Warum man Menschen nicht motivieren kann – und nicht muss.

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Führung / Karriere

Ein Test mit zwei Fragen für Führungskräfte, Mitarbeiter, Selbständige, Partner und Eltern.

mythos-motivation

Diese Woche bekam ich zwei Vortrags-Anfragen zum Thema „Motivation“. Eine für Bausparkassenvertreter, die andere für zwei Abteilungen aus unterschiedlichen Unternehmen, die nach einer Fusion zu einer zusammengelegt werden sollen.

Leider war ich zu den gewünschten Terminen nicht frei.

Aber gibt es zum Thema „Motivation“ wirklich noch etwas Neues zu sagen? Ich glaube nicht, auch nicht von mir. Deshalb veröffentliche ich heute noch mal einen Blogartikel vom letzten Jahr. Denn irgendwie bleibt das Thema ewig aktuell.

Generell gibt es zwei Theorien über die Natur des Menschen.

Theorie X besagt:

  • Menschen mögen keine Arbeit. Sie finden sie langweilig und werden sie vermeiden, wo sie nur können.
  • Menschen müssen gezwungen oder bestochen werden, um den richtigen Einsatz zu erbringen.
  • Menschen wollen eher gesagt bekommen, was sie tun sollen anstatt dass sie Verantwortung übernehmen, die sie lieber vermeiden.
  • Menschen werden letztlich nur durch Geld und die Sorge, ihren Job zu  verlieren, motiviert.
  • Die meisten Menschen sind wenig kreativ – es sei denn beim Fehler vertuschen oder wenn es darum geht, Regeln zu unterlaufen.

 

Theorie Y besagt das Gegenteil:

  • Menschen wollen tätig sein. Unter den richtigen Umständen haben sie sogar Spaß daran.
  • Menschen wollen selbst bestimmen, vor allem in Richtung eines Ziel, das sie akzeptiert haben
  • Menschen suchen und akzeptieren Verantwortung, wenn die Bedingungen dafür stimmen.
  • Unter den richtigen Umständen sind Menschen motiviert, ihr eigenes Potenzial zu erfahren und zu verwirklichen.
  • Kreativität und Einfallsreichtum sind weit verbreitet und oft zu wenig genutzt.

 

Jetzt kommt die spannende Frage …

Mit welcher Theorie fühlen Sie sich am besten beschrieben?

Theorie X? Oder Theorie Y?

Überlegen Sie kurz und antworten Sie dann spontan.

 

Jetzt kommt die zweite Frage.

Welche Theorie beschreibt Ihrer Meinung nach am besten die Menschen in Ihrer Umgebung, am Arbeitsplatz oder in ganz Deutschland? Theorie X? Oder Theorie Y?

Die beiden Theorien stammen von Douglas McGregor „Der Mensch im Unternehmen“ von 1960.

Jetzt kommt’s.

Wenn man viele Menschen, fragt, welche Theorie sie selbst am besten beschreibt, antworten die meisten Menschen „Ganz klar, ich bin ein Typ der Theorie Y!“

Fragt man dieselben Menschen aber danach, wie sie andere Menschen einordnen würden, tendieren viele zur Theorie X.

An welches Menschenbild man glaubt, hat enorme Auswirkungen auf unser tägliches Leben. Im Beruf, in der Kindererziehung, im öffentlichen Leben.

Glaubt man, dass Theorie X die menschliche Natur am besten beschreibt, braucht man den entsprechenden Werkzeugkasten, mit dem man angeblich Menschen steuern oder motivieren kann, damit sie das Richtige tun:

  • Anordnung- und Kontrollsysteme

    Zum Beispiel im Straßenverkehr viele Regeln, viele Schilder und einen dicken Bußgeldkatalog, welche Strafe bei Nichtbefolgung droht.

    „Wie soll das anders gehen?“, fragen Sie?
    Na, zum Beispiel so.

    Auch in Deutschland gibt es ermutigende Beispiele von „shared space“. Also Verkehrsräumen, in denen niemand Vorfahrt hat oder eben alle. Und somit jeder sich mit Blick auf die anderen Verkehrsteilnehmer selbstverantwortlich verhalten muss anstatt sich  auf sein geregeltes Recht zu berufen.

