Ei
n ernstes Thema, das ich auch unter dem Eindruck des Intensivseminars, das ich letzte Woche leitete, schreibe. Trotz etlicher Erfahrungen mit Menschen zu diesem Thema, bin ich doch immer wieder auf’s Neue betroffen, wenn ich miterlebe, wie körperliche Strafen, die jemand vor zwanzig, dreißig Jahren oder länger erlitten hat, sich auf das spätere Leben auswirken können.
Ich muss schon sehr genau hinhören und hinspüren, um mitzukriegen, dass jemand körperliche Gewalt in seiner Kindheit andeutet. Denn das Thema ist immer noch tabuisiert und vor allem auch schambesetzt. Doch wenn jemand beim Schildern seiner Biographie erwähnt, dass “es zu Hause streng zuging” oder der Vater “ziemlich autoritär war” oder “die Mutter keinen Widerspruch duldete”, werde ich meist hellhörig und frage nach, was der Betreffende damit meint.
Zur Sprache kommen dann zuweilen Schilderungen von heftigen Ohrfeigen und Prügeln mit Zaunlatten, Gürteln, Lederpeitschen, Baumzweigen, Kohleschaufeln, Teppichklopfern, Rohrstöcken oder bloßen Händen usw. Der Zeitpunkt ist oft unvorhersehbar. Wenn der “Elternteil schlecht drauf war”, wenn “man nicht schnell genug weg war” oder regelmäßig am Samstagabend als gefürchtetes Wochenendritual.
Ich frage auch immer nach, bis zu welchem Lebensalter geschlagen wurde und wie es aufhörte. Dabei erfahre ich, dass es meist in der Pubertät aufhört, bei manchen aber auch erst mit achtzehn, neunzehn Jahren, als sie sich entschlossen, auszuziehen. Manchmal hört der Elternteil von selbst auf, zuweilen auch nur durch die handfeste Drohung des Jugendlichen. Meist werden Jungen, speziell die ältesten, am meisten geschlagen, aber auch viele Mädchen.
Wie gehen Erwachsene mit der Erinnerung an Schläge in ihrer Kindheit um?
Eine häufige Form ist die Bagatellisierung.
Zumeist erkennbar an der Schlussfolgerung “Das hat mir aber nicht geschadet!”
Ich verstehe diesen Satz immer als den Versuch, den Konflikt zu lösen zwischen dem guten Bild, das man von den Eltern hat und den Szenen, wo man geschlagen wurde.
Häufig ist auch die Verdrängung.
Immer wieder berichten mir Menschen, dass sie an die ersten acht oder zehn Jahre ihrer Kindheit keinerlei Erinnerung haben. Kein Bild, kein Gefühl, nichts. Erst im Rahmen der gemeinsamen Arbeit kommt manchmal ein Stück schmerzlicher Erinnerung wieder zurück.
Welche Folgen haben Schläge in der Kindheit auf einen Erwachsenen?
Die Folgen sind mannigfach. Ich will hier nur einige der Konsequenzen und Entscheidungen nennen, die mir bei meiner Arbeit mit Menschen begegnet sind.
- Angst und Vertrauensverlust in Beziehungen.
Als Kind geschlagen zu werden, ist immer eine Situation, wo das Kind unbewusst Entscheidungen trifft. Wo es auf schmerzhafte Weise lernt, wie es in Beziehungen zugeht. Dass es um Macht geht. Dass man dem anderen, dem man vertraut hat, nicht trauen kann. Dass gleich wieder etwas passieren kann. Mögliche Folgen sind auch Gefühle des Ausgeliefertseins, der Hilflosigkeit, des Verlassenseins, das man als Erwachsener immer wieder erlebt.
- Beschränkte Konfliktlösungsmöglichkeiten.
Wer geschlagen wird, fühlt sich hilflos und gedemütigt. Um damit in Zukunft umzugehen, gibt es nur wenige Strategien. Die eine ist, sich zu unterwerfen – und den vermeintlich Stärkeren heimlich zu verachten. Die andere ist, sich zu schwören, dass einem so etwas “später im Leben” nie wieder passieren wird. Und zwar indem man selbst stark wird. - Probleme in der Identitätsentwicklung.
In Seminaren treffe ich hin und wieder auf ganz sanfte Männer, die verständnis- und rücksichtsvoll sind, nie laut werden. Einerseits angenehme Personen, aber auch ein großes Stück aggressionsgehemmt. Oft fühlen diese Menschen selbst, dass ihnen eine größere Portion Männlichkeit fehlt.
Wenn man dann in der Biographie forscht, was der Grund dafür sein könnte, graben wir zuweilen gemeinsam heftige Prügelerfahrungen aus. Frage ich, wie das “Nicht-Mann-Sein” und diese Erinnerungen zusammenhängen, hört man manchmal den einleuchtenden Satz: “Nur Männer schlagen!” Oder: “Ich wollte nie so werden wie mein Vater!”
- Selbstwertprobleme.
Wer geschlagen wird, erlebt, dass dem anderen seine Gefühle, Überzeugungen oder Regeln wichtiger sind als die eigene Person. Als Kind kann man noch schlecht unterscheiden zwischen sich und dem anderen. Kann zum Beispiel schwer erkennen, dass Eltern zuweilen überfordert sind (was kein Freispruch für Schlagen ist).
Meist sucht das Kind dann nach einem Grund für die Züchtigung. Vor allem, wenn der schlagende Elternteil sich nicht entschuldigt und die Verantwortung für sein Ausrasten dem Kind zuschiebt, sucht man als Kind die Schuld bei sich selbst. Weil man zu frech war oder Widerworte gab. Weil man schlecht in der Schule ist. Weil man überhaupt auf der Welt ist. - Abgrenzungsprobleme.
Wer als Kind geschlagen wird, erlebt eine massive Grenzverletzung. Und hat in der Folge oft Probleme, sich als Erwachsener angemessen abzugrenzen. Also Nein zu sagen, es anderen nicht immer recht zu machen, auch mal andere zu enttäuschen etc. Auch eigene Grenzen zu spüren, zu respektieren und flexibel damit umzugehen, kann schwierig sein. - Probleme mit eigenen Kindern.
Wer Gewalt als Mittel der Erziehung erlebt hat, spürt manchmal die Tendenz, sich auch so zu verhalten. Diese Gefahr ist umso größer, je weniger man sich mit dem eigenen Geschlagenwerden und den dabei erlebten Gefühlen auseinandergesetzt hat. Manche streichen ihren Wunsch nach eigenen Kindern auch ganz, aus Angst, sich in schwierigen Situationen nicht im Griff zu haben und ebenso zum Schläger zu werden. - Unkontrollierbare Aggressivität.
Als geschlagenes Kind erlebt man enorme Wut und Zorn, doch müssen diese heftigen Affekte unterdrückt und verdrängt werden. Doch unterdrückte Gefühle verschwinden nicht. Oft bahnen sie sich einen Weg in zerstörerischen Aktionen gegen andere (Kriminalität) oder gegen sich selbst (Autoaggression, Suizid, Drogenmissbrauch).
Was kann man tun?
Darauf gibt es keine schnelle Antwort. Aber allgemein kann ich sagen, dass das Bewusstmachen des Erlebten – im Gegensatz zum Verdrängen oder Bagatellisieren – ein erster wichtiger Schritt ist. Schon allein damit kommt man ein Stück aus der “Kindheits-Trance” heraus, da man den eigenen erlebten Schmerz zum ersten Mal wichtiger nimmt als das Motiv der Eltern oder die heilige Fassade des “Was sollen denn die anderen Leute denken?”
In weiteren Schritten kann man sich mit den schmerzlichen Erlebnissen auseinandersetzen. In einzelnen Fällen ist es möglich, mit den realen Eltern ein klärendes Gespräch zu führen.
Auch Eltern lernen manchmal dazu und können spät im Leben etwas bereuen oder falsch finden, das sie jahrzehntelang eisern verteidigten. Aber oft trifft man auch auf erneutes Unverständnis und eine Wand der Ignoranz (“Das bildest Du Dir doch alles ein!”)
Manchmal ist auch professionelle Hilfe nützlich,um in dem inneren Gespinst von Erinnerungen, Verdrängungsimpulsen und Verwirrung einen gangbaren Weg für sich zu finden. Letztlich aktiv zu werden im Sinne eines “Gut-für-Sich-Sorgens” ist auf jeden Fall besser als weiter im Leben in der Opferposition des geschlagenen Kindes zu verharren.
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Lese ich später!


(106 Kommentare) wrote:
Hallo Kurti,
was meinst Du wohl, wie viele Leute hier Dich gerne haben, sich über Deinen Beitrag, Deinen Mut und die Offenheit freuen.
Vielleicht ist einfach alles ganz anders. Nämlich umgekehrt. Dass die Masse durchgängig mehr Bestätigung bekommt, weil sie sich auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner trifft…
Aber was ist das wert?
Da werden eigentlich in gigantischem Ausmaße Probleme generiert, alte ständig aufgewärmt und andere breitgetreten.
Problemlösungen erfordern, dass man sich einer Sache mit Ernst und guter Absicht zuwendet. Und davon haben Sie ganz sicher eine ganze Menge. Alle hier.
Karl
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(106 Kommentare) wrote:
Ich mache mal Pause von meinem Ingenieurkram und schreibe noch etwas zu Gabis Kommentar.
In zahlreichen Fällen habe ich beobachtet, wie Leute wie die hier immer wieder beschriebenen `Täter´ sich entspannten und tatsächlich amüsierten, wenn man sich über das Schlagen oder das Trinken und Türeschlagen aufregte. Langsam, eigentlich mit 14, wurde mir klar, dass die sich freuen, weil sie etwas ganz anderes zu verbergen haben, etwas, was nun wirklich niemand wissen soll (In der Kriegsgeneration kann man ja vieles vermuten, vieles ist auch dokumentiert…) Heute meine ich dass Abtreibungsversuche, dass der Haß von Eltern, der ganze Frust, dass das Kind sie mit eigentlich ungewollten Partnern zusammengebracht oder gehalten hat, dass sie nicht mehr machen konnten, was sie wollten, nicht mehr in ihrer Kiffer oder Bierkneipenclique rumhängen konnten, dass sie überhaupt gebunden waren – dass sie da ein Wesen plötzlich vor sich hatten, welches wie ein spiegel war – und da treten sie dann rein, alles nur projezierter Selbsthass, zumindest defizitäre Selbstannahme? Ich glaube dass jedem Menschen mal was passieren kann. Meine Lieblingskaffeetasse habe ich in diesem Jahr auf den Küchenboden geknallt. Es gibt tatsächlich Aggression. Und es gibt eine Menge Theorien dazu. Die meisten sind langweilig.
Mal was passiert, mal wütend, mal, das kann man gut integrieren.
Aber das, was man hier überwiegend liest, ist nicht mal ein Kind schlagen, das ist Selbsthaß der Schläger, das ist irgendwie ein größerer Betrug.
Das eigentliche Verbrechen, das damit begangen wurde – und ich würde mich an dieser Stelle sehr über Stellungnahmen von Psychologen freuen – ist m.E. dass durch diese `Programmierung´ man dann sein Leben lang – da sehr schwer zu korrigieren – Dingen und Leuten beachten zu müssen, ernst nehmen zu müssen, die das tatsächlich überhaupt nicht wert sind.
Ein Kiffergrinsen irgendwo wirft einen für lange Zeit aus der Bahn, man kriegt diese Gesichter nicht aus dem Kopf, regt sich auf, – wie können die nur – anstatt einfach wegzugehen… Die Selbstzerstörung anderer regt einen auf.
Vielleicht ist das verursacht durch die Analogie, dass eben die Schläger von damals ja eigentlich auch Selbstzerstörung betrieben und betreiben…
Und dieses Nichtvergessenkönnen. Ich glaube, dass gehörte/gehört zu deren Absicht, bedingungslose Aufmerksamkeit und Unvergeßlichkeit, Beachtung über deren Tod hinaus zu erzeugen…
Mit jedem Gedanken, jeder Erinnerung saugen sie ihren Opfern die Energie weg…
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(24 Kommentare) wrote:
Hallo Karl (es ist ok, wenn ich Du schreibe, oder?),
Du hast geschrieben:
- Das Entscheidende, das wir haben, ist nicht die Abstammung. Wirklich entscheidend ist der Grad des Bewusstseins, den wir erlangen und die stete Ausrichtung unserer Aufmerksamkeit.
Schönen Sonntag, guter Mann. -
Sicher hast Du Recht, dass die Abstammung nicht das Entscheidende ist, aber diese zu leugnen, bringt einen auch nicht weiter.
Ich kann am Grad des Bewusstseins auch leider nichts Positives sehen, je mehr ich weiß, auch um die Zusammenhänge weiß und um die Gründe weiß, desto schlechter geht es mir damit, denn je mehr ich weiß, desto mehr drängt es mich jetzt zu handeln. Aber ich sehe mich nicht in der Lage zu handeln.
Ein guter Mann bin ich keineswegs. Ich bereite meinem Sohn keine glückliche Kindheit und ich weiß es.
Ich wäre gern dumm, ganz ehrlich, denn den Dummen gehört die Welt. Wer andere schädigt und es gar nicht merkt, hat doch ein prima Leben!
Aber das Wissen um die Wahrheit macht alles zu nichte, lässt jedes noch so kleine Licht der Hoffnung erlöschen. Ich weiß, dass mich auf dieser Welt NIEMAND wirklich und wahrhaftig liebt, so um meiner Selbst willen meine ich, weil ich da bin, nicht weil ich irgendetwas darstelle. Niemand.
Kurti
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(1079 Kommentare) wrote:
Hallo Gabi,
Selbstbestrafung – wenn man eigentlich das Opfer ist, hat mit der Bewältigung der erlebten Aggression zu tun. Da es meist nicht möglich, sich zu wehren oder die Aggression beim Täter unterzubringen, richten viele Menschen die Wut und den Zorn gegen sich. Entweder durch Selbstverletzung bis zum Suizid aber am meisten durch quälende Schuldgefühle, die ja auch einen aggressiven Charakter haben.
Statt gegen den Täter richtet man die Gewalt gegen sich. Entweder dass man es bagatellisiert, sich selbst die Schuld gibt, den Täter entschuldigt. Am meisten aber, indem man es sich unbewusst verbietet, damit abzuschließen und ein gutes Leben zu führen. So verstanden, sind Schuldgefühle auch eine verdrehte Form der Buße. Man büsst für die Tat, weil niemand sonst bereit ist, Verantwortung dafür zu übernehmen.
Danke für Ihren Kommentar.
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(6 Kommentare) wrote:
Ich möchte noch gern hinzufügen: die videos auf youtube habe ich mir angesehen, ich bin davon überzeugt dass der frieden ganz wichtig ist und ich das mal völlig schaffe.
Ich kenne auch – wie z. B. Kurti – seit meiner Pubertät depressive phasen. früher war es nur belastend, heut denk ich es gehört zur genesung dazu. damit geht es mir besser. es ist nicht NUR meine mutter die ursache, aber vermutlich der ursprung.
durch die vielen beiträge hier wird einem sehr deutlich bewußt wieviele menschen betroffen sind. ich finde die möglichkeit eines austausches tut wirklich gut.
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(6 Kommentare) wrote:
Guten Abend!
Danke für die einfühlsame stellungnahme, ich habe mich in den worten schon wiedergefunden. eine tendenz zur selbstbestrafung fiel mir sehr wohl bei mir bereits auf. ich frage mich wie sich die gestresste seele dadurch versuchen könnte sich selbst zu helfen, das würde ich gerne verstehen.
ich habe heute zu meiner mutter ein besseres verhältnis als je zuvor worüber ich sehr froh bin. offenbar wird der prozess der “reinigung” noch andauern wie mir nun klar wurde.
das beispiel von karl mit dem film hat mir sehr gut gefallen und auch der schöne abschluss. das fand ich sehr aufbauend, danke auch dafür.
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(106 Kommentare) wrote:
Guten Morgen Kurti,
wie Sie ja gemerkt haben, habe ich aufmerksam jede Zeile verfolgt, die Sie hier geschrieben haben. Was Sie sagen, das habe ich auch erlebt: mein Peiniger kam aus dem Sterbezimmer seiner Gattin und meiner Mutter. In genau diesem Moment fragte mein Töchterchen, (das war ca. ´95) auf meinem Schoß: “Papa, der Vater von Anna haut die Anna immer (der Mann studierte Theologie). Würdest Du mich auch schlagen?” Ich antwortete: “Nein, niemals, unter keinen Umständen, wozu, nie!” In genau diesem Moment kam dieser Mann aus dem Sterbezimmer seiner Gattin, die gerade aufgehört hatte zu atmen und kommentierte in seiner ganzen Häßlichkeit: “Dat hat noch keinem geschadet!”
Meine Tochter war fünf und sagte: “Hier will ich aber nie mehr hin. Können wir bitte sofort gehn?”
Diese Männer haben so viel Beachtung nicht verdient. Vielleicht ist es einfach nicht nur langweilig, sondern auch Zeitverschwendung, sich mit solchen Menschen zu beschäftigen. Und Zeit haben wir alle gleich viel. Meine ist mir heute so lieb und kostbar. Und da sind einige Gräber, die ich nie besuchen muß. Auch das wäre Zeitverschwendung.
Übrigens befinden wir uns in guter Gesellschaft: Der Vater von T.A. Edison war solch ein Idiot, der von Beethoven auch. Die Liste ist endlos. Der ganz zu Anfang erwähnte Mann ist nach einem Schlaganfall langsam erstickt. Edisons Vater ist im Suff tötlich verunglückt, Beethovens Vater hat sich auch totgesoffen. Und es geht ja weiter so: `Freunde lasst uns einen Krombachern.´
Das Entscheidende, das wir haben, ist nicht die Abstammung. Wirklich entscheidend ist der Grad des Bewusstseins, den wir erlangen und die stete Ausrichtung unserer Aufmerksamkeit.
Schönen Sonntag, guter Mann.
Karl
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(24 Kommentare) wrote:
@Karl
Du schreibst: “Wer gibt denn schon was zu?”
Och, mein Vater z.B. gibt offen zu, mich geschlagen zu haben, einerseit, weil er glaubt, das das Schlagen zu einer guten Erziehung dazu gehört, andererseits, weil er glaubt, ich hätte es verdient.
