Zwiegespräche – besser als Wohngemeinschaft, Viagra oder Scheidungsanwalt.

karotte small photocase717631349875 Zwiegespräche   besser als Wohngemeinschaft, Viagra oder Scheidungsanwalt. In meiner Arbeit in Seminaren und Coachings, wo es meist um berufliche Themen geht, stoße ich häufig auf Probleme im Privatleben.

Sei es dass ein Paar ständig streitet, und der Mann deswegen lieber dringende Überstunden im Büro ableistet.

Oder dass seit der Geburt der Kinder die ganze Fürsorge deren Wohl gewidmet ist, und als Folge eines eingeschlafenen Sexuallebens das Paar mehr einer Wohngemeinschaft ähnelt. Und Mami und Papi ihre ganze Leidenschaft ökologischen oder schulischen Fragen widmen – anstatt die selbe Energie der Paarbeziehung zuzuführen.

Klassisch ist auch der erfolgreiche Manager 40plus mit Zweitwagen, Zweitwohnung und heimlicher Zweitfrau.

Frage ich diese Menschen nach ihrer Erklärung für diese Entwicklung, kommen meist die üblichen Antworten (auseinander gelebt, zu wenig Gemeinsamkeiten, stressiger Job). Bei denen, die das Nebeneinanderher-Leben bedauern und noch eine Portion Verbundenheit, Interesse oder Liebe da ist, empfehle ich, Zwiegespräche zu führen.

Da dabei immer wieder Unklarheiten auftauchen, will ich dazu in diesem Beitrag die wesentlichen Fragen beantworten.

Wann sind Zwiegespräche sinnvoll?

Zwiegespräche sind etwas ganz anderes als “normale” Gespräche. Sie brauchen Zeit, haben eine feste Struktur und sind vor allem in diesen Fällen sinnvoll:

    • Wenn Sie als Paar sich immer wieder in fruchtlose Machtkämpfe verstricken.
      Sie kennen schon die Argumente des anderen – und sie wissen auch schon, was Sie sagen werden.

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  • Wenn Sie zu einem Thema unterschiedliche Auffassungen haben und eine gemeinsame Entscheidung brauchen.
    (Urlaubsziel, Finanzen, Kindererziehung etc.)
  • Wenn Sie Ihre Beziehung vertiefen wollen.
    Wenn Ihre Kommunikation hauptsächlich der Alltagsorganisation dient und Sie gar nicht mehr wissen, was den anderen beschäftigt.
  • Wenn Sie sich in der Beziehung v.a. als Rollenträger/in fühlen und selten als Mensch fühlen.
    Rollen wie Ernährer, Mädchen für alles, Sündenbock für alles, Dienstbotin etc.
  • Wenn Sie sich nicht trauen, konflikthafte Themen anzusprechen.
    Konflikte sind normal. Bei einer schlechten Streitkultur werden notwendige Auseinandersetzungen aber eher gemieden, weil zumindest ein Partner glaubt, dass er ohnehin die schlechteren Karten hat.
  • Wenn Sie Leichtigkeit, Lust und Spaß in der Beziehung vermissen.
    Nehmen die Pflichten überhand, wird das Leben mit der Zeit freudlos und langweilig. Das Beziehungsmodell “Wohngemeinschaft” zur Kinderaufzucht und Hypothekentilgung ist zwar über lange Zeit oft erstaunlich stabil – solange nicht einer außerhalb der Ehe entdeckt, dass er zu lange nur funktioniert hat und plötzlich lebendig wird.
  • Wenn sexuelle Lustlosigkeit sich über lange Zeit hinzieht.marin conic fotoliacom fotolia small Zwiegespräche   besser als Wohngemeinschaft, Viagra oder Scheidungsanwalt.
    Ich glaube nicht, dass der Grund dafür in unserer übersexualisierten Welt liegt oder dass die Medien schuld sind oder dass es die emanzipierten Frauen, die uns Männer unter Druck setzen …
    Vielmehr betrachte ich nicht-organisch bedingte Impotenz oder weibliche Lustlosigkeit meist nicht als das eigentliche Problem. Sondern für eine kreative – unbewusste – Lösung für einen Konflikt. Statt einem Nicht-Können ein Nicht-Mehr-Wollen. Also ein nicht angekündigter Streik. Und Streik ist die Waffe derer, die sich hilfloser fühlen (nicht sind). Deswegen sind Viagra und Co. auch nur ein Mittel, damit “er” (man) wieder funktioniert. Konkreter: Impotenz ist kein Viagra-Mangel auch wenn es hilft. So wie ja auch Kopfweh keinen Aspirinmangel anzeigt, auch wenn eine Tablette oft hilft.
    Mit Zwiegesprächen kann man nach einer Weile an den wahren Streikgrund rühren. Doch das braucht länger.
  • Wenn sich das gemeinsame Leben deutlich ändert.
    Phasenübergänge sind immer kritische Zeiten. Das erste Kind, Krankheiten, Umzüge, älter werden, Auszug der Kinder, Pensionsgrenze. Wenn man nicht mehr weiter machen wie bisher, hilft es, miteinander über das Erlebte zu sprechen.