    Zum Beispiel in der Mitarbeiterführung.
    Mitarbeiter werden zwar oft angehalten, unternehmerisch zu denken, dürfen aber dann nicht mal eine Fortbildung für sich besuchen und wehe, es fehlt ein Taxibeleg bei der Spesenabrechnung.

    Zum Beispiel in der Politik.
    Wenn ein EU-Staat wie zum Beispiel Frankreich das dreiprozentige Defizitkriterium nicht einhält, passiert wenig. Vielmehr entsteht eine engagierte Diskussion darüber, ob Staaten besser Geld ausgeben oder sparen sollten.

  • Anreiz- und Motivierungssysteme

    Wie bringt man Verkäufer dazu, mehr zu verkaufen?
    Indem man einen Incentive-Wettbewerb veranstaltet: „Die zehn besten fahren nach Rio de Janeiro – alles inclusive.“ Etliche Unternehmen arbeiten so, mit zweifelhaften Anreizen.

    Wie bringt man Paare dazu, ein Kind zu bekommen?
    Nach Theorie X wollen sie das ja nicht, man muss sie erst dazu motivieren. Zum Beispiel durch Kindergeld, Elterngeld. Doch der erwartete Erfolg stellt sich bislang nicht ein.

    Wie bringt man einem Kind bei, dass Lesen oder Musizieren gut ist?
    Indem man ihm ein Buch in die Hand drückt, während man selbst die meiste Zeit vor dem Fernseher sitzt? Indem man es zur Klavierstunde fährt und es erst zum Spielen raus darf, wenn es genug geübt hat?

„Mythos Motivation“ hieß das Buch, mit dem Reinhart Sprenger vor vielen Jahren eine These aufstellte, die zwar viele gut fanden, die aber immer noch viel zu wenig umgesetzt wird. Zum Beispiel in Führungsetagen:

 

Die gute Nachricht:

Menschen sind schon motiviert.

Sie. Ich. Wir sind motiviert. Nicht für alles, aber für Menschen und Dinge, die uns wichtig sind.

Dieselben Menschen, die laut der jährlichen Gallup-Umfrage am Arbeitsplatz so unmotiviert sind, verwandeln sich nach Büroschluss auf wundersame Weise in Menschen, die enorm motiviert und engagiert sind:

  • Sie bauen in ihrer Freizeit ein Haus oder reparieren es.
  • Sie erziehen ihre nicht immer einfachen Kinder.
  • Sie trainieren für einen Marathon.
  • Sie schreiben ihre Doktorarbeit oder Wikipedia-Artikel.
  • Sie pflegen ihren Garten, verfassen Gedichte, malen.
  • Sie pflegen ihre alten und anstrengenden Eltern.
  • Sie engagieren sich für andere in einem Ehrenamt.

Und das Beste: Ohne dass man es ihnen auferlegt hat. Oder sie dafür bezahlt werden. Einfach so. Weil sie es wollen. Oder weil sie es für wichtig halten.

Welche Theorie stimmt jetzt? Und für wen?

 

 

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Bild: © www.cartoon4you.de

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Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

25 Kommentare

  1. Was steckt hinter solch einer extremen Ansicht für ein Motiv? Schon zum weisen Sokrates kam einst einer und sagte: „Höre, das muß ich dir erzählen!“
    „Halte ein!“ unterbracht ihn der Weise, „hast du das, was du mir sagen willst, durch die 3 Siebe gesiebt?“
    „Drei Siebe?“, fragte der andere voller Verwunderung.
    „Ja, guter Freund! Laß sehen, ob das, was du mir sagen willst, durch die 3 Siebe hindurchgeht: Das Erste ist die Wahrheit. – Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?“
    „Nein, ich hörte es jemanden erzählen und…“
    „So, so! Aber sicher hast du es im zweiten Sieb geprüft. – Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst, gut?“
    Zögernd sagte der andere: „Nein, im Gegenteil…“
    „Hm“, unterbrach ihn der Weise, „so laßt uns auch das dritte Sieb noch anwenden. – Ist es notwendig, daß du mir das erzählst?“
    „Notwendig nun gerade nicht …“
    „Also”, sagte lächelnd der Weise, „wenn es weder wahr noch gut noch notwendig ist, so laß es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit.“
    Wer nicht gut beobachtet wirkt in seinen Ansichten manchmal extrem demotiviert und neigt so dazu dort, wo er erschaffen könnte, zu zerstören. Zum Glück ticken wir Menschen nicht alle gleich.