Beides entstammt einer anderen Generation und ist aus meiner Sicht völlig falsch.
Kurti
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(1079 Kommentare) wrote:
Ja, das Rechtbehalten-Wollen steht einem im Weg zu einer Lösung. Denn dann wartet man auf eine Lösung von außen. Die kommt aber meistens nicht. Das Schlimme daran: das Rechtbehalten-Wollen fesselt einen an den Täter.
Wenn man das mal erkannt hat, kann man sich selbst befreien. Indem man, wie Sie sehr gut audrücken, ” seinen eigenen unvergleichlichen Wert anerkennt.
Das ist deshalb für viele Menschen so schwer, weil der Preis dafür der Verzicht auf die Rache ist.
Danke für Ihren Kommentar, Karl.
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(106 Kommentare) wrote:
Guten Abend zusammen,
nach RKWs Antwort, dass man “irgendwie” diese Genugtuung, Klärungen mit Tätern usw. nicht, oder zumindest nicht in der krampfhaft verfolgten Weise braucht, möchte ich bestätigend folgendes hinzufügen:
Vor ungefähr zwei Wochen sah ich nachts einen Film, Thriller. (Ja, ich gehöre zu den ganz wenigen Blogbesuchern, die noch Fernsehen…- und ich schätze meine riesige DVD-Sammlung) Also der Film hieß BLUTROT. [Ich schreibe das, weil ich sehr lange in der gleichen Lage war - mit dem Klärungensuchen.] In dem Film erschießt ein Jugendlicher den geliebten Hund eines netten alten Herrn, der gerade beim Angeln war. Dann fordert der alte Mann eine bedingungslose öffentliche Schuldanerkenntnis des Jungen. Der denkt aber nicht daran. Der junge Mann leugnet zwar eigentlich die Schuld nicht, wehrt sich aber gegen das geforderte Outing. Natürlich ist allen klar, dass man den Hund nicht mehr lebendig machen kann. Auch weiß die halbe Stadt, dass der Alte Recht hat. Aber der kann es nicht dabei belassen. Er hat ja schon Recht. Aber das reicht ihm nicht. Er fordert das öffentliche Schuldbekenntnis des Jungen. Der Bruder des Schuldigen, der bei der Tat dabei war, ist einsichtswillig und kooperativ. Aber auch das reicht dem Alten nicht. Der Fim ist ein Thriller. Also gibt es zum Schluss einen Showdown, Tote und Schwerverletzte. (beide Jungs sind erschossen- durch ihren eigenen Vater, der eigentlich den Alten erschießen wollten…) Die Tochter des Alten sagt: “Du hast es geschafft, Dad.” “Für was für einen Preis? Nur weil ich Recht haben wollte!”, meint der Protagonist in der Schlußscene.
Ähnlich musste ich das auch erleben (ohne Schießeisen) – Wer gibt denn schon was zu? Wer lässt sich denn schon was sagen?
Was zählt: Wenn ich meinen eigenen unvergleichlichen Wert erkenne.
Das ist tausendmal mehr.
Aufrichtig dankbar war ich für diesen irrsinnigen Film. Und gut, dass es TV gibt.
Karl
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(1079 Kommentare) wrote:
Hallo Gabi,
ja, das ist sicher möglich – und es ist ein langer Weg.
Aus Ihrem Kommentar höre ich heraus, dass Sie vielleicht noch auf etwas von Ihrer Familie und Ihrer Mutter erwarten oder erhoffen. Eine Art Einsicht in das falsche Verhalten, vielleicht sogar eine Entschuldigung oder eine Wiedergutmachung. So verständlich dieser Wunsch ist, er erfüllt sich fast nie. Die Eltern wehren wegen der unbewussten Schuldgefühle alles ab, um sich mit dem eigenen Tun nicht auseinandersetzen zu müssen.
Die gute Nachricht: Sie brauchen das auch nicht mehr von Ihrer Mutter. Es täte gut – aber von ihr ist es nicht mehr notwendig. Doch dazu muss man abgelöst sein und seinen Frieden mit den Eltern gemacht haben. Auf Youtube gibt es ein Video dazu von mir. Zwar geht es da um den Vater aber es ist auf Mütter genauso übertragbar.
Wenn Sie sich heute immer wieder stark zurückziehen, vermute ich, dass Sie sich selbst noch die Schuld für das Erlittene geben – und sich dadurch bestrafen. Das sind komplexe innerseelische Vorgänge. Ich kann in diesem Rahmen nur etwas andeuten. Vielleicht bringt es Sie auf eine gute Spur.
Danke für Ihren Bericht.
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(6 Kommentare) wrote:
Hallo Herr Kopp-Wichmann,
ich habe eine frage: kann man es jemals schaffen als mensch ohne ursprünglichen selbstwert ein “normal” fühlender mensch zu werden? ich beschäftige mich seit jahren mit dieser problematik, habe therapien gemacht, sehr viel literatur gelesen und ich denke grundsätzlich sehr differenziert. es erscheint mir fast unmöglich sich von den mustern und rollen zu befreien. die partnerwahl ist ja quasi vorbestimmt, selbst das wissen und verstehen der situation bringt nicht die nötige energie viel zu verändern. vielleicht auch deswegen weil innerhalb der familie gar kein verständnis zu erwarten ist.
vielmehr hab ich die position der “schwierigen” die man nicht ganz ernst nehmen kann. von meiner mutter, der sehr leicht “die hand auskam” ist kein verständnis zu erwarten. auf das thema angesprochen ist ein kommentar wie “das hat noch keinem geschadet, es war eher zu wenig” keine seltenheit. ich hab übrigens lange gebraucht um begreifen zu können dass mein “anders sein” viel mit mit meiner kindheit zu tun hat, ich dachte vorher immer, es wär halt mit mir was nicht in ordnung. ich bin zwar sicher, dass ich mich weiterentwickelt habe, jedoch ist ein rückzug in eine isolation auch der fall und als aussenseiter fühl ich mich nach wie vor. mein auftreten hat sich bestimmt verändert, viele nehmen mich als starke und mutige frau wahr, doch das sind aus meiner sicht “stärkephasen” und zeitlich begrenzt. tatsache ist dass sich mein freundeskreis total reduziert hat, zum teil durch meinen rückzug, aber auch umgekehrt. ich bin mir nun nicht mehr sicher, ob ich mich in einem heilungsprozess befinde oder auf dem weg in die totalisolation.
Ich freue mich auf Ihre Antwort und finde es grossartig, dass Sie hier die möglichkeit bieten, mit ihnen direkt in kontakt zu treten und möchte mich dafür bei Ihnen bedanken und Ihnen weiterhin viel Erfolg wünschen!
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(24 Kommentare) wrote:
@DerJ
Du hast geschrieben:
“Ich kann auch nicht sagen, dass meine Eltern mich nicht geliebt hätten oder nicht lieben würden.”
So lange Du das glaubst, wirst Du a)auch schlagen, irgendwann, mit Worten oder psychischer Gewalt und b)keinen wahren Frieden finden, denn Schlagen, in welcher Form auch immer, ist keine Liebe!
@Tine
Ja, da hast Du Recht… ich weiß inzwischen, dass meine Seele nicht nur aus einem Teil besteht. Wenn andere sagen können, ich bin ich, dann denke ich, ok, ich bin ich und ich und ich, vielschichtig eben.
Ich habe es so gemacht, dass ich noch Wünsche und Träume für später habe, so dass ich am Leben bleiben muss, um mir diese Wünsche und Träume irgendwann verwirklichen zu können.
Schwieriger wirds mit einer Freundin, die schon vor der Geburt nicht gewollt war und für die nach der Geburt die Hölle weiter ging. Sie ist Heute Borderlinerin und eigentlich weder lebensfähig noch lebenswillig.
Wenn unser einer in seiner Kindheit nur irgendeinen Menschen gehabt hat, der einen geliebt hat, wie man war, dann ist dies die einzige Chance auf ein “Leben” mit Lebenswillen.
Kurti
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(1079 Kommentare) wrote:
Danke für Ihren Bericht.
Er zeigt, wie wichtig es ist, sich von den Schlägen und Schlägern der Kindheit abzugrenzen, aber auch die seelischen Folgen aufzuarbeiten. Am besten in einer Psychotherapie. Denn sonst besteht die Gefahr, dass man es später an anderen doch ausläßt. Ist zwar unlogisch, weil man denken könnte, wer das erlebt hat, will das nie jemand anderem antun. Aber das sind eben unbewusste Vorgänge, die man nur schlecht rational steuern kann.
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(1 Kommentar) wrote:
Hallo,
auch ich möchte hier mal meinen Senf dazu geben…
Auch wir (mein ein Jahr älterer Bruder und ich) wurden als Kinder regelmäßig geschlagen, geprügelt und mißhandelt.
Eigentlich wuchsen wir in gut bürgerlichen Verhältnissen und nach außen “wohlbehütet” auf. Ich kann auch nicht sagen, dass meine Eltern mich nicht geliebt hätten oder nicht lieben würden. Aber genau das machte und macht es uns bis heute schwer mit der Thematik umzugehen.
Von Anfang an:
Seit wir denken können, wurden wir für diverse “Fehlverhalten” körperlich bestraft. Das ging mit einer Ohrfeige für ein “böses Wort” los und endete mit dem Teppichklopfer auf den nackten Hintern. Ich kann mich bis heute erinnern, das ich in diesen Momenten nur noch den nackten Schmerz spürte, der alles beherrschte. Schreien half nichts. Wenn wir in der Schule auffällig waren, wenn wir unser Essen nicht aufaßen, wenn wir uns sonstwo nicht benahmen, gabs Prügel in stärkerer oder schwächerer Form. Wir mußten immer den Teller leeressen, egal wie es uns geekelt hat. Ich errinnere mich zweimal daran, dass ich mich übergeben mußte. Darauf gabs Prügel. Wenn wir “schmutzige Worte in den Mund nahmen”, wurde uns der Mund mit Seife ausgewaschen.
Das alles konnte eine Stunde später wieder verraucht sein, oder auch nicht. Ansonsten gab es Hausarrest oder Spielverbot mit Freunden. Einmal fragte ich am Mittagstisch: Mama, was ist eigentlich ficken?” Ich war damals in der Grundschule und hatte das Wort aufgeschnappt. Darauf gabs einmal Mund auswaschen und zwei Wochen Spielverbot mit meinem besten Freund. Das Ganze ging bis in die spätere Jugend, schätzungsweise bis ca. 14 oder 15 Jahre. Damals hatte ich das Thema in der Schule bei einem Vertrauenslehrer angesprochen und eine Mitschülerin gab mir den Tipp einfach mal nicht zu schreien und meine Mutter dabei in die Augen zu sehen. Es wirkte und ich wurde nie wieder von ihr geschlagen.
Zu den Auswirkungen:
Es fiel mir als Kind schwer, Konsequenzen einzuschätzen und ich war häufig schüchtern. Auf der anderen Seite reagierte ich mich ab, indem ich bewußt verbotene Dinge tat (zB. Feuer machen oder etwas kaputtmachen) Ich suchte mir Freunde, die ähnlich aggressiv waren wie ich. So prügelte ich mich auch viel während meiner Grundschulzeit. Später wurde das weniger, da ich aufgrund meiner Statur immer häufiger den kürzeren zog und so neue Wege lernen mußte. Auf dem Gymnasium waren wir eher Außenseiter. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass auf dieser Schule viele gemobbt wurden, die dem Geld- und Klamottenkodex nicht entsprechen konnten. Wir waren da kein Einzelfall. Ich habe meine Schulzeit gehasst und bin einmal Zurückversetzt worden und später in der 9. sitzengeblieben. Nach der 10 ging ich ab und machte eine Ausbildung. Vom Regen in die Traufe. Hier ging das Mobbing durch die höheren Lehrjahre weiter. Allerdings war man nicht allein. Außerdem war ich zu dieser Zeit bereits erwachsen.
Zu erwähnen ist auch, dass ich eine ausgeprägte ADHS-Persönlichkeit lebe. Ich bezeichne dies heute bewußt nicht als Krankheit, da ich gelernt habe damit umzugehen und meinen sicher nicht immer einfachen Weg gehe. Dazu gehört auch eine mir angeborene Resilienz.
Erwachsen werden:
Ich hatte auf diesen Tag sehr lange gewartet und mir von da an nichts mehr befehlen lassen. Mit 21 dann flog ich unter Androhung von Polizei zuhause raus. Meine Mutter “wurde schon lange nicht mehr mit mir fertig” und zog nun die letzte Konsequenz. Ich hatte mir längst neue Freunde (damals in der noch jungen Gruftieszene) gesucht und baute nach und nach meine eigene Welt auf. Nur nicht normal sein – weil dass war ja, wie meine Eltern waren und somit Feindbild.
Ich werde wohl nie der Typ mit schickem Neuwagen, Einfamilienhaus und CDU-Mitgliedsausweis sein… und das ist gut so!
Heute:
Ich habe zwar lang, aber fertig studiert, zum Zeitpunkt der Verfassung dieser Zeilen 42, seit ein paar Wochen verheiratet und seit ca. 16 Monaten Vater eines wunderschönen und tollen Jungen, der garantiert niemals geschlagen wird! Sollte das jemand anderes wagen, bekommt er massiv Streit mit mir. Als mein Sohn auf dem Weg war, kam das Thema wieder in mir hoch, da es ja bis heute mein Leben beeinflußt, und ich bin derzeit bei einem Psychologen und hole mir Hilfe. Da ich jahrelang eine Katze hatte, wurde mir schon damals bewußt, dass das Schlägerpotential durchaus in mir schlummerte. Ich war damals sehr schockiert über mich selbst und habe mich diesbezüglich geändert und mir neue Wege gesucht mit meiner Aggression umzugehen. So betreibe ich Ausdauersport, der mir viel Ruhe und Zeit zum Nachdenken und mit mir selbst ins reine kommen gibt. Auch mein Bruder hat vor Jahren eine Psychotherapie gemacht und schon sehr viel aufgearbeitet.
Vor der Geburt meines Sohnes konfrontierte ich meine Eltern mit der Ansage, wenn mein Sohn jemals von Ihnen geschlagen würde, würden sie ihn mindestens 5 Jahre nicht mehr zu Gesicht bekommen. Mein Vater hatte vor einigen Jahren einen Schlaganfall und konnte sich offensichtlich an nix mehr errinnern. Meine Mutter fühlte sich angegriffen und nimmt mir bis heute übel, dass ich ihr das vorwerfen könnte. Sie steht nach wie vor hinter einer “streng preussischen” Erziehung und ist als Kind selbst massiv mißhandelt worden.
Immerwieder versuche ich, das Thema zu öffnen und zu bereinigen, aber ich fürchte, dass da niemals eine Einsicht kommen wird. Ich ziehe mich momentan zurück, da ich meine Kraft für mein eigenes Leben brauche.
Bis heute haben wir allerdings immer wieder Probleme mit Abgrenzung und emotionalen Löchern. Allerdings bin ich wohl als Kämpfer geboren und werde nie aufgeben.
Allen Kindern, die geschlagen werden kann ich nur sagen: Geht sofort (!!!) zum Jugendamt o.ä. und laßt euch helfen. Niemand darf Euch das antun und je eher ihr dagegen aufbegehrt desto weniger wird es euch im späteren Leben belasten.
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(1079 Kommentare) wrote:
Hallo Sonja,
Ihr Bericht hat mich berührt. Sie sind zum Glück auf einem guten Weg. Grenzen Sie sich deutlich ab von ihrer Familie, da kommt nichts Gutes. Und genießen Sie Ihr Leben mit Mann und Kind. Falls die Vergangenheit Sie noch einmal einholen sollte (Suizidgedanken oder depressive Verstimmungen) holen Sie sich professionelle Unterstützung.
Danke für Ihren Kommentar und alles Gute für Sie.
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(3 Kommentare) wrote:
Hallo Herr Kopp-Wichmann,
ich bin zufällig auf diese Seite gestoßen aber das Lesen der Kommentare hier hat einige Tränen ausgelöst. Auch ich wurde in meiner Kindheit von meinem Vater regelmäßig wegen Kleinigkeiten geschlagen. Ein freches Kind war ich nie, da ich schon früh total eingeschüchtert wurde und als Fischegeborene sowieso nie zu den selbstbewußtesten Menschen gehört hätte. Ich musste viel Zeit auf dem Bauernhof meiner Großeltern verbringen, wo mein Opa einen riesigen Spaß daran hatte, seine Enkelin mit dem Taschenmesser zu bedrohen und ihr Angst einzujagen. Später wurde ich dann oft von meinem Opa vor der ganzen Familie (Geburtstage, Ostern, Weihnachten) bloßgestellt und hatte schon jedes Mal Bauchweh, wenn ich wieder zu einem Familientreffen musste.
Manchmal habe ich meine Eltern angelogen, wurde ich ertappt gab’s natürliche Schläge und es wurde lautstark nachgefragt, warum ich gelogen habe. Hätte meinem Vater ich bloß einmal die Wahrheit ins Gesicht gesagt (weil ich Angst vor Dir habe). In meiner Jugend wurde es richtig schlimm. Meine Eltern stritten ständig; oft genug ging es auch um mich und ich fühlte mich immer schuldiger an der Ehe meiner Eltern. Zu meinem großen Pech bin ich der Unfall/Grund warum meine Eltern geheiratet haben. Die letzte Ohrfeige hat mir mein Vater mit ca. 14 Jahren verpasst. Da hat er mir die Nase blutig geschlagen und behauptet, er hätte mich unglücklich getroffen (komischerweise hat er danach nie wieder zugeschlagen).
Wenn ich an meine Jugend zurückdenke, habe ich oft den Gedanken, dass mir mein Vater damals schlichtweg das Leben verboten hat. Ich gehörte zu den Kindern, die nichts durften, was sie wollten. Es gab nur Ge- und Verbote. Jahrelang habe ich ein Instrument gespielt ohne jegliche Freude daran zu haben – im Gegenteil, jede Orchesterprobe war eine Qual. Irgendwann war ich schlichtweg gar nicht mehr in der Lage Wünsche zu äußern, da ich die Antwort sowieso schon kannte.
