Wie Sie einen Burnout und den Rückfall vermeiden.

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INTELLIGENTER ARBEITEN

Ungewöhnliche Ansichten eines Burnout-Coaches.

Wie erarbeitet man sich einen Burnout?

Der Burnout entwickelt sich zur Volkskrankheit. Medien und Buchhandelsregale sind voll mit Tipps und Hilfen. Fast jeder kennt in der Firma oder im Bekanntenkreis Menschen, die der Burnout erwischt hat – und die oft für viele Monate ausfallen. Liegt’s wirklich am Smartphone, der Digitalisierung oder gar der Globalisierung?

Aus meiner Erfahrung mit vielen Seminarteilnehmern geht das am besten so:

    • Übertriebener Perfektionismus.
      In manchen Bereichen sind hundertprozentige Ergebnisse notwendig. Bei einer Operation, wenn jemand ein Flugzeug steuert, wenn der Restaurantkritiker das Lokal betritt.
      Doch für die meisten Bereiche des Lebens reichen achtzigprozentige Lösungen völlig aus. Das wird zwar nirgends laut gesagt aber es ist trotzdem so. Selbst die Bundesregierung erlässt Gesetze, die öfters nachgebessert werden müssen. Nach der Paretoregel brauchen sie aber für eine achtzigprozentige Lösung nur zwanzig Prozent der Zeit. Lesen Sie hier nach …

      Übertriebener Perfektionismus hat meist mit dem Gefühl, noch etwas beweisen zu müssen, zu tun. Dass man klug ist, mithalten kann, Außerordentliches leisten kann, etwas wert ist etc. Letztlich hat es mit Unsicherheiten und unbewussten Ängsten zu tun.
      Lesen Sie hier …
    • Die Verleugnung von Grenzen.
      Wir leben in einer Zeit, wo Grenzen keinen guten Ruf haben. „Geht nicht, gibt’s nicht!“ oder „Nichts ist unmöglich!“ sind Slogans, die wir oft hören und bei manchen Menschen zur inneren Richtschnur geworden sind.Doch alles hat Grenzen. Selbst das Universum soll ja nicht unendlich sein. Aber alles was auf der Erde existiert, hat Grenzen und Menschen allemal. Grenzen der Kraft, der Energie, der Zeit, der Lust, der Motivation.
      Menschen mit der Tendenz zu Burnout empfinden Signale auf eigene Grenzen nicht als nützliche Information oder Erlaubnis, sondern als Kränkung. Und versuchen zu zeigen, dass das für sie nicht stimmt. Selbst wenn der Körper dann nach Jahren Erschöpfungssymptome oder Verschleißsymptome zeigt, wird dies oft nicht als Hinweis auf eine gefährliche Überlastung verstanden, sondern als persönliches Versagen, das tapfer verschwiegen oder repariert werden muss.
    • Ein mechanistisches Bild von sich selbst.
      Die Stärke von Vielarbeitern ist, dass sie jahrelang klaglos funktionieren. Wie eine Maschine. Wenn Maschinen Ausfälle zeigen oder kaputt gehen, werden sie repariert. Und die moderne Medizin kann ja tatsächlich heute vieles „reparieren“.
      Doch für wen sein Herz nur eine Pumpe, sein Knie nur ein Scharnier und seine Bandscheibe nur ein Knorpel ist, neigt dazu, diesen Teil des eigenen Körpers eben auch nur zu reparieren oder zu ersetzen, anstatt sich Gedanken zu machen, wie es dazu kam.
      „Funktionieren müssen“ ist eine unbewusste Strategie, die man meist schon in der Kindheit lernt. In einem Elternhaus, in dem nur Leistung zählte, Beschwerden und Unlust als „Schwäche“ oder „Gejammer“ abgetan wurden. Da lernte man dann früh, hart zu sich selbst zu werden und alle „weichen“ Gefühle zu unterdrücken. Für diese Entfremdung von sich selbst zahlt man jedoch irgendwann einen  hohen Preis.
    • Probleme im Privatleben.
      Beruf und Privatleben beeinflussen sich gegenseitig. Zu viel Arbeit und dadurch Zeitmangel wirken sich als fehlende Zeit für die Partnerschaft und die Familie aus. Umgekehrt kann ein glückliches Privatleben der Anlass sein, seine Werte bezüglich Leistungsbereitschaft und Überstunden zu überdenken.
      Bei vielen Menschen mit Neigung zum Burnout gibt es Probleme im Privaten. Ungelöste Konflikte in der Partnerschaft bezüglich Aufgabenteilung, gegenseitigem Respekt oder Sexualität sind die wichtigsten.

