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aum etwas verschafft Menschen so intensive Befriedigung und Lustgefühle wie eine Liebesbeziehung. Doch auch kaum etwas anderes vermag in Menschen auch so schlimme Schmerzen oder unbändige Hass- und Rachegefühle auszulösen wie eine Liebesbeziehung.
Der häufigste Grund für das zweite Gefühlschaos sind die Untreue des Partners, eine gebeichtete oder aufgeflogene Affäre oder ein Seitensprung.
Dass dabei zwischen Wunsch und Wirklichkeit große Lücken klaffen, zeigt eine Studie. Danach wünschen sich 90 Prozent aller Bundesbürger Treue. Doch jeder zweite ist schon einmal fremd gegangen. Und 38 Prozent der Deutschen bezweifeln, dass man überhaupt treu sein kann.
Doch was sind die Gründe dafür?
- Manche argumentieren gerne evolutionsbiologisch, nachdem nur drei Prozent der Säugetiere monogam lebten.
- Eine Datingagentur hat 7.400 Leser befragt. 43 Prozent von ihnen erklären: “Es ist einfach passiert.”
- Eine Detektei benennt aus ihrer langjährigen Erfahrung sogar 55 Gründe – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Die meisten der angeführten Gründe haben den Vorteil, dass sie die Verantwortung nach außen verlagern. Die Gene, die Situation, der Partner, die Medien usw. Doch wessen Menschenbild über das Reiz-Reaktions-Modell hinausgeht, wird nicht umhin kommen, etwas tiefer nach den Gründen der weit verbreiteten Untreue zu forschen.
Nach meinen langjährigen Erfahrungen als Therapeut mit Einzelnen und Paaren sind es vor allem drei Ursachen.
1. Untreue zur Aufwertung des Selbstwertgefühls
Eine große Anzahl von Männern geht im ersten Jahr nach der Geburt eines Kindes fremd. Die Begründungen klingen ähnlich. Frau ganz mit dem Kind absorbiert. Hat wenig oder gar keine Lust mehr auf Sex. Mann auf dem Betriebsausflug. Und dann ist es passiert.
Die Beteuerung “Es hat nichts mit unserer Beziehung zu tun” stimmt in diesem Fall auch ziemlich, vermag aber die betrogene Partnerin selten besänftigen. Dass Männer oft während des ersten Babyjahres fremdgehen, auch wenn sie sich das Kind sehr gewünscht haben, hat mehr mit der narzisstischen Bedürftigkeit des Untreuen zu tun.
Eine Partnerbeziehung zwischen Erwachsenen ist ja im guten Fall immer eine Mischung aus erwachsenem Einvernehmen und dem angemessenen, gegenseitigem Erfüllen von kindlichen, emotionalen Bedürfnissen.: beachtet werden, bestätigt werden, körperlich berührt werden usw.
Nun fordert all dies der Säugling. Tag und Nacht. Und wenn seine Bedürfnisse nicht sofort erfüllt werden, erfolgt ohrenbetäubendes, ausdauerndes Gebrüll. Da braucht es einen enormen Vorrat an Selbstbeherrschung und eine gut ausgebildete Kränkungsverarbeitung, um solche “Zurücksetzung” nicht persönlich zu nehmen und sich das Ersehnte andernorts zu holen.
Doch Fremdgehen zur Aufwertung des eigenen Selbstgefühls ist nicht auf diese bestimmte Zeiten oder auf Männer beschränkt. Wer aus welchen Gründen auch immer an seiner Attraktivität zweifelt, kann auf die Idee kommen, seinen “Marktwert zu testen.” Zuweilen ist es auch eine Mischung aus Rache und dem Wunsch nach Bestätigung, wenn betrogene Partner ihrerseits fremdgehen. Bisweilen in der merkantilen Logik, dass man jetzt auch eine “Sünde” gut habe.
2. Untreue als Angst vor Nähe
Das ist ein häufiges Muster, dem ich in meiner Praxis bei Männern und Frauen begegne. Die Beziehung ist gut – aber nach einer bestimmten Zeit geht der Betreffende fremd. Manche sind darüber verunsichert, ja sogar bestürzt, weil sie andererseits ihren Partner lieben und gar keine Absichten sich zu trennen hegen.