  2. Extrem sagt

    Ziemlich beschränktes Weltbild. Der Mensch ist und bleibt ein Affe mit dem Ziel, den geringsten Widerstand im Leben zu gehen. Würde die Menschheit nach ihrer Theorie leben, lebte sie noch in Höhlen. Moment, das tut sie in großen Teilen ja noch …

    Diese Welt wurde unter einer geistig höheren Minderheit für die Restaffen entworfen. Das Einzige was diese Affen antreibt, „der Andere macht das schon“.

    Diejenigen, die tatsächlich motiviert sind, mittlerweile muss man in dieser Affenwelt ja „waren“ benutzen, sind am aussterben.

    Der Rest ist nur noch totes Fleisch.

    Ich werde jede Wette eingehen, dass Sie ihr Weltbild in 2 Jahren über den Haufen geworfen haben.

    Motivation für Etwas bedingt, etwas zu erschaffen, Bewegung, positive Änderung und ein Ziel zu haben, in meiner Welt ist das Gesellschaftlich bedingt, und nicht zu erschlaffen, sich der Zerstörung und dem Verfall hinzugeben.

    Psychologisch gesehen wusste „man“ schon vor tausenden Jahren, wie der Mensch tickt. Geändert hat sich nichts, ein Rad bleibt ein Rad, ob aus Stein, Holz oder Gummi.

    Kann sein, dass ich mich täusche, aber um mich herum sehe ich nichts, was mit „meiner“ Motivation in Einklang zu bringen ist.

    Wette halte ich …

  3. Herr Boeker bestätigt damit meine empirische Forschung, dass der Mensch sich grundsätzlich entsprechend seiner Motive zum Ausdruck bringt und verhält. Eine demotivierte Gruppe ist „de-motiviert“, also von dem, was sie intrinsisch motiviert, entfernt. Lässt man die Individuen herausfinden, was deren Motive sind und was sie davon entfernt, werden sie intrinsisch und individuell ihren eigenen Weg zur Aktivität finden. Man muss tatsächlich niemanden von außen her motivieren, sondern nur dahin führen auf das, was sie demotiviert eine Wirkung erzeugen und somit Kontrolle darauf ausüben zu können.

  4. Voellig korrekt, das sage ich nach 40 Jahren Schuldienst und Erfahrungen aus der Erwachsenenbildung (Coach). Es gibt motivierte und weniger motivierte Menschen, grob gesagt auf einer Skala von 1 bis 3 oder auch 1 bis 6 (Schulnoten). Vorausgesetzt der Unterricht (das Angebot) ist gut bzw. interessant: Die genannten Gruppen reagieren fast immer gleich. Das gilt auch fuer Erwachsene. Die motivierte Gruppe bleibt am Ball, die demotivierte gibt recht schnell auf, die mittlere Gruppe reagiert abwartend.

  5. Die Theorien X und Y sind beide falsch obwohl die eigentlichen Daten beobachtbar sind.
    Der Mensch ist mehr oder weniger aus der Vergangenheit, aus der Gegenwart oder aus der Zukunft heraus entsprechend seiner Wahrnehmung, Grundmotive sowie Ethik motiviert. Externe Einflüsse können diese manipulieren, jedoch strebt er immer wieder zu seinen Grundmotiven entsprechend seiner Ethik zurück. Um einen Menschen für etwas stabil, ohne Zwang oder Reize, zu motivieren, muss man entweder seiner Grundmotive oder Ethik ansprechen. Fremdmotivation basiert meist auf Reizreaktionsmechanismen. Den meisten Menschen sind ihre Grundmotive nicht bewusst und dennoch handeln sie unbewusst danach. Ich habe 400 Leute darin getestet und dies ist ein einheitliches Ergebnis.