Wer kann Zwiegespräche führen?

In diesem Beitrag richte ich mich vor allem an Paare. Doch die Methode ist nicht auf Mann und Frau beschränkt. Ich habe Zwiegespräche schon in ganz unterschiedlichen Situationen empfohlen. Zum Beispiel für:

  • Erwachsene mit den eigenen Eltern oder auch Schwiegereltern.
    Gerade in dieser Beziehung spielen ja oft die Themen Abgrenzung, Einmischen, Loslassen u.a. eine große Rolle, die schnell zu Grundsatzfragen aufgebauscht werden (“In meiner Generation”, “Früher galt …” “Wir meinen es nur gut”). Muss von jedem die andere Meinung vor allem abgewehrt werden, bleibt das gegenseitige Verständnis, warum der andere so handelt, auf der Strecke.
  • Eltern mit heranwachsenden Kindern.
    Die Pubertät ist v.a. eine Zeit, wo unterschiedlichen Werte, Normen und Verhaltensweisen aufeinander prallen. Drohungen und Sanktionen greifen nicht mehr oder sind unangemessen. Was jetzt übrig bleibt, ist die Beziehung – und die gemeinsame Kommunikation. Da in der Pubertät Identitätsfragen und Trennungsthemen unbewusst mitschwingen, sind die Gefühle aller Beteiligten stark und hoch ambivalent. Zwiegespräche ermöglichen zuweilen den Weg zu einem gegenseitigen Verständnis bzw. Respekt, wenn man dasselbe entgegen gebracht bekommt.
  • Führungskraft und Mitarbeiter
    Das braucht natürlich einen Vorgesetzten, der sich nicht hinter seiner hierarchisch übergeordneten Rolle verstecken muss. Und es braucht einen Mitarbeiter, der bereit ist, sein Feindbild (Idiot, Menschenschinder, Technokrat) mal eine Weile auf die Seite zu stellen, um vielleicht zu erkennen, dass sein Chef (seine Chefin) auch ein Mensch mit Gefühlen und Empfindlichkeiten ist.
  • Mitarbeiter in einem Team.
    Zwiegespräche kann man auch verstehen als Mediationgespräch – ohne Mediator. Oder als Schlichtung ohne Schlichter. Die Funktion des Dritten und die dadurch oft eintretende Beruhigung oder Versachlichung der Parteien übernimmt bei Zwiegesprächen die feste Struktur und die Disziplin der Beteiligten, sich an diese Struktur zu halten.


Wie führt man ein Zwiegespräch?

Die Grundregeln sind einfach aber wirkungsvoll. Ich empfehle daher, sie strikt einzuhalten. Dass man Zwiegespräche “braucht”, ist ja ein Zeichen dafür, dass man das, was durch die Regeln bewirkt wird, so spontan im Gespräch nicht tun kann.

