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Feb 07 2010

Wie haben Sie die Abwesenheit Ihres Vaters erlebt?

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grabstein Daddy web iStock 000000284512XSmall Wie haben Sie die Abwesenheit Ihres Vaters erlebt?“Wo ist Papa?”

In meinen Persönlichkeitsseminaren oder Psychotherapien kommt der abwesende Vater immer wieder zur Sprache. Bei dieser Entwicklung gibt es mehrere Formen:

1. Die völlige Abwesenheit

  • Der Vater ist vor der Geburt gestorben oder verschollen.
  • Das Kind wurde zur Adoption freigegeben.
  • Die Mutter kennt den Vater nicht oder wollte seinen Namen nicht preisgeben.

2. Die teilweise Abwesenheit

  • Der Vater verstarb in den ersten Lebensjahren des Kindes.
  • Die Eltern trennten sich früh.

3. Die emotionale Abwesenheit

  • Hier lebt das Kind zwar mit den Eltern oder dem Vater aber der Vater ist beruflich bedingt sehr selten zu Hause.
  • Der Vater ist zwar körperlich anwesend aber emotional nicht präsent.

Der Vater hat für jedes Kind eine enorme Bedeutung.

Ich kann mich erinnern, dass ich in meinem Psychologiestudium ein Seminar besuchte, wo anhand verschiedener Literatur noch ernsthaft die Frage diskutiert wurde, ob der Vater außer für die Zeugung überhaupt für die Entwicklung des Kindes eine Rolle spielte. Das war im Jahr 1980.

Doch wer kleine Kinder aufmerksam beobachtet – in der eigenen oder einer fremden Familie – kann erleben, wie sehr Kinder, nicht nur Jungen, von früh an ein eigenständiges Interesse am Vater entwickeln. Selbst dann wenn dieser anfangs vielleicht zurückhaltend oder unwillig sich gibt, versuchen sie, ihn in eine Beziehung zu ziehen.

Menschen, mit den ich arbeite und die einen frühen Vaterverlust verarbeiten mussten, antworten auf meine Frage wie sie dies erlebt und verarbeitet haben mit dem Satz: “Wie kann ich etwas vermissen, was ich gar nicht kannte?”

Ich halte dies für eine Rationalisierung, also eine psychische Abwehrreaktion. Denn natürlich erlebt das Kind schon im Kindergarten, auf dem Spielplatz oder in der Grundschule, dass es Väter gibt, die das Kind abholen, es in die Arme schliessen oder mit ihm herumtollen.

Das Mädchen oder der Junge sehen also deutlich, dass es Väter gibt und muss sich innerlich mit der Frage beschäftigen, wo sein Vater ist. Und vor allem, wie er wohl ist.

In einem lesenswerten Artikel in der PSYCHOLOGIE HEUTE 3/2010 stellt der Psychoanalytiker Hans-Geert Metzger eine interessante These auf:

Kinder leben mit einem Vater, selbst dann, wenn er nicht anwesend ist. Sie erschaffen sich ein Bild von ihm.

Einerseits vermittle die Mutter schon früh, bewusst oder unbewusst, dem Kind ihr Bild des Vaters. Dies kann positiv oder negativ sein, je nachdem wie die Beziehung war oder endete. Auch durch Bemerkungen der Mutter über andere Väter oder überhaupt über Männer bekommt das Kind Informationen. Ein Mädchen oder ein Junge spürt am Tonfall, der Mimik oder der Stimme, wie die Mutter den Vater bewertet, einschätzt oder abwertet.

Der abwesende Vater wird idealisiert.

Mann fängt fisch small © Daniel Schweinzer Fotolia.com 2944658 XS Wie haben Sie die Abwesenheit Ihres Vaters erlebt?Metzger hat die Erfahrung gemacht, dass viele Kinder die Abwesenheit des Vaters kompensieren, indem sie in den frühen Jahren ein Idealbild von ihm erschaffen. Er hält dies für einen notwendigen und entwicklungspsychologisch wichtigen Prozess.

Umso einschneidender kann dann die spätere Begegnung mit dem realen Vater sein. Ich erinnere mehrere Fälle von Klienten, wo nach einer frühen Trennung der Eltern der Jugendliche sich auf die Suche nach seinem Vater machte oder  dieser selbst eines Tages den Kontakt suchte.

Wenn wie in einem Fall im Idealbild des Kindes der Vater ein erfolgreicher Held war, der in ein fernes Land auswanderte und der reale Vater bankrott machte und zum  Alkoholiker wurde, ist die Enttäuschung natürlich immens.

Aber auch wenn Idealbild und der wirkliche Vater nicht so weit auseinanderklaffen, ist es nicht leicht, diese Konfrontation mit der Wirklichkeit zu erleben und zu verarbeiten.

Manche Jugendliche oder Erwachsene lösen dieses Problem mit dem Vater durch Kontaktabbruch. “Mein Vater ist für mich gestorben” lautet dann die entsprechende Antwort. Die anfängliche Idealisierung verwandelt sich in eine vernichtende Entwertung. Um den Schmerz nicht fühlen zu müssen, wird der Vater innerlich “entsorgt”.

