Nichts ist selbstverständlich.

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BEWUSSTER LEBEN

Über einen täglichen Irrtum in unserem Leben.

nichts ist selbstverständlich, kopp-wichmann, persoenlichkeits-blog.de

Weihnachtsendspurt an der Kasse der Buchhandlung. Menschen bepackt mit Taschen drängeln. Fast alle wollen ihre Buchgeschenke schön einpacken lassen. Es kommt zum Stau an der Einpackstation.

„Warum haben Sie denn nicht mehr Personal eingesetzt?“, beschwert sich ein ungeduldiger Kunde. „Aber wir haben schon drei Mitarbeiterinnen hier zum Verpacken“, versucht sich die Kassiererin zu rechtfertigen.

Doch der Kunde lässt nicht locker: „Es ist doch wohl selbstverständlich, dass Sie in solchen Stoßzeiten genügend Personal vorhalten.“

Da war es wieder.

Schon seit geraumer Zeit fällt mir auf, dieses „Das ist doch selbstverständlich.“ Es beinhaltet einen Anspruch, dass die Dinge in einer bestimmten Weise zu laufen haben.

Aber ist es das wirklich?

Nichts ist selbstverständlich.

„Bester Service ist für uns selbstverständlich.“ Klar, ist das nett und komfortabel, aber ist es selbstverständlich? Je mehr man für selbstverständlich hält, umso mehr werden die Ansprüche in die Höhe geschraubt. Denn das „Normale“ ist ja schon selbstverständlich. Erst das Außergewöhnliche zählt.

Doch das ist ein gefährlicher Weg, denn auch das Außergewöhnliche wird irgendwann zum normalen Angebot – und damit auch wieder selbstverständlich.


Ich war dieses Jahr ziemlich krank. Verbrachte viel Zeit in Wartezimmern von Ärzten, in Fluren von Krankenhäusern, in Klinikbetten. Und war sehr dankbar für die ausgezeichnete Versorgung in Deutschland, die moderaten Wartezeiten, die kompetenten Ärzte und Schwestern, die fast immer reibungslose Organisation. Und alles wurde von meiner Krankenkasse bezahlt.

Manchmal gehe ich gerne spazieren. Nicht joggen oder walken, sondern einfach nur spazieren. Und freue mich daran, dass ich noch nie überfallen wurde. Dass ich saubere Luft atmen kann. Kein Erdbeben oder Tornado mich ängstigen.

Alles nicht selbstverständlich.

Wenn ich nach Hause komme, sind die Zutaten für mein Abendessen schon im Kühlschrank. Sie sind von guter Qualität und nicht sonderlich teuer. Es gab eine Riesenauswahl, aus der ich frei wählen konnte. Musste keinen Tagesmarsch hinter mich bringen, um sie zu besorgen, sondern auf dem Nachhauseweg einfach mitbringen.

Ich übe einen Beruf aus, der mich sehr erfüllt. Das war nicht immer so. Aber ich konnte immer frei wählen. Weder meine Schulbildung noch meine Ausbildungen spielten dabei eine große Rolle. Ich könnte sogar überall auf der Welt arbeiten.

Meine Frau konnte ich mir selbst aussuchen. In dem Alter, in dem es mir passend erschien. Von meiner ersten Frau, mit der ich verheiratet war, konnte ich mich in einem kurzen Verfahren vor einem Richter, wieder scheiden lassen. Aus all dem entstanden mir keine Nachteile, genau genommen, niemand interessierte es sonderlich.

Wenn ich mich über das Weltgeschehen informieren will, gibt es eine Vielzahl von Informationsquellen. Ich kann die Bücher oder Zeitungen lesen, die ich will. Über das Internet sind auch ausländische Quellen verfügbar.

Alles nicht selbstverständlich.

Ich kann eine Partei wählen, die die Regierung stellen soll. Da ich in einer Demokratie leben, gewinnt nicht immer die Gruppierung, die ich bevorzuge. Aber es sind im Großen und Ganzen demokratische Parteien. Ich könnte sogar selbst Politiker werden.

Morgens geht die Sonne auf und ich kann Ihre wärmenden Strahlen aus dem Fenster meines Schlafzimmers sehen und fühlen. Ich könnte auch nach draußen in den Garten gehen. Ich liege in meinem Bett und freue mich, dass ein neuer Tag beginnt.