Die meisten Menschen wünschen sich eine harmonische Beziehung. Doch da eine erwachsene Partnerbeziehung auch immer von den kindlichen Beziehungserfahrungen geprägt ist, kann die Erfüllung des Wunsches nach Harmonie auch Ausbruchsversuche begünstigen. Denn der ersehnte Gleichklang kommt einher mit einer erlebten Abhängigkeit vom anderen.
Wer befreit aufatmet, wenn der Partner mal einen Abend alleine weggeht, hat vielleicht im Zusammensein schon zu viele Kompromisse gemacht oder unterwirft sich dem als größer und machtvoll erlebten Partner. Die Zweisamkeit wird mit der Zeit zur erdrückenden Nähe.
“Mit wem ich mich so gut fühle, der hat Macht über mich,” ist die unbewusst auftauchende Angst des kindlichen Teils des Erwachsenen. Kann diese Angst nicht erkannt oder kommuniziert werden, drängt es den Betreffenden dazu, diese Angst vor zu viel Nähe anderweitig zu regulieren.
Und ein Seitensprung, für dessen Aufdeckung oft derjenige auch noch durch “vergessene” Hotelrechnungen im Jackett oder schlechte Alibis sorgt, verspricht vorhersagbar großen Abstand in der Partnerschaft.
3. Untreue als Flucht aus einer unglücklichen Partnerschaft
Nach dem 2. Satz der Thermodynamik wird alles von alleine schlechter. Der Keller füllt sich von allein mit Kram. Der Garten verwildert. Und auch gute Ehen werden von alleine schlechter.
Der normale Alltag, Kinder, Sorgen und ungelöste Konflikte machen aus der Verliebtheit der ersten Zeit schneller als man wollte eine Beziehung, in der beide mehr nebeneinander leben als miteinander.
Dauert dieser Prozess über Jahre und wird nicht “sortiert und aufgeräumt” (wie im Keller) wird die Beziehung irgendwann zu einer Wohngemeinschaft zum Zwecke der Kinderaufzucht und Hypothekenbildung. Die erlebte Bindung wird eher als Gefängnis oder Gebundensein erlebt denn als lebendiges Verbundensein.
“Wir haben uns auseinander gelebt”, ist dann die Standarderklärung, die etwas Wahres beschreibt. Das Auseinanderdriften wurde zu spät realisiert oder nicht entschlossen genug kommuniziert. Eine Affäre ist dann wie ein Eintauchen in das erfrischende Bad der verloren geglaubten Lebendigkeit.
Schafft es ein Paar nicht, jenseits des Alltags sich immer wieder Zeiten zu organisieren, sich als Mann und Frau, zu erleben und bleiben viele Konflikte ungelöst, legt sich mit der Zeit unweigerlich der Mehltau einer erstarrenden Liebe über die beiden.
So ist es auch zu verstehen, dass immer mehr Frauen jenseits der vierzig sich einen Geliebten suchen und den Partner nach einiger Zeit auch verlassen. Die aktive Elternzeit neigt sich dem Ende zu und beim Blick auf den Zustand der Partnerschaft wenden sich viele Frauen ab mit Grausen hin zu jemand Erfreulicherem.
Wohingegen Männer eher dazu tendieren, Dreiecksbeziehungen über lange Zeit geheim und aufrechtzuerhalten. Sie wollen sich nicht entscheiden, suchen, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden.
Wie geht man mit Untreue um?
Die gängigste Form ist das Verheimlichen gepaart mit dem Herunterspielen der Bedeutung. “Es war ja nur Sex.” oder “Das hat mit unserer Beziehung überhaupt nichts zu tun.” Wer dies versucht, braucht ein gutes Gedächtnis und eine gehörige Unempfindlichkeit für Schuldgefühle.
Doch den inneren Zwiespalt kann einem keiner abnehmen. Denn meist geht es ja bei einem heimlichen Dreiecksverhältnis um den Versuch, die Polaritäten Bindung und Freisein zu leben. Wem das in der Paarbeziehung nicht gelingt, weil er sich zu wenig abgrenzt, versucht es eben mit zwei Menschen.