Dies ist nicht nur für die auf Abstand gehaltenen Väter oft tragisch. Auch für den betreffenden Sohn ist dies keine gute Lösung, wie ich in diesem Video zu vermitteln suche:

YouTube Preview Image

Den zweiten Teil dazu können Sie hier ansehen:

Warum entziehen sich Väter ihren Kindern?

Dafür gibt es eine Vielzahl von Gründen. Die häufigsten meiner Erfahrung nach sind:

  • Das Vaterbild wird weitergeben.
    Unbewusst gibt ein Mann seine Vernachlässigung durch den eigenen Vater weiter. Das mag sich darin äußern, dass er sich beim Umgang ungeschickt vorkommt oder verhält. Auch unbewusste Neidgefühle nach dem Motto “Mein Vater hat sich auch nicht um mich gekümmert, warum sollte es mein Kind besser haben” können eine Rolle spielen.
  • vater laptop kind muede iStock 000004569724XSmall 200x300 Wie haben Sie die Abwesenheit Ihres Vaters erlebt?Der Mann wird an das eigene Kindsein erinnert.
    Durch das Zusammensein mit dem Kind wird unwillkürlich das “innere Kind” des Mannes wachgerufen. Eigene Erfahrungen mit Abhängigsein, mit Sehnsucht, Enttäuschungen werden halbbewusst erinnert und möglicherweise durch Distanz zum realen Kind  zu vermeiden versucht. Vor allem Männer, die innerlich noch nicht erwachsen sind und viel noch in die eigene Identitätssicherung investieren müssen, können sich so verhalten. Hier ein guter Artikel dazu …
  • Paarkonflikte werden über das Kind ausgetragen.
    Wenn eine Mutter überbeschützend das Kind nicht teilen mag und der Partner dies nicht angemessen konfrontiert und eingreift, gibt es ein Ungleichgewicht in der jungen Familie. Die Mutter kommt aus der Symbiose mit dem Kind nicht heraus und das Paar wird nicht zum Elternpaar. Der Vater gerät immer mehr an den Rand und flüchtet dann  in den Beruf, den Hobbykeller oder zur Geliebten.

Welche Schwierigkeiten dabei auch für einen Vater heute eine Rolle spielen können, wird in diesem Artikel gut aufgezeigt.

Mich interessieren bei diesem Thema vor allem Ihre Erfahrungen.
Wenn Sie möchten, schreiben Sie hier als Kommentar Ihre Meinung oder stellen Sie eine Frage. Ich werde Ihnen antworten.

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Wie haben Sie die Abwesenheit Ihres Vaters empfunden und verarbeitet?

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Foto: © David Schweinzer – Fotolia.com, istock.com

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17 Kommentare bisher

17 Kommentare zum Beitrag “Wie haben Sie die Abwesenheit Ihres Vaters erlebt?”

  1. 17
    Karl Hinkel sagt:

    An Thorstens Stelle hätte ich mich jetzt verletzt gefühlt. Natürlich gibt es das! Und genau so, wie Thorsten das andeutet, habe ich das auch erlebt. Die Welt ist ein Gefühl. Und wenn sie das nicht ist, dann ist sie vielleicht ein Kinder-Hin-und-Her-Organisations-Planet.
    Es gibt nichts, was es nicht gibt und es gibt noch mehr!
    Ein Kind kann ein willkommenes Machtvehikel für eine Mutter sein. Das gilt in viellerlei Hinsicht. Da sie sehr gut weiß, wie mächtig Gefühlssachen sind, kann sie Hergeben und Enthalten des Kindes als Belohnung und Bestrafung einsetzen. Der Vater ist dem meistens hilflos ausgeliefert. Im WWW gibt es mitlerweile Interessengruppen, Foren, Hilfen. Wenn ich wieder damit zu tun hätte, würde ich unbedingt! die angebotenen Hilfen in Anspruch nehmen. Unbedingt. Alleine ist das Wahnsinn. Immer, wenn Kinder im Spiel sind, ist das so schwer. Villeicht ist Bullemie mit im Spiel, was ich so erlebt habe. Der Mann kocht liebevoll, wird unter Stress anschließend mit dem Kinderwagen rausgeschickt, weil die Mutter das Essen schnell wegkotzen will und/oder muss. Manche Zusammenhänge bekommt man ja erst nach Jahrzehnten raus. Dann wird einem mit Sicherheit unheimlich. Wenn solche unheimlichen Heimlichkeiten dahinterstecken, dann trügt einen nicht die Schwere unter dem Brustbein, der ständige Klos im Hals oder spontanes Weinen im Dienstwagen. Lieber Herr Kopp-Wichmann, ich habe dem Thorsten seine Darstellung sofort geglaubt. Betroffenheit ändert alles. Thorsten, such Dir Hilfe, google, suche Dir unbedingt einen Verbündeten, eine Gruppe, suche die Wahrheit; denn vielleicht geht es um etwas ganz anderes. Das Kind ist ja ein Kind. Und es hat mit dem ganzen Kram in aller Regel nicht die Bohne zu tun. Blauer Himmel über Köln und allen U-Bahn-Baustellen. Spazierengehe, Pause. Alles Gute! Karl