Ich bin 68 Jahre alt geworden. Das ist ein mittleres Alter aber ich weiß, dass längst nicht alle Menschen auf der Welt so lange leben. Nicht nur in Afrika.

Wenn ich aufstehe und mich unter die warme Dusche stelle, denke ich nicht darüber nach, was für eine wundervolle Erfindung das ist und was für eine technische Entwicklung dahinter steckt, dass in fast jedem Haus genügend Wasser, sogar warmes, vierundzwanzig Stunden am Tag zur Verfügung steht.

 

Alles nicht selbstverständlich.

Der Duden zählt als Synonyme für den Begriff „selbstverständlich“ unrer anderem auf: [allgemein] gebräuchlich/üblich, alltäglich, bedenkenlos, einleuchtend, folgerichtig, fraglos, gängig, gang und gäbe, gewöhnlich, konsequent, natürlich, normal, üblich, unhinterfragt, unzweifelhaft; (umgangssprachlich) logisch.
Doch all die Dinge, die ich aufgezählt haben, sind keineswegs „alltäglich“. Oder „gewöhnlich“ oder „normal“ oder „üblich“.

Wer Zeitung liest oder eine Weile in irgendeinem anderen Land lebt, weiß zum Beispiel, dass selbst in zivilisierten Ländern wie den USA oder Großbritannien eine Krankheit sich schnell zu einem großen Problem auswachsen kann.

Viele Dinge unseres Lebens werden „selbstverständlich“, weil wir uns daran gewöhnt haben und wir glauben, dass wir uns auf ihr Dasein oder Auftreten verlassen können. Doch das ist meist eine große Illusion. Gestern passierte der Terrorangriff mit einem LKW auf einem Berliner Weihnachtsmarkt. Jedes schreckliche Ereignis und sei es „nur“ ein Verkehrsunfall, den wir erleben, macht uns deutlich, dass auch die eigene Unversehrtheit oder das Weiterleben nicht selbstverständlich sind.

Indem wir etwas für selbstverständlich halten, ignorieren wir es.
Verlieren wir die Wertschätzung.

Die freundliche Bedienung im Restaurant, das klare Wasser aus der Leitung, dass unsere Beine uns dorthin tragen, wohin wir wollen – erst das Fehlen macht uns bewusst, dass es gar nicht selbstverständlich war. Sondern ein Geschenk.

Wie kann man der Falle des „Selbstverständlichen“ entgehen?

Das ist gar nicht so einfach. Eckhart Tolle hat beobachtet, dass wir immer auf „die nächste Sache“ warten. Egal, was wir gerade tun, wir warten auf die nächste Sache. Hier spricht er darüber.

Nicht so vieles für selbstverständlich halten, geht vielleicht am besten, indem man im Moment lebt. Und das wahrnimmt, was man gerade erlebt und es nicht für selbstverständlich/normal(üblich etc. hält. Vielleicht sogar ein bisschen dankbar ist, dass dies gerade im Leben da ist.

 

kommentarWas finden Sie nicht selbstverständlich?

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

30 Kommentare

  1. Hey Roland,
    Ich halte es für nicht selbstverständlich, dass ich in einem Land leben darf, wo kein Krieg herrscht. Dass ich an einem Ort aufwachsen konnte, wo ich Meinungsfreiheit herrscht und ich oft handeln kann, wie ich möchte.
    Ich halte es für nicht selbstverständlich, dass du einen so schönen Beitrag verfasst, der mich eben wirklich zum Nachdenken anregt. Dafür danke ich dir.
    mfg Thomas

  2. Liebe Frau Hermanns,
    „Das Leben wurde mir geschenkt und ich sehe meine Aufgabe darin, das Beste daraus zu machen“, ein schönes Lebensmotto, wie ich finde.
    Danke für Ihre guten Wünsche.