Als ich dann als 17-Jährige meine Ausbildung begann, hatte ich keine Freunde mehr. Zu oft hatte ich nicht mitgedurft und zu schüchtern war ich, um mich jetzt anzubiedern. Fast hätte ich vergessen zu erwähnen, dass ich als 13-/14-Jährige meine Mutter davon abhalten musste, sich vor den Augen meiner Schwestern und mir auf dem Dachboden zu erhängen (mein Vater hat uns beiden so gut er konnte das Leben zur Hölle gemacht und uns beide unterdrückt wo er nur konnte). Ich habe mir immer gewünscht, dass sie geht aber leider hat sie sich das nie zugetraut. Für mich wäre das definitiv besser gewesen. So habe ich mich auch später bei meinen Besuchen immer schuldig gefühlt, wenn ich gesehen habe, wie unglücklich sie bei meinem Vater ist. Eigentlich habe ich mich jahrelang von ihr emotional erpressen lassen.
Ich konnte mein Leben noch nie unbeschwert genießen. Meine Eltern haben mich und meine Wünsche noch nie respektiert. Für sie bin, war und werde ich immer nur der Grund für ihre Ehe sein. Vor genau 1 Jahr ist dann der große Knall passiert. Ich habe geheiratet und meine Familie hat mir den Tag versaut. Sie haben sich mir als Braut gegenüber so unmöglich benommen, dass ich mich irgendwann überhaupt nicht mehr über meinen Hochzeitstag freuen konnte. Beim Gedanken daran überkommt mich das Gefühl, regelrecht festgehalten worden zu sein, denn ich wollte ja genießen und feiern – aber ich durfte nicht, ich hätte ja einen glücklichen Moment in meinem Leben haben können.
Als ich versucht habe das nach ein paar Wochen zu klären, habe ich mir von meiner Mutter und Schwester wirklich unmögliche Sachen anhören müssen. Danach bin ich nicht mehr ans Telefon und meine Mutter hat mich dann bei der Arbeit mit Telefonaten belästigt, was ich mittlerweile zum Glück abstellen konnte. Zur Zeit habe ich gar keinen Kontakt zu meinen Eltern. Das vergangene Jahr war sehr hart für mich und meinen Mann, da im Anschluß an die Hochzeit eine schwere Deppression kam, während derer ich meinen Suizid plante. Davon abgehalten hat mich letzendlich nur meine Schwangerschaft.
Ich mag’ in der Lage sein Gewalt gegen mich selbst anzuwenden aber ich töte ganz bestimmt keinen anderen Menschen und schon gar nicht mein Kind (das ich mir ja gewünscht habe – da ich in meinem Leben allerdings nie bekommen habe was ICH gerne gehabt hätte, hatte ich gar nicht mit einer Schwangerschaft gerechnet). Seit ein paar Wochen geht es mir psychisch besser und ich fühle mich freier aber das habe ich letztendlich dem Kontaktabbruch zu meiner Familie zu verdanken. Würde ich den Kontakt halten, würde ich mich immer noch unterdrücken/kleinhalten lassen.
Schuldig fühle ich mich nicht mehr, schließlich bin ich nicht diejenige, die nicht richtig verhütet hat. Mich hat auch keiner gefragt ob ich so ein Leben überhaupt haben will. Eins ist sicher, für mein Kind wünsche ich mir ein schönes Leben. Im Gegensatz zu meinem Vater ist mein Mann ein gutmütiger Mensch und ich bin mir sicher, dass wir unserem Kind ein liebevolles Zuhause ohne Schläge bieten werden (er weiß genau, dass das für mich ein Grund wäre ihn sofort zu verlassen). Ich hoffe, dass meine Wunden irgendwann richtig verheilen, denn leider hatte ich viel zu lange verdrängt, sodass meine Familie durch ihr Verhalten letztes Jahr alles wieder hochgeholt hat. Ich kann mit ihnen nicht mehr auf Heile-Welt machen, meine Welt ist nicht heil.
Viele Grüße, Sonja
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(106 Kommentare) wrote:
Ja, das stimmt, heute ist alles noch viel besser, die Suchfunktionen sind wirklich hervorragend: http://www.psychotherapiesuche.de/therapeutensuche
Selbst bin ich damals einfach zur TKK rein, die waren hier in Köln direkt nebenan am Hohenstaufenring- hatte mich dann gewundert, wie hilfsbereit die waren.
Was ich eigentlich sagen wollte, man muss irgendwann einfach losmarschieren und konkret was tun. Dann geht es ja endlich mal wirklich um mich. Bei der Traumatisierung ging es ja nicht wirklich um mich; denn wäre ich nicht da gewesen, hätten diese Verrückten sich ein anderes Opfer vorgenommen. Man bezieht das zwar schmerzlich auf sich allein. Jedoch machen sie das mit allen, auch mit sich selbst.
Also, nicht nur reden, nicht nur lesen, nicht grübeln, sondern projektieren, wie z.B. ein Referat oder eine Weltreise auch, einfach los, auf die Türklingel drücken und anfangen…
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(1079 Kommentare) wrote:
Hallo,
kleine Ergänzung: um eine Psychotherapie zu beginnen, muss man nicht vorher zur Krankenkasse gehen. Man kann direkt zu einem Psychotherapeuten gehen, jedenfalls zu einem, der eine Kassenzulassung hat. Man braucht auch vorher nicht zu einem Arzt zu gehen, braucht keine Überweisung.
Therapeuten in der Nähe findet man über http://www.therapie.de oder http://www.psychotherapiesuche.de
Viel Erfolg!
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(106 Kommentare) wrote:
Hallo Andreas,
ich kann das alles absolut nachvollziehen, was Du schilderst. Man fühlt sich damit absolut alleine gelassen. Gar denkt man, dass es das in dieser Form nicht so oft gibt. Aber das Gegenteil ist leider der Fall.
Das ist tatsächlich nichts Besonderes. Du selbst bist etwas Besonderes, weil Du da heraus willst. Und Du merkst, wie schwer das ist. Trotzdem geht das. Absolut. In Deinem Alter steckte ich gerade mitten in meinem Ingenieurstudium und hatte an einem Geburtstag rund 50 liebe Leute um mich. Alle waren allein wegen mir gekommen. Sie blieben die ganze Nacht. Allerdings kam mir erst früh morgens beim Auspacken der vielen liebevollen Geschenke der Gedanke: `oh mein lieber Scholli, das hier ist alles echt, das ist nur für mich – ich konnte das bisher nur nicht sehen, weil ich das nicht kannte´ Denn man sieht nur, was man kennt.
Ein paar Jahre später bin ich zu einer Rückführungs-Therapie gewesen und habe die Wahrheit, den Grund für mein Dilemma gesehen. Das ungewollte Kuckuckskind. Und alles wurde mir klar. Da fielen die Groschen und die Tränen und der Mut sowie Zuversicht stiegen.
Im Psychologieunterricht erklärte man uns den ganzen Kinsey-Report. Da drin stecken die Knackepunkte. Wenn Du das erkennst, dass das alles eigentlich nichts mir Dir zu tun hat… dass es die Defizite der Selbstakzeptanz der Eltern ist, dass es deren Problem mit ihren Hormonen ist, mit ihrer jeweiligen Disposition, Wünschen, Bedürfnissen und Fehlentscheidungen — und gerade das Thema Sexualität macht diese Menschen dann für andere vollkommen unzugänglich – ich denke gerade, Andreas ist doch recht weit. 26 ist das richtige Alter. Irgendwie kommt da der entschlossene Willen rüber, echt was zu tun – neben Physik, wozu ich Dir alles Gute wünsche, Naturwissenschaften ist klasse –
Zum Schluss: RKopp-Wichmann hat Recht, dass ein Therapeut unbedingt hilfreich ist. Denn wenn man “geschickt” wird in Veränderungen, dann klappt das viel viel besser. Ein ernster Rat: Gehe einfach zu der zuständigen Angestellten Deiner Krankenversicherung und schildere ihr Dein Anliegen allgemein, TKK, AOK, BEK… alle sind echt kooperativ und Du wirst sehen: alles wird gut.
Nachher, wenn Du wie von selbst erkennen musst, was der wahre Grund für das Inferno war, ist das auch schon wieder fast langweilig.
Spannend bist Du, Du mit Deinem Potenzial zur Veränderung, zum Leben.
(und dieses Blog ist auch noch etwas Besonderes {nicht gerade nur dieses Schreckensthema hier} mit seiner Echtheit und Aufrichtigkeit… schau Dich einfach um…)
Verbitterung, Haß, Groll und Passivität in der Sache ändern nichts. Da gibt es einen Therapeuten oder eine Therapeutin in Deiner Nähe. Und es gibt einen erfahrenen und achtsamen Sachbearbeiter in Deiner Krankenkasse. Einfach hingehen. Einen ganzen Tag für diese initialen Maßnahmen reservieren. Viel Glück und viel Freude beim Studium. K.H.
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Das schlimmste war für mich aber die völlige Ignoranz der Gesellschaft. Wir haben in eimen sehr hellhörigen Doppelhaus gewohnt und ich kan nach dem oben beschriebenen Ereigniss blaugeschlagen in die Schule (1. Klasse). Nichtrs, absolut keine Reaktion von niemanden. Das bestätige dann leider die Worte meines Vaters. Ich bin nichts wert, ich mache eh alles falsch und keiner interessiert sich für mich. Überfordert von der Situation bekam ich nervöse Zuckungen (Ticksyndrom), was noch den Spott der Gesellschaft hervorruf, und meine Mutter noch trauriger machte. Mein Vater schrie mich an ich sollte gefälligst aufören doof zu zucken und bekräftigte das wieder mit schlägen.
Meinem Vater ist nicht zu helfen, aber ich würde ganz gern mal mein leben in den Griff bekommen. Eine Beziehung zu Menschen aufzubauen fällt mir nicht schwer, aber ich kann mich selten in eine bestehende Gruppe integrieren. Meine Unsicherheit und mein fehlendes Selbstwertgefühl überspiele ich oft, was aber irgendwie als Arroganz gewertet wird, woraufhin ich mich wieder vollig unterordne und teilweise selbstzerstörerisch handel und spreche, wodurch ich dann oft als Idiot gelte.
Ich will diesen ganzen Scheiße endlich mal vergessen können und ein ganz normales Leben führen. Die probleme treten beruflich und privat auf. Eine feste Bindung aufzubauen fällt mir sehr schwer. Soll ich einfach in eine Therapie gehen? Alkohol und Drogen hab ich schon versucht. Dummerweise wurden meine Depressionen auf Drogen in letzter zeit nur noch schlimmer, weshalb ich dann aufgehört habe. HILFE
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(1079 Kommentare) wrote:
Hallo Andreas,
sich gegen Schläge durch die Eltern zu wehren, dass es aufhört, ist ab einem bestimmten Alter manchmal das einzige Mittel, wenn einen sonst keiner schützt.
Leider sind damit oft die Folgen solcher Traumatisierungen nicht vorbei. Was Sie an Selbstwertproblemen erleben, ist eine häufige Konsequenz. Da hilft meist nur eine innere Auseinandersetzung, am besten mit Hilfe einer professionellen Unterstützung. Das wächst sich nicht aus, sondern hat manchmal die Tendenz zu chronifizieren. Suchen Sie sich in der Nähe Ihres Wohnorts einen guten Therapeuten oder eine gute Therapeutin.
Danke für Ihren Kommentar.
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(4 Kommentare) wrote:
Hallo Herr Kopp-Wichmann,
die hier oft beschriebene Hölle habe ich auch in den ersten 21 Jahren meines Lebens (bin 26) mitgemacht. Mein Vater – ein Tyrann – hat jeden kleinen Fehler mit Schlägen geahndet. Zudem gab er mir deutlich zu verstehen, dass ich nichts wert bin, nichts kann und überhaupt nur im Weg bin.
Zunächst war meine Barriere gegenüber Gewalt sehr gering. Bereits in der Grundschule (1. Klasse) fing ich Schlägereien an (hab aber später verstanden, wie dumm das ist). Was einmal einen Elternbesuch zur Folge hatte. Was dann passierte, können Sie sich sicher denken. Das war allerdings das erste Mal als ich einfach nur dachte “hoffentlich ist dieser Idiot bald fertig”. Geschrien habe ich zu diesem Zeitpunkt nur noch in der Hoffnung, es würde die Sache verkürzen. Nachdem er auf diese Weise jede Form von Selbstwertgefühl aus mir raus prügelte, musste ich noch ansehen, wie dasselbe mit meiner Schwester und meiner Mutter passierte, wofür ich das Schwein hasse bis in den Tod.
Jahrelang konnte ich alles verdrängen, ich hatte alles über mich ergehen lassen-war mir eh egal, was mit mir passiert. Bei seinem letzten Versuch, mich zu schlagen bin ich (damals 17) ihm an den Hals gegangen, was sich als sehr nutzvoll erwies. Dieser elende Schlappschwanz, bei der geringsten Gegenwehr hörte er direkt auf. Mit 21 beschloss ich aus der Hölle auszubrechen, das Abi nachzuholen und Physik zu studieren. Eins war für mich klar: Ich werde nie wie mein Vater!
Jetzt holt mich allerdings ziemlich flott meine Vergangenheit ein. Auf Autorität reagiere ich schnell feindselig und gleichzeitig ordne ich mich extrem unter. Ich habe Kommunikationsprobleme und große Versagensängste. Mein Selbstwertgefühl ist praktisch nicht vorhanden und mein Selbstbewusstsein wenn überhaupt nur eine Maske. Ich würde das sehr gern ändern, nur leider weiß ich nicht wie. Meine Eltern leben bis heute zusammen und schreien sich bis heute mit aller Kraft an. Ich hab noch gelegentlichen Kontakt zu ihnen.
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Ich werde dann, wenn ich wieder ausziehe mir ein schöneres, besseres zu Hause bieten, eine gewaltfreie Umgebung, (seelisch als auch körperlich). Es tat mir auch gut, mich gegen meinen Ex-mann mit der ständigen seelischen Gewalt, Bedrohung und Erpressung zu währen, indem ich einfach nie wieder nach der Arbeit Heim kam und ihn einfach verließ. Er war gegen Gewalt von meiner Mutter, sagten anfangs sie wollen mir helfen. Sie seien so gegen Gewalt, nur sie beachteten dabei nicht die seelische. Doch er und seine Familie, übten jedoch diese seelische Gewalt an mir aus und die Mutter drohte mir immer, mich zu schlagen, obwohl sie wussten, das ich geschlagen wurde, wenn ich nicht nach ihrer Pfeife tanzte. Es riss also die alten Wunden in mir auf. Ich bekam starke Angstzustände, das sie ihre Drohungen, Erpressungen durchsetzen. Die Angst tatsächlich geschlagen zu werden, obwohl sie es nie taten, denn ich warnte vor, den Mann zu verlassen und zur Polizei zu gehen, das wollten sie nicht. Ich lerne also mit der Zeit, öfters Nein zu sagen, meine Grenzen richtig zu zeigen und mir nicht mehr alles bieten zu lassen, mich zu wehren, mich nicht mehr zu unterwerfen, meine Gewohnheiten zu ändern, um gar nicht mehr in solche Situationen zu geraten und gleich Stop zu sagen. Es geht mir dadurch immer besser, stärker, fühle mich dadurch wohler. Das werde ich jetzt immer so tun. Denn ich habe eine saubere Weste als sie alle, die ich nannte. Wir könnten ein Buch schreiben, wir haben so viel zu erzählen.
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(3 Kommentare) wrote:
Meine Mutter weinte oft nachdem sie mich schlug, sie hätte sich damit selbst wehgetan. Wäre dann böse auf sich selbst gewesen, das sie es getan hat. Bitte? Das muss man nicht verstehen. Auch nicht ihre komische Form von Liebe, denn sie weiß es einfach nicht, was Liebe eigentlich ist. Interessierte mich aber nicht, die Schäden bleiben. Ich beleidigte meine Mutter, als ich älter war, sagte zu ihr blöde Kuh, ignorierte ihre Beschwerde über mein Verhalten, verhielt mich so als sei es richtig, so wie sie es auch immer bei mir tat, zeigte ihr das Spiegelbild das ihr nicht gefiel. Ist auch richtig bei ihrem Verhalten. Es tut gut sich endlich mal zu wehren, den Mund auf zu machen, ein befreiendes Gefühl und meine Form der Verarbeitung, seit ich älter bin und bin nicht mehr das hilflose kleine Kind. Bin sogar größer und stärker als sie, hielt mal den Besen fest, sodass sie nicht zuhauen konnte und lachte sie hintern Rücken aus. Sie schlug mich dann nicht und war verwirrt, räumte den Besen weg. Werde auch wieder zum Psychologen gehen zu dem sie mich schickte. Da ich komischer als andere Kinder wäre und sie ein Problem mit mir hätte. Mein Stiefvater meinte auch ich müsste das verarbeiten, als ich ihr Vorwürfe an den Kopf warf. Theoretisch müsste ich nichts verarbeiten, hätte den Aufwand gespart, aber meine Mutter hat mich krank gemacht und sie hat null Einsicht, wird sich nie ändern. Sie glaubt nicht, das man davon krank werden kann, sie ist es schon da sie so eine Denkweise hat. Mich darüber zu streiten und zu reden, nutze ich zur Verarbeitung, es hilft.