Im Modell der “offenen Ehe”, wo Außenbeziehungen generell akzeptiert werden, ist der Versuch, die Bedürfnisse von Sicherheit und Aufregung gleichermaßen zu erfüllen, sichtbar. Mag dies anfangs noch gut gehen, überfordern sich jedoch manche Menschen selbst mit dem Anspruch, eifersuchtslos und wohlwollend auf die neue Flamme des Partners zu schauen.
Es gibt kein Patentrezept für die Liebe.
Jedes Paar muss nach der Verliebtheitsphase seinen eigenen Weg finden, im Zusammensein eine alltagstaugliche und trotzdem lebendige Partnerschaft zu gestalten.
Dazu gehört sicher eine gute Kommunikation und die Bereitschaft, über viele Entscheidungen konstruktiv zu verhandeln. Die Fähigkeit, auch kleine Konflikte möglichst nicht anzuhäufen, sondern zufriedenstellend zu lösen, ist wichtig.
Doch halte ich wenig von Idealen und Beziehungsbauplänen. Das menschliche Zusammenleben ist viel zu komplex, dass man es mit einfachen Tipps in den Griff bekommen könne. Auch der gegenseitige Schwur auf absolute Treue garantiert nicht die innere Lebendigkeit als Paar. Fremdgehen ist nicht per se “böse”, sondern bringt auch oft die vergrabenen Konflikte eines Paares ans Licht.
Partner, die dann von sofortigen Bestrafungs- oder Trennungsreaktionen Abstand halten können und sich mit den eigentlichen Problemen befassen, haben eine ganz gute Prognose als Paar.
Doch Untreue wirkt auch deshalb auf den “Betrogenen” so stark, weil es unbewusst die ungeheure Angst vor Verlassenwerden wachruft. Weniger das Verlassenwerden als Erwachsenen. Das weiß jeder nach einer Weile, dass er das handhaben kann. Sondern es ist das kindliche Entsetzen des frühen Verlassenwerdens durch die Mutter.
Und diese Reaktionen kann man nicht abstellen, sondern nur liebevoll betrachten und in sich bewegen und bearbeiten.
Doch das sind meine Ansichten zu diesem Thema. Vielleicht haben Sie ganz andere Einstellungen oder Erfahrungen. Die würden mich – und die Leser dieses Blogs – sehr interessieren. Schreiben Sie sie hier als Kommentar, gerne auch anonym.
Warum Sind sie treu?
Oder: warum gehen sie fremd?
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Foto: © Inger Anne Hulbaekdal, detailblick, Fotolia.com
Angeregt zu diesem Artikel wurde ich
durch das Buch von Wolfgang Krüger.
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Lese ich später!







Danke für Ihre schnelle Antwort! Habe letzte Nacht noch viel auf Ihrem Blog gelesen, wirklich sehr interessant:)
Hallo Becky,
ich denke, Sie tun das, um sich im Vorhinein vor Verletzungen zu schützen. Falls er wirklich mal fremdgehen sollte, sind Sie ihm schon ein paar Schritte voraus. Zum anderen beschäftigt Sie das Thema wohl stark. Da Sie starke Verlustängste zu haben scheinen, phantasieren Sie mehr über das Ende einer Beziehung als das zu genießen, was Sie gerade haben.
Vielleicht wäre es gut, Ihre Verlustangst näher anzuschauen und zu bearbeiten, denn die wird Ihnen möglicherweise in jeder Beziehung begegnen.
Danke für Ihren Kommentar. Freut mich, dass Ihnen mein Blog gefällt.
Hallo,
erst einmal Kompliment für diesen tollen Blog!
Also bei mir ist es so: Ich lebe seit 2 Jahren in einer Beziehung, bin krankhaft eifersüchtig, habe extreme Verlusstängste, kein Vertrauen zu meinem Partner, spioniere ihm hinterher, enge ihn ein, male mir jeden Tag aus mit welchen Frauen er etwas anfangen könnte usw…mein ganzer Tagesablauf wird dadurch schon bestimmt. Aber das komische an der ganzen Sache ist, dass ICH ihm nicht treu bin. Ich frage mich ständig, warum ich Dinge tue, vor denen ich so große Angst habe, dass man sie mir antut. In welche “Kategorie der Fremdgänger” gehöre ich?