  3. Karina Hermanns sagt

    Ein schönes Thema, gut passend zum Jahresausklang. Eigentlich immer passend.
    Für mich ist mein Leben nicht selbstverständlich, es wurde mir geschenkt und ich sehe meine Aufgabe darin, das Beste daraus zu machen. So kann ich dieses Geschenk am besten wertschätzen.
    Alles, was wir Menschen erfahren dürfen, ist nicht selbstverständlich und alles, was uns begegnet, hat immer etwas mit uns zu tun. Wir brauchen nur darauf achtgeben und verstehen. Das ist nicht viel, was wir dafür tun müssen, um das Geschenk Leben zu bewahren.
    Ihnen alles Gute und Gesundheit

  4. Hallo Herr Klautsch,
    freut mich, dass Ihnen mein Blog gefällt.
    Dort habe ich mal einen Artikel geschrieben über den Unterschied zwischen Bedürfnissen und Ansprüchen. In Kürze: Bedürfnisse, wenn man sie erfüllen kann, machen „satt“. Ansprüche nie.

  5. Herbert Klautsch sagt

    Sehr gehrter Herr Kopp-Wichmann, wünsche Ihnen noch einen erholsamen 2. Weihnachtstag, beste Wünsche für Gesundheit im neuen Jahr und Dank Ihnen für diesen Beitrag. Ihrer Beobachtung über Anspruchhaltungen dem Leben gegenüber, kann ich nur zustimmen; Geduld, Muße, Demut und Achtsamkeit gegenüber den gleichfalls berechtigten Wünschen anderer könnten und sollten wir uns auf die Fahnen der Vorsätze für 2017 schreiben, alles Gute Ihnen, mit nochmaligem Dank für Ihren Blog, Herbert Klautsch

  6. „Als Frau empfinde ich nochmal eine besondere Dankbarkeit, hier ein freies selbstbestimmtes Leben führen zu können.“ Das ist auch ein wichtiger Punkt, der oft übersehen wird. Und der ja auch bei uns noch nicht allzu lange Wirklichkeit ist. Da hat die Frauenbewegung unschätzbar Wichtiges geleistet.

  7. Da kann ich mich nur dem Autor und allen anderen, die kommentiert haben, anschließen. Wenn man in anderen – ärmeren – Ländern unterwegs war, verändert sich der Blickwinkel total:
    Wenn es bei uns regnet und manche über das „schlechte“ Wetter schimpfen, erinnere ich mich oft an die Situationen, die ich in Indien erlebt habe, wenn es dort regnet. Alles ist gleich total überschwemmt, man kann kaum aus dem Haus gehen, so heftig regnet es. Ich erinnere mich lebhaft an Menschen, wie sie in ihren primitiven dunklen Hütten sitzen und frieren. – Wie gut geht es mir in meiner Wohnung, in der ich bloß den Thermostat der Heizung etwas aufdrehen muss. Und die vielen Möglichkeiten, die ich habe, mir es zu Hause gemütlich zu machen und mich zu beschäftigen.

    Ja, wir nehmen vieles als allzu selbstverständlich hin. Ich bin sehr dankbar, hier in diesem Land geboren zu sein und leben zu dürfen. Als Frau empfinde ich nochmal eine besondere Dankbarkeit, hier ein freies selbstbestimmtes Leben führen zu können.

    Danke für diesen tollen Artikel!

  8. Nicole Theisen sagt

    Ich kenne viele geflüchtete Menschen. Das Zusammensein mit ihnen lässt mich das Leben aus einem anderen Blickwinkel sehen.
    Gestern war Heiligabend. Die ganze Familie kommt selbstverständlich zusammen. Wir sitzen gemütlich um den Kamin und dürfen Weihnachtsfreude erleben. Was für ein Geschenk!

    Viele Jahre habe ich darüber gar nicht nachgedacht! Und nun denke ich an die hungernden, frierenden Menschen in Aleppo, die auf ihre Rettung warten, weil es für die Kriegsparteien nicht selbstverständlich ist, Zivilisten zu verschonen. Ich denke an die Kinder, die keine Kindheit haben. An Erwachsene, die keine Heimat mehr haben. An Männer, die ihre Frauen und Kinder lange Zeit, vielleicht auch nie mehr wiedersehen werden. Ich denke an Trauma, Angst und Gefahr, die an den Grundfesten dessen, was selbstverständlich sein sollte, ein normales Leben, rütteln.

    Ich spüre unendlich viel Dankbarkeit für unsere Situation in Deutschland und so viel Unbehagen. Viele der Geflüchteten sind meine Freunde geworden, wichtige Menschen in meinem Leben. Letzte Woche haben sie ein Weihnachtsessen für ihre Helfer gekocht. Sie haben sich bedankt, für die vielfältigen Hilfen, die sie überhaupt nicht selbstverständlich finden und für die sie ihre Wertschätzung zeigen möchten.

