Der Mann von heute als eierlegende Wollmilchsau?

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Partnerschaft / Persönlichkeit

Und eine Einladung an sich zu arbeiten.

mann staunt buch xs © Dmitry Ersler - FotoliaViele Männer sind mit ihrem Leben immer wieder unzufrieden. Sie erleben ihr Mannsein als ein kompliziertes Dilemma, das kaum aufzulösen ist:

  • Sie definieren sich vor allem über ihre Arbeit, ernten dafür aber zu Hause Vorwürfe, wenn sie dadurch zu wenig in der Familie präsent sind.
  • Sie müssen sich im Job hierarchisch unterordnen, sollen aber zu Hause partnerschaftlich diskutieren und Kompromisse aushandeln.
  • Sie wollen es anders machen als ihr eigener Vater, der emotional nicht greifbar war, spüren aber selbst wenig Gefühle, um sie mitzuteilen.
  • Sie können sich schlecht abgrenzen oder durchsetzen, weil Sie es anders machen wollen als der eigene dominante Vater.
  • Sie wollen mehr Zeit für sich – und wenn Sie sie mal haben, wissen Sie nicht, was damit anfangen.

 

Viele Männer spüren diese widersprüchlichen Anforderungen und setzen – meist unbewusst – ihre Prioritäten.

Die einen engagieren sich stark im Beruf und nehmen die Schuldgefühle gegenüber Partnerin und Kind in Kauf. Andere machen neben dem Job aus ihrer Familie ein Projekt, lesen alles von Jesper Juul und versuchen, es allen Recht zu machen. Viele machen gefühlsmäßig dicht, um alle Anforderungen zu erfüllen, und schaffen es, perfekt zu funktionieren.

Diese Spannung zeigt sich auch im Verhältnis der Geschlechter.
Jeder zweite möchte, aber nur jeder zehnte macht es … Die Rede ist von Arbeitszeitverkürzungen von Männern. In vielen Befragungen äußern Männer den Wunsch, ihre Arbeitszeiten zu reduzieren, die wenigsten gehen diesen Schritt.

Viele Frauen erobern immer mehr Plätze an der Universität und in den Büroetagen – und kriegen immer noch die Kinder. Sie haben also an Optionen hinzugewonnen. Männer verdienen zwar meistens im Schnitt immer noch mehr, fühlen sich aber mitunter von der neuen Konkurrenz benachteiligt.

 

Die Angst des Mannes vor der Frau.

Macho_softie__xs_lassedesignen_FotoliaAls Coach und Therapeut erlebe ich immer wieder, dass Männer über ihre Angst vor Frauen sprechen. Im Beruf wie im Privatleben.

Genauer gesagt: viele Männer haben Angst davor, die Zuwendung und Anerkennung von Frauen nicht zu bekommen oder zu verlieren. Ihr Selbstwertgefühl hängt ganz stark davon ab.

Wie gehen Männer mit dieser Angst vor Frauen um?
Da Angst haben gemeinhin nicht als sehr männliche Eigenschaft gesehen wird, meist so, dass sie abgewehrt wird. (“Ich Angst? Vor Frauen? Lächerlich!”) Es gibt zwei gängige Formen für Männer, diese Angst abzuwehren.

1. Durch Abwertung und Distanz
Wenn ich den anderen abwerte, kann ich mich größer und stärker fühlen – und brauche ihn nicht mehr zu fürchten. Hierzu gehört das übertriebene Macho-Gehabe (am besten in der Gruppe), indem der Mann versucht, seine männliche Identität durch Anders-Sein als “weiblich” zu definieren: superstark statt schwach, furchtlos statt ängstlich, immer cool statt gefühlvoll.

Oft haben solche Männer ein patriarchalisches Bild verinnerlicht, in dem Frauen eine niedere Position einnehmen. (So nannte z. B. Altbundeskanzler Kohl die damalige Ministerin für Frauen und Jugend, “mein Mädchen”. Heute ist das “Mädchen” selbst Kanzlerin.) In monotheistischen Religionen, (wie Judentum, Christentum oder Islam) ist beispielsweise die Existenz einer Göttin undenkbar.

2. Durch Anpassung und Unterordnung
Wenn ich mich so gebe, wie ich glaube, dass der andere mich haben will, kann ich ich mir seine Gunst sichern. Hierzu gehört der Muttersohn, der Softie aber auch der notorische Herzensbrecher.

Meist haben solche Männer ein matriarchalisches Bild verinnerlicht, indem sie Frauen und weibliche Eigenschaften idealisieren und “typisch männliche” Eigenschaften ablehnen oder verachten.
(Solche Männer stimmen dann gern ein, wenn es heißt, dass Frauen doch das stärkere/bessere Geschlecht seien oder bei sexistischen Bemerkungen von Frauen “Er ist eben nur ein Mann!” gerne mitnicken.)

