Lügen wirklich alle Männer?

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„Vmaenner lügen xs iStock 000006273432 Lügen wirklich alle Männer?ERGISS ES EINFACH. Männer lügen alle.  ALLLEEEEEE!!!! Weil sie feige sind. Schwaches Geschlecht. Können eigentlich fast nix dafür...“

Ein Gastbeitrag von Susanne Asser.

So das resignative Zitat meiner hübschen, intelligenten Freundin, Anfang vierzig, die zum wiederholten Male belogen und betrogen wurde. Das erste Mal war‘s die große Liebe.  Man traf sich so oft wie möglich, verlebte schöne Wochenenden und Urlaube miteinander. Nach einem Jahr wurden gemeinsam Pläne zum Zusammenziehen geschmiedet.

Kisten und Koffer waren gepackt. Meine Freundin kam glückselig mit Hab und Gut in Nürnberg an, wo ihr dann der ehrenwerte Prinz eröffnete, er habe nicht mit offenen Karten gespielt – er sei verheiratet und wolle die Beziehung zu ihr nun beenden.

Als sie nach geraumer Zeit der Schock überwunden hatte, versuchte sie noch zweimal, der Liebe eine Chance zu geben. Mit demselben Ergebnis. Auf meine Frage, was denn passiert sei, sagte sie: „Beide haben mich belogen, betrogen und mich obendrein für komplett blöd gehalten, indem sie trotz eindeutiger Beweise alles leugneten!“

Ich kann mir gut vorstellen, dass Psychotherapeuten (v.a. Familienaufsteller) jetzt schnell denken: “Welche Geschichte oder Dynamik spielt da aus dem Familiensystem dahinter? Was ist das Thema, das diese Frau so oft begleitet?“ Wer weiß, vermutlich hat es doch etwas mit dem „Gesetz der Anziehung“ auf sich.

Diese Geschichte  und weitere Gespräche mit Freundinnen und Bekannten in den vergangenen Monaten haben mich nachdenklich gestimmt und zu diesem Artikel angeregt: Lügen alle Männer?

Lügen Männer und Frauen aus unterschiedlichen Gründen?

Was ist bloß mit den Männern los? war mein erster Gedanke. Andererseits ist solches Verhalten ja nicht auf Männer begrenzt. Frauen tun sich mit der Wahrheit oft genauso schwer, wenn es an Eingemachtes geht.

Warum lügen Menschen überhaupt?

Beim Lügen geht es ja um den Versuch, unangenehme Gefühle zu vermeiden. Meistens Scham und Angst vor Strafe. Insofern hat die Tendenz zum Lügen viel mit der eigenen Einstellung zu Konflikten und dem Aufrechterhalten des Selbstbildes zu tun.

Nach meiner Beobachtung haben Frauen oft weniger Angst, sich mit unangenehmen Gefühlen auseinanderzusetzen, weil auf der weiblichen Landkarte "schwache" Gefühle eher erlaubt sind als bei Männern.

Die obigen Aussagen habe ich auf Facebook, in einer „Geheimen Gruppe“, die nur aus Männern bestand, zur Diskussion gestellt. Hier einige Zitate:

  • „Das ist jetzt natürlich eine wunderbare Steilvorlage für uns Typen, in Zukunft unser Lügen auch noch "wissenschaftlich" zu untermauern...“
  • “Ich kann das so nicht stehen lassen. Einerseits stimmt es: Alle Männer lügen. Auf der anderen Seite: Alle Männer? Man muss differenzieren: Wann lügen sie? Warum lügen sie? Welche Gründe haben sie? Das wäre sonst eine logische Ableitung nach dem Schema: "Herbert lügt. Herbert ist ein Mann. (Alle) Männer lügen."
  • "Ich würde mir dann eher die Frage stellen: Wieso treffe ich immer wieder in meinem Leben auf Männer, die lügen? Gibt es irgendetwas, wo ich selbst nicht ehrlich zu mir bin und wird mir so ein Spiegel vorgehalten?" - aber das wäre eine andere Kiste."

Tatsache ist: viele Menschen lügen.

frauen luegen pinochio xs iStock 000000335618XSmall Lügen wirklich alle Männer?Auf Facebook berichtet jemand: "Ich habe damit schon in Kindheit und Jugend begonnen. Als Kind, um mich zu schützen. Als Jugendlicher um besser da zu stehen. Irgendwann merkte ich, dass Lügen anstrengend ist, weil man sich an die ganzen Lügen merken muss und nicht vergessen darf, wem man welche Version erzählt hat. Das mag Gehirn,  Merkfähigkeit und Kreativität trainieren, macht aber das Leben ganz schön kompliziert."

Danach beschloss ich, nur noch die Wahrheit zu sagen. Das war zwar auch anstrengend, weil ich manchen vor den Kopf stieß und es kostete auch einige "Freundschaften". Aber es macht das Leben um einiges einfacher."

Lügen bleibt meist nicht unbemerkt.

"Denn langfristig spürt das Gegenüber natürlich auch die Lügen. Wenn auch meist nur unbewusst. Man kann es nicht beweisen - aber es bleibt ein komisches Gefühl, wenn man sich mit so jemandem unterhält."

Wenn Menschen - Männer wie Frauen - lügen, geschieht es meist aus Unsicherheit. Vor allem, wenn Männer beim Fremdgehen Frauen belügen dann vor allem deshalb, weil sie sich tief im Innern unsicher sind."

Zu dem Thema bekam ich noch den Kommentar eines Coaches:

“Ich finde die Diskussion amüsant. Denn wie kommen wir dazu, Aussagen in Lüge und Wahrheit zu klassifizieren? Schon allein unsere unterschiedlichen Wahrnehmungen der Realität stellt das Konzept von Lüge und Wahrheit auf eine arge Probe.

Als Coach wirst Du häufig von Kunden belogen, weil sie gerne besser dastehen wollen als Sie sich selbst wahrnehmen. Doch die Essenz dieser Lügen ist wieder eine Wahrheit. Denn so würden sie gerne sein. Also erzählen Dir die Menschen immer die Wahrheit, nur ist sie eben manchmal Realität und manchmal Fiktion.“

Ich selbst halte die Sichtweise mit der mangelnden Konfliktbereitschaft am plausibelsten, denn das zeigt sich z.B. in folgendem Szenario, bei dem nicht gleich mit der Wahrheit rausgerückt wird.

Ein frustrierter Ehemann beginnt z.B. während einer langjährigen Partnerschaft eine längere Affäre. Ihm ist  von Beginn an eigentlich klar, dass er seine Familie und das, was er mit ihr aufgebaut hat, niemals für die andere Frau verlassen wird.

Auf der anderen Seite weiß er, dass die Frau, mit der er ein Dreiecksverhältnis eingeht, eine langfristige Beziehung sucht. Warum dann nicht gleich mit offenem Visier antreten? Weil „dating from a point of strength“ risikoärmer ist?  Zu diesem  Thema sind schon Tausende Blogbeiträge, Zeitschriftenartikel und Bücher verfasst worden.

Sind Männer am Ende einfach nur Schweine?

Hat Lügen etwas mit der Midlife-Krise zu tun?

Ich möchte hier etwas tiefer gehen. Sich als Mann oder Frau einzugestehen, dass man vor etlichen Jahren aus den falschen Gründen den Partner gewählt hat, ist eine bittere Erkenntnis. Vielleicht mit dem Gefühl,  in diesem Punkt, versagt zu haben.

Im Grunde ist so eine Krise auch eine Chance. Wären beide Partner jetzt ehrlich zueinander, könnten sie einander eine neue Chance geben, ihr Glück mit jemand anderem zu finden.

