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as zeigt wohl auch das große Interesse an diesem Thema. Vor längerer Zeit wurde ich zu obigem Thema interviewt. Da mich immer wieder Fragen zu diesem ‘heißen’ Thema erreichen, hier das komplette Interview.
Warum haben wir überhaupt Affären?
RKW: “Dazu gibt es viele Standpunkte. Aber einen, den ich sehr wichtig finde, ist, dass wir biologische Wesen sind. Der Hauptzweck der Evolution ist nun mal, dass die menschliche Rasse sich fortsetzt und das spielt bei der Sexualität sehr stark mit rein.
Früher ging es hauptsächlich um Fortpflanzung, sowas wie Liebe war in den vergangenen Jahrhunderten längst nicht so wichtig. Auch heute gibt es ja noch Völker, wo drei oder vier Partner zusammen leben. Das ist dort ein funktionierendes Modell, nur im Westen existiert die Idee der Monogamie. Aber die ist nun mal eindeutig gegen unser kulturelles Erbe.
Ein anderer Punkt ist der, dass Liebe und Sexualität nicht unbedingt was miteinander zu tun haben. Es ist schön, wenn es in einer Beziehung zusammen kommt, aber auch wenn man jemanden liebt, richtet sich das sexuelle Interesse nicht automatisch nur auf diesen einen.”
Gibt es Menschen, die anfälliger sind für Affären als andere?
RKW: “Ja, da gibt es sehr große Unterschiede. Das hat vor allem mit der Risikobereitschaft eines Menschen zu tun. Eine Affäre bringt Konflikte mit sich – äußerlich und/oder innerlich. Man muss bereit sein, die vor seinem Partner zumindest eine Weile zu verheimlichen.
Es muss einem liegen zu lügen und man muss die Affäre mit seinem inneren Gewissen vereinbaren und sie von sich abspalten können. Aber genau das können viele nicht. Diese Menschen quälen sich dann und werden schon allein aus Angst seltener Affären haben.
Aber die Anfälligkeit hat natürlich auch mit inneren Werten und moralischen Standards zu tun. Wobei hier viele eine Doppelmoral haben: Wenn ich meinen Partner betrüge, macht das nichts. Aber wenn er das macht, ist sofort Schluss. Doch diese Art zu denken ist menschlich.”
Wann sollte man eine Affäre beichten und wann sie besser für sich behalten?
RKW: “Es kommt immer auf die gefühlsmäßige Beteiligung an. Wenn die Hauptbeziehung gut ist, und man zufällig jemanden auf einer Geschäftsreise an der Hotelbar kennenlernt und es eine sehr begrenzte oder sogar einmalige Geschichte bleibt, dann rate ich, sich es sehr zu überlegen, ob man das wirklich beichtet. Denn für meinen Partner wäre das gefühlsmäßig ein sehr viel größeres Ereignis.
Wenn ich aber eine Affäre hatte und merke, ich kann die Sache nicht vergessen, weil ich Schuldgefühle habe oder weil die Geliebte immer noch in meinen Träumen oder Sehnsüchten auftaucht, dann muss man das anders betrachten.
Grundsätzlich ist das zwar immer eine individuelle Entscheidung, aber ich denke, in diesem Fall ist es besser darüber zu reden. Aber das ist keine Empfehlung, sondern eher die Erlaubnis, die Affäre zu beichten, wenn sie mich zu sehr beschäftigt.”
Wie gehe ich als Betrügende mit Schuldgefühlen um, wenn ich beschlossen habe, meinem Partner nichts von meiner Affäre zu sagen?
RKW: “Da sage ich salopp: Das ist eben der Preis. Das muss man sich vorher überlegen. Oder etwas verständnisvoller ausgedrückt: Da merkt jemand, dass er etwas getan hat, was mit seinem inneren Wertesystem nicht konform geht. Aber er verweigert sich einer Auflösung, die darin bestünde, dass er zu seinem Fremdgehen steht.”
Gehen heute noch immer mehr Männer fremd als Frauen?
RKW: “Frauen und Männer liegen mittlerweile fast gleich auf. So wie es immer mehr Frauen gibt, die rauchen und Lungenkrebs kriegen, gibt es auch immer mehr Frauen, die fremd gehen. Was ich aber nur im Zuge der Gleichberechtigung begrüße.
Viel wichtiger als die Häufigkeit ist aber ohnehin die Qualität, denn Frauen und Männer haben unterschiedliche Arten von Affären. Während Männer meist nur nach Sexualität gucken, suchen Frauen oft auch einen Beziehungspartner.”
Kann eine Affäre eine Beziehung beleben?

RKW: “Es rüttelt eine Beziehung ganz schön auf. Wenn die Liebe noch groß genug ist, und das ist immer die wichtigste Voraussetzung, dann sind beide auch oft bereit sich hinzusetzen und in Ruhe darüber zu reden. Ohne Schuldvorwürfe, sondern mehr aus der Sicht, was ist passiert, wieso und was ist mein eigener Beitrag dazu?
Wenn zum Beispiel Kinder und Hausbau zusammen kommen, passiert es häufig, dass Mann und Frau nur noch ein funktionierendes Team zur Kindererziehung und Schuldentilgung sind, aber die Paarbeziehung zwischen ihnen vertrocknet.
Wenn sich dann einem eine Gelegenheit bietet, kann es in so einer Situation sehr schnell zu einem Seitensprung kommen. Wenn der Betrügende die Affäre aber schnell wieder beendet, weil er erkannt hat, dass er sich da nur was geholt hat, was er eigentlich lieber in der Beziehung hätte und wenn beide einsehen: “Mensch, das hat gar nichts mit dir als Partner zu tun, wir haben nur einfach unsere Beziehung schleifen lassen”, dann kann so eine Affäre zwar ein deutlicher Schuss vor den Bug sein, aber das Paar hat gute Chancen daran zu wachsen. Und zugleich erhält die Betrogene, so es die Frau ist, die Erlaubnis, dass sie noch was anderes als Mutter und/oder Karrierefrau sein darf, nämlich Frau.”
Und was genau soll ein Paar in so einer Situation tun?
RKW: “Das Paar kann sich mindestens einen Abend in der Woche Zeit nehmen, wo es sich aus dem Alltag ausklinkt und was unternimmt. Und zwar wirklich Babysitter organisieren und raus dem Haus, nicht einfach nur vor dem Fernseher hocken. Das ist wichtig, um sich ein paar Stunden als Mann und Frau zu begegnen. Aber wenn man sich das nicht fest vornimmt, geht das oft den Bach runter.
Ein anderes gut funktionierendes Modell ist es, wenigstens einmal im Jahr eine Woche allein in den Urlaub zu fahren und die Kinder zu den Großeltern zu geben. Auch das ist sehr heilsam für die Beziehung.”
Angenommen, die Affäre bleibt geheim, kann sie dann ein Kick für die Hauptbeziehung sein?
RKW: “Wenn der “Fremdgeher” anfängt, sich gesünder zu ernähren, mehr Sport zu treiben und neue Klamotten zu kaufen, kann das für eine Beziehung durchaus belebend sein, aber zugleich auch sehr riskant. Frauen speziell sind da sehr feinfühlig. Spätestens, wenn er im Bett neue Sachen ausprobieren will, wird es gefährlich.”
Was mache ich, wenn mir mein Geliebter Dinge gibt, die ich bei meinem Partner nicht bekomme?
RKW: “Dann ist es Zeit für das berühmt-berüchtigte Beziehungsgespräch. Egal in was für einer ambivalenten Situation man sich befindet, es hat meist was mit der sexuellen Attraktivität seines Partners zu tun und nicht damit, dass der andere so verletzlich ist oder nicht im Haushalt hilft.
Man sollte sich bei dem Gespräch aber bewusst sein, dass jeder attraktive Außenstehende im Vorteil ist gegenüber dem, mit dem man schon seit acht Jahren Tisch und Bett teilt. Hilfreich ist es hier, auch mal seine Erwartungen zu überprüfen. Müsste es mit meinem langjährigen Partner wirklich so aufregend sein wie mit dem? Das halte ich für unrealistisch.
Bei vielen Paaren ist aber gar nicht die sexuelle Attraktivität der Grund, sondern die Sexualität findet einfach zu wenig statt. Sei es, weil beide zu viel Stress haben oder sich den Tag zu voll packen. Das hat dann aber mehr mit Problemen in der Beziehung zu tun.
Welche Chance hat ein Paar, bei dem die gegenseitigen Vorstellungen vom Sex zu sehr differieren, also einer es zum Beispiel öfter oder wilder mag als der andere, was er sich dann in einer Affäre sucht?
Dass es unterschiedliche Wünsche in einer Beziehung gibt, und natürlich auch beim Sex, ist normal. Wichtig ist, welche Vorstellung von Beziehung ich habe. Beziehung ist ja nicht einfach eine gegenseitige Bedürfnisbefriedigung in dem Sinne, dass der andere alle meine Wünsche erfüllt und zwar gleichzeitig.
Es gibt einfach nicht den idealen Partner, jedenfalls nicht mehr nach der Phase der Verliebtheit. Ich habe heute einen schönen Satz gelesen: “Eine gute Beziehung zeichnet sich dadurch aus, dass ich zu meinem Partner hundertprozentig Ja sagen kann, obwohl er in seinen Eigenschaften vielleicht nur zu sechzig Prozent meiner Idealvorstellung entspricht.” Das trifft den Nagel auf den Kopf.
Eine Beziehung ist nicht wie ein Kaufhaus und wenn mir was nicht gefällt, gehe ich ins nächste. Eine Beziehung ist eine Entscheidung für einen Menschen. Mit all seinen Macken und Begrenzungen. Die ich ja genauso habe.”
Aber eine gewisse Übereinstimmung sollte doch schon da sein, oder?
RKW: “Natürlich sollte die Schnittmenge der jeweiligen Bedürfnisse und Befriedigungen möglichst groß sein. Aber manchmal geht es hierbei gar nicht primär um die Sexualität, sondern um die Angst vor zu viel Nähe. Jemand, der viele Affären hat, hat oft auch ein Problem sich zu binden. Aber wenn er das nicht weiß, fängt er immer wieder neue Beziehungen an und beendet sie mit der Begründung, dass es ihm zu langweilig war. Dabei wurde es ihm eigentlich nur zu eng.
In so einem Fall sorgt eine Affäre natürlich immer für Distanz. Dabei wollte er gar nicht fremdgehen. Er hatte nur Angst, verschlungen zu werden, nicht mehr er selber zu sein oder keinen Freiraum mehr zu haben. Diese Beziehungsphantasien treten häufig auf und haben nicht immer was mit dem konkreten Partner zu tun, sondern oft mit den Erfahrungen, die man in der Kindheit und Jugend gemacht hat. Hier kann eine Therapie helfen.”
Was halten Sie von offenen Beziehungen, in denen Fremdgehen erlaubt ist?
RKW: “Nach meiner Erfahrung funktionieren diese Beziehungen selten, weil die Liebe sich letztlich schwer teilen lässt. Bei der Sexualität geht das noch. Aber schwierig wird es, wenn man sich in jemanden verliebt, der dann vielleicht mehr will, aber nicht Teil einer offenen Beziehung sein mag. Dann kann ich diese Affäre natürlich beenden und sagen, der klammert, das will ich nicht.
Aber selbst wenn man nur mit Leuten zusammen ist, die alle offene Beziehungen wollen, fangen irgendwann Sachen an, wie: Wo verbringt man das Wochenende? Und dann kommen Fragen wie: Warum bei dem? Wir haben uns doch schon seit vier Wochen nicht gesehen. Warum Weihnachten immer dort? Es gibt also auf jeden Fall viel Gesprächsstoff, ist sehr aufregend und dramatisch. Und meistens langt es einem am Schluss.”
Wie kann ich lernen, meinem Partner nach einem Seitensprung wieder zu vertrauen?
RKW: “Zuerst mal ist es wichtig, ganz viel miteinander zu sprechen. Und dem ‘Betrügenden’ zu sagen, was er tun könnte, damit man ihm wieder vertrauen kann. Er muss etwas wiedergutmachen. Aber nicht mit Geschenken, sondern auf eine andere Art und Weise.
Es hilft auch nicht zu sagen: “Komm jetzt, Schwamm drüber, das ist doch schon ein halbes oder zwei Jahre her!” Wenn die Affäre immer wieder Thema wird, muss man gucken, wie man das tatsächlich begraben kann. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, wenn der betrügende Partner etwas wiedergutmacht, was ihn schmerzt.”
Haben Sie ein Beispiel dafür?
RKW: “Ich hatte mal ein Paar in der Therapie, da hatte er ein sehr ausuferndes Hobby und war am Wochenende immer weg. Die Frau war damit nicht einverstanden. Sie hatte keine Angst, dass er sich in der Zeit mit anderen trifft, sie hat sich einfach nur gelangweilt.
Diese Frau hat ihrem Mann gesagt: “Das hat mir so weh getan, ich will einen Ausgleich. Wenn du wirklich weiter mit mir zusammen sein willst, wäre es für mich ein Ausgleich, wenn du statt eines ganzen nur einen halben Tag auf dem Tennisplatz verbringst und wir in der restlichen Zeit was gemeinsam machen.” Dabei geht es nicht um eine Strafe, sondern um die Möglichkeit, was gemeinsam zu tun.”
Funktioniert es, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, also selber fremdzugehen?
RKW: “Wenn zwei Partner füreinander die ersten Sexualpartner waren, ist das vielleicht gar kein so schlechter Ausgleich. Denn dann sieht der Betrogene, dass die anderen auch nur mit Wasser kochen. Aber als ein simples Aufrechnen nach dem Motto: “Dann siehst du mal, wie ich gelitten habe!” funktioniert meistens nicht. Außerdem kann man sowas ja auch schlecht verabreden. Man kann nicht sagen: “Also gut, jetzt mache ich das auch und dann sind wir quitt.”
Wie geht man mit Eifersucht auf die (Ex-) Geliebte des Partners um?
RKW: “Zuerst mal muss man sehen, ob der Betrogene generell Schwierigkeiten hat zu vertrauen oder ob er sich viel vergleicht und bei den Vergleichen immer schlecht abschneidet. Denn dann haben die Gefühle mehr mit der Persönlichkeit des Eifersüchtigen zu tun.
Aber wenn die Affäre zum Beispiel unter Kollegen war und ich weiß, dass die Ex-Geliebte noch Ambitionen hat, dann kann es helfen, meinen Partner zu bitten, einen endgültigen Schlussstrich zu ziehen. Denn wenn immer noch SMS mit verführerischem oder zweideutigem Inhalt kommen, hält der andere ganz klar die Grenzen nicht ein.”
Und dann kann ich ihn darauf festnageln?
RKW: “Das würde ich auf jeden Fall tun. Denn Beziehung hat ganz viel mit Entscheidung zu tun. Wenn ich mich für jemanden entscheide, entscheide ich mich gegen drei Milliarden anderer Männer beziehungsweise Frauen als Intimpartner.
Die Entscheidung für einen Partner ist auch mit einem Verlust verbunden. Das steckt ja auch bei den unseligen Dreiecksgeschichten dahinter, wo einer über mehrere Jahre eine Geliebte hat. Damit versucht er diesen Verlust zu umgehen, nur eben heimlich. Er hat eine treusorgende Ehefrau und Mutter seiner Kinder, und für das Aufregende hat er seine Geliebte. Da gehören aber drei dazu.”