    AntwortenAntworten
  2. 16

    Hallo Thorsten,
    ich kann mir nicht so vorstellen, dass der Wettbewerb “Wer ist der besser Elternteil?” allein zu der Trennung geführt hat. Aber ich erlebe oft in Seminaren, wenn man etwas besser machen will als die Eltern, dass es schief gehen kann. Meist will man ja da den eigenen Kindern etwas geben, was man selbst sehr vermisst hat. Vielleicht waren Sie damit so beschäftigt, dass die Beziehung zu Ihrer Partnerin darunter zu sehr litt.
    Bezüglich Ihrer Angst um die Sorgeberechtigung wäre vielleicht eine Mediation im Vorfeld sinnvoll. Damit der Paarkonflikt nicht über die Kinder ausgetragen wird.

    Danke für Ihren Kommentar.

    AntwortenAntworten
  3. 15
    Thorsten sagt:

    Hallo,
    ich bin 44 Jahre und Architekt.
    Mein Vater hat sehr viel gearbeitet und war nicht so oft zu Hause.
    Nun gebe ich mir mit meiner 2. Familie, ich bin bereits 1 mal geschieden mit einer erwachsenen Tochter, bei meinen 2 Söhnen, 2 und 6 Jahre alt sehr viel Mühe. Ich betreue die Kinder die Hälfte der Woche, die Mutter die andere Hälfte. Leider hat dies dazu geführt, dass sich die Mutter von mir getrennt hat, da ich anscheinend ein zu grosser Konkurrent bei der Kindererziehung für sie bin.
    Beziehungskonflikt sind zu einem Großteil unterschiedliche Ansichten zur Erziehung der Kinder.
    Schade eigentlich, da wollte ich etwas besser machen als mein Vater und habe damit wohl meine Familie ruiniert. Aber die Jungs sind mir nun mal über alles wichtig.
    Nun plagt mich die Angst,daß die Mutter als Sorgeberechtigte alle weiteren Dinge wie Schulwahl usw. ohne mich festlegt.

    AntwortenAntworten
  4. 14

    Hallo Manfred,
    danke für Ihren ermutigenden Bericht, weil er zeigt, dass man sich als Erwachsener auch aus schwierigsten Familiendynamiken herausarbeiten kann.

    AntwortenAntworten
  5. 13
    Manfred sagt:

    Wie habe ich meinen Vater erlebt?

    Leichtfertige Trennung und ein vorgesetzter Stiefvater, der selbst nach drei Ehen und drei eigenen Kindern außerstande war, seinen Minderwertigkeitskomplex zu bewältigen.
    Das war ein kleiner Mann. Der sich über andere stellte (mit akademischer Finesse und Überheblichkeit) und auf andere herunterschrie, wenn ihm die Argumente ausgingen.

    Ein Mensch, dem ich n i e genügen konnte. Den meine Mutter dennoch innig geliebt hatte. Weil er wohl auch Vaterfigur war (ihr eigener Vater verbrachte viele Jahre in Kriegsgefangenschaft und war danach nur mehr ein Schatten seiner selbst. Und gerade dieser Großvater hat mich so bedingungslos geliebt, daß ich heute noch mit Tränen in den Augen an sein Leid und seine Liebe denke.

    2. Die teilweise Abwesenheit
    * Die Eltern trennten sich früh.

    Der leibliche Vater, gezeichnet durch innere und äußere Verletzungen als sehr junger Mensch in den letzten Tagen des Krieges, hat sich immer redlich um Kontakt bemüht, wußte sich in seiner traumatischen Situation allerdings oft auch keinen anderen Rat, als das Kind zum Vehikel seiner Verzweiflung am eigenen Scheitern (der Ehe) zu machen.

    Und dennoch hat er kontinuierlich an sich und für sich gearbeitet. War an den wenigen Stationen seiner beruflichen Laufbahn sehr konstant. Und wann immer es mir dreckig geht, dann ist es seine Kraft – und die der männlichen Ahnen, die durch ihn zu mir fließt – die mich am Leben und bei guter Stimmung hält. Ohne daß ich wegen krankhaftem Positivismus auf die Couch brauch… ;-)

    Um diese Sicht auf die Dinge zu bekommen hat es natürlich einiger Auseinandersetzungen gebraucht. Es gab auch – wie in den anderen Fällen – eine langjährige Funkstille. Am meisten hat mir, nein, nicht das Psychologiestudium, sondern die systemische Ausbildung bei Otto Brinck geholfen, Zusammenhänge und Wirkmechanismen zu erkennen, anzunehmen und aufzulösen. Zum Frieden aller Beteiligten und zur Erlösung des verletzten Familiensystems.