  6. Ich stimme Ihnen zu: Menschen müssen nicht motiviert werden, sie sind motiviert.

    In der wissenschaftlichen Betrachtung haben Motivationstheorien sicherlich ihre Berechtigung. Egal, ob Theorie X/Y, das Modell der ex-/intrinsischen Motivation oder ob man das Maslow’sche Bedürfnispyramide heranzieht.
    Entscheidend ist: Das Verhalten von Menschen ist letztlich eine Funktion (des Wirkens) Ihrer Persönlichkeit im Umfeld. Bezogen auf die Führungskräfte ist damit die Motivation der Mitarbeiter schon ein wesentliches Kompetenzfeld dieser Personengruppe. Denn gerade Ihnen obliegt es, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich die Leistung der Mitarbeiter optimal entfalten kann. Es ist eine Führungsaufgabe.

    Mehr zum Thema Persönlichkeitsentwicklung und viele Tipps finden Sie auch unter: http://www.kompetenz-persoenlich-gestalten.de/aktuelles/pers%C3%B6nlichkeit-entwickeln/.

    Beste Grüße

  7. Leslie sagt

    Ich glaube das Menschen der Typ X Klasse einfach den falschen Job haben, oder noch nicht bewusst ist, wie sie ihre Hobbies zum Beruf machen können. Ja und schliesslich läuft die Zeit weiter und bleibt nicht stehen, bloß weil man seine eigene Erfüllung noch nicht gefunden hat. Natürlich kann man das dann als Arbeitgeber mit der Verlustangst und dem sozialen Abstieg des Arbeitnehmers kompensieren – zumindest ein bisschen. Aber egal was sie sich noch einfallen lassen, es wird immer solche Menschen geben, die nicht ihren Traum leben und daher auch nie so motiviert sind, wie der Typ Y.

  8. Vielen Dank für diesen interessanten Artikel. Den Widerspruch, dass sich die meisten Menschen als Typ Y sehen und doch Typ X leben ist faszinierend. Mir stellt sich die Frage, wie frei sind wir wirklich, oder sind wir nur das Produkt unserer Umwelt mit der Illusion der Freiheit?

  9. Robert Sonntag sagt

    Unter dem Punkto „Sie. Ich. Wir sind motiviert. Nicht für alles, aber für Menschen und Dinge, die uns wichtig sind“ stimme ich voll und ganz zu. Jedoch ist unsere Intrinsische Motivation sehr unterschiedlich. Denn Marathon können sie sich bei mir abschmicken, mir die Zeit zu nehmen, auf diesen Artikel zu Antworten jedoch nicht. Wenn ich mich selbst einschätze, kann ich ohne Probleme Behaupten, das mir mein jetziger Beruf Spaß macht, allerdings nicht bei meinem jetztigen Arbeitgeber, wesshalb meine Motivation zwiegespalten ist. Was uns Spaß macht, und letztenends Motiviert, ist ja letztenends Erlernt. Von daher kann ich Theorie Y Unter obrigem Zitat vollends Zustimmen.
    Jedoch möchte ich noch eine „wahrscheinliche Theorie von Bill Gates verweisen.
    http://think320.blogspot.de/2012/05/bill-gates-stellt-faule-menschen-ein.html

  10. Stimmt genau. Manche Menschen muss man eng führen, andere vertragen das nicht und sie brauchen eine ganz lange Leine.

  11. Freiheit ist ein wichtiger Faktor für Motivation. Wenn einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin innerhalb eines abgesteckten Freiraums die Wahl der Methode zur Erreichung eines Ziels gelassen wird, dann kann das unglaublich motivierend für diese Person sein. Kreativ wird nachgedacht, was wohl der beste Weg ist. Und der ist eben nicht immer von einer Person höherer Stufe vorzugeben. Allerdings kommt es dann auf den Typ an. Die zwei unterschiedlichen Personentypen, die jeweils durch Theorie X und Theorie Y beschrieben werden, lassen sich im Alltag durchaus finden. Und für den einen mag die gegeben Freiheit motivierend, für eine andere Person hingegen beängstigend und lähmend sein.

  12. Besser nicht.
    An meinen Sehgewohnheiten habe ich festgestellt, je unfertiger und unperfekter eine Zeichnung ist, umso eher schaue ich drauf.

  13. Alice Weisser sagt

    Lieber Roland,
    also das Kreise zeichnen musst du noch ein bisschen üben 😉

    PS: Danke für den tollen Beitrag.