Aber die Betrogene weiß doch gar nichts von der Affäre ihres Mannes.
RKW: “Ich denke, meistens weiß sie es. Aber sie macht eine ganz klare Rechnung auf, vor allem wenn Gütertrennung vereinbart ist. Sie weiß, sie müsste im Falle einer Scheidung wieder arbeiten gehen, also nimmt sie seine Affäre in Kauf. Umgekehrt hat auch die Geliebte ihre Rechnung. Sie will keine feste Beziehung, hat keine Lust jeden Tag einzukaufen und zu kochen, sie will einfach nur eine spannende Beziehung. Dann reicht ihr eine Affäre, manchmal über Jahre.”
Viele Betrogene, in erster Linie Frauen, wollen am liebsten alles über “die Andere” wissen. Auch wie sie im Bett war. Ist das hilfreich oder macht es alles noch schlimmer?
RKW: “Davon halte ich überhaupt nichts. Das ist ein Übergriff in eine andere Beziehung, die einen nichts angeht. Man muss sich ja auch fragen: Was mache ich dann mit der Information? Versuche ich das zu kopieren, um den Partner zu halten, merkt er das erstens und trete ich zweitens in einen Vergleichswettbewerb ein, den ich wirklich unwürdig finde.
Außerdem bringt das nichts. Selten sagt ja derjenige, der die Fragen stellt: “Ach, das ist aber echt gut, dass ich das mal erfahre. Das gibt mir ganz viel und baut mich so richtig auf.” In der Regel ist man nur verletzt und gekränkt.”
Wenn also frau das Bedürfnis verspürt, diese Fragen zu stellen, dann lieber runterschlucken und nichts sagen?
RKW: “Ja. Mit sich alleine ausmachen oder mit einer Freundin. Oder wirklich die Beziehung beenden und akzeptieren, dass der Partner ein Eigenleben hat und einem nicht zu hundert Prozent gehört. Wenn er mit einem anderen aufregende Nächte hatte, ist es wichtig zu klären, ob das weitergeht oder welche Konsequenzen man ziehen will.
Aber sich zu erkundigen, was genau passiert ist, hat mehr damit zu tun, dass man sich fragt, was hat die andere, was ich nicht habe. Und da sind Frauen ja groß drin. Sie vergleichen sich gern und sind unzufrieden mit dem, was sie haben. Selbst die schönsten Models finden ihre Ellenbogen oder irgendeine andere Stelle ihres Körpers absolut hässlich. Ich finde, man tut sich da nichts Gutes.”
Wann sollten Paare Hilfe bei einem Paartherapeuten suchen?
RKW: “Nicht zu spät. Aber die meisten Paare kommen zu spät.”
Mehr über meinen Ansatz, mit Paaren zu arbeiten, lesen Sie hier…
Und wann ist zu spät?
RKW: “Wenn der Vorrat an Liebe aufgebraucht ist und der Sack an Problemen größer ist als die Liebe. Dann kommen viele Vorwürfe und Verletzungen, aber um sich mit denen auseinanderzusetzen, egal ob innerhalb oder außerhalb einer Therapie, braucht es diese Liebe. Und die Überzeugung: “Ich will aber noch mit mit dir zusammen leben. Wir haben zwar einen Haufen Scheiß angerichtet, aber das räumen wir jetzt gemeinsam auf.”
Oft kommen Paare zu mir, von denen einer sich trennen will und der andere nicht. Da finden dann nur zwei, drei Sitzungen statt, bis endgültig klar ist, der eine will nicht. In dem Fall war es also zu spät.”
Woran merkt man denn, dass man Hilfe braucht?
RKW: “Sobald es anfängt zu knirschen. Wenn ich erst mit einem Kolbenfresser in die Werkstatt komme, ist es ja auch zu spät. Ich muss kommen, wenn ich merke, das Auto tuckert so komisch und da blinkt immer ein Licht. Es muss ja auch nicht immer gleich eine ganze Therapie draus werden.
Manchmal reicht auch schon eine professionelle Einschätzung oder ein paar Tipps. Das kann auch ein gutes Buch leisten, aber der Vorteil eines guten Therapeuten ist, dass er individuell auf die Probleme des Paares eingeht.”
Gibt es Paare, bei denen der Vorrat an Liebe tatsächlich aufgebraucht ist, so dass die Beziehung zwangsläufig vorbei ist?
RKW: “Ja, das gibt es. Aber manchmal ist die Liebe einfach nur verschüttet. Ich vergleiche das gern mit einem Garten. Wenn ich in dem nichts tue, wächst da trotzdem was und er ist grün. Wenn ich aber Rosen haben will, muss ich die erst mal pflanzen. Aber auch wenn ich sie nur pflanze und dann wieder drei Jahre nichts tue, wird man von den Rosen relativ wenig sehen.
So ist es bei jedem anderen Hobby auch, egal ob Autos, Tennis oder Segelfliegen, das sind alles komplizierte Systeme, die Aufmerksamkeit, Zeit und Pflege brauchen. Das leuchtet allen Leuten sein. Nur bei der Beziehung denken die meisten, dass sie von selbst funktioniert.”
Und wie kann man die Rosen, sprich die Liebe, wieder zum Vorschein bringen?
RKW: “Dafür ‘verordne’ ich zum Beispiel Zwiegespräche. Dafür trifft sich das Paar einmal in der Woche und spricht eine ganze Stunde in einer bestimmten Form miteinander, ohne sich zu unterbrechen. Paare, die diese Anregung aufgreifen, haben eine ganz gute Prognose.
Aber die Paare, die nach vier Wochen zu mir kommen und sagen: “Wir hatten gar keine Zeit, wir haben keinen Termin gefunden.”, die hoffen auf ein Wunder und sind nicht bereit, irgendwas zu tun. Das ist in Ordnung, aber für ihre Beziehung ist es nicht gut.”
Männer reden ja oft nicht gern.
RKW: “Vielleicht weil hier die Geschlechter unterschiedlich denken. Frauen sind der Meinung: So lange wir über unsere Beziehung reden können, ist es ganz gut. Auch wenn es schwierig ist und Probleme wie Affären auftreten, so lange wir im Gespräch bleiben, ist es gut.
Unglückseligerweise denken Männer aber ganz anders. Männer denken: Entweder es funktioniert oder es funktioniert nicht. Wenn wir erst groß über die Beziehung reden müssen, stimmt da was nicht.
Aber soll man denn nun über die Beziehung reden?
RKW: “Ich bin bestimmt kein Fan von andauernden Beziehungsgesprächen, aber ich bin trotzdem der Meinung, dass es wichtig ist, zu reden. Es gibt eine schöne Regel von dem amerikanischen Paarforscher John Gottmann, die besagt, dass auf jede unangenehme Erfahrung in der Beziehung fünf positive kommen müssen. Nicht 1:1, das ist dann keine gute Beziehung. Aber eine positive Erfahrung kann ja auch mal nur ein Anlächeln sein.
Doch wenn man sich den Beziehungsalltag bei Paaren anguckt, dann ist das Verhältnis 5:1 eher andersrum. Scharfe Worte, Beleidigungen, nicht antworten, irgendwas machen, was den anderen ärgert und dann alle vier Wochen mal einen Blumenstrauß. Aber das klappt in den seltensten Fällen.
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Beziehungen sterben leise. Unausgedrückte Wünsche, zurückgehaltene Gefühle und und ungeklärte Konflikte haben ihre Folgen. Die Gefühle erkalten, es gibt immer mehr Streit. Am Ende hat man sich auseinandergelebt.
Beziehungsprobleme lösen sich nicht von alleine. Beziehungsprobleme müssen immer aktiv angegangen und gelöst werden, wenn Beziehung und Sexualität lebendig und dauerhaft befriedigend für beide sein sollen.
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Lese ich später!







Hallo liebe Verena,
hört sich an, dass Ihr Mann in einer Midlife-Krise steckt und das nicht merkt. Jedenfalls deuten alle Anzeichen darauf hin.
Wenn jemand nicht merkt, dass er ein Problem hat, kann ihm in der Regel auch niemand helfen. Er sucht dann zwar Lösungen, findet aber alle möglichen Erklärungen für sein Verhalten, die aber eben nicht stimmen.
Am besten wäre, Sie und Ihr Mann würden über eine längere Zeit “Zwiegespräche” führen (Anleitung dazu hier auf dem Blog). Und zwar mit dem Thema “Wie ich mich in unserer Ehe fühle”. Dann bekommen Sie vielleicht beide etwas mehr heraus, was in den letzten Jahren schieflief und was möglicherweise auch zu dem Verhalten Ihres Mannes beitrug.
Ihr Mann scheint aber ein ziemlicher Verdränger zu sein (Lügen, Ausflüchte etc.), da ist die Bereitschaft, sich mit den wirklichen Ursachen auseinanderzusetzen meist gering. Eine andere Möglichkeit wäre, sich einen neutralen Dritten dazu zu holen und in einer Paarberatung zu versuchen, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen.
Wenn Ihr Mann das alles abblockt und die Sache verharmlost, sollten Sie auf Abstand gehen, sich kühl verhalten (in jeder Beziehung) und schauen, wie Ihr Mann darauf reagiert. Auf diese Weise bekommen Sie vielleicht heraus, wie Ihr Mann zu Ihnen steht.
PS: Eine Midlife-Krise ist eine ernste Sache. Man realisiert, dass das Leben nicht endlos ist, zieht Bilanz über sein Leben und wenn man dann unzufrieden ist, neigt man zu Kurzschlusshandlungen.
Danke für Ihren Kommentar.
Hallo Herr Kopp-Wichmann,
ich habe ein Anliegen mit dem ich nicht weiß, wie ich es wieder in den Griff bekommen kann. Ich habe mich auch schon mit mehreren Therapeuten in Verbindung gesetzt,die leider erst in einem halben Jahr für mich Zeit hätten. Aber ich brauche jetzt Hilfe es zu verstehen.
Also mein Leid fing Anfang Oktober an. Mein Mann unsere kleine Tochter und ich sowie Freunde von uns waren zusammen im Urlaub. Ich hatte mich so sehr darauf gefreut. Ich muß noch erwähnen, mein Mann ist etwa im Frühjahr diesen Jahres ins “wer kennt wen?” gegangen. Und damit fingen unsere Probleme schleichend an.
Ich bin jetzt 13 Jahre mit meinem Mann zusammen und davon sind wir 10 Jahre eigentlich glücklich verheiratet. Ich habe ihm immer vertraut. Nun hat er mich belogen. Also im Urlaub hat er weder mich noch unsere Tochter wahrgenommen. Er war abweisend und gemein zu uns. Unsere Freunde fanden es sehr seltsam, dass mein Mann dauernd verschwunden ist und erst Stunden später wieder kam. Ich merkte auch, dass er dauernd was an seinem Handy macht. Wenn ich ihn darauf ansprach, sagte er nur :ich schau nur, ob jemand vom Büro angerufen hat. Aber mein Gefühl sagte mir da stimmt etwas nicht. Denn er hat sich auch drastisch verändert. Er trieb schon vor dem Urlaub viel Sport, so das er sehr schlank wurde. Er ging auch einmal in der Woche ins Solarium und zog sich modisch an. Ich muß dazu sagen, mein Mann ist 39 Jahre alt und hat wahnsinnige Angst vor der Zahl 40.
Also zuhause angekommen, durchsuchte ich unsere Handy-Abrechnung und bemerkte, dass mein Mann am Tag irgend jemanden 10 bis 20 Sms gesendet hat. Ich stellte ihn zu Rede. Er stritt erstmal alles ab. Aber ich forschte nach und fand eine Menge Sachen heraus. Es gab einen riesengroßen Krach. Dann sagte er mir, dass da nie was Ernstes zwischen ihnen war. Sie schrieb auch per email, dass sie und mein Mann nur wkw-Freunde sind. Mein Mann ist nach der schlimmen Aktion aus dem wkw rausgegangen. Aber ich frage mich, ob er mich noch liebt, wie er sagt.
Warum hat er das nur gemacht? Ich bin so verletzt, dass ich zur Zeit in einem tiefen Loch stecke und keinen Ausweg finde. Ich fühle mich so verraten und belogen. Er will mir auch nicht sagen, was er ihr geschrieben hat. Wie kann ich ihm je wieder vertrauen. Er versucht jetzt alles, um es wieder ungeschehen zu machen. Können sie mir sagen:wie sie das sehen.
Mit freundlichen Grüßen
Verena
Hallo,
nach nun fast 2 Jahren Geliebten-Dasein bin ich wirklich am Ende angekommen.
Die ganze Sache fing an vor ca. 2 Jahren, mit einem One-Night-Stand im Hotelzimmer nach einer Firmenfeier (meine Affäre ist bzw. war mein Chef). Damals sagte er noch: verlieb Dich bloß nicht in mich (hätte ich mal darauf gehört). Für mich war das kein Thema und ich wollte die Sache unter “jungendlichem Leichtsinn” abhaken. Aber er bemühte sich so sehr um mich. Wollte sich ständig mit mir treffen, mir beim Umzug helfen, ist mit mir weggefahren über verlängerte Wochenenden. Die ersten paar Monate passierte gefühlsmäßig gar nicht viel bei mir, klar genoss ich die übermäßige Aufmerksamkeit und das Gefühl, wie auf Händen getragen zu werden. Aber auch nach 5 Monaten sagte ich noch zu ihm, er solle sich bitte nicht von seiner Familie trennen (er ist seit 14 Jahren verheiratet und hat einen 6-jährigen Sohn). Ich wollte die Verantwortung nicht übernehmen. Er wiederum sagte immer, ich solle ihn doch so richtig lieben und mich mit meinem ganzen Herzblut darauf einlassen. Ich habe es getan und wie es eben so kommt, habe auch ich mich in ihn verliebt. Das Leben, das es mir vorlebte, fing an mir zu gefallen. An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich erst 24 und er 46 Jahre alt ist. Ich hatte also dieses gefestigte, eigenständige Leben vor mir und nach und nach freundete ich mich mit dem Gedanken an, dass ich dieses Leben auch für mich beanspruchen wollte. Wir unternahmen sehr viel zusammen, er war ca. 3-4 mal die Woche bei mir, seiner Frau sagte er, er wäre auf Geschäftsreise. Wir haben so viele schöne und gefühlsintensive Momente erlebt. Es war so perfekt, wenn wir beieinander waren. Wir waren einfach auf derselben Wellenlänge, konnten miteinander reden, miteinander feiern, hatten denselben Humor, dieselben Vorstellungen vom Leben. Oft haben wir von Kindern gesprochen, vom Heiraten usw. Im Dez 08 zog er dann von zu Hause aus. Und zu mir. Er sagte seiner Frau, dass er sie nicht mehr liebe. Von mir hat er an dieser Stelle nichts erwähnt. Und sie beschlossen auch, vor Weihnachten dem gemeinsamen Sohn nicht zu sagen. So fuhr er täglich nach der Arbeit nach Hause, brachte seinen Sohn ins Bett und kam dann zu mir. Wirklich glücklich waren wir so beide nicht. Ich wurde immer eifersüchtiger und forderte von ihm, die Sache ganz offiziell zu machen. Nach Weihnachten war es dann so weit und er sagte mir, er müsse wieder zurück gehen, da er seinen Sohn so sehr vermisse. Nach ca. 3 Tagen kam er wieder an und die Affäre lief wie gewohnt weiter, er hat allerdings weiter zu bei seiner Familie gewohnt. Es folgten etliche Gespräche, etliche Versprechungen seinerseits, sich ganz BALD zu trennen, er warte nur auf den “richtigen” Moment. Wie der aussehen solle konnte er mir nicht sagen. Im Juni dann, erzählte er seiner Frau von mir (oder sie hat es irgendwie rausbekommen). Er sagte ihr, ich wäre seine große Liebe (ich kann an dieser Stelle nur wiedergeben, was er mir erzählte). Dann fuhr er erstmal alleine in den Urlaub. Wir redeten erneut und so wie es schien und er es mir vermittelte, war die Ehe am Ende und er würde bald ausziehen. Aber…nichts passierte. Die Frau lebte einfach weiter damit und geredet wurde scheinbar auch nicht viel darüber. Wir trafen uns weiterhin, nicht mehr so häufig aber okay. Immer öfter hatten wir Trennungsphasen, weil ich regelmäßig Gefühlsausbrüche hatte, weil ich mit der Situation so nicht mehr leben konnte und wollte. Immer nur im Schatten stehen und die 2. Geige spielen. Er sagte mir weiterhin, dass er seine Frau nicht liebt, aber Angst hat, seinen Sohn zu verlieren und zu enttäuschen. Immer machte er alles an seinem Sohn fest. Nun, wie es so kam, die immer wieder kehrenden Trennungen für ein paar Tage, bis ich wieder schwach wurde. Obwohl er mir in der Endphase nur noch sagte: “Ich weiß nicht ob ich mich irgendwann trennen werden kann”. Aber ich wäre ja seine Frau für`s Leben. Er sagte auch so Sachen (das ist schon einige Zeit her): „Manchmal wünschte ich mir, meine Frau würde einfach gegen einen Baum fahren und Du könntest an ihre Stelle treten.“ Wie kann man so etwas sagen und weiterhin mit diesem Menschen zusammen leben???