    AntwortenAntworten
  6. 12
    Karl Hinkel sagt:

    Hallo und guten Abend,

    was meine Vorkommentatoren da berichten finde ich gar nicht mal mehr so extrem aufregend, obwohl es das ja objektiv ist. Im Kölner EinsLive-Sender des WDR sowie dem WDR-Fernsehen findet werktags nachts um 1.00 Uhr eine Talkrunde statt, wo kontinuierlich solche Geschichten berichtet werden.
    Persönlich habe ich viel von den Singer/Songwritern und deutschen Liedermachern gehabt, beginnend in den frühen 1970 ern. Danach, in den 80er Jahren fand ich Literatur aus dem Bereich der Co-Abhängigkeit, da Mißbrauchte – welcher Art dieser Mißbrauch auch immer gewesen sein mag – stark zu krankhaften Co-Abhängigkeitsbeziehungen neigen, ja diese geradezu suchen, ein Leben lang pflegen und verteidigen, auch wenn sie ruinös sind!
    Auf einem Blog habe ich begonnen, ein paar kurze Rezensionen dazu zu geben. Das ist allerdings gerade erst begonnen, wird aber Ende Februar fortgesetzt. Der Stress lauert überall und unentwegt. Im 10. Schuljahr Hauptschule war das rund um mich so unerträglich, dass ich diese Zeit – die meisten Mitschüler waren außer Rand und Band, weil sie mächtig begannen, Hormone zu produzieren – wie in Trance erlebte.

    Ein begabter Nachhilfeschüler erlebte diesen Stress vor wenigen Jahren ähnlich und ich um mir weitere unangenehme Details zu ersparen – das scheint sowieso in der breiten Masse, die sich stets auf dem kleinsten Nenner trifft, ganz normal zu sein – . Toll ist es immer, wenn es wirklich mal anders ist, sicherer, respektvoller, partnerschaftlicher, echter.

    Ich schrieb dem Jungen spontan ein Lesezeichen und ich bin sicher, er würde mir erlauben, dies hier wiederzugeben:

    An Diamo II

    Geh hin, wo du atmen kannst,
    Wo sie tanzen, turnen, turtelnd schrein.
    Du fühlst, wer die Sehnsucht stillt, der will nicht,
    Dass dein Herz in Mikrokristalle zerbricht.

    Geh hin, wo du singen kannst,
    Von dem, was du willst und brauchst und gibst,
    Wenn du dann endlich den einen triffst,
    Steh dahinter, dass du ihn liebst.

    Geh hin, wo du vergessen kannst,
    Was gestern die Kräfte dir nahm.
    Als das Reiten mit Rückenwind
    Dir so unendlich fremd noch vorkam.

    Geh hin, wo die Stimmung stimmt,
    Die Flipper flippern, kein Flopper mehr floppt.
    Stell dich an beim guten Wein dort,
    Wo keiner die Selbstachtung dir nimmt.

    Geh hin, wo die Angst regiert,
    Dummheit, Unterdrückung und Not.
    Sag dass sie atmen solln,
    Sonst sind sie heute schon tot.

    Weil man sich selbst nur leben kann,
    Aus dem Unterholz treibend ans Licht,
    Egal, was die andern tun,
    Verliere dich nicht.

    Ja, weil jeder ein Kosmos ist,
    Sind Übergriffe jedweder Art, die
    Verbalen, tätlichen, sexuellen
    Im Meer des Lebens erstickenden Wellen.

    Wie ein Sandfisch kannst du mit geschlossenen Augen noch sehn,
    Wo die Ängste der Fremden auf deinem Rücken sich drehn.
    Zumindest gibt es dir frischen Wind,
    Wenn du weißt, dass es ihre eigenen sind.

    Auf keinen Fall füge der Unterdrückung der Welt
    Die Selbstunterdrückung hinzu -
    Abhängig seien wir alle, sagen sie,
    Fragt sich nur wovon und wozu.

    Vom Brandgeruch zum Schmuseduft,
    Vom Vakuum zur Sommerluft,
    Ungewollte Kinder mit Goldlavablut
    Und Bambusflechtwerksherzen.

    KH/06.06

    Lieber LordDavid, Jonathan, Immo, Susanne und die unzähligen anderen, von der tiefsten und kräftigsten Stelle meines Herzens wünsche ich allen viel Kraft und die Befreiung von aller Angst und allem, was daran hindert, ein kompetentes, autonomes und glückliches Leben in Gesundheit und Wohlergehen zu führen. Und schafft Ihrs nicht allein, sucht Euch Hilfe.

    AntwortenAntworten
  7. 11

    @LordDavid: Das ist ja das Fatale an schlimmen Kindheitserinnerungen oder Traumatisierungen. Sie wirken unbewusst fort bzw. tendiert man dazu, diese immer wieder mit anderen Menschen zu reinszenieren. Deshalb ist Therapie hier fast immer wichtig, um diesen Teufelskreis zu unterbrechen.

    Danke für Ihre Offenheit.