Liebe Grüße,
Becky
Da bin ich leider überfragt.
War ich also genau aus diesem Grund in der Aufstellung in der Rolle seiner ExFrau?
Hat es mit mir persönlich auch etwas zu tun?
Ist da dann auch Sympathie im Spiel?
Könnten Sie mir das bitte ein wenig erläutern? Vielen Dank!
Dann handelt es sich um eine Projektion. Man projiziert das Bild der früheren Frau auf die Klientin. Das geschieht unbewusst udn ist deshalb nicht leicht selbst zu erkennen. Deshalb braucht man als Coach nicht nur Methoden und Tools, sondern auch eine fundierte Selbsterfahrung, um seine eigenen Themen und Baustellen zu kennen.
Und was passiert, wenn der Coach in der Klientin plötzlich jemanden aus seiner Vergangenheit sieht, z.B. seine ExFrau aufgrund ähnlicher Eigenschaften?
Was löst das in einem Menschen aus, wenn man in einer Person eigentlich jemand anders sieht?
Kann man diese Frage so einfach beantworten?
Beides ist gut möglich. Ein professioneller Coach sollte jedoch seinen Gefühlen nicht nachgeben.
Hallo,
ich habe mal eine Frage. Kann es in einer Klient-Coach-Beziehung vorkommen, dass der Coach sich in seinen Klieten verguckt,und das nach nur einem Coachinggespräch?
Durch Übertragungen oder einen Switch?Oder ist sowas nur eine Illusion seitens der Klientin?
Viele Grüße
Gute Ergänzung, die vermutlich bei einigen ein wichtiges Motiv ist.
Doch der Grund für den Reiz des Verbotenen liegt darin, dass jemand noch nicht ganz erwachsen ist. Er oder sie phantasiert jemanden, der mächtiger oder größer ist als man selbst und vor dem man Angst hat. Sonst könnte man ja zu dem stehen,was man vorhat. Das Heimlichtun ist das Schlupfloch, letztlich die Rache dafür, dass der andere einem so groß vorkommt. Doch natürlich macht man den anderen, in der Regel ja der Partner, selbst so groß.
Der Reiz des Verbotenen gehört in die Pubertät. Dort ist es wichtig, um sein Eigenes zu finden obwohl man abhängig ist von den Eltern, etliches heimlich zu machen.
Aber manche Menschen kommen nie aus der Pubertät raus.
Danke für Ihren anregenden Kommentar.
Ich meine mich mit Affären auszukennen. Die Gründe stimmen nur teilweise. Ein häufiger Grund ist der Reiz des Verbotenen. Sollte das noch berücksichtigt werden?
Ich bin auf die Diskussion gespannt.
es ist komisch, aber ich habe meinen freund für eine zeit lang betrogen. obwohl er zur damaligen zeit perfekt war. aufrichtig, gut im bett und ein freundlicher und gutmütiger kerl, der aber nicht in dem sinne der “nette” von nebenan war, sondern das, was man sich als frau wünscht.
die affäre habe ich zur damaligen zeit genossen. in vollen zügen, genauso wie die reale beziehung zu ihm. ich bin also nicht eine von denen, die mit einem seitensprung etwas zu kompensieren versuchte, mangelnde gefühle hatte – ich hatte beides genossen.
doch nach einem jahr, wo längst die kurze affäre zu ende war, fingen meine gewissensbisse an. ich habe schuldgefühle – bis heute – und auf einmal geht mir auf, wie viel ich hätte aufs spiel setzen können. um wie viel ich ihn betrogen habe – zu letzt um die ehrlichkeit, das vertrauen. es ist komisch, denn erst nach einer gewissen zeitspanne konnte ich mich in meinen realen partner hineinversetzen und mir wurde klar, dass ich so etwas nicht mehr über das herz bringen würde. ich stellte mir vor, wie es mir ergehen würde und mir war klar, dass wenn ich so handle, ich selbst am wenigsten vertrauen in der beziehung hatte.
man kann nicht dinge ungeschehen machen, und jeder sollte für sich seinen weg finden – ob durch einen gang in fremde betten, oder ohne. ich für meinen teil habe die konsequenzen daraus gezogen und weiß, sie hätten noch viel schlimmer sein können, wäre ich im nach hinein noch aufrichtig und ehrlich zu ihm gewesen. ich war es aber nicht, um ihn nicht zu verletzen und nun trage die ich die andere form der konsequenz: eben nicht mehr ehrlich und aufrichtig zu sein.