 

Der Mann als eierlegende Wollmilchsau?

Vater_laptop_kind_iStock_xs_000004635780XSmallWie soll der moderne Mann heute sein? Eine Art Alpha-Softie? Ein Macho, der gern Windeln wechselt?

Die gesellschaftlichen Veränderungen haben die Erwartungen und Wünsche von Mann und Frau aneinander stark beeinflusst.

Doch die Partnerwahl ist unbewusst auch durch Beuteschemata geprägt, die sich über Jahrtausende entwickelt haben und nicht so leicht zu überformen sind.

Das Ergebnis ist eine mögliche Vielfalt in den Lebensentwürfen, für den Preis größerer Unübersichtlichkeit und Unsicherheit. Dazu passt ein Ergebnis des Gesundheitsreports 2013 der Techniker Krankenkasse, wonach Männer in Teilzeit eher psychisch erkranken als Männer, die Vollzeit arbeiten. Genau das wäre aber eine Option, wenn Kindererziehung und Familienarbeit nicht ausschließlich Frauensache bleiben soll.

Mann kann es nicht mehr allen Recht machen. Frau auch nicht. Es muss also fast alles besprochen und verhandelt werden.

Frauen tun das untereinander mehr als Männer. Und sie bieten meist auch mehr „Beziehungsgespräche“ an. Männer reden über diese Veränderungen untereinander selten. Das führt meist dazu, dass Männer sich abkapseln, Ihren Kummer kompensatorisch bewältigen oder zu verschiedenen Suchtmitteln greifen.

Auf jeden Fall reden sie nicht darüber. Auch weil sie denken, dass es nur ihnen so ginge.

 

Wo lernt man, ein Mann ein zu sein?

Bei den Indianern Nordamerikas und Naturvölkern müssen sich Jungen unter der Aufsicht von Stammesältesten einer Initiation unterziehen, indem sie allein und fastend in die Wildnis gehen. Kommen sie nach einigen Tagen und Nächten wieder zurück, sind sie in der Einsamkeit gereift und werden von den „Ältesten“ in die Gemeinschaft der Erwachsenen aufgenommen.

Dazu braucht es gute männliche Vorbilder. Am besten in Form des Vaters.

Doch in vielen Familien fehlte dieser oder war zwar physisch anwesend aber emotional nicht präsent. Auch außerhalb der Familie fehlten oft männliche Vorbilder. Im Kindergarten, in der Grund- oder Realschule, im Gymnasium fast nur weibliche Lehrkräfte.

Doch Mannsein kann man nicht von Frauen lernen. Mannsein lernt man nur von anderen Männern.

vater_sohn_flDas Thema liegt mir sehr am Herzen. Nicht umsonst habe ich ein Buch über Muttersöhne geschrieben und begann vor fünfzehn Jahren, fortlaufende Männergruppen und Männerworkshops zu leiten.

In einer Männergruppe ist es ohne das sonst übliche Balzverhalten bei der Anwesenheit von Frauen leichter möglich, sich mit spezifisch männlichen Fragen zu befassen und die Erfahrungen anderer Männer dazu zu hören:

  • Wie zufrieden bin ich mit meinem Leben?
  • Warum macht mir mein Job zu wenig Spaß?
  • Was fehlt mir zu einer besseren Führungskraft?
  • Warum habe ich immer wieder Entscheidungsprobleme?
  • Warum rauche, trinke, wiege ich zu viel?
  • Ich habe alle Ziele erreicht. Warum bin ich nicht zufrieden?
  • Was steckt hinter meinen gesundheitlichen Problemen?
  • Was haben meine Beziehungsprobleme mit mir zu tun?
  • Was blockiert mich, mein Leben zu steuern?
  • Wie kann ich “nein” sagen ohne Angst und Schuldgefühle?

 

Sind das Fragen, die Sie auch bewegen?

Die Teilnahme an einem meiner Persönlichkeitsseminare ist eine gute Gelegeneheit, solchen Fragen nachzugehen.  Wenn Sie interessiert sind, hier alle Infos …

 

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Welche Lösungen kennen Sie?

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Fotos: © Dimitry Ersler, lassedesignen – Fotolia.com, istock.com

Der Autor

Bloggt hier wöchentlich seit Juli 2005. Leitet intensive Persönlichkeitsseminare: 6 TN, 3 Tage, 1 Coach. Schreibt Bücher, eBooks und eMail-Kurse. Zeichnet jetzt sogar Cartoons.

8 Kommentare

  1. Clemens sagt

    Grundsätzlich guter Artikel!
    Den wichtigsten Satz finde ich: „Mannsein kann man nicht von Frauen lernen.“

    Leider hat heute vieles, was Männer exklusiv unter sich ausmachen und diskutieren wollen, den fahlen Beigeschmack des bösen Patriarchats, das es mit aller Kraft zu überwinden gilt.