    AntwortenAntworten
  8. 10
    LordDavid sagt:

    Mein Vater hat mich missbraucht, vergewaltigt über viele Jahre meiner Kindheit und trotz alldem empfinde ich keinen Hass für diesen Mann. Die Folgen auf mein heutiges Leben sind fatal, ich traue bzw. vertraue keinem Menschen. Wenn ich es doch versuche (was nicht oft passiert), dann kann man mich sehr schnell verletzen, oft schon durch ein falsches Wort oder auch durch schweigen. Ich weiß oft nicht was richtig und was falsch ist im Leben. Ich projeziere meinen Erlebnisse die ich in der Kindheit hatte, auf die Menschen um mich herum. Die Welt und das Leben erscheinen unreal. Ich habe durch die Schläge und Schreie von damals immer das Gefühl, ich könnte nichts richtig machen im Leben. Jeder Diskussion versuche ich aus dem Weg zugehen. Von meinem Vater habe ich immer nur gehört, ich wäre nichts wert, wäre zu nichts zu gebrauchen. Das glaube ich in meinem Inneren noch heute. N

    AntwortenAntworten
  9. 9

    @ Jonathan: Ein ganz wichtiger Punkt, den Sie da zitieren, warum es ungemein wichtig ist für eine persönliche Veränderung, aus der Opferposition herauszukommen.

    So “richtig” sich da anfühlen mag, den Vater oder die Familie anzuklagen und seine Wut auf sie zu richten: wenn man das zu lange macht, bleibt man darin stecken. Denn es verbindet einen mit dem Täter, es hilft nicht, sich zu lösen.

    Vielen Dank für Ihre zahlreichen, immer sehr kenntnisreichen Kommentare.

    AntwortenAntworten
  10. 8
    Jonathan sagt:

    Das Problem mit der Suchvaterschaft ist ja nicht nur auf Vater und Sohn begrenzt. Sie blasen sich auf, fallen in sich zusammen, flüchten und verstecken sich. Dann schreien sie gleichzeitig alle nach Beachtung, irgendwie und irgendwann alle drumherum und mittendrin.

    Bei uns war das so, dass eine ganze, riesige, an sich grandiose Großfamilie mit wertvollen, faszinierenden jungen und älteren Menschen daran völlig zerbrach. Auch der Älteste war nichtleiblich und als dieser begann, Fragen zu stellen, wurde er geopfert. Von seiner eigenen Mutter, die den Jungen dann mißbrauchte, um von ihrer Alkoholkranheit abzulenken.

    Ihm wurde bald in der Dorfkneipe vermittelt, dass sein Leiblicher ein Politischer war, Zwangsarbeiter, der im Nachbarort in der Fabrik arbeitete und nach dem glücklicherweise verlorenen Kriege noch ein paar Jahre blieb, hauptsächlich um ihn, den Erstgeborenen zu zeugen.

    Mittlerweile habe ich gelernt, dass sich sowohl Mütter, wie auch Väter eher in Scheiben schneiden lassen, als zu einer Klärung beizutragen. In unserem Falle wurde der Älteste geopfert, in ein Erziehungsheim gesteckt – oh, was das damals bedeutete – weil er, um Aufmerksamkeit zu bekommen in die Kuhmilchkanne vom Ackermann gekackt hatte mit 14.

    Lieber nahm man tägliche, nein täglich nächtliche Eskalationen in Kauf, bis Blut floß, als einfach diesem Klassejungen zu sagen: “Ja, so ist es, fahr hin zu ihm, solange es geht, ja, du hast Recht. Du bist in Ordnung und wir haben dich lieb.” Nein, es war anders. [Tatsächlich bestätigte mir sein Klassenlehrer später: "Das war der Hellste, der Feinste und Klügste von allen, zuverlässig und korrekt. Den habe ich geschätzt wie meine eigenen."]

    Sie haben es alle drauf ankommen lassen. Bis alles platt war. Alle waren letztlich schwer krank. Alles endete in Eskalationen, Dauerstress für eigentlich alle, Schuldzuweisungen, totalen Brüchen emotionaler Beziehungen, wirtschaftlichen Zusammenbrüchen, Verlust an Kommunikation und Realität. Sie fielen wie die Dominosteine.

    Dann bin ich doch nicht Psychologe geworden, auch kein Sozialpädagoge sondern Ingenieur. Aber heute fühle ich mich sehr wohl damit, ingenieurmäßig komplexe Psychologie verstehen zu können. Nach langer Suche und Bemühungen, fand ich kürzlcih dies:

    (und es ist sehr praktisch, legt quasi die geistige Hand an einen Schalter)

    “Mit einer vorwurfsvollen Einstellung gerät man in einen Prozeß von Anschuldigung. Man glaubt, die Probleme aufgrund dessen zu haben, was jemand einem antat, und damit hat es sich. Es wäre, als sagten Sie: `Ich bin aufgrund dessen, was du mir angetan hast, wie ich bin, daher bin ich hilflos und kann mich nicht ändern. Alles ist deine Schuld. Ich konzentriere mich nur darauf, was du getan hast und werde diesen Standpunkt nicht aufgeben.´ Schuldzuweisungen fesseln Sie an die Person, die Sie mißhandelte, und macht Sie abhängig von einer möglichen Änderung dieser Person, damit Sie geheilt werden. Das gibt alle Macht dem Aggressor und macht Sie, das Opfer, hilflos und nimmt Ihnen die Fähigkeit, sich zu schützen oder zu ändern. Schuldzuweisungen halten Sie in der Krankheit befangen und verschlimmern sie vermutlich.
    [und dieser Mechanismus wird noch dadurch stärker] …da hinreichend dokumentiert ist, dass Menschen, die in gestörten Familien großwurden, als Erwachsene oft Beziehungen mit Menschen suchen, die die gleiche emotionale Atmosphäre wie in ihrer Ursprungsfamilie schaffen. Wenn Sie nicht zurückgehen und überprüfen, was geschah, ist es praktisch unmöglcih, sich die gestörte Dynamik in der gegenwärtigen Familie (Beziehung…) anzusehen.” Pia Mellody, Verstrickt in die Probleme anderer, München 1998, S. 137 + 140