 


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Ich soll Burn-out gefährdet sein?

Der Fisch ist bekanntlich der letzte, der das Wasser entdeckt.
Denn das, was wir gewohnt sind, fällt uns gar nicht mehr auf. Wir haben keinen Abstand dazu, können es also gar nicht mehr wahrnehmen.

Und ebenso sind Burnout-Klienten meist völlig überrascht, wenn ihnen eine Panikattacke die Luft abschnürt. Ein unerklärlicher Schwindel sie von den Beinen holt. Oder eine fürchterliche Unruhe den ganzen Menschen packt. Partner und Kollegen sind weniger überrascht, sondern wundern sich eher, dass es erst jetzt passiert.

Ein Burn-out kommt aber nicht über Nacht, sondern entwickelt sich innerhalb von mehreren Jahren.

Oft sind es Menschen, die mit hohen Idealen ihre Arbeit beginnen und sich mit den Jahren an der Realität des Arbeitslebens aufreiben.
Die Symptome werden dabei immer stärker und zahlreicher, werden aber tapfer ignoriert oder heruntergespielt. Dann kommt ein harmloser Auslöser und man rutscht in einen akuten Burnout-Zustand.

Ob Sie schon gefährdet sind, erfahren Sie in diesem Burn-out-Test.


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Warum Burn-out-Patienten eigentlich ein Suchtproblem haben.

Ich will mal ganz deutlich werden. Zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung MPU, im Volksmund „Idiotentest“ müssen jährlich 100.000 Verkehrssünder. Weil sie mit zu viel Alkohol, Drogen oder Medikamenten Auto fuhren. Knapp die Hälfte fällt beim Idiotentest das erste Mal durch.
Über die Gründe sagt ein Tester: „Viele ändern ihr Trinkverhalten nicht und können im Test nicht glaubhaft darlegen, dass sie das in Zukunft ändern werden.“

Fünfzig Prozent Durchfallquote beim MPU!
Die Rückfallquote bei Burn-out liegt sogar noch höher: zwischen 50 und 70 Prozent.
Warum?

Das Burn-out-Verhalten wirkt wie eine Droge.

Alkohol und Drogen machen haufenweise gute Gefühle. Deswegen ist der Verzicht oder die Mäßigung so schwer.

Dem Burnout-Kandidaten geht es genau so. Er verschafft sich laufend gute Gefühle, indem:

  • Er sich beweisen will, wie enorm leistungsfähig er ist – und dabei jahrelang Warnzeichen seines Körpers ignoriert.
  • Er zeigen will, wie perfekt er arbeiten kann – und sich deshalb weigert, mal nach der 80/20-Regel zu verfahren.
  • Er sich daran berauscht, wie unersetzlich er ist – und deshalb schlecht delegieren kann.
  • Er glaubt, dass er fast keine körperlichen oder psychischen Grenzen hat – bis ihm der Burn-out welche aufzeigt.
  • Er denkt, dass er immer stark sein muss – weil Schwäche mit seiner Identität unvereinbar scheint.

Hintergrund dieses Verhaltens können auch unverarbeitete Verluste und Bindungsprobleme in der Kindheit sein, wie eine neue Studie zeigt. Die deutlich höhere Bindungsunsicherheit würde erklären, warum Burnout Betroffene sich so wenig abgrenzen können und so viel für Zugehörigkeit und Anerkennung am Arbeitsplatz opfern.

 


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Warum die Rückfallquote bei Burn-out so hoch ist.

Laut Statistik bei Burn-out zwischen 50% und70%.

Die Rückfallquote ist so hoch, weil Burn-out-Patienten ungeduldig sind.
Gut erholt kommen sie aus der Reha und denken: Jetzt kann ich all das wieder aufarbeiten, was liegen geblieben ist.

Der Betreffende hat sich auch vielleicht nach dem Burnout verändert – sein Umfeld aber nicht. Dieselbe Familie, dieselben Freunde und Bekannten. Dieselben Kollegen und Vorgesetzten. Alle haben hohe Erwartungen – der Burnout-Patient auch. Er gilt ja jetzt wieder als gesund, also belastbar. Und so ist man schnell wieder im Hamsterrad der alten Gewohnheiten.