Hi J.,
grundsätzlich gibt es nichs, was es nicht gibt und es gibt noch mehr.
Doch, was Du meinst, kenne ich. Ganz ehrlich, jetzt mit 56 denke ich ab und zu ganz entspannt an “verpasste Gelegenheiten”. Zweie haben mit Abenteuer zu tun, eine mit Herz und Seele. Aber diese Zeitwanderungen haben eher etwas Angenehmes. Kein Bedauern.
Dein Ringen hier ist wirklich aufrecht. Auch wenn das viele nicht verstehen.
Aber sicher wirst Du das Folgende verstehen:
Glück ist, sich selbst zu kennen und zu verstehen, zu lieben und zu genießen, sich daran durchgängig zu erfreuen, dass man lebt. {im Englischen gibt es für “sich freuen” den Begriff “enjoying yourself”, was viel stärker ist.
Geht dieser Prozess ganz tief, kannst Du für Dich nur noch die richtigen Entscheidungen treffen, für jetzt, für die Zukunft und die nachträglichen Bewertungen Deiner Vergangenheit. Und das schließt alle Abenteuer, gelungene und mißlungene, mit ein. Karl
Ja, Karl, da könntest Du Recht haben. Eine Garantie, das die Beziehung auf ewig hält, damit es keine Zeit “danach” gibt, in der man evtl. verpasste Seitensprünge bereuen könnte. Aber gibt es keine Möglichkeiten diesen Schalter “umzukippen” und dieses “Nicht-Bereuen-Wollen” aus sich herauszubekommen?
Ich danke euch für eure bisherige Hilfe und natürlich auch für eventuelle folgende.
Hi lieber J.,
danke Dir auch, dass Du diese Runde hier eröffnet hast und so sinnvoll führst.
Persönlich kenne ich eigentlich wirklich nur Abenteurer. (könnte jetzt jemand sagen: `ansonsten gibts noch Langeweiler´)
Aus dem, was Du jetzt sagst, lese ich, dass Du eigentlich so etwas wie eine Garantie möchtest, zumindest so etwas Ähnliches.
Kenne ich von früher: “Mit dir möchte ich altwerden”, in meinem Ohr. Funktioniert nicht. Man altert dabei zu sehr. Roland hat viel Erfahrung mit Paartherapie und solchen Sachen. Die Statistik sagt, 80 % der Männer gehen fremd und 79,989 Prozent der Fauen. Das wurde so ungefähr in England, Holland, Frankreich und und und bestätigt. Viel Arbeit für Paartherapeuten und Scheidungsanwälte. Schönen Abend. K.
Hallo nochmal, und danke nochmal an Karl und Roland.
Dann würde ausgewogen wohl nicht zutreffen, weil ich es von meiner Partnerin nicht akzeptieren würde, was natürlich verständlich aber unausgewogen zu gleich ist.
Roland, das Problem ist, dass es konkrete Probleme nicht gibt, die man lösen kann, sondern dass es so ein dauerhaftes Grundgefühl ist, dass die Beziehung nicht mehr lange halten wird, und man deswegen später nicht bereuen möchte. Gibt es da keinen Ansatz, wie man dieses “Grundgefühl”, was ja zu den Taten führt, wegbekommen kann?
Ich danke euch im Voraus.
Hey J.,
lernt man doch im amerik. persönlichkeitstraining: ask yourself questions: is it legal? is it balanced? how do I feel after?
und balanced bzw. ausgewogen in Deinem Fall (ist übrigens irgendwie und irgendwann unser aller Fall…) würde “ausgewogen” heißen: darf der oder die andere das auch? Sind das Freiheiten und Unternehmungen unter Gleichgesinnten? (ein Partner ist vielleicht nachher, wenn er oder sie – meist durch `Zufall´ die Wahrheit erfährt -, deshalb stinksauer, weil sie oder er sich über lange Zeit ähnliche Abenteuer selbst verkniffen hat. Naja, kürzlich sah ich in einer Talkshow einen netten jungen Mann, der eine Wette einging, nämlich eine Zeit lang absolut die Wahrheit zu sagen. Das tat er dann. Schwer, sehr schwer. Dann bekam er ein blaues Auge gehauen und gequetschte Rippen beigebracht. Die Frau seines besten Freundes hatte ihn gefragt: “Du sag mal, betrügt mein Herzelein mich?” Die ehrliche Antwort blieb nicht ohne Folgen.