    Die technische Analogie dazu, wie man den Weg heraus findet, ist der Impuls, der Schaltvorgang, der den Teufelskreis stoppt. Ein Riesenthema. Eine Riesenaufgabe. Aber ich kann persönlich allen nur von ganzem Herzen versichern:
    Es lohnt sich. Jonathan

    AntwortenAntworten
  11. 7

    @immo: Hallo Immo,
    ja ein großes Thema, das sehr tabuisiert wird.

    In Ihrem Falle finde ich es gut, dass Sie den Mut fanden, nachzuforschen und tatsächlich auch noch Ihren Vater kennenlernten, wenn auch nur kurz. Man darf sein Leben nicht auf einer Lüge aufbauen, das wirkt auf unergründliche Weise immer auf die Seele. Man spürt etwas – und kann es erst erklären, wenn man die Ursache herausgefunden hat.

    Danke für Ihren Kommentar.

    AntwortenAntworten
  12. 6
    immo sagt:

    Ja – eine sehr wichtige Frage.
    Für mich gehört noch der Kuckucksvater dazu, der zunächst nicht benannt wird und dadurch abwesend ist, genauer gesagt oftmals einfach durch einen anderen ersetzt wird. Und oft kommt die Wahrheit dann doch ans Licht, aber meistens erst sehr spät – manchmal zu spät oder erst wenn alle Beteiligten tod sind.
    Bei mir war es so, dass ich immer besondere Probleme mit “meinem” Vati hatte, der irgendwann dahinter kam, dass er nur der juristische – aber nicht der leibliche – Vater ist und er hat versucht, die Vaterrolle zu spielen, aber ich erlebte ihn als nicht ganz anwesenden Vater.

    Ich hatte dann eines Tages – mit Mitte 40 – allen Mut zusammen gefasst, bei meinem Vati mal genauer nachzufragen, was er EIGENTLICH über mich denkt (denn ich spürte da immer eine gewisse Distanz) und nach der Mitternachtsstunde und etwas Alkohol hat er “ES” mir dann offenbahrt und auch den Namen des “Erzeuges” genannt – meine Mutti hat es weiterhin abgestritten aber schließlich sind wir dann gemeinsam zum fraglichen Papa gefahren und dann haben sie “ES” gemeinsam zugegeben; leider konnte ich ihn nur einmal sehen, denn er ist dann bald gestorben und kurz darauf dann meine Mutti.

    Also bei mir war der juristische Vater zwar da, aber eigentlich abwesend und der leibliche Papa – der wußte, dass er der Erzeuger ist – war abwesend (weil meine Mutti es so wollte), aber er war sich seiner Vaterolle bewusst.
    Es soll ja etwa zehn Prozent Kuckuckskinder geben, aber das ist immer noch ein großes Tabu. Meine große Hoffnung ist, dass dieses Thema endlich mehr thematisiert wird, weil es doch so viele betrifft, die sich aber oft nicht trauen darüber zu sprechen.

    AntwortenAntworten
  13. 5

    Hallo Jonathan,
    eine ganz schlimme Geschichte, die Sie erzählen. Das Prägendste eines solchen Schicksals ist, meiner Erfahrung mit Menschen nach, das erworbene Mißtrauen. Wenn man entdeckt, dass einen die eigenen Eltern über etwas so Basales wie die eigene Herkunft über Jahre belogen oder im Ungewissen gelassen haben, ist eine enorme Hypothek für das spätere Leben.

    Wem oder was kann man im Leben noch trauen oder vertrauen, wenn man so früh so lange hinters Licht geführt wurde. Und dies meist noch aus Gründen, die nicht wirklich gewichtig sind. Meist geht es ja bei den Gründen um das Bild, die Fassade nach außen, um das Vermeiden sogenannter “Schande”.

    Gut, dass Sie trotz – oder vielleicht auch ein Stück deswegen – Ihren Weg und Ihre Basis im Leben gefunden haben. Danke für Ihren sehr persönlichen Kommentar.

    AntwortenAntworten
  14. 4
    Jonathan sagt:

    Eigentlich gibt es seit über 2000 Jahren keine Jungfrauengeburten mehr. Aber trotzdem haben viele Kinder keinen Vater. Er ist nicht da, obwohl im Raume anwesend, vielleicht sogar zu häufig. Das Kind möchte ihn, den Vater. Aber der möchte es nicht, das Kind.