  • Mindestens einmal in der Woche eine Stunde Zeit.
    Wer im Urlaub ist, kann es auch öfter tun. Aber die Regelmäßigkeit ist wichtig. Zu oft bringt auch nichts. In den Zeiten zwischen den Gesprächen wirkt das Gesagte und Gehörte nach.
  • Einander gegenübersetzen.
    Nicht im Freien, nicht beim Spaziergang. All dies lenkt zu sehr ab und stört den intimen Raum.
  • A spricht, B hört zu.
    Jeweils zehn Minuten spricht A und B hört zu. Nach zehn Minuten Wechsel. Dann spricht B und A hört zu. In einer Stunde kommt also jeder dreimal dran mit Sprechen und Zuhören.
    Sprechen heißt, von sich sprechen. Am besten als Antwort auf die selbstgestellte Frage: “Was mich zur Zeit stark beschäftigt.”
    A spricht darüber, wie er sich, den anderen, die Beziehung und sein Leben erlebt. A muss nicht die ganze Zeit sprechen. Das Schweigen und Spüren, was A im Schweigen erlebt (Unruhe, Unwohlsein, Druck, Ruhe, Orientierungslosigkeit) kann A äußern.B hört zu. B überlegt also nicht, was er darauf erwidern könnte. B denkt nicht darüber nach, was ihn zur Zeit stark beschäftigt. B ist beim anderen – und bei sich. B urteilt und wertet nach Möglichkeit nicht. B hat die innere Haltung eines Völkerkundlers, der die Ansichten und Gebräuche eines fremden Volkes kennenlernen will (“Ist ja interessant!”)
  • Keine Fragen, keine Kommentare.
    Beides ist nicht erlaubt, auch keine nonverbalen Kommentare wie hörbares Ausatmen, Augenverdrehen, Kopfschütteln.
    Das ist überhaupt das Heilsame der Struktur der Zwiegespräche, das mir immer wieder berichtet wird. Jeder kann sprechen ohne unterbrochen, kritisiert, angegriffen zu werden. Und jeder darf zuhören, ohne gleich eine Meinung dazu haben zu müssen.
  • Jeder spricht, worüber er/sie sprechen möchte.
    Zwiegespräche sind keine Beichte, haben keinen Offenbarungszwang. Jeder ist so offen, wie er sein möchte. Jeder ist frei in der Wahl seines Themas. Wenn A in seiner Sprechsequenz über Thema X spricht, muss B in seiner Sequenz nicht darauf antworten. Er kann es aber tun.
  • Nach dem Zwiegespräch kein Nachkommentieren.
    Am besten, man trennt sich für eine Weile, lässt das Erlebte in sich wirken, schreibt etwas auf. Ein Zwiegespräch ist ein Spiegelbild der Beziehung. Offen, unfertig, voller Möglichkeiten – ein immerwährender Prozeß. Mit einem Ziel aber ohne ein Ende.

Wie kann man mit Hindernissen umgehen?

Aus meiner Praxis mit Klienten kommen häufig diese Fragen:

  • Was tun, wenn einer Zwiegespräche will und der andere nicht?
    Es ist nützlich, die Widerstände zu untersuchen. Dabei helfen Rationalisierungen wenig weiter (“Ich rede nicht gern, ich mache lieber.” “Was soll uns dieses Psychgelaber bringen.”) Vielmehr müssen die dahinterliegenden Ängste gespürt und geäußert werden. Die beste Form dafür wäre – paradoxerweise – ein Zwiegespräch.
    Manchmal steht hinter einer Weigerung, zumal wenn keine bessere Alternative genannt wird, bereits die indirekt geäußerte Botschaft, nichts mehr investieren zu wollen. Das kann man ansprechen.
  • Wir finden einfach keine Zeit für gemeinsame Zwiegespräche.
    Das ist eine Ausrede. Oder die besser klingende Aussage, dass einem alles andere wichtiger ist. (Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Gründe.) Wenn Sie sich das Bein brechen würden, hätten Sie auch die Zeit, ins Krankenhaus zu gehen.
  • Wir schaffen es nicht, die Zeiten einzuhalten.
    Das zeigt, wie schwer es Ihnen fällt, Grenzen zu respektieren und einzuhalten. Nehmen Sie einen Kurzzeitwecker dazu.
  • Ich kann nicht nur zuhören und unterbreche dann meinen Partner.
    Hieraus können Sie ersehen, wie schwer es Ihnen fällt, andere Meinungen und Standpunkte stehen zu lassen und dass sie wenig inneren Raum für Verschiedenheit haben. Im Zwiegespräch können Sie lernen, dass Ihre Weltsicht nur eine von Milliarden anderer ist und Sie nicht Recht haben (müssen). Wenn es nicht anders geht: Halten Sie sich den Mund zu – um sich ganz auf’s Zuhören zu konzentrieren.
  • Ich kann nicht offen sprechen, wenn mein Partner mich anschaut.
    Zwiegespräche können trotz der distanzierenden Struktur eine neue Nähe zwischen dem Paar ermöglichen. Manchmal, wenn man den Anderen vor allem als Projektionsfläche für eigene abgewehrte Gefühle braucht, kann der Anblick des Anderen – und dessen Reaktionen – für einen hinderlich sein. Probieren sie aus, sich Rücken an Rücken zu setzen.

Die Kommunikationsmethode der Zwiegespräche haben Michael Lukas Moeller mit seiner Frau Célia Maria Fatia entwickelt.

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Seine bekanntesten Bücher sind: Die Wahrheit beginnt zu zweit / Die Liebe ist das Kind der Freiheit. Sonderausgabe Zwiegespräche   besser als Wohngemeinschaft, Viagra oder Scheidungsanwalt.

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Und wie geht es Ihnen mit Ihrer Kommunikation?

Was halten Sie von Zwiegesprächen?
Als Paar? Mit Ihrem Chef? Ihren Mitarbeitern?
Welche Erfahrungen haben Sie schon mit Zwiegesprächen gemacht?
Gab es Hindernisse? Wie sind Sie damit umgegangen?
Welche Frage haben Sie zu der Methode?

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Fotos:
Karotte: binski photocase.com
Paar: © Marin Conic – Fotolia.com

 Zwiegespräche   besser als Wohngemeinschaft, Viagra oder Scheidungsanwalt.

11 Kommentare

  • Hallo Michael,
    empfehlenswert würde ich nicht sagen, aber machbar. Probieren Sie es aus!

  • Michael schrieb:

    Hallo Herr Kopp-Wichmann,
    ich hab diesen Beitrag gelesen und auch meiner Partnerin empfohlen.

    Wir würden das gerne probieren, leben aber zur Zeit in einer Fernbeziehung (Düsseldorf-Barcelona).

    Ist es möglich Zwiegespräche oder besser empfehlenswert auch über z.B. Skype mit Webcam zu führen?

    Gruß

    Michael Rutta

  • [...] Es sind keine Fragen, die man so zwischen Tür und Angel besprechen kann. Und auch nicht, wenn Ihr Partner gerade müde und gestresst von der Arbeit kommt. Besser ist es, sich dafür Zeit zu nehmen. Vielleicht im Rahmen eines Zwiegesprächs, wie ich es Paaren, die ihre Beziehung klären oder vertiefen wollen, gern empfehle. Hier das genaue Vorgehen … [...]