Ich habe mit vielen Männern und Frauen um die 40, die ihre Partner so Mitte Ende zwanzig oder gar früher geheiratet haben, geredet. Dabei habe ich folgende Gemeinsamkeiten festgestellt:

  • Außer, dass sie ihre berufliche Richtung kannten und wussten, dass sie eine Familie gründen wollten, stellen sie in der Retrospektive fest, dass sie erst ab Mitte 30 wirklich wissen, was sie wollen.
  • In der Karriere hat man rauschende Erfolge gefeiert und erste niederschmetternden Pleiten eingefahren. Man weiß, wie sich Kinder auf eine Beziehung auswirken, besonders dann, wenn diese von vornherein keine stabile Basis zur Grundlage hatte.
  • Oft spielt in Beziehungen auch die Achtung und der Respekt vor den Eltern des Partners eine wichtige Rolle. Denn wie soll man seinen Partner respektieren und achten, wenn man vor dessen Eltern keine Achtung hat? Schließlich gäbe es ihn ohne diese Eltern nicht.
  • Manchmal werden auch die Kinder vorgeschoben. Hierzu ein Beispiel. Oft haben sich auch die Wünsche und Erwartungen geändert. Nur werden diese aus Angst vor den Konsequenzen geheim gehalten. Lieber tätowiert man sich den Opferstempel auf die Stirn und hält noch eine Weile aus. Nur mit dem Fremdgehen hält man(n) es zu Hause noch aus.
    Ich bin überzeugt, dass in vielen Fällen, wenn als Grund, sich nicht zu trennen, die Kinder angegeben werden, obwohl klar ist, dass das Haltbarkeitsdatum der Paarbeziehung definitiv abgelaufen ist, es vor allem um nicht gelöste Ablösungskonflikte von den  Eltern geht.
  • In der Mitte des Lebens ist dann möglicherweise auch die Lösung aus einer Beziehung möglich, die in der Rückschau betrachtet doch nur zweite Wahl war. Vielleicht findet sich erst in der zweiten Lebenshälfte für viele der Partner erster Wahl.

Sieht das Fazit bezüglich der männlichen Lügen etwa so aus, wie einer meiner Freunde die Eingangsfrage beantwortete: „Ja, alle Männer lügen. Aber eine Welt mit brutal ehrlichen Männern wäre bestimmt nicht zwingend lebenswerter, oder?“

Mein Plädoyer: Beziehungen ändern sich. Jeder, der den Mut zur Selbstreflexion hat,  entdeckt im Laufe der Jahre vieles, was ihm im Vorfeld gar nicht bewusst war und es öffnen sich unerwartet verlockende Türen und Tore.

Für Beziehungen heißt das: Schauen, was man wirklich will, "Landkarten" über das gemeinsame Leben miteinander abgleichen und Konsequenzen daraus ziehen, statt sich selbst etwas vorzumachen.

Da sich 2011 noch in der Phase der guten Vorsätze befindet, bleiben doch noch ganze 357 Tage zur „mannhaften“ Umsetzung. Die Investition zahlt sich langfristig garantiert aus!

Dies ist ein Gastbeitrag von Susanne Asser, einer freiberuflichen Trainerin.

article 32 Lügen wirklich alle Männer? Was meinen Sie dazu?
Warum Lügen Männer?
Warum lügen Frauen?

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Fotos: © istock.com

 Lügen wirklich alle Männer?
 Lügen wirklich alle Männer?

Hier schreibt: Roland Kopp-Wichmann

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.



43 Kommentare

  • Thiersa schrieb:

    Männer lügen weil sie Angst haben, Angst, etwas zu verlieren oder von uns Frauen nicht für “voll” genommen zu werden. Weil sie sich beweisen wollen oder müssen?! Weil sie Angst vor der Reaktion der Frauen/Ehefrau/Freundin haben. Erwarten sollten wir Frauen von ihnen nichts & machen wir uns den Stress nicht selbst weil wir etwas erwarten?

  • Angela schrieb:

    Ich denke oft die Unwahrheit sagen, hängt damit zusammen, was man in dieser Hinsicht als Kind gelernt hat. Ob nun Frau oder Mann, am Geschlecht würde ich das definitiv nicht fest machen.
    Kleine Notlügen sind natürlich etwas anderes als handfeste Lügen, vor allem wenn der andere weiß, dass die Unwahrheit gesagt wird.
    Ich kenne jemanden, der den Spieß umdreht und einfach sagt: “Du lügst … das habe ich nie gesagt, habe ich nie getan”, obwohl wir beide dabei waren. Oder mir etwas unterstellt, was nicht stimmt und mich dann als Lügnerin bezeichnet, wenn ich es gerade rücken möchte. Sich widerspricht und davon nichts wissen will, obwohl andere das merken.

    So etwaskann ich überhaupt nicht nachvollziehen und ich frage mich, wie jemand so sein kann

  • Böses Mädchen schrieb:

    Bruno schrieb..
    >Fakt 2: Frauen Lügen bewußter und öfter als Männer. Das liegt an der Geschlechterrolle. Das primäre Machtmittel der Frau, ihr Körper und ihre Sexualität, ist nicht überall einzusetzen oder genügt nicht den Anforderung. Dann wird oft zum zweitbesten Machtmittel gegriffen. Der Lüge. Männer haben es in einer Beziehung meistens nicht nötig zu lügen.<
    Blödsinn, den Körper kann Frau innerhalb und außerhalb der Beziehung einsetzen, deshalb braucht sie das (angebliche 2.Machtmittel) erst gar nicht – ich spreche da aus Erfahrung, denn ich kann nicht nur mit Schusswaffen umgehen, sondern auch mit den richtigen Waffen der Frau ;-).

    Des Weiteren hat mein Nochmann mich belogen und 2 meiner Feunde auch und das recht dreist. Sie hattens eben doch nötig, in der Beziehung zu lügen ;-)

    Was Du ansonsten zu Fakt 3 geschrieben hast, ist es ebenso unwahr wie das gerade von mir Zitierte – eben mal wieder eine männliche Lüge, was mich aber nicht wirklich überrascht.
    Von kleineren Notlügen mal abgesehen habe ich noch nie große Lügen verzwackt, denn die wären mir als Frau eben viel zu stressig. Männern kann es nicht zu stressig sein, denn komischerweise bekam ich ihre Lügen oft heraus, sicher nicht alle aber genug, um diese Beziehungen zu beenden – Fazit für mich: Natürlich lügen Männer mehr, schlimmer und öfter als Frauen.

    Emanziperte Grüße zum Frauentag, Küsschen an Bruno

  • Aber nicht der einzige. Einfühlungsvermögen gehört auch dazu.

  • Andreas Holleman schrieb:

    Auch wenn´s nicht gerne gehört wird, aber rein wissenschaftlich, ist lügen ein Ausdruck von hoher sozialer Kompetenz ;-) LG Andreas.

  • bruzelli4you schrieb:

    Gelogen oder getäuscht (was ich für das bessere Wort halte) wird überall – der Mensch ist hier nicht einzigartig und hat diese nicht erfunden. Die Natur lebt sogar von Täuschung. Es gibt aber immer zwei seiten: die Täuschung und die getäuschte Person. Das ist ein Lernprozeß schon von klein auf. Kind langt auf die heiße Herdplatte und erlebt die wohl größte “ent”-täuschung. Das nennt man Erfahrung. Die Beziehung von Lüge und Schuld ist wiederrum in einer kulturellen Beziehung des westlichen Menschen in der dualistischen-abrahamische Religionsprägung zu sehen. Wir leben alle in verschiedene geistige Welten – …oder anders gesagt: “Ein Frosch, der im Brunnen lebt, beurteilt das Ausmaß des Himmels nach dem Brunnenrand.” (aus der Mongolei) Dadurch, in seinem/ihrem Glauben, läßt sich der Mensch täuschen und “glaubt”.
    Meisterschaft erreicht der Mensch wenn er sich ent-täuscht, dann wächst er/sie in der Erfahrung. Wir müssen die Partner(in), zum gegenseitigem Verständnis, aus der anderen Vorstellungswelt abholen. Aber das erfordert einen offenen Geist …

  • Anna schrieb:

    Männer lügen wirklich alle!!!
    Auch wenn man ganz konkrete Beweise auf den Tisch legt, leugnen sie es. Z.B., jedesmal, wenn mein Mann auf einem Fortbildungskurs ist, stellt er am Abend das Handy ab, ist nicht erreichbar. Nach Mitternacht einmal kommt ein Anruf, wenn man selbst schläft, er habe sein Handy im Zimmer vergessen und war beim Heurigen.