Vor 5 Tagen habe ich nun den x-ten Versuch gestartet, den Kontakt abzubrechen. Es gab von ihm zu dieser Zeit auch nur noch eine guten Morgen und eine gute Nacht sms. Mehr nicht. Was soll ich damit? Er sagte, er muss sich entscheiden. Und bis er sich entschieden hat, haben wir beide beschlossen, keinen Kontakt mehr zu haben. Einer von uns beiden wurde aber immer wieder rückfällig.
Nun denn, seit 5 Tagen haben wir keinen Kontakt mehr und es schmerzt so sehr. Wir hatten so viel vor und es hätte so gut gepasst und doch habe ich nie die Chance einer ganz normalen Beziehung mit ihm bekommen.
Das schlimmste für mich ist, dass ich mich so erniedrigen habe lassen. Nicht, dass er mich schlecht behandelt hätte. Aber er hat mich unterbewusst manipuliert. Und ich habe immer wieder Grenze um Grenze überschritten. Und ich habe mich abhängig gemacht. Ich möchte so gerne wütend auf ihn sein aber ich kann es nicht. Es tut einfach nur weh und ich trauere der Zeit hinterher. Mich macht es wütend, dass ich nun alleine da stehe und er sein gewohntes Familienleben weiterführen kann. Ich arbeite mittlerweile auch nicht mehr in der Firma (seit Juni), deswegen sehen wir uns gar nicht mehr.
Ich weiß nicht, wie ich da raus soll und wie ich meine eigene Perspektive auf die ganze Sache ändern kann. Ich möchte so gerne wütend sein und hoffe so sehr, dass es aufhört. Die endgültige Entscheidung hat er mir zwar noch nicht mitgeteilt aber ich will am liebsten auch gar nicht darauf warten. Es wird sowieso so kommen, dass er sich wieder gut in sein „altes“ Leben einlebt. Wie kann die Frau damit leben??? Er hat sie fast 2 Jahre hintergangen, ich habe sogar 2 mal im Ehebett geschlafen und war mit seinen Kumpels unterwegs.Wie geht das? Ich möchte einfach so gerne wütend sein und sein Eheglück (ich weiß nicht ob er es wieder hat) gönne ich ihm auch nicht (das hört sich an, als wäre ich ein schlechter Mensch).
Unter was soll ich diese Sache abhaken? Ich fühle mich nur schlecht.
Hallo Herr Kopp-Wichmann,
ich danke Ihnen sehr für Ihre Ratschläge.
Heute habe ich mit ihr ein sehr schwerzhaftes Gespräch gehabt. Aber ich habe von ihr auch Einiges erfahren.
Sie sagte :
- sie will mich nicht vor 6 Monaten verlassen. Das hat Sie zu dem anderen Mann auch gesagt.
- sie will in den 6 Monaten das ungebundene und freie Leben leben, ( also Ausgehen mit Freunden, ungeplante Verabredung, Bekanntschaft machen) ob dies für sie das richtige ist.
- sie will nie mehr eine falsche Entscheidung treffen. Sie will deswegen Zeit lassen. Ob sie nach 6 Monaten endgültig zu mir zurückkommen , weiss sie jetzt noch nicht.
- sie hat eine Verantwortung für mich. Wenn wir uns trennen, wird sie um mich kürmmern wenn ich krank bin.
- Sie weiss das sie nur eine kleine Chance hat, schwanger zu sein. Dies scheint also nicht mehr im vordersten Grund zu stehen. Ich habe auch angeboten,die Sterilisation rückgängig zu machen. Sie ist aber nicht darauf eingegangen.
- eine Beziehung kann nicht auf Mitleid weitergeführt werden.
- ich denke und fühle, sie liebt den anderen Mann noch nicht.
Ist es noch ein bisschen Liebe oder pures Mitleid ?.
Soll ich warten und ihr in der Zeit beweisen, dass ich mich schon verändert habe. Ich werde ihr vorschlagen, zusammen zur Paarberatung zu gehen.
Danke für Ihre Zeit.
Herzlichst,
Luen
Hallo Luen,
das Problem in Ihrer Beziehung scheint mir zu sein, dass Sie sich von Ihrer ersten Familie nicht wirklich gelöst haben. Deswegen Ihre Schuldgefühle und die viele Unterstützung für diese, die aber Ihrer Beziehung geschadet hat. Man kann eben nicht mit zwei Partnern gleichzeitig innerlich liiert sein.
Jetzt hat sich Ihre Partnerin nach außen gewendet, was erst mal auch ein positiver Schritt ist, um die bisherige ungute Situation aufzubrechen. Was mir nicht klar ist, was Ihre Partnerin eigentlich will. Sicher eine andere Beziehung zu Ihnen, aber ob sie jetzt wirklich einen anderen Partner will, ist vielleicht auch ihr unklar. Am deutlichsten scheint mir der Wunsch nach einem Kind zu sein, weniger nach einem anderen Partner.
Das gälte es auch erst einmal zu klären und deshalb halte ich wenig von einem überstürzten Hausverkauf. Weiterführung Ihrer Beziehung und gleichzeitig eine Affäre mit dem anderen Mann mit der Möglichkeit, schwanger zu werden, halte ich für eine schwer hinnehmbare Situation. Zu klären wäre ja auch, ob sie auch ein Kind von Ihnen wollte. Soviel ich weiß, lassen sich auch Sterilisationen beim Mann rückgängig machen.
Aber das sind alles so äußerliche Fakten. Wichtig ist zu klären, was noch zwischen Ihnen an Beziehung und Zuneigung ist. Sind Sie ein austauschbarer Partner (Hintertür), der eben mit allem einverstanden wäre? All das sind wichtige Fragen, die erst einmal auf der emotionalen Ebene geklärt werden müssen.
Das werden Sie vermutlich nicht alleine schaffen, deshalb rate ich Ihnen, sich professionelle Unterstützung in Form einer Paarberatung zu holen, bevor Sie beide weitreichende Entschlüsse fassen, die schwer wieder rückgängig zu machen sind. Das wäre auch deshalb wichtig, weil Sie sich innerlich aber auch äußerlich von Ihrer Frau und Ihren Kindern lösen müssen. Dazu ist es wichtig, dass Sie Ihre Schuldgefühle verarbeiten.
Danke für Ihren Kommentar.
Hallo Herr Kopp-Wichmann,
Ich bin im Begriff, den liebsten Mensch zu verlieren:
Meine Partnerin hat mir vorgeschlagen, dass wir das gemeinsame Haus verkaufen und uns dann trennen. Ich war am Boden zerstört. Ich habe damit nicht gerechnet.
Vorgeschichte:
Wir waren 15 Jahre lang ein Paar. Sie ist 41, 14 Jahre jünger als ich (55).
Damals habe ich ihretwegen eine intaktes Familienleben geopfert. Für uns war es Liebe aus dem ersten Blick. Ich habe Monaten gebraucht um für sie zu entscheiden..
Die Jahre danach war ich ein von Schuldgefühle geplagter Mann, weil ich meine damalige Frau und meine zwei Kinder verlassen habe. Dies führte dazu, dass ich unbewusst mehr als notwendig r um die Ex-Frau und die zwei Kinder finanziell und in den täglichen Dingen gekümmert habe. In den ersten Jahren habe ich fast täglich die Kinder angerufen und immer meine Ex-Frau in den Hausrenovierungsarbeit geholfen, weil sie (bis heute ) keinen männlichen Partner hat.. Ich habe eine übertriebene Fürsorge. Ich war mir auch bewusst aber es ist für mich wie ein Zwang es zu tun weil ich Mitleid mit der Ex-Frau und meine Kinder habe. Ich habe immer gedacht, wichtig ist dass ich für ein Zusammenleben mit ihr entschieden habe und dass ich sie sehr liebe, was sie das auch nie angezweifelt hat. Immer wieder sagte sie im Streit dass sie mich verlassen wird. Ich habe es nie richtig geglaubt. Aber ich habe auch sehr darunter gelitten. Manchmal dachte ich auch, es wäre vielleicht richtig wenn wir uns trennen.
Erschwert für unsere Beziehung ist auch dass wir keine Kinder haben. Ich war sterilisiert. Meine Partnerin hat das akzeptiert . Ich habe gedacht dass sie den Kinderwunsch aufgegeben hat.
Nun zu meine Partnerin:
Meine Partnerin hat das alles hingenommen. Sie hat aber in den letzten Jahren immer mehr rebelliert und es artet dann in Streit aus, wo wir dann tagelang nicht mit einander gesprochen habe. Dabei ging es ihr nur dass ich diese übertriebene Fürsorge habe, nicht wirklich um Geld.
Wir beide verdienen gut und sie ist nicht finanziell abhängig von mir. Im Gegenteil sie verwaltet mein Geld sehr geschickt so dass ich trotz Unterhaltbelastung nicht in Schuldenfalle sitze.
In den letzten Monaten haben wir wieder Machtkämpfe ausgetragen. Dabei ging es wirklich nur um kleinere finanzielle Unterstützung für meine Tochter, die gerade mit dem Studium abgeschlossen hat.
In dieser Zeit fing sie an, alte Kontakte wiederanzuknüpfen.
Die drohende Trennung
Als ich von einer Dienstreise zurückkam, hat sie mir eröffnet dass wir uns trennen. Wir sollen noch in dem Haus bleiben bis das Haus verkauft ist. Das Haus gehört ihr allein aber sie möchte dass ich ihr mit dem Hausverkauf helfe. Sie teilte mir auch mit, dass sie jemanden kennengelernt hat, ihn sympathisch findet, aber noch nicht liebt. Sie sagte, sie war 15 Jahre tot. Jetzt möchte sie endlich leben.
Es hat mir sehr weh getan. Ich war geschockt. Mein Leben hat keinen Sinn mehr. In den folgenden Tagen habe ich sie immer wieder angefleht, noch mal zu überdenken . Ich habe alle Schuld auf mich genommen, dass es zu dieser Situation gekommen ist. Ich möchte sie ab jetzt glücklich machen weil sie jahrelang darunter gelitten hat.
Ihr Vorschlag:
Ich soll 6 Monaten warten. Wir sollen ganz normal weiter leben. Sie möchte mir eine 2. Chance geben, weil ich ein guter Mensch bin und sie mich und die 15 Jahre nicht einfach wegwerfen will . Danach wird sie mir sagen ob sie noch weiter zusammen mit mir leben will. Das Haus soll jedenfalls verkauft werden, dann ziehen wir in einer Mietwohnung. So können wir uns leichter trennen, wenn sie nicht mehr will. Sie möchte ihre Entscheidung nicht von dem Haus abhängig machen. Aber, jetzt kommt der Knackpunkt: sie will weiterhin die Beziehung zu dem neuen Mann erhalten. Sie will versuchen, ein Kind zu bekommen, auch wenn für sie vom Alter die Wahrscheinlichkeit , noch schwanger zu werden, sehr gering ist. Ich glaube , sie ist in Panik geraten weil soviel Zeit hat sie nicht, höchstens 1 Jahr. Wenn sie den Mann nicht liebt, kann sie auch vorstellen dass sie mit dem Kind allein oder mit mir lebt.
Was vielleicht positiv für mich : sie will nur 2 Tage pro Woche bei dem Mann übernachten.
Was soll ich tun ?
Wie kann man ihr Vorschlag verstehen ?
Soll ich das akzeptieren ? Ich würde es gerne tun aber ich glaube ich habe die Kraft nicht dazu, 6 Monate lang es auszuhalten, dass sie eine zweite Beziehung aufbaut. Der neue Mann ist unbelastet
und wenn sie ständig sexuelle Kontakt mit dem Mann hat, entsteht vielleicht auch Liebe ? (sie ist kein Mensch, der viel Wert auf Sex legt). Ich stehe auf verlorene Posten.
Soll ich von ihr weggehen ?. Ich habe alles kaputt gemacht . Aber soviel Mut und Aufopferung habe ich nicht.
Soll ich sie dazu drängen, eine Entscheidung zu treffen ? ich würde sie damit in dem Arm des Anderen noch schneller treiben. Verachtet sie mich, wenn ich sie nicht zur endgültige Entscheidung dränge.
Will sie mich als Hintertürchen offen lassen ? Wenn sie ausgetobt hat, kehrt sie zu mir zurück. Ich bin ein Mensch mit Fehler, aber ich liebe sie.
Hat sie noch Gefühl für mich ?
Ich danke Ihnen.
Liebe Maja,
Sie machen es Ihrem Mann halt auch sehr einfach. Sich entscheiden will er nicht, Zwiegespräche will er nicht, sieht auch keine Notwendigkeit, etwas zu ändern. Sie wollen sich nicht trennen und auch keine Konsequenzen ziehen – warum sollte er Mann etwas tun. Er muss es nur aussitzen, bis Sie sich mit allem zufrieden gegeben haben.
Alles im Leben hat seinen Preis. Ihr Mann will ihn nicht zahlen, Sie wollen keinen Preis zahlen, dann wird wohl alles so bleiben, wie es ist.