  • Monika Faatz schrieb:

    Sehr geehrter Herr Kopp-Wichmann,
    danke für diese interessante website.
    Selber führe ich seit drei Jahren mit meinem Mann Zwiegespräche, regelmäßig einmal in der Woche, wie sich das gehört. Und ich lehre die Zwiegesprächsmethode an der Familienbildungsstätte in Bergisch Gladbach. Morgen abend habe ich wieder einen Vortrag mit Übung.
    Sie beschreiben das Geschehen sehr anschaulich, möchte sagen, knackig.
    Paare die etwas auf sich halten, führen die Zwiegespräche ein ganzes Leben lang, in guten wie in schlechten Zeiten. Tja, es stimmt, es ist wie mit dem gesunden Essen und dem Fitnessstudio, man tut es oft erst, wenn es einem schlecht geht. Sie schreiben , Zwiegespräche seien gefährlich: ich erkläre das mit Glücksangst und Verlustangst. Glücksangst heißt, viele haben glaube ich nicht die Erlaubnis glücklich zu sein und deshalb wird auch den Zwiegesprächen wie dem Sport usw. ausgewichen, es tut uns gut und tja, dann hören wir damit auf, weil…
    Deshalb ist es auch so bereichernd wenn ein Barak Obama sagt: Yes, we can und we need a change.
    Danke für diesen belebenden Artikel, weiterhin viel Erfolg und vor allem Freude bei Ihrer Arbeit.
    Herzliche Grüße
    Monika Faatz
    PS.: führen Sie selber Zwiegespräche mit Ihrer Frau?

  • Noch ein Nachtrag aus einem Artikel von John Gottman aus Harvard Businessmanager
    Heft 02, Jahrgang: 2008, S. 92-98 über das Geheimnis erfolgreicher Beziehungen.

    Im Gespräch mit dem angesehenen Paarpsychologen John Gottman erfährt man einiges über erfolgreiche Beziehungen zwischen Mann und Frau. Die Übertragung auf ein erfolgreiches Miteinander im Unternehmen scheint allerdings etwas erzwungen. Trotzdem sind die Erkenntnisse sicherlich hilfreich, denn zufriedene private Beziehungen bedeuten sicherlich auch bessere berufliche Ergebnisse. Hier dessen Kernthesen:

    * Es ist enorm wichtig, häufiger “Ja” als “Nein” zueinander zu sagen.
    * Männer müssen bereit sein, die Macht mit ihrer Frau zu teilen.
    * Eine konfliktfreie Beziehung ist nicht automatisch eine glückliche Beziehung.
    * Bei den meisten Affären geht es nicht um Sex, sondern um Freundschaft und Anerkennung.
    * Je länger Menschen zusammen sind, desto mehr kehren Liebenswürdigkeit und Güte zurück.
    * Am wichtigsten ist es, Respekt und Zuneigung füreinander zu zeigen.
    * Männer müssen die zornige Seite ihrer Frau akzeptieren.
    * Kritik, ständige Abwehrhaltung, Ausweichtaktiken und Geringschätzung sind ein Garant für das Scheitern einer Beziehung.

    Fazit: Ein hochinteressanter Artikel, für alle die ihre Beziehungen verbessern wollen.

  • Hallo Manfred,
    ja, natürlich sind Zwiegespräche meist das kleinere Übel, wenn man wissen will, wie und was der Partner wirklich denkt und fühlt. Aber viele Paare leben hier auch lieber in einer Scheinwelt.

  • Manfred schrieb:

    Hallo Roland !

    In deinem Kommentar stecken m. E. zwei bemerkenswerte Thesen:

    1. “Zwiegespräche sind nicht komfortabel”

    Dazu kann ich wenig beitragen…Ich kenne eher die Alternative – und gerade DIESE war besonders wenig “komfortabel”…

    2. “Zwiegespräche sind gefährlich”

    Ja, dem stimme ich unter dem von dir genannten Aspekt zu. Ich stelle mir dann aber die (nicht moralisierend gemeinten) Fragen:
    Was ist eine Partnerschaft wert, die die Atmosphäre und Ehrlichkeit des Zwiegespräches nicht erträgt ?
    Steckte eine solche Beziehung nicht schon längst in der Krise ? Und hätte sie nicht schon längst des Zwiegespräches bedurft ?