Burn-Out ist vergleichbar mit einem Girokonto:
Es ist kein Problem, wenn das Konto kurzfristig, auch mit größeren Beträgen, überzogen ist (d.h. einigeWochen oder Monate mit viel Arbeit sind kein Problem). Das Konto muss jedoch immer wieder ausgeglichen werden (also mit genügend Freizeit, Ruhepausen, Urlaub, Hobbies etc.).

Wenn aber das Konto über lange Zeiträume sehr stark überzogen ist, so stellt der Körper das Konto sofort und überraschend „fällig“ – der Burn-Out ist da.

 


Burn-out als Folge des Verlusts an Sinn.

Wer in seiner Arbeit aufgeht, kann jahrelang 10 Stunden am Tag arbeiten – ohne auszubrennen.
Wer jedoch hohe Leistung über Jahre erbracht hat und zu wenig Sinn in seiner Arbeit erkennen kann, ist gefährdet. Wer bisher nur die Einkommens- und Karrierebedürfnisse im Blick hatte, erkennt oft an einem bestimmten Punkt, dass die Sinnbedürfnisse auf der Strecke blieben.

Denn ob eine Situation stressig ist, wird immer subjektiv erlebt. Die psychische Belastung hängt davon ab, wie wir sie selbst beurteilen.
Wer jedoch die Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns eingetauscht hat gegen die Gier nach äußerer Anerkennung, ist stark gefährdet:

  • Wenn man alles erreicht hat, was man sich vorgenommen hatte.
  • Wenn die Karriere immer glatt lief und die Erfahrung des Scheiterns fehlt.
  • Wenn man ein „falsches Selbst“, das auf die Erwartungen anderer getrimmt ist, entwickelt hat.
  • Wenn man die Frage „Was will ich wirklich?“ vergessen hat.
  • Wenn eingefahrene Lebensmuster und Glaubenssysteme das Leben dominieren.
  • Wenn man die Verantwortung für das eigene Leben abgegeben oder eingetauscht hat.
  • Wenn man schlecht Grenzen setzen kann, weil man den Kontakt zu seinem Körper und seinen Gefühlen verloren oder abgeschnitten hat.

Doch wie findet man den Sinn im Leben?

Das lernt man am besten von der Eintagsfliege …

 


 

Sind Sie burnout-gefährdet?

Vielleicht haben Sie sich in den hier beschriebenen Denk- und Verhaltensmustern wiedergefunden.
Dann sollten Sie handeln. Fotolia_69564395_seminar kebox klein

Ich leite immer wieder ein spezielles Burnout-Seminar.
Es ist kein Wohlfühl-Seminar, bei dem Sie sich berieseln lassen und mit anderen über Stress und die blöden Chefs lästern können.
Sondern wir betrachten Ihre ungünstigen Denk- und Verhaltensmuster, mit denen Sie sich bis jetzt das Leben schwer machen.
Wir klären, wo diese Muster herkommen – und wie Sie sie verändern können.

Lesen Sie hier …

 

 

Keine Zeit?
Zu teuer?

Dann lesen Sie hier …


 

Hören Sie dazu den Podcast.

 


kommentar Welche Erfahrungen haben Sie mit Burnout?

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Bild: © depeshkov, DDRockstar, Mopic Fotolia.com

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

4 Kommentare

  1. michael sagt

    Das Thema haben wir im Studium auch behandelt. Es sind tatsächlich mehr Menschen Burnout gefährdet, als man sich tatsächlich vorstellen kann. Die meisten versuchen es zu verdrängen und meiden ein Gespräch mit dem zuständigen Vorgesetzten, da sie oft meinen auf Unverständnis zu stoßen oder befürchten dass alles über ihnen zusammenbricht wenn sie nicht am Ball bleiben. Den Vergleich wie im Artikel beschrieben „wie eine Droge“ beschreibt es recht treffend.

    Bei solch Fällen können natürlich auch bestimmte Seminare sehr hilfreich sein, wie ganz schwerwiegenden Fällen ist ein Zwangsurlaub häufig die letzte Möglichkeit. Es gibt viele Wege gegen Burnoutsyndrome vorzugehen.

  2. Moin Moin Herr Kopp-Wichmann!

    Danke für diesen Artikel. Ich bin zwar nicht gefährdet, einen Burnout zu bekommen, aber trotzdem fand ich Ihren Artikel sehr ansprechend.
    Besonders den Punkt mit dem Lebenssinn. Ich denke, dass leider so wenige Menschen ihre Erfüllung im Beruf finden. Gibt es diesbezüglich noch weitere Blogartikel von ihnen? 🙂

    Liebe Grüße

    Marten

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