  14. Hein sagt

    Tolle Theorie, aber mal im ernst, ich bin Typ Y. Ich schreibe nur Einsen und liebe es mich geistig anzustrengen und herausgefordert zu werden. Von meinen Mitschülern kann man das nicht behaupten…
    Guckt auch mal auf meinem Blog vorbei: bookloverin2000.blog.de

  15. Bernd sagt

    Vielen Dank für den Link! Ich habe mir Ihren Vortrag gern angeschaut.
    Bei dem Zitat von Anais Nin denke ich immer daran, dass unsere bewusste Wahrnehmung zum großen Teil aus unserem Gedächtnis „gespeist“ wird und eben nicht durch unsere Sinne. (Sonst würden wir vermutlich jedes mal neu überlegen müssen, wie wir durch eine verschlossene Tür kommen…) Ich zielte bei meiner Aussage allerdings auf einen „kommunikativen“ Teufelskreis ab, der oft mit der X Theorie in Verbindung gebracht wird: http://www.essenzio.de/fileadmin/wachstumsbrief/Teufelskreis_klein.jpg
    Das prikere dabei: Für Kulturveränderungsprojekte werden oft Mitarbeiter als „Impulsgeber“ eingesetzt. Solche Teufelskreise liegen aber in der Verantwortung der Führungskräfte…

    Zu den Rahmenbedingungen, die die intrinsische Motivation der Menschen unterwandern, gibt es von Deming etwas härteren Tobak:
    http://www.wandelweb.de/blog/?p=1080
    falls das für sie Interessant ist.

  16. @ Roland Kopp-Wichmann
    Ihre Einschätzung teile ich insofern, als dass Führungskräfte es erst einmal mit Sprenger halten sollten. Danach können Sie aber weitermachen und sich einem wirklichen Dialog mit ihrem Umfeld öffnen. Der Mensch braucht ja auch noch Ziele:-).
    Beide Schritte setzen aber ohnehin die Bereitschaft und Fähigkeit voraus, sich selbst und das eigene Weltbild nicht für den „einzig wahren“ Referenzpunkt zu halten, sondern andere Sichtweisen zumindest erst einmal kennen zu lernen und zu verstehen. Vermutlich ist das die größte Hürde auf dem Weg zu einer besseren Führungskraft. Der Rest ist da fast „nur noch“ Handwerk.

  17. Das “metakommunikative Führungsgespräch” – zugegeben, eine feine Sache. Aber wie viele Führungskräfte kennen Sie, die das beherrschen, sich die Zeit nehmen und es anwenden?
    Da finde ich Sprengers Tipp schon praktikabler, als Führungsraft all das erst mal weglassen, von dem man sicher weiß, dass es demotiviert:
    – Unklare Ziele
    – Fehlende Ressourcen
    – Ignoranz
    – Kritik vor versammelter Mannschaft
    – Unter- und Überforderung des Mitarbeiters
    um mal die wichtigsten Dinge zu nennen.

  18. Bei der ganzen Frage von Motivation und Führung sollten wir nicht vergessen, auf welchem Turf wir uns bewegen. Führungskräfte werden dafür bezahlt, etwas zu tun (häufig verkürzt verstanden als „motivieren“) und nicht dafür, etwas zu lassen (also nicht zu demotivieren). Sie erwarten folglich von Beratern und Coaches zu Recht, das sie ihnen Handlungsoptionen aufzeigen. Friedemann Schulz von Thun hat mit dem „Inneren Team“ einen systemischen Reflexionsansatz entwickelt, den er im Wilhelm-Busch-Stil auf den Punkt bringt: „Willst du ein guter Leiter sein, so schau auch in dich selbst hinein.“ Christoph Thomman schlägt auf dieser Grundlage Führungskräften vor, den eigenen Führungsstil und dessen Wirkung auf Mitarbeiter, Motivation und Arbeitsergebnisse im direkten Austausch mit den jeweiligen Mitarbeitern oder mit anderen Führungskräften zu klären.

    Das „metakommunikative Führungsgespräch“ zielt darauf, das der Führungskraft Unbekannte, den jeweils Anderen aber Bekannte (also den berühmten blinden Fleck)in einer nach wie vor hierarchischen Situation zu besprechen. Es handelt sich um einen Gruppenaustausch über Stimmungen, Situationen, Vorgehensweisen – also über den Führungsalltag, wie ihn die Mitarbeiter und Kollegen erleben.
    Das Instrument kann nach meiner Erfahrung sehr wirksam sein, Mitarbeiter als Menschen anzunehmen, die gegenseitigen (zwischenmenschlichen) Erwartungen zu klären und damit die Voraussetzung zum „Beleiben“ (siehe Videoclip mit R. Sprenger) deutlich zu verbessern.