Sie können Ihren Mann nicht erreichen, wenn er nicht will. Es sei denn, Sie ziehen Konsequenzen, die ihn wirklich wachrütteln, weil Sie ihm wehtun. Aber auch das ist keine Garantie. Ein gutes Buch heißt: “Ehen streben leise”. Sie beide können gerade miterleben, was damit gemeint ist und wie das geht.
Danke für Ihren Kommentar.
Lieber Herr Kopp-Wichmann,
danke für Ihre Antwort, ich würde gerne dazu noch nachfragen.
Auch mein Eindruck ist seit unserem Gespräch, dass er die Affäre für sich nicht verarbeitet hat. Das macht mir grosse Sorgen und trägt auch nicht dazu bei, dass ich mich “sicherer” fühle.
Gibt es -aus Ihrer Erfahrung- mögliche Gründe für diesen Zustand?
Anzumerken ist vielleicht noch, dass wir “sie” vor 1 Monat gesehen haben und mein Mann sagte mir, dass es schwer war, er sich jedoch “unter Kontrolle” hat…
Ich sehe die unbedingte Notwendigkeit sehr, über UNS nach der Affäre zu sprechen, um ein gemeinsames neues “Wir” aufzubauen – und damit wieder auch das Vertrauen. Die Idee mit dem Zwiegespräch finde ich gut.
Mein Mann scheint sich dem jedoch nicht stellen zu wollen oder tatsächlich die Notwendigkeit nicht zu sehen!
Ich würde ihm gerne Konsequenzen aufzeigen und bin doch nicht in der Lage dazu. Denn ich befürchte, dass dies nichts ändern würde und der Preis einer Trennung ist mir zu hoch.
Meine Liebe und Zuversicht könnte ihm so sicher sein, doch hier kann ich alleine nichts mehr ausrichten. Wie kann ich ihn wohl erreichen?
Fällt Ihnen dazu etwas ein? Danke vielmals für eine weitere Antwort.
Danke, Herr Kopp-Wichmann,
Schock, Wut, Angst, Trauer, depressive Stimmung, Lethargie, ich habe alles hinter mir, genau in der Reihenfolge, seit November letzten Jahres, eingebettet in all seine Rückfälle und Lügen. Ich werde eine eigene Therapie angehen, nicht so sehr, um die Vergangenheit aufzuarbeiten, vielmehr um ein bißchen Mut und Stärke für die Zukunft zu sammeln, denn ich habe Angst. Auf ihn kann ich nicht zählen. Er liebt sie und will die Trennung von mir, ist nur zu feige, das endlich auszusprechen. Er hat wohl immer gehofft, daß ich ihm die Entscheidung abnehme.
Sie haben Recht, es macht nur Sinn, wenn beide ehrlich und persönlich miteinander sprechen. Wenn nur einer kämpft, kann es keine gemeinsamen Siege geben.
Danke für Ihre Einschätzung.
Susanne
Hallo Susanne,
kann es sein, dass Sie Ihre Wut noch nicht genug gespürt und auch ausgedrückt haben? Dass Sie eher depressiv reagieren (tiefes Loch) anstatt wütend zu werden?
Dialog oder Gespräche haben nur Sinn, wenn beide ehrlich und persönlich miteinander reden. Dass Ihr Mann eine Paartherapie ablehnt , ist ein Zeichen dafür, dass er an einer Erhaltung Ihrer Ehe wohl nicht interessiert ist. Es sei denn, er hätte eine bessere Idee. Wenn sich das in den nächsten Tagen nicht ändert, müssen Sie wohl das realisieren und betrauern.
Sehr geehrter Herr Kopp-Wichmann,
Danke für Ihre Antwort, ich habe sie wohl schon geahnt. Den zeitlichen Rahmen werde ich beherzigen. Trotzdem nochmals meine Frage:
Was raten Sie? Funkstille oder Dialog, Distanz oder Nähe? Er wird die Kinder sehen wollen, ich falle dann immer in ein besonders tiefes Loch, wenn ich ihn wiedersehe und weiß nicht, wie ich dann jemals über ihn hinwegkommen soll. Er ist die große Liebe meines Lebens, ich wohl seine nicht.
Danke für Ihr Verständnis
Grüße Susanne
Hallo Susanne,
ich denke, Sie müssen jetzt an sich denken und Ihr Leben in die Hand nehmen. Also sich damit beschäftigen, wie Sie allein mit zwei Kindern leben können. Dabei alles mal durchspielen und sich viel informieren (Anwalt, Finanzielles, Arbeit, Wohnen etc.)
Dann ist es gut, sich und Ihrem Mann eine Frist zu setzen von maximal zwei Wochen. Wichtige Dinge kann man immer schnell entscheiden. Wer zwei attraktive Jobangebote bekommt, kann sich auch nicht ein halbes Jahr Zeit lassen mit der Entscheidung. Wer keinen Preis zahlen will, glaubt sich nicht entscheiden zu können und das ist das, was Ihr Mann gerade tut.
Das Kind der anderen Frau ist ein wichtiger “Schritt” auf der Eskalationsleiter. Ihr Mann muss sich nun entscheiden, wo er hin will. Darauf können Sie aber nicht allein warten, sondern Sie müssen entscheiden, ob Sie weiter mit Ihrem Mann leben wollen (und dem anderen Kind).
Ich bin nicht sicher, ob Reden viel bringt. Denn Ihr Mann weiß ja gar nicht, warum er in diese Situation geraten ist. Wenn Sie mehr darüber wissen wollen (oder Ihr Mann) lesen Sie mein Buch. Da stehen die meisten Antworten drin. Aber Sie haben es ja schon gut analysiert: Sie sind die Mutter und für das Andere hat Ihr Mann die andere Frau. Das ist aber der Konflikt Ihres Mannes, den Sie zwar ein Stück ausbaden aber nicht für ihn lösen können. Sie müssen an sich denken.
Danke für Ihren Bericht.
Sehr geehrter Herr Kopp-Wichmann,
der Aspekt der Mutter-Sohn Beziehung hat mich beim Lesen Ihres Blogs nachdenklich gemacht und erklärt in einigen Dingen wohl auch die sich negativ entwickelnde Beziehungsdynamik zwischen meinem Mann und mir. Aufgewachsen mit einer sehr dominanten Mutter, hatte er auch in mir immer eine starke und unabhängige Frau. Die Gewichte haben sich scheinbar verschoben mit der Geburt unserer Kinder, obwohl ich weiterhin berufstätig war und bin, fand ich mich auf einmal in der Hausfrau und Mutterrolle wieder, während mein Mann der erfolgreiche Geschäftsmann ist.
Seit der Geburt unseres zweiten Kindes hat mein Mann nun seit 1,5 Jahren eine Geliebte und kommt nicht von ihr los. Ich bin nach Bekanntwerden in ein tiefes Loch gestürzt, war so schwach wie nie zuvor in meinem Leben. Angst, Panik, Wut, es begann ein Kreislauf aus Annäherung, Ablehnung und Resignation. Immer wenn ich keine Nähe zulassen konnte und unsere Beziehung in Frage stellte, ist er wieder zu ihr ( = liebe Mutter ) gegangen und hat sich über seine böse Ehefrau ( = böse Mutter ) ausgeheult. Er weiß nicht, was er für mich überhaupt noch empfindet, kann mit meinen Tränen nicht umgehen und die neue Frau ist natürlich verlockender als eine Aufarbeitung mit mir. Zudem ist die Dame nun auch noch schwanger.
Seit einer Woche leben wir auf Distanz, mein Mann ist zu einem Freund gezogen. Ich bin ziemlich am Ende, weil ich ihm immer wieder vertraut und doch wieder enttäuscht wurde, jetzt mit einer unser zukünftiges Leben in jedem Fall beeinflussenden Tatsache.
Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Mir ist klar, daß Anschuldigungen und Vorwürfe, wie bereits geschehen, nichts bringen. Ich versuche, mich auf meine Kinder zu konzentrieren, was mir schwerfällt. Er braucht sicher Zeit, um eine Entscheidung zu treffen. Was raten Sie? Funkstille oder Dialog, Distanz oder Nähe? Sollte man einen zeitlichen Rahmen setzen.
Leider fühlt sich mein Mann entscheidungsunfähig, weicht Fragen aus und lebt die ganze Zeit inkonsequent mit beiden Frauen ( was wir beide nicht wußten), kann keiner Frau weh tun.
Vielen Dank für Ihren Rat.
MfG Susanne
Hallo Maja,
man löst sich nicht von einer Sache, indem man versucht, sie zu verdrängen. Abschied von etwas Wichtigem nimmt man nicht dadurch, dass man nicht mehr darüber redet, sondern man muss es betrauern.
Sie schreiben über Ihren Mann: “Es solle mir jedoch klar sein, dass alles Sprechen ein Zusammenhang mit der “Affäre” ist und ich dadurch “alte Wunden” wieder aufreisse, die er vergessen wollte (bei dieser Aussage war er emotional sehr berührt).
Das zeigt aus meiner Sicht, dass auch für Ihren Mann die Affäre noch nicht verarbeitet ist. Das was man verarbeitet und hinter sich gelassen hat, darüber kann man auch ohne allzu große Gefühle sprechen.
Ihr Mann muss etwas tun, damit Sie ihm wieder vertrauen können. Der Weg dazu ist, darüber zu sprechen. Alles andere ist Ablenkung. Ich empfehle Ihnen dazu “Zwiegespräche” (Anleitung dazu hier auf diesem Blog). Thema könnte sein: “Wie es mir in unserer Ehe nach der Affäre geht”.
Danke für Ihren Kommentar.
Lieber Herr Kopp-Wichmann,
mein Mann und ich (beide 42) sind 15 Jahre verheiratet und es war immer etwas Besonderes mit uns. Im letzten Jahr hatte mein Mann jedoch eine Affäre, die ca. 6 Monate dauerte. Er war Hin-und Hergerissen, beendete sie mehrfach und entschied sich dann doch für sie. Was in den Tagen danach in ihm abgelaufen ist, weiss ich nur ansatzweise. Die Kurzform ist: er kam zurück, ohne wirklich weggewesen zu sein.
Dies ist ca. 8 Monate her. Wir haben den klassischen Weg hinter uns, er wollte nicht mehr darüber reden, mein Gesprächsbedarf war enorm. Stellte ich die “richtigen” Fragen zu Hintergrund und notwendigen Veränderungen, bekam ich Antworten. (Er wollte uns einfach beide haben, die “Gelegenheit” hat eine Rolle gespielt und er sieht scheinbar gar nicht so viel Änderungsbedarf bei uns). Zwischendurch musste ich fast aufgeben, so alleingelassen habe ich mich gefühlt (Paartherapie hat er abgelehnt). Wir haben einen mühsamen, aber meiner Meinung nach recht guten Weg hinter uns. Nach vielen kleinen Schritten, viel Kraft und Liebe, kann ich mittlerweile das GEschehene selbst und auch die Spuren, die das Ganze bei mir hinterlassen hat, akzeptieren und das macht es nun besser.
Ich fühle mich jedoch auch heute noch nicht “sicher”, mein Mann verhält sich zwar sehr liebevoll, doch mein Vertrauen in seine Beständigkeit ist ziemlich strapaziert. Ich kann ihn auch nicht mehr einschätzen. Ich habe ihn nun darauf angesprochen. Habe ihm gesagt, dass ich mir wünsche, dass er ungefragt z.B. äussert, warum er sich “danach” wieder gut in unserer Beziehung fühlt und dass er mir damit Sicherheit geben würde. Seine Antwort war, dass er noch nie sehr ausgiebig über sein Innerstes gesprochen hat (das stimmt) und er wird auch jetzt nicht damit anfangen. Er versteht, dass meine Sicherheit gelitten hat. Wenn ich aber etwas wissen möchte, soll ich eben fragen. Es solle mir jedoch klar sein, dass alles Sprechen ein Zusammenhang mit der “Affäre” ist und ich dadurch “alte Wunden” wieder aufreisse, die er vergessen wollte (bei dieser Aussage war er emotional sehr berührt).
Und jetzt? Ich möchte doch auch damit abschliessen, befürchte jedoch, dass hier etwas “unter den Teppich” gekehrt wird von ihm. Gibt es hier einen Ansatzpunkt aus Ihrer Expertensicht? Danke für Ihre Antwort.
Hallo Zwilling,
es gibt einen Spruch “Leiden ist leichter als lösen” und für Sie scheint das Warten und Schlucken und Hoffen leichter zu sein als zu handeln.
Was ist denn Ihr Impuls in seiner Abwesenheit? Würden Sie gerne auf Distanz gehen? Welchen Unterschied wird es für die Reaktionen Ihres Mannes bedeuten, wenn Sie auf Distanz gehen? Das sind vielleicht hilfreiche Fragen, damit Sie herausfinden, was Sie wollen.
Lieber Herr Kopp-Wichmann,
Danke für die Antwort.
genaugenommen wären wir Ende des Jahres 22 Jahre zusammen. Nach 10 Jahren haben wir ein Eigenheim gebaut (der Wunsch und das Ziel meines Mannes). Nach weiteren 5 Jahren geheiratet und 2 Jahre später kam der Sohn..
Das mein Mann sich zu Ehe und Kind gezwungen fühlte kann ich so für mich nicht bestätigen.
Es stimmt zwar, dass er anfangs immer gesagt hat “ich will nicht heiraten und auch keine Kinder”, aber damals waren wir noch jung. Anfang zwanzig. Zu der Zeit wollte ich auch noch keine Ehe und keine Kinder. Aber mit der Zeit und mit dem Älterwerden denkt man doch dann anders. Wird reifer, seßhaft, der normale Lebenslauf halt. Irgendwann denkt man, man ist angekommen. Zumindest habe ich das so gesehen und gefühlt und der Heiratswunsch kam ja auch dann von ihm. Wie bereits geschrieben ist er Soldat. Und nach seinem 1. Auslandsaufenthalt kam er zurück und hat um meine Hand angehalten (damals waren wir 15 Jahre zusammen). Also gezwungen wurde er dazu nicht! Und dann habe ich auch gedacht, jetzt sind wir beide reif eine Familie zu gründen. Er hat den ersten Schritt getan mit der Ehe und ist auch für den nächsten Schritt Familie gründen bereit. Aber scheinbar war das nicht so. Und auch habe ich ihm das Kind sicher nicht aufgezwungen. Wie gesagt, bedurfte es einiger Zeit und Untersuchungen um schwanger zu werden.
Also das gezwungene kam nicht von mir, aber vielleicht sah er sich von der Außenwelt gezwungen? Ich weiß es nicht.
Und wo meine Wut bleibt? Das frage ich mich auch. Ich liebe ihn einfach zu sehr. Ich habe seit Auffliegen seiner Affäre schon viel geschluckt. Habe jetzt 3 Monate sein Doppelleben mitgemacht. Und immer noch kommt keine richtige Wut in mir auf. Nur Kummer und Schmerzen.
Ich weiß, dass ich handeln muss. Noch warte ich wieder. Hoffe und bange, wie es ist, wenn er vom Auslandseinsatz Anfang Oktober zurückkommt. Trage immer noch die Hoffnung in mir, dass er merkt, das ihm die Familie doch wichtig ist.