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(3 Kommentare) wrote:
Meiner Meinung nach ist es krank sein Kind zu schlagen. Ich würde das selbst nie tun, obwohl ich in der Kindheit oft geschlagen wurde, aber dieses Abschreckende Vorbild, brauche ich nicht, würde also meinen Kind nicht das Verhältnis zu mir zerstören wollen und in ewigen Depressionen und Komplexen bringen wollen für sein ganzes Leben. Während ich mich an diese Zeiten immer wieder erinnere, streite ich mich viel mit ihr und denke ich beim Zerstören ihrer Haushaltswaren, an meine zerstörte Seele. Habe sie auch dafür oft angeschriehen, sie meinte nur ich sei doch so frech gewesen, kein Respekt, aber das ist für mich keine Rechtfertigung so sein Kind zu erziehen, ich denke da wenigstens normal. Sie leider nicht, sie wurde viel als Kind geschlagen, nahm es als Volbild und ist davon überzeugt, hält es für richtig, das wird sich nie ändern. Sie ist ganz davon verrückt geworden, sogar mein Stiefvater ist der gleichen Meinung, hatte auch so eine Erziehung. Denen kann ich nicht davon überzeugen, dass das nicht richtig ist, die Verrückten. Zwecklos, es ist auch anstrengend mit ihnen zu leben, sie sind so agressive Menschen, die gern Macht ausüben wollen an dem anderen, viel streiten wollen und schreien. So was halten sie auch von mir, doch ich denke nur meine Mutter hätte mich besser erziehen können und ihr Verhalten fordert das es aus dem Wald zurückruft. Ich werde bald ausziehen und alleine wohnen, denn das ist keine gute Umgebung für mich auf Dauer. Sie beeinflussen mich nicht gut indem sie sagen, das ihre Erziehung mit Schlägen richtig sei. Als ich mal auszog, viel mir besonders auf, das ich immer diese Ruhe hatte und es war so angenehm. Ich bin auch ganz anders zu anderen, friedlich, umgänglich, nett aber nicht hier, bei ihnen mit ihrem Verhalten, da ist es schwer. Zum Glück hatte mein Stiefvater meiner Mutter, seit sie zusammen sind, das Schlagen abgewöhnt, indem er sie beruhigte, festhielt und von der Sinnlosigkeit überzeugte. Er sah wie seine Mutter ständig geschlagen wurde, kein schönes Bild, da hat er recht, es ist einfach viel besser ohne Schläge, davon hat man nichts nur Schäden, also kann man es sein lassen. Meine verrückten Eltern meinten sie müssten sich vor meinen Augen als ich Kind war schlagen, ich schrieh, weinte, das sie aufhören sollten, doch die blöden Eltern schauten mich kurz an, machten weiter. Ich hatte ihnen Vorwürfe gemacht, was kam, keine Anwort. Mein Vater ist auch davon überzeugt, sah wie mein Opa, meine Oma schlug, ob er geschlagen wurde, weiß ich ich nicht, ich denke schon. Hier sieht man, das Beste Beispiel, das durch so eine erlebte Kindheit, die Eltern als Vorbild genommen werden und dies dann ausgeübt wird. Ich bin die Ausnahme, mache dann lieber billige Gegenstände aus Rache gegen sie kaputt, bin frech zu ihr, kaum Respekt zu Recht. Die Gegenstände sind ersetzbar, kann man reparieren. Der Mensch nicht, auch das reparieren der Seele ist schwerer. Früher hatte ich meine Mutter ins Gesicht geschlagen, einen Mann geheiratet, der ihr nicht gefiel, zeigte für den Ex-mann meine Mutter an, brach die Schule ab. Ich verletze sie damit, fühlte mich gut, ich war jetzt dran. Bis Heute macht sie mir Vorwürfe und ich sage dann immer du hast mich geschlagen. Sie meint dann immer es wäre richtig gewesen. Einfach verrückt. Leute man sollte seine Kinder wertschätzen und für ein gutes Verhältnis sorgen. Das keine Hassliebe entsteht. Ein komisches Verhältnis, ich liebe sie, sie tut auch Gutes und dann wiederum nicht. Deshalb habe ich die Anzeige, wurde vom Ex-mann (mit Scheidung bedroht) zurückgezogen, weil ich sonst nicht mehr leben wollte, als würde ich Unrecht tun, obwohl ich im Recht wäre, könnte schön Geld von ihr abkassieren. Mein Leben würde mir aber so nicht gefallen. Aber ich denke sie kann mich nicht wertschätzen und für ein gutes Verhältnis sorgen, da sie es wiederum aus der Kindheit, nicht anders erfahren hat. Wurde von den Eltern geschlagen, ihre Mutter ließ sie mit ihren Geschwistern sitzen als sie 10 war und haute ab, Vernachlässigung. Nur wegen Fremdgeherei, Schlägerei zwischen den Eltern. Es sieht so aus, als würde sich Gewalt mit den Generationen, weitergeben. Ich beende das. Denn ich bin davon überzeugt das es auch gewaltfrei geht.
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@Kurti:
das kenne ich mittlerweile gut: wie kann ich aus dem inneren Nichts etwas “machen”,wie komme ich zu einem Ich? Diesem Gefühl der mangelnden Anerkennung und Wertschätzung durch meine Eltern, der Versuch ihre Mißachtung und ihre permanenten köperlichen und seelischen Mißhandlungen zu verstehen und zu vergeben…sie sind letztlich ja auch nur gequälte Seelen… das kenne ich gut. Ich bin jetzt 45 Jahre alt und bin eigentlich mein gesamtes Leben einer nicht vorhandenen Liebe und Wertschätzung nachgelaufen. Was für eine verschwendete Energie. Denn seit einem guten Jahr weis ich nun, wie absolut grund-legend ihre Ablehnung ist, zumindest die meiner Mutter. Wie geht man damit um, wie heilt man es und “sich”, dass man ein mißglücklter Abtreibungsversuch ist, dass der Versuch mich ganz loszuwerden auch nach der Geburt wiederholt wurde? Ein leben-als-ob? Fassade, leere Hülle, mühsam mit Luft gefüllt. Mach ich ja, 46 Jahre. Es ermüdet. Auch grund-legend.
Wie gerne würde ich zurück zu dem “sie-haben-mich-verprügelt”-Probem.
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(1 Kommentar) wrote:
Ich hasse meine Mutter.
Immer wenn sie mich schlug, was häufig vorkam, kam der Satz: “Du bist der einzige Mensch auf der Welt der mich so auf die Palme bringt” und “Du hast mich provoziert” und “Du musst immer das letzte Wort haben”.
Eine Entschuldigung kam nie. Ich bin jetzt 26 Jahre alt. Das letzte mal hat sie mich geschlagen als ich 21 Jahre alt war. Es war einer meiner Umzüge.
Ich kannte die Stadt in der ich lebte, sie nicht. ich kannte den Weg, sie nicht. Sie fuhr falsch. Ich sagte es ihr. Sie wollte nicht hören, ich beharrte darauf. Sie schlug mir ins Gesicht.
Meine Mutter hat immer Recht.
Sie weiß ALLES besser.
Versucht meinen Freund unterschwellig schlecht zu machen.
Hat mir noch NIE gesagt, dass sie mich liebt.
Sie hat mir noch NIE gesagt, dass sie stolz auf mich ist.
Gestern erst (Familientreffen) kam zufällig eine Situation auf wo ich sagte, du bist doch auch nicht stolz auf mich. Sie sagte, nein, wieso auch, du hast doch auch nichts geleistet.
Früher war ich Standardspruch (meist kurz vorm Schlagen) “Ich bin deine Mutter, du hast gefälligst Respekt vor mir zuhaben”
Ab einem bestimmten Alter antwortete ich “Respekt muss man sich verdienen. Und du hast doch auch keinen Respekt vor mir.”
Meine Mutter respektiert/e meine Privatsphäre nicht. Sie klopft nicht an.
Sie kommt ins Bad und geht aufs Klo wenn ich in der Wanne bin oder in der Dusche.
Ich wohne seit meinem 19. Lebensjahr nicht mehr bei ihr.
Sie versucht mir permanent “sich selbst” überzustülpen.
Erfahrungen sind das maß aller Dinge. Alles dreht sich immer nur um ihre Achse.
Ich tue Dinge nur, UM SIE zu ärgern, um sie zu provozieren.
Ich würde absichtlich immer eine andere Meinung vertreten als sie.
Als Kind nach den Schlägen bin ich immer zu ihr ins Wohnzimmer gekommen und habe mich bei IHR entschuldigt und gesagt “Ist jetzt alles wieder gut?!” Und sie hat es raus gezögert und noch mal Ermahnungen hageln lassen und mich dann gnädigerweise umarmt und mich wieder raus geschickt.
Das ist KRANK. Ich wusste damals schon, dass nicht ich, sondern sie sich entschuldigen müsste, sie sich falsch verhalten hat. Aber es war irgendwann ein Automatismus.
Es wurde nie etwas geklärt. Sondern immer so “gelöst”.
Ich hasse meine Mutter. ich habe eine riessen Wut auf sie die immer wieder ausbricht.
Aber ich kann es ihr noch nicht ins Gesicht schleudern, meinen Hass, meine Wut.
Meine Bruder hat den kontakt zu ihr abgebrochen und sie versteht bis heute nicht warum.
Dann fragt sie, ob sie irgendwas falsch gemacht hätte und wenn man ihr dann doch mal sagt, was nicht in Ordnung war, meint sie, das wäre gar nicht so schlimm gewesen und erzählt wie ihr Vater sie hat antreten lassen als Kind.
Interessiert mich das? NEIN!
Am Liebsten würde ich auch den Kontakt abbrechen. Aber meine Großeltern würden das nicht verkraften.
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(2 Kommentare) wrote:
Sehr geehrter Herr Kopp-Wichmann,
wie die 171 Kommentare vor mir zeigen, haben sie offensichtlich mit diesem Artikel in ein Wespennest gestochen. Die Diskussion hier, die seit knapp zwei Jahren nicht abreißen will, zeigt wohl auch deutlich, wie präsent und wichtig dieses Thema ist.
Ich habe mir fast alle Kommentare durchgelesen – eine Achterbahn der Gefühle! – manche erzeugten bei mir Wut, manche Entsetzen, manche Mitgefühl, andere Zustimmung …
Zu meinen Erfahrungen gehören u.a.
- 18 Jahre körperliche Gewalt und extreme väterliche Aggressionen (davon mehrere Jahre Missbrauch) mit einer Mutter, die die Augen verschloss und noch heute glaubt, zu schwach gewesen zu sein, um für ihre 2 Kinder zu kämpfen und diese zu beschützen
- 25 Jahre Verdrängung mit immer wieder aufbrechenden psychischen Wunden, die – obwohl von außen als starke und selbstbewusste Frau wahrgenommen – zu Depressionsphasen und Suizidversuchen führten
- Unvermögen, mich in ein Team einzubringen und Autoritäten anzuerkennen (glücklicherweise bin ich seit 17 Jahren erfolgreich freiberuflich tätig)
- langjährigen Beziehungsproblemen (die erst in meiner jetzigen inzwischen 10-jährigen und damit längsten Beziehung und mit Unterstützung des endlich richtigen Therapeuten erfolgreich gelöst werden konnten)
- 18 Jahren erfolgreicher gewaltfreier Erziehung des eigenen, heute 24-jährigen Kindes (und bei mir gehört bereits die erste Ohrfeige zu Gewalt; ich kann eine Differenzierung zwischen Gewalt und Züchtigung nicht nachvollziehen) – ohne auf die sogenannte “anti-autoritäre” Erziehung zu setzen, sondern auf Kommunikation, durchaus auch auf gelegentlich etwas lautere Auseinandersetzung, aber mit der Fähigkeit, meinem Kind offen einzugestehen, wenn mir die Nerven durchgegangen sind, dass ich mich falsch verhalten habe; lieber eine halbe Stunde reden (auch sich die “Blöße” von Schwäche dem eigenen Kind gegenüber geben), als eine Minute schlagen und damit mehrere Jahre Vertrauensverlust in Kauf nehmen, von anderen Folgen ganz zu schweigen
Unter mir wohnt eine Familie mit vier kleinen Kindern. Wir zogen vor zwei Jahren hierher. Recht bald erfuhren wir von Nachbarn, dass es unter uns “zugeht”. Alle tratschten, keiner schritt ein.
Wir konnten schnell selbst erleben, dass der Vater alle Kinder (1,3,5,7 Jahre) regelmäßig schlug und nach Strich und Faden beleidigte.
Für mich war allein das Schreien und Weinen der Kinder ein Martyrium!
Ich sorgte für ein gemeinsames Gespräch mit Jugendamt und einer Familienhelferin des Kinderschutzbundes und bot auch meine Hilfe bei der Bewältigung anfallender Aufgaben an.
Die Familie besuchte einen Elternkurs beim Kinderschutzbund.
Die Familienhelferin ist zweimal wöchentlich da und unterstützt die Familie.
Wo immer es geht, helfen mein Mann und ich – auch indem wir die Kinder gelegentlich stundenweise und pro Quartal ein ganzes Wochenende zu uns nehmen, um den Eltern auch Zeit für sich zu geben, damit sie Energien auftanken können.
Der Vater besucht – noch immer – ein Antiaggressionstraining.
In meinem Umgang mit der Familie habe ich erfahren, dass der Vater seine Kinder liebt, aber erstens selbst früher nie Liebe erfahren hat (ist durch mehrere Kinderheime gegangen) und vor allem nie gelernt hat, mit Überforderung und seiner eigenen Wut und Aggressivität umzugehen. Er ist kein schlechter Mensch, sondern ein hilfloser. Ebenso die Mutter, die dem nichts entgegen setzen konnte.
Eltern und Kindern geht es heute besser, weil ihnen nicht nur geholfen wurde, sondern sie auch bereit waren, Hilfe anzunehmen.
Ich habe daraus auch gelernt:
Meinen Eltern zu vergeben.
Nein, ich verzeihe nicht. Das kann ich nicht. Zu meinem Vater habe ich seit über 20 Jahren keinen Kontakt mehr.
Aber ich habe ein Verständnis für ihre Handlungsmotivationen entwickeln können, welches es mir ermöglicht, mit dem Erlebten abschließen zu können.
Ich verachte Gewalt in jedweder Form und werde dagegen angehen, wo immer mir dies möglich ist.
Doch wenn es mir möglich ist, versuche ich es zunächst durch Verstehen und Helfen.
Bibelzitate jedoch als Rechtfertigung für falsches Verhalten heranzuziehen, halte ich für gefährlich und fatal!
Da zitiere ich doch lieber aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch, § 1631, Abs. 2:
„Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“
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(106 Kommentare) wrote:
Nun war mal wieder das Klassentreffen, das auf dem Lande. 50 jährige Einschulung. Und wer hätte es nicht geahnt, der Terrorlehrer, welcher täglich zuschlug, kniff, trat und erniedrigte, Strafzeremonien veranstaltete mit und ohne Publikum seiner anvertrauten Doppelklasse, der bekam wieder die meiste Aufmerksamkeit. Fünfzig Jahre schlecht verheilte Wunden.
Das hat der immer gewollt, so dämmerte es mir in der langen Zugfahrt an der Sieg entlang, nachts um drei. So läuft das doch schon die ganze Zeit. Seit dem Kriege, wo er diesen Job bekam, nur weil er den Finger hob, die meisten anderen Männer waren ja tot, einen verantwortungsvollen Schulleiterposten, den er so unheilvoll ausübte. Und worum ging es nun wirklich?
Ja, da sollte man ihm nicht drauf kommen, niemand, niemals. Gründlich ließ ich alle Scenen noch einmal ablaufen. Und ich poste dies hier in aller Kürze, weil ich denke, dass es vielen nützt. Der schlug nicht einfach zu. Das gab es auch, bei anderen. Alles kann einmal passieren. Die Nerven können mal versagen, da kommt oft eines zum anderen. Aber was war hier los.
Diese Inszenierungen, die er plante, terminierte, einiges erinnert mich an S.Zweigs Schachnovelle, an Napola und ähnliches, vertagte und dann doch vor großem Publikum zelebrierte. Da war doch etwas völlig Anderes. Und genau diese Antworten kamen mir im Bummelzug. Es waren nicht die Ohrfeigen, nicht die Kopfnüsse, die Prügelaktionen gegen Mitschüler, die alles so sehr einbrannten bei den vielen guten Landsleuten, treuen Menschen, lieben Freunden!
Oh nein, dieser Mann benutzte die Kinder, die Jungs vor allem, zog sie an sich heran und schleuderte sie dann an die Wand. Er bereitete sich stets einen Cocktail aus Adrenalin, Testosteron und Dopamin, der ihm dann in allen Adern brannte und quoll. Das hatte einen langen Abgang, wie bei einem alten Wein. Oh mein Gott, es war nicht (nur) die Wut, die Demoralisierung durch seine Kriegsteilnahme. Es waren die Hormone. Eine Sucht nach diesem Hormoncocktail.
Die Kinder, die Jungs vor allem, müssen seine Phantasie ausgefüllt haben. Das hat ihm Angst gemacht. Ganz sicher. Genau so viel Angst wie er verbreitete durch seine Attacken. Er schaffte sich zwei Kampfhunde an. Und eine hohe Hecke. Was für ein Leben? Schlimmer als der Alkoholismus vieler seiner Opfer, seine Sucht nach diesem Hormoncocktail. Ja, das hat ihm vielleicht Freude bereitet und Angst! Nahrung für diese Sucht.
Leider muss ich auch hier davon ausgehen, dass ich selbst nur die Spitze vom berühmten Eisberg mitbekommen habe. “Was jemand einem dieser Kinder antut, das hat er mir getan.”, sagte Jesus. Bei diesem Besuch in meiner Heimat erlebte ich nun so viel Solidarität und aufrichtige Nähe durch die ehemaligen Mitschüler. Und alle waren an Klärungen zu diesem hormonsüchtigen, verrückten Mann interessiert. Nach einem halben Jahrhundert. Da bin ich dankbar für.
Gestraft ist der Exoberlehrer genug, in seiner Hölle hinter Hecken. Noch mehr Aufmerksamkeit hat er nicht verdient. Auch keine Ehrenrettung. Nichts. Schlußpunkt.
Es zählt immer die persönliche Verantwortung. Auch, wenn es um Hormone geht. Oder gerade dann. Vorsicht bei Erklärungen, Rechtfertigungen, Verniedlichungen, Entschuldigungen.
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(24 Kommentare) wrote:
Hallo Herr Kopp-Wichmann,
ich bin jetzt 40 Jahre alt, habe seit 32 Jahren Depressionen, leider seit über 20 Jahren unter chronischen Schmerzen und psychosomatischen Erkrankungen. Ich bin transsexueller Asperger-Autist. Meine Welt ist auch ohne das an mir begangene Verbrechen eine andere, als die Ihre. Zudem bin ich noch hochbegabt und extrem hochsensibel. Alles keine Eigenschaften, die einem das Leben erleichtern.
Wer weiß, wenn ich “nur” geschlagen worden wäre, dann hätte ich vielleicht eher vergeben oder es verarbeiten können. Aber dem war nicht so. Meine Eltern sind zu allen Menschen freundlich, nur zu mir nicht. Ich glaube nicht, dass dies irgendjemand verstehen kann, der es nicht selbst erlebt hat.