  19. Danke für Ihren Kommentar.
    So sehe ich das auch. Letztlich motivieren wir uns selbst, aber nur dann, wenn wir eine Chance auf die Erfüllung unserer Grundbedürfnisse sehen. Solche Rahmenbedingungen möglichst zu schaffen, ist die Führungsaufgabe.

    Hier noch der Link zum Podcast des Beitrags aus managerseminare.

  20. In meinem Blog „Der POTENTIALSCOUT“ habe ich dazu vor ein paar Wochen einen Beitrag geschrieben, angeregt durch das Thema „Motivation“ in der Zeitschrift managerSeminare.
    Nachfolgend mein Beitrag in Kurzform:

    „Geld – monetäre Anreize – nicht monetäre Anreize – intrinsisch – extrinsisch … Ist dies nicht alles zu oberflächlich betrachtet, sozusagen aus einer simplen instrumentellen Perspektive? Aber ist Motivation nicht etwas tiefer liegendes, das ersteinmal im Kern verstanden werden muss, bevor man mit wichtig klingenden Tools dieses flüchtige Etwas vor sich hertreiben will? Ein Ausflug in psychologische Ansätze, kombiniert mit neurobiologischen Erkenntnissen, schafft da vielleicht etwas mehr Durchblick. Demzufolge basiert Motivation auf der „Erfüllung von mentalen Grundbedürfnissen“. Laut z.B. dem Psychotherapieforscher Klaus Grawe und seiner Konsistenztheorie (1998, 2004), hat der Mensch vier Grundbedürfnisse, die er entweder durch sein eigenes Handeln erfüllen oder deren Verletzung er vermeiden möchte.

    Grawes Theorie geht davon aus, dass der Mensch nach Übereinstimmung bzw. Vereinbarkeit der psychischen Prozesse strebt. Unsere Grundbedürfnisse „Orientierung/Kontrolle“, „Lustgewinn /Unlustvermeidung“, „Bindung“, „Selbstwerterhöhung/-schutz“, sind evolutionär angelegt.
    Will eine Führungskraft „motivieren“, heißt das nichts anderes, als passende Rahmenbedingungen zu schaffen oder die jeweils richtigen Instrumente auszusuchen, die es ermöglichen, dass jeder Mitarbeiter willens und in der Lage ist, selbst seine Grundbedürfnisse zu erfüllen. In diesem Sinne ist es fast müssig, sich darüber zu streiten, welcher Art (intrinsisch, extrinsisch) die Rahmenbedingungen bzw. Instrumente sind. Letztlich ist eine Führungskraft nicht mehr und nicht weniger als ein „Anreger für die Bedürfniserfüllung“.

    Und vermarktet und aufgebauscht wird diese Anreger-Funktion dann aufmerksamkeitsbringend mit dem Powerwort „Motivator“.

  21. Danke für die guten Wünsche. Ausschnitte aus einem Vortrag von mir über das Thema sehen Sie hier …
    Sie schreiben: „Sprich die Menschen verhalten sich so, wie die Führung sie sieht.“ Das geht uns ja manchmal allen so.
    »Wir sehen die Welt nicht so, wie sie ist, sondern so, wie wir sind.« (Anais Nin)

  22. Bernd sagt

    Sehr schöne Idee darüber auch Vorträge zu halten 🙂
    *Schade, dass ich Ihn nicht hören/sehen werde*

    Das Fatalste daran aus meiner Sicht: Führungskräfte gestalten eine Führungskultur und legen darüber den Anderen Ihr Menschenbild auf.

    Sprich die Menschen verhalten sich so, wie die Führung sie sieht ;o) Es also zum Feld passt.

    *Mit der Motivation des Mitarbeiters hat das natürlich genauso wenig zu tun, wie mit der selbsteingeschätzten Persönlichkeit der Führungskraft*

    Alles Gute für den Vortrag. Einen schönen Reformationstag und natürlich auch ein Happy Halloween….

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