Können Sie mir noch einen Tipp geben, wie ich mich ihm jetzt während seiner Abwesenheit ihm gegenüber verhalten soll? Auf Distanz gehen?
Vielen Dank.
Hallo Zwilling,
das erste, was mich stutzig macht, ist, dass Sie zwanzig Jahre zusammen sind, erst seit sechs Jahren verheiratet sind und einen kleinen Sohn haben. Das klingt nach sehr langer Bedenkzeit, was Verbindlichkeit angeht und eine gemeinsame Zukunftsgestaltung.
Dazu passt natürlich, dass sich Ihr Mann sich zu Ehe und Kind gezwungen fühlte. So etwas sollte man nie tun, weil es nie gut geht. Paarbeziehungen sind hoffentlich immer freiwillig, sonst zahlen beide hinterher den Preis.
Ich habe den Eindruck, dass Sie mit einem unerwachsenen Mann zusammen sind, wie ich sie in meinem Buch beschrieben habe. Als Partnerin wird man da oft in die Mutterrolle gedrängt, die eben wartet – so wie Sie das immer wieder tun – und der Mann mit 42 Jahren (!) auf wichtige Fragen immer nur ein “Ich weiß nicht” zustandebringt.
Ihre Beziehung ist ernsthaft gefährdet, genau genommen ist es ja auch schon lange keine richtige Beziehung, sondern Sie sind eine Alleinerziehende mit Kind, die noch einen 42jährigen “Sohn” hat, der ab und zu auftaucht. Es klingt auch nicht so, dass Ihr Mann mit der Situation ein größeres Problem hat, aber Sie haben eines und deswegen werden Sie auch handeln müssen.
Frage: Wo ist Ihre Wut?
Danke für Ihren Kommentar.
Hallo Lisa,
ich glaube, eine solche Situation kann man nicht strategisch angehen, im Sinne, was muß ich tun, damit das und das passiert. Es ist kein Schachspiel, sondern es geht um Menschen, vielleicht auch um Liebe, auf jeden Fall auch um Würde.
Meine Befürchtung ist, dass Ihr Mann sich mit jemandem eingelassen hat, der eventuell eine Borderline-Störung hat. Dafür spricht der Gefühlsorkan und das dauernde Übertreten von Grenzen. Solche Menschen können einen total faszinieren und das Leben mit ihnen ist sehr anstrengend.
Aber zu Ihnen: Sie müssen wissen, was Sie wollen und vor allem auch spüren, wo Ihre Grenzen sind. Also, was Sie bereit sind, alles hinzunehmen in der Hoffnung, dass Ihr Partner den Weg zu Ihnen zurückfindet.
Es sieht ja so aus, dass Sie beide allein aus diesem Gefühlschaos nicht herausfinden, weil auch gar nicht klar ist, worum es eigentlich geht. Geht es um die Qualität Ihrer Ehe, um die Midlife-Krise Ihres Mannes, um die andere Frau? Eine Lösung für ein Problem findet man erst, wenn man genauer verstanden hat, was eigentlich das Problem ist. Das ist naturgemäß in einer solchen Situation nicht leicht zu klären.
Insofern rate ich Ihnen zu einer Paar-Krisenberatung, denn im Beisein eines neutralen Dritten, der Ahnung hat, kann man gemeinsam sortieren und Wege suchen. Um herauszufinden, ob Ihrem Mann außer Rosen und Liebesschwüren noch etwas an Ihnen liegt, können Sie ihm das vorschlagen und evtl. auch zur Bedingung machen (also Grenze setzen). Anhand seiner Reaktion wissen Sie dann vermutlich etwas mehr, wie er zu Ihnen steht.
PS: Nun habe ich vor lauter Situationsbeschreibung meine eingangs erwähnte Frage vergessen. Ist es nun besser, ich gehe auf Distanz und hoffe daß mein Mann auf mich zu geht, oder soll ich ihm entgegen kommen, damit er nicht zu der Praktikantin geht?
Ein enger Freund meines Mannes hat die Situation mir gegenüber so beurteilt, daß mein Mann momentan einfach gar nicht mehr weiß was er machen soll und hin und her gerissen ist. Sollte ich mich entscheiden zu gehen, glaubt er daß mein Mann dann zu der anderen Frau geht. Offensichtlich hat mein Mann in der Tat eine Entscheidung zwischen “Vernunft” und “(Orkanartigem Verliebtheits-)Gefühl” treffen müssen. Dieser Freund hat mir den Rat gegeben, wenn ich das Ziel habe meinen Mann behalten zu wollen, daß ich dann eine Balance zwischen Nähe und Distanz im genau richtigen Ausmaß hinkriegen muß. Sollte ich all das nicht mehr aushalten und gehen, dann würde er glauben daß mein Mann zu der anderen Frau geht.
Wie soll ich mich Ihrer Meinung nach am besten verhalten???
Danke,
Lisa
Lieber Herr Kopp-Wichmann,
ich habe mir auch andere Blogs von Ihnen durchgelsen und möchte noch eine Frage stellen, die mir auf dem Herzen liegt.
Als ich von der Beziehung/Affaire meines Mannes gehört hatte, bin ich zunächst auf Distanz gegangen und habe ihn an dem Abend mitgeteilt, daß ich mich scheiden lassen möchte. In dieser Nacht sind wir wechselseitig immer wieder zu unseren dann getrennten “Schlaflagern” gekommen, um über uns zu sprechen. Am frühen Morgen (Samstag) habe ich eingelenkt und gesagt, sollte es überhaupt noch einen Versuch geben für uns, so muß er SOFORT die Beziehung zu der anderen Frau/Praktikantin beenden. Mein Mann wollte dem zunächst nicht nachkommen, hat sich aber dann von mir “überreden” lassen. Er wollte explizit nicht meinem Wunsch nachkommen, daß ich bei dem Gespräch dabei bin. Er ging raus und kam mit verweinten Augen wieder zurück. Die “andere” wollte es wohl nicht akzeptieren, daß mein Mann geht und hat dann paralle einen Email-Account eingerichtet, wo sie ihm bis zu 50 Liebesemails am Tag geschrieben hat. Sie hat Pläne für die Zukunft geschmiedet und meinem Mann auf 1000erlei Arten gesagt wie sehr sie ihn liebt, mit ihm leben möchte, sich schon als seine Frau versteht und was sie alles in einem Leben ohne ihn vermissen würde. Ohne Zweifel, Ihr emotionaler IQ ist sicher sehr hoch. Mein Mann war total in Ihren Bann gezogen. Am Sonntag bin ich dann auf einer Familienfeier gewesen und mein Mann war den ganzen Tag allein. Dies hat sie wieder dazu genutzt den Kontakt aufzunehmen, ihn anzurufen und ihm per sms die Einlogg-Daten für diesen geheimen Email-Account zu geben.
Auf den Punkt gebracht hat sich mein Mann in einer Situation wiedergefunden, welche eine verletzte, sehr distanzierte und leicht reizbare Ehefrau auf der einen Seite und eine vor Liebe und Leidenschaft sprühende Geliebte auf der anderen Seite hatte. Ich muß hinzufügen, daß mein Mann extreme (Gefühls-)Intensität faszinierend findet. Dies hat dazu geführt, daß mein Mann stillschweigend täglichen Kontakt wieder mit dieser Praktikantin hatte und meine einwöchige Abwesenheit (weil ich den Kopf klar kriegen wollte) trotz vorheriger gegenteiliger Schwüre für einen erneuten Liebeskontakt über 5 Tage und Nächte mit ihr genutzt hat. Sie hatte sich einfach mal sofort auf Kosten meines Mannes in ein nahegelgenes Hotel eingebucht und die Werktage über gewartet, bis mein Mann abends Zeit für sie hatte. Das Wochenende haben beide natürlich intensiv genutzt. Ich hatte einmal abends bei uns zu Hause und dann auf dem Handy meines Gatten angerufen und keiner ist rangegangen. Im Nachhinein habe ich dann erfahren, daß er im Hotel bei Ihr war und nach dem Anruf schnell nach Hause gelaufen ist um mich vom Fetznetz zurück zu rufen.
Nun denn, ich kam wieder nach Hause nach der einen Woche und mein Mann kam früher als gewöhnlich aus dem Büro mit einem Strauß voller Rosen – 5 weiße in der MItte und 15 rot-weiße außen herum. Die weißen Rosen sollten für einen Neuanfang stehen und die weiß-roten für die noch “restliche” Vorhandene Liebe zwischen uns. Es war unser Hochzeitstag und ich muß gestehen, daß ich ihn ganz vergessen hatte. An dem Abend hatter er noch einen wunderschönen Tisch in einem sehr romantischen Schloßrestaurant bestellt und er wollte einen “Wiedereinstieg” in unsere Ehe finden. Ich war sehr skeptisch, insbesondere nach dem ich aus ihm rausgekriegt hatte, daß der Kontakt die ganze Zeit seit dem letzten “Schlußmachen” noch besteht. Mein Mann schlug vor, daß er gemeinsam mit mir eine “Leb wohl”-SMS verfasst und diese vor meinen Augen an die Praktikantin versendet. Gesagt getan und gleich darauf klingelte unser Festanschluß. Mein Mann hieß mich daß ich ran gehen sollte. Es war diese Praktikantin, die mir dann wörtlich sagte “Netter kleiner Rettungsversuch. Ich bin schwanger von Michael. Michael gehört mir”. Aufgrund der eingeschränkten Zeugungsfähigkeit meines Mannes war ich sehr skeptisch, fand aber die Art wie sie noch weiter versucht mich zu verletzten in höchstem Maße charakterlos – wie überigens mein Mann auch.
Mein Mann hat dann zwei Tage später Ihr auf Ihre zahlreichen Liebesmails geantwortet, daß es so hart wäre ohne sie zu leben. Daraufhin hat sie sich natürlich wieder komplett bestätigt gefühlt. Mein Mann hatte leider von meinem Computer geschrieben und den Account versehentlich nicht richtig geschlossen, so daß ich das ganze Ausmaß in seiner Vollständigkeit sehen konnte (inklusive dem Beginn, zu dem mein Mann bis dato beharrlich geschwiegen hatte). Als Reaktion auf meine direkte Konfrontation damit, hat mein Mann dann am nächsten Tag ein langes einfühlsames Abschiedsmail verfasst, daß er mich auch gezeigt hat. Leider glaubt diese Praktikantin beharrlich, daß alles negative von mir kommt und sie dem Sieg der Liebe zwischen ihr und meinem Mann trotz aller Umstände vertrauen kann. Sie will einfach nicht verstehen, daß mein Mann sich für mich entschieden hat und denkt / schreibt ich bedrohe meinen Mann und tobe und halte ihn damit. Sie schickt täglich SMS oder ruft an auf dem Handy meines Mannes. So ist es für meinen Mann natürlich nicht gerade einfach sich und seine Gefühlslage wieder zu sortieren. Er sagt allerdings auch, daß er wild entschlossen ist für unsere Ehe zu kämpfen. Ich weiß nur manchmal nicht mehr was ich ihm noch glauben kann.
Ich bin Ihnen so dankbar für Ihren Rat.
Herzliche Grüße
Lisa
Hallo Lisa,
freut mich, wenn Sie mit meiner Ferndiagnose etwas anfangen konnten.
Ihr Mann könnte jedes Seminar besuchen. Die Titel spielen keine Rolle. Es ist jedes Mal dasselbe Seminar, weil es um ganz andere, eben persönliche Inhalte des Einzelnen geht. Wir machen ja keine Tipps, Methoden oder Übungen, sondern schauen bei jedem ziemlich tief, was dahinter steckt. Also beispielsweise bei Ihrem Mann hinter seiner 85-Stunden-Woche.
Hallo Herr Kopp-Wichmann,
ich bewundere Ihre Fähigkeit die Dinge sehr präzise auf den Punkt zu bringen. Was unsere Situation angeht, haben Sie glaube ich den Nagel auf den Kopf getroffen.
Ich habe mir mal Ihre Seminare angesehen und hätte das Seminar Work-Life-Balance für sinnvoll für meinen Mann gehalten. Sehen Sie das auch so? ich bin allerdings noch skeptisch, daß er sich darauf einlassen wird… Wäre das aus Ihrer Sicht auch das beste Seminar?
Viele Grüße
Lisa
Hallo Lisa,
tut mir leid, dass es mit der Antwort länger als gewöhnlich dauerte, ich bin in Urlaub in Portugal und die Internetverbindungen sind hier rar.
Nun zu Ihrer Situation. Es ist ein “klassischer” Fall aus meiner Sicht. Mann stürzt sich in die Karriere und jagt irgendetwas nach, von dem er nicht weiß, was es eigentlich ist und deshalb auch nicht erreichen kann. Frau stellt sich ganz hinter ihn, hält ihm den Rücken frei und gibt ihre eigenen Interessen und Wünsche fast ganz auf. Mann entdeckt durch eine Praktikanten, dass es auch noch was anderes im Leben gibt als Arbeit und verliert völlig den Überblick.
Ich denke, jenseits Ihrer gegenwärtigen Problematik haben Sie beide ein individuelles Problem. Sie, Lisa, dass Sie sich viel zu sehr zurückgenommen haben, immer alles recht machen wollten und natürlich enttäuscht sind, dass Ihre “geheime” Rechnung des Ausgleichs nicht aufgegangen ist. Konkret: Sie sollten wieder egoistischer werden, sich deutlich mehr abgrenzen Ihrem Mann gegenüber, klare Forderungen stellen, wie es aus Ihrer Sicht weitergehen soll. Es kann sein, dass Sie das nicht allein schaffen, vielleicht sollten Sie sich dafür professionelle Rückendeckung besorgen.
Ihr Mann hat ein großes Problem, ahnt es vielleicht, kennt es aber nicht. Per Ferndiagnose vermute ich, dass er noch etwas beweisen muss. Da das aber nicht geht, ist er im Hamsterrad. Wenn Ihr Mann offen ist für so etwas, empfehlen Sie ihm den Besuch eines meiner Persönlichkeitsseminare. Da sitzen reihenweise Männer mit derselben Thematik.
Es klingt so, dass Ihrer beider Liebe noch vorhanden ist. Das ist ein gutes Fundament. Nur müssen Sie jetzt beide an Ihrer Beziehung arbeiten. Hilfen dazu stehen ja hier in meinen Kommentaren oder im ganzen Blog.
Sie sollten sich auch gegen Ihre Familie deutlich abgrenzen, von der Sie möglicherweise noch nicht abgelöst sind. Ihre Familie hat sich mit Ratschlägen, was mit Ihrer Ehe werden soll, völlig rauszuhalten. Eltern sind nie objektiv, Freundinnen auch nicht. Ein Außenstehender kann einem sowieso nichts raten. Sie müssen selbst herausfinden, wie Sie eigentlich in diese Situation hineingeraten sind, was also Ihr Beitrag dazu ist und dann klären, was Sie wollen. Ihr Mann muss dasselbe tun, dann haben Sie noch eine Chance.
Danke für Ihre Offenheit.
Hallo Herr Kopp-Wichmann,
mein Mann (42 J) und ich s(41 J) sind seit über 20 Jahren zusammen, seit 6 Jahren verheiratet und haben einen 4jährigen Sohn.