    Ferner: Wie passt es zusammen, dass Zwiegespräche in der Beziehungskrise ein Heilmittel sind, in der Beziehungsharmonie jedoch eine Gefahrenquelle ? Die Antwort hierauf (und die Auflösung des Widerspruchs) könnte sich aus der Bejahung der vorstehend letzten beiden Fragen ergeben…

  • Hallo Manfred,
    ich bin völlig Deiner Meinung. Auch was die präventive Wirkung von Zwiegesprächen angeht. Doch bin ich skeptisch, dass es viele Paare so vorbeugend benutzen werden. Da ist es wie mit dem gesunden Essen oder der Bewegung. Bevor es nicht arg wehtut, sind wir Menschen doch schwer aus der Komfortzone herauszubringen.

    Man darf auch nicht vergessen: Zwiegespräche sind gefährlich!

    Zum einen können sie Nähe zum Partner schaffen. Zum anderen ist es schwer, wenn man den Standpunkt und die Gefühle des anderen hört und begreift, ihm weiterhin allein die Schuld für die miserable Beziehung zuzuschieben. Und vor allem: wenn beide Partner Zwiegespräche auch ehrlich genug angehen, kommt die “Wahrheit” über die Beziehung ans Licht. Getreu diesem Buchtitel: “Ich dachte, meine Ehe sei gut, bis meine Frau mir sagte, wie sie sich fühlt.”

    Danke für Deinen Kommentar, Manfred.

  • Manfred schrieb:

    Zum Kommentar von Arnulf Besser:

    Ich kann das voll unterschreiben. Die Zwiegespräche gehören m. E. in jede Ehe- und Familienberatung, darüber hinaus in die Ehevorbereitung, soweit es eine solche gibt. Was wäre es umso wertvoller gewesen, wenn das Ehegespräch, das wir vor der Heirat mit einem Priester führten, DIESEN Tipp enthalten hätte und nicht letztlich nur das, was wir schon aus dem Religionsunterricht wussten… Das Zwiegespräch hilft ja nicht nur in der Krise. Es ist bereits Prävention. M. E. sollte es von Anfang an regelmäßig und/oder nach Bedarf praktiziert werden. Es würde auch schon viel helfen, wenn die Partner wüssten, dass es dieses Mittel gibt, auf welches sie zurückgreifen können. Überdies ist es doch bedauerlich, wenn man vom Partner alles im Nachhinein erfährt, was womöglich über Jahre verborgen war.

  • Hallo Herr Besser,
    freut mich sehr, über die positiven Nachrichten von Ihren Erfahrungen zu lesen. Ich kann mich noch gut an Sie beide erinnern – und wie skeptisch Sie anfangs waren.

    Weiterhin alles Gute – und danke für Ihren Kommentar.

  • Arnulf Besser schrieb:

    Hallo Herr Kopp-Wichmann,
    in einer schweren Ehekrise als wir uns nur noch anschrien und die Türen flogen, bekam wir damals von Ihnen den Tipp mit den Zwiegesprächen. Ich war skeptisch, meine Frau war skeptisch. Was sollte dieses künstliche Format uns bringen? Andererseits, was hatten wir noch zu verlieren.

    Schon das erste Zwiegespräch war eine enorme Überraschung. Durch die Struktur fühlte sich keiner gedrängt, so schnell wie möglich zu sprechen, da man ja zehn Minuten Zeit hatte. Andererseits konnte ich auch viel besser zuhören, da ich nicht dauernd überlegt, was ich gegen das von meiner Frau Gesagte argumentieren konnte. Da ich in ihrer Zeit nicht sprechen sollte, konnte ich ruhiger zuhören.

    In der heftigen Krise machten wir die Zwiegespräche alle drei Tage. Und erfuhren Dinge voneinander, die wir in den zehn Jahren vorher nicht dem anderen mitgeteilt hatten.

    Ich bin fest überzeugt, ohne die Zwiegespräche wären wir heute nicht mehr zusammen. Herzlichen Dank nochmal.

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