    In der Früh kommt eine sms, er habe leider sein Handy im Auto vergessen. Leider hatte er schon vergessen, was er in der Nacht gesprochen hat. Ihn diesbezüglich telefonisch konfrontiert, fühlte er sich angegriffen und beendete sofort das Gespräch, um wieder das Handy abzudrehen. Das ging die ganze Woche so. Vor seinen Eltern spielt er den tollen Sohn und wie großartig doch die Fortbildung war, obwohl er jeden Tag stockbesoffen war und natürlich fremdging. Seine Eltern fielen wie immer auf seine Scheinheiligkeit herein.

    Was soll man als Frau dazu noch sagen. Ich überlege mir wirklich schon, ob es nicht besser wäre, mich zu trennen, denn er lügt und betrügt, dass sich die Balken biegen. Auch wenn ich ihm schon Sexfotos, wo er drauf ist und sein Pufffräulein vorlegte, leugnete er noch immer, dass er es nicht ist auf dem Foto. Übrigens, die Fotos wurden von ihm selbst gemacht mit der Tussi, weil das für ihn so toll ist, sich beim Sex zu fotografieren oder zu filmen.

    Egal, das ist ein anderes Thema, jedenfalls die Männer lügen und lügen und gehen immer fremd!!!!!!

  • Lothar schrieb:

    Lügen wirklich alle Männer?

    Gegenfrage:
    Gibt es Menschen, Männer oder Frauen, die NICHT lügen?

    Oder anders:
    Alle Menschen lügen!
    (Ist das nun wahr oder unwahr?)

  • Bruno schrieb:

    Fakt 1: Lügen ist ein Grundprinzip unserer Gesellschaft. Es gibt keine effektivere und kostengünstigere Möglichkeit Macht über andere Menschen auszuüben. Die Lüge ist das Machtwerkzeug schlechthin. Deswegen wird sie überall eingesetzt. Von der Politik über die Werbung bis hin zur zwischenmenschlichen Beziehung.

    Fakt 2: Frauen Lügen bewußter und öfter als Männer. Das liegt an der Geschlechterrolle. Das primäre Machtmittel der Frau, ihr Körper und ihre Sexualität, ist nicht überall einzusetzen oder genügt nicht den Anforderung. Dann wird oft zum zweitbesten Machtmittel gegriffen. Der Lüge. Männer haben es in einer Beziehung meistens nicht nötig zu lügen.

    Fakt 3: Es gibt einen Unterschied bei der männlichen und weiblichen Lüge. Frauen bauen komplette Lügengespinste auf bis zum Schluß kaum mehr ein Detail der Wahrheit entspricht. Männern ist das zu stressig. Sie konzentrieren sich auf eine “große” Lüge und belassen den Rest bei der Wahrheit. Das ist nicht nur effektiver, weil man nur an einer einzigen kontrollierten Stelle erwischt werden kann, sondern reicht in der Regel auch aus. Zumindest im Beziehungsbereich.

    Mit emanzipatorischen Grüßen
    Euer Bruno

  • LisaIlona schrieb:

    Hallo Herr Kopp-Wichmann,
    danke für Ihre Worte, die mein Handeln bestätigt haben. Konsequenz ist die eine Sache, aber wenn einem das Herz regelrecht gebrochen wird von einem Menschen, den man von Herzen geliebt hat und noch liebt, der dann einen so enttäuscht, ist das ein höllischer Schmerz, der nicht mehr aufhören will. Ich habe zwischenzeitlich auch erfahren, dass er zu seiner Frau und Kind zurück ist und lieber die dortigen Auseinandersetzungen erträgt, als die Konsequenzen aus allem tragen zu müssen, weil es bequem ist. Ich sollte nur Freundin sein, durfte keine Ansprüche stellen, weil es für ihn eben so bequem ist. Die gemeinsamen Zukunftspläne, der gemeinsame Urlaub, waren nur Luftblasen. Von wegen er liebt mich, er liebt nur sich selbst.
    Klar wird es noch eine Weile brauchen bis diese Wunden bei mir verheilt sind, aber ich lasse diese Art von Trauer auch zu, sonst würde ich kaputt gehen. Ich selbst und mein Geschäft haben genug unter dieser Situation gelitten, und ich habe angefangen nicht nur neue Ziele zu setzen, sondern auch diesen nachzugehen. Auch bin ich zum Entschluss gekommen, dass ich im Gegensatz zu ihm ein freier Mensch dadurch bin, eben weil für mich der Respekt groß geschrieben ist und zu allem offen stehe egal was ich tue oder angestellt habe.
    Für mich gilt auch “man trifft sich nicht nur einmal im Leben” und dann kann ich guten Gewissens dem Gegenüber ins Auge sehen.
    Ich kann nur jedem empfehlen sich von solchen Partnern zu trennen, auch wenn der Weg sehr schwer ist anfangs, der Leidensweg wenn man bleibt ist ein unerträglicher Zustand.

    Ich werde meine Erfahrungen sammeln und in einem Buch niederschreiben, das ist eines meiner Ziele.

  • Hallo Lisallona,
    gut, dass Sie so konsequent von Anfang an waren. Dadurch haben Sie sich vermutlich viel Leid erspart.

  • LisaIlona schrieb:

    Menschen die ständig lügen, sind für mich feige in ihrem Handeln die Konsequenzen tragen zu müssen. Ich habe das vor kurzem selbst erlebt, mein Freund hat mich von anfang an nur belogen. Ich fragte ihn warum er mich ständig anlügt, ich bekam keine Antwort, statt dessen nur Ausreden, um sich nicht mit normaler erwachsenen Diskussion auseinandersetzen zu müssen.

    Diese Art von Leben trieb schon über viele Jahre mit seiner Ehefrau und Kind, und dann wieder mit mir. Seine Versprechungen hielt er nie ein, und log dafür, “was interessiert mich mein Geschwätz von gestern” ist sein Wegbegleiter. Es machte ihm nichts aus, sein Gegenüber damit zu demütigen und verletzen, nei, er rechtfertigte dies mit weiteren Ausreden. Solche Lebenssituationen erträgt kein Partner auf Dauer, denn sie zun höllisch weh.

    Ich habe den Kontakt schlagartig abgebrochen, weil es für mich ein unerträglicher Zustand war. Für mich hat Respekt ein großer Stellenwert. Ein Lügner kennt keinen Respekt und wird es immer wieder tun – nämlich lügen.

  • Anonym schrieb:

    Ich bin überfragt warum Männer so wie Frauen lügen..
    Für mich gibt es keinen Grund etwas zu erzählen was nicht der Wahrheit entspricht wenn ich etwas nicht sagen möchte tue ich es einfach nicht und gut ist.
    Mir haben Mann genau wie Frau schon mein Herz gebrochen durch Lügen.
    Von einer vertrauten Freundin belogen zu werden oder der Schwester (hatte ich auch schon) war für mich allerdings immer schmerzhafter als wenn ein Mann irgendetwas log.

  • Reinhard Wiesner schrieb:

    “Kein Interesse, kein Bedarf” siehe Geschichte, ist auch eine Lüge und die Männer die anscheind dann Interesse haben und nicht gehen, lügen dann eben auch an andere Stelle ;-)!!!

    Wenn Sie eine Frau und gleichzeitig Single sind, dann stellen Sie sich bitte vor, dass Sie einen neuen Partner suchen. Sie gehen auf eine Party, in eine Bar oder eine Disco. Sie stehen mit Ihrem Drink an der Bar und von weitem kommt ein Mann auf Sie zu. Rein äußerlich: ideale Molekularstruktur, passt genau in Ihr Beuteraster!!!