Anfang April “beichtete” mir mein Mann, dass er sich in unserer Beziehung nicht mehr wohl fühle, er nicht wisse, ob er mich noch liebt, er sich die Frage stellen würde “ob das alles in seinem Leben gewesen ist ob es so noch die nächsten 20 Jahre so weiterleben wolle, etc.
Außerdem sei er “ausgebrannt und lustlos” aufgrund der ewigen Pendelei zwischen Wohnung und Arbeitsstätte (er arbeitet 120 km entfernt und fuhr diese Strecke bis dato täglich).
Ich war natürlich total erschrocken, wir haben viel geredet und ich habe zugestimmt, daß er die Strecke nicht mehr täglich zu fahren brauche (er ist Soldat und kann in der Kaserne übernachten) und wir dadurch vielleicht auch etwas Abstand bekommen.
Anfang Juni habe ich dann herausgefunden, daß er seit Mitte Februar eine Affäre mit einer 26jährigen Arbeitskollegin hat und die “freie” Zeit unter der Woche wohl immer bei ihr verbracht hat. Nach Auffliegen seiner Affäre hatten wir einige Tage keinen Kontakt und ich habe beschlossen, um unsere Ehe zu kämpfen.
Er sagt er könne sich nicht entscheiden. Es ginge ihm auch nicht um die Frage “sie oder ich”. Sondern er müsse sich darüber klar werden, wie er sein weiteres Leben gestaltet. Ob er weiter mit Famile und allen Verpflichtungen aber auch Annehmlichkeiten weiterleben will.
In vielen Gesprächen habe ich nun auch herausgefunden, dass er wohl seit unser Kind auf der Welt ist nicht mehr so richtig glücklich ist. Dadurch dass er als Soldat viel unterwegs ist (oft auch wochenlang bei Auslandseinsätzen) hätte er sich nie richtig in das Familienleben integrieren können. Außerdem habe er nie wirklich ein Kind gewollt. Er hätte “wohl oder übel” meinem Kinderwunsch zugestimmt, da er unsere Beziehung nicht aufs Spiel setzen wollte. Ich muß dazu sagen, daß wir mehrere Jahre benötigt haben, um das Kind zu bekommen. Einschließlich vieler Untersuchungen, Therapien, etc. sowohl bei ihm als auch bei mir.
Ja und nun pendelt er mehr oder weniger seit Anfang Juni umher. Meist ist er am WE zuhause, die Woche über wohl immer wieder bei ihr. Wir sprechen viel, wobei ich meistens spreche. Ich bin auch immer diejenige, die das Gespräch sucht. Er äußert sich nicht. Außer “ich weiß nicht was ich will”. Vermutlich will er beides. Weiß aber auch, dass das nicht geht und ich das nie akzeptieren würde. Von Ablehnung, Geschenken, bis hin zu gutem Sex mit mir ist während dieser Zeit alles dabei. Ich kann und weiß nicht wie ich mit der Situation umgehen soll.
Momentan ist er im Auslandseinsatz für 6 Wochen und hat sich selbst “auferlegt” sich in dieser Zeit zu entscheiden. Ich bezweifele es, dass er es schafft, eine Entscheidung zu treffen. Wir haben z.Zt. (seit einer Woche) keinen Kontakt. Ich weiß auch nicht, wie ich mich verhalten soll, wenn er anruft.
Lieber Herr Kopp-Wichmann,
wie soll ich mich verhalten?Auf Distanz gehen?
Und was ist nach seiner Rückkehr?
Ich wäre ihnen dankbar für einen Rat oder Tipps. Ich weiß wirklich nicht weiter. DANKE.
Hallo Herr Kopp-Wichmann,
mein Mann und ich sind seit 6 Jahren ein Paar und seit 4 Jahren verheiratet. Mein einfühlsamer “Alpha”-Mann war immer mein Traummann und meine Liebe zu ihm ungebrochen. Ich habe im stets den Rücken gestärkt, ihn in seinem beruflichen Fortkommen unterstützt (auch da wir mehrfach in denselben Firmen gearbeitet haben). Wir sind mehrfach quer durch Deutschland gezogen – immer den Karrierechancen meines Mannes folgend – und ich habe unser gesamtes Privatleben immer wieder aufgebaut. Über den immensen Stress meines extrem ehrgeizigen Mannes ist unser Sexleben ziemlich eingeschlafen. Seit 3 Jahren versuchen wir Kinder zu kriegen. Leider bislang ohne Erfolg. Wir haben eigentlich in den letzten 2,5 Jahren nur noch miteinander geschlafen, um ein Kind zu kriegen ohne uns um unsere Lust zu kümmern. Seit letztem Jahr wissen wir, daß die Ursache für die ungewollte Kinderlosigkeit in der Spermienqualität meines Mannes liegt. Parallel hat er in einer großen Beratungsfirma >85 Std./Woche gearbeitet. Dabei hat er sich im Februar wohl während eines Projektes in eine 12 Jahre jüngere Praktikantin verliebt. Im März hat er aber mit mir den ersten IVF-Versuch durchgezogen, der leider nicht erfolgreich war. In Folge seines mangelnden Interesses aus meiner Sicht und seiner Unzufriedenheit mit sich selber haben wir immer mehr miteinander gestritten. Daraufhin hatten wir eine kurze Auszeit (1Monat) vereinbart, damit sich jeder wieder überlegen kann was wir an uns haben. Mein Mann hat stets betont, daß dies nicht dazu dienen soll sich zu trennen. In dieser Zeit hatte er eine intensive sexuelle Beziehung mit dieser Praktikantin. Nach der Rückkehr meines Mannes merkte ich zum erstenmal, daß der Schuß mit dem Ausziehen gewaltig nach hinten losgegangen ist. Er war mir gegenüber nie so distanziert wie zu der Zeit und die folgenden Wochen. Seine Begründung war immer eine “Mid-Life”-Crisis und daß er nicht mehr so genau weiß was er für mich empfindet. Wir sind dann noch 2 Wochen im Urlaub gewesen, der auf der emotionalen Ebene fürchterlich war. Mein Mann war innerlich so rastlos und unausgeglichen. Ich wußte nicht gegen welche “Dämonen” ich kämpfen sollte, da ich ihm so sehr vertraute daß ich mir ein Fremdgehen bei ihm nicht vorstellen konnte.
Seit 1 Monat weiß ich von der Affaire. Es ist durch Zufall rausgekommen. Mein Mann hat mir zunächst nichts freiwillig erzählt, sondern ich habe die Dinge nach und nach selber rausgefunden. Ich wollte daraufhin die Scheidung. Mein Mann hat aber stets betont, daß er mich unter keinen Umständen verlieren möchte, aber diese Praktikantin läuft Amok und meinem Mann fällt es schwer dieser Explosion von Liebesbriefen, SMS und Aufmerksamkeit zu widerstehen. Er hat sich wohl wirklich verliebt, sagt aber dennoch daß er mich liebt und sich ein Leben ohne mich nicht vorstellen kann.
Nun haben wir gestern wieder gesprochen und er weiß nicht wie er mit den Schuldgefühlen leben soll und ob auch meine Familie ihm je verzeihen wird (meine Familie bearbeitet mich, daß ich mich von meinem Mann trenne). Ich selber kann nur noch weinen und fühle mich zwischenzeitlich sehr leer. Dennoch weiß ich in meinem Herzen, daß ich nie wieder jemanden so intensiv lieben kann wie meinen Mann – trotz dieses immensen Vertrauensmißbrauchs.
Mein Mann möchte um uns kämpfen, aber er hat soviel gelogen und hängt offensichtlich gefühlsmäßig sehr tief in dieser Affaire drin. Aber er weiß, daß das Gefühl des Verliebtseins anders zu sehen ist, als eine langjährige gewachsene Liebe…
Ich bin Ihnen dankbar für Ihren Rat. Ich wünsche mir so sehr, daß wir uns nicht verlieren.
Lisa
Hallo Monika,
das mit der Vertraulichkeit innerhalb einer Gruppentherapie ergibt sich meiner Meinung nach von selbst. Mit Regeln lässt sich das nicht allein organisieren. Aber jeder will ja den geschützten Raum für sich. Wenn einer doch etwas nach außen trägt, kommt das meist raus und wird bearbeitet.
Dass eine Gruppe sich nicht selbständig außerhalb der Gruppentermine trifft, ist eine wichtige Regel für alle Gruppentherapien. Denn sonst entstünden ja Parallelveranstaltungen und man wüsste gar nicht mehr, was mit wem wann besprochen wurde. Außerdem ist dadurch klar, dass Gruppentherapie eine Behandlungsform darstellt mit einem klaren Rahmen. Würde man sich außerhalb der Sitzungen zusätzlich treffen, würde es zu einem sozialen Ereignis umgewandelt werden. Auch würde sich die Beziehungsform untereinander deutlich ändern.
Danke für Ihre Überlegungen.
Hallo Herr Kopp-Wichmann,
Ihr Kommentar hat mich dazu gebracht Gruppentherapie weiter durchzudenken – denn irgendwie favorisiere ich die Einzeltherapie (obwohl ich hier zwar ein meinerseits sehr positiv empfundenes Erstgespräch hatte, aber noch nicht weiss, ob ich diesen Platz angeboten bekomme), wobei mich zugegebenermaßen auch – das Unbekannte der grösseren Menge(?) – interessiert. Es sind zwei sehr unterschiedliche Vorgehensweisen…. Ich habe daher auf meiner Onlinesuche, was genau darunter zu verstehen ist, ein Merkblatt gefunden, das nochmal wichtige andere Aspekte anbringt, die ich bisher weiter gar nicht bedacht habe: so u.a., dass Stillschweigen über das Gesagte von allen Teilnehmern verlangt wird, sowie Treffen der einzelnen Teilnehmer ausserhalb des gestellten Rahmens eigentlich nicht erwünscht sind. Beides fand ich wichtige Aspekte, bin mir aber nicht sicher, ob dies allgemein für Gruppentherapie gilt, oder einfach von dem hier Verantwortlichen so definiert wird (www.psychicus.de/PsychicusGruppentherapie.htm). Haben Sie dazu eine Erfahrung?
Jedenfalls der Aspekt, dass Anvertrautes an einen Therapeuten nicht weitergegeben wird, i.e. ausserhalb meines gewohnten Kommunikationsraumes stattfindet, empfand ich als sehr ausschlaggebend – und ich denke, dass dies auch der erste Grund ist, dass man ohne Vorkenntnisse eine Gruppentherapie eher als informellen Kreis empfindet, dem man nicht soviel mitteilen wird, da man nicht sicher ist, wohin es dringt – selbst wenn es natürlich keinen vernünftigen Grund gibt anzunehmen, dass dies in das gewohnte Lebensumfeld dringen wird .. trotzdem scheint es, dass man das unbewusst annimmt es sei nicht so ‘aufgehoben’. Ich gehe auch zwar nicht davon aus, dass eine Therapie letztendlich nicht Einfluss nimmt auf das Lebensumfeld, jedoch der quasi ‘geschützte’ Raum zum Aussprechen bisher ungenannter Themen schien mir wichtig … ich mag falsch liegen .. keine Ahnung …
Hm .. meine angedeutete Schüchternheit war auch das wesentliche Argument des Angebots …. Interessant scheint mir hier auch, dass ich dann letztendlich Ihnen hier im Internet geschrieben habe, was ja einem grösseren Kreis Zugang erlaubt, und was mich jedenfalls einige Überwindung kostete – anderseits hoffe ich natürlich auf die relative Anonymität des Netzes und der Masse. Dass Sie hier klar Stellung nehmen allerdings hilft sehr ein gewisses Vertrauen zu schaffen …
Nun gut, ich bin wohl noch am Nachdenken, und etwas unentschieden .. Vielen Dank jedenfalls für Ihre Resonanz.
monika
Hallo Monika,
nicht leicht zu beantworten, da es zwei ganz unterschiedliche Arten sind und beide Vorteile haben. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass es für Sie passt. Zum einen wegen der von Ihnen eingebrachten Schüchternheit, zum anderen weil Sie sich da eben konkret mit anderen Meinungen auseinandersetzen können und dazu Ihren eigenen Standpunkt finden müssen.
Wenn eine Gruppe gut geleitet wird, kann dies für einzelne Themen genauso intensiv sein wie eine Einzeltherapie. Vermutlich müssen Sie auch das ausprobieren.
Danke für Ihren Kommentar.
Hallo Herr Kopp-Wichmann,
ich komme nochmal hierher zurück … da mir Ihre Hinweise sehr gut taten. Ich versuche gerade eine neue Therapeut/in zu finden, da Ihr Hinweis, dass ich wohl nicht so wohl mit der gerade begonnenen Therapie fühlen würde, mich aufmerksam machte.
Und zwar wurde mir nun die Teilnahme an einer Gruppentherapie vorgeschlagen, was mich zum Teil reizt (werde kurz darauf eingehen), mich aber auch verunsichert. Ich hatte bisher diese Therapieform nicht in Betracht gezogen, irgendwie also nicht darüber nachgedacht. Es scheint sich im Gegensatz zu einem temporären Seminar oder Wochenende, um eine wöchentlich fortgesetzte Sitzung einer bestimmten Gruppe zu handeln, die sich unter Supervision eines/r Therapeutin trifft.
Positive Aspekte wären für mich das Miteinander, der grössere Kreis, auch das Argument, dass dies vor allem für schüchterne Menschen (zu denen ich eher zähle) von Vorteil wäre .. all dies zieht mich an – allerdings bin ich mir nicht so sicher, ob dies nicht zu Lasten einer intensiveren Auseinandersetzung geht. Neben dem Argument, dass mir in letzter Zeit verschiedentlich gesagt wurde, ich seie zu egoistisch, frage ich mich auch, ob ich hiermit nicht konkreten Fragestellungen ausweichen würde .. naja .. vielleicht wäre dieses ja auch eine wünschenswerte Ablenkung … ???
Zum Anderen hatte ich ein Gespräch, das ich sehr positiv fand, bei dem mir aber gesagt wurde, dass aufgrund meiner psychosomatischen Symptomatik nicht klar sei, ob ich an der richtigen Adresse sei. Ich denke es zieht es mich hierhin – obwohl bisher ungeklärt (inzwischen würde ich sagen nicht unbedingt von meiner Seite), ob dies möglich wäre – und mit der neuen Offerte auch neue Unsicherheiten auftauchten bezüglich der erwähnten Egozentrik, wie auch Aussicht auf andere Kontakte entstand ….
Gleichzeitig frage ich mich jedoch, ob es nicht auch ein Ausweichen konkreter Fragestellung, was ich derzeit unter Einzeltherapie verstehe, bedeuten würde …. Fakt ist derzeit, dass mein Freund, obwohl er sagt, ich sei ihm wichtig, ein Gespräch für nicht möglich hält, da ich zu emotional reagieren würde. Für mich basiert dies allerdings – trotz aller signalisierter Bereitschaft, auf einem sehr ablehnendem Verhalten, das dies quasi vordefiniert, aber nicht wenigstens versucht ……
Für mich daher eher ein Indiz, dass ich mich mit mir auseinandersetzen muss ….