Wichtig ist m.E. auch, dass man sich nicht selbst verletzt. Auch nicht dann, wenn man sich selbst Fragen ehrlich beantwortet hat. Nicht aus purer Gewohnheit und auch nicht, weil die anderen das schon immer tun, mit sich und/oder mit mir.
Veränderungen sind schwer ist das ehrliche Motto in diesem Blog. Und Veränderungen sind machbar, ist das Credo. Alles Gute! Karl
Hallo J,
ich vermute, Sie wollen keinen Preis zahlen und dann ist Ihr Fremdgehen eben gerade die einfachste Alternative.
Mit “Preis zahlen” meine ich, entweder Sie sorgen dafür, dass die Probleme in der Beziehung wieder gelöst werden, damit die Beziehung für Sie beide attraktiv ist. Oder Sie trennen sich gleich, weil Sie finden, dass es keinen Zweck mehr hat. Beides scheint Ihnen zu unangenehm oder zu aufwendig zu sein. Da ist das “Nichtentscheiden” weder für noch gegen die Beziehung eben der “beste” Ausweg. Ich nehme aber an, dass Sie es heimlich tun. Wenn Sie es offen tun würden (Preis zahlen), wäre wohl schnell Bewegung in der Beziehung.
Danke für Ihren Kommentar.
Hallo Karl,
vielen Dank für Deine Antwort auf meinen Kommentar.
Mit dem was Du schreibst, hast Du recht. Das Problem ist, ich weiß auch, dass es nicht gut ist, weiß aber nicht, wie man sowas “abstellen” kann?!
Und zu den 3 Fragen: legal ist es schon (zumindest rein rechtlich). Was meinen Sie mit “Ist es ausgewogen?” im Bezug auf die Situation? Und wie ich mich danach fühle…naja, nicht besser. Trotzdem verspürt man im Vornherein diesen Drang.
an J: also, wenn man etwas älter wird, dann denkt man sicher mal an die eine oder andre Gelegenheit, die man nicht wahrgenommen hat, auf die man nicht eingegangen ist, aus wechem Grund auch immer: Liebe, Treue, Respekt, Angst, keine Zeit usw.
Aber mir persönlich geht es so: ich genieße bei solchen Erinnerungen den freundschaftlichen Respekt aus den Beziehungen, die ich haben durfte, ohne intime Verhältnisse, das knistert auch nichts mehr. (historische Versuchungen sind dann wie Filmscenen, die man nicht rausschneiden muß)
Aber dass man wie Du solche oft sinnvollen Versäumnisse antizipiert, also geistig vorwegnimmt, das ist wie `selbst ins Knie schießen´ oder ein psychologisches Eigentor. Man kann ja sowieso nicht alle Wiesen abgrasen. Ganz sicher hast Du Recht; dass die Gelegenheiten sich spontan ergeben, oft heißt es `jetzt oder nie´ und die Entscheidungen lassen sich nicht delegieren. Niemand hier wird Dir sagen `tu dies oder das´. Die Verantwortung trägst Du immer alleine. Was liegt auf der Wagschale? Da gibt es für Entscheidungen die Dreifingerfragezeichenregel:
- ist es legal?
- ist es ausgewogen?
- wie werde ich mich nachher damit fühlen?
Ein schönes Wochenende für alle Abenteurer und treuen Seelen. Karl
Und was ist mit dem Grund: “Ich gehe fremd, weil ich denke, dass die Beziehung nicht mehr lange geht, und ich später nicht bereuen will, dass ich es jetzt mit dem Fremdgehen bleiben gelassen habe”?
Weiß jemand, wie man mit sowas umgehen kann?
