Was öffnet unser Herz und unseren Geldbeutel?

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Achtsamkeit / Allgemein / Emotionale Intelligenz

Für wen wir Deutsche am liebsten spenden.

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Es war nur ein kurzer Artikel in der letzten Ausgabe der FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG. Aber er geht mir nicht aus dem Kopf. Es geht dabei um unsere Spendenbereitschaft – und um die Kriterien, nach denen wir Geld geben.

In den letzten Monaten häufen sich ja die Krisen in der Welt wie schon lange nicht mehr, mit vielen Todesopfern und Verletzten:

  • Im Gaza-Krieg im Frühjahr starben über 2000 Palästinenser und 67 Israelis.
  • In der Ukraine-Krise starben bis jetzt schätzungsweise über 500 Menschen.
  • Mehr als 3.000 Menschen fielen bis jetzt der Ebola-Seuche zum Opfer. Zehntausende sind wohl infiziert.-
  • Durch den Vormarsch der ISIS-Terroristen im Nord-Irak wurden bisher rund 2.500 Menschen getötet.

Solche durch Menschen verursachten Katastrophen wie auch Naturkatastrophen lösen mittlerweile breite Wellen der Hilfsbereitschaft in den westlichen Ländern aus.

Große Hilfswerke wie Caritas, Misereor, Unicef, „Deutschland hilft“ und andere richten Spendenkonten ein und in den Nachrichtensendungen werden die Kontonummern für Überweisungen eingeblendet.

 

Wofür wird wie viel gespendet?

Ich habe oben die aktuellen Krisen dieses Jahres aufgezählt: Gaza-Konflikt, Ukraine-Krise, ISIS-Terror und Ebola.

Jetzt dürfen Sie mal raten: für welche dieser Krisen haben die Deutschen am meisten gespendet? Was glauben Sie?

 

Das Ergebnis hat mich sehr überrascht:

  • Für den Irak erhielt die Caritas bis jetzt fünf Millionen Euro (das Diakonische Werk drei Millionen).
  • Für die Ukraine erhielt die Caritas bis jetzt 100.00 Euro, die Diakonie 400.000.
  • Für die Gaza-Opfer kamen bei „Deutschland hilft“ rund 200.000 Euro zusammen.
  • Für die Ebola-Prävention erhielt die Caritas bis jetzt 11.000 Euro, die Diakonie 41.000 Euro.

Wie erklären sich diese Unterschiede?

Nach der Erfahrung der Hilfswerke spenden wir Deutsche mehr, wenn es in Konflikten einen „ganz klar Bösen“ gibt. Das fällt bei den IS-Kämpfern im Irak offenbar leichter als bei den Konflikten in Gaza oder der Ukraine.

Eine Ausnahme sind Naturkatastrophen. Für die Opfer des Taifuns auf den Philippinen Ende 2013 wurden über 35 Millionen gespendet. Für die Opfer des Tsunamis in Südostasien Ende 2005 wurden 4,5 Milliarden (!) Euro gespendet. Für die Betroffenen der Hochwasserkatastrophe in Ost- und Süddeutschland 2013 kamen 265 Millionen Euro zusammen.

Gibt es da auch einen klaren Bösen, die Natur?

Leid lässt sich nicht vergleichen. Eine Familie in Israel oder Gaza, die ein Familienmitglied verloren hat, leidet mit Sicherheit genauso wie eine Familie in der Ukraine, im Irak oder in Nigeria.

Den Unterschied machen wir mit unserer Spende.

Oder eben auch nicht.

PS: Ach ja, nur für den Fall …
 

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Bild: © www.cartoon4you.de

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

7 Kommentare

  1. Herzlichen Dank für Ihr schönes Feedback. Es freut mich sehr, dass Ihnen meine Blogbeiträge so geholfen haben – gerade bei so einem Lebenssprung.
    Weiterhin alles Gute für Sie!

  2. Stefan sagt

    Hallo Herr Kopp- Wichmann,
    ich möchte mich ganz herzlich für Ihren wunderbaren Blog mit den vielen Möglichkeiten, sich selbst weiter kennenzulernen, bedanken.

    Ich lebe jetzt seit 1,5 Jahren in Chile und habe meine „Komfortzone“ verlassen.
    Hier im Ausland bin ich dann doch noch einmal sehr auf mich selbst zurückgeworfen worden und musste wieder neu das „Schwimmen“ lernen.
    Ihre Beiträge haben mich bisher sehr in diesen Prozessen unterstützt.
    Ganz herzlichen Dank dafür!
    Mit einem lieben Gruß aus Santiago de Chile

  3. Sehr spannender Artikel!

    Mir persönlich ist es wichtig, dass 100 % meiner Spende tatsächlich ankommt. Deshalb spende ich für den Verein Africa Amini Alama. Dort bin ich auch als Spender Teil des Ganzen und kann auch nach Tansania fahren und mir ein Bild von allem machen. Sehr persönlich und wertvoll.

    Die Gründerin hat auch gerade ein Buch über ihre Lebensgeschichte auf den Markt gebracht (Mama Alama).

  4. Hella sagt

    …das Herz öffnen, nicht nur zu Weihnachten, habe es gleich umgesetzt.

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