Ok… ich weiss nicht genau, was man hierheraus lesen kann .. wäre jedoch sehr dankbar für eine spontane Antwort. Vielen Dank
monika
Hallo Ornella,
ich halte wenig davon, das jetzt noch zu “beichten”, wenn Sie davon ausgehen, dass dies das Ende der Beziehung bedeuten könnte. Buchen Sie es unter Jugendsünden und dass Menschen eben manchmal ihre selbst gesteckten Ansprüche nicht einhalten können.
Wenn Sie Schuldgefühle nur haben, wenn Sie Ihren Mann nicht sehen, könnte das ein Zeichen sein, dass Sie vielleicht gern noch einmal fremdgehen würden. Aber das ist nur eine Idee von mir, die nicht stimmen muss.
Für Ihr Bestrafungsbedürfnis: tun Sie etwas, was Ihnen ein bißchen unangenehm ist. Also spenden Sie einen Betrag für eine Organisation, deren Ziele Sie nicht gutheißen. Oder tun Sie etwas für Ihren Mann, das ihm gefällt, Ihnen aber nicht. Aber übertreiben Sie es nicht damit. Irgendwann sollten Sie sich nämlich diese Jugendsünde vergeben.
Danke für Ihre Frage.
Lieber Herr Kopp – Wichmann,
Ich habe gerade ein bisschen in ihren wirklich tollen, durchdachten Kommentaren gestöbert und hoffe sehr, Sie können mir bei meinem Problem etwas weiterhelfen.
Ich bin mit meinem Mann jetzt seit 5 Jahren zusammen. Ich bin mit ihm zusammen gekommen als ich 20 war, er war eigentlich meine erste richtige Beziehung. Er ist dagegen schon etwas älter und hatte viel mehr Erfahrung. Am Anfang war ich mit der Beziehung überfordert und der Sex war für mich sehr unbefriedigend. Im ersten Jahr bin ich ihm dann auch mit meinem davorigen Freund 2 mal fremdgegangen. Aber währenddessen hatte ich auch jedes Mal ein total schlechtes Gewissen und habe es mittendrin abgebrochen.
Seit dem war ich treu, seit 4 Jahren, hatte auch nie mehr das Bedürfnis, obwohl wir eine Fernbeziehung für ein Jahr hatten, in der wir uns nicht gesehen haben und auch kaum Kontakt hatten. Seitdem haben wir auch eine super Beziehung.
Naja, auf jeden Fall habe ich ihm nie davon erzählt, denn die Beziehung wäre danach für ihn zu 100 % aus.
Ich habe aber teilweise echt ein wahnsinnig schlechtes Gewissen und denke, ich müsste für das, was ich getan habe, bestraft werden. Komischerweise habe ich die Schuldgefühle nur, wenn ich ihn nicht sehe.
Auf der anderen Seite sehe ich auch, dass ich damals (mit 20) doch noch sehr jung und unerfahren war und es daher vielleicht irgendwie verständlicher ist.
Hallo Herr Kopp-Wichmann,
hallo Susann, Martin und ihr anderen,
ich habe in dem Buch auch ein wenig weitergelesen und finde es nachwievor recht brauchbar. Die etwas nüchternere Betrachtungsweise finde ich ganz gut. Emotional, anstrengend ist es im realen Leben sowieso schon. Die nüchterne “Schreibe” ist ein guter Kontrast. Die besseren Entscheidungen/Einsichten hat man – meiner Erfahrung nach – doch eher, wenn man etwas abgekühlt ist, sich erste Emotionen gelegt haben und nicht nur die totale Verliebtheit oder die große Verletztheit eine Stimme bekommt. Der Kopf gehört bei allem Bauch ja auch dazu. Der muss nämlich doch letztlich sich mit den Gefühlen auseinandersetzen, sie beachten und dann Entscheidungen treffen. Das Zusammenspiel macht hier meines Erachtens die Musik.
Und bei Clement kommen auch Affären zu Wort, die etwas jenseits des “Mainstream” liegen.
Für mich kommt als Botschaft außerdem rüber: Von einer Affäre geht die Welt nicht unter. Tut sie auch nicht. Das Leben geht weiter, meist lernen alle Drei aus der Geschichte ansich und über sich was. Es bringt alle weiter. Sicher nicht auf komfortable Weise. Aber das Leben ist nicht immer komfortabel.
Grüße,
Barbara
hallo susan,
ja… das klingt alles plausibel was du sagst… ich stimme dir zu. deinen beiträgen nach zu urteilen hast du dich (bzw. ihr euch) sehr intensiv mit dem thema beschäftigt. und das wichtigste: ihr beide wollt zusammen bleiben und habt somit gute chancen daran zu wachsen…
alles gute martin
Hallo Martin,
kein Problem, ich fühle mich nicht angegriffen. Das ist ja eine durchaus berechtigte Frage die Du stellst. Wir haben uns natürlich auch gefragt, ob man mir denn überhaupt wieder trauen kann. Aber ich denke mit der These “Einmal Betrüger, immer Betrüger” oder auch “Einmal treu, immer treu” macht man es sich zu einfach.
Ich glaube allerdings auch, dass manche Menschen “anfälliger” sind, sich auf eine Affäre einzulassen und andere weniger. Das hat sicher mit Faktoren zu tun wie dem Maß an Verantwortungsbewusstsein, der mehr oder weniger starken Verbundenheit zu moralischen Werten, der Empfänglichkeit für Abenteuer und Kitzel, Naivität, Erfahrungen aus der Vergangenheit… die Liste ist sicher nicht abschliessend und liesse sich noch um einiges erweitern. Das sind gewisse Dispositionen, die bei jedem Menschen unterschiedlich verteilt sind und an denen man grundsätzlich wohl auch nichts ändern kann.
Aber man kann erkennen, welche dieser Faktoren man selber in sich trägt und wenn man sich der Gefahren dann bewusst ist, kann man bewusst gegensteuern. Wenn ich z.B. weiss, dass gewisse Situationen kritisch für mich sein könnten, dann darf ich mich eben nicht mehr in solche Situationen begeben. Wenn man seine “Defizite” erkannt hat, kann man sich entsprechend verhalten.
Unter Umständen kann man so jemanden dann vielleicht zukünftig sogar mehr trauen als jemanden, der bislang immer treu war. Denn vielleicht hat dieser treue jemand genau solche “Defizite”, hat sie aber noch nicht erkannt, weil er bislang vielleicht noch gar nicht in einer Situation war, in der sie hätten gefährlich werden können (Stichwort: Mangel an Gelegenheit). Nur aus der bisherigen Treue kann man dann meiner Meinung nach nicht auf die Zukunft schliessen.
Ein weiterer Faktor ist denke ich aber auch die persönliche Lebensgeschichte. Ist der Partner der erste Freund oder habe ich mich schon “ausgetobt”, läuft meine Beziehung gut, habe ich überhaupt Gelegenheit zum Seitensprung usw. ? Diese Faktoren treffen dann wiederum auf die persönliche Disposition und können so in verschiedenen Lebensabschnitten eine mehr oder weniger fatale Kombination ergeben. Woher will der jetzt Treue wissen, ob er nicht auch mal in eine Lebenssituation gerät, wo er für sowas anfälliger ist (Stichwort: Midlife-Crisis).
Also lange rede kurzer Sinn: ich denke manche Menschen sind “anfälliger” als andere, aber daraus diese Pauschalisierungen abzuleiten halte ich für unzutreffend.
LG Susan
hallo susan,
du schreibst:
“Viele Seitensprünge resultieren denke ich auch aus dem Reiz des Verbotenen, dem Kitzel des Neuen, usw., den einem die Beziehung einfach gar nicht geben kann”
verstehe ich dich richtig? seinen reiz wird ein seitensprung nie verlieren und ein kitzel bleibt wohl auch immer vorhanden. und wenn dies dir nicht die beziehung geben kann, dann ist es nur eine frage der zeit bis es dir wieder passiert, weil du halt ein typ bist der nicht widerstehen kann?
es gibt vielleicht einfach menschen die diesem reiz widerstehen können und andere die das nicht schaffen bzw. sich damit schwerer tun. ich sehe in einer affäre durchaus auch einen reiz und kitzel, habe es aber bisher noch nicht gemacht. die hemmschwelle ist wegen den schuldgefühlen, meinem verantwortungsbewußtsein oder vielleicht auch nur wegen der angst dass es doch irgendwie herauskommen könnte recht hoch.
gibt es also nur zwei sorten von menschen? entweder man ist (und bleibt) jemand der für eine affäre “empfänglich” ist oder eben jemand der “von natur aus” treu ist. dann würden folgende zitate passen:
Untreue Menschen bleiben sich, getreu ihrem Wesen, bis auf den Tod treu.
© Bülent Kacan, (*1975), Student der Linguistik und Literaturwissenschaft, Lyriker, Aphoristiker und Autor
Betrüger können das Hemd wechseln, sie bleiben was sie sind.
© Roland Rinnau, (*1962), Redakteur und Hobbykoch
mich würde mal eine statistik interessieren, wie viele betrüger wirklich nur einmal untreu waren und nach beendigung der affäre dauerhaft treu waren…
verstehe mich nicht falsch. ich möchte dich dadurch nicht provozieren. ich wünsche dir dass alles wieder gut wird…
martin
Gibt es eigentlich irgendwelche Statistiken, wie viele Paare nach einer Affäre wieder dauerhaft glücklich werden / wurden ?
Lg Susan
Hallo zusammen,
also dann werde ich auch mal kurz meinen Eindruck von Wolfgang Clements Buch “Wenn Liebe fremdgeht” wiedergeben.
Ich habe es allerdings noch nicht vollständig gelesen, so dass ich mein Urteil möglicherweise später revidieren muss.
Bislang erscheint es mir aber (trotz der z.T. vernichtenden Kritiken zu dem Brigitte-Artikel und auch der eher ablehnenden Meinung von Herrn Kopp-Wichmann) durchaus hilfreich zu sein, zumindest in meiner Situation (bei Amazon gibt es übrigens im Wesentlichen positive Kritiken). Es stimmt, das Buch stellt die zugrundeliegenden Problematiken weniger dramatisch dar als einige andere Bücher und wird dadurch den grundlegenden Problemen und Fragen, die sich gerade am Anfang eines Verarbeitungsprozesses stellen, für viele wohl nicht gerecht und gerade die Betrogenen fühlen sich vielleicht nicht ganz ernst genommen. Die harsche Kritik wie zu dem Brigitte-Artikel hat es meiner Meinung nach aber nicht verdient. Da scheinen mir doch viele engstirnige oder verbitterte Leute dabei zu sein, bei denen so eine Situation vielleicht am Ende negativ ausgegangen ist oder die es für sich nicht wirklich verarbeitet haben. Oder auch Menschen, die noch nie in einer solchen Situation waren und sich damit nicht “auskennen”. Dann ist es leicht, den gängigen Moralvorstellungen entsprechend zu reagieren. Wenn man selbst darin steckt und das Problem lösen möchte, ist eben nicht alles schwarz und weiss.
Auch habe ich den Eindruck, man hat sich dort nicht wirklich Mühe gegeben, über die Thesen nachzudenken, sondern sehr vorschnell geurteilt. So kann man natürlich nicht erkennen, das da auch wahres dran ist.
Ich verstehe z.B. das Buch (und auch den Artikel) nicht so, dass er einem sozusagen das Recht auf Seitensprünge zugesteht und eine Beziehungsform proklamiert, in der das “normal” ist. Ich verstehe es eher als Versuch, die Hintergründe zu erklären, sollte es doch (trotz aller guten Vorsätze) zu einem Seitensprung gekommen sein.
Z.B. dieses Postulat: “Einen Seitensprung nicht persönlich nehmen enthält meiner Ansicht nach schon etwas wahres. Ich denke schon, dass viele Betroffene (Betrogene) sich fragen, ob sie etwas falsch gemacht haben oder was vorher in der Beziehung nicht gestimmt hat.
Sicher, oft ist ein Seitensprung auch ein Zeichen dafür, dass in der Beziehung etwas nicht stimmt. Aber das muss eben nicht immer so sein. Viele Seitensprünge resultieren denke ich auch aus dem Reiz des Verbotenen, dem Kitzel des Neuen, usw., den einem die Beziehung einfach gar nicht geben kann. Das kann natürlich keine Entschuldigung sein, denn beschissen bleibt es allemal diesen Reiz egoistisch auf Kosten des festen Partners auszuleben. Aber es kann doch eine Erklärung sein, die einem helfen kann zu verstehen und die Sache zu verarbeiten. Und in diesem Sinne ist das “Seitensprung nicht persönlich” nehmen glaube ich auch gemeint. Weil es eben nicht unbedingt Zeichen für einen “Mangel” des festen Partners oder der Beziehung sein muss. Eher Zeichen für einen “Mangel” des Betrügers, der nicht in der Lage war, diesem Reiz zu widerstehen. Aber Fehler zu machen ist menschlich und aus Fehlern kann man lernen. Aber wie gesagt, das ist alles keine Entschuldigung, aber für einige vielleicht eine Erklärung…
Wenn das Postulat allerdings so aufgefasst wird, dass der Betrogene denken soll “Ach, ich nehms nicht persönlich, hat mit mir gar nichts zu tun, also weiter im Text… ” bringt es einen natürlich nicht weiter und man löst das Problem nicht. Denn irgendetwas hat ja dazu geführt und man muss schon schauen was dahintersteckte um es zukünftig vermeiden zu können. Nur das was dahintersteckt muss eben nicht unbedingt etwas mit der Person des Partners oder der Beziehung zu tun haben.
Wir z.b. haben uns mit den Hintergründen meines damaligen Verhaltens und auch der Frage, ob ein Mangel der Beziehung zugrundelag, schon ausgiebig befasst und sind dabei zu dem Schluss gekommen, dass es eben an verschiedenen, komplexen und ineinandergreifenden Gründen lag (die wir im Einzelnen für uns erkannt haben), aber eben gerade kein Mangel in der Beziehung vorhanden war. Deshalb finde ich mich/uns auch in den “gängigen” Ratgebern zu dem Thema nicht wirklich wieder. Jellouschek z.B. greift in seinem Buch “Warum hast Du mir das angetan” viele dieser “gängigen” Beziehungs- oder Ursache/Wirkung-Muster auf, weshalb ich mich/uns dort auch nicht wirklich wiedergefunden habe. Ich war z.B. auch nicht in der Situation, mich für den Partner oder die Affäre entscheiden zu müssen, da ich das schon lange bevor die Sache ans Licht kam getan habe.
Bei uns ist es nun so, dass wir der Meinung sind, das Geschehene für uns gut aufgearbeitet zu haben. Was bleibt ist der dumpfe Nachgeschmack, dass so etwas passiert ist. Und gerade in dieser Situation erscheint mir das Buch von Wolfgang Clement ganz hilfreich, zum einen um sich z.T. in der eigenen gefundenen Sichtweise bestätigt zu sehen (es muss nicht an der Beziehung oder der Person des Partners gelegen haben) und eben auch weil es in gewisser Weise eine etwas entspanntere Sicht auf die Dinge vermittelt, was in der Situation, wo man eigentlich alles geklärt hat, nur das dumpfe Gefühl noch da ist, mir ganz hilfreich erscheint.
Aber letztlich kann man sicher auch nicht verallgemeinern, welches Buch für wen, wann geeignet ist.