    Kinder, die der Krieg zurücklässt, die nennt man Kriegswaise.
    Kinder, die man am Straßenrand findet, nennt man Findelkinder.
    Kinder, die ihren Vater nicht kennen nennt man Kuckuckskinder.
    Kinder, die man in der Kinderklappe findet, nennt man Klappenkinder.
    Kinder, die ihre Abtreibung überleben nennt man Überlebenskünstlerkinder.

    Alle diese Kinder können Diplomsportler, Ingenieure oder Präsidenten werden.
    Deshalb gibt es auch keinen Mitleidsbonus. Mit Spätabtreibungen hat sich im vergangenen Spätsommer der Deutsche Bundestag beschäftigt. Das war nicht wichtig. Aber Betroffenheit ändert alles. Dann will ich mal erzählen:

    Der Vater war der Großvater, wie ich später erfuhr. Gott sei Dank, war doch ein patenter Typ. Unbeschreiblich fähig. Aber eines konnte er nicht dort. Er konnte nun mal nicht dazu stehen, dass er mein Vater war. Er saß täglich neben mir am Küchentisch. Mehrmals, stundenlang. Meine Kinderseele hatte diese Empfangsfrequenz für Echtheit, für starke Gefühle.

    Der andere, den sie mir da als Papa anboten, der wollte mich ja nicht. Verständlich, seine Mutter, die Oma, hatte ihm ja alles gesteckt. Die Oma ist fast verrückt geworden. Papa, oh dieses Wort konnte ich niemals aussprechen, wie auch er meinen Namen nie benutzte. Er sagte He, Schneller, Los, Mach und Lass das! Selbst schulte ich gezwungener maßen meine Rhetorik, weil ich alles sagen konnte, nur eben nicht Papa oder Mama.

    Psychologen kennen das Problem der Übertragungen von Gefühlen, Gefühlsstrukturen. Ganze Paradigmen werden so auf Kinder übertragen. Was überträgt sich da wohl vom Leiblichen, der immer in der Nähe, sich doch niemals zu erkennen zu geben gewillt ist, außer Angst, wohl nur Angst und Verwünschungen. Weg mit dem Problem. Dann kann ich alter Mann mal wieder atmen. Dann kann ich mal, vielleicht noch eine Weile ohne diese Angst.

    Und die Ersatzfigur, der Nichtleibliche? Der konnte ja wohl nicht anders, da Blut, sein Blut ja bekanntlich dicker als Wasser ist. Und da überträgt sich Wut, blanke Wut. Dieser Bastard! Hilflosigkeit ringsum. Oft im ganzen Dorf, wobei die Dörfler doch meist alles wissen, der Betroffene nichts. Der bekommt ein wenig müdes Mitleid. Ihm bleibt die Verwirrung, das Suchen, die Verzweiflung. Dann überträgt sich diese Stimmung auch. Frage:

    Was sind echte, die eigenen Gefühle? Und was die fremden, übertragenen? Oft ist noch die helfende Oma da, die sich müht. Meist vergeblich, da das Kind ja schon vor der Geburt tief im Brunnen lag. Selbsthelfer sagt man oft zu mir. Was soll man auch machen? Man sieht nur, was man kennt. Nur Betroffene können das verstehen und kennen die Bezeichnung dafür: Stress.

    So erkennen sich die Kinder am Gang. Ein Leben lang. An der Augenfarbe. Sie machen Karriere, schuften, da ein Blick. Und viele Erwachsene, Ältere, Manager, Macher, Stressgeplagte begannen mir nach dem besagten Blick ihre Geschichten zu erzählen. Den einen fand man am Wegesrand. Der war wie aufgezogen. High Tech und Management.

    Eine fand man als Kind in einem brennenden Haus. Die Eltern waren nicht auffindbar. Vor Feuer und Kind geflohen. Karriere als reisende Dolmetscherin im Ministerium. Ein Leben in Stress ist sie heute spindeldürre und verbraucht. “Vielleicht habe ich noch was vom Leben. Aber wie?”, sagte sie zu mir. Ich muss die Beispiele hier enden.

    Psychologie und Sozialpädagogik war mal mein Ziel. Praktikum im Altenheim. Diese unaussprechliche Unansprechbarkeit. Diese Depression. Dann wusste ich, dass ich niemals in ein Altersheim möchte. Um keinen Preis. Das ist beeinflussbar. Dann Zivildienst in einem Kinderheim. Da wollte ich schon immer gerne hin. Als ich noch ganz klein war. Doch das war unbeeinflussbar. Niemand holte mich. Ich schrie ja nur nach innen. Wer sollte das hören?
    Doch die Kinder in dem Kinderheim lehrten mich die Unvergesslichkeit von Liebe und Verlässlichkeit. Sie sind der Anfang und Licht. Warum sieht man das nicht?

    ´87 kaufte ich vom Coron Verlag “Die Großen”. Das sind die Biographien der Besten, der ganz großen Wissenschaftler, Künstler, Philosophen, Innovatoren. Geistesgrößen. Ich studierte fleißig. Von vielen weiß man das genaue Geburtsdatum nicht. Bei anderen kennt man den Vater nicht, oft auch nicht die Mutter. Vertrackte Familienverhältnisse immer wieder, von Wissenschaftsautoren unserer Zeit akribisch dokumentiert.

