Hilfreiche Einstellungen für eine gelingende Beziehung.
In meinem Seminarraum hängt ein Plakat mit einem Gedicht von Jorge Bucay. Es ist eine schöne Zusammenfassung von inneren Haltungen, die die meisten Menschen sich in einer liebenden Beziehung wünschen.
Hier der Text:
- Ich will, dass du mir zuhörst, ohne über mich zu urteilen.
- Ich will, dass du deine Meinung sagst, ohne mir Ratschläge zu erteilen.
- Ich will, dass du mir vertraust, ohne etwas zu erwarten.
- Ich will, dass du mir hilfst, ohne für mich zu entscheiden.
- Ich will, dass du für mich sorgst, ohne mich zu erdrücken.
- Ich will, das du mich siehst, ohne dich in mir zu sehen.
- Ich will, dass du mich umarmst, ohne mir den Atem zu rauben
- Ich will, dass du mir Mut machst, ohne mich zu bedrängen.
- Ich will, dass du mich hältst, ohne mich festzuhalten.
- Ich will, dass du mich beschützt, aufrichtig.
- Ich will, dass du dich näherst, doch nicht als Eindringling.
- Ich will, dass du all das kennst, was dir an mir missfällt.
- Dass du es akzeptierst, versuch es nicht zu ändern.
- Ich will, dass du weißt … daß du heute auf mich zählen kannst …Bedingungslos.
Genau genommen beschreiben diese Sätze die Haltung, die man als Vater oder Mutter seinem Kind erlauben sollte, damit aus ihm ein Erwachsener wird. Aber auch andere Beziehungen sind denkbar, für die diese Wünsche gültig sein könnten.
Mit Sicherheit drücken diese Sätze das aus, was sich Klienten von ihrem Therapeuten oder ihrer Therapeutin oft wünschen. Aber auch für die Paarbeziehung können sie gelten, wenngleich sie da wohl noch etwas schwerer zu leben sind als mit Kindern. Aber auch für die Beziehung zwischen einem Erwachsenen und seinen Eltern - und zwar in beide Richtungen. Ganz kühn gedacht, sind Teile davon sogar für das Verhältnis von Führungskraft zu Mitarbeiter denkbar.
Natürlich beschreibt das Gedicht idealtypische Einstellungen, die nicht immer leicht zu erreichen sind. Aber als Richtschnur und Orientierung finde ich sie gut.
Deswegen habe ich in der Überschrift ja auch das Wort “Wünsche” gewählt.
Wie gefallen Ihnen diese Wünsche?
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Hier das Plakat als PDF. In jeder Buchhandlung zu bestellen.
Das Gedicht ist im Buch Geschichten zum Nachdenken
von Jorge Bucay aus dem Ammann-Verlag enthalten.
Jorge Bucay wurde 1949 in Buenos Aires geboren
und arbeitet als Psychiater und Gestalttherapeut.
.

Lese ich später!







Hallo zusammen, vor einigen Jahren, ich bin nebenbei bemerkt, beim Paketdienst…..ging ich in die Bücherei um Pakete zuzustellen. Da hing an einer Wand jenes Poster ICH WILL….Da ich warten musste…las ich was da stand und war sofort davon begeistert, dass ich es mir auch umgehend gekauft habe.Es hängt seit diesem Tag bei mir an der Wand in meiner Wohnung. Jeder der kam, war davon begeistert…..aber das traurige an der Geschicht…..die allerwenigsten Menschen, halten sich auch daran. Ich hingegen, lese es jeden Tag fast und versuche mich daran zu halten. Es begleitet mich und ich bin heute noch, froh darüber es gekauft zu haben. Denn in diesen Sätzen….lese ich MICH und meine Einstellung zu Liebe und Beziehung. MFG Petra
Eine A4-Version ist im Netz zu finden, die Sie evtl. übernehmen oder auch darauf hinweisen könnten? Z. Zt. noch mit einem Rechtschreibfehler:
http://www.naehkaestchen.org/adventskalender07/pdf/Ich+will.pdf
Andere Übersetzungsvorschläger unter
http://undeutsch.kulando.de/post/2005/09/16/ich_will_jorge_bucay
Hallo
auf der Suche nach etwas anderem, ein Gedicht für wen, bin ich auf ihre Seite gestoßen. Hm, ich hätte für Sie einen wichtigen Verbesserungsvorschlag:-) Wenn Sie mögen:-) Ihre 14 Wünsche mit “ich Will” wäre besser in “ich möchte” oder “ich wünsche mir “zu ändern. Ich bin nicht vom Fach, zumindest nicht von “der” Seite, sondern von der Patientenseite. Jedenfalls habe ich durch 9 kämpferische Therapien gelernt, dass es besser und effektiver ist, wenn man sagt “Ich möchte” oder “ich würde mir wünschen”. “Ich will” klingt zu fordernd und könnte das Gegenteil bezwecken. In Therapeuten/Klienten Beziehungen (“Sie sind erwachsen”, wäre ein kleines Beispiel) oder auch in Partnerbeziehung (“ich lasse mich nicht unter Druck setzen”). Ich werde die Seite vermutlich hier nicht mehr finden, um zu wissen, was Sie mir geantwortet haben aber ich wollte einfach mal ein paar Zeilen hier lassen.