Ich hasse meine Eltern nicht, da haben Sie mich falsch verstanden. Ich kann andere Menschen nicht hassen, die sich gar nicht darüber bewusst sind, was sie getan haben. Die Verachtung, die ich empfinde, mag vielleicht nur eine Zwischenstufe sein, vielleicht sind sie mir eines Tages egal.
Ich kann nicht sagen, dass ich meine Eltern nicht lieben würde, aber ich weiß, dass ich lediglich eine Vorstellung von ihnen liebe und nicht so, wie sie wirklich sind.
Ich mag mich und mein Leben nicht. Ich kann daran aber derzeit nichts ändern. Ich würde sogar meine Existenz beenden, wenn ich könnte, aber auch das kann ich nicht.
Ich für mich habe alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um mit meinen Eltern ins Reine zu kommen. Es ist nicht möglich, weil sie nicht wollen. Es war schwer und schmerzhaft genug mich damit abzufinden. Und ich habe mich damit abgefunden, dass meine Wunden nie ganz verheilen werden, weil sie zu tief und mir zu früh beigebracht wurden. Es gibt eben keine zweite Kindheit, so wie man keine andere Zeit im Leben wiederholen kann.
Damit zu leben, eines Tages und vielleicht einen Menschen, der einen liebt, mehr möchte ich von meinem Leben nicht mehr.
Ich habe mich eigentlich nur darüber aufgeregt, dass Sie so salopp behauptet haben, dass Kontaktabbruch keine Lösung ist und das ist eben nicht wahr. Für manche mag es hinkommen, für andere aber nicht.
Kurti
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(1079 Kommentare) wrote:
Hallo Kurti,
ich wollte Sienicht abwimmeln, habe nur eine andere Meinung zu dem Thema.
Natürlich kann ein äußerer Kontaktabbruch hilfreich und notwendig sein, um das Gefühl zu bekommen, dass man in Sicherheit ist und einem niemand mehr was tun kann. Aber wichtiger ist die Ablösung und die schafft man nicht im Hass.
Ich habe vor dreissig Jahre ein Jahr in einem Kibbuz in Israel gelebt und gearbeitet. Da waren junge Leute wie ich aus aller Herren Länder. Im Essensraum saßen alle gemeinsam an langen Tischen. Nur die deutschen Arbeiter mussten an einem Extra-Tisch sitzen (ich bin 1948) geboren. Diese Art der Kontaktmeidung heilt nicht die Wunden der Vergangenheit. Im Gegenteil, es hält sie lebendig, weil man immer wieder daran erinnert wird.
Danke für Ihren Kommentar.
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(106 Kommentare) wrote:
Lieber Kurti, sicher geht es vielen so: mein ganzes Denken und Fühlen sind bei Ihnen – im Moment, wo man ja gerade die Rollos vom Büro hochzieht – an der Zahl der Kommentare kann man abschätzen, wie viele diesen Artikel aboniert haben, die Diskussion hier aufmerksam und mit großer Beteiligung verfolgen.
Den eigenen Selbsthaß als Eltern gegen das Kind zu richten, das ist ein grasser Verstoß, sollte das Jugendamt auf den Plan rufen. Ihre Geschichte mit dem Kinderheim kenne ich 1:1, absolvierte später meinen Zivildienst in einem Kinderheim der Inneren Mission und fand das bestätigt: man sehnt sich nicht als Kind ohne Grund nach einem Kinderheimplatz. Aber in vielen Fällen wäre das besser.
Ein Geschäftspartner sagte immer wieder mal: “Meine Eltern haben gejammert: `eigentlich wollten wir uns gerade ein Auto anschaffen, dann kamst du…!´dachten die an ihr Auto, haben sie nach mir getreten und das Küchengeschirr an meinem Kopf zerschlagen. Die daraus entstandenen Schäden haben sie gemeldet, eine Behindertenrente beantragt, diese auf ein Sparkonto gelegt…” `Diese Ideoten!´, habe ich nur gedacht. Kriminell.
Dann gibt es einsame und auch gemeinsame Abortversuche, die dann ein Leben lang bei allen Beteiligten große Schäden hinterlassen. Und es gibt wohl nichts, was es nicht gibt – und es gibt noch mehr.
Nichtsdestotrotz hat Roland Kopp-Wichmann Recht mit der Meinung, dass man mit Groll kaum gesund leben kann. Manchmal möchte man ja sogar selber zuschlagen. Darf man ja auch, im Fitnesscenter am Punchingball. Und man darf auch mal ganz laut Scheiße brüllen. Die waren doch wirklich krank, ihrem Kind das Leben so zu versauen. Zombies. (sah mal ein Interview mit dem Erfinder der Zombiefilme. Er sagte, dass er in einem großen Shopping-Center saß, da kamen die Leute alle mit den Händen an den Gehhilfen oder an ihren Kindern zerrend. Da musste er diesen Film machen.)
Vergangenen Sonntagmorgen hielt Prof. Frank von der Uni Düsseldorf einen Vortrag über den vaterlosen Vater. Auf Grund von Kriegen u.a.m. ist die Situation in Deutschland verheerend. Fast alle sind betroffen, auch heute noch – viele in ihrem Leben ein halbes Jahrhundert lang.Der SWF schaltet diese Sendungen mit der Zeit online, am Ende der Link dazu.
Kurti, das Problem mit dem Verstehen- wollen/müssen (meine Vorgesetzten und Dozenten meinten manchmal: `Sie werden sich noch zu Tode verstehen´, oder `Der hört das Gras wachsen und die Flöhe husten´. Und dann kommen noch andere Manien dazu: dominieren zu wollen, alles wegzugeben usw. – die Liste der Irrwege ist auch hier sehr lang. Und all das haben sie gemacht mit ihrem ungewollten Kind.
Der unaussprechliche Stress, den wir da als Kinder erlebt haben. Und dass wir Jahrzehnte Aufregung erzeugen wegen der unaussprechlichen Unansprechbarkeit, das liegt daran, dass wir die Wahrheit nicht erfahren: vielleicht ein Abortversuch (einsam oder zweisam), nicht feststehende Elternschaft (es war ein flotter Dreier, ein OneNightStand) oder die Mutter ist lesbisch (würde das bei Verlust ihrer rechten Hand oder des Kindes niemals zugeben), der Vater homosexuell (aber so etwas gibt es nun gar nicht). Die haben eigentlich nie gelebt. Aber Kurti darf das jetzt. Die waren eigentlich angsterstickt. Aber Kurti darf sich befreien. [persönlich finde ich dass ein konsequenter Kontaktabbruch oft genau richtig ist; denn alles andere ist Zeitverschwendung. Nicht in eine völlig andere Richtung zu marschieren als die Peiniger, das ist immer ein Stück Brennholz auf das Feuer in der Hölle der Wiederholungen.
Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen einen aufrichtigen Freund, der wirklich da ist, Ihre Überempfindlichkeit akzeptiert und damit umzugehen lernt, der wirklch da ist und sich nicht wie üblich mit dem Rest der Welt auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner verbindet. Auf der Ebenen finden “sie” ja immer so viel Bestätigung und deshalb finden Sie und Ich das oft so bedrohlich, wie eine Front.
“Mal muss doch auch Schluss sein!”, fordern manche. Ja, meine ich, wenn man die Wahrheit kennt; denn nur die kann wirklich frei machen.
Nur mit etwas Talent ist es nicht erklärt, dass Sie Ihre “Hölle” überhaupt überlebt haben. Und Ihr Ich, von dem Sie schreiben, ist immer da, verlässt Sie auch nicht. Das ist eher ein Stück vom Reinen Bewusstsein. Unzerstörbar.
- noch der o.a. SWF-Kanal: http://www.tele-akademie.de/04_ausgewaehlte_videos.php
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(24 Kommentare) wrote:
Hallo Herr Kopp-Wichmann,
so leicht lasse ich mich nicht abwimmeln.
Es ist aber oft so, dass man sich nicht von den Eltern innerlich lösen kann, wenn diese noch in meinem Leben herumpfuschen. Ich habe seit 2 Jahren keinen Kontakt mehr zu meinen Erzeugern und ich kann Heute nur sagen, es war das Beste, was ich je für mich tun konnte. Erst durch diesen Kontaktabbruch konnte ich auch die innere Ablösung beginnen. Und ja, ich hatte zu dieser Zeit psychiatrische Unterstützung.
Glauben Sie mir, ich habe in meiner Vergangenheit jeden Stein umgedreht, jedes krankhafte Verhalten meiner Erzeuger zu verstehen versucht und auch verstanden und doch haben sie mir einfach nicht gestattet, ein “ich” zu entwickeln und jeden Versuch dahingehend im Keime erstickt. Wenn ich Heute das Wort “ich” benutze, so tue ich das, weil man mir gesagt hat, dass es ansonsten immer zu Missverständnissen kommt. Früher habe ich das Wort “man” benutzt, wenn ich von mir gesprochen habe. Wenn ich also jetzt “ich” schreibe, so hat das für mich keine Seele. Das “ich” ist leer. Manchmal füllt es sich mit einer Art Schatten, ein Hauch von dem, was ich sein könnte, doch bevor ich mich damit beschäftigen kann, ist er verschwunden.
Ich bin meinen Erzeugern für nichts mehr dankbar. Ein Bett, ein Dach über dem Kopf, Essen und Schulbücher hätte ich in jedem Kinderheim bekommen und wer weiß, vielleicht hätte mir dort auch jemand mal eine Geschichte vorgelesen.
Ich habe mehrere langjährige Therapien bei erfahrenen und gut ausgebildeten Psychologen und Psychiatern gemacht, stationär, teilstationär und ambulant. Geholfen haben sie alle nur kurzfristig. Nach ein bis zwei Jahren kam alles wieder zurück. Heute finde ich keinen Therapeuten mehr, der speziell genug geschult wäre, um den Mut zu haben, sich mit mir zu befassen.
Meine sogenannten Eltern sind beide Narzissten. Sie lieben nur sich selbst und sind gar nicht in der Lage, andere Menschen zu lieben. Und dennoch glauben sie, dass sie es können. Sie sind sich bei mir keiner Schuld bewusst und verstehen bereits im Ansatz nicht, wovon ich spreche.
Ich habe Jahre lang um meine verlorene Kindheit geweint, war wütend und habe sie für das, was sie an mir verbrochen haben, gehasst. Heute ist nur noch Verachtung für sie übrig geblieben. Meine Existenz hätten sie auch gern behalten können. Ich habe sie so sicher nicht gewollt.
Ich wollte keine Erzeuger, die mir alles genommen haben, was ich jemals hätte entwickeln und aufbauen können.
Sie haben mich emotional vernachlässigt, meine Seele vergewaltigt und mich verprügelt, wenn sie meinten, dass ich es verdient hatte. Sie haben unbewusst ihre nicht gewollten Anteile von sich selbst abgespalten, auf mich übertragen, um sie an mir tot zu machen. Sie haben mich nie geliebt, weil sie nicht lieben können. Sie beneiden mich, sie hassen mich und schämen sich für meine Existenz.
Und diesen Menschen soll ich für irgendetwas dankbar sein?
Nein, nicht mehr.
Und erst als ich den Kontakt abgebrochen habe, hörten sie damit auf mich zu quälen, zu demütigen und zu missbrauchen. Erst da konnte ich aufatmen, erst da konnte ich damit beginnen, mich von ihnen innerlich zu lösen, erst da wurde mir bewusst, wieviel sie mir genommen hatten und wie wenig ich noch habe.
Können Sie mir sagen, wie ich aus dem Nichts, was noch von mir übrig blieb, etwas machen soll?
Lg Kurti
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(1079 Kommentare) wrote:
Hallo Kurti,
wenn ich das mit dem “Kontaktabbruch ist keine Lösung” schreibe, geht es mir nicht um den Elternteil, sondern nur um das erwachsene “Kind”. Es geht darum, sich von den Eltern abzulösen, ob man geschlagen wurde oder nicht.
Es hilft meiner Meinung nach nichts, auf eine eventuelle Einsicht zu hoffen, um dann vielleicht sich versöhnen zu können. Natürlich wäre das die beste Lösung, aber die ist sehr selten. Nur: im Kontaktabbruch bleibt man verbunden. Die Gefühle bleiben lebendiger, weil man das Geschehene für sich nicht “akzeptiert” hat.
Akzeptieren heißt, in aller Deutlichkeit sehen und spüren, was man erleiden musste als Kind. Und dann akzeptieren, dass dies der eigene Vater, die eigene Mutter trotzdem bleibt. Und dass man demjenigen auch viel verdankt. Zum Beispiel die eigene Existenz.
Ablösen heißt, ablehnen, was man nicht gebrauchen konnte und was einem geschadet hat. Und dankbar sein können für das, was man bekommen hat.
Im Kontaktabbruch, so gut ich das verstehen kann, lässt wirft man alles fort.
Das Akzeptieren kann ohne die realen Eltern geschehen, aber meist nicht ohne eine professionelle Unterstützung, denn es ist ein sehr emotionaler Prozess.
Die Bücher von Alice Miller kenne ich natürlich alle sehr gut. Sie hat für dieses Thema unschätzbare Dienste geleistet.
Danke für Ihre Kommentare, Kurti und Herr Hinkel.
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(106 Kommentare) wrote:
Ja, ich bin auch Alice Miller für “Das Drama des begabten Kindes” sehr dankbar. Für mich war das damals überhaupt erst der Anlaß, in erlebten Gräueltaten den Grund für Dauerstress und Verdrossenheit zu sehen. Denn man kann sich ja so verdammt gut ablenken. Da sind Studium und Arbeit, Karriere und Alltag, und die gespielte Aufmerksamkeit sowie das Treiben in der Umwelt.
Alice Miller ist sicher eine Autorin, die Anlass für viele gab, Rechtfertigungen, Verniedlichungen und Beschönigungen der Täter abzulehnen, dann sich zu mühen, aus Scherben wieder etwas zusammenzusetzen. Betroffenheit ändert alles. Nichtbetroffene haben oft aus der Hüfte geschossen Antworten parat. Nur trifft das meist wie der Daumen in eine kaum verkrustete Wunde.
Ein Geschäftspartner bekam mit 30 von seiner Mutter erklärt: Es war ein OneNightStand und ich kenne auch Deinen Vater nicht. Schon konnte er sich die täglichen seelischen Grausamkeiten vom Ziehvater und sein stetes Verlassenheitsgefühl erklären. Die Groschen fallen immer noch, wie auch die Tränen. Fragt sich mancher: Was fang ich an in einer Welt ohne Boden unter den Füßen, die Luft zum Atmen knapp?
Selbst wenn man hart daran arbeitet und irgendwann meint: `das hat doch nicht so große Bedeutung´, bleibt da so ein Scheißgefühl.
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(24 Kommentare) wrote:
Hallo Herr Kopp-Wichmann,
ich möchte Ihnen widersprechen.
Sie schrieben: “Aber Kontaktabbruch ist keine Lösung.”
Ich möchte Ihnen dazu sagen, dass es darauf ankommt, wie der Täter Heute mit seiner Tat umgeht. Bereut er/oder sie vielleicht? Ist eine Versöhnung möglich? Versucht der Täter an den Enkelkindern etwas wieder gut zu machen?
Wenn ja, wunderbar, dann ist Kontaktabbruch wirklich keine Lösung, da dieser Täter die Fähigkeit hat, seine Taten zu reflektieren.
Aber… es gibt auch Täter, die glauben Heute noch, dass sie vollkommen richtig gehandelt haben und dass die Opfer selbst schuld sind. Und dann ist Kontaktabbruch die einzig richtige und vernünftige Lösung, um zu sich selbst ehrlich zu bleiben, denn diese Täter sind nicht in der Lage, ihre Taten zu reflektieren und sind sich somit keiner Schuld bewusst.
Leider sind die meisten Menschen sehr christlich geprägt und haben die 10 Gebote, ohne sie im Einzelnen zu hinterfragen, verinnerlicht. Besonders das 4. Gebot (Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass dir’s wohlgehe und du lange lebst auf Erden.) zwingt die Opfer in ihrer Rolle als Schuldige zu bleiben und sich für die an ihnen begangenen Verbrechen auch noch zu schämen.
Jeder kritisch und reflektierend denkende Mensch wird das 4. Gebot als barbarisch ablehnen. – Und es stimmt auch nicht, denn die meisten Menschen, die als Kind missbraucht (emotional, physisch und sexuell) wurden und weiter das 4. Gebot befolgen, sterben früher…
An dieser Stelle möchte ich auf die Bücher von Alice Miller (die im April leider verstorben ist) hinweisen, die für jeden misshandelten Menschen eine wahre Offenbarung sein können, vorausgesetzt man kann kritisch und hinterfragend denken.
Lg Kurti
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(1079 Kommentare) wrote:
Hallo Mareike,
der Zusammenhang ist durchaus denkbar. Ich habe ähnliche Fälle in meiner Praxis erlebt. Aber Kontaktabbruch ist keine Lösung. Sie müssen sich ablösen, vor allem innerlich. Das ist ein intensiver Prozeß, für den man manchmal etwas professionelle Unterstützung braucht.
Schreiben Sie mir, wenn Sie Näheres wisse möchten.
Danke für Ihren Kommentar.
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(1 Kommentar) wrote:
Ích (44) bin zufällig auf diese Seite gestoßen als ich danach suchte, ob die Schläge die ich in meiner Kindheit regelmäßig gegen Kopf (auf den nackten Po sowieso)erhalten habe möglicherweise Ursache für meine ständigen Kopfschmerzen sind.
Ich finde mich in dem obigen Artikel wieder. Erinnerungen an die Kindheit fast Null bis auf die Schläge vom Vater für Nichtigkeiten. Bin dann auch volljährig gleich ausgezogen. Habe von jeher ein sehr distanziertes Verhältnis zu meinem Vater mit zwischendurch auch mal jahrelanger “Sendepause” während der ich ihn auch nicht vermisst habe. Ich habe so oft daran gedacht, den Kontakt ganz abzubrechen weil mir jegliche Zusammenkünfte immer “bevorstehen”. Der Kontakt ist halt da, weil er halt der Vater ist (und auch mittlerweile Opa).