Hallo Nico,
ein Kind zu verlieren, bringt fast jede Beziehung in größte Nöte und an den Rand der Belastung. So etwas ist immer besser mit professioneller Hilfe zu bewältigen, damit man nicht in Schuldzuweisungen oder Entfremdung stecken bleibt. Letzteres scheint bei Ihnen in der Beziehung eingetreten sein.
Wenn Ihnen beiden die Fortsetzung Ihrer Partnerschaft wichtig ist, sollten Sie sich an die Aufarbeitung machen. Die Affäre Ihrer Frau verstehe ich in diesem Fall erst einmal als unbewussten Selbstrettungsversuch, nicht vor allem gegen Sie gerichtet. Ein halbes Jahr ist dafür nicht lange. Schon gar nicht zu lange, um Ihrer Beziehung noch einmal eine neue Richtung zu geben.
Therapeuten in Ihrer Nähe finden Sie hier http://www.psychotherapiesuche.de oder http://www.therapie.de
Danke für Ihren Kommentar.
@Nico
Bin Gerade beim Stöbern auf diesem Blog auf Ihren/Deinen Beitrag gestoßen. Wie grauenhaft es sein muss sein Kind zu verlieren!!!!
Vielleicht kümmern Sie sich/Du Dich ersteinmal um Dich selbst – ggfs mit Unterstützung eines Dritten?
Herzlichen Gruss!
Hallo ,
habe vor 2 Wochen erfahren, dass meine Frau mich seit über einem 1/2 Jahr betrügt. Wir haben einen großen Schicksalsschlag überwinden müssen. Vor 3 Jahren nahm sich mein 22 jähriger Sohn das Leben. Emotional fühlte sich meine Frau von mir im Stich gelassen, was ich verstehe, aber nicht, dass Sie nicht auf mich zugegangen ist und mir Ihre Nöte mittgeteilt hat.
Von meiner Seite hatte ich in unserer 27-jährigen Geschichte sehr oft das Gefühl, für Sie nicht begehrenswert zu sein. Viele Missverständnisse und Probleme in der Beziehung rühren daher.
Gibt es noch eine Chance ? Nach einer so langen Affäre?
@Astrid
Danke für Ihren Gedichtkommentar, der etwas von der Stimmung des Fremdgehens vermittelt.
@Camilla
Danke für die kluge Differenzierung der verschiedenen Begriffe, wenn diese auch meist synonym verwendet werden.
@Jens
Wenn man etwas so Kompliziertes wie die Liebe in verschiedene Disziplinen seziert, hat man es natürlich leichter. Dann sind Träume nur neuronales Gewitter, Anziehung und Sex das Wirken von Botenstoffen usw.
Doch auch der nüchternste Wissenschaftler, der vom Seitensprung seiner Frau erfährt, wird sich kaum besänftigen lassen, wenn sie ihm erklärt, ihr fehle eben das Treuegen Vasopressin.
Das Schwierige an Beziehungen ist ja gerade, dass die einzelnen Erkenntnisse durchaus stimmen mögen, man daraus aber doch kein Patentrezept ableiten kann.
Danke auch an @Karl Hinkel für die ergänzende Filmbesprechung.
[...] zurück zur Treue. Nachdem ich in meinem letzten Beitrag die drei wichtigsten Gründe, warum Menschen fremdgehen oder Affären haben, beschrieben habe, geht [...]
Verführung
War es dies Lächeln,
das sich auf Deine Lippen legte
und auf mich zielte, meine Lust erregte?
Die Lust, in diese Seele einzudringen,
sie zu erforschen und sie zu umschlingen?
Was machte es mit mir,
dass all mein Sinnen sich danach verzerrte,
dass die Vernunft die Augen schloss
und mir den Blick auf das, was zählt
so gnadenlos versperrte?
Verloren liege ich ihm nun zu Füßen,
mein Mund will diesen roten Mund begrüßen,
mein Leib will sich
mit diesen Leib vereinen,
ich möchte lachen und ich möchte weinen.
von Astrid Schulzke
Verrückte Zeit
Als ich dich sah,
verrückte sich die Zeit
und tanzte einem Irrlicht gleich
im Funkensommerregen.
Es war ein Segen,
doch auch dem Wahnsinn nah,
wie steter Strom des Lebens
ins Uferlose glitt.