    Eine kleine Bemerkung habe ich noch zum Artikel: Seine männliche Identität durch Anderssein als das Weibliche zu definieren, ist für mich nicht zwangsläufig mit Angst oder mit Macho-Gehabe verbunden. Gewisse Gegensätze bestehen einfach auf biologischer und genetischer Ebene. Die damit einhergehende Spannung macht die Anziehung unter den Geschlechtern doch gerade aus und sollte nicht durch Gleichschaltung angeglichen werden. (In der Regel) wird doch das Weibliche vom Männlichen und das Männliche vom Weiblichen angezogen. Man muss aufpassen, dass man diese Anziehung nicht einer falsch verstandenen political correctness zuliebe opfert.

    Die amerikanischen Männer sind in der Diskussion ihrer Rolle übrigens um einiges organisierter als wir im deutschsprachigen Raum (es gibt dort etliche online-Männer-Netzwerke, Diskussionsforen und Blogs).

  2. Toni sagt

    Hallo,

    auf welche Art lässt sich den Offenheit bzgl. Gefühlen und Bedürfnissen am Besten lernen?

  3. Salome85 sagt

    Viele Punkte und vor allem die Fragen, die hier angesprochen worden sind, treffen auch auf Frauen zu. Daher stellt sich für mich persönlich eher die Frage: Inwiefern sind Menschen tatsächlich in Familienstrukturen als Mutter und Vater glücklich? Inwiefern sind Menschen in langfristigen Partnerschaften glücklich?

    In gesellschaftlicher Hinsicht ist die „Zelle“ Familie äußerst wichtig und wirkt zivilisierend.

    Allerdings betreffen die meisten Probleme doch hauptsächlich Menschen in der Mutter- oder Vaterrolle. Der nächste Gedankengang drängt sich hier nahezu auf.

    Zudem darf nicht vergessen werden, dass auch Frauen in einem Dilemma stecken. Man möchte Bildung, die sich am Ende auch durch eine dementsprechende berufliche Positionierung auszahlt. Irgendwann möchte man Kinder. Aber nur die Mutterrolle ist nicht erfüllend. Windel wechseln, Kinderspiele und Spielplatz sind eben keine Lebenserfüllung.
    Dann sucht man natürlich auch das große Glück in Form eines Partners, der neben einer ordentlichen Portion Bildung eben auch die entsprechenden soft skills besitzt.
    Auch die Frau ist eine eierlegende Wollmilchsau. Nur das dies eben immer schon so hingenommen worden ist. Wird nun Ballast auf die Schultern der Männer gelegt, empören sie sich.
    Auch Frauen erleiden ein burn-out durch ihr Dasein als Mutter und Primärerziehende.

    Es ist ein Menschenproblem der modernen Gesellschaft, in der viel Freiheit und Verlorenheit zu finden ist.

    Noch eine Sache zum Beitrag, die ich persönlich recht interessant fand: Männer verspüren in ihrer Vaterrolle zu wenig Gefühle?!
    Eine Erläuterung würde mich sehr interessieren.

    Es bedarf eines Miteinanders, wenn es funktionieren soll.

  4. birgit64 sagt

    war sehr gut, mein Schwiegersohn ist so,ich bezeichne ihn als Softie,finde aber dass er in die heutige Zeit passt

  5. Es ist sicherlich so, das Männer auch unter Merhfachbelastung leiden, aber wie soll Frau das wissen, wenn Mann nicht den Mund aufmacht und kommuniziert. Also sollten die Männer sich trauen auch in Beziehungen öfter mal Beziehungsgespräche anzufangen und uns darüber aufklären was sie fühlen oder was sie belastet.

  6. Ja, die meisten Männer haben das nicht gelernt – von ihren Vätern.
    Aber es ist nicht so schwierig, dass man es nicht lernen könnte.

  7. Schöner Artikel!
    Ich bin auch seit über einem Jahr in einer Männergruppe, die sich zwei Mal im Monat trifft. Da wird sich ausgetauscht. Aber richtig!
    Genau dieses Verständnis fürs Mannsein fehlt leider allzu häufig in der heutigen Erziehung in unserer Gesellschaft.
    Wahre Männlichkeit drückt sich meiner Meinung nach durch die Offenheit der eigenen Gefühle und Bedürfnisse aus. Leider haben das viele Männer nicht gelernt, aus den im Artikel beschriebenen Gründen.

  8. Alpha-Softie. Allein dafür hat sich der Artikel gelohnt.

    Der Begriff trifft ziemlich genau, was ich bei mit selbst aber auch bei vielen meiner Altersgenossen erlebe.

    Nicht nur die Frauen von heute haben die Mehrfachbelastung. Die Männer auch. Nur wird nicht so laut drüber gesprochen.

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