  9. „dass in jedem Moment ein kleines Wunder birgt und eben keine Selbstverständlichkeit.“
    Genau das wollte ich ausdrücken.

  10. „Es gibt nur zwei Arten zu leben.
    Entweder so als wäre nichts ein Wunder
    oder so als wäre alles ein Wunder.“

    Das Zitat von Albert Einstein ist mir ein guter Leitfaden, wenn es im Leben mühsam und ruppig zugeht und scheinbar nur Unzufriedenheit und Gemotze existiert.

    Wertschätzung und Dankbarkeit für das, was ich in meinem Leben haben, entfachen die Freude im Herzen und manchmal stecke ich andere damit an.

    Ihr Artikel erinnert wunderbar umfassend daran, dass in jedem Moment ein kleines Wunder birgt und eben keine Selbstverständlichkeit.

    Vielen Dank dafür und ein gesundes und reiches 2017!

    Angela Braun

  11. Annette van den Bussche sagt

    Frohe Weihnachten und viel Gesundheit und Liebe für 2017 für Sie und Ihre Familie.
    Ihr Artikel hat mich wie immer berührt und die Perlen gehören ’selbstverständlich‘ 😉 zu meiner Sonntagslektüre

    Danke für diese schönen Geschenke.
    Herzlich aus Frankfurt
    Annette van den Bussche

  12. Ja, Reisen, vor allem in „unterentwickelte“ Länder hilft, die Perspektiven zurechtzurücken.
    Und in Deutschland nach dem verlorenen Krieg und in einem zerstörten Land war auch ganz vieles nichts selbstverständlich für uns. Aber an das Gute gewöhnt man sich schnell und scahut viel zu sehr auf das, was nicht funktioniert.

    Danke für Ihre Lesertreue.

  13. Romana Bauer sagt

    Ihr Beitrag spricht mir aus der Seele! Mein Mann und ich waren 14 Tage in Vietnam und Kambodscha unterwegs. Während dieser Reise habe ich mir sehr oft gedacht, mein Gott – wie gut geht es in in Europa! All die Dinge, die Sie in Ihrem Blog beschreiben, sind in diesen Länder nur für eine kleine Minderheit von Menschen zugänglich. Der Großteil der Bevölkerung muss sich einem täglichen Kampf um die alltäglichsten Dinge aussetzen. Am ärmsten sind die Kinder, die nicht wissen in welchem Elend sie leben. Schulpflicht ist nicht überall, Nahrung und sauberes Wasser ein Luxus. Ich wurde durch diese Reise wieder bescheidener und dankbarer.
    Herzlichen Dank für Ihre wertvollen Blogs, die ich jeden Sonntag lese.

  14. Hier fand ich etwas Passendes zu Ihrem Artikel, den man sich immer wiedermal ins Gedächtnis rufen sollte …

    Das stand im Kalenderblatt vom 21.12. ( Der andere Advent – vom Andere Zeiten Verlag ).

    Dankbar!

    Früh wach – lebendige Kinder
    Haus voller Unordnung – ein Dach über dem Kopf
    Schon wieder Regen – gut für den Garten

    Der tägliche Einkauf – Versorgung gesichert
    Berge von Wäsche – genug zum Anziehen
    Stapel von Abwasch – alle sind satt

    Bus verpasst – geschenkte Zeit
    Jede Menge Lärm – Menschen um mich her
    Erschöpft ins Bett – ein Tag voller Leben !

    Amen

    Frohe Weihnachten !

  15. Wichtig ist, sich regelmäßig klarzumachen, was man im Leben alles hat und wie privilegiert man selbst ist. Dadurch wird man automatisch geerdeter und erfährt ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit

  16. Werner Heisenberg und Neils Bohr z.B. hätten ihre Freude dran gehabt. Die Welt ist im echten quantenelektrodynamischen Sinne metaphysich. Oder einfach quantenmechanisch, wobei wir selbst ein Resonanzsystem sind und nicht mal so sehr Bewusstheit die große Rolle spielt, sondern Mechanismen, Wechselwirkungen und vor allem Schnittstellen (Interfaces). Bewusstsein und etwas ruhiges Denken benötigen wir vor allem um die Sinne immer und vor allem im richtigen Moment offen und funktionstüchtig zu halten. Nicht zum Kontrollieren und Erzwingen durch Anstrengung und Stress. Gerade arbeite ich an einer sehr schwierigen Marketingaufgabe (Einführung neuer Technologie für sehr viele Anwendungen) und ohne die Vierfeldertechnik könnte ich diese Aufgabe überhaupt nicht machen. Seit Jahren glaube ich kaum noch, dass ich selbst das alles alleine mache. Aber immer öfter falte ich die Hände. Roland, ich wünsche vor allem gesundheitlich alles Gute und schöne Feiertage. Gruß Karl

