet sie. Die grosse Linie fasziniert sie, von Details und Kleinigkeiten sind sie schnell gelangweilt. Pingelige Vorschriften und ständige Hektik sind ihnen ein Graus.
Einzelkinder
In ihrer Geschwisterposition besteht für sie die Welt nur aus Erwachsenen. Völlig ungeübt in der Auseinandersetzung mit etwa Gleichaltrigen haben sie grosse Mühen, etwas zu teilen oder nicht im Mittelpunkt zu stehen. Dafür haben sie ein grosses Einfühlungsvermögen für die Interessen erwachsener Bezugspersonen.
Sie sind oft nicht besonders selbstständig und leistungsbewusst, denn sie erwarten ihr Leben lang einen roten Teppich, also freundlich gewährte Unterstützung durch Eltern oder andere ältere Erwachsene.
Die hier beschriebenen Charakterisierungen der jeweiligen Geschwisterpositionen machen deutlich, dass diese in der prägenden Phase der Kindheit vor allem Erfordernisse und Annehmlichkeiten der jeweiligen Rolle sind. Erst später entwickeln sich daraus Persoenlichkeitsmerkmale.
Der Einfluss der Geschwisterposition wirkt sich auch privat aus.
Welchen Partner wir wählen aber vor allem, ob und wie wir über die Jahre mit ihm auskommen – oder eben nicht – wird ebenso von unseren frühen Beziehungserfahrungen beeinflusst.
In meiner Arbeit mit Paaren habe ich immer wieder folgende Beobachtungen gemacht:
- Machtkonflikte gibt es oft, wenn das Paar aus zwei Erstgeborenen besteht.
Beide haben gelernt, die Führung zu beanspruchen und können sich aber auf der anderen Seite schlecht anschließen oder dem anderen einfach mal nachfolgen.
- Weibliche „Nesthäkchen“ fühlen sich oft von ältesten Brüdern angezogen.
Der Mann kann dann seine Führungsqualitäten voll einbringen und die Frau hat weniger Probleme damit, sich anzuschließen – wenn sie genügend Aufmerksamkeit bekommt (was zuweilen dem Mann schwerfällt, weil er ja selbst nach Aufmerksamkeit hungert.) - „Muttersöhne“ wollen in der Beziehung vor allem versorgt werden – oder die Partnerin versorgen. Jendefalls vermeiden sie meist die Auseinandersetzung, was früher oder später jede Frau zur Verzweiflung treibt und die Beziehung in eine Sackgasse.
- Männliche Einzelkinder haben selten gelernt, dass sie nicht immer die meiste Aufmerksamkeit (von einer Frau) bekommen können.
Deshalb tun sie sich oft unbewusst mit dem Kinderwunsch der Partnerin schwer und haben auch später oft die Einstellung, dass das Thema „Kinder“ eigentlich Sache der Frau ist. - Die Kinderzahl der Herkunftsfamilie wird in der Paarsituation wiederholt.
Was ein Mann und eine Frau unter „Familie“ verstehen, hat viel mit den beiden Herkunftsfamilien zu tun. Kommen beide Partner aus einer „Zwei-Kind-Familie“ werden sie meist zwei Kinder haben. Kommen beide Partner aus Familien mit drei, vier oder mehr Kindern, werden sie meist nicht nur ein oder zwei Kinder haben wollen. Das hat weniger etwas mit den finanziellen oder beruflichen Möglichkeiten zu tun, sondern mit dem inneren Bild beider Partner, wann eine Familie „komplett“ ist.
Wie können Sie jetzt diese Informationen nutzen?
Bei bestimmten schwierigen Situationen ist es oft hilfreich, zu prüfen, ob Ihnen die Situation auch deswegen Probleme macht, weil Sie – emotional und unbewusst – in Ihnen einen Konflikt aus längst vergessenen Kindertagen berührt. Um dies klarer zu bekommen, ist es hilfreich, wenn Sie sich fragen:
- Woran erinnert mich die Situation?
- Woher kenne ich das Gefühl?
- Woran erinnert mich mein eigenes Verhalten?
Hierbei sollten Sie nicht zu viel nachdenken, sondern eher auf das achten, was Ihnen spontan einfällt. Denn es geht ja um wichtige Informationen aus dem eigenen Unbewussten. Und das erschließt sich einem nicht über eine kluge gedankliche Analyse, sondern eher über Einfälle, Erinnerungen, Gefühle und Assoziationen.
Wie stehen Sie zu dem behaupteten Einfluss der Geschwisterposition?
Halten Sie das für Unfug? Oder können Sie es mit Ihren beruflichen oder privaten Erfahrungen belegen?
Schreiben Sie doch hier Ihre Meinung als Kommentar. Ich bin gespannt – und werde Ihnen antworten.
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Fotos: Fotolia.com © Tatyana Gladskih, Andi Berger, Ken Hurst, sxhu.com
Inspiriert durch einen Artikel in der
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (Nr. 244)





Hallo,
freut mich, dass Sie sich in den Beschreibungen größtenteils wiederfinden konnten. Die eigene Herkunft und die dort gemachten Beziehungserfahrungen spielen unbewusst eben eine wichtige Rolle im Erwachsenenleben.
Zum Muttersohn wird man, wenn man zu lange in der mütterlichen Sphäre bleibt. Konkret: wenn der eigene Vater oder andere wichtige männliche Bezugspersonen einem nicht auf eine gute emotionale Weise zeigen und vorleben, was es heißt, ein Mann zu sein. Näheres dazu in meinem Buch: “Frauen wollen erwachsene Männer” und dem Blog dazu.
Danke für Ihren Kommentar.
