Acht Dinge, wie Männer ihre Karriere behindern.

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Karriere

Auf meinen Artikel „Acht Dinge, wie Frauen ihre Karriere behindern“ gab es etliche Kommentare.
Der Gleichberechtigung wegen hier also Beobachtungen über Männer und ihre blinden Flecken im Beruf.

Die Vorgeschichte zu diesem Artikel ist interessant. Ein junger Mann bewarb sich auf eine Stelle bei der Citibank und entdeckte   in der Human-Resources-Abteilung ein kleines, gerahmtes Täfelchen: «Citi: What NOT to do» mit dem Untertitel: «Was Frauen tun, um ihre Karriere zu sabotieren». Er nahm es mit, zeigte es im Freundeskreis herum, der Text landete auf einem Blog, und seither zieht die 10-Punkte-Liste ihre Kreise.

Hier meine zweite Liste zu dem Thema:

1. Männer arbeiten ihr Vaterthema im Büro ab.

Alle paar Monate kommt in mein Persönlichkeitsseminar ein Mann, der innerhalb relativ kurzer Zeit zwei, drei Mal die Firma gewechselt hat. Der Grund ist immer der gleiche: er kam mit dem Vorgesetzten nicht zurecht.

Solche Männer sind Berufsopponenten. Es fällt ihnen schwer, Anordnungen „von oben“ zu akzeptieren und auszuführen. Nicht weil sie nicht sachgerecht wären, sondern weil die Weisung oder die Kritik  eben „von oben“ kommt. Das Dagegensein ist dann der einzige Ausweg, um sich nicht zu unterwerfen, wie man es eben mit einem dominanten Vater früher erlebte. Der Selbstschutz ist verständlich, aber nicht angemessen. Und löst den inneren Konflikt mit Autoritäten nicht. Stattdessen reinszeniert ihn der Betreffende unbewusst immer wieder mit anderen Vorgesetzten.

Ein unerledigtes Vaterthema kann sich auch so äußern, dass sich jemand zu sehr an den Vorgesetzten anpasst, weil er Angst vor dessen Kritik hat. Auch die Idealisierung, bei der man den Chef auf ein Podest stellt und ihn gegen Kritik von anderen vehement verteidigt, ist eine Ausdrucksform.

2. Männer fürchten schwach zu sein.

Eine auf den ersten Blick vielleicht überraschende Folge davon ist das unterschiedliche Gesundheitsverhalten von Männern gegenüber Frauen.

Männer rauchen mehr, trinken mehr und sind häufiger übergewichtiger als Frauen. Nur jeder vierte Mann geht zur jährlichen Krebs-Früherkennung, (Techniker Krankenkasse). Britische Wissenschaftler glauben, dass ein Mann, der ungesund lebt, zehn Jahre Lebenszeit verschenkt.

Die Befunde sind bekannt. Die Rezepte auch. An der nötigen Information fehlt es also nicht.

Woran liegt es dann, wenn Männer einerseits genau die Inspektionsintervalle Ihres Autos beachten und andererseits nicht wissen, wann sie das letzte Mal Ihren Cholesterinspiegel testen ließen?

Wie so oft spielen Bilder der eigenen Identität und  geschlechtsspezifische Einstellungen eine entscheidende Rolle. Und zum überwiegend verbreiteten Männerbild gehören eben Stärke und Unabhängigkeit. Zwar wandelt sich dieses Bild mit jeder Generation ein bisschen.  Aber je nach kulturellem Hintergrund und Schichtzugehörigkeit sind diese identitätsstiftenden Vorbilder enorm stark.

So schreibt Thilo Sarrazin:  „Die zum großen Teil arbeitslosen männlichen Familienoberhäupter haben zwar zu Hause das Sagen, aber nach außen können sie gegenüber ihren Söhnen nicht mit dem Prestige des Ernährers aufwarten.

Umso eifriger vermitteln sie dem männlichen Nachwuchs übersteigerte Vorstellungen von einer tapferen, um der „Ehre” willen jederzeit gewaltbereiten Männlichkeit. Diese Rolle nehmen die jungen Männer umso eher an, je mehr ihre Erfolge im Schulsystem zu wünschen übrig lassen – und ihre Leistungen sind noch schlechter als die der muslimischen Mädchen.“

Aber dieselbe Beobachtung kann man auch unter Deutschen machen. Oder unter Franzosen. Die Angst, schwach zu sein bzw. von anderen Männern als schwach angesehen zu werden, ist so sehr mit Scham verbunden, dass schon der befürchtete bloße Anschein davon  streng vermieden wird.