  17. Ich habe eben den Artikel gelesen „Dankeschön“ Es ist gut sich diesen Umstand ab und an mal wieder bewusst zu machen..Und wenn man kann, gar dankbar für das zu sein was wir alles – noch – haben 🙂

  18. Hallo Karl,
    danke für diesen Kommentarbox-sprengenden Beitrag.
    Hört sich sehr interessant, werde ich morgen mal anfangen, auszuprobieren.
    Danke.

  19. „Vielleicht sogar ein bisschen dankbar…“ ? Vor rd. 5 Jahren war mir dann auch endlich klar, dass nichts, absolut nichts selbstverständlich ist. Und nach dem sorgsamen Studieren der Bücher von Dr. Josef Murphy, Charles Haniel, Noah St. John und vielen anderen, ging es dann los. Mir wurde absolut klar, dass nichts, gar nichts, absolut nichts selbstverständlich ist. Kein Baum, kein Traum, kein Atemzug, kein Gedanke. Keine Erfahrung, gleich wie sie aussieht. Zu dieser Zeit hatte ich auch regen Emailkontakt mit Kirsten Howe, die Kurse zu genau diesem Punkt der Nichtselbstverständlichkeit gibt. Auf Grund meiner guten Kenntnisse in Quantentheorie und – dynamik entstand eine grandiose neue Technik, die ich dann lange Zeit sehr erfolgreich eingesetzt habe.

    In dieser Technik konzentrieren sich die Knackepunkte der o.g. Bücher (z.B. „In Dankbarkeit kann niemand negativ sein…“ Murphy oder „Affirmationen funktionieren nicht, aber Afformationen…“ N. StJohn sowie: „Es gibt eine Macht, die alles weiß, was es zu wissen gibt und alles kann, was es zu können gibt.“ W. D. Wattles — Nachdem Kirsten Howe nun mit viel Fleiß und Akribie die Gedankenströmungsmechanik der Dankbarkeit über Jahre erarbeitet und gelehrt hatte und Ch. Haniel im Master Key System die ganze Komplexität erläuterte sowie Dr. J. Murphy umfassend über die Macht des Unterbewusstseins referierte, entstand bei mir ein ganz einfaches System. Dieses kann jeder jeden Tag anwenden mit grandiosen Ergebnissen.

    Man kann es gleich auswendig behalten und braucht nicht viel dafür: Einen Stift, ein Blatt Papier und morgens sowie abends 5 bis 10 Minuten. (jetzt wo ich alles kurz zusammenfasse wird mir wieder klar, wie grandios das ist – und diese kurze Darstellung ist sicher für viele besser, als das Anwenderbuch, das ich mal schrieb). Die Headline des „Systems“ lautet: Auf dem Feld des vierblättrigen Klees. Die Subheadline erläutert: Wie jeder auf einfache Weise das zentrale Wissen kluger Buchautoren täglich nutzen kann durch seine eigene echte Schnittstelle zu Unterbewusstsein und der Quelle.

    Idealerweise verwendet man einen Kanzleibogen, der hat vier DIN-A4-Seiten oder ein selbst erstelltes Formular. Morgens und abends schreibt man dann in die 4 Felder.
    – Feld 1 hat die Überschrift DANKE. Es wird morgens ausgefüllt und man schreibt eine Reihe Dinge auf, für die man dankbar ist (da sie ja auch nicht selbstverständlich sind) Da kommt sicher einiges zusammen. Das warme Bett, das Dach über dem Kopf, der Kaffee, die Dusche… siehe Artikel oben) aber auch: Bewusstsein, Lernen, Erfahrung(en), der Tag, jeder Atemzug, jeder Herzschlag, die Kinder, die Enkelkinder, jedes Lächeln usw.
    Im ersten Feld also beginnen wir, den Tag (jeden Tag) mit Dankbarkeit einzurahmen.
    Natürlich kann ich bereits im Feld 1 die tolle Entwicklung der Afformationen (St.John) nutzen, also z.B. „Warum ich mich gut fühle?“ oder „Warum dieser Tag erfolgreich für mich wird ?“ oder einfach „Prima!“ „Gut“ oder „Ich bin hier!“