Ich finde das sowas von interessant. Ich bin der jüngste Bruder und alles was dort unter jüngster Bruder steht trifft 100%ig auf mich zu. Ich kann mich voll damit identifizieren. Mir ist auch aufgefallen, dass ich bisher nur was mit ältesten Schwestern hatte.
Das was dort unter ältester Bruder steht trifft ebenfalls voll auf meinen Bruder zu. Der ist so ehrgeizig und auch pingelig, für mich ehrlich gesagt garnicht nachvollziehbar.
Ich bin Nesthäkchen, muss aber leider feststellen, dass es hier nicht so auf mich zutrifft. Im Mittelpunkt stehen ist natürlich ein tolles Gefühl, ich stehe auch gerne auf der Bühne wenn ich was tolles kann. Aber ich bin keinesfalls laut und auffällig. (Und auch viel zu faul, was tolles zu machen)
Und unter welchen Umständen ist man eigentlich der “Muttersohn-Typ”? Ist das das männliche Nesthäkchen?
Ich glaube jedenfalls das trifft auf mich zu. Also Mädels, wenn ihr die älteste Schwester seid und “versorgt” werden wollt, meldet euch
Früher oder später werdet ihr zwar an mir verzweifeln, aber bis dahin werden wir viel spaß haben! <3
Hallo Roland,
ich bin die Älteste von 4 Schwestern und einem Bruder. Ich habe selbst 5 Kinder bekommen, studiert, mich 2x scheiden lassen und mache jetzt im Alter von 45 eine zusätzliche Ausbildung, um Lehrerin zu werden.
Ich habe früh Verantwortung übernehmen müssen und musste oft die Klügere sein. Das hat mich echt lebenstüchtig gemacht, aber ich habe dabei verlernt auf meine eigenen Bedürfnisse zu achten. Erst jetzt, wo mir das alles klar wird, kann ich das besser. Ich bin auch nicht der Typ der viel Aufhebens von sich selber macht. Ich mache Dinge und rede nicht lang drüber. Mein Freund hat manchmal ein Problem mit mir, weil er nicht weiß wie es mir wirklich geht. Obwohl ich das weiß und mir die Beziehung sehr viel bedeutet, fällt es mir unheimlich schwer meine Gefühle zu kommunizieren. Manchmal weiß ich auch garnicht so genau was ich fühle.
Bei meinen Schwestern war ich ganz klar die Anführerin. Mein Vater war eher ein weicher Typ, den meine Mutter (die sehr bodenständig und zupackend ist) zuerst bewundert und zuletzt vielleicht auch verachtet hat. Es ist interessant, dass ich dieses Muster bei beiden Ehen wiederholt habe. Ich möchte gerne aus diesen System aussteigen. Reicht es denn sich dessen bewusst zu sein (siehe oben).
Hallo Heidi,
es kommt darauf an, welches Männerbild die Mutter hat und über das Vorleben an ihre Töchter weitergibt. Ist es positiv und werden Männer als gleichberechtigte Partner gesehen, ist das für die Schwestern positiv.
Werden Männer aber eher gefürchtet, nicht respektiert oder – offen oder heimlich – verachtet, besteht die Tendenz, dass auch die Töchter diese Haltung übernehmen.
Da kommt natürlich auch darauf an, ob noch andere Männer wie Lehrer, Verwandte, Nachbarn etc. als positive männliche Vorbilder greifbar sind.
Guten Tag.
Ich gebe Ihnen komplett recht. auch in meiner Familíe zeichnen sich solche Dinge ab.
Meine älteste Schwester ist die erfolgreichste, das “sandwich”-kind ist psychisch am labilsten. die zwillinge waren schon alleine dadurch, dass sie zwillinge sind, immer etwas besonderes. ich bin das nesthäckchen und wurde mit sorge und protektion überschüttet, war allerdings die erste, die das Heim verliess (war wohl doch etwas zu viel schutz).
Ich habe das Talent, die Aufmerksamkeit dann zubekommen, wann ich es will, das stimmt.
Ich kann aber auch teilen, verschenken und / oder weitergeben.
PS: Was ist eigentlich, wenn alles schwestern sind???
Hallo Karl,
wir verinnerlichen unsere Eltern und die frühen Beziehungserfahrungen mit ihnen. Diese Erfahrungen, Ueberzeugungen und Strategien wenden wir auf heutige Situationen mit anderen Menschen an.
Sich das bewusst zu machen, ist ein erster Schritt. Die Konflikte sind von früher, die Mitspieler von heute. Die Konflikte muss man bearbeiten, wenn sie immer wiederkehren oder einen zu stark belasten. Dabei hilft ein Coaching oder ein Persönlichkeitsseminar.
Danke für diesen Artikel, der mir sehr viel klar gemacht hat.
Auch ich habe immer wieder Probleme mit dominant auftretenden Kollegen und Vorgesetzten. Es wäre mir aber bis jetzt nicht im Traum eingefallen, dass das was mit meiner Vergangenheit zu tun haben koennte.
Aber es stimmt. Zwei meiner Chefs haben auch rein äusserlich Aehnlichkeiten mit meinem Vater. Und sogar die Redewendung eines für mich schwierigen Kollegen, nämlich: “Schluss, aus, so wirds gemacht!” bei der ich innerlich auf hundertachtzig fahre, ist Originalton meines alten Herrn gewesen.
Doch die Frage, die sich mir stellt, ist, was mache ich jetzt mir dieser Erkenntnis? Mein Vater ist schon lange verstorben und in den letzten Jahren seines Lebens haben wir uns angenähert und ganz gut verstanden. Warum reagiere ich immer noch so auf bestimmte Menschen? Und vor allem, wie kann ich das ändern?