    Und dann immer wieder dort zu finden, wie viel Ignoranz und Widerstand diesen begabten, begnadeten Menschen entgegen wirkte. Irgendwie befinde ich mich in guter Gesellschaft. Morgens wache ich mit einem Bewusstsein auf, so groß wie ein Fußball. Und Wachheit so groß wie ein Baseball und Gestaltungsvermögen wie ein Medizinball. Alle drei Komponenten werden sich zu Fesselballonen entwickeln. Allen Segen für Euch alle hier. Jonathan

    AntwortenAntworten
  15. 3

    Hallo Susanne,
    in Familienaufstellungen fällt ja öfters der Satz von der “Treue zu den Eltern.” Was damit wirklich gemeint ist und wie sich das im Leben eines erwachsenen Kindes konkret auswirken kann, haben Sie in Ihrem Kommentar sehr gut beschrieben.

    Es stimmt auch, dass eine rationale Einsicht in solche innerseelischen Zusammenhänge nur erlebt werden kann. Liest man das nur, hält man es schlicht für Psychogequatsche. Deshalb halte ich es bei meiner Arbeit für so wichtig, erlebnisaktivierend zu arbeiten. Man muss an die Gefühle herankommen und dann erlebt man, wie Sie es schreiben, dass es diese Treue oft gibt. Und dass sie einen auf absonderliche Wege im Leben führen kann.

    Danke für Ihren Kommentar.

    AntwortenAntworten
  16. 2
    Susanne sagt:

    Mein Vater ist vor 21 Jahren verstorben. Ich dachte lange, ich hätte das verarbeitet, da ich zu ihm immer ein gutes Verhältnis hatte. Die Verhaltensmuster, die ich jedoch im Laufe meines Erwachsenwerdens an den Tag legte, u.a. selbst der Umgang mit Geld, waren geprägt von der Treue zu meinem abwesenden Vater.

    In meinen erkenntnisreichen Sitzungen bei meinem Therapeuten kristallisierte sich heraus, dass die Männer, mit denen ich eine Beziehung geführt habe, gewissermaßen Weise eine Reinszenierung der Beziehung zu meinem oft geistig abwesenden Vater waren. Zum einen bin ich interessanterweise nur mit Männern in einer längeren Beziehung gewesen, die selbst einen ungeklärten Vaterkonflikt hatten, bei denen ich versuchte zwischen Vater und Sohn zu vermitteln, damit das Verhältnis dort in Ordnung kommen konnte.

    Was ich dabei nicht realisiert hatte war, dass ich den Tod meines eigenen Vaters nicht verwunden hatte, da ich ihm gegenüber noch Schuldgefühle hegte und somit meine Partner zur unbewussten Projektionsfläche machte. Zum einen hatte ich Schuldgefühle, weil ich meinen Vater nicht vom Sterben retten konnte, zum anderen weil ich mich in den Jahren, in denen er schwer krank war, nicht immer wie eine liebevolle Tochter verhalten habe.

    So habe ich mich unbewusst auf Männer eingelassen, bei denen ich dann versuchte den Heilungsprozess zwischen ihnen und deren Vätern in Gang zu bringen (was übrigens tatsächlich funktionierte), aber meine Beziehung zu den Männern auf eine andere Ebene stellte & ich zwangsläufig eine völlig inadäquate Rolle eingenommen hatte.

    Die letzte Beziehung, die ich eingegangen war, fand mit einem gebundenen Mann statt, also wieder jemand, der im Endeffekt nicht 100% anwesend für mich sein konnte. Sieht so aus, als hätte ich versucht meinem Vater in meinem tiefsten Inneren viele Jahre treu zu sein, indem ich mir eben keinen Mann ausgesucht habe, mit dem ich eine tragfähige Beziehung führen konnte, sondern eher Situationen mit ihnen erlebte in denen ich am Ende doch das Meiste alleine managen musste. Es war kein Mann dabei, der für mich richtig präsent war.

    Aber ich kann auch anders…sollte ich in ferner Zukunft wieder eine Partnerschaft führen, dann weiß ich wird es diesmal etwas von Dauer sein & der Mann wird zu mir passen :-)
    Von alleine wäre ich sicher niemals zu diesen einleuchtenden Erkenntnissen gelangt, und ich bin von daher sehr glücklich darüber, dass ich die notwendige Unterstützung und Hilfe durch & mit meinem Therapeuten gefunden habe.

    Was bei mir insbesondere hängen geblieben ist, dass man diese Zusammenhänge zwar wunderbar kognitiv verstehen kann, das sie aber noch lange nicht die Lösung zur Verhaltensänderung bedeuten, denn diese findet wahrlich auf einer tieferen Ebene statt und die braucht ihre Zeit!

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  17. 1
    peter sagt:

    Interessanter Beitrag, ein ähnlicher über die Probleme ohne Mutter fände ich im Vergleich dazu interessant.

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