Hallo,
alles tolle Wünsche, ich würde so gerne dahinter stehen, aber leider hat mich mein
Leben etwas anderes gelehrt!
Aber man soll ja die Hoffnung nie aufgeben!
Alles Liebe K.
Hallo Frau Renger,
wie geschrieben stellt das Gedicht den Idealzustand dar. Die wenigsten Menschen erreichen das. Und in jedem von uns steckt ein bedürftiges Kind.
Was ich sagen will, seien Sie weniger streng mit sich.
Danke für Ihren Kommentar.
Ich finde die Zeilen wunderbar wahr und sie spiegeln genau das wider, was auch ich mir in einer und von einer Beziehung wünsche.
Ich merke aber gerade, dass ich mir das zwar vom anderen wünsche, viele Punkte aber selber gar nicht erfüllen kann, da ich viel zu abhängig von meinem Partner und seiner Liebe bin.
Ich merke, dass dies genau die Punkte sind, die ich mir als Kind von meinen Eltern gewünscht hätte. Das könnte man ja jetzt SELBST in seiner eigenen Beziehung leben und umsetzen – eigentlich. Dummerweise lechze ich aber so nach diesen Dingen, die ich nicht bekommen habe, dass ich sie jetzt ganz ganz dolle brauche und selber nicht geben kann. (Diese Bedürftigkeit hat sich in den letzten Jahren entwickelt, bzw. ist ins Bewusstsein getreten.)
Und das “bedürftige Kind” hat sich natürlich einen Partner gesucht, der ihm gerade das alles nicht gibt. Wir kämpfen seit 5 Jahren.
Und gerade stelle ich fest, und muss schlucken, keiner von uns beiden kann sich für den den wichtigen, essentiellen Punkt:
# Ich will, dass du weißt … daß du heute auf mich zählen kannst …Bedingungslos.#
entscheiden.
Hallo Herr Dietrich,
danke für den Hinweis. So wie Sie es vorschlagen, hatte ich es natürlich gemeint. Ich habe den Satz geändert.
Es ist ein tolles Plakat und hängt in unserem Wohnung!
Statt: “Genau genommen beschreiben diese Sätze die Haltung, die man als Vater oder Mutter seinem Kind gegenüber haben sollte, damit aus ihm ein Erwachsener wird.” würde ich selbst allerdings “… die man seinem Kind erlauben sollte …” formulieren.
Wir beziehen das Plakat auf unsere Paarbeziehung.
Hallo Michael,
Ihren Eindruck kann ich bestätigen. Das hat wohl auch damit zu tun, dass manche Menschen überzeugt sind, dass ihr Rat nicht einfach ihre Meinung darstellt, sondern die “Wahrheit”, der man unbedingt folgen müsse. Deshalb wohl auch der Nachdruck.
Danke für Ihren Kommentar.
Ich persönlich mag den Punkt, seine Meinung zu sagen ohne Ratschläge aufzudrängen. Ich versuche immer in Gesprächen den Satz: Meiner Meinung nach, einfließen zu lassen, um eben diesen Eindruck des “Besserwissens” nicht aufkommen zu lassen.
Viele Menschen sind es einfach zu sehr gewohnt, ihre Meinung mit solchem Nachdruck kundzutun, dass sie gar nicht merken, dass sie damit die Personen gegenüber schon fast angreifen…