Sorry dass es so lang geworden ist (aber wen´s nicht interessiert muss es ja nicht lesen ;o)).
Viele liebe Grüße
Susan
Hallo Alexandra,
in so einer Situation kann man sich ja nicht nicht entscheiden. Das heißt, wenn Sie wollen, dass er sich entscheidet, stimmen Sie dem gegenwärtigen Zustand zu. Okay, dann können Sie Ihre heimliche Affäre ja genießen. Können Sie aber nicht, weil Sie auch Schuldgefühle haben.
Sie wissen nicht, wie Sie das einschätzen sollen? Na, da lesen Sie mal die Kommentare hier, da sind alle Möglichkeiten von allen Seiten deutlich beschrieben.
Danke für Ihren Kommentar.
Lieber Herr Kopp-Wichmann,
um auf Ihre Frage zurück zu kommen, ich bin eine Frau und es ist nicht mein Freund sonndern eine “Affäre”. ER hat eine Freundin und lebt mit ihr zusammen. Sie weiss von nichts.
Ich hatte noch nie eine Affäre und fühle mich auch nicht wohl dabei, weil ich weiss dass sie betrogen wird, deshalb möchte ich auch dass er sich entscheidet. Fakt ist wir sind ineinander verliebt. Und ich weiss einfach nicht wie ich das einschätzen soll.
Liebe Grüße und danke vorab
Alexandra
Hallo Monika,
es freut mich, dass Sie aus dem Buch von Jellouschek so großen Gewinn ziehen können. Der Autor zeigt eben auf, dass einfache Ursache-Wirkungs-Prinzipien im Leben und in der Liebe meist zu kurz greifen.
In einer Dreiecksbeziehung, die länger geht, leisten immer alle drei Personen ihren – meist unbewussten – Beitrag. Dies zu erkennen und dann aufzulösen ist schmerzlich und aufwendig. Schön, dass Sie sich auf den Weg gemacht haben.
Danke für Ihren Kommentar.
Hallo Sabine,
natürlich ist es möglich, dass man zwei Frauen liebt. Nur muss man sich in der Regel eben entscheiden, sonst macht man es eben heimlich wie besagter Mann, weil er dann die Wut und den Schmerz seiner Frau erleben würde.
Eine solche Entscheidung fällt schwer, weil Sie den Verzicht oder Verlust auf einen Menschen nach sich zieht. Das tut weh und muss man betrauern. Will man das nicht akzeptieren oder fühlen, kommt man auf solch drollige Auswege wie, dass sich die beiden Frauen doch gut verstehen könnten.
Im Leben geht es manchmal um die Frage, ob man lieber in die Breite oder in die Tiefe geht. Banales Beispiel: natürlich kann man drei Wohnungen besitzen und abwechselnd ein paar Monate immer woanders wohnen. Zu Beginn glaubt man leicht, man hätte alle Vorzüge vereint. Aber auch das hat natürlich seinen Preis, weil man sich nirgends so richtig heimisch fühlen mag.
Auf Ihre Frage: es kommt darauf an, was der Mann für eine Beziehung zu seiner Frau hat bzw. haben will. Heimlichkeit hat immer ihren Preis, auch solange es geheim bleibt (Schuldgefühle) und erst recht, wenn es dann doch rauskommt.
Danke für Ihren Kommentar.
Ist es möglich, dass man 2 Frauen gleichzeitig liebt?
Er ist verheiratet und hat eine kleine Tochter. Er liebt angeblich beide Frauen und will keine verlassen. Seiner Frau hat er es noch nicht gesagt. Er möchte, dass sich die Geliebte und seine Frau gut verstehen. Er möchte mit seiner Geliebten keinen Sex haben, da er ansonsten ein schlechtes Gewissen gegenüber seiner Frau hat. Er behauptet, dass er dennoch seine Geliebte genauso liebt, wie seine Frau und dass er sich nicht für eine entscheiden möchte. Ist es denn wirklich möglich?
Sollte er über diese Affäre mit seiner Frau sprechen? Was raten sie den drei beteiligten?
Liebe Grüße
Sabine
Liebe Birgit,
also, dass Sie sich wegen diesem Windhund umbringen wollen, ist ja nun die bescheuertste Idee, das lassen Sie mal bleiben.
Sie müssen sich trennen, der Vater Ihres Kindes wird das nicht tun, dafür ist zuviel Zeit vergangen. Sie sollten sich auch überlegen, ob Sie wirklich die ganze Bürde allein tragen wollen und nicht nachträglich ihn als Vater angeben. Dann kriegt er zwar Ärger in seiner Beziehung aber ich finde, er hat Ihnen genug angetan, er muss auch seinen Teil der Verantwortung tragen.
Ich bin mir nicht sicher, ob Sie diesen Mann wirklich lieben. Es klingt mir mehr nach einer Abhängigkeit, weil Sie Angst haben vor dem Verlassenwerden oder dem Trennen. Das hat vielleicht etwas mit Ihrer Biographie zu tun.
Wenn Sie Selbstmordgedanken haben, kann das ein Hinweis auf eine Depression sein, was mich in Ihrem Fall nicht wundern würde. Mit anderen Worten: Sie brauchen professionelle Hilfe. Sie brauchen jemanden, der ganze auf Ihrer Seite ist und Ihnen hilft, Ihr Gefühlschaos und Ihr Leben zu ordnen.
Die Liebe zu diesem Mann hat meiner Ansicht keine Chance. Was Sie nicht wollten, eine Geliebte zu sein, ist tragischerweise eingetreten. Aber Sie sind eine – für den Mann – sehr bequeme Geliebte. Und das ist schlecht für Sie, was Sie ja an Ihren Gefühlen merken.
Also, verabschieden Sie diesen Mann und gehen Sie wieder in Richtung Leben, zusammen mit Ihrer kleinen Tochter. Dann finden Sie auch wieder neuen Lebensmut. Aber suchen Sie sich Hilfe, Sie schultern das schon viel zu lange allein.
Danke für Ihren Kommentar.
Lieber Herr Kopp-Wichmann,
ich habe Ihren Artikel und die Blocks hier mit sehr viel Interesse gelesen. Auch ich befinde mich in einer sehr großen Zwickmühle und hätte hierzu gerne, soweit dies hier in Kurzfassung möglich ist, bitte Ihren Rat:
Seit April 2005 habe ich eine Beziehung mit einem Mann, der eigentlich eine Lebensgefährtin hat. Ich weiß, dass dies keine “schöne Sache” ist, aber ich habe mich wirklich in ihn Hals über Kopf verliebt. Ich war anfangs immer skeptisch und habe ihn gefragt, was er denn von mir erwartet, denn ich möchte keine Geliebte sein. Er antwortete, dass er auch keine Affäre möchte, dass er seine Freundin verlassen möchte, er allerdings aufgrund diverser Umstände warten will, dass sie ihn verläßt.
Mit solchen und ähnlichen Sätzen und Ausreden hab ich mich immer und immer wieder vertrösten lassen. Zu meiner Verteidigung kann ich nur sagen, ich liebte ihn wirklich sehr.
Im Februar 2007 habe ich dann eine Tochter zur Welt gebracht, nämlich seine und meine Tochter. Es war eine nicht geplante Schwangerschaft und er hatte mir damals sehr schwere Vorwürfe gemacht, dass ich sein Leben zerstören würde und hat erwartet, dass ich eine Abtreibung im Ausland machen lasse. Dies habe ich eben nicht getan. Ich bin ihm aber so weit entgegen gekommen, dass er, nachdem ich diese Entscheidung allein getroffen habe, finanziell dafür nicht aufkommen muss, d.h. er steht nicht in der Geburtsurkunde unserer Tochter.
Nun wird unsere Tochter 2,5 Jahre alt und leider hat sich an der Situation noch immer nichts geändert. Er steht nach wie vor nicht zu uns, obwohl er noch immer versichert, dass es bald so weit sein wird. Unsere Tochter besucht er nur sehr selten geheim, damit niemand etwas erfährt.
Es ist ein Stück in mir gestorben, ich empfinde nicht mehr das selbe wie damals für ihn, aber leider schaffe ich es auch irgendwie nicht, mich von ihm zu lösen. Immer wenn ich mich nicht mehr bei ihm melde, findet er einen Weg mich zu kontaktieren und ich lasse mich wieder “einlullen”.
Ich bin verzweifelt, denn ein normales Leben bzw. eine Familie sind für mich nicht möglich, da ich scheinbar noch immer an ihm hänge oder – was auch immer.
Meine Frage an Sie ist also: wie kann ich das beenden? Wie schaffe ich es, einen sauberen Schlussstrich zu ziehen. Ich möchte ihn nicht an seine Freundin “verraten”, denn ich denke, das muss er selbst machen, bzw. weiß sie von unserer Affäre und scheint dies zwar nicht zu akzeptieren, aber irgendwie halt so zu verdrängen als gäbe es diese nicht.
Ich weiß mir wirklich keinen Rat mehr und überlege immer wieder, wie ich dem entkommen kann und da fällt mir dann immer nur ein, dass ich wohl MEIN Leben beenden muss, um dem zu entkommen, denn alles andere scheint sinnlos zu sein. ich bin wirklich verzweifelt!
Hallo Herr Kopp-Wichmann,
ich bin auf das von Ihnen erwähnte Buch von Jellouschek bereits vor ein paar Tagen gestoßen und lese es derzeit. Ich kann nur sagen, dass es mir sehr hilft, selbst wenn natürlich nicht zu erwarten ist, dass sich daraus eine konkrete Lösung ergibt. Jedoch finde ich darin soviel von der Komplexität angedeutet, die mir selbst nicht zugänglich war und vermutlich in Eigenbeobachtung auch nicht möglich ist.
Trotzdem alleine das nicht bestimmte Zuweisen einer unbedingten Schuld an einzelne Beteiligte, sondern das Aufzeigen komplexer Zusammenhänge eröffnete mir einen so anderen Zugang und reduzierte zugleich den Druck des unbedingten Drängens auf bestimmte Antworten, bzw. Stellen bestimmter Fragen. Nicht, dass sich diese damit erledigt hätten, vielleicht erfolgte ja nur ein Aufschub, doch trotzdem auch wieder ein gewisses Freiwerden ….
Besonders die Interpretation der Öffnung auf eine nicht vordefinierte Lösung hin, fand ich als so wichtig zur Anerkennung der eigenen Situation.
Ich bin nicht sicher, ob ich mich richtig ausdrücken kann, aber ich habe das Gefühl, dass ich bei aller Schmerzhaftigkeit der Erkenntnis eine Notwendigkeit in der eigenen Veränderung sehen kann … keine Ahnung, ob das gelingt. Im Moment erscheint es mir jedoch schon mehr, als die schwarze Bedrängnis die ich vorher empfand …
Nun ja … keine Ahnung, ob man das verstehen kann. Nach wie vor empfinde ich es als Wohltat zu lesen, dass auf diesem Blog hier komplexe Zusammenhänge erstmal angesprochen und zugelassen werden.
Vielen Dank.
Hallo Alex,
zunächst ist mir nicht klar, ob Sie (wegen des Vornamens) ein Mann oder eine Frau sind. Im ersteren Fall wäre die ganze Sache noch viel komplizierter.
Aus meiner männlichen Sicht kann ich Ihnen nicht sagen, wie Ihr Freund sich entscheiden wird. Am besten, Sie warten ab und falls er sich wieder nicht entscheidet, ziehen Sie Ihre Konsequenzen, wenn Sie nicht eine Dreiecksbeziehung wollen.
Dass man fünf Tage braucht für eine solche Entscheidung halte ich auch für eine Ausrede.
Danke für Ihren Kommentar.
Hallo Herr Kopp-Wichmann,
ich wende mich nun an Sie, da ich nicht mehr weiter weiss und die Situation für mich sehr undurchsichtig ist. Ich bin Single und habe eine Affäre mit einem Arbeitskollegen, der seit 3 Jahren mit seiner Freundin zusammen ist und mit der er auch gemeinsam wohnt. Wir haben uns am Anfang per Mails und Chats auf der Arbeit über banale Dinge unterhalten bzw. geschrieben, nach 3 Monaten haben wir uns dann gewagt, das erste Mal zu treffen und an dem Abend haben wir uns auch geküsst. Seit dem treffen wir uns regelmäßig ca. 2 Mal die Woche und er ruft mich fast jeden Tag nach der Arbeit an.
Wir haben uns gestanden, dass wir ineinander verliebt sind und haben schon ein Wochenende miteinander verbracht. Er lügt und betrügt seine Freundin und hat ein schlechtes Gewissen. Er hat mir vorgeschlagen, sich bis Ende Juli zu entscheiden. Er weiss nicht, was er machen soll. Ich habe große Angst, dass er sich für sie entscheidet. Er ist immer lieb zu mir, er sagt wie sehr ich ihm fehle etc. aber dann verstehe ich nicht warum er so inkonsequent ist und sich nicht trennt, vor 3 Monaten sagte er mir, dass er noch sehr viel für sie empfindet. Sie schlafen nicht regelmäßig miteinander, weil sie sich etwas “gehen lässt” und zugenommen hat. Er sagte mir, dass er sich diese Woche entscheiden wird, das WE wird ihn weiterbringen.
Ich habe ab heute den Kontakt abgebrochen, keine SMS, Anrufe, Mails auf der Arbeit, nichts mehr bis er sich entscheidet. Ich habe ihm wohl noch gesagt, dass ich nicht glaube, dass ihm ausgerechnet die 5 Tage Aufschluss bringen werden…wenn wir uns seit 5 Monaten regelmäßig treffen. Was denken Sie darüber? Wird er sie “aus der Sicht eines Mannes verlassen”?
Danke vorab
Alex
Hallo Barbara,
ich habe Ulrich Clements Buch in einer Buchhandlung mal durchgeblättert und nach ein paar Minuten mit einem unguten Gefühl wieder hingelegt. Es schien mir zu verkopft und wenig mit dem in Kontakt, was in einer Beziehung passieren kann, wenn einer fremdgeht.
Ich las dann den Artikel in Brigitte mit dem bezeichnenden Titel “Einen Seitensprung nicht persönlich nehmen” und fand die Ansichten total bagatellisierend für das, was nach meiner Erfahrung die beiden Partner nach einem Seitensprung erleben. Die zahlreichen Kommentare nach dem Interview zeigen ja auch deutlich, dass derlei Ansichten kaum jemandem helfen.
Affären sind aus meiner Sicht ein hochkomplexes Geschehen, für das es niemals einfache Lösungen (Verschweigen, gekonnt Lügen etc.) gibt. Ein anderes Buch, das dem Thema viel mehr gerecht wird, ist von Hans Jellouschek: “Warum hast du mir das angetan?”, denn es bezieht alle drei Beteiligten mit ein und zeigt auf, welchen unbewussten Beitrag jeder dabei leistet und welche Lösungswege es vielleicht geben kann.
Danke für Ihren Kommentar.
Susan,
mich würde deine Meinung interessieren zum Buch. Lass mich doch wissen, wenn du magst.
Herr Kopp-Wichmann,
der Autor ist ja Ihr Nachbar sozusagen – es scheint die Heidelberger seien besonders firm auf diesem Gebiet – was meinen Sie zu seinem Buch/seiner Sichtweise?