3. Männer glauben mehr an stärke als an Kooperation.

Faktisch haben Männer in gehobenen Positionen ja oft die Macht. Doch fehlt ihnen oft die Souveränität, die man damit vermuten könnte. Gottseidank sind Ausbrüche wie bei diesen Politikern im Parlament hier äußerst selten:

Doch auch wenn man die Kommunikation von Mappus, Rech und Co. bei Stuttgart 21 verfolgt, wird deutlich, dass der Versuch,  Recht durchzusetzen weder den Konflikt weder befriedet noch erstickt. Und ein Gesprächsangebot ohne ein entsprechenes Zugeständnis leicht als  billige Alibimaßnahme verstanden werden kann.

Selbst ein Polizeiexperte kritisierte den aus seiner Sicht überzogenen Wasserwerfereinsatz diese Woche und verwies darauf, dass die Wasserwerfer grundlos in die Menschenmenge hinein gerichtet gewesen seien. „Dass die Polizei gleich mit Wasserwerfer angerückt ist, war darauf angelegt, Stärke zu zeigen„, sagte der Wissenschaftler. „Man hat das Gefühl, die Politik wollte diesen Konflikt“, sagte Feltes. Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) fahre eine „sehr aggressive Linie“.

Ähnlich sieht das der Münchner Polizeipsychologe Georg Sieber: „Die Eskalation ist durch den Polizeieinsatz erzeugt worden“, sagte er der Münchner Zeitung „tz“.

4. Männer reden lieber und können schwer zuhören.

Das Erstaunliche bei SMS und auch bei Twitter ist ja, dass man mit 140 Zeichen eine Menge Information rüberbringen kann. Sogar Menschen, die sonst zum Labern neigen.

Aber Kommunikation ist eben nicht nur Informationsvermittlung, sondern vor allem auch Beziehungsbotschaft. Und das nutzen Männer im Job oft weidlich aus. Nicht umsonst hat in einigen Abteilungen die Regel, die Redezeit pro Beitrag strikt auf eine Minute zu begrenzen, enorm zur Verständigung und Effektivität beigetragen.

Entgegen aller Klischees reden Frauen nicht mehr als Männer. Zu diesem Ergebnis kamen amerikanische Wissenschaftler in einer Studie, die auf unauffällige Weise das natürliche Redeverhalten von knapp vierhundert Studenten untersucht haben. Sowohl Männer als auch Frauen benutzen im Durchschnitt etwa 16.000 Wörter am Tag.

Männer können auch schwer zuhören. Therapeuten und Polizisten ausgenommen. Männliches Zuhören ist oft mehr ein schweigendes Warten auf ein Stichwort, bei dem sie einhaken können, um ihren Beitrag loszuwerden.

Das ist verständlich, wenn man sich vergegenwärtigt, was es beim Zuhören bedarf. Einmal das Hintanstellen der eigenen Meinung. Dann die Bereitschaft, sich auf einen anderen Standpunkt einzulassen. Und drittens die Position, dass es immer ein eindeutiges Falsch oder Richtig gebe.

„Ich würde ja gern mehr zuhören“, gestand mir mal eine Führungskraft im Coaching „aber dann denken doch meine Mitarbeiter gleich, ich hätte keine eigene Meinung.“ Die schlechte Nachricht: Das kann tatsächlich passieren! Und da braucht es schon ein gerütteltes Maß an innerer Stärke, um dieses Risiko einzugehen.

5. Männer stellen ungern Fragen.

Das fiel mir schon vor Jahren in Vertriebstrainings auf, die ich leitete. Egal ob bei der Bedarfsanalyse oder bei Einwänden des Kunden. Männer erklären lieber. Halten lange Vorträge, weil sie glauben, längst verstanden zu haben, warum der Kunde „nein“ sagt.  Anstatt sich zu erkundigen, was das Gegenüber mit seinem Einwand genau meint.

Das hat vor allem damit zu tun, dass Fragen ja impliziert, dass ich etwas nicht weiß. Theoretisch ist das nicht schlimm. Aber „Nichtwissen“ ist im männlichen Gehirn ganz nah bei „Ich bin doch nicht blöd“ untergebracht. Und dieser Bereich wird weiträumig umfahren.

Apropos „umfahren“: Was macht ein männlicher Autofahrer, der in einer fremden Stadt eine Adresse sucht? Und was macht eine Frau am Steuer in derselben Situation?