    Der Mann spricht Sie an. Aber nicht so plump mit: “Kennen wir uns?” oder “Hast du mal Feuer?”. Er ist da doch schon kreativ, im Sinne von: “Hast du einen Freund? Willst du einen besseren?” ;-) Der macht das schon gut und sieht dabei auch noch gut aus! Doch Sie erinnern sich an die Grundwerte, die Ihnen Ihre Mutter damals mitgegeben hat: “Nicht den Erstbesten! Du musst sie zappeln lassen!” Und Sie sagen zu ihm: “Kein Interesse, kein Bedarf, habe schlechte Erfahrungen gemacht, will eh gleich gehen, bin mit einer Freundin hier, habe keine Zeit, du bist jetzt schon der fünfte, der mich anspricht…” usw. Also: Sie reagieren mit Vor- und Einwänden.

    Darauf entgegnet der Mann: “Schade, da kann man nichts machen. Dann vielleicht ein anderes Mal.” Er dreht sich um und geht.

    Was denken Sie als Frau? Jetzt in dieser Situation?

    Wenn ich dieses Beispiel im Seminar nutze, dann kommt immer die Antwort: “Der hat zu schnell aufgegeben. Der wollte gar nicht.”

    Wenn ich dann nachfrage: Wie viel Interesse hatte der Mann wirklich, Sie als Frau, als Persönlichkeit, kennen zu lernen? Hier erhalte ich meist die Antwort: “Gar keins!”

  • Lieber Herr Kopp-Wichmann,
    ja, da haben Sie völlig Recht. Der Sympathie-Bonus in der Bevölkerung hat überdies dazu geführt, dass man KT die Lügen schnell verziehen hat – da kann er schon mal an seinem Comeback basteln.
    Es ist ein Phänomen: Bei Sympathie sind die Menschen eher bereit, über Fehler/Lügen hinwegzusehen.
    Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass Lügen heute immer weniger funktioniert? Wo man hinsieht, fliegen zurückgehaltene Informationen, Korruption, Missbrauch (Lügen/Unehrlichkeit) eben auf. Ich finde das eine sehr beruhigende Entwicklung…;-)
    LG
    Petra Dirkes

  • Liebe Frau Dirkes,
    bin ganz Ihrer Meinung. Deshalb fand ich auch die Guttenberg-Posse so erbärmlich. Erst scheibchenweise das ganze Ausmaß des Betrugs zugeben, dann ehrenvoller Abschied mit großem Zapfenstreich und sofortiges Planen seiner politischen Rückkehr.
    Jeder Diplom-Ingenieur oder Arzt, der so dreist seine Abschlussarbeit gefälscht hätte, müsste mit Berufsverbot und anderen Konsequenzen rechnen.

    Danke für Ihren Kommentar.

  • Ich denke, der schwerste Schritt ist der hin zum Bewusstsein, dass ich lüge. Lügen ist so “gesellschaftsfähig” geworden, dass es wie eine Selbstverständlichkeit im menschlichen Miteinander erscheint. Gucken wir in den Fernseher, sehen wir lügende Politiker, die Wahrheit verzerrende Journalisten, erhellende Informationen zurückhaltende Unternehmensbosse, Banker etc. Da erscheint die Lüge im privaten Bereich wie eine “Kleinigkeit”.
    Wer sich bewusst macht, dass er sich mit Lügen nur selbst schadet, hat den wichtigsten Schritt getan.
    Schöner Beitrag :-)
    LG
    Petra Dirkes

  • Manchmal frage ich mich schon, ob die Art der Familie, wie wir sie kennen, eigentlich gesund sein kann. Wie Sie es beschrieben haben, ändern sich Menschen im Laufe der Zeit. Und wenn sich Partner nicht ständig abgleichen können, driften sie auseinander. Hinzu kommen ja dann die Rabattmarken, die nicht auszulöschen sind. Die Gräben werden immer tiefer. Und dann geht man doch besser auseinander. Nur die Kinder haben damit, weil in dieser Denke aufgewachsen, extreme Probleme.
    Ich habe letzte Woche mal ein wenig in die Kultur der Mosuo in China reingeschaut. Dort kennt man den Begriff des Vaters nicht. D.h. es lebt auch keine Mann im Haushalt einer Frau. Dort leben nur die Kinder und ggf. die Großmutter. Die Söhne leben weiter in diesem Haushalt.
    Es gibt dann regelmäßige Feste mit aufwändigen Ritualen, in der sich die Frau eine Mann für die Nacht mitnimmt.
    hier ist die Stärke der Familienzusammenhalt der Blutlinie der Frau. Und diese hält stärker zusammen, als es bei uns mit dem fremden Mann ist.
    Ein anderes Beispiel beschreibt Sobonfu E. Somé in ihrem buch “Die Gabe des Glücks”. Hier wachsen die Kinder in der Sippe auf und da sind alle Tanten die Mutter und alle Onkel die Väter. Die Kinder wechseln nach Belieben zwischen diesen Personen. Es ist das Leben in Burkina Faso.
    Diese Kinder scheinen mir weniger Leiderfahren als unsere. Mittlerweile ist die Scheidungsrate so hoch, dass es fast schon der Normalzustand ist, in einer Patchwork-Familie zu leben. Und die, die sich nicht scheiden lassen, lügen sich vermutlich ihre Beziehung auch eher gut.
    Ich selbst lebe seit 11 Jahren in einer Beziehung, in der wir getrennt leben und jeweils unsere Kinder dabei haben. Wir sehen uns intensiv, wenn die Kinder beim jeweiligen Ex-Partner sind. Und ich muss sagen, dass dies Art der Beziehung deutlich entspannter für alle Beteiligten ist. Ich für meinen Teil komme dabei mit deutlich weniger Lügen zurecht. So meine subjektive Meinung dazu.

  • susanne asser schrieb:

    Guter Punkt, Günter! Ich sehe das wie Sie.

    Vorhin im Buchladen las ich den Spruch auf einem Notizbuch in das man die Wahrheit eintragen konnte:

    “Zumindest hat man vor der Lüge die Wahrheit gedacht”

    Schönen Abend :-)

  • Günter Bähr schrieb:

    Warum Lügen Frauen und Männer

    Weil die lügen einfach abgenommen werden als
    bequeme Wahrheit, und das passt gerade in das eigene Konzept. Außerdem ist es einfacher, für den Belogenen. Er/sie braucht es nicht mehr hinterfragen.
    Am meisten schadet sich der Lügner ja selbst.
    Ich persönlich halte alles für wahr. Trotzdem hinterfrage ich die Wahrheit auch, denn es könnte ja auch ein Mißverständnis sein. Ich kann es auch so sagen, Ich nehme nicht jede Wahrheit ernst.
    Ich bilde mir meine eigene Wahrheit, ob der andere lügt oder nicht ist deshalb nicht mein Problem.

    Günter

  • Susanne Asser schrieb:

    Hallo Jens,

    eine sehr schöne Formulierung, finde ich :-)

    In der wahren Liebe trifft die Ratio keine Entscheidungen….

  • Susanne Asser schrieb:

    “Und es ist nicht einfach, sich wirklich dorthin zu bringen, das zu sagen und zu tun, was man möchte. Dazu muss man natürlich auch erstmal wissen, was man möchte (Selbst-Empathie), denn ich denke, dass viele Menschen ihre eigenen Bedürfnisse zu wenig kennen.”

  • Alle Männer lügen – aber nicht weil sie Männer sind, sondern weil, so meine Einschätzung, sie in unserer Gesellschaft zu rational funktionierenden auf Erfolg getrimmten Persönlichkeiten erzogen werden. Die Lüge ist nur eines der Instrumente der Macht (neben Taktik, Strategie, etc.) mit der wir die Entwicklungen in Beziehungen so steuern, dass sie anderen zum Nachteil, bzw. uns zum Vorteil dienen.