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(6 Kommentare) wrote:
“Wie gehen Erwachsene mit der Erinnerung an Schläge ihrer Kindeheit und an ihren Kindern um?”
fragt der Autor dieses Artikels. Richtig, dass er das fragt. “Wie gehen die erwachsenen Männer mit den Doktorspielchen aus ihrer Jugend um? – oh, was ich da alles erlebt hab!”, fragte mich ein Kunde, Naturheilpraktiker. Meine Antwort war: die Kerle machen dann eine Homophobie draus, dann Asthma, dann Krebs, schlagen ihre Frauen, treten die Kinder und sind immer im Recht.
Wie ging ich mit Schlägen und Erniedrigung um? Irgendwann mit 14 entstand ganz tief in mir die Frage, mit wie viel Bewusstheit die Mitmenschen, Beinahemenschen, Tiermenschen und Zombies um mich herum das alles machen.
“Warum, warum, warum…! – warum ist die Banane krumm, weil sie sonst nicht in die Schale passt!” und “Sie werden sich noch zu Tode verstehen!”, sagten sie mir, Kollegen, Kunden, Chefs, Partner und sog. Freunde. “Mann sind Sie naiv!”, sagten sie alle auch.
Mittlerweile ist mir ganz klar, dass ich mit meiner Frage richtig lag und auch mit dem Ringen um Antwort(en); denn was haben wir denn sonst? Bewusstsein! In unserer Praxis arbeiten wir u.a. mit Drs. Frank Kinslow und Richard Bartlett. Kann man ja googlen und youtuben.
Hier geht es um Persönlichkeitsentwicklung. Bewusstseinspflege und -Entwicklung sind der Dreh- und Angelpunkt dabei, die Basis für ein sicheres Fundament, auf dem sich gute Grundlagen entwickeln können, wo die Saat aufgehen kann.
Kinder schlagen und erniedrigen heißt Blüten zertreten, Samen ersticken. Richter und Kripobeamte kennen das gut, Therapeuten auch, dass Kandidaten teilnahmslos dasitzen. Als hätten sie mit allem gar nichts zu tun. Lese ich doch mal diese 160 Kommentare,
dann fällt mir auf, dass die Kraft zur Befreiung von Angst und Schmerz doch sehr groß ist. Und wo das Selbsthelfen nicht reicht, möchte ich jeden ermuntern, sich Hilfe zu suchen. Traumatherapie gibt es in sofern nicht, als man nichts ungeschehen machen kann.
Aber das Know How ist auch bei den so genannten Seelenklemptnern heute sehr gut. Und in diesem Land gibt es eine wirklich gute, vielleicht weltweit einzigartige Infrastruktur diesbezüglich. Daher sollte von hier auch Werken und Wirken in alle Lande rund um den Globus gehen, dass kein Kind mehr geschlagen, gekniffen, angeschrien, getreten, sexuell mißbraucht, überfordert, versklavt oder geknebelt wird, hungern muss, total abgelehnt und ums Leben gebracht wird.
Künstler haben schon lange diese Themen bearbeitet, auf Lügen und Unterdrückung hingewiesen. Gerade habe ich auf einem Blog eine Seite mit Singer Songwriter – Titeln begonnen, baue in Lightboxen noch die Texte in deutsch ein, das wird sicher auch ein langer “Artikel”.
Schönes Wochenende. Karl
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(1079 Kommentare) wrote:
Hallo Christina,
Adoption, auch wenn es aus guten Gründen geschieht und manchmal die beste Lösung ist, bleibt eine Hypothek für das Kind. Denn es ist von Anfang an in einem Loyalitätskonflikt. Egal ob es seine Eltern kennt oder nicht, bleibt da innerlich eine starke Verbindung. Mit der muss man sich auseinandersetzen. Doch das ist nicht einfach, da man die Frage beantworten muss, warum die Eltern (die Mutter) einen weggeben hat.
Auf der anderen Seite fühlt man sich als Adoptionskind den Adoptionseltern verpflichtet. Aber man kann schlecht gefühlsmäßig zwei Eltern haben. Dieser Konflikt ist mit rationalen Begründungen nicht zu lösen. Wenn die realen Eltern noch leben, rate ich manchmal dazu, diese aufzusuchen und mit ihnen zu sprechen. Das ist für beide Seiten nicht leicht, kann aber vieles lösen. Die Mutter hat immer Schuldgefühle und trägt oft ein Leben daran. Wenn die realen Eltern gestorben sind oder sonstwie nich erreichbar, kann man die Annäherung und letztlich die Versöhnung innerlich schaffen. Doch braucht man dazu meist eine gute Psychotherapie. Das wäre ohnehin für Sie, Christina, wohl der beste Weg, je nachdem, wie sehr die Schläge und andere negative Erfahrungen Sie heute in Ihrem Leben noch beeinflussen.
Danke für Ihren Kommentar.
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(2 Kommentare) wrote:
Hallo Herr Wichmann;
Dass ich wohl ein Problem habe damit geschlagen worden zu sein ist mir klar, denn ich habe heute einfach so daran denken müssen obwohl ich das letzte mal mit 17 Jahren geschlagen worden bin. Meine Mutter hat mich öfters geschlagen.Nicht verprügelt aber geschlagen, geschüttelt an den Haaren gezogen und am Arm gerissen. Oftmas für banale Dinge und trotzdem wurde mir immer eingebleut, dass ich es übertrieben habe und das ich “das gebraucht” hätte. Meine jüngere Schwester wurde nie angefasst, mit ihr wurden höchstens Witze darüber gemacht. Eine Zeit lang hab ich Tagebuch geführt in dem ich aufgelistet habe wie oft meine Mutter mich geschlagen hat und auch warum, also in welcher Situation. Dieses Tagebuch hat sie dann auch gefunden und ich bekam großen Ärger und meine ganze Familie war sauer auf mich, sagte mir wie enttäuscht sie alle von mir wären.
Die letzte Ohrfeige bekam ich von meinem Vater, als ich in der Küche stand und angeblich “hysterisch” wurde bei dem Versuch meine Privatsphäre zu schützen . Wie kann ich damit karkommen?
Infos zum Verstehen: Ich wurde mit kanpp vier Jahren adoptiert.
Lg und Danke
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(1 Kommentar) wrote:
“Wen haben wir denn da?”, “Ja wen haben wir denn da?”
[Oton: “Nääwennhammerdado?”] fragte der Großvater, als er nach einem groben Rülpsen, Rotzen und Seufzen, das aus einer Küchenecke kam, an einem Gummistiefel zog, der unter der langen Holzbank quer lag. Daran ziehend: “Nä, da hängt ja einer dran!”. Er hatte Besuch von einem netten, lustigen alten Herrn, der sehr bekannt war, der lieb zu Kindern war, der saß am Fenster. `Klar weiß der, wer da dranhängt am Stiefel´ dachte der kleine Karlos bei sich, als er von den beiden Alten aus der Küche geschoben wurde, die Beinchen des Dreijährigen weich wie der Haferbrei, den es täglich gab. `Das ist doch die Mutter, die da mit den Stiefeln´, denkt der Kleine. Die Händchen in die blonden langen Locken gekrault läuft er vor den großen Spiegel der Garderobe im kalten Flur. Allein. Ein Rumoren in der Küche, er wird dort nicht hingehen jetzt. Sein Gesicht im Spiegel weint. Ein alter großer, schwarzer Schirm, die Mäntel riechen muffig. Hey, da kann man sich verstecken.
Keiner ruft. Erwartet hatte er das Rufen, dass sie ihn nun suchen. Er war doch nicht in der Küche. Einige Leute liefen an den muffigen Mänteln vorbei. Nichts geschah. Dass die Mutter dort in ihr Schlafzimmer geschleift wurde, hatte der Kleine gerade noch mitbekommen. Nach langer Zeit wurde es ihm zu kalt auf dem Flur. Er verließ das unbequeme Versteck. Der nette Alte kam aus der Küche. “Nä, best du da der Jüngsde?” “Dä Obba es en dä Köche!” “Geh!” Der Opa saß da vor dem Küchenfenster, döste vor sich hin, kaute seinen Tabak: “Do is dat Zimmche, miz, miz, miz…” Aber auch dieses kleine Kätzchen interessierte den kleinen Jungen jetzt nicht. Er schaute sich die Stelle an, wo die Mutter gelegen hatte. “Joo, joo, dat es all so…” gab der Opa von sich, und “Gugemo dat Zimmche, ob dat en Müüs´che hät?”
Tagsüber regierte die Großmutter die Küche, den zentralen Raum dieses Bauernhauses, den einzigen beheizten Raum im Winter, den überhitzten Raum im Sommer mit einer Feuerstelle. Dort spielte sich alles ab. Dort ging es zu wie im Taubenschlag. “Loss doch mol de Köchedör zo!”, rief die Grooßmutter zig mal am Tage ihr zog die Kälte über die müden Knochen. Die Küchentüre trug die Fußpuren von frustrierten, kriegsdemoralisierten Bauern und Bauerssöhnen. Samstagspätnachmittags wurde es dort immer etwas wärmer, molliger, der Ackermann saß vorm Fenster. Mit seinen groben Händen setzt er das zarte Kerlchen auf seine Knie, von denen eines noch einen Granatsplitter drin hatte. “Hoppe, hoppe Reiter…” quäkte er und “Plumps”. Und dass die Haare ab müssen meinte er. “Loss´n doch noch!” flehte die Oma, die den Brötchenteig kugelte mit ihren verkrümmten Händen. Da war der Holzwagen drübergerollt. Diese Hände mußten hier alles richten, neun Kinder wickeln, füttern und die murrigen Großen noch dazu versorgen.
[zum Schutz von Persönlichkeitsrechten der überlebenden Minderheit hier erwähnter Personen ist der Dialekt leicht verändert, weil man in dieser Region Dörfer, ja Straßen am Klan der gedehnten Umlaute orten kann]
Den Dialekt des südwestfälischen Dorfes weiter zu benutzen benutzen macht keinen Sinn. Später merkte ich, dass ich Leute, die aus diesem Landkreis kommen auf der ganzen Welt auf der Straße erkenne. Aus einer Million Leuten beim Kölner Karneval kann ich sie raussuchen. Nach drei Silben erkenne ich sie in Fernsehdokus.
Dieses chromblinkende Maschinchen, das der Ackermann da zwischen seinen Händen quetschte war dem kleinen Karlos ungeheuer. “Autsch!” machten die größeren Brüder, und “Äh-nä!” wenn sie das Ding in die Kopfhaut bekamen. Auf dem Boden die Haare, die grauen vom Opa, der kam immer als erster. “Gleich kommst du.”,meinte er zum kleinen Karlos, der sich sofort mit den Händchen in die langen, blonden Locken fuhr und in den Flur flüchtete. Aber die Mäntel waren weg. Es war Sommer. Vor dem Spiegel starrte er in sein Gesicht. `Wo kommt nur all das Wasser her?´ Aber das war doch er selbst. Fast gefiel er sich in dieser Verzweiflung. Erwartete da auch etwas Sicherheit, `wenn ich hier so weine, dann lassen sie mich vielleicht´, aber da kamen die älteren Brüder, lästerten, lachten ihn aus, die hatten es hinter sich. Der ganze zarte Oberkörper bebte, er hatte fast keine Tränen mehr. Karlos´ Händchen versuchten den Apparat wegzuschießen, die Locken festzuhalten. Die angedudelte Mutter kam grinsend in die Küche, setzte sich, grabschte sich eine Locke, grinste und quikte ein wenig. Die Locke verschwand in einer Zigarrenkiste.
Saß werktags die Mutter mit in der Küche, zeigte sich die viel beschäftigte Oma gereizt: “Lass dir das Zeug aus dem Bauch, da hab ich beim Holzholen wieder Flaschen gefunden, da, schau dir das an.” Und es ging immer weiter: “Zwei Söhne hat mir der Krieg genommen, den dritten hast du mir genommen. Kümmere dich um die Kinder!, vierzig Windeln hab ich heute gewaschen, jetzt habe ich keine mehr.” Die Mutter wickelte ihre Beine ab. Die Binden waren vereitert und Karlos versuchte sich etwas Aufmerksamkeit zu erarbeiten, indem er beim Aufwickeln half. Vielleicht ein Lob? Die Mutter nahm das Kind nicht wahr. Die Oma schaute den Kleinen mit einer Mischung aus Mitleid, Wohlwollen und Verzweiflung an. Immer war der Kleine beschäftigt, malen, kritzeln, basteln, er konnte früh schreiben, schön schreiben.
“Was hast du gemacht, was has du dem Kind angetan, geh auf die Knie, tue Buße, du hast dich versündigt, tue Abbitte, wie kann man nur? Mir hat der Krieg die Kinder genommen und du, was machst du…?” Die Großmutter konnte sich einfach nicht beruhigen. “Schau dir da Kind an, das ist eine Gnade, dass der so ist, guck, guck doch mal…” Während sie das sagte, versuchte die Großmutter den Kopf der Mutter in Karlos Richtung zu drehen. Sie war völlig verzweifelt, wendete sich wieder ihrem Abwasch zu, schimpfte aber weiter.
“Wenn du was sagst, wenn du was sagst, was weißt denn schon du!” drohte die Mutter. Ging die Türe auf, war alles mucksmäuschenstill.
[Der Therapeut sagte später ganz lässig, es sei wohl ganz normal, dss es für solche Situationen nie Zeugen gibt. Verflucht noch mal!]
Dass das alles tatsächlich alles etwas mit ihm zu tun hatte, das bekam Karlos erst viele Jahre später mit. Diese Scenerie fand zeitweise täglich statt, ansonsten mehrmals in der Woche. Immer bei den Hausaufgaben, unterbrochen von dem Quitschen der Kreidestifte auf der Tagel und abgebrochenen Mienen. Die Mutter triumphierte vor Stolz, weil sie mit ein paar Handbewegungen und einem Kartoffelmesser die Stifte wieder anspitzen konnte. Die Großmutter bekam einen Weinkrampf und sank in sich zusammen, als der Karlos im 2. Schuljahr für Reli gelernt und einen ganzen Choral auswendig aufsagen konnte: “Warum sollt ich mich denn grämen / hab ich doch Christum noch / wer sollt mir den nehmen…” “Nein Karlos, nein Karlos, lieber Gott!”
Hätte danach die Mutter auch nur piep gemacht, die Oma hätte zum Besenstiel gegriffen.
Einmal hat sie das. Der Kleine begabte und begnadete Karlos war gerade im dritten Schuljahr. Die Oma griff also zum Reisigbesen, der Grund war einfach der, dass sie mit Recht annehmen musste, dass ihre Schwiegertochter ihr eine ganze Hand voll Salz in die Suppe gestreut hatte. Sie griff also den Reisigbesen, und da machte Karlos eine interessante, aber verwirrende Entdeckung. In dem Moment, wo auch nur ganz leicht zu erkennen war, dass Oma zum Besen griff, huschte ein triumphierendes, entspanntes Grinsen über das vom Alkohol geschwollene Gesicht der Mutter. Irgendwie meinte der fleißige Schüler da am Küchentisch auch zu erkennen, dass die Großmutter auf Grund dieses Grinsens den Besen wieder wegstellte. Niemand hatte da eine Chance. Und die Oma kochte immer reichlich. Vor Wut und für diese Großfamilie ohne Größe. Regelmäßig saßen da zehn Leute und mehr am Küchentisch, mehrmals täglich. Mittags 5 Kilo Kartoffeln schälen, drei Kilo Gemüse putzen, Tisch decken, spülen, ab und zu half jemand beim Tischdecken.
Ja, wenn man Glück hat.
Für das Wochenende buk die Großmutter 50 bis 100 Brötchen, einen Quadratmeter Blechkuchen. Dies geschah mit den geringsten Mitteln. Drei Eier, Milch und Mehl aus der eigenen Erzeugung, mit Rosinen musste sparsam umgegangen werden. Alles was Geld kostete war zu teuer. Aber da waren vierzig Hühner im Stall. Es gab kein Frühstücksei. Es gab auch kaum Wurst und Schinken. Wurde geschlachtet, dann schickte sie den Karlos und andere, die fettige Wurstebrühe zu allen hinzutragen, wo sie sich beliebt machen wollte. Die Eier trug die Mutter zur Dorfkneipe und bekam durch ein geheimes Fenster zwei Flaschen Doppelbrand gereicht.
Diese lagen einmal neben ihr, eine rechts und eine links, als Karlos sie fand. Eigentlich wollte er mit den anderen spielen, aber da war eine Abzweigung vom Waldweg, ein Trampelpfad. Karlos verlor den Anschluss an die Gruppe und stand alleine vor der schnaufend da liegenden Mutter. “Ein Taschentuch, hol mir ein Taschentuch!” trug sie ihm auf. Und Karlos rannte, fand die Großmutter in der Küche, die ihn beschwichtigte. Gleich komme der Ackermann zurück, der würde mit dem Traktor hinfahren. Man schleppte sie dann ein. Nach kurzer Zeit dann das gleiche Spiel.
Mit einem Klassenkameraden, einem ganz normalen Burschen, den allerdings die gesamte Umgebung von klein auf kriminalisierte, also für einen kriminellen Knaben hielt. Das war er nun wirklich nicht. Es war ein toller Kerl. Karlos konnte phantastisch mit ihm spielen, Abenteuer erleben. Auch fühlte er sich bei ihm wirklich sicher, weil er dachte, `wenn jetzt einer was will, haut der Bert ihm in die Fresse!´ Bert war eher ein Freiheitsberger. Bei der Einschulung forderte die schrullige Dorflehrerin uns auf ein Vogelhochzeitslied zu singen, und er blieb sitzen. “Warum stehst du nicht auf?”, herrschte das Fräulein Lehrerin ihn an. “Hab´ keine Lust!”, war die ehrliche Antwort.
Dann mochte er gerne Dämmchenbauen an einem Bachlauf, Stichlinge fangen und Kaulquappen züchten. Einfach klasse. Da waren sie wieder dabei im Wiesental. Wie ferngesteuert lief er auf eine Buschgruppe zu. Da lag sie mitten drin. Röchelnd. Eine links, eine rechts, Steinhäger, vom Feinsten, teuer. Karlos ahnte, dass es brenzlig wurde, das Röcheln war wie Ersticken. So lief er zur Tante, die einen Kilometer entfernt wohnte. Die hatten es gut. Dort ging er manchmal am Sonntag alleine hin, wenn er atmen wollte, Luft holen. Die Tante rief den Onkel, der Geschäftsführer und Bruder der Mutter war. Sie schleppten die Mutter ein, rücklings, bald trug der Junge ihre Schuhe nach. Links und rechts in der Siedlung gingen die Küchenfenster auf: “Nä, wen habt ihr denn da?”