Deshalb hat wohl auch ein Mann das Navigationssystem erfunden. Eine Frau würde sich doch kaum die Chance, einen Fremden nach dem Weg zu fragen als Kommunikationschance entgehen lassen.

6. Männer können sich schlecht entschuldigen.

Vielleicht kennen Sie das auch von sich selbst. Jeder Kreativitätstrainer wäre erfreut, auf welche erstaunlichen Erklärungen wir Männer  kommen können – nur um einen gemachten Fehler nicht zuzugeben. Rechtfertigen,  mauern, die Umstände heranziehen, angreifen, sich dumm stellen …

Ich glaube, es hat mit unserem eigenen Anspruch an Unfehlbarkeit zu tun. Wir dürfen keinen Fehler machen, weil wir glauben, dass ein Fehler fürchterlich schlimm wäre. Nicht einfach ein Fehler, sondern der Beweis unserer Unfähigkeit. Ein Zeichen des totalen Versagens.

Natürlich spielt auch die jeweilige Unternehmenskultur dabei eine Rolle. Und auch wie ein Fehler überhaupt definiert wird. Dazu hier ein gutes Interview in brandeins.

Warum fällt Männern das Entschuldigen so schwer? Das hat wohl damit zu tun, dass es dabei um eine Ent-Schuld-igung, also um eine Form von Vergebung geht. Mit der Bitte um Entschuldigung gesteht jemand ein, dass ein Verhalten von ihm nicht in Ordnung war. Der Geschädigte des Verhaltens kann jetzt die Entschuldigung annehmen oder ablehnen.

Interessanterweise konnte man sich im Sprachgebrauch in früheren Zeiten  nicht selbst von Schuld befreien. Sinnvoller wäre es beispielsweise, statt „sich zu entschuldigen“ um „Entschuldigung oder Vergebung zu bitten“.  Statt dessen hört man bisweilen: „Sie müssen entschuldigen…“ Im Englischen gibt es  dazu den Unterschied zwischen to apologize (sich entschuldigen), und to excuse (jemanden oder etwas entschuldigen).

Mit der Bitte um Entschuldigung drückt man also seine Abhängigkeit in der Beziehung vom anderen aus. Hat man mit der Abhängigkeit Mühe, fällt einem das Entschuldigen naturgemäß schwerer.

7. (Deutsche) Männer gehen davon aus, dass im job nur Männer arbeiten.

Andere europäische Länder, die skandinavischen vorneweg, sind uns da weit voraus. Die USA und Kanada ebenso. Für qualifizierte Frauen aus dem Ausland gilt Deutschland als Macho-Republik, um die sie einen weiten Bogen machen. Aufsehen erregte deshalb auch der Personalvorstand der Telekom, Thomas Sattelberger, mit seiner Forderung nach einer Frauenquote.

Doch Unternehmen sind oft geschlossene Systeme, in denen sich meist Leute wiederfinden, die ein ähnliches Verhaltensrepertoire besitzen oder dort erwerben. Bei der Besetzung von Führungspositionen denken Männer oft erst einmal an Geschlechtsgenossen, weil sie wissen, wie die „ticken“.

Doch wenn wir im internationalen Wettbewerb mithalten wollen, ist eine Erweiterung der männlichen „Landkarte“ im Beruf unabdingbar.

8. Und welcher Punkt fehlt noch?

Das frage ich Sie. Was beobachten Sie, wie Männer ihre Karriere behindern?

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

4 Kommentare

  1. Hans-Lutz Oppermann sagt

    Männer vernachlässigen ihre körperlich Fitness.

  2. Remo Campiche sagt

    Schöne Punkte. Die machen sich nicht nur am Arbeitsplatz gut, sondern auch in Partnerschaften, unter Freunden, Familie etc.

  3. Punkt 1: Das stimmt. Leider – oder Gottseidank. Aber nicht alles, was gegenwärtig funktioniert, ist auch gut und sollte beibehalten werden.

    Zu 2: Schöne Rationalisierung eines Psychologen. (Eine Rationalisierung ist, wenn man einen guten Grund statt des richtigen). 😉

  4. Viele (Männer) verhalten sich so und machen trotzdem (oder gerade deshalb?) Karriere.

    Übrigens nutze ich weder Navi noch frage ich nach dem Weg. Und verfahre mich trotzdem nie! Manchmal erkunde ich allerdings erst mal das nähere Umfeld, bevor ich zum eigentlichen Ziel vorstoße 😎

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