    Irritierend finde ich, wie leicht der Perspektivwechsel zur Lüge fällt. Erfährt man die Benachteiligung nennen wir es Betrug. Darf man die Vorteile genießen, nennen wir es Klever.

    Wer Ehrlichkeit (als Wissen wollen, damit die Ratio eine Entscheidung fällen kann) als Bedingung für die Liebe stellt, hat das Beziehungsdrama schon programmiert.
    Die Liebe braucht keine Ehrlichkeit und Lügen können ihr nichts antun. Für Beziehungen ist die Wahrheit und Lüge elementar – das lässt sich aber erfahrungsgemäß mit Nachdenken (dann aber richtig) in den Griff bekommen.

    Also, wem will ich trauen, bzw. folgen – der Liebe, oder dem Denken?

    … der Liebe.

  • Hallo Ralf,
    ein interessanter Punkt in der Diskussion, den Sie zugefügt haben. Ich habe mich in meinem ersten Buch ja auch viel mit der notwendigen Ablösung des Mannes von seiner Mutter beschäftigt. Insofern könnte man das häufige Lügen von Männern auch als indirekten Protest gegen die vermeintliche weibliche “Übermacht” verstehen. Übermacht vor allem, dann, wenn man es als Junge oder Jugendlicher nicht erlebt hat, dass der Vater sich auf offene und ehrliche Weise mit der Mutter auseinandersetzt. Und man so lernt, Mann und Frau können sich auf Augenhöhe begegnen.

    Danke für Ihren Beitrag.

  • Susanne Asser schrieb:

    Lieber Ralf,

    danke für Ihre Offenheit!

    “Und es ist nicht einfach, sich wirklich dorthin zu bringen, das zu sagen und zu tun, was man möchte. Dazu muss man natürlich auch erstmal wissen, was man möchte (Selbst-Empathie), denn ich denke, dass viele Menschen ihre eigenen Bedürfnisse zu wenig kennen.”

    Das ist sicher ein ganz wesentlicher Punkt, den Sie da ansprechen. Ehrlich zu sein und zu sagen, was man eigentlich wirklich möchte. So z.B. kann es ja sein, dass ein Paar eine streitvolle Phase über einen längeren Zeitraum hinweg hatte. Der Sommerurlaub mit den Kindern steht bevor, doch man(n) hat keine Lust ihn mit dem Partner/der Partnerin zu verbringen. Am liebsten würde man sich ein paar Tage zurückziehen und sich einfach dem Fluss der Dinge hingeben, sich treiben lassen und genießen – ALLEINE. Aber statt dieses Bedürfnis mitzuteilen, wird gelogen und gesagt: “Tut mir leid, mein Urlaub wurde nicht genehmigt!” Das Ende vom Lied? Man(n) fährt getrennt in Urlaub, es tut sogar vielleicht beiden gut, aber die Situation steht eigentlich unter dem Deckmantel einer Lüge. Schade!

    Ein zweiter Punkt der mir zu Ihrer Ausführung einfällt ist, das Erkennen der eigenen Bedürfnisse. Ich glaube, es ist manchmal schwer, denn man(n) nimmt sich selten die Zeit darüber zu reflektieren. Wir Frauen unterhalten uns sicher häufiger und offener im Detail über unsere Beziehungen und Bedürfnisse als Männer das erfahrungsgemäß tun. Doch gerade dieser Austausch mit dem Mitgliedern desselben Geschlechts können einem da die Augen öffnen. Oftmals machen sich unbefriedigte Bedürfnisse nur in einem angespannten Gefühl der Unzufriedenheit bemerkbar, ohne dass man dazu gleich weiß, was es eigentlich ist, was man(n) braucht. Ich finde dazu eines meiner absoluten Lieblingsbücher sehr hilfreich den inneren Wünschen gerade in der Partnerschaft auf die Spur zu kommen. John Gottmann “Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe”. Klingt zwar banal, ist aber die investierte Zeit allemal wert! Vor allem hat er hilfreiche Checklisten, die einem deutlich machen können wo es hakt.
    Für jeden, der eine neue Partnerschaft eingehen möchte oder in den Anfängen einer solchen steckt, kann ich das Buch wärmstens empfehlen, denn man kann nur gewinnen – bevor der Wurm drin ist bzw. jemals reinkommt ;-)

  • Hallo Zusammen,

    ein sehr interessantes Thema, da ich selbst extrem früh (21) geheiratet habe und es so gekommen ist, wie es bei vielen der Fall war – die Ehe ist gescheitert. Ehrlich betrachtet, war es damals schon so, dass ich nicht ehrlich gewesen bin, weder zu mir noch zu meiner Partnerin und späteren Ex-Frau.

    Im grossen und Ganzen hat es eben genau mit dem Rollenverständnis zwischen Mann und Frau zu tun und insbesondere mit der Abgrenzung vom Partner.
    Es sind meiner Erfahrung nach sehr häufig vor allem Verlustängste in Bezug auf Frauen, die in Männern immer wieder zu finden ist.

    Björn Leimbach hat dies (wie andere auch) in seinem Buch ‘Männlichkeit Leben’ aufgenommen, fand einige seiner Ausführungen sehr zutreffend. Im Grund geht es darum, dass Männer heutzutage in ihrer Jugend stark von Frauen beeinflusst werden und der männliche Ausgleich fehlt, Vater, Mentoren, die sie in die ‘Männerwelt’ einführen. Echte Männerfreunddschaften sind heute immer seltener.

    Männlichkeit und Weiblichkeit (unabhängig von Geschlecht, kann ganz unterschiedlich Verteilt sein) macht die wirkliche Anziehung aus zwischen Mann und Frau.

    Ich für meinen Teil bin reich an Erfahrungen aus der Ehe rausgegangen und merke jetzt mit Anfang 30, dass sich so enorm viel in meinem Leben tut, und ich mich darüber einfach nur freuen kann.
    Ich empfinde schon fast Bedauern für diejenigen, die diese Phase möglicherweise verpassen.

    Und es ist nicht einfach, sich wirklich dorthin zu bringen, das zu sagen und zu tun, was man möchte. Dazu muss man natürlich auch erstmal wissen, was man möchte (Selbst-Empathie), denn ich denke, dass viele Menschen ihre eigenen Bedürfnisse zu wenig kennen.

  • Susanne Asser schrieb:

    Liebe Ulrike,

    ich finde das mit “The Work” von Byron Katie eine tolle Möglichkeit die Welt mit einer vüllig neuen Brille zu betrachten. Ihre Standardfrage lautet ja immer “Ist das wahr?” und sie legt ihren Finger immer wieder in die offene Wunde des unbewussten Selbstbetrugs und zwar so lange, bis derjenige erkennt, dass er irgendwie tatsächlich einen “Knick” in der eigenen Denkweise hat. Wenn man das liest, öffnene ich einem immer wieder neue Türen und Fenster zur besseren Selbsterkenntnis und wo man sich etwas vormacht. Insofern kann ich Deine Sichtweise mit dem “Dankbar sein, wenn man angelogen wird” verstehen.
    Danke für Deinen langen Beitrag!

  • Susanne Asser schrieb:

    @Nadine:
    Danke für Deinen ausführlichen Kommentar!
    Ich kann das mit dem Vertrauen ganz fett unterstreichen. Besonders in meinem eigenen Elternhaus hatte man in bestimmter Hinsicht sehr wenig Vertrauen zu mir bzw. meine Aussagen hinterfragt, und als Teenager habe ich echt oft die Wahrheit etwas gedehnt oder mich wie das Fähnchen im Winde gedreht. Einersesits aus Eigenschutz und dann bloß um es möglichst ALLEN recht zu machen.

    Notlügen sind für mich schon auch Lügen. Es gibt zwar immer Gründe, aber am Ende des Tages sind es eben doch Lügen.