In der gemütlichen und sehr gepflegten Küche setzte man die Mutter auf einen Stuhl. Der Onkel klatschte seiner Schwester die Hände ins Gesicht, rief immer wieder ihren Vornamen, den der kleine Karlos nicht mehr als einen Menschennamen hörte. Für ihn war dieses Wort der Titel eines dicken Buches. Fällt es um, bricht es dein Genick. “Aber es ist doch deine Mutter!” sagte die Tante zum Karlos, der hilflos aber gefasst mitten in der Küche stand. Er bekam von der Tante ein Äpfelchen und einen Keks. Der Onkel fuhr den Jungen zum Hause des Ackermannes, der solle doch mit dem Traktor seine Frau schnell abholen. So blieben auch die Autopolster geschont.
Ab dem ersten Schuljahr besuchte Karlos die Tante und den Onkel im Nachbarort am Sonntag. Die hatten es schön. Aber erst mal war immer eine Hürde zu nehmen. Das war die Haustüre des gepflegten Anwesens im Nachbardorf. Den weißen Kies versuchte er geräuschlos zu überqueren, schloss das Gartentor achtsam. Nur keinen Fehler machen. Vor dem Schellen: `hoffentlich stör ich die nicht´, `eigentlich haben die ja nicht gesagt: komm bitte wieder´ und `wer wird wohl öffnen?´ Nach dem Eintreten ins Haus der Tante: `Hier riecht es aber gut, es gab bestimmt was Feines´, `hoffentlich haben die nichts anderes vor!´, `und wenn sie zum Segelsport fahren, werden sie mich mitnehmen?´ Dem Onkel fiel an seiner Haustüre das Kinn um Zentimeter. Sie fragten nicht nach Mutter oder Ackermann. Wie müssen die sich angestrengt haben, überhaupt etwas neutrales, unproblematisches mit dem kleinen Jungen zu sprechen.
Die Orte der Entziehungsanstalten kennt Karlos heute noch listenweise. Entweder ging es ins Hochsauerland, im gleichen Ort gab es eine bekannte Brauerei, drei Schnapsbrennereien und noch mehr Kneipen als im Abenteuerdorf. Oder man fuhr ins Bergische. Der Onkel fuhr mit dem Käfer. Einzige Bedingung war, dass Karlos hinten nicht den Blick durch den Rückspiegel verdeckte. Also klebte er am Seitenfenster. Das aber dufte auch nicht angehaucht werden, wegen der Sicht. Die Mutter saß in einem Bett, die Teller und Schüsselchen vom Mittagsmahl auf dem Sideboard. Hier gab es reichlich. Und da war es wieder. In einem Klinikbett ein Lächen und Grinsen, das alles niederriss.
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Uns allen ist bekannt, dass es nicht um das Saufen, Kiffen, Kotzen usw. geht, was Mitmenschen machen, solange unsere eigene Lebensqualität nicht beeinträchtigt wird. Es geht um das, was im Gefolge dieser Sucht alles zerstört wird. Und da ist der Bedarf an Schutzmaßnahmen im Umfeld immens.
So heißt der zweite Teil von Karlos dann auch “Collateralschäden”
Karlos, den der Ackermann nur mit “Ehj!” oder “Äj!” ansprach und anschrie, die Lehrerinnen Karlinchen und die Lehrer Karlitos und dann gibt es noch weitere Varianten, also Karlos kannte nahezu zweitausend Bewohner im Abenteuerdorf. Es gab eine riesige Verwandtschaft. Alle schauten den Kleinen mitleidig von oben herab an, wunderten sich später, was der alles geschafft hat, alle machten in dem riesigen Theater mit, wo ein einziger Mensch alles runterzieht. Alle wussten alles. Sie wussten auch, warum der Ackermann auf Karlos so bedrohlich wirken musste, sie wussten, warum die Großmutter völlig ausgerastet war, sie wussten, was wirklich passiert war, sie wussten, dass es nicht der Alkohol war, der die Katastrophen allein gemacht hatte, sie wussten, woher sie kamen, die Collateralschäden….
Collateralschäden
Bevor Karlos eingeschult wurde, macht ihn der Ackermann hart auf dem Ackerfeld. Alle anderen Burschen waren nicht da, hätten dazu auch keine Lust gehabt. “Ach, lass ihn doch noch, bis er in der Schule ist”, sagte die Oma, Ackermanns Mutter. Erbarmungsloser Ackermann. Karlos musste den ganzen Tag im kalten Nieselregen als lebende Beschwerung auf den Eggen stehen, es zerriss ihm fast den Schritt. Am Ende einer jeden Ackerfurche musste er die schweren Eggen hochheben, die verdorrten Kartoffelsträucher entfernen und die Eggen halten, damit der Ackermann mit seinem Kriegssplitterknie nicht vom Trecker steigen musste. Die Eggen hackten dem Karlos in die Beine. Erbarmungsloser Acker.
Gifte gab es noch nicht. Alles bio. Kartoffelkäfer wurden mit der Hand, den Kinderhändchen aufgesammelt. Zerkquetschte man sie, waren sie orange und schmierig. Lebendig kamen sie in den Eimer mit Essigwasser. Oh, wie der Essig stach. Steine hatte der Acker durch das Eggen freigegeben, die sammelte Karlos in einem Kartoffelkorb, groß, wie er selbst. Die Steine waren spannender als Ackermann und Co. Der Opa nannte sie Feldspat, er war im Bergwerk. gewesen. Doppelschichten zwischen den Kriegen. Feldspat heißt, dass es diese Steine auf allen Feldern gibt. In Wirklichkeit sind das Kristalle.
Die Oma schickte Karlos mit einer Kanne Wurstebrühe zur Tante. Gegen die Fettbrühe gab es eine spitze Tüte, da war oben ein bunter Rand aus Krepppapier dran geklebt. “Einen Faden zum Zubinden habt ihr ja?”, meinte die Tante, Kriegerwitwe mit Zicklein im Keller für den Sonntagsbraten. Was das soll? Auf der Papptüte waren Spielsachen und Zuckerstangen gemalt. Hmm. In der Bauernküche kramte man einen alten Vorgängerranzen vom Kornboden und steckte eine Tafel rein. Die hatte einen Riss. Der Karlos sollte nun zur Schule gehen.
Tags drauf ging es mit der spitzen Papptüte in der Hand und dem Uraltranzen auf den Schultern zur alten Schule. “Alle Vögel sind schon da”, sollten alle singen, einer stand nicht auf. “Bert, warum singst du nicht mit?!”, schrie die Schrullige. “Hab keine Lust!” meinte Bert gelangweilt, als er sich müde erhob. Der war müde, erfuhr Karlos bald, weil er einen eigenen Fernseher auf seinem Zimmer hatte, Lassi, Fury, Rin-Tin-Tin, Mit Schirm, Scharm und Melone. Aber er war ein Abenteurer, an den hielt Karlos sich.
“Karolus mach doch auch deine Tüte auf” meinte die Frau an der Tafel. Die andern kramten im Krempel. Sigu-Autochen, Prinzenrolle, Stifte, Liebesperlen und Hefte. Aber Karlo mochte seine Tüte nun wirklich nicht aufmachen. Die Frauen hatten das Krepp mit einem Wollfaden verknotet. Und die Pappe war so komisch leicht. Nach weiterem langweiligem Quatsch in der stinkigen, stickigen Schule saß Karlos wieder brav am Küchentisch bei der Oma. Die schnitt den Faden auf. Karlo zog den Inhalt aus der Spitztüte. Drei zusammengeknüllte Seiten Westfälische Rundschau. Die Mutter kam dazu: “Och, du kriegst noch was.”
Karlos hatte wie die anderen ein Sparbuch der Darlehenskasse bekommen mit fünf Mark drauf wegen dem Schulanfang. Fünfzig Mark kamen von den Patenonkels dazu, ein paar Münzen aus dem Sparschweinchen. Karolus war Eigentümer von 66 Mark. “Spare in der Zeit, dann hast du in der Not”, sagte die Oma mit erhobenem Zeigefinger, “und pass gut drauf auf.” Nach wenigen Wochen hatte die Mutter 65 Mark abgehoben und im Krämerladen gegen Schnaps versetzt. Und sie log. Sie log über Karlos, der sie den ganzen Tag kaum sah.
“Nä, der war wieder so garstig gegen mich, der Junge hat mir seine Schuhe nachgeworfen!” sagte sie zum Ackermann, der gerade erschöpft von der Arbeit ins Schlafzimmer ging, wo die Trinkerin lag. “Ich brauch noch was Geld für den Haushalt, und was die Kinder alles immer für die Schule brauchen! Fünfzig Mark brauch ich schon!” „ Nä, dann fünfundzwanzig, die Kinder brauchen doch was auf´s Brot!„ Die Türe war nur angelehnt, so bekam Karlos auf dem Flur noch mit, wie der Ackermann seufzte: “Na dem werd ich…” Anschließend saß Karlos auf dem Anhänger des Traktors um für die Kühe das Gras zu holen. Das war täglich. Und täglich muss die Mutter neue Lügen von sich gegeben haben. Einmal warf der Ackermann seine Heugabel nach dem Jungen, ein anderes Mal ein dickes, schweres Brett. Und er schrie “Ehj, mach, mach voran, dir werde ich Zorrus beibringen…”
Der älteste Bruder war nie da. Einmal hatte Karlos das Konfirmationsfoto gesehen. Der Bruder war tatsächlich mit 14 ein erwachsener Mann, attraktiv und stark. Einmal kam ein Lehrer zu Karlos in der großen Pause. “Dein Bruder war der beste hier, den haben alle geschätzt, was macht der jetzt?” “Weiß nicht?”, meinte Karlos aufrichtig. Durch spitzen seiner kleinen Ohren erfuhr er, dass die Mutter dafür gesorgt hatte, dass der Bruder in ein Erziehungsheim kam. Er hatte mit einem Kumpel Streiche gespielt. Beispielweise hatten sie in eine Milchkanne gekackt. Der Bruder wurde systematisch der Alkoholsucht der Mutter geopfert.
Einmal durfte Karlos mit dem Taxi in die Kreisstadt fahren, wo der große Bruder eine Lehre als Bäcker und Konditor machte. Er begrüßte den kleinen Karlos mit Umarmungen und Leckereien. Er hatte mit viel Fleiß zwei große Bleche mit Blätterteigteilchen gebacken, gefüllt mit bunter Konfitüre. Der Bäckermeister kam und lobte den jungen Mann, dass er stark, fleißig und gewissenhaft sei. Der Taxifahrer nickte bedacht und schleppte die Bleche.
Stolz betrat der junge Bäckerlehrling das Haus der Mutter mit den Kuchenblechen auf dem Arm und wurde gleich angefahren: “Was machst du hier, geh´ arbeiten, geh deinem Vater helfen!” Sie kreischte und torkelte. Es war am späten Samstagnachmittag. Er wollte gleich wieder weg. Karlos auch.
Die Bäckerlehre wurde abgebrochen. Der große Bruder kam nach Haus, ging abends in die Dorfkneipe bis spät nachts. Dann ging es los. Die alten Dorfmänner hatten ihm erzählt, dass der Ackermann nicht sein Vater sei. Da sei ja der Ackermann noch in der Gefangenschaft gewesen. Die Mutter war mit einem Österreicher befreundet, ein Zwangsarbeiter, politischer.
Nun schrie er angetrunken nachts um drei das Haus zusammen, wollte seinen leiblichen Vater kennen lernen, zumindest eine Stellungnahme der Mutter. Die schickte den Ackermann vor und wieder konnte Karlos dieses huschende Grinsen erkennen auf ihrem Gesicht, als der ältere Bruder den Ackermann tätlich angriff. Ihre Taktik funktionierte offensichtlich.
Manchmal floss Blut. Die Polizei kam. Die gingen schnell wieder. Es ging viele Jahre so. Die alkoholkranke Mutter hatte nun keine andere Beschäftigung mehr, als den bösen Bruder zu thematisieren. Der hatte ja nun durch seine Aggressivität gezeigt, dass die Mutter Recht hatte. Es gab kein anderes Thema mehr, auch wenn der Bruder lange Zeit nicht da war.
Zwei andere machten jetzt Probleme, kamen in der Schule nicht mit. Der eine war schon mal sitzen geblieben und sollte kein Abschlusszeugnis bekommen. Dann kriegte man aber keine Lehrstelle. Die Mutter trank ein paar Tage nicht, ging zum Hauptlehrer. “Hannes, wenn du dem Jungen kein Zeugnis gibst, kriegt der keine Lehre, dann lernst du mich aber kennen, wir zwei sind zusammen in die Schule gegangen, weißt du noch… “, so herrschte die Mutter den verdutzten, für seine Repressivität und Unbeherrschtheit bekannten Lehrer an. Dieser fragte darauf: “Aber was ist denn mit dem anderen, dem Karlos, was ist mit dem…?” “Oh, der ist frech, der gibt immer Widerworte, der ist nicht zu bändigen!” log sie. Wahrheitsgetreu hätte sie das Gegenteil von sich geben müssen. Der Hauptlehrer versprach, sich dieses Problems anzunehmen. {So hat der Hauptlehrer selbst diese Episode dem Karlos erzählt, als dieser ihn mit 20 Jahren besuchte um zu fragen, warum er ihm das alles angetan hat.)
Jeden Tag mindestens einmal nach dem Besuch der Mutter, nahm dieser Despot von einem Lehrer nun Karlos´ Kinn zwischen seinen knochigen Zeigefinger und Daumen, rieb und drückte so lange, bis ein blauer Fleck entstand. Er demütigte, beleidigte, kniff und verteilte Kopfnüsse, machte dabei verächtliche Sprüche und schüchterte den Karlos täglich ein. Noch ein Bruder sollte sitzen bleiben, der nur ein Jahr älter war als Karlos. Das gleiche Spiel. Die Mutter machte ihre Aufwartung beim Hauptlehrer, und droht mit diesen Worten: ”Hannes, wenn du den sitzen lässt, dann, dann,… der ist der einzige, der seinem Vater auf dem Feld hilft!”
Der fragte: “Was ist denn jetzt mit dem Karlos, hat es gefruchtet?” Ihre Antwort sollte wohl das Ersuchen um Nachsicht mit dem Sitzenbleiber unterstreichen: “Der, der hat zwei linke Hände, der mit dem kann man nicht rechnen…” Der Hauptlehrer verstärkte seine Tortur. Konnte Karlos nach zwei Wochen Kartoffelernte kaum gerade gehen, auch nicht hüpfen, schlug der Lehrer im Sportunterricht mit dem Tauende zu, weil Karlos nicht Seilspringen konnte. Mit dem Bert machte er das Gleiche. Dieser Oberlehrer war ein Tier. Bert allerdings hüpfte nicht, weil er keine Lust hatte, weil er das doof fand, was es ja auch war.
Beim 100-Meter-Lauf fiel Karlos hin, brach sich die Kniescheibe, der Lehrer trat nach ihm: “Steh auf! Du, du…” Aus dem Krankenhaus mit einem Gipsbein zurück, verspotteten ihn die größeren Brüder, dass er dies doch nur mache, weil Karlos nicht mit aufs Feld wolle.
In jeder Sportstunde bekam Karlos Nasenbluten. Beim Weitsprung brach der Blinddarm. Zwei Wochen Krankenhaus. Es kam kein Besuch. Niemand. Keiner. Am Sonntag spielte der christliche Posaunenchor, in dem Karlos selbst Trompete spielte. Er sah sie zwar vom Türpfosten aus, aber niemand kam in sein Krankenzimmer, niemand sprach ihn an. Sie spielten `Nun danket alle Gott´.
Trotz diesem Irrsinn in der Schule wäre Karlos am letzten Schultag vor den Ferien gerne im Klassenzimmer geblieben und hätte sich für 6 Wochen einsperren lassen. Wenn andere gespielt haben, hat Karlos gearbeitet. Dieses Dorf verfügt über das schönste und größte Freibad in Südwestfalen. Im gesamten Talkessel konnte man vom ersten bis zum letzten Ferientag die Kinderschreie hören. Toll. Nicht für Karlos. Er verbrachte alle schönen Tage auf der Heuwiese, saß auf dem Heuwagen, oft heulend. Dieses schöne Abenteuerdorf, es soll die Perle des Landkreises sein, sagte man. Aber wo kam nun all dieser unbeschreibliche Stress her?
Dann kam eine längere Entziehungskur für die Mutter. Jetzt sollte das endlich klappen. 9 Monate. Karlos sollte ein Jahr lang bei Tante und Onkel wohnen. Der Käfer fuhr vor. Die Mutter reichte einen Schuhkarton zum Fenster raus. “Ist das alles?”, Tante nahm den Karton, “ich dachte, der hat wenigstens ein Hemd für Sonntags, dass wir ihn mal mitnehmen können?!” Für ein Jahr machte Karlos einen Bogen um das Bauernhaus, wenn er zur Schule ging. Eigentlich wollte die Schrullige ihren Schüler im Auto mit zur Schule nehmen. Das tat sie nicht ein mal. Dann entdeckte der Onkel ein Zorroheftchen, das Karlos von Bert hatte. “Hast du noch mehr? So ein Schund kommt mir nicht ins Haus!”, sagte der Onkel und schlug zu. Karlos rannte raus, fand nicht mal mehr ein Versteck im fremden Garten. Mit den Nachbarjungen dort fand Karlos keinen Kontakt. Jetzt hielt er nicht nur die Luft an, er traute auch denen nicht mehr.