    – Feld 2 hat die Headline: ERLEDIGE ! und die Subheadline: Inspirierte Aktivitäten für diesen Tag, welche mit Unterstützung des Unterbewusstseins bestmöglich gelöst, begonnen oder fortgeführt werden. Der Titel richtet sich weniger an uns selbst – es ist keine ToDo-Liste – sondern viel stärker an das Unterbewusstsein (bekanntlich ist das Unterbewusstsein der Elefant, auf dem unser Bewusstsein wie eine Mücke sitzt)
    Feld 2 wird am Vorabend für den kommenden Tag geschrieben, weil dann das unbewusste Suchsystem die Nacht schon nutzen kann.
    Feld 3 wird immer am Abend geschrieben und rahmt den Tag weiter ein durch eine positive Zusammenfassung. Es hat den Titel: DIESER GUTE TAG und die Subheadline Warum ist es gut, dass ich abends aufschreibe, was heute gut war, was ich bekommen habe und erleben durfte. Wir machen also einen positiven Rückblick. Entweder Stichpunktartig oder bezogen auf eine zentrale Geschichte mit kurzen Sätzen. War was gutes in der Post? Hat ein Kunde die Rechnung bezahlt? Was habe ich gelernt? usw.

    – Im Anschluss, also am besten auch am Abend folgt Feld 4
    Es hat die Überschrift ANTWORTE ! Und hier kann ich eine Frage formulieren, die ich beantwortet haben möchte. Natürlich kann ich auch hier Formulierungen aus Murphys Buch über die Macht des Unterbewusstseins nutzen, z.B.: „Mein Unterbewusstsein weiß jederzeit, was gut für mich ist und hilft mir bei meinen Entscheidungen…“ oder z.B. Was ganz genau muss ich alles tun, um wirklich gesund zu leben ? oder Was will ich selber wirklich ganz genau ? Aber z.B. für Entwickler macht es auch Sinn, hier Detailwissen abzufragen: Wie löse ich dieses oder jenes technische Problem ? Was muss ich hier oder da ganz genau beachten, worauf kommt es an ? Oder aus dem Alltagsleben: Wo ist mein neues Auto ? Wo ist die Finanzierung für mein neues Auto?

    Wenn man dann einige Erfahrung mit der Anwendung hat, wird klar: Dies ist eine echte quantenelektrodynamische Schnittstelle zum Unterbewussten und noch viel mehr. Denn nichts ist selbstverständlich.

    Vielen Dank an Euch für die Geduld beim Lesen dieses langen Kommentars und viel Erfolg. Übrigens kann es sein, dass andere die gleiche Erfahrung machen wie ich: Alles funktioniert. Über „Lieferzeiten“ nachzudenken ist müßig. Die können zwischen 0,2 Sekunden und Jahren liegen. Lange Dauern kommen oft durch unsere trägen Sinne. Manchmal kommen Antworten und Lösungen bereis beim Aufschreiben, was wir dann gleich wieder mit Dankbarkeit begrüßen und niemals mit Selbstverständlichkeit einsacken. Es gibt ja EINE QUELLE; denn sonst wäre alles selbstverständlich. Ist es nicht. Und diese unumstößliche, von tiefstem Herzen empfundene Tatsache ist vielleicht dieses symbolische Senfkorn, von dem viele schon gehört und gelesen haben.

    Noch ein Tipp zum Schluss. Das kennen die Coaches hier sehr gut. Nehmen Sie zu Beginn mal ein Blatt Papier, das Blatt bekommt den Titel: „Meine Schwerpunkte“,
    Untertitel: „Was ich selber wirklich will und kontinuierlich tatsächlich erreiche.“ Und erstellen Sie ein Mind Map. Dabei zeichnet man in der Mitte einen Kreis, wo hinein man Ich schreibt. um diesen Kreis kommen weitere Kreise mit Lebensbereichen wie Finanzen, Sport, Gesundheit, Job usw. wo hinein man die Ziele in 12 Monaten schreibt. D.h., z.B. Ich möchte kerngesund sein und fixfidel und 10 Kilo abnehmen sowie den Halbmarathon schaffen. Oder z.B. X.xxx Euro Einkommen und alle finanziellen Probleme gelöst.