  • Susanne Asser schrieb:

    Herzlichen Dank für ihre immer wieder erfrischenden Ausführungen. Ich genieße es jedes Mal aufs Neue als Leserin von Herrn Kopp-Wichmanns Blogs Ihre Kommentare zu lesen :-)

    Und ich denke, der Gesichtsverlust spielt i der Tat eine ganz zentrale Rolle in den Dramen des Lügens. Was das Testosteron anbelangt, so wage ich es als Frau nicht da ein fachkundiges Urteil abzugeben… Das können die Männer bestimmt besser selbst ;-)

  • Susanne Asser schrieb:

    Lieber Herr Horsthemke,

    tja und genau da scheiden sich auch schon die Geister, denn für eine Frau kann es der absolut größte Vertrauensbruch sein, wenn sie ihren Gatten ernsthaft um ein ehrliches Feedback bzgl. eines Kleidungsstückes bittet und dieser es nicht ist, weil er vermutet, sie will sowieso nicht mit der Wahrheit konfrontiert werden.
    Meines Erachtens spielt hier ein essentielle Rolle inwiefern jemand das Gefühl hat, sein Partner ist ihm wohlgesonnen, wenn er Kritik übt. Es ist das WIE und mit welcher Absicht etwas gesagt wird. Und es wäre sicher keine gute Idee “ständig” zu kritisieren. Aber auch hier – ab wann empfindet jemand etwas als Kritik? Da sind die Toleranzgrenzen entsprechend unterschiedlich. Wie hat jemand Kritik in der Familie erlebt?

    Danke für Ihren Input!

  • Susanne Asser schrieb:

    Vielen Dank für Ihren Kommentar.

    “Wenn ich mich recht erinnere, ergab sich, dass neue Beziehungen, die eine misslungene ERSTE Beziehung ablösen, auch keine höhere Haltbarkeitschance haben als die voraufgegangene.”

    Ich habe das auch schon des Öfteren gelesen und bin mir sicher es stimmt – sofern die Konflikte, die in der ersten Beziehung eine große Rolle gespielt haben in die neue Beziehung mit hineingenommen werden. Damit meine ich vor allem die unbewussten Konflikte. Denn diese wirken mit Sicherheit auch auf die neue Partnerschaft ungünstig aus.
    Ich bin allerdings davon überzeugt, dass wenn zwei sich begegnen, die bereit sind sich selbst in der Tiefe zu reflektieren und auch die unangenehmen Aspekte aufzudecken & zu bearbeiten, mag es mit dem Haltbarkeitsdatum wieder etwas rosiger aussehen.
    Dass Beziehungen auch häufig beim zweiten Anlauf nicht länger halten führe ich zum einen auf meine obige Ausführung zurück, also wenn die Konlfikte im Verborgenen bleiben und nur an der Oberfläche gekratzt wurde und z.B. wenn jemand von der einen Partnerschaft direkt ins nächste warme Nest wechselt ohne sich eine Auszeit zu nehmen und die Siutation ganz alleine betrachtet (oder mit einem Coach/Therapeuten).
    Vielleicht müssen wir uns heutzutage insgesamt eher mit dem Lebensmodell “Lebensabschnittsgefährte” anfreunden….

  • Veit Feger schrieb:

    Frau Asser schreibt u.a.
    “In der Mitte des Lebens ist dann möglicherweise auch die Lösung aus einer Beziehung möglich, die in der Rückschau betrachtet doch nur zweite Wahl war. Vielleicht findet sich erst in der zweiten Lebenshälfte für viele der Partner erster Wahl.

    Diese Annahme von Frau Asser scheint blauäugig zu sein. Es gibt meines Erinnerns psychologische Untersuchungen über die Haltbarkeitshäufigkeit von Erst- und Zwei-Beziehungen. Wenn ich mich recht erinnere, ergab sich, dass neue Beziehungen, die eine misslungene ERSTE Beziehung ablösen, auch keine höhere Haltbarkeitschance haben als die voraufgegangene.
    Ich folgere daraus: Man kann sicher sagen: “Der – erste – Beziehungspartner war falsch gewählt. Ja.”.
    Aber daraus folgt überhaupt nicht, dass man nun bei Beziehung Nummer zwei die RICHTIGE Wahl trifft oder dass man nun der “richtige” Mensch ist,
    der dann diese “zweite” Beziehung mit mehr “Erfolg” lebt als die erste.
    Man darf pessimistisch sein….

  • Birgit schrieb:

    Ganz toller Artikel!

  • Liebe Frau Asser,

    ein interessanter Artikel. Ich stelle mir die Frage, wollen denn wirklich alle belogen werden? Der Fall mit ihrer Bekannten, die nach einem Jahr umziehen wollte, ist wirklich krass. Aber oft geht es ja um kleine Dinge.
    Beispiel Frauen, die fragen wie sehe ich aus? Bin ich zu dick usw.? Keine will die Wahrheit wissen, sondern in einer Fiktion leben. Warum soll ich mir einen schönen Abend verderben und stattdessen eine aufreibende Diskussion wählen, dass sie zwar ein paar Polster hat, die ich mag?
    Erzählen Sie dem Mann gleich zu Beginn, was sie alles nicht können, dass sie manchmal richtig doof sind …?
    Nein man möchte den anderen gewinnen. Und hinterher rückt man dann mit der Wahrheit raus und stellt sich als Lügner dar.
    Meines Erachtens beginnt man/frau mit kleinen Lügen, die dem anderen schmeicheln und die einen selbst erhöhen. Manche Lügen resultieren sicher aus unbewältigter Vergangenheit.

    Aber wie geht es weiter? Wahrscheinlich in der Mitte zwischen Lüge und Wahrheit. Die Fiktion ist oft der bessere Weg jemand zu motivieren, als ihm/ihr ständig den Spiegel mit all seinen Fehlern vorzuhalten.

    Fritz Horsthemke

  • nicht die Männer lügen, es sind die Hormone.
    und die sind so klein, das sie davonflutschen.

    einer begann Lügen über mich zu verbreiten, nachdem ich ihm zu verstehen gab, dass ich nicht sein Verbündeter sein kann, wenn er nach der Arbeit mal eben woanders…

    am Arbeitsplatz hörte ich lautes Denken in der Nachbarbox: `fahr ich jetzt zu Frau oder Freundin?´

    Jürgen Schmieder habe ich in einer Talkshow gesehen, auweia, diese Erfahrung habe ich auch gemacht, aber es waren keine 40 Tage, sondern nur einmal eine aufrichtige Antwort an eine liebe Nette, die so verzweifelt war.

    aber es geht weiter: ich habe vor langer Zeit Männer erlebt, die in meinem Beisein nach der Arbeit ein Filetsteak essen gingen (an der Arbeitsstelle der Freundin) und für Frau und Kinder eine Dose Sauerländer Würstchen mit nach Hause nahmen.

    ich habe auch die Männer erlebt, die für die Freundin auf Dienstfahrten kräftig einkauften und für die Ehegattin aus dem Dutyfree eine Schachtel Pralinen mitnahmen.

    ganz aufrichtig kann ich alle Frauen nur dahingehend aufklären, dass Zigarettenholen keine 4 Stunden dauert und ein Video an den Kumpel zurückbringen nicht bis zum nächsten Morgen,
    zudem benutzen Fußballkumpel kein Damenparfum,
    außerdem weiß eigentlich jedermann und -frau, wie ehrliche Antworten kommen: spontan, entspannt, ohne Zeitverzug, ohne Brüche und Stottern sowie ohne Stottern, Husten, Verstrickungen und ständige Korrekturen.

    Beim Film gibt es für Doppelrollen mehr Gage. In Beziehungen bekommen Männer auf diese Weise mehr Adrenalin und Testost. Diese multiple Hormonsucht macht alles so therapieresistent.

    Außerdem dulden Männer Gesichtsverlust eben so wenig wie Hormonverluste.