Zurück im Hause des Ackermannes war Karlos dann ein Fremder. Er benutzte Gabel und Messer gleichzeitig am Küchentisch, organisierte sich sogar eine Serviette. Das endete für ihn fast tödlich. Einmal kam er aus dem Wiesental. Es regnete. Schuhe und Hose waren nass bis zu den Knien. Karlos kommt zur Haustüre rein, die Mutter aus dem Alkdunst ihres Schlafzimmers, die Großmuter steht in der Küchentüre, der Ackermann kommt die Kellertreppe hoch mit einem Eimer Milch. Alle gleichzeitig. Die Mutter lenkt von ihrem schwankenden Zustand ab: “Nää! gucke mal was der sich dreckelich gemacht hat!” Der Ackermann krallt den Karlos, schleift ihn die Treppe runter, greift einen Kalbstrick von der Wand, mit dem man die neuen Kälbchen aus der Kuh zieht, und schlägt auf Karlos ein. Wutentbrannt fast eine Stunde lang. “Und wenn du jetzt noch weinst, kriegst du sie noch mehr!” Die Weiber plärren gemeinsam die Treppe herunter: “Ackermann hör auf, hör auf, Ackermann, du versündigst dich!”
Der Terror des großen Bruders, der mit Nachdruck den Namen seines Leiblichen wissen wollte, bis an sein frühes Lebensende nie erfahren sollte, ging weiter. Eines Nachts fügte er in sein Geschrei ein, dass die Leute im Dorf sagten, womit er die in der Kneipe meinte, dass auch Karlos einen anderen Vater haben müsse, weil Ackermann damals gar nicht da war.
Jetzt meinte Karlos, dass ein klärendes Gespräch mit der Großmutter sinnvoll sei. Also half er ihr so oft es ging in der Küche und fragte immer wieder: “was war los? Was hat die mit mir gemacht? Oma? Bitte!” Die Großmutter versprach, alles zu sagen, wenn Karlos 16 ist.
Langsam dämmerte es dem fleißig lernenden und arbeitenden Karlos, dass sich Menschen vielleicht eher in Stücke schneiden lassen, als zu einer Sache zu stehen, etwas zuzugeben, zu sich selbst zu stehen, zu einer Klärung bereit zu sein. Und dann dieses Theater, diese Show.
Fast jedes Jahr einmal war Konfirmation. Sogar der Pastor kam. Der blieb im Türrahmen stehen mit den Händen in den Manteltaschen. Und tagelang wurde gekocht, gebraten, gebacken, eine riesige Show. Karlos fragte sich, wo denn das alles jetzt herkomme? Am großen Tisch kontrollierte die Mutter, die sich 1 Woche lang auf die Veranstaltung eingestellt hatte, fein rausgeputzt war, das gesamte Geschehen. Vor allem kontrollierte sie die Großmutter, damit die nicht mit ihren Schwestern sprechen konnte. [das ging so: wollte die Oma gerade etwa sagen, dann beschäftigte die Mutter die Großtante: `Heda nimm doch noch ein Stückchen Braten, oder willst du lieber Schinken, den packe ich dir gleich ein zum Mitnehmen, willst du dieses Jahr wieder Kartoffeln für den Keller…´ Karlos hat dieses Theater schon gehasst, da war er noch im ersten Schuljahr. Und wer es nicht anders gewusst hätte, der musste einfach glauben, dass dort eine treu sorgende, beflissene Hausherrin regierte und alle, wirklich alle immer mit allem versorgte und ihrer Großfamilie alle Wünsche erfüllt. Das verwirrte den Karlos von klein auf. Grosse Mengen Kuchen, Torte, Schinkenbrote und Braten wurden anschließend in der Umgebung verteilt, die Mutter wusste, wer wie viel bekommt, hatte einen richtigen Bestechungsplan. Kuchen, Braten, Wurstebrühe.
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An dieser Stelle beende ich mal die Episoden. Es sind hier nur einige wenige von einigen tausend. Auch nehme ich mal das Gespräch mit der Großmutter vorweg. Dieses führte Karlos ohne das Wissen anderer Familienmitglieder, aber in Anwesenheit einer Altenpflegerin im Pflegeheim mit der Großmutter. Der Vater des älteren Bruders war Österreicher und arbeitete im 2. Weltkrieg im Dorf. Der Großvater ist der leibliche Vater von Karlos. Dieser gab sich aber nicht zu erkennen. Er saß rund 15 Jahre neben Karlos am Küchentisch und sprach kein Wort. Die wenigen Male, dass Karlos mit dem Opa alleine war, bekam er eine Ahnung davon, wie das sein kann, wenn man sich sicher fühlt. Der Großvater war dann meist traurig, weinte auch und sprach aufgeregt und wirr, war sarkastisch oder machte dumme Witze.
Hinzu kam noch ein Abortversuch der Mutter, worüber die Großmutter so außer sich geraten war, dass sie sich nie mehr beruhigte. Die Details dazu könnten einem schlimmen Horrorfilm entstammen. Essig-Essenz zur Desinfektion einer Rundstricknadel. Die Großmutter zitterte seitdem, wenn sie eine Essigflasche in die Hand nahm. Karlos hat entschieden, diesbezüglich das Vergessen zu trainieren. Einmal, schon 20 alt, entfernte er sich wie ferngesteuert von einer Gruppe Mitschüler, hin zu einer Seitenstraße, wo in dem kleinen Schaufenster eines Bastelladens ein Körbchen mit Wollknäueln und Stricknadeln stand. Dann wusste Karlos nicht weiter; weil die Ambulanz ihn wegfahren musste.
Die Vaterschaft des Großvaters wurde noch bestätigt.
Dem Großvater gehörte Haus und Hof. Karlos fühlte sich von allen Familienmitgliedern bedroht, auch von den Schwestern. Ausnahmen waren Oma und Opa. Das Dorf kann Karlos nicht vergessen, weil es ein wunderschönes Abenteuerdorf ist. Die Menschen kann er auch nicht vergessen, weil er sie alle geliebt hat, bis auf Oberlehrer und Ackermann. Es geht Karlos nicht um Schuld. Auch die Frage, “Wo sollen wir denn da anfangen?” ist vielleicht berechtigt:
1000 Jahre Lehnsherrschaft
2000 Jahre Unterdrückung durch die Kirchen
1000 de Jahre Krieg
1000 Millionen Tote
1000 mal 1000 verlogene Politiker
1000 Jahre Finanzdiktatur
1000 de Jahre verlogene Männerherrschaft
Das Thema: Co-Abhängigkeit als Krankheit meint ja nicht (mehr), dass man von Abhängigen abhängig ist, sondern die Folge, dass man nachher nicht einfach so weiterleben kann.
Ganz kurz angedeutet sieht meine Sucht so aus:
Es ist die Sucht, sich selbst spüren zu müssen, koste es, was es wolle, verhindern zu wollen, dass auf der Erde solche Dinge nie wieder geschehen.
Es ist die Sucht, bewusst zu sein, weil man auf der Hut sein muss, nicht vertrauen kann,
Es ist die Sucht, argwöhnisch zu sein, immer weiter zu fragen, ohne Ende,
Entstanden aus einer langen Serie aufeinander folgender Traumatisierungen,
Zurückweisung, Ungewolltheit - das gepaart mit
Adrenalinsucht (physiologisch)
Wenn das echt endet, gibt es Entzugssymptome. Aber sicher lohnt es sich. Die erwähnten Brüder von Karlos sind alle tot. Den einen fand man alkoholisiert unter einer Parkbank, er wurde 40. Der Älteste starb mit 50, der andere mit 56. Alle hatten Probleme mit Alkohol. Alle rauchten Kette. Alle sind stresssüchtig, arbeitssüchtig, helfesüchtig. Die Mutter starb an Leberkrebs unter starkem Leiden im Alter von Anfang 60. Karlos´ hatte in genau diesem Moment sein Töchterchen auf dem Schoß und das kleine Mädchen fragte: “Papa, würdest du mich hauen, der Vater von Petra [Anm.: der studierte damals Theologie] haut die Petra immer und ich habe Angst wenn sie das erzählt!” “Nein, nein, nie und niemals”, sagte Karlos sanft und sicher in des Kindes Ohr. “Dat hat noch keinem geschadd!”, raunte der Ackermann, der aus dem Totenzimmer seiner Frau kam, die gerade aufgehört hatte zu atmen.
Der Ackermann starb mit 70 an einem Hirnschlag und langsamem Ersticken. Als Großvater und Großmutter starben, bekam Karlos durch seine Mutter Wochen später Bescheid. Er sollte ja nicht wissen, nicht in Kontakt kommen. Sie wollte ihn da nicht sehen.
Der Älteste vom Oberlehrer wurde Polizeihauptwachtmeister und beging mit 50 Selbstmord.
Karlos hat vor einigen Jahren den Konsum von Alkohol und Zigaretten konsequent eingestellt. Schluss-Punkt. Alles was Ironie und Sarkasmus ist, hat er abgelegt, da immer unproduktiv. Aber eine solche Bemerkung aus früherer Zeit hat er noch im Ohr: Viele Menschen machen ständig Negerkampf im Tunnel aus Angst vor dem Leben und begehen dann Selbstmord aus Angst vor dem Tode.
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(1079 Kommentare) wrote:
Hallo Sara,
Sie brauchen dringend psyhotherapeutische Hilfe. Alleine schaffen Sie das nicht und Ihre Symptome (Magersucht, Verhalten in der Beziehung, Selbstmordgedanken) zeigen, wie ernst es ist.
Suchen Sie sich eine Therapeutin hier unter http://www.psychotherapiesuche.de oder hier http://www.therapie.de . Bei beiden Verzeichnissen können Sie Ihren Wohnort eingeben. Die Kosten werden von Ihrer Krankenkasse voll übernommen. Aber handeln Sie unbedingt. Sie sind in Gefahr.
Danke für Ihren Anfrage.
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Hallo es fällt mir sehr schwer hier zu schreiben,aber ich möchte das meine Ängste verschwinden.Ich bin 18 Jahre alt und mein vater hat mich immer geschlagen.Wenn ich mal zu spät vom spielen kam stellte er mich unter die kalte dusche mit meinen kompletten sachen.Oder wenn ich nicht im Restaurant half bekam ich schläge oder er drückte seine Zigarette auf meinem Arm aus.Das sind nur einige sachen.Ich leide sehr stark darunter obwohl ich nicht mehr zu Hause lebe.Ich bin Magersüchtig und habe durch die magersucht meine Nieren kaputt gemacht so das ich jetzt 3 mal in der Woche zur Dialyse muss.Ich habe einen sehr lieben und guten Freund und er hat mir damals vor 3 Jahren daraus geholfen.Er gab mir die kraft meinen Vater anzuzeigen.Aber ich habe alles verloren meine Mama mein Zuhause meine Freunde.Nur er ist noch bei mir und meine Nonna und Nonno.Ich bemerke das ich besonders meinen Freund sehr belaste weil ich immer Angst habe ihn zu verlieren.Ich enge ihn oft ein und wenn wir Telefonieren mag ich nie auflegen.Er ist dann oft böse und sagt ich muss aber Arbeiten.Ich habe immer Angst das er geht nicht mehr wieder kommt.Die letzte zeit denke ich oft daran einfach alles loszulassen und zu gehen nur damit mich keiner verläst.Bitte vieleicht können sie mir helfen bitte
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(1 Kommentar) wrote:
wurde als kleines mädchen bis ins jugendalter auch von meinem vater oft geschlagen, keine liebe aber viel schmerz und tränen!
nun bin ich 40 und habe eine 2 jährige tochter, bin alleinerziehend , mein vater ist vor 4 jahren mit mitte 50 verstorben, kontakt mit meiner famile, aber alle wohnen nicht in meiner nähe.
habe nun angst, daß ich mein kind schlagen werden, bin manchmal innerlich aggressiv und möchte hilfe bevor es zu spät ist. was kann ich machen??
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(1079 Kommentare) wrote:
Hallo Stefanie,
danke für Ihren schlimmen Bericht, der aber am Ende doch gut geht. Natürlich kann man es auch Therapie schaffen, aber dann braucht man viel Mut und Entschlossenheit und auch eine innere Stärke, die Sie offensichtlich haben. Ihre Schilderung macht Mut.
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(4 Kommentare) wrote:
Hallo Herr Kopp Wichmann,
Ich habe den hörbaren Beitrag gehört. Möchte einfach meine Meinung/Erfahrung dazu beitragen. Ich wurde als Kind auch sehr oft geschlagen, allerdings überwiegend von meiner Mutter. Wenn mein Vater (selten)es mal tat dann war es schon eher ein verprügeln, wo meine Mutter dann schon bat: hör auf…… bei meiner Mutter war es für alles und nichts. Auch zum Arzt musste ich dann mal. Ich lernte auf der Flucht zu sein, erwarb mir dadurch eine sehr gute Beobachtungsgabe, diese kommt mir heute zugute. Ich war froh wenn ich schlafen konnte in der Schule war… dann war ich in Sicherheit.
Als ich 12 Jahre war zog meine Mutter aus und wir (meine Schwester 8 Jahre jünger als ich) blieben bei meinen (nicht leiblichen) Vater. Dieser allerdings emotional absolut arm war. Ich übernahm sozusagen die Erwachsenerolle. (Da er nicht kochen, putzen…. konnte)
Damals hatte ich ein paar Jahre keinen Kontakt zu meiner Mutter ich hasste Sie förmlich. Ich trug sehr viel unteschwellige Wut in mir, diese mir dann eine Gallenop mit 25 Jahren bescherrte. Aber ich lernte für mich selber sehr viel. Ich las gute Bücher, ich hatte mittlerweile wieder Kontakt mit meiner Mutter & wir sprachen drüber. Ich konnte ihr verzeihen, nur nicht vergessen. Vergessen kann man dies ja auch nicht, Erinnerungen halt. Der Kontakt mit meiner Mutter war ganz gut eigentlich. Eigentlich
Denn mit 40 bekam Sie von mir einen Brief- dieser war absolut nötig und ein “Befreiungschlag” sozusagen. Da sie noch immer reagierte als wäre ich ein Kind etc
(heute bin ich fast 42)
Mit 28 Jahren bekam ich meinen Sohn. Ich schwor mir (gehöre also zu dieser Kategorie) mein Sohn wird nicht mit Schlägen aufwachsen. Und bis auf 1 Ohrfeige als er ca 3 o. 4 Jahre war (wo ich litt wie blöde, er aber gar nicht, komischerweise) blieb es auch dabei. Heute ist er 13 Jahre. Ich bin seid dem er 2 Jahre war, alleinerziehend. Ohne Hilfe einer Oma oder sonstige “Betreuungspersonen) Mein Sohn und ich sind ein richtig gutes Team.
Sicherlich mache auch ich nicht alles richtig. (mein Sohn meint noch heute: “du bist die bester Mutter der Welt) wir reden sehr viel….
Ebenso hatte ich mir geschworen: mich schlägt- niemand- mehr & wenn dann schlage ich zurück oder bin SOFORT weg. Dies hat mich bewahrt von Männern geschlagen zu werden. Obwohl da einer bei war, der dieses sehr gerne getan hätte. Er hatte die Hand schon erhoben….. da schien aus meinen Augen & meiner Stimme die ganze Portion der Wut der Kindheit auzustrahlen. Möglicherweise hätte er alles abbekommen? Weiß ich nicht, kam ja nicht dazu. (zum Glück)
Ich möchte damit sagen, ich habe es ohne Therapie geschafft, wurde ein spiritueller-denkender, beobachtender Mensch -leider manchmal zu gutmütig. Aber ich habe gelernt nein zu sagen und liebe die Freiheit. Mich macht es sauer wenn man-n meine Grenzen nicht wahrt. Früher litt ich wohl auch etwas am Helfersyndrom, aber auch das wird weniger
Ja, ich gehöre zu den starken Frauen. Dummerweise gerate ich aber noch heute evt. manchmal eher an “schwache Männer” ich denke das ist ein aus der Vergangenheit unbewusster Prozess. Noch immer. Blöd, denn ich mag – eigentlich- wirklich(?) starke Männer.
So habe ich kürzlich ihr Buch gelesen: Frauen wollen erwachsene Männer
Mehr möchte ich natürlich hier nicht zu meiner Identität preisgeben. (Sie werden es vielleicht wissen) Ich hoffe meine Partner (absolut nicht erwaschsen, jaul-grins) wird ihr Buch intensiv lesen und wirken lassen…. Denn es wirkt sich definitiv auf die Beziehung aus…..
Sooo das war nun mein Roman zum Thema: Schläge- Auswirkungen…. aber ich bin der Meinung JEDE/ R kann es schaffen sich aus diesen schlagenden Fesseln zu befreien. Man braucht nur: Ehrlichkeit, Mut und seinen eigenen Weg dafür.
Meine Mutter war gerade vorgestern hier, zusammen mit meinen leiblichen Vater. Es war wirklich schön
Ich grüsse sie herzlich
Stefanie
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(3 Kommentare) wrote:
Hallo Herr Kopp-Wichmann,
vielen Dank für Ihre schnelle Antwort und Ihre Einschätzung aus der Ferne.
Sie bestätigen die Befürchtungen, welche ich insgeheim hatte.
Ich werde den Rat meiner Bekannten annehmen, “ihn ziehen zu lassen”, auch wenn es mir schwer fällt.
Und ich hoffe, dass er sich irgendwann helfen lässt.
Festhalten meinerseits bringt hier offensichtlich gar nichts, außer, dass ich kraftloser werde…
Beste Grüße
Andrea
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(1079 Kommentare) wrote:
Hallo Andrea,
ich fürchte, Sie können Ihrem Freund nicht sehr helfen. Helfen kann man nur jemandem, der 1. einsieht, dass er ein Problem hat und 2. dafür um Hilfe nachsucht.
Das heißt: zum Helfen braucht es einen klaren Auftrag. Den scheinen Sie nicht zu haben aber Sie wären auch nicht der richtige Ansprechpartner. Eine Beziehung tautgt nur sehr bedingt zum gegenseitigen Helfen, wenn es um tiefgreifende psychische Probleme geht. Die scheint Ihr Freund zu haben und natürlich hat das mit zu tun, was er an Schlimmem in seiner Vergangenheit erlebt hat.
Dadurch dass man das verdrängt oder bagatellisiert verschwindet es nicht. Insofern könnte Ihrem Freund nur eine gute, längere Psychotherapie helfen. Sein Nicht-Festlegen und einige andere Verhaltensweisen sind deutliche Folgen des massiven Mißtrauens, das er wohl in Beziehungen hat.
Sie haben sich einen Freund mit großen Schwierigkeiten ausgesucht. Überlegen Sie gut, wie lange Sie das ertragen können und wollen.
Danke für Ihren Kommentar.
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