Nicht, dass ich litt,
nur sah ich Dinge anders
und viel schöner.
Wie bunte Perlen aus dem Glas befreit, purzelte Denken nur um dich,
dir wollt ich schenken – mich.
von Astrid Schulzke
Lieber Jens,
versuche einmal dir die verschiedenen Begriffe zu erklären:
“Fremdgehen” kannst du auch mit einer
. Du kannst es einmalig
Bekannten
tun oder öfter( mit immer einer/
immer verschiedenen Damen). Wühlst du häufig in anderen Betten als dem Ehebett, bist du ein notorischer Fremdgänger.
Eine “Affäre” geht immer über einen längeren Zeitraum mit EINER Dame. Die Motivation( nur Sex oder auch Liebe
) spielt dabei keine Rolle. In der Regel will man diese Affäre nicht in eine feste Beziehung umwandeln…die hat man doch schon!
Ein “Seitensprung” ist ein einmaliger Ausrutscher. Wiederholst du ihn mehrfach mit ein und derselben Frau…hast du wieder eine Affäre
.
Ein Betrüger bist du, wenn du deiner Erstbeziehung rein gar nichts davon erzählst. Sie hat demzufolge keine Chance ihr Einverständnis oder ihr Missbillen auszusprechen.
Wie ich dich kenne, bist du mit solchen Dingen noch nicht in Berührung gekommen…duckundweg
))
Ok – nach meinem Differenzierungs-Entwurf wäre es vielleicht noch sinnvoll den Zusammenhang zu den Seitensprüngen herzustellen. Würde mir etwas leichter fallen, wenn mir die bisher nur ahnbaren Unterschiede zwischen Affäre, Fremdgehen, Seitensprung und Betrügen(vermutlich schon eher eine Bewertung einer Handlung!?) klarer wären.
Ohje – ihr Kollege Peter Lauster kann das ganz toll und Sie Herr Kopp-Wichmann sicher auch, aber ich will gern versuche wiederzugeben, was ich verstanden habe.
Beziehung beschreibt den Zustand des sozialen Verhältnisses zwischen zwei oder mehreren Menschen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Rahmenbedingungen und entsprechender Regeln/Erwartungen etc.. Beispiele könnten sein die Beziehung zu GeschäftspartnerInnen, zur VerkäuferInnen, zu NachbarInnen, zu MitbewohnerInnen der WG, oder dem einen Menschen mit dem ich in Zweisamkeit die (selbstgestellten) Aufgaben des Lebens bewältigen möchte.
Sex(ualität) beschreibt die biochemischen Prozesse, die sich in einem Menschen abspielen, wenn er/sie sich Fortpflanzen möchte. Da es für eine erfolgreiche Fortpflanzung vorteilhaft ist, dass der Mensch dabei einen “Lustgewinn” erlebt, übernehmen Hormone die entsprechende Aufgabe. (Kann gerade selbst kaum glauben, dass ich das so nüchtern beschreibe
Liebe ist ein Gefühl. Ein Gefühl, das sich in meiner Seele entfalten kann, wenn ich nichts mehr will, fordere, erwarte oder erstrebe und so mir mein Innerstes bewusst werde – den Momenten meines Seins begegne. Und wenn ich aus der Seele heraus lebe, liebe ich.
Die Puzzleteile könnten vielleicht sein:
Beziehung | Geist
Sexualität | Körper
Liebe | Seele
Und da geht es bekanntlich um die Balance in einem selbst und darüber hinaus gegenüber anderen.
… und nein – ich bin alles andere, als ein Esoteriker
http://bit.ly/91fjTM
Viele Dramen handeln vom Fremdgehen, Opern von Treue und Untreue, Bühnenstücke und wie könnte es anders sein: das ganz normale Leben handelt davon.
Gerade habe ich eine kleine Besprechung zu einem grandios inszenierten Film – Romanvorlage von Tom Perotta – geschrieben: Little Children.
Allen wünsche ich einen wunderbaren treuen Sonntag.
Können Sie sie erklären?
Wer die Unterschiede zwischen Beziehung, Sex und Liebe nicht erkennt und verstehen lernt, wird vermutlich keine Lösung für das dreiteilige Glücks-Puzzle finden.