    Herzlichen Glückwunsch zu dem wahrhaft mutigen und wichtigen Artikel. “Die Wahrheit wird uns frei machen.” {allerdings die Abenteurer auch frei von ihrem Lieblingsspiel)

    Gute Nacht!

  • Sigrid schrieb:

    Da hat wohl eine schlechte Erfahrungen gemacht. Wieso sollten Männer mehr lügen als wir Frauen? Ich denke, da schenkt sich keiner etwas.

  • nadine schrieb:

    Lügen hat etwas mit Unsicherheit zutun. Menschen, die Angst haben und nicht zu selbstbewussten Menschen erzogen wurden, lügen irgendwann,
    - um sich Freiräume zu schaffen
    - sich keine Blöße zu geben
    - aus Angst ganz alleine zu sein, nicht anerkannt zu werden
    - um anderen nicht weh zutun, klingt vielleicht komisch, ist aber so

    Bei Beziehungen:
    manche Männer lügen oft, manche weniger, ABER Frauen auch (das sind dann die “Bitches”).
    Gute Beziehungen sind wertvoll, lügenfreie sowieso.

    Frage ist doch eher: warum lügt man? Einige Antworten siehe oben.
    Würde ich weniger lügen, wenn man mich nicht so oft bestraft hätte? Früher hat man noch eins auf den Po bekommen.
    Oder, wenn man mir mehr vertraut hätte.
    VERTRAUEN steht eng in Bezug mit der Lüge. Diese Tugend wird zu Hause erlernt. Ohne Vertrauen = viele Lügen, mit Vertrauen = weniger Lügen (denn man wird ja auch von seiner Umwelt geprägt, lernt also auch das lügen und seine Vor- und Nachteile kennen).

    Ich hasse Lügen. Habe es natürlich auch schon ausgetestet, aber das Gewissen ist dann nicht mehr rein und das ist nicht gut.

    Erzähl mal etwas über Notlügen, sind das Lügen;-))

    Danke für den Blog und die Anregung zum Nachdenken Susi!! Schön geschrieben.

  • Hallo Susanne,
    ui, ein spannendes Thema, das man sicher von sehr vielen Seiten aus sehr unterschiedlich beleuchten kann. ;-)
    Ich bring mal meine Sichtweise dazu ein, die vielleicht eher ungewöhnlich sein mag, aber meiner Erfahrung nach vor allem denjenigen weiterhilft, die angelogen werden und darunter leiden:

    Gelogen wird täglich unzählige Male. Man stelle sich nur mal das Chaos vor, das in unseren Leben ausbrechen würde, wenn alle nur noch die Wahrheit sagen würden ;-) In der Regel spürt man, wenn man angelogen wird … hat ein seltsames Bauchgefühl. Nehmen wir mal das Beispiel Deiner Freundin und ihrer ersten großen Lieben. “… und mich obendrein für komplett blöd gehalten, indem sie trotz eindeutiger Beweise alles leugneten.”
    Es gibt also in der Regel ein seltsames Bauchgefühl (z.B. “Manchmal bricht er Telefonate ganz plötzlich ab und ist dann nicht mehr zu erreichen.”)… dem folgen oft “Merkwürdigeiten” (“Wieso ist er am Samstagabend nie auf dem Handy zu erreichen?”). Ich werde seinen Freunden nicht vorgestellt, bin bei Familienfeiern nicht eingeladen etc.pp. Nun gibt es Frauen (aber auch Männer, weil diese Geschichten gibt es genauso andersherum!), bei denen fällt ganz schnell eine Entscheidung in Richtung “Ich habe das Gefühl, ich werde angelogen – das gefällt mir nicht – ich beende die Beziehung.” Während andere Frauen bzw. Männer eine ganz andere Entscheidung fällen: “Ich habe das Gefühl, ich werde angelogen – ich will das aber nicht als Realität akzeptieren – ich leide weiter in der Beziehung.”
    Nehmen wir als Fakt, dass sie wirklich angelogen wird. Im Fall 1 haben sich Menschen meiner Meinung nach getrennt, weil sie SICH SELBST nicht belügen. Im Fall 2 sind oft Menschen betroffen, die auch offensichtliche Wahrheiten nicht anerkennen wollen …
    Die Methode “The Work” ist hier ein wunderbares Hilfsmittel.
    Wer noch tiefer hinschauen mag, der traut sich, den Schmerz, der durch das Belügen auftaucht, ANZUNEHMEN und intensiv zu fühlen. Meiner – auch selbst erlebten – Erfahrung nach landet man durch dieses intensive Fühlen beim “SChlüsselerlebnis” (oft in der Kindheit), bei dem eine tiefe Verletzung entstanden ist, die jetzt geheilt werden möchte.
    Somit KANN man jedem, der einen anlügt, auch dankbar sein, denn er hilft bei der Bewusstmachung ;-)
    Hat man die Verletzung heilen lassen, kann man zukünftig im Fall des Angelogen-Werden ganz anders – aus meiner Sicht erwachsener – reagieren. Den “Lügner” z.B. mit seiner Lüge konfrontieren und Konsequenzen ziehen …

    Herzliche Grüße, Ulrike

  • Susanne Asser schrieb:

    @Ralph: Deinen Kommentar möchte ich uneingeschränkt bejahen. Vor allem gefällt mir Deine Aussage

    “Männer haben sie (noch) nicht entdeckt, Frauen sind auf dem besten Weg, sie zu verlieren. Da gibt es für beide viel zu tun.”

    Die Frage, die sich hier natürlich anschließt – was heißt es denn HEUTZUTAGE männlich oder weiblich zu sein. Was macht denn in der gesamten Entwicklung des Rollenverständnisses den Mann zum Mann und die Frau zur Frau? Ganz spannend hier eine Aussage meiner Freundin, die wiederholt in einer außerehelichen Beziehung steckt (und nach unseren endlosen Gesprächen jetzt ihrem ihr unbewussten tatsächlich existenten Ablösungsprozess von der Mutter nachgeht): Weißt Du, Susanne, der (nennen wir ihn Matthias) ist eben ein ECHTER Mann. Das ist mein Ehemann überhaupt nicht. Ihr Bild von Mann hat allerdings viele Anspekte von der “alten Schule” was z.B. einerseits den perfekten Gentleman ausmacht und wie “männlich” er sich verhält, wenn es um Intimitäten gibt. Eine Aussage war beispielsweise: “Er nimmt sich einfach was er will und meine Bedürfnisse stehen parallel dazu an erster Stelle. Ich kann da ganz Frau sein”

    Das Problem mit dem Fremdgehen und eben “nur” Fremdgehen (und damit den Partner anlügen) und das Bedürfnis nach einer wirklich befriedigenden Sexualität nicht so ernst nehmen – darin sehe ich größtenteils den Hund begraben.
    Frauen haben jahrhundertelang geschwiegen oder hatten zu schweigen. Sich offen zu diesem Thema war tabu.
    Da wir natürlich eine Zeit brauchen, um uns aus den alten Verhaltensmustern zu lösen, passiert es, dass sie obwohl ihr befriedigender Sex wichtig ist, sagt: “Da muss ich halt durch bis meine Tochter älter ist und ich mich dann trennen kann!” Kind vorgeschoben und eigene (aus meiner Sicht essentielle) Bedürfnisse, die doch gerade die Paarbeziehung von jeder anderen Art von Freundschaft im Kern unterscheiden nicht ernst nehmen.

    Und nehmen wir mal folgendes Beispiel:
    Eine Frau ist Anfang 20, sexuell neugierig und hat gerne Sex mit ihrem Partner. Dieser stellt nach einiger Zeit fest, dass sie nicht immer zum Höhepunkt kommt und es entwickelt sich folgender Dialog –

    Er: “Das ist nicht normal, dass Du nicht jedes Mal kommst.”
    Sie: “Doch, das ist schon normal, denn das geht beinahe jeder Frau so, wenn nur der reine Geschlechtsakt vollzogen wird.”
    Er: “Also bei meinen anderen Freundinnen vor Dir war das anders. Die sind 9 von 10 mal gekommen – und das auch ohne “Nachhilfe.”
    Sie: (denkt sich ihren Teil) “Du kannst das in den meisten Frauenzeitschriften nachlesen, das kann so fast nicht sein. Vielleicht haben sie Dir den Orgasmus vorgetäuscht?!? Sie wollten dir das Gefühl geben, dass es trotzdem schön ist mit Dir im Bett)”
    Er:(Klassiker) “Nein, das hätte ich garantiert gemerkt. Mit DIR stimmt was nicht!”