    Dieses Blatt legt man weg. Die Schwerpunkte für die Arbeit mit den vier Feldern hat sich das Unterbewusstsein eingeprägt. Es macht Sinn, immer wieder mal im Verlaufe Feld 4 zu fragen : Was sind meine Schwerpunkte ? und Was will ich selber wirklich?

    Soweit ich mich erinnere, hat alles immer so lange, wie ich mich auf dem Feld des vierblättrigen Klees befand, also diese Vierfeldertechnik täglich (auch im Urlaub, auch am Wochenende, auch für Privates…) angewendet habe, alles gut geklappt. Und wenn ich ausgesetzt habe…

    Frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr.
    Karl

  20. Fortunj Gallistl sagt

    Es ist auch nicht selbstverständlich, so einen guten Beitrag zu lesen. DANKE!

  21. Ich glaube, dass „die Gewöhnung an vermeintlich Selbstverständliches“ unvermeidlich ist.
    „Der Fisch ist der letzte, der das Wasser entdeckt“, sagte Einstein dazu. Aber im Unterschied zum Fisch können wir uns das immer wieder bewusst machen, was uns selbstverständlich vorkommt, weil wir es gewohnt sind, es aber gar nicht selbstverständlich ist.
    Das merkt man automatisch, wenn es fehlt oder etwas nicht funktioniert. Der Strom fällt aus, man bricht sich ein Bein oder kriegt eine Grippe. Aber es geht auch ohne diese Erfahrungen, quasi als tägliche Achtsamkeitsübung: Dankbar sein für das, was alles da ist und wir haben.

  22. Jens Uhlemann sagt

    Ich denke, dass in der Gewöhnung an vermeintlich Selbstverständliches auch der Grund liegt, dass so viele bereit sind, auf unsere Werte – insbesondere Religions- und Meinungsfreiheit, funktionierende Demokratie, aber auch Sicherheit – zu verzichten: Diese Menschen wissen diese Werte einfach nicht zu schätzen, eben weil sie sich daran gewöhnt haben, sie als „normal“ betrachten.

    Meines Erachtens wird sich das ändern müssen: Denn genau diese Werte werden heute von vielen Seiten attackiert: Von religiösen Fanatikern ebenso, wie von linken und rechten Extremisten und von machtgeilen, narzisstischen Politikern, die nur noch sich selbst und/oder denen dienen, die sie in der Hand haben.

    Wer sich heute dagegen nicht auflehnt, weil er unsere Freiheit und Sicherheit als selbstverständlich ansieht, der wird mitschuldig sein, wenn wir all das morgen verloren haben.

  23. Norbert Nigg sagt

    Alles als selbstverständlich zu erwarten, macht unzufrieden.
    Alles als nicht selbstverständlich zu erwarten, macht dankbar.
    Dankbarkeit schenkt Zufriedenheit.

    Ich versuche, wenn immer ich mich über etwas (Kleines) freue, mir in Erinnerung zu rufen, dass nichts selbstverständlich ist. Fortsetzung siehe oben. Ergebnis: Ich freue mich mindestens doppelt!

  24. Ja, auch gute Beziehungen zum Partner, zu den Kindern, zu Freunden sind nicht selbstverständlich.
    Danke für Ihren Kommentar.

  25. Lieber Herr Kopp-Wichmann,
    vielen Dank für diesen nicht selbstverständlichen Artikel :-).
    Es mag selbstverständlich sein, dass nichts selbstverständlich ist, aber es tut gut, immer mal wieder daran erinnert zu werden.
    Ich habe mich gefragt, was wir eigentlich alles an Weihnachten für selbstverständlich erachten.
    Ich denke, es ist nicht nur, dass wir reich beschenkt werden.
    Nach der Trennung von meiner Frau vor 1,5 Jahren ist mir zum Beispiel sehr bewusst geworden, dass Familie am Heiligen Abend nicht selbstverständlich ist. Und es tut weh, wie viele Menschen das nicht verstehen.
    Noch mal herzlichen Dank für diesen Artikel.
    Liebe Grüße
    Uwe Hermann

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