Schwarmintelligenz – warum viele oft klüger sind als der Einzelne

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Psychologie

Wie können hunderttausend Stare ein Ballett am Himmel aufführen, während sie den Angriff eines Falken parieren?
Es geht.
Schauen Sie selbst:

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=b8eZJnbDHIg[/youtube]

Wie machen die Stare das? Wie verständigen sie sich in Bruchteilen von Sekunden, wohin der einzelne Star fliegen soll? Ohne Star-Chef, der das Ganze dirigiert? Dieses Phänomen heißt „Schwarmintelligenz“. Zuerst begegnete mir der Begriff im Sommerurlaub 2004, als ich drei Tage hintereinander den Wissenschaftsthriller „Der Schwarm“ von Frank Schätzing las. Und mit mir hunderttausend andere. Einigen wenigen hat diese Lektüre wenig später das Leben gerettet. Denn als sich am 26. Dezember 2004 im Indischen Ozean ein Tsunami ankündigte, wussten die Schwarm-Leser, dass wenn das Meer sich plötzlich hunderte von Metern zurückzieht, dies nicht der Moment für ein tolles Foto ist, sondern die letzte Gelegenheit, sein Leben zu retten. Man sieht: Lesen bildet eben doch.

Es gibt aber auch weniger gefährliche Anwendungsfelder der Schwarmintelligenz:

  • Warum gibt es bei Günther Jauch’s Publikumsjoker meist eindeutige Antworten?
  • Worauf gründet sich der Algorhythmus der Google-Suchmaschine?
  • Warum sind Wahlumfragen meistens zutreffend?
  • Warum schlägt kaum ein Aktienfond den dazugehörigen Index?

Alle diese Beispiele belegen, dass eine bestimmte Menge von Menschen oft klüger ist als der Einzelne aus dieser Menge. Vorausgesetzt, jeder Einzelne denkt und handelt unabhängig, die Gruppe ist groß und vielfältig genug – und hat das Vertrauen, dass ihre Meinung wirklich gefragt ist. Ganz gleich, ob es sich um die Schätzung des Gewichts eines Prominenten auf einem Stadtfest handelt, um die Suche nach einem vermissten U-Boot oder die Isolierung des SARS-Erregers geht: Gruppen finden die effektivere Lösung eines Problems. Jedes Jahr werden fünf Wirtschaftssachverständige um eine Einschätzung der Konjunktur in der Zukunft gebeten. Meist widersprechen sie sich. Diesselbe Frage nach der Stimmung in der Bevölkerung gibt oft eine präzisere Aussage.

Dieses Phänomen heißt „Schwarmintelligenz“. Wie im Ameisenstaat, im Vogel- oder Fischschwarm ist eine besondere Intelligenz bei keinem der beteiligten Individuen festzustellen. Jedes Einzelwesen verfügt über nur begrenzte Verhaltensweisen und vermutlich hat kein Hering besondere charismatischen Führungsfähigkeiten, um einen ganzen Schwarm zu leiten. Doch durch das selbstorganisierende Zusammenspiel der Individuen ergeben sich neue, intelligente Verhaltensmuster. Faszinierend zu sehen auch in dem Film „Die Reise der Pinguine“, wie eine Tierart in einem lebensfeindlichen Klima nur als Gruppe überlebt. Hier ein Filmausschnitt:

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=MB_GisVFboU[/youtube]

Weitere Beispiele von Schwarmintelligenz:

  • Eine Gruppe Jugendlicher, die sich per Handy verabredet, welche Orte sie im Laufe des Abends ansteuern wird. Interessant dabei, dass das Ziel vorher niemand genau weiß und keiner über die anderen bestimmt.
  • Bei Wikipedia finden sich hunderttausend ganz normale Menschen via Internet zusammen und verfassen die größte Online-Bibliothek. Auch hier wirkt die Masse als Korrektiv. Schreibt einer unwissend – oder absichtlich – etwas Falsches, wird sein Eintrag von anderen schnell korrigiert.
  • Bei einer Versteigerung, gleich ob sie bei Sotheby’s oder Ebay stattfindet, wird immer der für dieses Produkt derzeit „richtige“ Preis ermittelt. Genauso wie auf den Börsen der Welt täglich die aktuellen Preise für Rohstoffe oder Aktien ermittelt werden durch eine kleine Anzahl von Händlern, die aber in Kontakt mit vielen anderen Menschen außerhalb der Börse stehen.
  • Bei www.mwonline.de gibt es seit Jahren ein Online-Coaching. Jeder kann dort eine berufliche Frage stellen und verschiedene Coaches geben ihren Standpunkt dazu kund und geben konkrete Hilfestellungen.
  • Wie eine Handvoll Mittelständler sich zusammengeschlossen hat und gemeinsam von der Schwarmintelligenz profitiert, lesen Sie in diesem Artikel bei brandeins.

Welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit Schwarmintelligenz sich bildet, können Sie in diesem Beitrag meines Blog-Kollegen Alexander Greisle nachlesen. Ein interessanter Artikel zum Thema auch hier noch einmal bei brandeins.
Doch was lässt sich jetzt mit diesem Konzept praktisch anfangen? Ein Experiment dazu startete mein Blog-Kollege Wolf Horbach. Hier das Ergebnis des ersten Online-Experiment zur Schwarmintelligenz.
Haben Sie also ein praktisches Problem, das Sie gern mittels Schwarmintelligenz angehen lassen möchten?

Dann schreiben Sie es hier als Kommentar. Ich werde Ihnen antworten und sehen, wie es sich in einer offenen oder geschlossenen Gruppe lösen lässt.

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Danke für Ihr Interesse.

 

Der Autor

Bloggt hier regelmäßig seit Juli 2005. Führt intensive 3-h-Online-Coachings durch.. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.