    Die Frau ist frustriert. Zu der Zeit kommt “Harry & Sally” auf die Kinoleinwand. Meine Rettung, denkt sie. Leider eine Fehlermeldung. Statt den Konflikt aus Angst weiter nicht ernst genommen zu werden auszutragen und vielleicht früher zu der Erkenntnis zu gelangen, dass die beiden auf verschiedenen Ebenen nicht wirklich harmonieren, wird zur Lüge gegriffen. Sie täuscht ihm ein Jahr lang jedes Mal den Orgasmus vor und beichtet ihm das eines Abends.
    Sie: “Ich habe das gemacht und Du hast es nicht gemerkt!”
    Er: “Das hätte ich nie von Dir erwartet, dass Du in dem Punkt unaufrichtig bist, ergo wie soll ich das überhaupt merken?!?”

    Ein krasses Beispiel, aber in erster Linie wollte die Frau dem Mann nicht vermitteln, dass er halt nicht on the top of the charts mit seinem sexuellen Machogehabe ist (Lüge, um den anderen zu schützen) und gleichzeitig sich selbst (aus einem niedrigen Selbstwertgefühl heraus) beweisen, dass sie auf jeden Fall normal ist (Lüge zum Selbstschutz).
    Das Resultat war, dass sie ihm eines Tages fremd ging und durch erfüllte Sexualität die Bestätigung erhielt, die ihr lange verwehrt geblieben war. Die Trennung ließ nicht mehr lange auf sich warten. Das war mit Anfang 20. Heute mit 40 hätte die Frau dem Mann höchstwahrscheinlich schon früher die rote Karte gezeigt. Dennoch sind die Ängste der Frauen auf diesem Gebiet immer noch recht groß, nicht ernst genommen zu werden und sie trauen sich (noch) nicht mehr einzufordern.

    Ich denke, dass Männer und Frauen viel früher wesentlich offener mit einander reden müssten und des weiteren (sollten vorher schon ernsthafte Beziehungen oder gar Ehen bestanden haben) den Scheinwerfer auf mögliche Projektionsflächen durch (unbewusste) ungelöste Ablösekonflikte o.ä. richten.
    Roland Kopp-Wichmann empfiehlt bei Paaren, deren Beziehung in der Krise steckt z.B. “Zwiegespräche” (Anleitung gibts dazu. Diese sollten meiner Meinung nach viel öfter stattfinden, gerade wenn sich es einem Paar gut geht. Vielleicht schon öfter mal zu Beginn einer Partnerschaft. Das würde vermutlich einiges an Lügenkontingent schmälern, denn dadurch kann sich beispielsweise eine gesunde Streitkultur entwickeln.

  • Ich finde das Thema “Lügen alle Männer” in seiner provozierenden Form schon ok, aber insgesamt doch ein wenig verkürzt, denn Du versuchst, in dem recht komplexen Gebilde der Mann/Frau Beziehung, eine einfache Antwort oder Lösung zu finden.

    Ich teile Deine Ansicht, dass Frauen wohl eher in der Lage sind, unklare Gefühle zuzulassen und auch Worte dafür zu finden – und deswegen auch meist eher diejenigen sind, die Beziehungssituationen analysieren und zu Entscheidungen kommen. Deswegen sind es ja auch meist die Frauen, die Beziehungen zum Thema machen wollen und können. Hier sind es klar die Männer, die aufgefordert sind, neue Stärke und Klarheit durch zu gewinnen, indem sie sich mit ihren Emotionen auseinandersetzen. Damit kann viel Leid erspart werden – bei sich selbst, als auch bei anderen. So gesehen ist die Frage also ganz leicht zu beantworten: So lange sich dieser Zustand nicht ändert, werden Männer in wichtigen Beziehungsfragen eher lügen als Frauen.

    Aber gleichzeitig ist die Frage verkürzt, denn Männer und Frauen sitzen ja im gleichen Boot des Lebens und der Beziehungen. Und wenn das Boot aufgrund von (Fehl)verhalten wie zum Beispiel Lügen ins Schwanken gerät, ist das immer auch ein Ergebnis des Zusammenspiels – und dieses Zusammenspiel hat sich ja nun sehr verändert. Frauen sind seit vielen Jahren auf der „Reise ins Männliche”. Jetzt gibt es viele starke selbstbewusste Frauen, die entschlossen und zielbewusst sind, Karriere machen – und auch am Ruder sitzen, oder sich darum streiten. Das ist großartig. Aber dieser Erfolg führt auch zu Unruhe im Boot, zu anderen Ansprüchen, anderen Wünschen, anderen Fragen, denen sich Männer und Frauen stellen müssen. Unter anderem stehen Frauen sehr viel mehr unter beruflichen Stress, brauchen Erholungsphasen – und haben u.a. auch andere Bedürfnisse in der Sexualität. Diese geänderten Wünsche äußern Frauen aber auch nicht mehr so offen (weil sie sich dem selbst nicht bewusst sind, weil sie in einer stärkeren Position sind, der schwarze Peter liegt gerade bei den Männern, weil sie ein bisschen taktieren usw.) Sind das streng genommen nicht auch Lügen?

    Dein Artikel fokussiert ja vor allem auf das größte und wichtigste Thema einer Beziehung, weswegen gelogen wird: das Fremdgehen. Die wohl zunehmende Neigung das zu tun, ist so gesehen eben nicht nur eine Frage des größeren Angebots (bis hin zu Werbung für „Seitensprung Webseiten“) oder ein Problem der Männer, die ihre Hormone und Gefühle nicht in den Griff kriegen, sondern eben auch eine Folge einer nicht gelösten und nicht aufgearbeiteten Rollenverschiebung. Und daran sind die Frauen nun mal zu 50% beteiligt.

    Ob Männer in Beziehungs- und Fremdgehen-Fragen lügen, ist aus meiner Sicht einfach das falsche Thema.

    Provozierender gesagt: Es geht um Weiblichkeit: Männer haben sie (noch) nicht entdeckt, Frauen sind auf dem besten Weg, sie zu verlieren. Da gibt es für beide viel zu tun.

  • Jede Woche freue ich mich auf den Blogbeitrag. Auch dieses mal wieder für mich wieder lehrreich und motivierend.

    Überrascht war ich, als ich am Ende las, dass es ein Gastbeitrag war. Es hat mich gestört, dass ich es nicht von Anfang an wusste, da ich wenn ich Ihren Blogbeitrag lese immer quasi Ihre Stimme, Ihre Persönlichkeit höre.

    Ich würde vorschlagen nach dem ersten Abschnitt zu erwähnen, dass dies ein Gastbeitrag ist und von wem.

    Ansonsten Glückwunsch zu einem der lehrreichsten Blogs im Internet.

  • Geht es überhaupt ohne Lügen? Immerhin 40 Tage ohne Lügen auszukommen hat der Journalist Jürgen Schmieder versucht. Mit drastischen Folgen, wie man hier lesen kann.

  • Aus offizieller Quelle, Gespräch während eines “Dates”.

    Sie: Mensch, Deine Augen !
    Er: Was ist mit meinen Augen ?
    Sie: Du schaust so ehrlich.
    Er: Und das stört Dich ?
    Sie: Na ja, Du bist so entwaffnend ehrlich, das halt ich nicht aus.

    Die Rollen darf jeder gerne tauschen, wie er möchte … “grübel”.

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